21.04.2013

Und immer lockt der Fuchs - ein kalendarischer Jagdeinblick

Aktualisiert am 27.03.2015

Das Jagdjahr beginnt am 1. April – aber was jagt der gewöhnliche Jagdscheinbesitzer eigentlich im April? Der Feldhase zieht seine ersten Jungen auf, Jungfüchse - wenn sie schon da sind -  verweilen noch in ihrem Bau, Vögel bauen ihre Nester. Obwohl die Natur jetzt alle Ruhe verdient hätte, gibt es immer noch Jäger, welche kleinen und großen Wildtieren nachstellen.

Im ersten Monat des Jagdjahres sind das vor allen Dingen Kaninchen, für manch selbsternannten „Artenschützer“ auch Füchse. Beide Tierarten dürfen in weiten Teilen der Republik ganzjährig bejagt werden. Davon ausgenommen sind Elterntiere, die für die Aufzucht von Jungtieren erforderlich sind. Wer allerdings zwischen April und September Kleintiere jagt, nimmt es damit wohl nicht so genau – bei Füchsen schon gar nicht. In den Bundesländern, in welchen die Schonzeit für Wildschweine per Verordnung ausgesetzt ist, werden auch die Schwarzkittel bejagt.

Bündnis90/Die Grünen trauen sich nicht
Ab Mai ist der Rehbock auf. Ihm wird jetzt vorwiegend wegen seines Gehörns nachgestellt. Bündnis90/Die Grünen wollten dem eigentlich Einhalt gewähren, weil die Trophäenjagd in unserer Zeit der Vergangenheit angehören sollte – doch sie scheinen sich nicht zu trauen. Jedenfalls nicht in Rheinland-Pfalz, in Schleswig-Holstein, in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen.

Im Mai findet man auch erste Gitterfallen vor den Ausgängen der Fuchsbaue. Platz ist darin für einen ganzen Wurf – fünf, sechs Füchse oder mehr. Stunden vergehen bis der „Waidmann“ kommt, sie in den Sack steckt und … ach lassen wir das.

Der Sommer ist die Zeit der Jagd auf die Jungtiere des Vorjahres, so genannte Schmaltiere: Reh, Hirsch und Damwild. Die Wildsau darf jetzt bundesweit geschossen werden - Tag und Nacht. Kleintierjäger begnügen sich mit Kaninchen und mit Füchsen ... und mit Katzen. Iltis, Hermelin, Mauswiesel rufen ab August den gemeinen Fallenjäger auf den Plan. Was der wohl mit einem Baummarder macht, der sich in seine Falle verirrt? Wenn’s eine Totschlagfalle war, hat er sowieso Pech gehabt, der Baummarder.

Großwildjäger
Zwischen September und Januar werden in Deutschland jeden Tag im Durchschnitt mehr als 6.000 (sechstausend) Rehe erschossen und etwa 2.500 Wildschweine – jeden Tag! Vielen schlägt die letzte Stunde, wenn Jäger in Mannschaftsstärke ausrücken. An so genannten Drückjagden, welche oft über mehrere Reviere stattfinden, nehmen manchmal mehrere Hundert Jäger und Treiber mit ihren Hunden teil. Sie versetzen ganze Landstriche in Aufruhr. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz schreibt in ihren Nachrichten, dass bei dieser Art zu jagen nur die wenigsten Tiere nach dem ersten Schuss tot sind.

Selbst im Winter, wenn die Natur den Organismus vieler Arten schon auf Sparflamme laufen lässt und die Tiere dringendst ihre Winterruhe bräuchten, kennt manch gemeiner Jäger kein Pardon. 


Kleintierjäger
In landwirtschaftlich strukturierten Gegenden ist die Hoch-Zeit der Jagd zwischen Oktober und Dezember – die Zeit der Kleintierjäger. Ein Viertel bis ein Drittel der gesamten Hasenpopulation wird jetzt ausgelöscht und Millionen von Wildvögeln werden in diesen vier Monaten Opfer der Lodenjacken – die wenigsten davon landen allerdings im Kochtopf.

Es sind Wildgänsearten, die tausende von Kilometern zurückgelegt haben, um bei uns ein wenig zu verschnaufen; Enten, darunter immer wieder auch geschützte Arten;  Rabenvögel und Fasanen; die auf den Roten Listen geführten Rebhühner; Schwäne und der Kormoran, den eigentlich eine EU-Vogelschutzrichtlinie schützt. Seeadler fallen unter Kollateralschaden, die vergiften sich am Munitionsblei im Körper der Tiere, die liegen geblieben sind. Aber wer regt sich eigentlich darüber auf, in Ägypten, Italien oder auf Malta und Zypern kräht doch auch kein Hahn danach.

Und immer lockt der Fuchs
Der größte Feind des Jägers ist wohl Reineke Fuchs. Deshalb wird ihm ganzjährig nachgestellt, ganz besonders jedoch im Dezember und im Januar, oft auch noch im Februar, wenn die Füchsin längst tragend ist. Jäger organisieren sich dann im Rahmen von sogenannten Fuchswochen und legen nicht selten Strecken um die einhundert Füchse. Schnell noch ein Foto für die Presse  - wenn sie sich noch trauen ihr Hobby öffentlich zu machen -  und dann ab zur Tierkörperbeseitigung. 

Wer im März dann immer noch nicht genug hat, schießt sich auf den Beginn des neuen Jagdjahres ein: Fuchs und Kaninchen gehen immer.



05.04.2013

Landesjagdverordnung - Höfken auf dem Holzweg

Konzept zur Jagd auf Wildschweine geht nicht auf
Die vom Forstministerium Rheinland-Pfalz unter Leitung von Ulrike Höfken zum Sommer geplante Änderung der Landesjagdverordnung sieht unter anderem die Abschaffung der Schonzeit für Wildschweine vor – bereits seit 2002 ist diese durch eine Verwaltungsanordnung ausgesetzt. Begründet wird diese Maßnahme damit effizienter jagen zu können, Schäden in der Landwirtschaft zu reduzieren und mehr zum Tierschutz beizutragen.
Dazu erklärt Wildtierschutz Deutschland:
„Bereits mit dem seit 2002 erstmals in Rheinland-Pfalz angewandten Bejagungskonzept für Wildschweine hat die Landesregierung sämtliche bis dahin bestehenden Tabus gebrochen: ganzjährige intensive Jagd ohne Schonzeit; Töten von Frischlingen ohne das Gebot, das Fleisch zu nutzen; verstärkter Abschuss von weiblichen Tieren; mehr Bewegungsjagden (meist in Truppenstärke); Jagd bei Tag und bei Nacht; in früheren Versionen des Handlungsprogramms wurden auch die nächtliche Jagd mit Scheinwerfer und die Fallenjagd propagiert.
Das Ergebnis bestätigt die Kritiker einer solchen Jagd, die es nicht nur unter Tierschützern sondern auch auf Seiten der Jäger gibt. Der seit über zehn Jahren mit allen bis dahin undenkbaren Mitteln geführte Krieg gegen Wildschweine hat bisher keine Auswirkung hinsichtlich der Reduzierung der Bestände oder gar der Wildschäden. Im Durchschnitt der jeweils letzten zehn Jahre stieg die Anzahl der getöteten Schwarzkittel und damit vermutlich deren Bestand kontinuierlich von Jahr zu Jahr an – im gleichen Tempo wie bereits 10 Jahre zuvor.
Gerade Bewegungsjagden, bei welchen revierübergreifend auch mal 150 Jäger und Treiber mit ihren Hunden zusammenkommen, führen zu hochgradig tierschutzwidrigen Abschüssen. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) verweist auf Untersuchungen, wonach dabei nur etwa ein Drittel der Tiere durch den ersten Schuss zu Tode kommen. Fast 70 Prozent der Wildschweine weisen Bauchschüsse, Rückmarkverletzungen, Schüsse in den Kiefer und in die Beine auf.
Die Verwaltungsanordnung soll nun hinsichtlich der ganzjährigen Jagdzeit festgeschrieben werden. Das führt auch weiterhin dazu, dass gesunde Alters- und Sozialstrukturen des Schwarzwildes zerstört werden beziehungsweise gar nicht erst entstehen. In der Konsequenz wird dadurch der Jagderfolg zunichte gemacht, weil die Wildschweine mit mehr Nachwuchs reagieren.
Nicht weniger Wildschweine durch mehr Jagd

Die intensive Wildschweinjagd hat aber auch negative Folgen für alle anderen Wildtiere und für den Wald. Es gibt keinen einzigen Zeitraum mehr, in welchem die Jagdwaffen vollständig ruhen. Das hat dazu geführt, dass Wildtiere ihr Verhalten geändert haben.
Tiere, die einst hauptsächlich tagaktiv waren, suchen nun den Schutz der Nacht. Rehwild und Hirsche werden von den Waldrändern mit ihren Nahrungsgründen in den tiefen Wald gedrückt. Wildtiere werden nachhaltig gestört während sie brüten oder Jungtiere aufziehen. Eine intensive Jagd auf Wildschweine und Rehe im Winter führt dazu, dass gerade letztere während ihrer Winterruhe erhebliche Energieverluste erleiden. Diese wiederum werden mangels anderer Möglichkeiten durch Verbiss an jungen Bäumen kompensiert.
Den Freunden von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN tut Ministerin Höfken mit ihrem Ansatz keinen Gefallen, treten diese doch an, die Jagd auch hinsichtlich des Tier- und Artenschutzes sowie unter ökologischen und Umweltaspekten zu erneuern.
Weitere Informationen: 
Landesjagdverordnung Rheinland-Pfalz - Forschungsergebnisse bleiben auf der Strecke 
Rheinland-Pfalz: Mehr Jagd, mehr Wildschweine!
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02.04.2013

Meldung vom 1. April war ein April-Scherz

Unsere Meldung „Niedersachsen: Jäger und Sportangler verlieren Anerkennung als Naturschutzverband“ war ein April-Scherz, den sich unsere kreativen Freunde von www.wattenrat.de ersonnen haben.

Nichts desto trotz wird die Zeit kommen, dass sich die Politik dieses Themas annimmt. Wir sind davon überzeugt, dass die ökologische Bilanz dessen was Jäger unter dem Vorwand des Natur- oder gar des Artenschutzes tun, negativ ist.

Am schlimmsten sind die Kleintierjäger. Sie glauben Artenschutz zu betreiben, indem sie Jahr für Jahr Millionen von Füchsen, Mardern, Dachsen, Waschbären, Rabenvögeln, Kormoranen und Katzen das Licht ausblasen. Dass diese Art des Natur- und Artenschutzes nicht nur ein Schuss in den Ofen, sondern auch kontraproduktiv ist, können Sie in zahlreichen Arbeiten jagdunabhängiger Forscher nachlesen (einige Zitate aus einer Forschungsarbeit von Bellebaum/Langgemach finden Sie hier).

Viele Jäger sind des Hasen Tod,
Bild: Eilert Voß

Den gefährdeten, meist jagdbaren Arten wie Rebhuhn, Feldhase oder Waldschnepfe wäre sicherlich mehr geholfen, würden Energie und Zeit statt der Jagd der Schaffung und Pflege von Lebensraum gewidmet.

Lesen Sie auch: Meldung vom 1. April

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01.04.2013

Niedersachsen: Jäger und Sportangler verlieren Anerkennung als Naturschutzverband


Aktualisierung vom 2. April 2013: Bei dieser Meldung handelte es sich  - leider -  um einen Aprilscherz. Siehe auch Richtigstellung vom 2. April.

Endlich wird gehandelt: Der neue niedersächsische Landwirtschaftsminister Stefan Wenzel (Grüne) griff nach seinem Amtsantritt die jahrelange Forderung des Wattenrates Ostfriesland auf und entzog der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) per Erlass den Status „anerkannter Naturschutzverband“, die Aberkennung beim „Landessportfischerverband“ werde vorbereitet und stehe bevor. In Niedersachsen gibt es derzeit 14 „anerkannte Naturschutzverbände“, die in bestimmten Verfahren beteiligt werden müssen und auch Klagebefugnis haben.

In seiner Begründung heißt es u.a.: „Die Landesjägerschaft Niedersachsen erfüllt erkennbar nicht die Voraussetzung, nach denen sie ideell und nicht nur vorübergehend vorwiegend die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege fördert. Das überwiegende Ziel der Landesjägerschaft ist dagegen das Nachstellen und Töten von Tieren und die Pflege jagdlichen Brauchtums, das den heutigen Anforderungen an einen wissenschaftlich begründeten Artenschutz nicht mehr genügt. Damit entfällt die im § 60 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes geforderte Gewähr für eine sachgerechte Verfolgung dieser Ziele. Die Aberkennung tritt mit dem Ablauf des Jahres 2013 in Kraft.“



Der Minister kündigte an, auch die bisherige Anerkennung des Landessportfischerverbandes Niedersachsen zu überprüfen und ebenfalls die Aberkennung als „anerkannter Naturschutzverband“ vorzubereiten. Allein dass das Töten von Fischen als „Sport“ deklariert werde, erfülle schon die Voraussetzung der nicht sachgerechten Verfolgung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege und erforde die Aberkennung als „anerkannter Naturschutzverband“.

Der Minister ermahnte zudem die Vorstände der Naturschutzverbände Naturschutzbund Deutschland (NABU) und des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ihre Klagebefugnis nach § 60c des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes nicht als Geschäftsmodell „Klageverzicht gegen Zahlung“ zu missbrauchen.

Den gesamten Artikel lesen Sie hier.


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