10.12.2010

Harte Zeiten für Wildtiere ... in Baden-Württemberg

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg ruft in einem Artikel "Harte Zeiten für Wildtiere" vom 30.11.2010 Spaziergänger und Natursportler (!) dazu auf, auf den Wegen zu bleiben und das Wild nicht zu erschrecken. Der im Winter verminderte Stoffwechsel erfordere besondere Ruhe für Wildtiere. Jede Störung des Wildes verbraucht dringend für diese nahrungsarme Zeit benötigte Resourcen. Von Jägern, die massiv in die Winterruhe der Tiere eingreifen, kein Wort.

Opfer einer Drückjagd

Am 6.12.2010 berichtet die Südwestpresse über eine Bewegungsjagd mit 80 Jägern und 40 Treibern mit ihren Hunden bei großer Kälte und Schneelage bis 60 cm. Dass es hier keineswegs Tierschutz konform zugeht, darin sind sich auch viele Jäger einig.

In Jagdzeitschriften und Jägerforen kann jeder nachlesen, dass die Bewegungsjagd an sich schon nicht Tierschutz konform ist. Das Wild ist häufig hochflüchtig, eine genaue Ansprache (welches Geschlecht, wie alt) ist kaum möglich, die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit bei Bewegungsjagden ein Tier tödlich zu treffen, liegt bei 1:4 bis 1:3. Dass bei dieser Jagd mit 80 Jägern nur ein Wildschwein durch Streifschuss "angeschossen" wurde, können Sie - verehrte Leser -  getrost vergessen.

Der Sonderdruck "Wildbrethygiene" des Deutschen Landwirtschaftsverlages (2008) zitiert Untersuchungen, die eine Blattschussquote von 25-30 % bei Bewegungsjagden ergaben. Das heißt im Umkehrschluss dass bei vielen Tieren zunächst "nur" die Keule (das Bein) durchschossen wird, der Rücken verletzt wird, die Bauchdecke aufgeschossen wird. Weil es Jäger gibt, die nicht zu ihren Fehlschüssen stehen, gibt es auch etliche Tiere, die elendig im Wald zugrunde gehen.

Der Pressesprecher des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg, der zwar Wald-Spaziergänger zur Einhaltung der Wege gemahnt, ist zu einer Stellungnahme zur winterlichen Störung des Wildes durch die Jagd in seinem Bundesland leider nicht bereit. Auch will er keine Empfehlung an seine Jäger aussprechen, zumindest bei Verhältnissen wie bei oben verlinkter "Nikolaus-Jagd" die Jagd ruhen zu lassen.

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