07.01.2011

Großtrappe in Sachsen-Anhalt geschossen

von Werner Hupperich
Soeben erreichte mich aus zuverlässiger Quelle die Information, dass am 3. Januar 2011 in Sachsen-Anhalt von einem Jäger eine Großtrappe aus einer Gruppe von 12 Tieren geschossen wurde. Nach derzeit vorliegenden Informationen handelte sich um einen in den Belziger Landschaftswiesen ausgewilderten Jungvogel von 2010. Als Grund für den Abschuss soll dem Jäger der Umstand gedient haben, dass die Großtrappe bei seiner Annäherung nicht geflüchtet sei.

Um so unverständlicher erscheint es, warum das Tier – wenn der Jäger schon mutmaßt, dass es mangels Fluchtreflex „krank" sein müsse – dann nicht eingefangen und einem vogelkundigen Veterinär übergeben wurde.

Deutlich wird durch diesen neuerlichen Fauxpas – es besteht wahrlich kein Mangel an Fallbeispielen für jagdliches Fehlverhalten - zuvorderst, dass es neben fachlichen Defiziten (mangelnde Artenkenntnis) eben in nicht minder erschreckend vielen Fällen psychologische Defizite (mangelndes Urteilsvermögen) sind, welche sich einem als einzig verbleibende Erklärung geradezu aufdrängen.

Um so mehr stellt sich die Frage, wie sich solch ein offenkundiger Mangel an Urteilsvermögen mit der vom Gesetzgeber geforderten Zuverlässigkeit zum Führen einer Schusswaffe in Einklang bringen lässt. Am 20. Dezember wurden in Grünwald an der Isar mindestens 9 zahme Höckerschwäne von 6-8 Jägern vor den Augen entsetzter Anwohner und Passanten geradezu exekutiert. Hierzu erhielt ich heute von einer Zeugin noch die Information, dass die Jäger dort eigens eine Futterstelle (Blechteller mit Mais) für die Schwäne angelegt und unterhalten wurde. Niederträchtiger kann man meines Erachtens kaum mehr zu Werke gehen: In der linken Hand das Futter, in der rechten das Gewehr.

Es geht – und das lässt immerhin hoffen – offenbar längst nicht nur mir so, dass die viel gepriesene „Waidgerechtigkeit" faktisch nichts anderes als eine hohle Phrase darstellt, hinter welcher sich zunehmend Psychopathen zu verschanzen pflegen. „Hege" entlarvt sich zunehmend selbst als rechtfertigende Worthülse für blutrünstige Egomanen.
Die Großtrappe, lat. Otis tarda, ist in Deutschland vom Aussterben bedroht

Thomas Hobbes führte im Leviathan „Dummheit" auf einen „want of understanding", ein mangelndes Vermögen „die Welt angemessen verstehen zu können", zurück. Dieser Mangel scheint mir angesichts der zunehmenden Zahl solcher und ähnlicher Fälle bei der Majorität der Jägerschaft schlechterdings kaum mehr zu leugnen. Dumme Leute gehören vielmehr schleunigst entwaffnet und – so sie dann immer noch eine Gefahr für Andere oder die Umwelt darstellen - unter Aufsicht gestellt.

Weitere Informationen zu diesem Vorfall finden Sie auf http://www.gaensewacht.de/

Tote Großtrappe hat juristisches Nachspiel (update 25.1.2011)

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