20.05.2011

Ausrottung von Fuchsfamilien an der Tagesordnung

Nahezu überall in Deutschland ist die gnadenlose Ausrottung ganzer Fuchsfamilien derzeit an der Tagesordnung: Jungfüchse werden am Bau erschossen oder in speziellen Jungfuchsfallen gefangen, ihre Eltern mit der Flinte getötet. Das Saarland beweist, dass es auch anders geht. Seit letztem Jahr schützt dort eine Schonzeit Welpen und ihre Eltern vor Nachstellungen. Die von Jägern erwartete "Fuchsschwemme" ist dabei ausgeblieben - es gibt im Saarland heute eher weniger Füchse als vor Einführung der Jagdruhe.  

Füchse dürfen in den meisten Bundesländern ganzjährig erschossen oder in Fallen gefangen werden. Lediglich die Eltern noch unselbständiger Jungtiere sind vor Nachstellungen geschützt. Trotzdem spielen sich gerade jetzt im Mai, wo Jungfüchse ihre ersten tapsigen Schritte aus dem elterlichen Bau wagen, grausame Szenen an vielen Fuchsbauen ab: Der Abschuss oder Fang von Welpen durch Jäger ist an der Tagesordnung; den Fuchseltern wird mit "raubwildscharfen" Hunden und Gewehren der Garaus gemacht. Bei den Tätern handelt es sich keinesfalls nur um "schwarze Schafe" in der Jägerschaft - selbst die großen deutschen Jagdzeitschriften veröffentlichen Tipps zur Jungfuchsbejagung, und in Jagdforen im Internet, wo Jäger sich unter ihresgleichen wähnen, werden Bilder toter Fuchswelpen und ihrer Eltern zur Schau gestellt.


Familienstrukturen begrenzen Fuchspopulation

Angeblich, so argumentieren Jäger, sei die Jungfuchsbejagung "notwendig", um zu verhindern, dass Füchse überhandnähmen. Tatsächlich wird die Bestandsdichte von Füchsen aber durch das Nahrungsangebot reguliert, und zusätzlich verhindert die füchsische Sozialstruktur, dass es "zu viele" Füchse gibt. Der als Fuchsexperte geltende Biologe Erik Zimen beschrieb dieses Phänomen mit den Worten "Geburtenbeschränkung statt Massenelend". Je stärker Füchsen dagegen nachgestellt wird, desto stärker vermehren sie sich, weil hohe  Todesraten die bestandsbegrenzend wirkenden Familienstrukturen auseinanderbrechen lassen.
 

Schonzeit im Saarland: Keine "Fuchsschwemme"

Im Saarland schob die regierende Jamaika-Koalition der Welpenvernichtung letztes Jahr durch die Einführung einer sechsmonatigen Schonzeit einen Riegel vor. Der Saarländische Jagdverband protestierte lautstark gegen diese Beschneidung seiner Rechte und prophezeite eine regelrechte "Fuchsschwemme". Nun, ein Jahr nach Einführung der Schonzeit, zog das zuständige Ministerium Bilanz: Im Vergleich mit dem Vorjahr seien deutlich weniger Fuchswelpen in Wildtierauffangstationen abgegeben worden, und auch die Anzahl im Straßenverkehr umgekommener Füchse sei zurückgegangen. Es gibt also kein Indiz für eine Zunahme der Fuchspopulation - ganz im Gegenteil, die Fuchsdichte scheint gegen den bundesweiten Trend sogar zurückgegangen zu sein.


Fuchswelpen in einer Jungfuchsfalle. Die Tiere wurden kurz nach Aufnahme dieses Fotos getötet, ihr Vater wurde erschossen, auf die Mutter wurde ein Jagdhund gehetzt. Der Jagdhund musste mit schweren Verletzungen vom Tierarzt behandelt werden (Foto: Johanna Kurz)










 

Siebzig Organisationen fordern Schonzeit für Füchse

Dies untermauert die Forderung von siebzig Tier- und Naturschutzverbänden, die sich im Rahmen der Initiative "Schonzeit für Füchse" für eine mindestens neunmonatige Jagdruhe auf Meister Reineke stark machen. "Die Fuchsjagd ist grausam und unnötig", erläutert Lovis Kauertz, einer der Initiatoren der Kampagne. "Zudem ist die Tollwut in Deutschland ausgerottet, und den Fuchsbandwurm kann man nur durch Entwurmungsköder, aber nicht den massenhaften Abschuss von Füchsen bekämpfen. Die Fuchsjagd dient dagegen letzten Endes nur jenen, denen es Spaß bereitet, schutzlose Tiere zu erschießen."

Nachwuchs am Fuchsbau, Pressemitteilung vom 1. April 2011
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