20.09.2015

Füchse im Saarland: Landesregierung und Jägerschaft betreiben Desinformation der Öffentlichkeit

Von Dag Frommhold
Landesregierung und Jägerschaft verbreiten im Saarland derzeit Halb- und Unwahrheiten über den Rotfuchs. Ziel ist es vermutlich, die ohnehin schon auf vier Monate verkürzte Schonzeit für Meister Reineke weiter aufzuweichen und seine Bejagung vor den Augen einer kritischer werdenden Öffentlichkeit zu rechtfertigen.

Keine Bestandszunahme des Fuchses   So war in saarländischen Zeitungen sowie Online-Veröffentlichungen zu lesen, die Anzahl an Füchsen im Saarland habe erheblich zugenommen. Zur Begründung wurde auf ein Schreiben der saarländischen Landesregierung verwiesen, mit dem diese eine Anfrage der Grünen beantwortet hatte – darin wird ausgeführt, dass im Jagdjahr 2014/15 mit 3.351 Tieren doppelt so viele Füchse geschossen worden seien wie im Vorjahr. Verschwiegen wird dabei jedoch, dass auch diese Abschusszahlen unter dem langjährigen Durchschnitt liegen und etwa 2009/2010 sogar  4.701 Füchse getötet wurden.  Von einer Bestandssteigerung kann also keine Rede sein. Die Fuchsbestände im Saarland sind im Rahmen natürlicher Schwankungen als stabil anzusehen.

Bild: Berndt Fischer
Erkrankungen mit Hundebandwurm als „Fuchsbandwurm“ ausgegeben   Zudem dramatisiert die saarländische Landesregierung in ihrem Papier – aus Unkenntnis oder Vorsatz - die Gefahr des Fuchsbandwurms für den Menschen. Hier werden den aufgetretenen Fuchsbandwurmfällen (alveoläre Echinokokkose) kurzerhand Erkrankungen am Hundebandwurm (zystische Echinokokkose) zugeschlagen, wodurch sich die Fallzahl mehr als verdoppelt. Tatsächlich erkranken saarlandweit im Durchschnitt weniger als 0,5 Personen pro Jahr am Fuchsbandwurm; das sind weit weniger Menschen, als im selben Zeitraum durch Jagdunfälle zu Schaden kommen.

Zweifelhafte Quellen   Zu guter Letzt wird im Papier der Landesregierung behauptet, der Fuchs dezimiere ohne Bejagung „Niederwildbestände und bodenbrütende Arten“. Als einziger Beleg für diese Behauptung wird eine von der Landesjägerschaft Niedersachsen in Auftrag gegebene Literaturstudie mit zweifelhaftem Ruf erwähnt, die selektiv wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert. Die weit überwiegende Zahl der Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet kommt klar zu dem Ergebnis, dass bedrohten Arten nicht durch den Abschuss von Füchsen geholfen werden kann.

Inkompetenz oder gezielte Fehlinformation?   Eine derartige Häufung an Halb- und Fehlinformation legt zwangsläufig nahe, dass es sich hier nicht (nur) um Inkompetenz, sondern um eine gezielte Fehlinformation der Öffentlichkeit handelt. Die Jägerschaft – die durch jagende und jagdfreundliche Politiker in der Landesregierung großen Rückhalt besitzt – fordert die vollständige Abschaffung der Schonzeit für Meister Reineke schließlich bereits seit deren Einführung zu Zeiten der Jamaika-Koalition. Sie sollte aber so ehrlich sein, zuzugeben, dass es dabei nicht um wildbiologische oder epidemiologische Überlegungen geht, sondern schlichtweg um Jagdvergnügen.

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