28.04.2011

Tabubruch - Volkswagen schaltet Anzeige in Magazin für Auslandsjagd

Mit der Schaltung von Anzeigen für das Modell Amarok (bedeutet "Wolf") zeigt der Hersteller Volkswagen Nutzfahrzeuge wenig Gespür für Ethik in der Werbung: Seit Jahren ist in der Zeitschrift „Jagen weltweit" aus dem Paul Parey Verlag kein Automobilhersteller mit Werbung vertreten. Das Blatt spricht die Jäger an, die gerne mal Trophäen von Elefanten, Wölfen, Antilopen oder anderen mehr oder weniger stark geschützten oder seltenen Tieren schießen. 

Die Auslandsjagd wird nicht ohne Grund selbst von Jägern kritisiert. Wer teilweise tausende von Kilometern reist, um dann Trophäen für die Wand oder den Boden zu schießen, pflegt den Spaß am Töten und die Eitelkeit der Zurschaustellung.

VW Anzeige (Ausschnitt) in der aktuellen Ausgabe von "Jagen weltweit"

Das Unternehmen Volkswagen hat damit, dass es diese besonders abstoßende Form des Jagdtourismus unterstützt ein lange geltendes Tabu gebrochen.

27.04.2011

30 Jahre nach Tschernobyl - Wildschweine und Waldpilze strahlen

Aktualisiert: 25.04.2016
30 Jahre nach der Kernschmelze von Tschernobyl sind etwa 1.800 km westlich Waldböden, Pilze und Wildtiere immer noch mit Cäsium belastet. Besonders betroffen ist der süddeutsche Raum, wo jedes zweite Wildschwein zu hohe Strahlenwerte aufweist. Die Strahlenbelastung unterliegt dabei einer starken jahreszeitlichen Schwankung. Während Wildschweine im Sommer den zulässigen Grenzwert von 600 Bequerel oft weit unterschreiten, kann die Belastung in den Wintermonaten durchaus das Doppelte dieses Wertes erreichen. Grund ist das unterschiedliche Nahrungsspektrum. Besonders stark belastet sind Pilze, und die gehören im Herbst zur Lieblingsspeise des Schwarzwildes.

Ordnungsgemäß in den Handel gelangtes Wildbret ist frei von Radioaktivität. Es ist zwingend vorgeschrieben, dass Wildfleisch vor der Vermarktung auf seine Strahlenbelastung untersucht wird. Die Jäger erhalten für jedes belastete Reh oder Wildschwein Ausgleichszahlungen. Die lagen zwischen 1996 und 2015 bei insgesamt 4,92 Millionen Euro! Allein in 2015 haben bayerische Jäger "Entschädigungen" in Höhe von 918.000 Euro erhalten. Kosten, die aus der Staatskasse vergütet werden.

Prof. Thomas Jung, Leiter der Abteilung Strahlenwirkung und Strahlenrisiko des Bundesamtes für Strahlenschutz, sprach dieser Tage in einem Interview mit dem Deutschlandfunk davon, dass sich die Situation im besonders betroffenen Bayern in den kommenden Jahren wenig verändern werde. "In den Waldgebieten bei den Wildtieren müssen wir noch Jahrzehnte damit rechnen, dass wir eine erhöhte Kontamination haben."

Wir von Wildtierschutz Deutschland fragen uns, warum es angesichts der hohen Strahlenbelastung insbesondere in Süddeutschland überhaupt eine so intensive Jagd auf Schwarzwild geben muss, wenn etwa die Hälfte der Tiere aufgrund der Verstrahlung entsorgt wird. Auch Entschädigungsgelder könnten sicherlich sinnvoller eingesetzt werden.


Wurden im Durchschnitt der jeweils letzten 10 Jahre 1991/92 pro Jahr in Bayern noch weniger als 10.000 Wildschweine zur Strecke gebracht, waren es 2001/02 bereits 25.000 und zuletzt (2014/15) über 50.000 Tiere im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Allein im letzten Jagdjahr wurden über 70.000 Wildschweine in Bayern getötet.

Die Klagen aus der Landwirtschaft und aus den Gemeinden und Städten über Schwarzwildschäden häufen sich – gleichwohl scheint angesichts der Zahlen die Jagd keine Lösung des Problems zu sein. Es gibt vielmehr Stimmen - auch aus dem Kreis der Jäger - die sagen, dass die Jagd nicht unwesentlich zur teilweise unkontrollierten Vermehrung der Schwarzkittel beiträgt. Unterstützt wird diese These von einer im renommierten "Journal of Animal Ecology" veröffentlichten Langzeitstudie (2009, S.1278-1290), die auf zahlreiche weitere universitäre Arbeiten und Untersuchungen Bezug nimmt. Demnach ist der hohe Jagddruck haupt verantwortlich für die steigende Wildschweinpopulation. Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, insbesondere auf erfahrene Bachen, umso stärker vermehren sie sich.

Lesen Sie hier über die Ursachen der steigenden Wildschweinbestände 
Mehr Jagd - mehr Wildschweine
30 Jahre Tschernobyl – Schadensbilanz für die Bundesrepublik Deutschland

24.04.2011

Petition zur Abschaffung des Haustierabschusses

Im Rahmen des sogenannten "Jagdschutzes" ist in den Jagdgesetzen des Bundes und der Länder geregelt, unter welchen Bedingungen freilaufende Hunde und streunende Katzen, die sich nicht in der Obhut ihres Halters befinden, durch Jäger getötet werden dürfen. Bei Katzen ist als Begründung für den Abschuss meist ausreichend, dass sie sich 200 bis 500 Meter vom nächsten bewohnten Haus aufhalten.

Der Abschuss eines Hundes ist meist dann erlaubt, wenn dieser sich außerhalb des Einwirkungsbereiches seines Halters befindet. In manchen Bundesländer muss er dazu auch sichtlich dem Wild nachstellen.

Jährlich werden in Deutschland nachvollziehbaren Schätzungen zufolge mehrere tausend Hunde und 'zigtausende von Katzen durch Jäger getötet oder verletzt. Nicht nur das Leid der Tiere, auch das Leid und die Trauer der Halter ist schwer in Worte zu fassen.
Abschuss durch Jagdgesetze legalisiert

Jäger argumentieren, Katzen würden die Singvögelbestände massiv gefährden oder könnten gefährlich für Junghasen und Hühnervögel werden. Wissenschaftliche Studien und Erfahrungen aus Großräumen mit vielen streunenden Katzen widerlegen diese Behauptung eindeutig!

Auf der Petionsseite des Deutschen Bundestags wurde nun folgende Petition zum Haustierabschuss eingebracht: "Der Deutsche Bundestag möge beschließen ... dass im Jagdrecht des Bundes und der Länder ein generelles Verbot des Abschusses von Haustieren verankert wird."

Bitte setzen Sie sich für die Abschaffung des Haustierabschusses ein, unterzeichnen Sie die Petition!

Der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht

Maria Herzger
Der putzige, bei Landwirten als Getreideschädling angesehene Feldhamster, galt vor einigen Jahrzehnten als fast ausgerottet. Früher wurden sogar Kopfprämien ausgesetzt, um den Bestand der Feldhamster zu reduzieren. Kaum zu glauben, aber auch Kinder wurden an der Hetzjagd auf die zu den Nagetieren gehörenden Feldbewohner, mit eingebunden.
Hamster sind stark bedroht   Vor dem Einsatz an Gift schreckte man ebenfalls nicht zurück, um den eichhörnchengroßen Nager zu bekämpfen. Heutzutage leistet die Monotonie unserer modernen Landwirtschaft, unter Einsatz hochtechnisierter Ernteapparate, einen nicht unerheblichen Beitrag an ihrer Bestandsreduzierung. So ist es nicht verwunderlich, dass Feldhamster vielerorts auf der Liste der gefährdeten Tierarten als stark bedroht eingestuft werden.
Hübsche und mutige Nager mit buntem Pelz   Der einheimische Feldhamster ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Einzelgänger, den man deshalb tagsüber nur äußerst selten in der Natur zu Gesicht bekommt. Er gräbt sich Gangsysteme mit mehreren Eingängen in Löß- und Lehmböden. Seinen aus mehreren Zimmern bestehenden Bau bewohnt der Eigenbrötler alleine. Die Männchen dürfen die Weibchen dort lediglich zur Paarungszeit besuchen. Durch das in vielen unterschiedlichen Schattierungen gefärbte Fell, gilt der Feldhamster als das bunteste Pelztier Europas.
Guter Riecher und scharfes Ohr  Der Feldhamster verfügt über einen ausgeprägten Geruchssinn und ausgesprochen gutes Gehör. Diese Eigenschaften sind seine Lebensversicherung, denn durch seine gut funktionierenden Sinne kann er seine Feinde frühzeitig erkennen und durch die angelegten Fallröhren, in seinen Bau flüchten. Doch auch in gefährlichen Situationen weiß sich der kleine Nager auf beeindruckende Art und Weise zu verteidigen. Um größer zu erscheinen, stellt er sich auf seine Hinterpfoten und plustert seine Backentaschen auf. Mit zähneknirschendem und knurrendem wie auch zischendem Drohverhalten, versucht er seine Feinde zu beeindrucken und springt sie mitunter sogar mutig an. Seine markanten Schneidezähne wachsen ein Leben lang an Ober- und Unterkiefer nach
Woher Hamsterbacken ihren Namen haben   Der possierliche Feldhamster ist ein Allesfresser, denn er ernährt sich äußerst vielseitig. Neben Getreidekörnern stehen u. a. Wildkräuter, Gräser, Möhren, Kartoffel, Kohl, Mais aber auch Tierisches, wie Insekten, Regenwürmer, Jungvögel und gelegentlich Feldmäuse auf seinem reichhaltigen Speiseplan. Seine Nahrungsvorräte transportiert er in seinen großen Backentaschen und deponiert sie im Bau. Feldhamster benötigen zum Überleben einen Wintervorrat an Pflanzenmaterial und Getreidekörnern von bis zu 4 kg oder mehr. Während des Winterschlafs in seiner Schlafkammer senkt der Nager seine Körpertemperatur herab, wodurch seine Körperfunktionen und auch der Nahrungsbedarf gesenkt werden. Er wacht an den Stoffwechsel angepasst nur alle paar Tage zum Fressen auf.
Hamster sind fruchtbare Gesellen   In guten „Hamsterjahren" werden die Weibchen sogar zweimal trächtig und können in ihren Würfen zwischen 4 – 12 Junge hervorbringen. Die Jungen sind nach der Geburt schon recht bald selbstständig und können ihre Kinderstube bereits nach ca. 4 Wochen verlassen. Nach ungefähr einem viertel Jahr sind sie fortpflanzungsfähig.
Am meisten setzt dem Feldhamster die Landwirtschaft zu (c) Katanski
Nach der Getreideernte schwindet das Nahrungsangebot der Feldhamster urplötzlich dahin und es beginnt für sie eine harte Zeit, die viele nicht überleben. Erschwerend kommt hinzu, dass es ihnen auf den verbleibenden Stoppelfeldern an Deckungsmöglichkeiten vor ihren Feinden wie Greifvögel, Marder, Iltis und Fuchs fehlt. Die Problematik wird durch unsere aufgeräumte Natur verschärft, in der Unterschlupfmöglichkeiten wie Hecken, begrünte Ackerraine und Gräben, auf Grund unserer komplett auf moderne Apparatetechnik ausgelegten intensiven Landwirtschaft, immer seltener werden. Der Trend zu immer großflächigeren Feldern verstärkt die hamsterfeindlichen Lebensbereiche. Der fortwährende Ausbau des Straßennetzes, der die Unterteilung bzw. Verkleinerung ihrer Lebensbereiche nach sich zieht, ist ebenfalls als nicht unerheblicher Feind des schönen Pelztieres anzusehen.
Nachhaltiger Ackerbau ohne Pestizide und Kunstdünger   Umwelt- und Naturschutzverbände arbeiten derzeit mit Landwirten an gemeinsamen Hamsterschutzprogrammen, um den Bestand der Feldhamster zu stabilisieren. Allerdings ist es nach wie vor problematisch, die Interessen der Landwirte mit denen des Tierschutzes zu vereinen. 'Erntestreifen' oder eine seltenere Bearbeitung des Bodens in geringerer Tiefe werden diskutiert. Dies käme nicht nur den Feldhamstern sondern auch Fasanen, Feldlerchen und Rebhühnern zu Gute, so der WWF.
Ebenso wäre der Umbau der konventionellen Landwirtschaft hin zur mehr ökologischer Bewirtschaftung, nicht nur dem im Bestand gefährdeten Feldhamster dienlich. Nachhaltiger Ackerbau ohne Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden, steigert die Artenvielfalt an Wildkräutern, Insekten und anderen Lebewesen um ein Vielfaches. Natur- und Umweltschutz müssten viel intensiver von allen Verantwortlichen forciert werden, damit Feldhamster & Co. in unserer Natur eine Überlebenschance haben und uns wie auch unseren Folgegenerationen erhalten bleiben.

17.04.2011

Wilde Videos

Unter diesem Titel entsteht eine neue Reihe von Blogs, die jeweils ein Wildtier-Video vorstellen. Wilde Videos sind bereits live gegangen mit Beiträgen zum Paarungs- und Aufzuchtverhalten von Füchsen, zur Rolle des Fuchsrüden u.a.

Viele weitere sehenswerte Filmbeiträge sollen folgen - Sie können dazu beitragen, indem Sie uns Ihre Vorschläge mit entsprechenden Links zusenden an: info@jagdfrei.de

15.04.2011

Koalitionsvertrag in Sachsen-Anhalt – SPD steht nicht zu ihrem Tierschutzprogramm

Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.  und Tierschutz Halle e.V.

Nachdem der CDU-Parteitag bereits sein Ja am Mittwoch gegeben hatte, soll die SPD auf dem morgen stattfindenden Landesparteitag ihre Zustimmung zum Koalitionsvertrag geben. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte und sein Mitgliedsverein Tierschutz Halle kritisieren, dass das Ergebnispapier keine Vereinbarungen zum Tierschutz enthält.

„Von der CDU hat der Tierschutz ohnehin nichts zu erwarten, das wussten wir. Umso wütender sind wir über die SPD. Sie steht mit ihrem Programm und ihren Wahlaussagen für massive Verbesserungen im Tierschutz, wie die Einführung der Tierschutz-Verbandsklage, Förderung artgerechter Tierhaltung, Verbot der Käfighaltung von Legehennen und intensive Prüfung der Tierversuchsanträge. Doch dazu kein Wort im Koalitionsvertrag. Die SPD hat also schon jetzt der CDU zuliebe ihr Tierschutzprogramm aufgegeben und zwar ohne Not", so Rotraud Wunsch, Vorstandsmitglied von Tierschutz Halle.

Nach Ansicht des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte hatte die SPD eine starke Verhandlungsposition, denn sie sei nicht auf die CDU als Koalitionspartner angewiesen. Sie könne auch mit der Linken, deren Tierschutzprogramm in die gleiche Richtung gehe, das Land regieren. Die CDU rette dagegen nur die SPD vor der Oppositionsbank.

In Sachsen-Anhalt boomen die Bauvorhaben für Intensivtierhaltungen, in denen die Tiere so eng eingepfercht werden, dass sie nicht einmal ihre Grundbedürfnisse ausleben, geschweige denn artgerecht leben könnten, ergänzen die Tierrechtler. Wer da wie die SPD schon früh und ohne Not seine Wahlaussagen opfere statt sie zu verteidigen, habe seinen Vertrauensvorschuss schon jetzt verspielt. Jetzt bleibe nur, dass die Oppositionsfraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam mit dem organisierten Tierschutz, den Ausverkauf des Tierschutzes in den kommenden fünf Jahren in Sachsen-Anhalt behindern.

Der Landtag muss sich spätestens am 19. April konstituieren.
Wahlprogramme und Wahlaussagen Landtagswahl Sachsen-Anhalt: http://www.tierschutzwatch.de/

Das sagten die Parteien vor den Wahlen


13.04.2011

Betrifft: Jagdvergehen - Service für gewissenhafte Jäger

Die Organisation pro iure animalis hat sich zum Ziel gesetzt, Jagdvergehen und damit verbundene Verstöße gegen das Tierschutzgesetz konsequent zu verfolgen und zu publizieren, um Verstößen nach Möglichkeit auch rechtzeitig entgegenzuwirken.

Die Initiative geht zurück auf "Hilferufe" seitens aktiver Jäger, welche pro iure animalis in der Vergangenheit erreichten. Oftmals trägt zur Aufdeckung bei, wenn man konkrete Hinweise anonym geben kann. Ein Jäger, welcher auf Verstöße von Jagdkollegen gegen geltendes Jagd-, Tierschutz- oder Naturschutzrecht aufmerksam wird, kann die Person natürlich direkt darauf ansprechen und um unverzügliche Abhilfe/Einstellung bitten - je nach Vergehen oder auch bei Wiederholung ist möglicherweise eine Strafanzeige opportun.

Illegale (Greif-)Vogelfalle
Aus Jagdkreisen ist bekannt, dass sowohl die Dunkelziffer als auch die nicht angezeigten Verstöße gegen das Jagdrecht und Tierschutzgesetz nicht unerheblich sind. Jagdvergehen schädigen nicht nur Flora und Fauna - sie tragen auch zum Bild der Jagd in der Gesellschaft bei.

Da Jäger oder  Forst- und Behördenmitarbeiter auf Grund eines Hinweises oder Anzeige persönliche oder geschäftliche Nachteile befürchten müssen, bietet pro iure animalis ab sofort die Möglichkeit, Hinweise anonym per Post, Telefon oder E-Mail zu senden. Hinweisgeber sollen wirksam vor Diskriminierung geschützt werden.  Eine anonyme Veröffentlichung bzw. Einschaltung der Ermittlungsbehörden wird zugesichert. 

Nur mit Insiderwissen können rechtswidrige Aktivitäten frühzeitig aufgedeckt, Täter ermittelt und so die Entstehung weiteren Tierleids und Naturfrevels verhindert werden.

Kontaktmöglichkeiten:
Dr. Gunter Bleibohm, Im Linsenbusch 3, 67146 Deidesheim, Telefon 06326-962234, bleibohm@pro-iure-animalis.de
Harald Hoos, Bornergasse 45, 76829 Landau, Telefon 0175-8033918 hoos@pro-iure-animalis.de

Gesetzliche Regelungen, Jagdzeiten etc.

09.04.2011

Offener Brief an Junglandwirt Heino Klintworth

Prof. Dr. Klaus Hamper 

Sehr geehrter Herr Klintworth,
Sie sind Vorsitzender des Vereins der Junglandwirte Niedersachsens. Auf dem Junglandwirtetag in Lingen hatten Sie einen starken Auftritt. Dort durften Sie an der großen Politik schnuppern. Und ließen sich zu einem wundersamen Zitat hinreißen, welches Ihre Hauspostille „Land und Forst" gar in den Ehrenstand des „Zitats der Woche" erhob. Es lautete: „Erst wenn der letzte Stall nicht genehmigt, das letzte Pflanzenschutzmittel verboten und der letzte Bauer aus dem Dorf vertrieben ist, wird die Bevölkerung merken, dass man Bücher nicht essen kann." So weit, so dumm.

Es ist schön, dass Sie dem Ur-Zitat der Öko-Bewegung der 80er Jahre zur Wiederauferstehung verhelfen. Das Originalzitat - Sie wissen es natürlich - lautete: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann." Es wird den nordamerikanischen Cree-Indianern zugeschrieben, die sich schon vor langer Zeit ernsthaft und weit vorausschauend Sorge um die schamlose Ausbeutung der unteilbaren Natur durch den weißen Mann gemacht haben. Die Indianer sind verschwunden. Der weiße Mann ist noch da und macht bis auf den heutigen Tag immer und immer weiter.


Bild: Hinrich
Sie lesen also offensichtlich. Leider nicht genug. Das ist schade. Denn wenn Sie mehr und vor allem das Richtige lesen würden, wüssten Sie, dass es gerade die großen agroindustriellen Konzerne sind, die die Bauern aus den Dörfern vertreiben und nicht die Öko-Bewegung und nicht die Bücher lesende restliche Bevölkerung. Ich empfehle Ihnen die Lektüre des gut recherchierten und leicht verständlich geschriebenen Buches von Nina Kleinschmidt und Wolf-Michael Eimler „Wer hat das Schwein zur Sau gemacht? – Mafia-Methoden in der deutschen Landwirtschaft". Es ist im renommierten Knaur-Verlag 1984 erschienen. Sie können es antiquarisch im Internet bekommen. Ich schicke Ihnen auch gern ein Exemplar persönlich zu, wenn Sie wollen. Bereits damals war alles über die mafiösen Zusammenhänge in der Agrarindustrie bekannt, die rücksichtslos kleinbäuerliche Strukturen zerstört haben und bis auf den heutigen Tag weiter zerstören. Ihre älteren Funktionärskollegen leugnen diese Zusammenhänge wider besseres Wissen. Aus durchsichtigen Gründen. Und versuchen, nun mit Hilfe von Vertretern der nächsten Generation die Lüge weiter zu zementieren.

Gerade in diesen Frühlingstagen sieht man auf den Feldern, mit welcher Sorglosigkeit Pflanzen"schutz"mittel von Ihnen und Ihren Berufskollegen eingesetzt werden. Riesenflächen von über den Winter brach liegenden Flächen haben innerhalb weniger Tage ihre Farbe von grün zu gelb gewandelt. Weil das gewachsene Grün (vulgo „Unkraut") vor dem Umbruch der Flächen mit Roundup, einem alles vernichtenden Herbizid der Firma Monsanto, besprüht wurde. Es werden pro Jahr in Deutschland über 30.000 Tonnen hochkonzentrierter Pestizide von den Bauern auf die Felder versprüht. Deren Reste bleiben irgendwo. Im Grundwasser. Und in der Nahrungskette, die beim Menschen endet.

Es ist hohe Zeit, mit diesem Wahnsinn aufzuhören. Wohin die unreflektierte Fortschrittsgläubigkeit führt, sehen wir derzeit in Japan. Dort fliegt uns der Fortschritt gerade mit jahrtausendelanger tödlicher Halbwertszeit um die Ohren. Mit der rücksichtslosen Abholzung der tropischen Regenwälder für Soja- und Palmöl-Plantagen für unsere Massentierhaltung und für unser „Bio"-Ethanol leiten wir den nächsten globalen GAU ein.

Auch in der heimischen Landwirtschaft muss es anders werden, wenn sie als Erwerbszweig Vieler und nicht als Großindustrie Weniger überleben will. Verstehen Sie das Originalzitat der Cree-Indianer. Brechen Sie mit den Dogmen der Altherrenriege Sonnleitner, Meyer zu Wehdel und Hilse. Suchen Sie sich zukunftsfähige Partner, die die bäuerliche Landwirtschaft wieder zu dem machen, was sie einmal war, nämlich ein ehrenwerter Berufsstand, der seinen Mann und seine Frau ernährt. Die Agroindustrie wird das weiter zu verhindern suchen und allenfalls die letzten verbliebenen Bauern zu Lohnknechten machen. Die jetzigen Regierungsparteien werden dabei nicht mehr lange Unterstützer sein können. Weil sie bei den nächsten Wahlen auf lange Zeit in der Opposition verschwinden werden. 

Es ist immer das Vorrecht der Toren gewesen, auf ihre Torheit stolz zu sein. Und es ist immer das Vorrecht der Jugend gewesen, enthusiastische Gedanken nicht wirklich zu Ende zu denken. Der Jugend entwächst man von selbst. Um der Torheit zu entwachsen, muss man sich aktiv bemühen.

Degradieren Sie sich nicht selbst zum willfährigen Bahnsteigschaffner längst abgefahrener Züge. Nur die Jungen wie Sie können eine Wende herbeiführen, die der Landwirtschaft auf Dauer und nachhaltig eine Zukunft garantiert. Ich bitte Sie: Werden Sie in diesem Sinne aktiv.

Mit herzlichen Grüßen,
Prof. Dr. Klaus Hamper

Links Tier- und Naturschutz

07.04.2011

Der Igel - Freund und Helfer im Garten


von Maria Herzger

Klein aber oho!   Igel sind nicht nur niedliche Gesellen, sondern auch überaus nützliche Gartenbewohner, deren Anwesenheit sich jeder Gartenbesitzer nur wünschen kann. Denn der stachelige Freund zählt zu den Insektenfressern und ist in Gärten und Parks wie auch im Wald und auf Feldern zu Hause. Zu seiner Leibspeise zählen Würmer, Larven, Spinnen, Schnecken und eine Vielzahl an Insekten. Dass Igel gerne Schnecken fressen, dürfte das Herz eines jeden Gartenbesitzers hoch erfreuen. Bei seinen nächtlichen Streifzügen durch unsere Gärten sorgt der Igel auf besondere Art und Weise für „Ordnung" und ist sozusagen "die grüne Gartenpolizei".
Aufgeräumte Landschaft unerwünscht    Da Igel erst in der Dämmerung sowie nachts aktiv werden, bekommen wir diese nützlichen Stacheltiere eigentlich nur selten zu Gesicht und wissen infolgedessen recht wenig über sie. Igel haben keinen angeborenen Fluchtinstinkt, ihre Verteidigung ist das blitzschnelle Einrollen zur Stachelkugel und Abwarten bis die Gefahr vorbei ist. Da Igel im Tierreich kaum Feinde haben, bräuchten sie auch eigentlich nichts zu befürchten, doch sie haben die Rechnung ohne uns Menschen gemacht. Da sie keine Angst haben, wird ihnen ihre Taktik zum Verhängnis. Viele von ihnen werden auf unseren Straßen von ihrem Todfeind Nr. 1, dem Auto, überfahren. Igel sind jedoch auch aus anderen Gründen gefährdet, denn sie mögen keine aufgeräumten Landschaften, ihr natürlicher Lebensraum schwindet täglich dahin. Igel benötigen eine giftfreie Umgebung, stattdessen leben sie auf Pestizid-belasteten Feldern und in unseren Gärten, in denen leider der Einsatz von Herbiziden und Schädlingsbekämpfungsmitteln, aber auch Rattengift keine Seltenheit ist. Durch das sorglose Hantieren mit derartigen toxischen Chemikalien, fügen Gärtner nicht nur ihrer eigenen Gesundheit erheblichen Schaden zu, sondern gefährden auch die Umwelt und Nützlinge, wie auch den Igel und viele weitere Tier- und Pflanzenarten. Von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild, kurz SDWi genannt, wurde der Igel zum Wildtier des Jahres 2009 gekürt.
Igelfreundliche Herbergen für nützliche Freunde   Igel bekommen zwischen 4 bis 5 Junge, die ca. 42 Tagen gesäugt werden und bald darauf die Welt selbstständig erkunden müssen. Das Stachelkleid der Neugeborenen muss sich erst nach und nach entwickeln, denn sie verfügen nur über ein sehr löchriges Stachelfeld mit ca. 100 Stacheln. Erwachsene Igel haben ungefähr 6000 – 8000 "Verteidigungsspieße". Durch ihre Stacheln beherbergen die putzigen Wildtiere unfreiwillig viele Parasiten, wie Zecken, Milben und Flöhe.
Von November bis März halten Igel Winterschlaf. Während dieser Zeit reduzieren sie ihre Körperfunktionen wie Herzschlag und Atmung drastisch, sie schalten sozusagen auf Energiesparmodus um und zehren von ihren Fettreserven. Auch verringern sie ihre Körpertemperatur von 36 auf 5 Grad und verlieren stark an Körpergewicht. Daher ist es wichtig, dass Igel im Herbst ein Mindestgewicht von 500 g auf die Waage bringen. Gerne nehmen sie "Laubburgen" als Winterquartier in unseren Gärten in Anspruch. Ohne großen Aufwand kann jeder im Herbst einen Igel-freundlichen Beitrag im Garten leisten. Einfach ein wenig Laub und kleine Ästchen zusammenharken und für die schönen Nützlinge an einem windgeschützten Ort zum Überwintern bereithalten – und schon ist das Winterquartier fertig!
Umweltfreundlich und effektiv   Ab Frühling wird er sich sicherlich für die gastfreundliche Herberge bedanken, wenn er den Insekten- und Schneckenbestand auf seinen nächtlichen Beutezügen, auf besonders umweltfreundliche Art und Weise im Zaum hält.
Mit ein klein wenig Glück wohnt vielleicht bereits ein stacheliger Freund als Untermieter im eigenen Garten, der den zahlreichen "Feinden" schon bald nachts zu Leibe rückt und ihnen ganz ohne Chemiekeule den Kampf ansagt.

01.04.2011

Nachwuchs am Fuchsbau: 70 Organisationen protestieren gegen erbarmungslose Bejagung

In diesen Wochen stellt sich in vielen Fuchsbauen Nachwuchs ein: Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 53 Tagen bringt die Füchsin im April ihre Jungen zur Welt. Nachstellungen durch Jäger sorgen jedoch allzu oft dafür, dass das Familienidyll nicht lange währt. Eine Initiative von 70 Organisationen setzt sich daher für eine umfassende Schonzeit für Alt- wie Jungfüchse ein.

Jungfüchse: Tod am Bau 
Im Alter von etwa sechs Wochen verlassen Jungfüchse das erste Mal den Bau. Der Anblick spielender, wild umhertollender Fuchswelpen ist einer der schönsten Anblicke, den unsere heimische Tierwelt zu bieten hat. Oft wird er jedoch auf grausame Weise zerstört: Viele Füchse werden bereits als Jungtiere am elterlichen Bau von Jägern erschossen; Forschungsergebnisse zeigen, dass in unserer intensiv bejagten Landschaft mehr als drei Viertel aller Füchse in ihrem ersten Lebensjahr zu Tode kommt. Die mit großem Abstand häufigste Todesursache dabei sind die Flinten und Fallen von Jägern.

Elterntiere: Viel zu kurze Jagdruhe
Während Jungfüchse in den meisten Bundesländern ganzjährig verfolgt werden, gesteht das Jagdgesetz Elterntieren, die für die Jungenaufzucht notwendig sind, eine begrenzte Jagdruhe zu. Allerdings ist es weitgehend dem Jäger überlassen, in welchem Zeitraum er die Flinte nicht auf Füchse anlegt - und wie Berichte aus Jagdzeitschriften und Internet-Foren der Jägerschaft zeigen, ist diese Zeit meist viel zu kurz bemessen. In der Regel wird noch bis Ende Februar auf Füchse geschossen, und bereits im Juni wird das Feuer erneut eröffnet. Forschungsergebnisse sowie Altersbestimmungen an Jungfüchsen, die in Wildtierauffangstationen abgegeben wurden, zeigen jedoch, dass manche Welpen bereits im Februar, andere dagegen erst im April geboren werden. Da Fuchswelpen oft erst mit 12 Wochen vollständig der Muttermilch entwöhnt sind, muss man also davon ausgehen, dass die aktuell geltenden Regelungen vielfach zum qualvollen Tod der Jungfüchse durch Verdursten oder Unterkühlung führen.

Die wichtige Rolle der Fuchsväter für die Welpenaufzucht
Hinzu kommt, dass in den Monaten Januar und Februar, in die auch die Paarungszeit der Füchse fällt, besonders intensiv Jagd auf Reineke gemacht wird. Dadurch wird vielen Welpen bereits vor der Geburt der Vater genommen: Jeder Fuchsrüde, der nach der Paarung mit einer Füchsin getötet wird, steht nicht mehr für die Versorgung der noch ungeborenen Jungfüchse zur Verfügung. Fuchsväter leisten jedoch insbesondere durch die Versorgung von Fähe und Welpen mit Nahrung einen wichtigen Beitrag zur Aufzucht der Jungfüchse. Studien zeigen, dass die Welpen "alleinerziehender" Fähen deutlich geringere Überlebenschancen haben und eine schlechtere körperliche Verfassung aufweisen als Jungfüchse, an deren Aufzucht sowohl Vater als auch Mutter beteiligt sind.
Fuchsrüde, zärtlich mit einem Welpen, (c) Luise Dittombée

70 Organisationen fordern Schonzeit für Füchse
All dies zeigt unmissverständlich auf, wie erbarmungslos Füchsen hierzulande nachgestellt wird, und wie dabei selbst grundlegende biologische Fakten ignoriert werden. Bundesweit macht sich daher nun die Initiative Schonzeit für Füchse mit etwa 70 beteiligten Organisationen dafür stark, eine umfassende Jagdruhe für den Fuchs zu etablieren. „Es ist nicht zu tolerieren, dass Füchse in nahezu allen Bundesländern ohne reguläre Schonzeit verfolgt werden und nicht einmal ihren Nachwuchs unbehelligt von Flinten und Fallen aufziehen können", erläutert Lovis Kauertz, einer der Initiatoren der Kampagne. „Dabei gibt es keinen vernünftigen Grund für die erbarmungslose Hatz auf Meister Reineke".

Sinnlose Fuchsjagd
Viele Jäger sehen in Füchsen Beutekonkurrenten oder behaupten, man müsse sie „regulieren", etwa, um der Ausbreitung von Seuchen wie der Tollwut Einhalt zu gebieten. Tatsächlich kann man die Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln jedoch keineswegs kontrollieren: Je mehr Füchse durch Jagd oder Unfälle sterben, desto stärker steigt die Geburtenrate. Andersherum führt eine sinkende Sterblichkeit durch soziale Regulationsmechanismen zu weniger Nachwuchs. Von einer wie auch immer gearteten Notwendigkeit, Füchse zu bejagen, kann also keine Rede sein.

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