30.06.2010

Ohne Fragezeichen - BUND befürwortet die Jagd

„Wenn die Jagd waidgerecht ausgeübt wird, wovon ich bei uns ausgehe, nützt sie – auch im Naturschutzgebiet." Dieses Zitat des Vorsitzenden des Regionalverbandes Baden-Württemberg gibt nach Meinung von Carsten Fritsch, Sprecher von BUND Berlin, die Position des Naturschutzverbandes wider. Eine solche Position ist nach Meinung von JagdAberFair, einer Tierschutz-Initiative mit dem Schwerpunkt Jagd, weder aus Sicht des Tierschutzes noch unter ethischen Gesichtspunkten vertretbar. Die "waidgerechte" Jagd erfordert Jahr für Jahr inklusive Dunkelziffer etwa 8 Millionen Tieropfer. Ca. 2-4 Millionen der von Jägern getöteten Wild- und Haustiere verenden dabei qualvoll, entweder weil sie nicht tötlich getroffen wurden oder weil sie in Todschlagfallen lebensgefährlich verletzt wurden. Der Großteil dieser Tiere wird entsorgt, ein Tod allein für das "Vergnügen" der Jagd. Neben diesem tierquälerischen Aspekt scheint BUND ferner billigend in Kauf zu nehmen, dass jedes Jahr durch mehr als 1.000 Tonnen Bleischrot Grund und Boden, Gewässer und durch die Nahrungskette Mensch und Tier vergiftet werden. Selbst das von Herrn Fritsch vorgeschobene Argument "Wald vor Wild" sticht nicht - die Jagd auf Rehe und Rotwild wie sie heute ausgeführt wird ist im Hinblick auf das, was sich "Wald vor Wild"-Befürworter davon versprechen vollkommen ineffektiv. Vielmehr verursacht die Jagd a) durch ihre Ineffizienz und b) durch die Wildtiermast (der Jäger nennt das Hege) erst die enormen Waldschäden, die sich jedes Jahr auf mindestens 2-stellige Millionenbeträge addieren - zu Lasten des Steuerzahlers.
Lesen Sie auch den Artikel "Wald kommt vor Wild" im Südkurier vom 29.6.2010 und meine Pressenotiz vom 28.6.2010 zum gleichen Thema




28.06.2010

BUND pro Jagd?

„Wenn die Jagd waidgerecht ausgeübt wird, wovon ich bei uns ausgehe, nützt sie – auch im Naturschutzgebiet." Dieser Äußerung des BUND-Regionalvorsitzenden Hans-Jürgen Bannasch aus Waldshut kann ich nur zustimmen! Die Jagd  - auch im Naturschutzgebiet -  nützt den Jägern. Sie nützt aber nicht der Natur, die mit Geländewagen geschädigt und mit tonnenweise Blei vergiftet wird. Sie nützt nicht der Biodiversität und nicht dem Artenschutz - die Jagd ist dem renommierten Zoologen Prof. Dr. Reichholf folgend nach der Landwirtschaft der Artenfeind Nr. 2! Die Jagd nutzt auch nicht den Menschen, weder werden die Felle der Tiere nachgefragt noch das Wildbret - die überwiegende Anzahl der ca. 6 Millionen getöteten Tiere wird verbuddelt oder kommt in die Tierkörperbeseitigungsanstalt. Die Tollwut wurde nicht durch die Jagd ausgemerzt sondern durch breitangelegte Impfaktionen. Der Fuchsbandwurm ist mit gerade mal 18,6 neuen Krankheitsfällen pro Jahr (Robert-Koch-Institut) bei weitem nicht so gefährlich wie die gemeine Zecke. Aber gegen 100.000 Borreliose-Fälle pro Jahr sind wohl auch die Jäger machtlos. 30 - 40 Menschen, die bei Jagdunfällen jedes Jahr ums Leben kommen, könnten sie aber schon vermeiden, auch die über 1.000 Leicht- und Schwerverletzten. Die Jagd nutzt nicht einmal dem Wald oder der Landwirtschaft - Verbissschäden summieren sich dank Wildtiermast und Medikamentenverabreichung seit Jahrzehnten zu mindestens 2stelligen Millionenbeträgen pro Jahr, aber der Steuerzahler hat's ja. Den Tieren nutzt die Jagd schon gar nicht, nach den offiziellen Statistiken werden jedes Jahr 5-6 Millionen Tiere durch die Jagd getötet - da kann man getrost nochmal 2 Millionen Tiere, die angeschossen werden und qualvoll verenden, drauflegen. Und wofür das alles? 8 Millionen tote Tiere, 'zig Millionen an Steuergeldern - damit es den Jägern nützt! Ist das Naturschutz á la BUND?














Lesen Sie hierzu auch den Südkurier-Artikel Naturschützer streiten über die Jagd und die Kritik des Arbeitskreises Humaner Tierschutz

26.06.2010

NRW - Wie stehen die Parteien zum Haustierabschuss?

Anlässlich der Landtagswahl 2010 in Nordrhein-Westfalen hat die Albert-Schweitzer-Stiftung die Parteien hinsichtlich der Berücksichtigung des Tierschutzes in ihrer Politik befragt. Nachfolgend die Antworten auf einen alle Haustierbesitzer betreffenden Teilaspekt der Jagd:


Wie steht Ihre Partei zu dem Vorschlag, das Töten von Haushunden und Hauskatzen durch Jäger zu verbieten? (Anmerkung: Dazu sollte man wissen, dass in Deutschland ca. 300.000 Katzen und etwa 40.000 Hunde pro Jahr von Jägern erschossen werden)



CDU Nordrhein-Westfalen
Die Zahl der Abschüsse ist rückläufig. Wildernde Hunde stellen eine Gefahr für Wild- und Nutztiere (z. B. für Rehkitze, Schafe, Ziegen) dar. Die rechtlichen Voraussetzungen, unter denen Haustiere im Rahmen des Jagdschutzes abgeschossen werden dürfen, sind im Landesjagdgesetz geregelt. Der willkürliche Abschuss von Haustieren stellt einen Verstoß gegen jagd- und tierschutzrechtliche Vorschriften dar. Zuwiderhandlungen werden von den zuständigen Behörden und Staatsanwaltschaften verfolgt.

SPD Nordrhein-Westfalen
Das Bundesjagdgesetz erlaubt es Jägern wildernde Haustiere im Rahmen des Wildschutzes zu töten. Die SPD appelliert an die Jäger mit dieser “Kann-Regelung” verantwortungsvoll umzugehen.

Die Grünen/Bündnis 90 Nordrhein-Westfalen
Die Grünen lehnen den Abschuss von Haustieren ab. Nach gängiger Praxis werden jedes Jahr eine hohe Anzahl von Hunden und Katzen von Jägern erschossen, unter dem Generalverdacht des Wilderns. In der Jagdsaison 2008/2009 waren es 128 Hunde und 11385 Katzen in NRW. Diese Praxis ist umso unverständlicher, als alternative Maßnahmen wie das Einfangen der Tiere und die Verhängung von Bußgeldern gegen die Tierhalterinnen und -halter möglich wären. Da das Landesgesetz bisher kein Abschussverbot von Haustieren vorsieht, setzen wir uns für eine entsprechende Novellierung ein.

FDP Nordrhein-Westfalen
Die Abschusszahlen von Haustieren durch Jäger haben sich in den letzten fünf Jahren fast halbiert. Unter Rot-Grün wurden jährlich über 20.000 Katzen in NRW geschossen. Insofern wurde bereits eine Mentalitätsänderung erreicht. Diesen Weg wollen wir weiter gehen. Ein Verbot, wildernde Haustiere zu erlegen, wäre allerdings auch aus Tierschutzgründen fragwürdig. Denn Katzen jagen vor allem heimische Singvögel und beeinträchtigen somit das biologische Gleichgewicht im Wald. Wir sind davon überzeugt, dass die Jäger ihre Arbeit im Sinne des Tierschutzes betreiben und das Prinzip der Waidgerechtigkeit, dem sich jeder Jäger verpflichtet sieht, anwenden.

Die Linke Nordrhein-Westfalen
Haushunde- und Hauskatzen sind im Siedlungsbereich wichtige Partner für ihre Halterinnen und Halter. Gleichzeitig bringen sie jedoch bereits dort ein Ungleichgewicht in wildlebend vorkommende Tierarten. In Wäldern und Forsten kann sich dieser Effekt verstärken, daher spricht sich die LINKE nicht für ein solches Verbot aus.

ÖDP Nordrhein-Westfalen
Das Töten von Haushunden und Hauskatzen durch Jäger muss verboten werden, da nicht selten die Kompetenzen von Jägern überschritten werden. Eine hinreichende Recherche durch Jäger nach Herkunft von sogenannten wildernden Hunden bzw. Katzen wird durch das derzeitige Recht nicht gewährleistet. Eine dadurch geförderte subjektive Betrachtung der Situation durch Jäger ist oft die Folge, und macht die Besitzer dieser Haustiere oft zu Betroffenen.

Tierschutzpartei Nordrhein-Westfalen
Grundsätzlich fordert unsere Partei die Abschaffung der Jagd als GANZES, und nicht nur von einzelnen “Jagdformen”.

23.06.2010

Sind Jäger Lust-Töter?

Ein klares Ja sagt der Neurologe, Psychoanalytiker, Schriftsteller, Ehrendoktor der Universität Klagenfurt und passionierte Jäger Paul Parin in seinem Buch. „Die Leidenschaft des Jägers“: „Seit meinen ersten Jagdabenteuern weiß ich: Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird...“
Parin berichtet, wie er als Dreizehnjähriger einen Haselhahn schoss und dabei seinen ersten Orgasmus erlebte. Einige Jahre später schießt er seinen ersten Bock – seine Initiation, der Eintritt in das Leben als Mann und Jäger: „Das Jagdfieber erfasste mich immer wieder mit der gleichen Macht wie sexuelles Begehren. Das Ziel der Gier war jetzt der Mord an einer Kreatur.“

Quellen: Initiative zur Abschaffung der Jagd,
Paul Parin: Die Leidenschaft des Jägers. Erzählungen. Europäische Verlagsanstalt/Sabine Groenewold Verlage, Hamburg, 2003. ISBN: 3-434-50561-X. Preis: 19.90 Euro

18.06.2010

Von einem, der die Flinte an den Nagel gehängt hat

aktualisiert 16.5.2016
Nachfolgend die Auszüge aus dem Brief eines Jägers, in welchem dieser seine Beweggründe die Flinte an den Nagel zu hängen erläutert. Quelle: Freiheit für Tiere

... Nach 12 Jahren habe ich endlich den Mut aufgebracht, aus der Jägerschaft auszutreten. In dieser Zeit konnte ich die Mentalität des heutigen Jägers voll erkennen. Ich hatte auch die Gelegenheit, mit mehreren Jagdverbänden zusammenzuarbeiten, so dass die unten angeführten Bemerkungen nicht für einen kleinen Kreis der Jägerschaft gelten – in dem ich Mitglied war -, sondern ich wage zu behaupten, dass die Jäger-Mentalität mehr oder weniger überall die gleiche ist.

Hirsche (Rotwild ... Cervus elaphus)
Bild: www.andersfotografiert.com

Warum soll man kein Jäger werden?
1.Die Behauptung, dass Jäger Umweltschützer oder Ökologen seien, ist lächerlich, genau so wie die Behauptung, dass die Jäger viele freiwillige Stunden im Jagdbezirk verbringen zum Wohle des Wildes, der Tiere und der Umwelt.

Alles, was der Jäger im Jagdbezirk tut, ist mittelbar oder unmittelbar mit der Jagd = „Ernte“, dem Abschuss oder mit dem geselligen Zusammensein verbunden. Übrigens: Die so genannten Umweltschutzarbeiten bestehen größtenteils aus dem Aufbau oder Erhalt der Jägerobjekte – die ja dort, wo sie sich befinden, ohnehin ein naturstörendes Element sind -, oder aber zur Futtervorbereitung, die in den meisten Fällen nur ein Lockmittel für das Wild darstellt; die Futterstellen und Futterfelder sind ja von Hochsitzen umstellt. Die verschiedenen Reinigungsaktionen in Wald und Flur sind nur Sand in den Augen der breiten Öffentlichkeit – und natürlich pure Jägerpropaganda. Die Jäger mit ihren Hochsitzen, Fahrzeugen und ihrer Anwesenheit sind die größten Naturschädlinge unter allen Erdbewohnern!

2. Noch lächerlicher ist die Behauptung, dass die Jagd in erster Linie Sorge für das Wild trägt und der Abschuss nur eine ihrer Aktivitäten sei. Das Ziel der Jagd ist die Exekution bzw. Tötung, womöglich der schönsten Tiere als persönliche Trophäe – und nichts anderes.

3. Glauben Sie nicht, Jäger sein ist ein Samariterdienst an kranken, angefahrenen oder in Not geratenen Tieren. Für die Situationen, in denen die Jäger als Samariter auftreten könnten, braucht man nicht Jäger (in Deutschland: ca. 340 000) mit der Flinte, sondern nur ein paar professionell ausgebildete Menschen, die eine richtige Einstellung zu den Tieren haben.

Ich behaupte, dass keine Tat, bei der Erfolg mit Blut verbunden ist, ehrenhaft sein kann – am allerwenigsten bei der Jagd, wo das Tier als Opfer dem Jäger hilflos und schutzlos ausgeliefert ist.

4. Die Jägerwelt ist viel schlimmer, als man es sich vorstellen kann. Ein wahrer Jäger wirst du nicht mit der Absolvierung des Lehrgangs und der Prüfung, sondern:
Wenn du das Tier nur noch als ein Ding siehst und es dann, wenn du es getötet hast, Ansehen bei anderen Menschen bringt, Dein Selbstbewußtsein anhebt und Neid bei Kollegen verursacht. - Wenn du bereit bist, wegen der Jagd die Familie, die Arbeitspflichten und dich selbst zu vernachlässigen. - Wenn Verleumdungen, Heuchelei, und Alkohol zu deiner Stärke werden oder zumindest dir nicht fremd sind. Wenn dich die Schmerzen und die Qual der Tiere nicht mehr berühren.

Der Austritt aus der lodengrünen Gesellschaft war für mich eine große Erleichterung, und ich glaube, dass es viele Jäger gibt, die in diese „Organisation“ hineingeschlittert sind: auf Empfehlung von Freunden – Jägern, wie ich z.B. – oder durch Familientradition.
Bist du noch Jäger, dann überlege es dir: Wenn du Tier- und Naturliebhaber werden willst, wie es die meisten Jäger für sich gerne in Anspruch nehmen, dann kannst du es sein – aber bitte ohne Gewehr!

Meine Absicht ist nicht, die hartgesottenen Jäger von ihrem Irrtum zu überzeugen. Aus Erfahrung weiß ich, dass dies kaum möglich ist, denn in ihrem Leben ist die Jagd an erster Stelle – und oft hatte ich Gelegenheit zu sehen, wozu diese Menschen in der grünen Uniform bereit sind.

Ich apelliere an jene, die mit der lodengrünen Bruderschaft liebäugeln. Ich versichere Ihnen aus meiner Erfahrung: Wenn Sie noch ein wenig zweifeln, ob die Jagd für Sie wirklich das Richtige ist, dann haben Sie in der Jägerschaft nichts zu suchen. Denn Sie sind dann – Gott sei Dank – nicht brutal genug für die seelenlosen Jäger!“

Weitere Informationen zum Thema: Abschaffung der Hobby-Jagd

17.06.2010

Abschuss von Hunden und Katzen

Jährlich werden ca. 300.000 Katzen und 40.000 Hunde von Jägern erschossen, manche erst mittels Fallen gefangen und dann erschlagen oder erschossen. Einen sehr lesenswerten Beitrag zu diesem Thema habe ich im Forum von WITAS gefunden. Zum Beitrag "Haustierabschuss" (Autorin: Heidrun)

16.06.2010

Strupie Gedenktag - Tierschutzdemo in Kassel

Anlässlich des durch einen Hobby Jäger getöteten Katers Strupie findet am Samstag, den 18. September 2010, in Kassel ein bundesweiter Tierschutztag statt. Veranstalter ist der Verein "Natur ohne Jagd e.V.". Es werden zahlreiche Tierschutzinitiativen und -organisationen und -vereine erwartet. Themen sind nicht nur die Missstände der Jagd, sondern auch Massentierhaltung, Versuchstierquälerei, Pelztierhaltung, Tiere im Zirkus.
WebSite und Anmeldung

12.06.2010

Offener Brief an Kurt Beck (SPD) - Teil 3

Teil 3 (Auszug) aus dem offen Brief an Ministerpräsidenten Kurt Beck, Ministerin Condrad u.a. von pro iure animalis (Teil 1 und 2 siehe hier). Das vollständige 6 Seiten umfassenden Dokument kann bei OpenPR abgerufen werden.


Nach dem Konsens waren dann wieder alle gute Freunde, es musste nicht mehr demonstriert werden und die „Jagdministerin“ lobte auch wieder die Jäger für ihre Aufopferung zum Schutz der Bevölkerung, dankte den Lodenträgern für den Erhalt wichtiger Traditionen und die Bewahrung des Kulturgutes.


Tradition? Kulturgut? Meint Frau Conrad die Tradition des hinterhältigen Tiermords? Meint sie das Kulturgut, wenn Jäger marodierend durch den Wald rennen und feucht-fröhliche Gesellschaftsjagden abhalten und dabei noch ein paar Passanten anpöbeln? Meint sie Begebenheiten, wenn Jäger nicht nur zur Gefahr für Tiere werden, sondern auch zur Gefahr für die Bevölkerung bei ihren unkontrollierten Schiessveranstaltungen in Wald und Flur, bei Treibjagden, in deren Folge flüchtende Tiere regelmäßig den Straßenverkehr gefährden?

Der in kleiner, intimer Runde ausgehandelte Gesetzesentwurf hat die ersten Hürden zur Verabschiedung im Landtag genommen, einem Landtag, dem Tierschutz in seiner Majorität ein Fremdwort ist....
Aber das Lehrstück, wie man demokratische Regeln aushebelt, ging in die nächste Runde. In einer Schauveranstaltung, genannt „öffentliche Anhörung“, waren alle geladen, deren Urteil zu Tierschutz n i c h t gefragt war.

Wichtige Verbände, wie die Bogenschützenvereinigung, der Sportbund, aber auch der Verband der Berufsjäger – deren zahlreiche Mitglieder in Rheinland-Pfalz in einen Kleinbus passen – konnten ihre Meinungen vortragen, völlig unwichtige und unbedeutende Verbände zum Tierschutz, wie z.B. der deutsche Tierschutzbund, PeTA oder gar das penetrant aufsässige pro-iure-animalis waren nicht geladen, da Kritik seitens der Regierung nicht erwünscht war. Nicht einmal das Tierschutz-Alibi-Gremium der Regierung, der Tierschutzbeirat, war erschienen – aus Desinteresse oder auf Anweisung?

Hingegen waren linientreue Naturschutzvereinigungen, wie der NABU, zugegen. Es war insgesamt eine harmonische und ungestörte Veranstaltung, denn das geächtete Wort „Tierschutz“ oder gar „Tierrecht“ fiel kein einziges Mal.

Um es noch mal ins Gedächtnis zu rufen: wir berichten hier über ein Gesetzgebungsverfahren in dem Bundesland „Rheinland-Pfalz“ innerhalb der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2010, einem Land mit (noch) demokratischem Gesellschaftssystem.

Rehwild ...Capreolus capreolus

Frau Conrad, sehr geehrte Herren,
dieses demokratische System führten Sie ad absurdum mit solchen undemokratischer Schauveranstaltung, die selbst einem totalitären Staat zur Ehre gereichet hätte! ... wie lange wollen sie den Tierschutz noch mit Füßen treten?

Und in diesem Sinne nun zum eigentlichen Kern: was wird sich durch die Reform ihres Jagdgesetzes für unsere Mitkreaturen ändern? Das lässt sich ganz schnell zusammenfassen und auf den Punkt bringen: Nichts! Nennenswerte Aspekte des Tier- und Naturschutzes in den Reformvorschlägen fehlen vollends. Nein, Entschuldigung, wir haben gerade eben den Herren Ridderbusch und Jacob Unrecht getan. Die Seehundjagd wird ab sofort in Rheinland-Pfalz verboten sein, denn der Seehund wurde aus der Liste der bejagbaren Tierarten im Landesgesetz gestrichen. Ein mutiger und beherzter Schritt. Aber die Lücke, die hier gerissen wurde, hat wunderbar gepasst für den Waschbär. Die Gefahr einer Waschbärenplage, mit unermesslichen Schäden für die Landwirtschaft, droht! Wir sind sicher, das putzige Bärchen überträgt irgendwelche Krankheiten, stellt eine Seuchengefahr dar und ist zudem garantiert extrem gefährlich, es finden sich wahrscheinlich bald Indizien dafür. Da sind wir uns sicher. Sie halten das jetzt für zynisch und überspannt? Nein, ist es nicht, es ist die Praxis ihrer Regierung.

Auf solchen Argumentationsschienen der künstlich geschürten Angst rechtfertigen die Jäger ihre Tötungslust. Schauen wir doch dazu exemplarisch auf den Fuchs.

Für den Jäger der Schädling, der Feind, die Gefahr schlechthin, die es zu vernichten gilt. Die Jäger retten das Volk vor dem Fuchsbandwurm. Die Jäger retten die Bodenbrüter vor der endgültigen Ausrottung. Die Jäger retten sogar das Volk vor der Tollwut, die primär vom Fuchs übertragen wird. War es nicht so, dass Deutschland seit Jahren frei von Tollwut ist? Aber es gibt so viele Füchse – eine regelrechte Fuchsplage! Dass aber mit jedem Schuss und der damit verbundenen Zerstörung sozialer Gefüge in der Fuchspopulation die Vermehrung angeregt wird, ist den Schießwütigen genauso unwichtig, wie dass der Fuchs die Population von Ratten und anderen Kleinnagern ganz im natürlichen Kreislauf in Schach hält.

Forderungen gegen den Genozid der Füchse werden nur als wirre Argumente von Naturfanatikern und verstädterten Tierliebhabern, Menschen ohne Bezug zur Natur, dafür aber mit ausgeprägtem Bambisyndrom dargestellt. Der echte, kernige, naturverbundene Mensch, sprich der Jäger, die Korrekturschraube der Schöpfung schlechthin, kann und weiß das alles viel besser, denn was kümmert den grünen Abiturienten das Geschwätz der Wissenschaft, hat er doch innerhalb von 14 Tagen die Lizenz zum Töten erlangt!

Das waren jetzt nur mal auf die Schnelle die Argumente für den unkontrollierten Massenmord an Füchsen. Auch Wildschweine, Rehe, Hasen, Marder – einfach alle Tiere sind eine Gefahr für die Menschheit, vor der uns die Jäger aufopfernd und bereitwillig schützen. Nein, zynisch ist das nicht, das sind die Argumentationen der Waldmetzger und zugehöriger Regierungsstatisten.

Fortsetzung folgt

11.06.2010

Jagd ist angewandter Tierschutz

Diese Überschrift las ich gestern im Regionalteil der Website der Rhein-Main-Presse. Ich frage mich, wie das Töten von ca. 6 Millionen Wildtieren und ca. 340.000 Haustieren pro Jahr in Deutschland nur in die Nähe des Tierschutzes gerückt werden kann. Und was sich die Presse dabei eigentlich denkt, wenn sie so etwas unkritisch abschreibt. Es werden durch die Jagd nicht nur Tiere ohne jeden vernünftigen Grund millionenfach getötet und in Fallen zu Tode gequält. Ein sehr hoher Prozentsatz (bei Federwild bis zu 60 %) wird durch Fehlschuss verletzt. Füchse, Rehe, Hirsch, Wildschweine nach Stunden der Qual manchmal gefunden. Häufig aber verenden diese Tiere unentdeckt oder vegetieren mit zerschossenen Vorderläufen, zerschossenem Gesicht dahin. Ist das angewandter Tierschutz?

09.06.2010

Offener Brief an Kurt Beck (SPD), Teil 2

Teil 2 (Auszug) aus dem offen Brief an Ministerpräsidenten Kurt Beck von pro iure animalis (Teil 1 finden Sie hier). Das vollständige 6 Seiten umfassenden Dokument kann bei OpenPR abgerufen werden.


Lassen wir aber Ihre Vorgehensweise der Gesetzgebung .. einmal Revue passieren.
Zwei Forstexperten der „Jagdministerin“ arbeiten einen Gesetzesentwurf aus. Beide sind Jagdscheininhaber. Allein dieses Vorgehen ist an Absurdität kaum zu überbieten! Oder holt man für eine Steuerreform auch die Experten aus den Kreisen von Steuerflüchtlingen?
Offensichtlich sind die Herren ... aber doch zu weit gegangen mit ihren Reformvorschlägen – aber nur, was die Pfründe der Jägerschaft betrifft; denn die Jäger waren sauer, stinksauer. So sauer, dass sie gedroht haben eine Demonstration in Mainz zu veranstalten und ihren Unmut über die Jagdgesetzreform auszudrücken.

Rotwild........Cervus elaphus

Aber dieser Eklat wurde vermieden. Kein geringerer als Herr Beck, der zu seinen Lieblingsspeisen bekanntermaßen „Sauschnüssel“ zählt, sprang Frau Conrad und ihren Adjudanten zur Seite. Ein Gespräch in intimen Kreis, also Beck, Conrad und Landesjagdverband, begleitet von etwas Säbelgerassel für Presse und Publikum, und die Sache war geklärt; ging es doch letztendlich nur um Unstimmigkeiten zu Regelungen für Pachtzeiten, Pachtverträge und sonstiges Verwaltungsbeiwerk.

Vielleicht wundert man sich jetzt, wie so etwas geschehen kann. Ganz einfach: Da kommt eine Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Forsten und Verbraucherschutz, schwingt markige, inhaltsleere Reden über die bewahrenswerte Kultur des Jagens und spricht den Jägern Dank für Ihre aufopferungsvolle Tätigkeit im Dienste und zum Schutz der Bevölkerung aus. Die Affinität von Frau Conrad zur Jagd geht inzwischen so weit, dass sie sich gerne auch als „Jagdministerin“ betiteln lässt.

Übersehen haben allerdings die sozialdemokratischen Regierungsjagdfreunde, dass mehr als 70 % der Bevölkerung die Jagd ablehnen, den Wildtierterrorismus der Hobbyschützen verachten; man hat sich, obwohl man sonst vor der Majorität wahltaktisch kriecht, für das Wohlwollen von 0,4 % der schiessfreudigen „Naturschützer“ entschieden – eine strategisch-politische Meisterleistung der anderen Art.

Fortsetzung folgt

08.06.2010

Protestbrief an die Landesregierung in Mainz

pro iure animalis hat ein Protestschreiben zur Novellierung des Landesjagdgesetzes vorbereitet. Bitte beteiligen Sie sich an diesem Protest.  Durchlesen, Name, eMail-Adresse, versenden, fertig. Forderungen an eine neues Jagdgesetz sind u.a.:
  • Verbot der tierquälerischen Fallenjagd
  • Konsequentes Verbot des Haustierabschusses
  • Das längst überfällige Verbot von Bleimunition
  • Abschaffung der Zwangsbejagung auf Deinem Grundstück
  • Etablierung einer unabhängigen Kontrollinstanz für die Jagd bei den Behörden.
Hier geht's zum online Protest.

Offener Brief an Kurt Beck (SPD) - Teil 1

Am 3.06.2010 hat pro iure animalis anlässlich der Novellierung des Landesjagdgesetzes Rheinland-Pfalz einen offen Brief an Ministerpräsident Kurt Beck, seine "Jagdministerin" Margit Conrad und leitende Mitarbeiter des Ministeriums für Umwelt, Ernährung und Forsten in Mainz geschrieben. Nachfolgend Ausschnitte aus dem 6 Seiten umfassenden Dokument, welches vollständig bei OpenPR abgerufen werden kann:

Teil 1:
... Man ist doch schließlich Regionalfürst der deutschen Provinz „Rheinland-Pfalz“ ... und sich daher seiner „Bedeutung und Würde“ bewusst, obwohl man zwischenzeitlich vergessen hat, dass man als Diener des Volkes und nicht als Lobbyist gewählt wurde. Mit einem „politisch korrekten“ Schreiben können wir im Folgenden leider nicht dienen, liegt uns doch Ehrlichkeit, Wahrheit, Aufrichtigkeit und Freiheitsliebe zu sehr am Herzen.

Ein neues Landesjagdgesetz soll verabschiedet werden. ... Ja, es gibt Menschen, die bei dieser Ankündigung wirklich die Hoffnung hegten, nun würde auch dem Tierschutz, zumindest marginal, Rechnung getragen. Zu diesen Menschen gehörten wir nicht, haben wir doch in der Vergangenheit stapelweise Dossiers zur Verbesserung des Gesetzes und über die tierschutzwidrigen Taten der jagenden Antianimalisten vorgelegt; somit hätten wir zum wiederholten Mal „politisch korrekt“, aber auch zum wiederholten Mal ohne jegliche Resonanz, gehandelt.

07.06.2010

Hobby-Jagd ist tierverachtend

Als Argumente für die Notwendigkeit der Jagd werden Gründe wie Bestandsregulierung, "Raubtier-Ersatz", Artenschutz, Seuchenbekämpfung (Tollwut, Fuchsbandwurm) u.a. herangeführt. Tatsächlich ist es so, dass sich der Bestand der meisten Tierarten selbst regulieren könnte, wenn man nicht jagdlich eingreift und ggf. landschaftlich unterstütztende Maßnahme einleitet. Jagdfreie Gebiete in Europa und der Welt beweisen das. Raubtiere wie Wolf und Luchs haben immer nur vorwiegend kranke und schwache Tiere selektiert, nicht aber die "kapitalen" Tiere, wie es der Jäger vorzugsweise tut.

Hobby-Jagd hat nichts mit Artenschutz zu tun, Hobby-Jagd ist vielmehr tierverachtend! Jedes Jahr werden über 5.000.000 Tiere in Deutschland durch Jäger getötet. Die meisten davon werden verscharrt oder in der Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt. Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei und Wissenschaftler sprechen im Hinblick auf den Fuchsbandwurm von Hysterie - im Jahresdurchschnitt gibt es gerade einmal 18,6 Infektionsfälle (Robert-Koch-Institut).

Es ist an der Zeit, dem Töten aus Gründen der "Passion", weil es "Spass" macht oder weil man sich daran "aufgeilen" kann (lest mal die diversen Jagd-Foren), einen Riegel vorzuschieben.

06.06.2010

Kaum Gefahr durch den Fuchsbandwurm

Jägern und jagdaffinen Politikern sind viele (vermeintliche) Argumente recht, die Jagd auf den Fuchs zu begründen. Über eine halbe Millionen Füchse werden allein in Deutschland jährlich durch Jäger getötet. Einer der immer wieder angeführten Gründe für die Jagd auf den Fuchs ist die Ansteckungsgefahr mit dem Fuchsbandwurm. Keine Frage - die Infizierung mit dem Fuchsbandwurm kann tödlich verlaufen. Aber die Gefahr sich zu infizieren ist gemäß Katharina Alpers vom Robert-Koch-Institut ausgesprochen gering. In den Jahren 2001 bis 2008 gab es durchschnittlich lediglich 18,6 neue Krankheitsfälle pro Jahr in Deutschland.

"Das Risiko, sich zu infizieren, ist verschwindend gering", sagt auch Steffen G. Fleischhauer, Diplom-Ingenieur für Landschaftsplanung, der auch Lehrbeauftragter für „Essbare Wildpflanzen“ an der Fachhochschule (FH) Weihenstephan und der FH Zürich ist, in einem Artikel des Kölner Stadtanzeigers vom 14.06.2009.



Der gleiche Artikel zitierten Prof. Dr. Peter Kern, der das Europäische Echinokokkose-Register Ulm koordiniert, wo alle bekannt gewordenen Infektionen mit dem Fuchsbandwurm dokumentiert werden. „Ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Waldfrüchten und einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm lässt sich nicht herleiten“, sagt er. Nicht einmal Jäger oder Forstarbeiter gehörten zu den besonders gefährdeten Personen.

Wissenschaftler des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU München wiesen zudem bei einem in 2005 gestartetem Projekt im Landkreis Starnberg nach, dass durch das konsequente Auslegen von Entwurmungsködern die Infektionsrate von Füchsen dauerhaft auf ein Minimum abgesenkt werden kann. Zu Beginn der Untersuchung in 2005 waren noch über 50 % der Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert. Diese Rate konnte bis 2009 auf nur noch 3 % reduziert werden.

Den Fuchsbandwurm als Rechtfertigung für die Fuchsjagd gehört in die Abteilung Jägerlatein. Das Risiko sich als Mensch zu infizieren, ist verschwindedt gering. Das Restrisiko kann durch entsprechende Hygiene nochmal signifikant reduziert werden. Die Befallsrate von Füchse lässt sich mittels Impfködern dauerhaft gegen Null reduzieren.

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