09.11.2011

Protest: Ist für die TVT Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz der Fuchs ein Schädling?


Wir fordern vom Vorstand der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT), namentlich vom Vorsitzenden Herrn Prof. Dr. Thomas Blaha von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und von der für das Merkblatt 123 „Tierschutz für Jäger“ zuständigen Leiterin des Arbeitskreises „Wild und Jagd“, Frau Dr. Susanne Hartmann, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe, die unverzügliche Überarbeitung des Merkblattes Nr. 123 hinsichtlich jeglicher Formulierung, welche geeignet ist, den Fuchs als zu reduzierenden Schädling  darzustellen. Der Sachverhalt wurde den genannten Personen erstmals am 17.12.2010 schriftlich erörtert und ist bisher ergebnislos geblieben.

Begründung:

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT ), Bramsche, versteht sich als Tierschutzverein der Tierärzte mit der Aufgabe, kompetenten, wirksamen und zielgerichteten Tierschutz zu praktizieren.  Auf der Homepage des TVT heißt es:

„Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) stellt sich die Aufgabe, tierärztliches Handeln als Anwaltschaft für Leben und Wohlbefinden der uns anvertrauten Tiere gemäß § 1 TSchG verständlich zu machen und die Tierärztliche Ethik soweit wie nur denkbar aus der Abhängigkeit menschlicher Nutzungsinteressen zu lösen.
 
Hierfür wird es notwendig sein, das berufsethische Selbstverständnis der Tierärzte im Dialog mit der philosophischen und theologischen Ethik zu überprüfen. Gerechtigkeit für Mensch und Tier ist mit der Vorstellung einer grundsätzlichen Minderwertigkeit von Leben und Wohlbefinden der Tiere unvereinbar.“

Im TVT-Merkblatt Nr. 123 „Tierschutz für Jäger“ wird gleichwohl impliziert, dass Füchse minderwertig seien:

„Am wenigsten in Frage gestellt wird das Töten von Tieren zum Schutz der menschlichen Gesundheit. So wird kaum ein Mensch, der von einem Bandwurm befallen ist, zögern, ein Medikament dagegen einzunehmen. In diese Kategorie fällt die Reduktion des Fuchses zum Schutz des Menschen vor der Tollwut oder dem kleinen Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis. Allerdings wurde die Tollwutgefahr viel mehr durch die Impfung als durch Bejagung reduziert, und ob mit jagdlichen Mitteln auf das Gesundheitsrisiko durch Echinococcen Einfluss genommen werden kann, ist
nicht erwiesen.“

Durch diese Formulierung kann insbesondere bei Jägern der Eindruck entstehen oder gefestigt werden, dass Füchse wie Schädlinge einzuordnen seien. Ein Vergleich des hochentwickelten Fuchses mit einem Bandwurm, der darauf abzielt, die Schädlichkeit des für unser ökologisches Gleichgewicht essentiellen Säugetiers zu verdeutlichen, ist ethisch nicht haltbar, verächtlich und geeignet anhaltendes Leid zu verursachen und zu rechtfertigen.

Von Reineke Fuchs geht für den Menschen kaum Gefahr aus,
er ist eines der nützlichsten Tiere für unser ökologisches Gleichgewicht.
Bild: Luise Dittombée


Nach offiziellen Zahlen werden bereits heute jedes Jahr über 500.000 Rotfüchse in Deutschland durch Jäger getötet. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Die Tiere werden im Rahmen von revierübergreifenden „Fuchswochen“ während der Paarungszeit mit Dutzenden von Jägern gejagt, sind Opfer von Treibjagden, werden samt Jungtieren aus ihrem vermeintlich sicheren Bau gegraben oder mit davor aufgestellten Fallen gejagt –um anschließend entsorgt zu werden.

Die Argumentation von Jägern bedient sich immer noch einer vermeintlich vom Fuchs ausgehenden Tollwutgefahr bzw. der vom kleinen Fuchsbandwurm ausgehenden Ansteckungsgefahr. Dabei ist Deutschland seit 2008 gemäß der WHO frei von sylvatischer Tollwut. Auch jegliche Argumentation mit dem Fuchsbandwurm ist gemessen am Erkrankungsrisiko für Menschen reine Panikmache: Gemäß Robert-Koch-Institut gibt es in ganz Deutschland gerade mal 21 Neuerkrankungen im langjährigen Jahresdurchschnitt.

Unabhängig voneinander haben Forschungen des Friedrich-Löffler-Instituts für Viruskrankheiten der Tiere und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung darüber hinaus ergeben, dass die Jagd nicht geeignet ist, die von Tollwut oder Fuchsbandwurm ausgehenden Risiken zu reduzieren. Möglicherweise ist die Jagd sogar eher kontraproduktiv, weil Krankheiten durch die Zerstörung von Sozialverbänden in andere Fuchsreviere getragen werden. Sowohl gegen die Tollwut als auch gegen den Fuchsbandwurmbefall gibt es wirksame Medikamente, die per Köder ausgelegt werden.

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