20.09.2015

Jagdverband: Spaziergänger sollten Warnkleidung tragen

Von Jürgen Heimann, Rotorman’s Blog gekürzte Version
Ich weiß ja nicht genau, wie locker unseren regionalen Waidmännern die Knarre im Futteral steckt, aber beim Studieren diverser, sich häufender Schreckensmeldungen aus allen Teilen Deutschlands kann einen schon mal ein mulmiges Gefühl beschleichen. Zumindest beim Betreten des Waldes, selbst wenn der nicht dunkel ist. Sollte er es sein, könnte man ja pfeifen. Hilft aber auch nicht immer. Wenn mich jemand, der über Kimme und Korn schielt, für einen Waschbären hält, habe ich denkbar schlechte Karten. Im freien Gelände ist das Risiko, ins Visier eines Schießwütigen zu geraten, ebenfalls latent.

Beide Lebensräume scheinen ziemlich heiße Pflaster zu sein. Feindesland. Im übertragenen Sinne “vermintes Terrain”. Voller Hinterhalte. Da mag hinter jedem zweiten knorrigen Baumstamm oder hinter jeder von Hecken umrandeten Bodensenke Unheil lauern, wenn nicht gar der Tod. Hier leben nicht nur die Tiere gefährlich, sondern auch die Menschen. Die Luft ist ganz schon bleihaltig und schrotkörnig geworden. Aber war sie das nicht schon immer?

Man/frau kann ja nie wissen, wie der Bewohner des Hochstandes rechts gerade drauf ist. So aber sollte er die Spaziergänger nicht mit Wild verwechseln können. Ich hätte aber meinem Hund auch noch eine Warnweste spendiert. Sicher ist sicher. Foto: Pixabay

Zugegeben, ich habe Probleme damit zu verstehen, warum bei uns in Hessen seit der Jagdsaison 2009/10 laut offizieller Jagdstatistik 1.442.016 Tiere abgeknallt werden oder in Todesfallen verrecken mussten (die Dunkelziffer mag hier deutlich höher liegen). Und ich glaube auch nicht an die Mär vom Umwelt-, Natur- und Artenschutz durch Kugel, Schrot und (Doppel-) Korn. Im Baller-Zeitraum 2013/14 waren es landesweit 265.445 tote Tiere, darunter 30.955 Füchse, 21.614 Waschbären, 5.500 in ihrem Bestand gefährdete Feldhasen und 10.429 Ringeltauben.

Tödlicher Irrtum: Liebespaar mit Reh verwechselt  Aber davon mal ganz abgesehen. Ein Liebespaar mit einem Reh zu verwechseln, dazu gehört schon was. Genau das ist einem übereifrigen, offenbar vom branchentypischen Fieber befallenen Nimrod unlängst im brandenburgischen Nauen passiert. Passiert ist seinen Opfern aber noch mehr. Der Mann im Fadenkreuz blieb auf der (Jagd-)Strecke: tot. Seine 23-jährige Freundin wurde lebensgefährlich verletzt.

Das kommt davon, wenn man/frau sich in einem Maisfeld zum Schäferstündchen trifft und es dabei krachen bzw. rascheln lässt. Seinen tragischen Irrtum bemerkte der Schütze erst, nachdem  er vom Hochsitz herabgestiegen war, um seine Beute in Augenschein zu nehmen. Wenigstens hat er sie nicht aufgebrochen….

In Sachsen-Anhalt traf es ein paar Tage später zwei Traktorfahrer, während in unmittelbarer Nachbarschaft eine Treibjagd auf Wildschweine im Gange war, in Lübeck eine Radfahrerin – und das jeweils im wahrsten Sinne des Wortes. Im Neckar-Odenwald-Kreis holte ein Jäger einen 12-Jährigen vom Beifahrersitz eines Maishäckslers – mit einem mehr oder weniger gezielten Schuss. Die Notärzte im Krankenhaus gaben ihr Bestes. Dem Jogger, den es im Januar in Detmold erwischt hatte, soll es inzwischen auch wieder gut gehen….

Fünf aktuelle Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Lediglich eine zufällige Häufung unglücklicher Zwischenfälle? Eher nicht. Solches ist seit Jahren die Regel, waidmännischer Alltag. Auch wenn Katja Ebstein schon 1974 kolportiert hat, dass im Leben so mancher Schuss daneben geht:  Häufig tut er das  zwar, häufig aber eben auch nicht. Und dann sitzt er oft genau im Ziel, wenn auch dem falschen.

Ernst, Kurt und Kevlarwesten Viele der Opfer sind ja zum Teil auch an dem ihnen widerfahrenden Unheil selbst schuld. Weil sie sich so gut tarnen. Wohl deshalb auch legt der Jagdverband Schleswig-Holstein Joggern und Spaziergänger inzwischen allen Ernstes (und Kurtes) nahe, vor Betreten des Waldes eine Warnweste anzulegen, wie das Flensburger Tageblatt in seiner Ausgabe vom 16. September berichtet. Das ist jetzt hoffentlich nicht als Zielmarkierung zu verstehen. Vielleicht meinte Verbandssprecher Marcus Börner ja aber tatsächlich keine Warn-, sondern beschusshemmende Kevlarwesten….

Ich selbst neige dazu, mir zusätzlich noch ein RKL-Blinklicht, also eine gelb strahlende Rundumkennleuchte an die Mütze zu schrauben. Auch wenn das bestimmt Sch.. aussieht: sicher ist sicher…Und ein kleines Martinshorn, in diesem Fall dürfte eine Hubertus-Tröte genau das Richtige sein, wäre auch nicht schlecht. Mein weiß ja nie. Für den Fall, dass der Schütze im Hinterhalt nicht nur was an den Augen, sondern auch etwas auf den Ohren hat. Waidmanns Heil!

Vollständiger Artikel auf Rotorman’s Blog

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