10.01.2011

Der Luchs erobert unsere Wälder zurück

von Maria Herzger

Der Luchs wurde in Deutschland einst stark verfolgt und vor ca. hundert Jahren durch den Menschen gnadenlos ausgerottet. Zum einen wurde die Großkatze mit den markanten Pinselohren und dem auffallend kurzen Stummelschwanz als Jagdschädling und Beutekonkurrent angesehen, andererseits wurde dem Luchs sein hübsch gezeichnetes Fell zum Verhängnis und galt damals als begehrte Jagdtrophäe. Zur Freude vieler Umwelt- und Naturschützer erobert sich der scheue Jäger einst verlorenes Territorium auf leisen Samtpfoten in unseren Breiten zunehmend zurück.

Wildtier des Jahres 2011   Luchse benötigen weitläufige und naturnahe Wälder mit dichtem Unterholz, gerne mit felsigen Hängen, so dass sie u. a. im Harz, Pfälzerwald, Spessart, Böhmerwald, Bayrischen Wald, Fichtelgebirge, Schwarzwald und in der Sächsischen Schweiz wieder vereinzelt durch die Wälder streifen. Der Luchs wurde von der „Schutzgemeinschaft Deutsches Wild" zum Wildtier des Jahres 2011 gekürt. Die äußerst hübsche und in ihrer Existenz stark gefährdete Großkatze wird in zwei Arten unterschieden, den eurasischen Nordluchs und den nordamerikanischen Rotluchs.

Eurasischer Luchs, lat. Lynx lynx, Bild Bernhard Landgraf
Jungluchse sind besonders gefährdet   Der Nordluchs durchstöbert sein Jagdrevier als Einzelgänger. Männchen und Weibchen sind lediglich zur Paarungszeit im Frühjahr in gemeinsamer Zweisamkeit anzutreffen. Gut 10 Wochen nach der Paarung werden zwischen zwei und vier Jungen geboren. Diese verlassen erst im darauf folgenden Jahr ihre Kinderstube, um eigene Reviere zu gründen, welche bei Männchen die stattliche Fläche von bis zu 400 Quadratkilometern beanspruchen können, bei Weibchen etwas weniger. In den ersten Lebensjahren ist bei den Jungluchsen eine erhebliche Sterblichkeitsrate zu verzeichnen, ihr Fortbestand gilt somit als nicht gesichert, da viele Gefahren auf sie lauern. Neben Krankheiten und Fressfeinden stellt der Mensch einen nicht unerheblichen Risikofaktor für die jungen Waldschönheiten dar. Auf ihrem Speiseplan stehen in erster Linie Rotwild, Wildschweine, Marder, Hasen aber auch gelegentlich Füchse, Vögel und Mäuse.

Hübsches Pinselohr mit ausgeprägten Sinnen   Die Redensart „Augen wie ein Luchs" zeugt von dem besonderen Sehvermögen der schönen Raubkatze. Immerhin kann der Luchs mit sechsfach lichtempfindlicheren Augen als der Mensch aufwarten und sich dadurch auch in der Dunkelheit gut orientieren. Die großen Ohren mit den wie Antennen anmutenden Ohrenpinseln, verleihen der Raubkatze die außergewöhnliche Fähigkeit, mögliche Beute noch aus weiter Entfernung zu orten. Neben exzellenter Sehkraft und hervorragendem Gehör verfügt der Luchs über einen brillanten Geruchssinn, der seine herausragenden Sinne abrundet und ihn zum außergewöhnlichen Jäger befähigt.

Mit einer Körperlänge von ca. 120 cm und einer Schulterhöhe 50 bis 70 cm ist der scheue Jäger die größte Wildkatze Europas. Der charakteristische Stummelschwanz ist allerhöchstens 20 cm lang. Kennzeichnend für die Katze mit dem weißen Backenbart sind die besonders großen Pranken, auf denen der rund 20 Kilo schwere Luchs auch im Winter trittsicher durch unsere Wälder streift, ohne tief im Schnee einzusinken. Seine auffallend gefleckte Fellzeichnung ist so einzigartig wie ein menschlicher Fingerabdruck.

Lobby für Luchse und Wildtiere nötig    Die rasant voranschreitende Zersiedelung zusammenhängender Waldstücke, wie auch die stetige Reduzierung von an den Wald angrenzenden Feldlandschaften mit geeigneten Unterschlupfmöglichkeiten, führt dazu dass der Lebensraum vieler Wildtiere im Eiltempo dahinschwindet und somit ihren Fortbestand dramatisch gefährdet. Demzufolge wird auch die Wiederansiedlung der Luchse erheblich erschwert. Intensive Lobbyarbeit und Artenschutzprojekte von Umwelt- und Naturschützern sind daher dringend von Nöten, um Flächen zu kaufen, die das Lebensumfeld und die ausgiebigen Wanderrouten von Luchs & Co. sichern bzw. erweitern. Die Schaffung sogenannter Grünbrücken leistet hierbei einen wichtigen Beitrag, viele Wildtiere beim Kampf ums Überleben zu unterstützen. Ohne diese wichtigen Wildkorridore droht ihnen beispielsweise beim Überqueren von Straßen akute Lebensgefahr.

Ebenso versuchen Biologen und Tierschützer anhand von Senderhalsbändern und per Bewegungsmelder-gesteuerten Kameras, mehr über die Aufenthaltsorte und die Wanderrouten sowie die Lebensgewohnheiten der Großkatzen in Erfahrung zu bringen.

Artenschutz gibt es nicht umsonst    Das Zurückkommen der seltenen Raubkatze trifft keinesfalls auf grenzenlosen Beifall, denn auch in der heutigen Zeit sind Konflikte seitens der Jägerzunft vorprogrammiert. Nach wie vor wird der Luchs als Jagdkonkurrent angesehen. Durch Verringerung der erlaubten Wildabschussquoten und eventueller Umsiedlungen der im Bestand stark bedrohten Luchse, ließe sich nach Ansicht von Umweltschützern der unendlich andauernde Interessenkonflikt zwischen Jägern und Luchsen entschärfen. Nur mit tatsächlichem „Goodwill" aller Beteiligten wie Jägern, Landwirten und Naturschützern, ist das Wiederansiedlungsprojekt des Luchses realisierbar und möglicherweise auch erfolgversprechend. Der Luchs ist entgegen der früher weit verbreiteten Meinung für den Menschen nicht gefährlich.

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