15.02.2012

Wer hat die Kompetenz in Sachen Naturschutz in Deutschland?

Hört man sich beim Deutschen Jagdschutzverband (DJV) und in Hegegemeinschaften um, so erfährt man, dass die Jagd erforderlich sei, um Wildtierbestände zu regulieren – schließlich gebe es ja keine großen Raubtiere mehr. In der aufgeräumten Kulturlandschaft müsse man zudem durch die Bejagung von Fuchs, Dachs und Krähe für ökologisches Gleichgewicht sorgen.  Schädlinge, die den Wald verbeißen und Äcker umwühlen, müssten dezimiert werden, um Schäden von Dritten abzuwenden.

Befragt man den Deutschen Naturschutzring (DNR),  in welchem auch die großen Naturschutzverbände wie NABU oder BUND vertreten sind, ebenso wie der Deutsche Tierschutzbund oder der Ökologische Jagdverband  – also Organisationen, die wirklich vom Fach sind und über 5 Millionen Bundesbürger repräsentieren –,  dann ist von einer Erfordernis der Jagd nur noch eingeschränkt die Rede. 

Man toleriert die Jagd im Wesentlichen da, wo die getöteten Tiere sinnvoll verwertet werden, also zum Beispiel als Wildbret. Heute ist es allerdings so, dass der weitaus (!) überwiegende Teil der etwa 10 Millionen Tiere (inklusive der in offiziellen Statistiken nicht erscheinenden Tierarten), welche durch die Jagd in Deutschland jedes Jahr ihr Leben verlieren, einfach entsorgt wird.  Eine Jagd auf Beutegreifer wie den Fuchs oder die Marderartigen mit dem Ziel der Bestandsreduzierung wird von den meisten Tier- und Naturschützern, von Biologen und von vielen neutralen Wissenschaftlern abgelehnt. Selbst Jäger, die nicht im DJV organisiert sind, haben kaum Verständnis für die ganzjährige Jagd auf diese für die biologische Vielfalt durchaus nützlichen Tiere.

Auf der politischen Tagesordnung stehen bereits die Abschaffung der Fallenjagd, das Töten von Hunden und Katzen und die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren. Der Widerstand der konservativen Jäger, die bis in die höchsten Ebenen der Politik bestens vernetzt sind, ist entsprechend hoch.

Wenn es in Deutschland um Naturschutz, biologische Vielfalt und um Artenschutz geht, wissen die Jäger sich nicht nur öffentlichkeitswirksam zu präsentieren, sondern auch gut zu verkaufen. Aber wer hat eigentlich die Kompetenz in Sachen Tier- und Naturschutz? Die Jäger, die sich gerne als Naturschützer ausgeben, oder doch die großen im DNR zusammengeschlossenen Natur- und Tierschutzorganisationen? Zugegeben, die Jäger scheinen einen stärkeren Rückhalt in der Politik zu haben. Sie weisen zahlreiche „wissenschaftliche“ Belege für Ihre Theorien und Argumente für die Jagd vor und werden von der Politik gehört – in der Vergangenheit schienen sie kaum angreifbar.

Wenn man allerdings recherchiert, stellt man schnell fest, dass ein Großteil dieser wissenschaftlichen Arbeiten von sogenannten „Jagdwissenschaftlern“ kommt oder von staatlichen Wildforschungsstellen, die ebenfalls von Jägern betrieben werden – ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Die Fallenjagd auf Beutegreifer macht ökologisch keinen Sinn
Steinmarder, fotografiert von Luise Dittombée

Es scheint in jagdunabhängigen Fachkreisen Konsens darüber zu herrschen, dass zumindest für das ökologische Gleichgewicht die Jagd weitgehend obsolet ist. Nicht die Jagd ist das Mittel der Wahl zur Gewährleistung einer biologischen Vielfalt, sondern vielmehr eine entsprechende Umgestaltung der landwirtschaftlich intensiv genutzten Landschaft. Das, was Jäger in diesem Bereich durch Hegemaßnahmen beitragen, ist zwar lobenswert, aber ein Tropfen auf den heißen Stein, der sich nicht einmal in Promille der bejagten Fläche ausdrücken lässt.

Dass die Bestandsregulierung durch die Jagd trotz ihrer kontinuierlichen Intensivierung nicht funktioniert, zeigen Reh- und Schwarzwildbestände, die nach der vom DJV veröffentlichten Statistik zur Anzahl der getöteten Tiere in Deutschland (Streckenstatistik) so hoch wie nie zuvor sind.
Nicht wenige Kritiker werfen sowohl der Jagd als auch der Politik vor, Verursacher der heutigen Situation zu sein. Es werde zu viel gefüttert und auf fast alles geschossen, was sich bewegt, wodurch die für eine Begrenzung der Reproduktion erforderlichen Familienstrukturen nachhaltig zerstört werden.

Entgegen der Behauptung der großen Jagdverbände und ihrer Funktionäre hat sich die Jagd in den vergangenen Jahrzehnten nicht bewährt. Das zeigen nicht nur die Bestandszahlen von Wildschweinen und Rehen.  Auch bei anderen Tierarten, z. B. Zugvögeln wie dem Kormoran ist die Jagd kontraproduktiv. Die Jagd hat sich auch aus Sicht des Tierschutzes nicht bewährt, denn unter dem Deckmantel der unbestimmten Waidgerechtigkeit geschehen die grausamsten Tierquälereien.
Die Jagd trägt auch nicht zur Erhöhung der Biodiversität in Deutschland bei. Trotz intensiver Beutegreifer- und „Raubzeug“bejagung nehmen insbesondere Bodenbrüter immer weiter ab. 

Die Jagd wird schon lange von breiten Kreisen unserer Gesellschaft nicht mehr akzeptiert. Aus diesen Gründen ist es opportun, über eine grundsätzliche Reform der Jagd unter der Regie von Tier- und Naturschützern nachzudenken!  


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