21.11.2011

Illegale Jagd im EU Vogelschutzgebiet "Elbaue Jerichow"

Tangermünde. Das Komitee gegen den Vogelmord hat heute Beweise für illegale Jagd auf Wasservögel im EU Vogelschutzgebiet „Elbaue Jerichow“ vorgelegt. Wie der Verband mitteilt, hat am vergangenen Freitag eine Gruppe von Jägern versucht, Wildgänse beim Einflug auf ihr Schlafgewässer an der Elbe bei Klietznick (Kreis Jerichower Land) abzuschießen. Fotos und Videomaterial, auf dem die Jäger mit Waffen zu erkennen sind und zugeben, auf die Gänse geschossen zu haben, will das Komitee in den nächsten Tagen an die Behörden weiterleiten.

„Als gegen 16 Uhr die ersten Gänsegruppen am Schlafplatz eintrafen, fielen kurz nacheinander 5 Schüsse“, berichtet Thomas Hellwig, Ornithologe und 2. Vorsitzender des Komitees. Einem Beobachterteam des Komitees gelang es, eine Gruppe von vier mit Schrotflinten bewaffneten Personen in dem unwegsamen Gelände aufzuspüren und zu fotografieren. Wie sich herausstellte handelte es sich um zwei örtliche Jagdaufseher, die zwei Jagdtouristen aus Thüringen an den Gänseschlafplatz geführt hatten. Von den Vogelschützern zur Rede gestellt, verließen die Männer das Gebiet. Vorher gaben sie jedoch noch vor laufender Videokamera zu, auf die landenden Gänse geschossen zu haben.

Bei den Gewässern und Altarmen im Havelland handelt es sich um Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, in denen jedes Jahr zehntausende Kraniche, Enten, Schwäne und Wildgänse rasten und überwintern. Um die Zugvögel in diesen äußerst sensiblen Bereichen zu schützen, wurde ein großer Teil der Flächen als Naturschutz- oder EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Jagd an und auf den Rastgewässern ist laut §23 des Landesjagdgesetzes von Sachsen-Anhalt streng untersagt. „Wir sind entsetzt, dass einige Jäger diese einzigartigen Naturlandschaft immer noch als Selbstbedienungsladen für ihr Hobby betrachten und Schutzvorschriften missachten“, so Thomas Hellwig. Der Naturschützer fordert eine bessere Überwachung der Gebiete durch die Behörden und ein strengere Kontrollen der Jagdpächter, die gegen Bares organisierte Wasservogeljagden in Sachsen-Anhalt anbieten.

Als Delikatesse auf der Speisenkarte, Anzeige an die Jagdbehörde
Bild: Christina Galitzki 


Dass hinter der Jagd auf Wasservögel oft rein kommerzielle Interessen stehen, zeigt auch der Fall eines Restaurants in Tangermünde, dessen Inhaber seinen Gästen - trotz strenger Vermarktungsverbote - frisch geschossene Schwäne aus der Region als Delikatesse anbietet. Auch in diesem Fall hat das Komitee angekündigt, Anzeige zu erstatten und eine Kopie der Speisekarte an die zuständige Jagdbehörde zu schicken.

V.i.S.d.P. und Kontakt für weitere Informationen: Komitee gegen den Vogelmord, Axel Hirschfeld (Pressesprecher), An der Ziegelei 8, 53127 Bonn, Tel. 0179 480 3805 oder 0228/665521

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