15.02.2011

Fuchsjagd hat keine Berechtigung

von Ernst Holzhofer, Boxberg

Wie unabhängige Studien des Friedrich-Löffler-Instituts für Viruskrankheiten der Tiere und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung ergeben haben, ist es durch jagdliche Mittel nicht möglich, die sylvatische Tollwut zu beeinflussen. Um die Ausbreitung der Tollwut zu stoppen, hätte man die Zahl der Füchse auf unter 0,3 Füchse pro Quadratkilometer senken müssen. Wie Erfahrungen aus den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts allerdings gezeigt haben, ist dies selbst durch den beispiellosen Vernichtungsfeldzug nicht gelungen, als man bundesweit alle erreichbaren Fuchsbaue mit Giftgas behandelt und dem Fuchs mit Falle und Flinte erbarmungslos nachgestellt hat.

Allein die großflächige Auslage von Impfködern hat zur Tilgung der Tollwut geführt. Eine Berechtigung zur Jagd auf den Fuchs im Rahmen der Tollwutbekämpfung war allein zur Gewinnung von Kontroll-Tieren für das Screening-Programm gegeben, damit der Impferfolg dokumentiert werden konnte.

Auch auf die Prävalenz des Kleinen Fuchsbandwurms hat die Jagd auf den Fuchs keinen Einfluss. Neueste Untersuchungen der Universität Hohenheim, der Technischen Universität München und der Universität Zürich deuten darauf hin, dass die Jagd auf den Fuchs eher kontraproduktiv im Hinblick auf das Vorkommen des Kleinen Fuchsbandwurms sein könnte, da die Bejagung Auswirkungen auf die Altersstruktur der Populationen hat.

Selbst das Argument, Bodenbrüter und Niederwild zu schützen, indem zum großen Halali auf Füchse geblasen wird, scheint nicht so recht zu stimmen, wie Erhebungen aus unbejagten Habitaten gezeigt haben. Das Verhältnis von Beutegreifern und ihren Beutetieren hat sich seit Urzeiten eingespielt und bewährt und es ist noch kein Fall dokumentiert, in dem einheimische Beutegreifer einheimische Beutetiere ausgerottet haben. Ursache für die Gefährdung oder gar das Erlöschen von Populationen waren nie unsere einheimischen Beutegreifer wie Füchse, Marder oder Greifvögel, sondern immer Eingriffe des Menschen in die Umwelt und in die Habitate der gefährdeten Arten.

Europäischer Braunbär, Bild M. Thyssen
Der Verkehr übernimmt die Rolle natüricher Feinde

Selbst wenn Einflüsse wie natürliche Feinde, Jagd und Straßenverkehr nicht gegeben sind, so wachsen die Fuchspopulationen nicht ins Unermessliche, wie jeder Biologiestudent bereits im ersten Semester weiß.

Untersuchungen der bekannten Wildbiologen Eric Zimen und David Macdonald haben ergeben, dass die flexible Dichtekontrolle der füchsischen Populationsdynamik dazu beiträgt, den Besatz den Bedingungen der Habitate anzupassen. Tatsächlich scheint der Fuchsbesatz derzeit seine endgültige Größe erreicht zu haben und einen Einfluss auf diese Größe scheint auch die Jagd nicht zu haben, da andere limitierende Faktoren eine weitaus gravierendere Rolle spielen.

Offensichtlich will man vonseiten der Jägerschaft die Bevölkerung überzeugen, dass man die Natur mit der Flinte "zurechtschießen" kann und muss, um eine Rechtfertigung für ihr ebenso blutiges wie sinnloses Hobby Fuchsjagd zu finden.

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