27.12.2011

Jagdstatistik: Nie gab es so viel Rehe und Wildschweine

Aktualisiert am 17.02.2015

Die Anzahl der Tiere, welche durch die Jagd getötet werden, wird alljährlich vom Deutschen Jagdverband veröffentlicht. Für Lovis Kauertz spiegelt die Jahresstrecke der Jäger allerdings nur die halbe Wahrheit wider: „Viele Tierarten wie Schwäne, Rabenvögel, Kormorane, aber auch Hunde und Katzen, werden in der Jagdstatistik gar nicht erst erfasst, ebenso wenig wie nicht aufgefundene, den Verletzungen erlegene Tiere oder Opfer, die aus Bequemlichkeit nicht erfasst werden“, erläutert der Vorsitzende von Wildtierschutz Deutschland e.V.

Die Streckenstatistik des Jagdverbandes weist jährlich etwa fünf Millionen getötete Wildtiere aus, darunter auch ein Teil der durch Verkehrsunfälle umgekommenen Tiere. Die von Wildtierschutz Deutschland veröffentlichten Zahlen zählen etwa acht Millionen Jagdopfer – 22.000 tote Tiere pro Tag!

Der Sinn der Freizeitbeschäftigung Jagd wird nicht mehr nur von wenigen Jagdkritikern hinterfragt. Inzwischen gibt es breite gesellschaftliche Strömungen, welche eine grundsätzliche Reform der Jagdgesetzgebung fordern. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen sieht man vor, die Jagd auf Hunde und Katzen zu unterbinden und die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren einzuschränken, wie das bereits in Baden-Württemberg passiert ist. Die Vergiftung von Mensch, Tier und Umwelt mit bleihaltiger Munition ist ein weiteres aktuelles Thema.



Nie hat es in Deutschland so viel Rehe und Wildschweine gegeben, wie im letzten Jahrzehnt. Während in den 1980er Jahren jedes Jahr noch etwa 800 – 900.000 Rehe und 150 – 250.000 Wildschweine erlegt wurden, waren es im letzten Jahrzehnt etwa 1 - 1,1 Millionen Rehe und 500 – 600.000 Wildscheine pro Jahr, Tendenz steigend. „Die Jagd wird ihrem Auftrag der Bestandsregulierung nicht gerecht“ erläutert Kauertz, „trotz der zunehmenden Intensivierung der Jagd, nicht selten in Armeestärke von 200 – 300 Mann, und trotz Aufhebung von Schonzeiten wird das Wild nicht weniger, sondern mehr.“

Gründe liegen in der immensen Zuführung von Mastfutter durch Jäger und  - wie Wildschweinkenner und Jäger Norbert Happ schon 2002 resümierte  -  in der jagdlichen Zerstörung der sozialen Ordnung der Tiere, die in unbejagten Beständen die Reproduktion in Grenzen hält. Zu diesem Schluss kommt auch eine Langzeitstudie von Wissenschaftlern um Sabrina Servanty, die 2009 im renommierten „Journal of Animal Ecology“ veröffentlicht wurde: je intensiver die Tiere bejagt werden, desto stärker vermehren sie sich und desto höher werden die Bestände.

Wildtierschutz Deutschland kritisiert ferner, dass es durch mangelndes Schießtraining und die Jagd in der Dämmerung oder während der Nacht regelmäßig zu schlechten Trefferquoten kommt. Untersuchungen zeigen, dass bei Gesellschaftsjagden auf Rehe, Hirsche oder Wildschweine nur jeder dritte bis vierte Schuss tödlich ist. Bei der Jagd auf Wasservögel wird durch die breite Streuwirkung des Schrots ein großer Teil der Tiere „nur“ verletzt und nicht sofort getötet.



15.12.2011

Ministerium: Für Gesetzesänderung bestand keine zwingende Notwendigkeit

In einem Schreiben vom 8.12.2011 begründet das von Lucia Puttrich geleitete Umweltministerium die Verlängerung der Jagdzeit für Dachse wie folgt (Schreiben ist hier vollständig einsehbar):

·         Anzahl der Dachse sei kontinuierlich angewachsen
Anm. Red.: Diese Aussage ist falsch. Der Bestand der Dachse hat sich seit der signifikanten Dezimierung durch die Begasung von Fuchs- und Dachsbauen durch Jäger in den 1970er Jahren bis zu Beginn dieses Jahrtausends wieder erholt. In den vergangenen 10 Jahren ist der Bestand, gemessen an der Anzahl der getöteten Tiere, jedoch weitgehend konstant (vgl. Grafik).

Anzahl der getöteten Dachse bewegt sich in
einem Korridor zwischen 3.200 und 4.300 Tieren

Gefährdung des Straßenverkehrs durch Dachse
Anm. Red.: Das Ministerium geht von etwa 1.200 Dachsen aus, die p.a. bei Verkehrsunfällen mit PKWs in Hessen ums Leben kommen. Im Verhältnis zu gemeldeten ca. 16.000 Verkehrsunfällen mit Rehen ist die Anzahl der verkehrstoten Dachse, insbesondere aber der dadurch entstandene Schaden eher zu vernachlässigen. Dem Ministerium liegen nach eigener Auskunft keine Verkehrsunfallschadendaten von Versicherungen vor.

Fraßschäden in landwirtschaftlichen Kulturen
Anm. Red.: Dem Ministerium liegen hierzu gem. eigenen Angaben keine Schadensdaten vor.

Schäden durch Dachse an bodenbrütenden Vogelarten / Kleinsäugern
Anm. Red.: Dem Ministerium liegen hierzu gem. eigenen Angaben keine Daten über den Einfluss von Dachsen auf die Population anderer Arten vor. Es gibt auch keine wissenschaftlichen Belege darüber, dass Dachse die Bestände anderer Arten gefährden.

„Die Staatszielbestimmung Tierschutz (Anm. Red.: im Grundgesetz) enthält – wie Staatszielbestimmungen allgemein – eine verfassungsrechtliche Wertentscheidung, die von der Politik bei der Gesetzgebung und von den Verwaltungsbehörden und Gerichten bei der Auslegung und Anwendung des geltenden Rechts zu beachten ist.“ (Quelle BMELV)

Eine Abwägung der Verhältnismäßigkeit der Verlängerung der Jagdzeit für Dachse hat durch das Ministerium offensichtlich nicht stattgefunden. Diese hätte zwangsläufig zu dem Schluss kommen müssen, dass keine nachvollziehbaren Gründe für eine Verlängerung der Jagdzeit vorliegen. Weil weder nachvollziehbare ökonomische noch ökologische Gründe vorliegen, welche eine Verhältnismäßigkeit des Beschlusses auch nur annäherungsweise belegen, wird die durch das Hessische Umweltministerium und die von CDU und FDP getragene Entscheidung den Anforderungen unseres Grundgesetzes an den Tierschutz nicht gerecht.

Das hessische Umweltministerium, geleitet von Staatsministerin Lucia Puttrich, welches in der „weidgerechten Jagdausübung“ bereits einen vernünftigen Grund gemäß Tierschutzgesetz für das Töten von Tieren sieht, kommt selbst zu dem Schluss, dass für die Jagdzeitenverlängerung „keine zwingende Notwendigkeit“ besteht.

Wildtierschutz Deutschland fühlt sich in der Einschätzung bestätigt, dass die Gesetzesänderung in Hessen willkürlich und vermutlich alleine aufgrund einer Forderung des Landesjagdverbandes vorgenommen wurde.


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13.12.2011

Wir versteigern einen Fuchs - Weihnachtsauktion zugunsten von Wildtierschutz Deutschland

Die Auktion zugunsten von Wildtierschutz Deutschland ist beendet. Der Fuchs ist weg ... aber schauen Sie doch mal in unsere Katzengalerie.

Tun Sie Gutes und überraschen Sie sich selbst oder einen lieben Menschen in Ihrem Umfeld mit einem einzigartigen Weihnachtsgeschenk!

Ersteigern Sie Reineke Fuchs! Der Rotfuchs in Acryl auf Leinwand vom Airbrush-Künstler Rolf Tingler wurde 2010 gemalt und Wildtierschutz Deutschland e.V. für seine Weihnachtsversteigerung 2011 zur Verfügung gestellt. Das Bild misst 60 x 80 cm, kann vom Meistbietenden in Gau-Algesheim (bei Wiesbaden, Mainz) abgeholt werden oder wird mit Rahmen auf Wunsch kostenfrei versandt. Die Auktion endet am 23. Dezember 2011 gegen 19h00.

Der gesamte Erlös geht an unseren gemeinnützigen Verein Wildtierschutz Deutschland e.V.. Wir setzen uns für Füchse, die derzeit in den meisten Bundesländern ganzjährig bejagt werden dürfen, dafür ein, dass sie wenigstens eine geregelte Schonzeit bekommen.

Für € 126,99 zugunsten von Wildtierschutz Deutschland e.V. versteigert.


Wenn Sie dieses Kunstwerk nicht für sich selbst ersteigern möchten, gibt es vielleicht einen lieben Menschen in Ihrem Umfeld, den Sie erfreuen möchten? Oder unterstützen Sie Wildtierschutz Deutschland direkt durch eine Spende auf: GLS Bank Konto-Nr. 6008 639 500 BLZ: 430 609 67 oder nutzen Sie einfach unser Überweisungsformular.


10.12.2011

Krieg in Deutschland - Jäger rücken in Stoßtruppen aus!

Von Rechtsanwalt Dominik Storr

Während die meisten von uns mit ihrem vorweihnachtlichen Alltag beschäftigt sind, kommt es in der Natur gerade wieder zu einem Schlachtfest ohnegleichen. Die Jäger rücken in militärisch anmutenden Stoßtruppen aus, um einen großen Teil der Wildtierpopulation den Garaus zu machen. Und dies geschieht zum Teil auf eine derart brutale Art und Weise, dass es seelisch gesunden Menschen auf der Stelle schlecht werden würde, wenn sie das ansehen müssten.

Bild www.abschaffung-der-jagd.de

Zwischen November und Januar rücken Jäger in Stoßtruppen von bis zu 300 Mann aus, um bei revierübergreifenden Bewegungsjagden Massentötungen von Wildtieren vorzunehmen. Nun bin ich, was die Jagd angeht, ein Insider, denn ich habe mich vor langer Zeit auf Jagdrecht spezialisiert, um den Wildtieren, die keine Lobby haben, helfen zu können. Dadurch habe ich Kontakt zu Jägern - und die schildern mir, welche Massaker sich still und heimlich in unserer Natur abspielen. Ich kenne Jäger, die ihr Hobby an den Nagel gehängt haben, weil sie das, was sich bei der heutigen Jagd abspielt, nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Die Jagd von heute ist kein Handwerk mehr. Die meisten Jäger sind nur noch Totmacher. Ein Interesse an den Zusammenhängen in der Natur durch das Beobachten von Wildtieren spielt heute überhaupt keine Rolle mehr.

Der typische Jäger von heute geht nur noch auf die Jagd, um Tiere zu töten. Deshalb nehmen auch die Großjagden mit zum Teil Hundertschaften von Jägern immer mehr zu. An diesen Jagden nehmen Jäger teil, die keine Kenntnis von den jeweiligen Revieren haben und auf alles schießen, was sich bewegt, um nicht hinterher in der großen Jagdgesellschaft als Depp dazustehen, weil man nichts geschossen hat. So werden zwangsläufig auch die Leittiere erlegt, wie z.B. führende Bachen, was dazu führt, dass die Sozialstrukturen der Wildschweine völlig aus den Angeln gehoben werden. Dies hat zur Folge, dass die Geschlechtsreife bei den Wildschweinen früher einsetzt. Ergebnis: Je höher der Jagddruck, desto mehr Wildschweine. Zu diesem Ergebnis kommt übrigens auch die einzige universitäre Langzeitstudie, die es zu diesem Thema gibt.

Heute ist eine Großjagd in meiner unmittelbaren Umgebung. Die Sonne scheint, ich wollte nach draußen in den Garten gehen und es knallt überall. Machtlos fühle ich mich, wenn gefühlskalte Männer paramilitärisch verkleidet und schwer bewaffnet durch die Natur ziehen, um Wildtiere zu töten. In den seltensten Fällen ist bei diesen Bewegungsjagden ein Tier auf der Stelle tot.

Hier finden Sie den vollständigen Artikel

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08.12.2011

Werden tierschutzkonforme Änderungen der Jagdgesetze jetzt Mainstream?

B90/Die Grünen scheinen es ernst zu meinen. Im Saarland sieht ein Gesetzentwurf zum neuen Landesjagdrecht die Abschaffung des Haustierabschusses, der Fallenjagd und der Baujagd vor.  Eine erfolgreiche Schonzeit für Füchse wurde bereits eingeführt. Ebenso steht die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Füchsen und Enten auf der Streichliste.

Die Bundesgrünen setzen das Verbot von bleihaltiger Munition auf die Tagesordnung und in Schleswig-Holstein wird eine generelle Verkürzung der Jagdzeiten gefordert. Auch in Baden-Württemberg steht das Thema „tierschutzkonformes Jagdrecht“ auf der Tagesordnung. Inzwischen gibt es mit Sachsen selbst ein CDU-regiertes Bundesland, welches sich für die Abschaffung der Jagd mit Totschlagfallen einsetzt.

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (B90/Die Grünen) ist wie sein Kollege im Saarland konsequenterweise für ein generelles Verbot von Fallen, gegen die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren, für das Verbot des Abschusses von Hunden und Katzen und für eine signifikante Reduzierung der Liste der jagdbaren Tierarten.

Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland unterstützt die Forderungen an ein neues Jagdrecht: „Fallenjagd, der Abschuss von Hunden und Katzen, das Töten von Tieren im Rahmen der Jagdhundeausbildung stimmen lange nicht mehr mit der gesellschaftlichen Einstellung zu Tieren und deren Schutz überein. Sinn und Zweck der Fallenjagd wird auch durch viele wissenschaftliche Arbeiten widerlegt. Und wozu Jagdhunde an lebenden Tieren ausbilden, wenn man doch ohne große ökologische und ökonomische Konsequenzen auf die Baujagd und die Jagd auf Wasservögel verzichten kann?“

Einstellung von Jägern: "Warum antasten, was sich seit Jahrzehnten bewährt hat"
Bild: ITP


Der Landesjagdverbandes NRW unter seinem Präsidenten, dem ehemaligen Landwirtschaftsminister Borchert (CDU), unterstützt von Bauernverbänden, will sich gegen das neue Gesetz wehren: „Warum antasten, was sich seit Jahrzehnten bewährt hat?“

Dabei lässt der Landesjagdpräsident außer Acht, dass das aktuelle deutsche Jagdrecht aus den 1950er Jahren stammt und immer noch wesentliche Züge des Reichsjagdgesetzes von 1934 trägt, welches unter anderem sehr auf Trophäenjagd ausgerichtet war.  Weder hat die Einführung des Tierschutzgesetzes noch die Änderung unserer Verfassung hinsichtlich des Schutzes der Tiere bisher eine relevante Anpassung der Jagdgesetzgebung an  tierschutzkonforme Normen bewirkt. 

Es gibt aber auch Jäger, die anders denken als die meisten der etwa 320.000 Mitglieder des Deutschen Jagdschutzverbandes. So lehnt beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd (AGNJ), gestützt auf den gegenwärtigen fachlichen Wissensstand, den Einsatz von Fallen, der das Ziel hat, Bestände von Beutegreifern zu reduzieren, ab. Man sieht vielmehr den ökologischen Nutzen von Fuchs, Dachs und Steinmarder.  Ähnlich denken der Ökologische Jagdverband und der mit ca. 450.000 Mitgliedern stärkste Naturschutzverband NABU. In seiner Resolution zur Neuausrichtung der Jagd finden sich auch die im Saarland und in Nordrhein-Westfalen anstehenden Änderungen wieder.


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05.12.2011

Rechtsstreit Wild und Hund - Spendenaufruf

Vor einiger Zeit haben wir eine Parodie auf die Jagdzeitschrift „Wild und Hund" (WuH) als Cover-Nachahmung veröffentlicht – abgebildet wurden Krähenjäger (Crowbuster), die in ihren Tarnanzügen mit Waffen und Hunden martialisch vor der Strecke getöteter Krähen posierten. Dieses Bild ist Gegenstand eines Rechtsstreites gegen den WuH herausgebenden Verlag geworden und kostet uns bis dato knapp € 1.000,-. Wir möchten uns in dieser Angelegenheit zur Wehr setzen und haben durchaus Chancen damit durchzukommen – aber eben keine Gewissheit.

Kommt's anders als gedacht, legen wir nochmal gut € 500,- oben drauf. Deshalb an dieser Stelle der Aufruf, uns zu unterstützen. 50 mal € 10,-, Verwendungszweck WuH, … und wir müssen uns nicht geschlagen geben! Eine Entscheidung, ob wir rechtliche Mittel einsetzen, machen wir vom Aktions-Spendenaufkommen am 7. Dezember abhängig.


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01.12.2011

Ohne stichhaltige Begründung: Jagdzeit Dachs - Offener Brief an Hessens Ministerpräsidenten

Mit den Stimmen von CDU und FDP wurde im Frühjahr des Jahres im Rahmen der Novellierung des Hessischen Jagdgesetzes auch die Jagdzeit für den Dachs verlängert. Wildtierschutz Deutschland e.V. wirft dem Hessischen Umweltministerium vor, den entsprechenden Gesetzentwurf nicht auf Basis einer erforderlichen Abwägung der Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahme vorgenommen zu haben, sondern aus Gründen der Klientelpolitik: Der Landesjagdverband Hessen hatte die Verlängerung der Jagdzeit für Dachse gefordert. Eine stichhaltige Begründung für diese Maßnahme konnte von Staatsministerin Lucia Puttrich auf Anfrage nicht vorgelegt werden.



Nachfolgend ein offener Brief vom 30.11.2011 an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier mit der Aufforderung, die Verlängerung der Jagdzeit für den Dachs zurückzunehmen:

„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

Unter Führung der Umweltstaatsministerin Lucia Puttrich hat der hessische Gesetzgeber vor der Sommerpause 2011 mit den Stimmen von CDU und FDP die Novellierung des Hessischen Jagdgesetzes beschlossen. Auf Bitten des Landesjagdverbandes wurde in diesem Zusammenhang – konträr zur Bundesjagdzeitenverordnung und zu den entsprechenden Verordnungen anderer Bundesländer -   auch die Jagdzeit für den Dachs von bisher 3 auf nunmehr 7 Monate verlängert. Während der Anhörung zum Gesetzentwurf vorgebrachte Bedenken des Tierschutzbeirats und diverser Natur- und Tierschutzorganisationen wurden im Rahmen der Gesetzesänderung ignoriert.

Begründet wird die Verlängerung der Jagdzeit seitens des hessischen Umweltministeriums lapidar mit dem Hinweis „Im Juli sind die Dachse sehr aktiv und können gut bejagt werden. …. Einer Verlängerung der Jagdzeit steht wildbiologisch nichts entgegen.“

Im Grundgesetz heißt es „… der Staat schützt die Tiere …“. Jede Gesetzesänderung, welche die aktuelle Situation von Tieren signifikant negativ beeinflusst, sollte deshalb nur nach sorgfältiger  Abwägung mit den Rechten Dritter (z.B. Eigentumsrechte) dann vorgenommen werden, wenn es die Verhältnismäßigkeit einer solchen Maßnahme gerechtfertigt. Das ist in dieser Sache offensichtlich nicht der Fall.

Wildtierschutz Deutschland e.V. ist der Meinung, dass die von Hessen erlassene Regelung das Grundgesetz hinsichtlich des Schutzes der Tiere mit Füßen tritt. Die Begründung macht nicht einmal den Versuch, den gemäß Tierschutzgesetz geforderten „vernünftigen Grund“ auch nur ansatzweise darzulegen.

Unter dem Aspekt, dass es in Hessen weder die Möglichkeit der Popularklage noch ein Verbandsklagerecht in Tierschutzsachen gibt, entspricht diese Vorgehensweise unseres Erachtens einer gesetzgeberischen Willkür – selbst unter Berücksichtigung dessen, dass eine demokratisch gewählte Regierung diese Entscheidung mittels ihrer Mehrheitsverhältnisse im Landtag ermöglicht hat.
Wir fordern Sie deshalb auf, die Änderung der Jagdzeit für den Dachs rückgängig zu machen und sich ferner im Sinne der Demokratie für die Einführung eines Verbandsklagerechts in Sachen Tierschutz einzusetzen!

Mit freundlichen Grüßen
Lovis Kauertz, Wildtierschutz Deutschland e.V.“



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27.11.2011

Der Jagd ein Gesicht geben - Halali oder Der Schuss ins Brötchen


Hier geht's zum Film: Viel Spaß bei Halali oder Der Schuss ins Brötchen

Als „Halali oder Der Schuss ins Brötchen“, diese einzigartige Jagd-Satire im Oktober 1995 erstmals im ZDF ausgestrahlt wurde, war die Fernsehkritik  - ganz im Gegensatz zu den Vertretern der Jagd -  begeistert.  


Der Film war lange in den Archiven der Fernsehanstalten verschollen – wohl auch aufgrund des seinerzeit erbitterten Protestes der Vertreter der Jagd. Das Internet macht ihn wieder öffentlich. 

Besser als jede Beschreibung nimmt der mit deutscher Starbesetzung gedrehte Fernsehfilm die Jagd auf’s Korn – ohne dabei allzu sehr übertreiben zu müssen. Der Autor und Regisseur Joachim Roering stützte sich bei jeder Szene auf in der Realität Geschehenes. Einzelgeschichten mussten lediglich noch zu einer fortlaufenden Handlung verknüpft werden.

So führt der unsachgemäße Umgang mit der Schusswaffe bei einer Drückjagd gleich zu Beginn des Films zu einem tödlichen Jagdunfall. Die ortsansässige Jägerschaft versteht es mit allen Mitteln, das Unglück herunterzuspielen, um den ohnehin beschädigten Ruf in der Öffentlichkeit nicht weiter zu gefährden. 

Für die Jagd in Volieren gezüchtete Fasane, die in der Vergangenheit regelwidrig – weil unmittelbar nach dem Aussetzen -  gejagt wurden, werden für den alternden und zunehmend dementen Freiherrn, der im eigens dafür aufgebauten Fahrstuhl in den Hochsitz gefahren wird, nicht mehr benötigt. Stattdessen möchte der erfahrene Waidmann, der bereits mit Göring gejagt hat und Autor von jagdlichen Standardwerken („Jagdethik“) ist, noch einmal einen Hirsch schießen. 

Da ein Hirsch nicht herbeigeschafft werden kann, erfüllt ihm seine Tochter diesen Wunsch erst auf dem Totenbett: aus der geöffneten Heckklappe eines Krankenwagens schießt der Freiherr auf ein mit Hirschgeweih verkleidetes Pony. 

Bereits in den 90er Jahren wurden Jäger als Lustmörder bezeichnet und es wurden Hochsitze zerstört und Jagdautos „umlackiert“. Sex, Alkoholprobleme und Gewaltfantasien sind ebenso wie der Haustierabschuss weitere satirisch aufbereitete Themen des sehenswerten Films.



Eine Satire, die ins Schwarze trifft (Cinema.de)
Bitter, Bitter, Bitterböse (TV-Spielfilm)


Im Rahmen der Kampagne „Der Jagd ein Gesicht“ geben sind bisher folgende Artikel erschienen:


Unterstützer der Kampagne „Der Jagd ein Gesicht geben“
animal aid AWM - Animal Alliance.eu - Anti-Jagd-Allianz e.V. - Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. - Homo Tyrannus - ITV Grenzenlos - Liga für Tierschutzpolitik - Marderhilfsnetz - Natur ohne Jagd e.V. -Naturefund e.V. - Pro iure animalis - Robin Hood, Tierschutzverein - SOS Galgos - Tierschutznews Schweiz – Tierschutznetzwerk Leer - Tierschutzpartei (Sektionen RP, HH, TH) - Tierschutzverein Noris e.V. - VIER PFOTEN Stiftung für Tierschutz – Unabhängige Tierschutz-Union Deutschlands - Vogelschutzkomittee Sektion Luxemburg – Wildtierschutz Deutschland e.V. - Wolfsvoegel.de

24.11.2011

Rheinland-Pfalz: Mehr Jagd, mehr Wildschweine!

Zunächst mag man denken, es sei ein Widerspruch – doch die Realität lehrt uns anderes. In Rheinland-Pfalz ist die Anzahl der getöteten Wildschweine  - die Jäger sprechen von der „Schwarzwildstrecke“ -  im langjährigen Durchschnitt trotz einer Intensivierung der Jagd kontinuierlich steigend. Wurden im Jagdjahr 1991/92 noch etwa 20.000 Wildschweine im langjährigen Jahresschnitt zur Strecke gebracht, so waren das 19 Jahre später bereits 55.000, Tendenz steigend wie das Rekordjahresergebnis von 2008/09 mit über 80.000 toten Tieren  verdeutlicht.



Gründe für die starke Vermehrung der Wildschweine gibt es reichlich. So trägt der Klimawandel mit einer Häufung sogenannter „Mastjahre“ dazu bei. Mastjahre bescheren dem Wild ein üppiges Angebot an Waldfrüchten wie Bucheckern und Eicheln und führen in den Folgejahren zu einer erhöhten Reproduktion. Kontinuierlicher noch als Mastjahre ist die Regelmäßigkeit, mit welcher Jäger das Schwarzwild füttern: Hochrechnungen der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft, Rheinland-Pfalz, zufolge bringen Jäger dazu jedes Jahr bis zu  1.384 Tonnen (!) Mais zum Anfüttern des Wildes in den rheinland-pfälzischen Wald - zusätzlich zu dem Angebot unserer immer häufiger monokulturell angelegten Landwirtschaft, die den Schwarzkitteln mit riesigen Mais- oder Rapsfeldern übrigens eine prächtige Deckung bietet.

Das Landwirtschafts- und Umweltministerium in Mainz versucht gemeinsam mit dem Landesjagdverband, den Bauern und anderen Interessensgruppen dieser Entwicklung mit einer seit Jahren zunehmenden Intensivierung der Jagd zu begegnen – bisher ohne Erfolg.

Dabei gibt es in Rheinland-Pfalz kaum noch Tabus: Da werden revierübergreifende Gesellschaftsjagden mit Hundertschaften von Jägern und Treibern mit ihren Jagdhunden veranstaltet, das Jagen der für das Sozialgefüge so wichtigen Leitbachen  - ob tragend oder nicht -  wird propagiert, Frischlingsfallen aufgestellt, Tiere in der Winterruhe gestört, die Jagd des nachts mit Zusatzscheinwerfern erlaubt und Schonzeiten aufgehoben.

Der Umgang mit den Wildschweinen stößt auch im Kreis der Jägerschaft auf zunehmende Akzeptanzprobleme und auf Widerstand. Erhard Bäder, der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, beklagte erst kürzlich den „Stress für seine Jäger“. Andere halten die Wertung der Tiere als Schädlinge für nicht tragbar. Schon 2002 prangert Norbert Happ, der bekannteste deutsche Wildschweinkenner – selber Jäger – an: „Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht". Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich. „Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten.“

Zur Intensivierung der Jagd kommt eine Langzeitstudie von Wissenschaftlern um Sabrina Servanty, die 2009 im renommierten „Journal of Animal Ecology" veröffentlicht wurde, zu folgendem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. In Gebieten, in denen wenig Jäger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer, die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt später und erst bei einem höheren Durchschnittsgewicht ein.

Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der die Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung München leitet, führt diesen Sachverhalt auch darauf zurück, dass in einem Gebiet in welchem durch die Jagd viele Tiere getötet werden, die Verbliebenen ein besseres Futterangebot haben. „Tiere, die gestärkt überleben, pflanzen sich im Frühjahr zeitiger und zahlenmäßig stärker fort", sagt Reichholf.

Es gibt zahlreiche Indizien dafür, dass die Schwarzwildjagd trotz oder vielleicht gerade wegen der intensiven Bejagung hinsichtlich ihrer Effektivität am Ende ist. Neben tierschutzrechtlichen und ethischen Bedenken stößt die Jagd auch an zeitliche und räumliche Grenzen.

Eine Alternative zum hohen Jagddruck könnte nach Meinung von Lovis Kauertz, Wildtierschutz Deutschland e.V., die Rückkehr zur herkömmlichen Ansitzjagd sein, verbunden mit der strikten Unterlassung jeglicher Fütterung und im Rahmen der üblichen Jagdzeiten im Herbst und Winter. Unterstützen könnte man diesen Weg mittels Empfängnisverhütung in punktuell kritischen Regionen. Impfstoffe mit EU-Zulassung, die auch im Hinblick auf die Verwertung des Wildbrets unbedenklich sind, stehen im Bereich der Nutztierhaltung bereits zur Verfügung. Allerdings bedürfen hierzu einige Bereiche noch der wissenschaftlichen Begleitforschung, welche das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Berlin, voranbringt. Um eine Finanzierung des 3-4 Jahre dauernden Projektes bemüht sich Wildtierschutz Deutschland.


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23.11.2011

Wildschweine schießen oder schonen?

Das Interview mit dem Vorsitzenden von Wildtierschutz Deutschland e.V. führte Susanne Faschingbauer von der Zeitung „Mittelbayerische“, Schwandorf

Herr Kauertz, Ihre These lautet: Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, umso stärker vermehren sie sich. Wie kommen Sie darauf?
Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Langzeitstudie. Ein Team rund um die Wissenschaftlerin Sabrina Servanty hat 22 Jahre die Vermehrung von Wildschweinen in einem französischen Departement erforscht. Das Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen.

Fortpflanzung durch Abschuss – wie soll das möglich sein?
Wildschweine leben in Rotten zusammen, die ein ausgeprägtes soziales Gefüge darstellen. Zusammengehalten wird die Rotte durch ein weibliches Leittier, die Leitbache.  Durch die sogenannte Rauschsynchronität sorgt sie dafür, dass die Bachen einer Gruppe gleichzeitig fruchtbar sind und nicht bereits ältere Jungtiere Nachwuchs bekommen. Wird die Leitbache erschossen, zersprengt dies die Rotte, die Tiere vermehren sich völlig unkontrolliert. In Gebieten, in denen wenig Jäger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer, die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt später und erst bei einem höheren Durchschnittsgewicht ein.

Die Schäden in der Landwirtschaft sind immens. Wie sonst, wenn nicht durch Jagd, kann man dem Problem begegnen?
Die Intensivierung der Jagd, wie wir sie seit Jahren erleben ist kontraproduktiv. Die Bestände gehen nicht zurück, sie steigen! Vernünftige Ansatzpunkte wären a) zur Ansitzjagd zurückzukehren und Bewegungsjagden zu unterlassen, b) ältere Tiere und insbesondere Leitbachen zu verschonen, c) jegliche Fütterung zu unterbinden, d) punktuell, z.B. in Gebieten mit nachweislich hoher Wildschweindichte, mit Empfängnisverhütung entgegenzuwirken.

Kondome an Keiler? Bache mit Frischlingen.


Wollen Sie Kondome an Keiler verteilen?
Es gibt bereits EU-zugelassene Impfstoffe, welche die Fortpflanzung sowohl bei männlichen wie bei weiblichen Tieren unterbinden.

Und dieser Impfstoff wartet auf seinen Einsatz?
Nein, noch gibt es ungeklärte Fragen. Man müsste in eine etwa 3-jährige Forschung investieren, um herauszufinden wie die Wildschweine genau darauf reagieren. Das Projekt scheitert bisher an der fehlenden Finanzierung. Es gibt wohl zu viele Vorbehalte – sowohl in den Ministerien als auch bei den Jägern.  (sf)


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22.11.2011

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21.11.2011

Illegale Jagd im EU Vogelschutzgebiet "Elbaue Jerichow"

Tangermünde. Das Komitee gegen den Vogelmord hat heute Beweise für illegale Jagd auf Wasservögel im EU Vogelschutzgebiet „Elbaue Jerichow“ vorgelegt. Wie der Verband mitteilt, hat am vergangenen Freitag eine Gruppe von Jägern versucht, Wildgänse beim Einflug auf ihr Schlafgewässer an der Elbe bei Klietznick (Kreis Jerichower Land) abzuschießen. Fotos und Videomaterial, auf dem die Jäger mit Waffen zu erkennen sind und zugeben, auf die Gänse geschossen zu haben, will das Komitee in den nächsten Tagen an die Behörden weiterleiten.

„Als gegen 16 Uhr die ersten Gänsegruppen am Schlafplatz eintrafen, fielen kurz nacheinander 5 Schüsse“, berichtet Thomas Hellwig, Ornithologe und 2. Vorsitzender des Komitees. Einem Beobachterteam des Komitees gelang es, eine Gruppe von vier mit Schrotflinten bewaffneten Personen in dem unwegsamen Gelände aufzuspüren und zu fotografieren. Wie sich herausstellte handelte es sich um zwei örtliche Jagdaufseher, die zwei Jagdtouristen aus Thüringen an den Gänseschlafplatz geführt hatten. Von den Vogelschützern zur Rede gestellt, verließen die Männer das Gebiet. Vorher gaben sie jedoch noch vor laufender Videokamera zu, auf die landenden Gänse geschossen zu haben.

Bei den Gewässern und Altarmen im Havelland handelt es sich um Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, in denen jedes Jahr zehntausende Kraniche, Enten, Schwäne und Wildgänse rasten und überwintern. Um die Zugvögel in diesen äußerst sensiblen Bereichen zu schützen, wurde ein großer Teil der Flächen als Naturschutz- oder EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Jagd an und auf den Rastgewässern ist laut §23 des Landesjagdgesetzes von Sachsen-Anhalt streng untersagt. „Wir sind entsetzt, dass einige Jäger diese einzigartigen Naturlandschaft immer noch als Selbstbedienungsladen für ihr Hobby betrachten und Schutzvorschriften missachten“, so Thomas Hellwig. Der Naturschützer fordert eine bessere Überwachung der Gebiete durch die Behörden und ein strengere Kontrollen der Jagdpächter, die gegen Bares organisierte Wasservogeljagden in Sachsen-Anhalt anbieten.

Als Delikatesse auf der Speisenkarte, Anzeige an die Jagdbehörde
Bild: Christina Galitzki 


Dass hinter der Jagd auf Wasservögel oft rein kommerzielle Interessen stehen, zeigt auch der Fall eines Restaurants in Tangermünde, dessen Inhaber seinen Gästen - trotz strenger Vermarktungsverbote - frisch geschossene Schwäne aus der Region als Delikatesse anbietet. Auch in diesem Fall hat das Komitee angekündigt, Anzeige zu erstatten und eine Kopie der Speisekarte an die zuständige Jagdbehörde zu schicken.

V.i.S.d.P. und Kontakt für weitere Informationen: Komitee gegen den Vogelmord, Axel Hirschfeld (Pressesprecher), An der Ziegelei 8, 53127 Bonn, Tel. 0179 480 3805 oder 0228/665521

Lesen Sie auch: Jagd bei Nacht und Nebel im EU-Vogelschutzgebiet an der Ems


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19.11.2011

Ökologischer Jagdverein Baden-Württemberg fördert die Verwendung bleifreier Munition

Im Hinblick auf den Einsatz umweltfreundlicher Munition waren die im Ökologischen Jagdverband (ÖJV) zusammengeschlossenen Vereine schon immer fortschrittlicher als der doch eher konservative Deutsche Jagdschutzverband (DJV). Während Letzterer die Politik bisher erfolgreich mit immer wieder neuen Bedenken hinhält und teure und langwierige Gutachten einfordert, fördert beispielsweise die baden-württembergische Fraktion des ÖJV den erfolgreichen Umstieg auf bleifreie Büchsenmunition auch finanziell. Der Verein verweist auf langjährige positive Erfahrungen mit bleifreier Büchsenmunition in Schweden und in den USA. Auch andere Mitgliedsvereine des ÖJVs propagieren den Umstieg auf bleifreie Munition.

Seeadler.......Haliaeetus albicilla - auch andere Greifvögel werden immer wieder
Opfer von Bleivergiftungen, Bild: Andreas Klein


Nach den jüngsten Blei-Skandalen werden insbesondere bei den Grünen die Stimmen nach einem unverzüglichen Verbot jeglicher Bleimunition laut. Unseren Informationen zufolge wurden erst kürzlich 1,2 Tonnen Hasenfleisch aus den Handelsregalen genommen, nachdem im vergangenen Jahr bereits eine größere Charge Rehfleisch aufgrund der Überschreitung von Bleigrenzwerten vom Markt genommen wurde. Seit Jahren verenden insbesondere Greifvögel an Bleivergiftung, darunter auch der in Deutschland seltene Seeadler. Die Tiere vergiften sich über die Aufnahme von bleikontaminierten Kadavern.


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17.11.2011

Protest: Bitte schreiben Sie Ihrer Tierarztpraxis

Fast 900 Unterstützer gegen das Merkblatt für Jäger der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz haben unseren Protest bis heute unterzeichnet. Um unserem Protest noch mehr Nachdruck zu verleihen, wäre es wichtig, dass noch mehr Tierärztinnen und Tierärzte dieses Anliegen unterstützen. Vielleicht kennen Sie ja eine Praxis, die Sie bitten möchten, sich solidarisch für den Fuchs zu zeigen. 


Nachfolgend der Vorschlag für ein Anschreiben:

„Anrede

Im Internet ist mir ein Protest gegen eine Tierärzte-Vereinigung aufgefallen. Dieser richtet sich gegen ein von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) herausgegebenes Merkblatt „Tierschutz für Jäger“.  Dort heißt es:

„Am wenigsten in Frage gestellt wird das Töten von Tieren zum Schutz der menschlichen Gesundheit. So wird kaum ein Mensch, der von einem Bandwurm befallen ist, zögern, ein Medikament dagegen einzunehmen. In diese Kategorie fällt die Reduktion des Fuchses zum Schutz des Menschen vor der Tollwut oder dem kleinen Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis. Allerdings wurde die Tollwutgefahr viel mehr durch die Impfung als durch Bejagung reduziert, und ob mit jagdlichen Mitteln auf das Gesundheitsrisiko durch Echinococcen Einfluss genommen werden kann, ist nicht erwiesen.“

Durch diese Formulierung kann insbesondere bei Jägern der Eindruck entstehen oder gefestigt werden, dass Füchse wie Schädlinge einzuordnen seien. Ein Vergleich des hochentwickelten Fuchses mit einem Bandwurm, der darauf abzielt, die Schädlichkeit des für unser ökologisches Gleichgewicht essentiellen Säugetiers zu suggerieren, ist ethisch nicht haltbar, verächtlich und geeignet anhaltendes Leid zu verursachen und zu rechtfertigen.

Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn auch Sie diesen Protest unterzeichneten und einigen Ihrer Kolleginnen und Kollegen, die bereits unterzeichnet haben, gleichtun würden.


Mit freundlichen Grüßen“

Der Fuchs ist kein Schädling, er ist ein schönes, intelligentes und überaus nützliches Tier
Bild: Bianca Pelli

16.11.2011

Jagd bei Nacht und Nebel im EU-Vogelschutzgebiet an der Ems

Wattenrat.de

Es war wieder einmal soweit: Bei Dunkelheit und Nebel waren Wasservogeljäger wie in jedem Jahr im Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“ an der Ems, Teil eines EU-Vogelschutzgebietes, unterwegs. 

Deutlich waren schon zwischen 06.00 Uhr und 07.00 Uhr Schrotschüsse aus dem Schutzgebiet zu hören, bei Dunkelheit und Nebel mit späteren Sichtweiten zwischen 50 und 80 Metern! Sonnenaufgang war erst um 07.46 Uhr, jagdrechtlich darf aber schon 90 Minuten vor Sonnenaufgang bis 90 Minuten nach Sonnenuntergang gejagt werden, zulässiger Jagdbeginn in diesem Falle also ab 06.16 Uhr, aber nur wenn die Sichtverhältnisse dies zulassen; so sagt es der § 1 Absatz 3 der Bundesjagdzeitenverordnung:

(3) Die in Absatz 1 festgesetzten Jagdzeiten umfassen nur solche Zeiträume einschließlich Tageszeiten, in denen nach den örtlich gegebenen äußeren Umständen für einen Jäger die Gefahr der Verwechslung von Tierarten nicht besteht.

Opfer einer illegalen Jagd: geschützte Blässgans - Bild Eilert Voß

Immerhin, diesmal wurde diese Nacht- und Nebeljagd von der Polizei frühmorgens vor Ort aufgenommen, ein anwesender Polizist sagte vor Zeugen, dass es viel zu dunkel zum Jagen sei, ein Jäger, der verspätet zur Jagd eintraf, sagte ebenfalls vor Zeugen, es sei viel zu neblig für die Gänsejagd. Auch ein Redakteur der Emder Zeitung erschien kurz darauf am Ort des Geschehens und berichtete am nächsten Tag ausführlich über die Vorgänge.

Die Jagd bei unsichtigen Wetterverhältnissen ist ein eindeutiger Verstoß, wenn die Artenunterscheidung nicht möglich ist, und das führt dann zwangsläufig zu „Kollateralschäden“ wie die kurz darauf bei Tageslicht frischtot gefundene Blässgans am Deich des Naturschutzgebiets, innerhalb des EU-Vogelschutzgebietes.

Lesen Sie den vollständigen Artikel des Wattenrats hier
Zum gleichen Thema: BUND und NABU Niedersachsen fordern, Gänsejagd abzuschaffen

14.11.2011

Interview zum Haustierabschuss mit Mitteldeutsche Zeitung

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Jäger in Deutschland töten jährlich mehr als 200 000 Katzen. Grundlage dafür ist die Jagdgesetzgebung, die seit mehreren Jahrzehnten unverändert ihre Gültigkeit besitzt (die MZ berichtete). MZ-Mitarbeiterin Kornelia Noack sprach mit Lovis Kauertz, dem Vorsitzenden des Vereins Wildtierschutz Deutschland, über die Folgen des Gesetzes für Tierhalter.

Frage: Mit der Kampagne „Der Jagd ein Gesicht geben“ machen Ihr Verein und andere Institutionen auf nicht mehr zeitgemäße Aspekte der bestehenden Jagdgesetze aufmerksam. Wieso sind Haustiere davon betroffen?
Antwort: Das Jagdgesetz in Sachsen-Anhalt ermöglicht es dem Jagdschutzberechtigten jede Katze, die sich mehr als 300 m vom nächsten Haus entfernt befindet, zu töten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Katze mit dem Herbstlaub spielt, sich in der Sonne aalt oder tatsächlich einem Wildtier nachstellt (z.B. einem reaktionsschwachen Kaninchen). Das ist aus heutiger Sicht nicht mehr tragbar! Die Rechtslage hinsichtlich des Tierschutzes hat sich im Gegensatz zur Jagdgesetzgebung in den letzten Jahrzehnten signifikant geändert. Hinzu kommt, dass Katzen häufig auch Familienmitglieder sind und ihr Verlust einen großen Schmerz bedeutet. In anderen Bundesländern variiert meist nur die Entfernung vom nächstgelegenen Haus, die zwischen 200 und 500 m betragen kann. Erfreulicherweise ist eine Tendenz zu beobachten, dass Bundesländer, bei denen die Grünen mitregieren, Abstand vom Haustierabschuss nehmen.

Frage: Sind Hunde denn auch gefährdet?
Antwort: Ja. Ein Hund, der in Sachsen-Anhalt in einem Jagdrevier nicht innerhalb der Einwirkung einer verantwortlichen Person von einem Jagdschutzbeauftragten angetroffen wird, darf durch den Jäger getötet werden. Das ist so ähnlich in allen Bundesländern, in manchen Ländern muss der Hund dazu tatsächlich Wildtieren nachstellen oder der Jäger hat zunächst die Auflage, den Hund mit anderen Mitteln vom Wildern abzuhalten.

Frage: Was raten Sie Tierhaltern also?
Antwort: Ein Hundebesitzer sollte grundsätzlich darauf achten, dass sein Tier bei Spaziergängen in Wald und Flur in seinem Einflussbereich bleibt und nicht links und rechts vom Weg abkommt. Geht das nicht, gehört der Hund an die Leine. Wichtig ist das vor allem in der Brut- und Aufzuchtzeit von März bis Juni und im Winter. Während der Winterruhe dürfen auch größere Wildtiere, wie z.B. Rehe nicht unnötig beunruhigt werden – der gesamte Organismus und auch die Reaktionsfähigkeit sind dann in den ersten Gang geschaltet. Jede Flucht erfordert wertvolle Reserven. Nicht selten kommt es zum Erschöpfungstod. Katzen sind meist zu eigen, die kann man gegen ihren Willen kaum im Haus halten.

Katzen werden gerne auch in Fallen gefangen - nicht selten sind illegale Fallen,
die im Handel legal feilgeboten werden, in Gebrauch. Bild: Grüne OOE


Frage: Wie sollten sich Tierhalter verhalten, wenn ihr Tier durch Schüsse oder Fallen verletzt wurde?
Antwort: Zum Tierarzt gehen, Fotos von den Verletzungen machen, die Polizei, eventuell auch die Untere Jagdbehörde und ganz wichtig … die lokale Presse informieren. Je mehr Öffentlichkeit dieses Thema hat, desto eher wird sich etwas ändern.



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