16.04.2015

Die Wahrheit über die Rabenvogeljagd ...

Ein Kommentar von Monika Piasetzky, Tierheim Düsseldorf

In Fallen gefangen - mit der Hand, den Schuhen oder dem Rundholz getötet. Von unten mit Schrot in das Nest mit der brütenden Krähe samt Eiern, oder Jungvögeln geschossen. Mit vergifteten Eiern getötet oder früh morgens von ihren Schlafplätzen aus den Bäumen geschossen. Die Art der Bejagung von Krähen durch konservative Jäger war schon immer sehr vielfältig und abstoßend.

Die Rabenvögel wurden schon immer von den Jägern verteufelt und aus Beuteneid falsch dargestellt. Da sie krächzen und schwarz sind, während der Brutzeit auch mal einen Junghasen, oder ein Gelege nicht verschmähen, was im Kreislauf der Natur völlig normal ist, war es leicht, die Bevölkerung zu beeinflussen und diese wunderbare intelligenten  Geschöpfe als das Böse darzustellen. So ist es nicht verwunderlich, dass Rabenvögel heute wieder bejagt werden und das sogar intensiver als vor ihrer Unterschutzstellung in 1987.

Bild: Baerchen57 (flickr.com)
Dohle, Saatkrähe, Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher werden alle in einen Topf geworfen, der Kolkrabe als angeblichen Schafs-, Schweine- und Rinderkiller an die Spitze  gesetzt, wird versucht, die Bevölkerung  auf „Abschuss“ zu stimmen. Obwohl Gutachten unabhängiger Institute das Gegenteil beweisen, hier besonders zu nennen Dr. Wolfgang Epple*), Dr. Ulrich Mäck*) und Dr. Hans-Wolfgang Helb*), hält die Jägerschaft in Zusammenarbeit mit den Landwirten an ihren unbewiesenen Argumenten fest.

Bauern werden angeblich in ihrer Existenz bedroht, unsere Singvögel sterben aus und auch das Niederwild ist vom Aussterben bedroht. Und an allem ist der Rabenvogel schuld?

Jäger wollen nur einen unliebsamen Beutekonkurrenten los werden um mehr Niederwild zu schießen, vergessen aber dabei, dass der Verlust eines Junghasen durch Rabenkrähen während der Setzzeit wieder ausgeglichen wird, während der Abschuss von ausgewachsenen Hasen während der Treibjagden den kompletten Verlust eines fortpflanzungsfähigen Tieres bedeutet. Jäger verbünden sich mit den Bauern, die ihre dünne Kunststofffolie als Bezug für ihre Viehfutterberge mitten in der Natur in Gefahr sehen. Landwirte werden von Jägern beraten ihre Anträge für Abschüsse außerhalb der Jagdzeiten zu stellen und ihnen somit die Gelegenheit für Abschüsse auch von Brutpaaren zu bieten. Dabei sollten sich die Bauern glücklich schätzen, denn die Krähen holen sämtliche, bei ihnen unerwünschten Krabbeltiere aus der Erde. Zum Beispiel Engerlinge, Werren, Maulwurfsgrillen und viele Mäuse. Somit ist der Nutzen insgesamt wesentlich größer als der Schaden, den sie mitunter anrichten.

Mit der nach amerikanischem Vorbild eingeführten Lockjagd mittels Tarnzelt, Fleckentarnanzug, mit Handschuhen und Flinte sowie heftiger Kriegsbemalung,  wird wieder intensive Jagd auf diese Vögel gemacht. Für viele Jungjäger ist es eine regelrechte Sucht geworden die Tiere im Donnerhall ihrer Flinten vom Himmel zu holen. Dabei kann es auch vorkommen, dass geschützte Arten, wie Saatkrähen und Dohlen den getarnten Jägern zum Opfer fallen.

Konservative Regierungen, die gut mit der Jägerschaft und den Bauern zusammen arbeiten, machen dieses möglich. NRW ist gerade dabei aus Tierschutz- und Naturschutzsicht wenigstens die Lockjagd wieder einzuschränken, was sehr begrüßenswert ist. Dies reicht aber nicht, da eine Jagd auf Rabenvögel völlig sinnlos ist und generell eingestellt gehört. Erbeutete Rabenkrähen und Elstern werden einfach entsorgt, also wie Müll behandelt und das spricht  gegen das Tierschutzgesetz.

Kein vernünftiger Grund rechtfertigt die Jagd auf dieses Federwild. Schon gar nicht die Lust einiger wilder Männer auf Kriegsspiele.


*) Dr. Hans-Wolfgang Helb von der Universität Kaiserslautern (Fachbereich Biologie, Abteilung Ökologie; Rabenvogelgutachter des Landes Rheinland-Pfalz), Dr. Ulrich Mäck (Biologe, Rabenvogelgutachter der Bundesregierung) und Dr. Wolfgang Epple (Biologe & Ethologe, freier Gutachter, Buchautor von "Rabenvögel - Göttervögel - Galgenvögel") 

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