01.04.2011

Nachwuchs am Fuchsbau: 70 Organisationen protestieren gegen erbarmungslose Bejagung

In diesen Wochen stellt sich in vielen Fuchsbauen Nachwuchs ein: Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 53 Tagen bringt die Füchsin im April ihre Jungen zur Welt. Nachstellungen durch Jäger sorgen jedoch allzu oft dafür, dass das Familienidyll nicht lange währt. Eine Initiative von 70 Organisationen setzt sich daher für eine umfassende Schonzeit für Alt- wie Jungfüchse ein.

Jungfüchse: Tod am Bau 
Im Alter von etwa sechs Wochen verlassen Jungfüchse das erste Mal den Bau. Der Anblick spielender, wild umhertollender Fuchswelpen ist einer der schönsten Anblicke, den unsere heimische Tierwelt zu bieten hat. Oft wird er jedoch auf grausame Weise zerstört: Viele Füchse werden bereits als Jungtiere am elterlichen Bau von Jägern erschossen; Forschungsergebnisse zeigen, dass in unserer intensiv bejagten Landschaft mehr als drei Viertel aller Füchse in ihrem ersten Lebensjahr zu Tode kommt. Die mit großem Abstand häufigste Todesursache dabei sind die Flinten und Fallen von Jägern.

Elterntiere: Viel zu kurze Jagdruhe
Während Jungfüchse in den meisten Bundesländern ganzjährig verfolgt werden, gesteht das Jagdgesetz Elterntieren, die für die Jungenaufzucht notwendig sind, eine begrenzte Jagdruhe zu. Allerdings ist es weitgehend dem Jäger überlassen, in welchem Zeitraum er die Flinte nicht auf Füchse anlegt - und wie Berichte aus Jagdzeitschriften und Internet-Foren der Jägerschaft zeigen, ist diese Zeit meist viel zu kurz bemessen. In der Regel wird noch bis Ende Februar auf Füchse geschossen, und bereits im Juni wird das Feuer erneut eröffnet. Forschungsergebnisse sowie Altersbestimmungen an Jungfüchsen, die in Wildtierauffangstationen abgegeben wurden, zeigen jedoch, dass manche Welpen bereits im Februar, andere dagegen erst im April geboren werden. Da Fuchswelpen oft erst mit 12 Wochen vollständig der Muttermilch entwöhnt sind, muss man also davon ausgehen, dass die aktuell geltenden Regelungen vielfach zum qualvollen Tod der Jungfüchse durch Verdursten oder Unterkühlung führen.

Die wichtige Rolle der Fuchsväter für die Welpenaufzucht
Hinzu kommt, dass in den Monaten Januar und Februar, in die auch die Paarungszeit der Füchse fällt, besonders intensiv Jagd auf Reineke gemacht wird. Dadurch wird vielen Welpen bereits vor der Geburt der Vater genommen: Jeder Fuchsrüde, der nach der Paarung mit einer Füchsin getötet wird, steht nicht mehr für die Versorgung der noch ungeborenen Jungfüchse zur Verfügung. Fuchsväter leisten jedoch insbesondere durch die Versorgung von Fähe und Welpen mit Nahrung einen wichtigen Beitrag zur Aufzucht der Jungfüchse. Studien zeigen, dass die Welpen "alleinerziehender" Fähen deutlich geringere Überlebenschancen haben und eine schlechtere körperliche Verfassung aufweisen als Jungfüchse, an deren Aufzucht sowohl Vater als auch Mutter beteiligt sind.
Fuchsrüde, zärtlich mit einem Welpen, (c) Luise Dittombée

70 Organisationen fordern Schonzeit für Füchse
All dies zeigt unmissverständlich auf, wie erbarmungslos Füchsen hierzulande nachgestellt wird, und wie dabei selbst grundlegende biologische Fakten ignoriert werden. Bundesweit macht sich daher nun die Initiative Schonzeit für Füchse mit etwa 70 beteiligten Organisationen dafür stark, eine umfassende Jagdruhe für den Fuchs zu etablieren. „Es ist nicht zu tolerieren, dass Füchse in nahezu allen Bundesländern ohne reguläre Schonzeit verfolgt werden und nicht einmal ihren Nachwuchs unbehelligt von Flinten und Fallen aufziehen können", erläutert Lovis Kauertz, einer der Initiatoren der Kampagne. „Dabei gibt es keinen vernünftigen Grund für die erbarmungslose Hatz auf Meister Reineke".

Sinnlose Fuchsjagd
Viele Jäger sehen in Füchsen Beutekonkurrenten oder behaupten, man müsse sie „regulieren", etwa, um der Ausbreitung von Seuchen wie der Tollwut Einhalt zu gebieten. Tatsächlich kann man die Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln jedoch keineswegs kontrollieren: Je mehr Füchse durch Jagd oder Unfälle sterben, desto stärker steigt die Geburtenrate. Andersherum führt eine sinkende Sterblichkeit durch soziale Regulationsmechanismen zu weniger Nachwuchs. Von einer wie auch immer gearteten Notwendigkeit, Füchse zu bejagen, kann also keine Rede sein.

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