28.01.2011

Beutegreifer haben eine wichtige ökologische Funktion

gefunden beim Ökologischen Jagdverband Saar (mit kleineren Kürzungen/Änderungen)
Als Beutegreifer bezeichnet man Tiere, die sich hauptsächlich von Fleisch ernähren. Damit unterscheiden sie sich von den Pflanzenfressern, die vorwiegend vegetarische Kost bevorzugen, sowie von den Allesfressern, deren Speiseplan gemischt ist. Zu den Beutegreifern gehören bei uns z.B. Fuchs und Marderhund und einige Vogelarten.

Der gestaltende Einfluss von Beutegreifern auf Größe und Zusammensetzung der Bestände ihrer Beutetiere wird immer noch einseitig negativ bewertet. Sie gelten nur als „Räuber", also als Tiere, die auf Kosten anderer leben und somit ein negatives Image aufgedrückt bekommen haben. "Raubwild" hat jedoch auch vielfältige positive Wirkungen in der Dynamik von Lebensgemeinschaften, indem es z.B. hohe Nachwuchsraten bei häufigen Arten abschöpft und so für Ausgleich sorgt. Der Einfluss dieser Gesundheitspolizisten auf Auslesevorgänge in den Beutetierpopulationen, der in der Entwicklungsgeschichte unserer Natur von ganz erheblicher Bedeutung war und ist, findet noch keine Berücksichtigung in der Diskussion. Die Rolle des Raubwildes als „Fitness-Trainer" für andere Tierarten wird nicht gewürdigt. Es sorgt dafür, dass sie ständig wachsam, reaktionsschnell und gesund sind. Wer Schwäche zeigt, wird ausgelesen. Raubwild ist daher ein unverzichtbarer Gestalter im Zusammenleben von Tierarten und zudem kein Feind des Menschen!

Raubsäuger - die besseren Jäger!? Einige Raubwildarten entwickeln erstaunliche Fähigkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Füchse, Steinmarder und Waschbären haben längst neue Lebensräume, z.B. die Städte, besiedelt. Sie erweisen sich als bewundernswerte Lebenskünstler, die auch schon mal in der Mülltonne erfolgreich nach Nahrung suchen.

Dieser Beutegreifer bevorzugt Dosenfutter
Die Jägerschaft hat in der Vergangenheit die Möglichkeit gehabt, Raubsäuger scharf zu bejagen, ihre Bestände zu begrenzen und die Ausbreitung zu bremsen. Das ist nicht gelungen. Es wird auch nicht mit einer neuen und sehr rabiaten Jagdzeitenverordnung gelingen, weil vernünftige Jäger sich vielerorts von der „Räuberbekämpfung" abgewendet haben und manche Raubsäuger sich mit eleganten Überlebensstrategien der Dezimierung entziehen. Wenn die einheimischen Raubsäuger also zum einen wichtige Funktionen in unseren Ökosystemen haben, zum anderen ihre Bestände durch Jagd und Jäger mit vertretbaren Jagdmethoden nicht auf das von mancher Seite gewünschte Minimum zu drücken sind, so gilt es zu hinterfragen, welchen Sinn der Aufruf zu einer starken Bejagung haben soll.

Generelle Bejagung notwendig? Viele Jäger behaupten immer wieder, dass die Jagd auf Beutegreifer flächendeckend ein unverzichtbares „ökosystemgerechtes" Instrument zur Schaffung eines „ökologischen Gleichgewichtes" in der Natur sei. Außerdem diene sie zur Stützung der „Verlierer" unter den Niederwildarten wie Hase oder Rebhuhn gegenüber den „Gewinnern", also den Raubsäugerarten. Es gibt jedoch viele Beispiele dafür, dass in Gebieten, in denen Beutegreifer nicht bejagt werden, das Gefüge der Lebensgemeinschaften erhalten bleibt.

Ein Beispiel liegt vor unserer Haustür. Im Naturschutzgebiet und Urwald bei Saarbrücken hatte der ÖJVsaar gegen den erbitterten Widerstand der VJS durchgesetzt, dass der Fuchs nicht mehr bejagt wird. Vorher verbreiteten die VJS-Funktionäre Angst und Schrecken und warnten vor Horden tollwütiger Füchse, die die Stadt Saarbrücken heimsuchen und Kinder beißen. Was ist geschehen, es gibt weder mehr noch weniger Füchse, es gibt einen stabilen Bestand mit einem gesunden Revierverhalten.

Wie sollte es auch anders sein? Raubtiere sind nun einmal natürliche Mitglieder unserer Lebensgemeinschaften. Sie sind nicht auf der Welt, um „Schäden" in der Natur anzurichten. Der Mensch hat die Bedingungen für das Zusammenleben in diesen Gemeinschaften tiefgreifend gestört.

Verstärkte Bejagung nicht gerechtfertigt! Bei genauerer Betrachtung sollte jedoch klar werden, dass tiefgreifende und vielschichtige, vom Menschen verursachte Lebensraumveränderungen und nicht die Raubsäuger die primäre Ursache für Bestandeseinbrüche vieler Niederwildarten sind. Diese Probleme können eben nicht durch fortwährendes Töten von Raubsäugern beseitigt werden, sondern allein durch Lebensraumgestaltung.

Raubwild und Seuchen Die Wirksamkeit der Raubwildjagd zur Vermeidung von Seuchen wird erheblich überschätzt. Es dürfte wohl schwer fallen, den Nachweis zu erbringen, dass durch die Jagd auf Raubsäuger gesundheitliche Risiken für Mensch, Wild- und Haustier gemindert werden können, z.B. durch Tollwut, Fuchsräude oder Parasitosen (Fuchsbandwurm). Die Tollwut etwa wurde nicht durch das Töten von Füchsen erfolgreich bekämpft, sondern durch die Ausbringung von Impfködern. Die Gefahr, dass Menschen vom Kleinen Fuchsbandwurm befallen werden, ist sehr gering. Nach der Statistik infizieren sich in Deutschland im langjährigen Jagesdurchschnitt gerade mal 21 Menschen, wobei das Infektionsrisiko bei Haustieren wesentlich höher ist. Unter ihnen sind wiederum nur wenige genetisch so ausgestattet, dass sie auch tatsächlich erkranken.

Bei unerträglichen Störungen des Menschen im Siedlungsbereich (z.B. Steinmarder in Häusern) könnte ein „vernünftiger Grund" für das Vertreiben oder Töten vorliegen. Die Tötung von Steinmardern oder Füchsen sollte in solchen Fällen mehr aus psychologischen Gründen für die betroffenen Menschen, die sich gestört fühlen, gestattet werden. Dabei besteht kein Zweifel, dass der Effekt der Jagd in der Regel gering sein wird. Ein leer gefangenes Steinmarder- oder Fuchsrevier wird unverzüglich wieder besetzt werden. Ein Haus kann nicht durch Marderjagd, sondern nur durch perfekte Abdichtung aller Zugangsmöglichkeiten dauerhaft marderfrei gemacht werden.

Jagd nur bei Nutzung vertretbar! Jagd zur maßvollen Nutzung von Fellen ist vertretbar, auch zur Verwendung von einzelnen Lebendfängen oder Präparaten für Bildungszwecke und für wissenschaftliche Untersuchungen. Für den Absatz größerer Mengen von Pelzwerk gibt es jedoch zur Zeit jedoch keinen Markt. Der Eigenbedarf von Jägern dürfte schnell gedeckt sein.

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