29.01.2011

Das Wild braucht Ruhe - nur die Jäger halten sich nicht daran

In Brücken bei Idar-Oberstein fand am 22.01.2011 ein Treibjagd statt. Der Augenzeuge Herr Hänsel schreibt dazu:
In den vergangenen Wochen waren einige „Aufrufe" in der Nahe-Zeitung zu finden, die Menschen sollten doch bitte schön das durch den strengen Winter stark geschwächte Wild nicht unnötig aufscheuchen, Rückzugsräume des Wildes meiden. Verantwortungsbewusste Menschen wissen das sehr wohl und respektieren ihre Mitgeschöpfe.

Eingebrochenes Reh, Foto Gerhard Hänsel
Am vergangenen Samstag war ich zufällig Zeuge, wie eine „Hundertschaft" Jäger und Helfer zwischen Birkenfeld und Brücken eine Treibjagd veranstaltete. Der Bereich „Auf der Keip" wurde lautstark und penibel durchkämmt und angeblich „nur" Jagd auf Sauen gemacht, wie mir ein Jäger, der nur zwei Meter neben der Straße in einem Ansitz saß, weiß machen wollte. Auch er hatte die folgende Szene mit dem Gewehr im Anschlag verfolgen können.

Mir sind völlig verängstigte Tiere über den Weg gelaufen die aus ihrer Deckung getrieben wurden und in Todesangst ihr Heil in der Flucht suchten. Ein Reh rannte in panischer Angst direkt auf den vereisten Weiher zu und brach nach wenigen Metern auf dem Eis ein. In Todesangst kämpfte das Reh etwa 15 Minuten gegen das Ertrinken. Mehrfach sah es so aus, als würden es die Kräfte verlieren und untergehen, ein schauerlicher Anblick. Es mobilisierte seine letzten Kräfte und schaffte es endlich die Gott sei Dank dünne Eisdecke zu durchbrechen und auf die andere Seite zu gelangen. Sicherlich hat das arme Tier von den scharfen Eiskanten erhebliche Verletzungen davon getragen; es kann bezweifelt werden, ob es überlebt.

Jeder kann sich ausmalen, welche Verletzungen viele Rehe bei einer solchen Jagd auf vereistem Boden davontragen. Neben Knochenbrüchen und Schwächeanfällen tragen viele Tiere schwerste Verletzungen davon, wenn sie in Todesangst in Stacheldrahtzäune springen, die leider allzu oft vorzufinden sind.

Hier kann man sich schon ernsthaft die Frage nach der „Waidgerechtigkeit" solcher Jagdformen stellen. Tiere die nicht durch die Kugel sterben, erliegen möglicherweise den durch die in panischer Flucht verursachten Verletzungen.

Auch fragt sich der Tierfreund, an wen die eingangs erwähnten Aufrufe gerichtet werden sollten.

Siehe auch: Harte Zeiten für Wildtiere - Jagd stört die Winterruhe

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