30.09.2015

Ringelnatter gegen Erdkröte: Verhoben, oder den Mund etwas zu voll genommen

Von Jürgen Heimann, Rotorman‘s Blog

Nein, das sind keine Jagdszenen aus den schlangenverseuchten Sümpfen des Amazonasgebiets, sondern solche, die sich direkt vor unserer Haustüre abgespielt haben. Der des Medenbacher Naturfotografen  Hans-Günter Schäfer.  Angesichts dessen, was sich da im Langenaubacher Weg  direkt unter seinen Augen ereignete, mochte der Mann selbigen nicht trauen. 

Da hatte eine Ringelnatter den Mund im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich voll genommen und sich eine Erdkröte, deren Umfang um ein Vielfaches größer war als der eigene, als Abendessen auserkoren – aber sich damit wohl etwas verhoben. Nun sieht man diese scheuen, ungiftigen und  streng geschützten Reptilien hier zu Lande nur äußerst selten. Und wenn, dann meist nur für wenige Augenblicke. Dann sind sie schon wieder abgetaucht und verschwunden. In dem aktuellen Fall dauerte das dramatische Schauspiel, das sich dem staunenden Fotografen wie auf dem Präsentierteller zeigte, aber mehr als zweieinhalb Stunden. Was insofern auch außer- und ungewöhnlich war, da Ringelnattern normalerweise tagaktiv sind, diese hier aber ihre Aktion in die späten Abendstunden verlegt hatte.

Fressen und gefressen werden: Wer letztlich als Sieger aus dem Duell hervorging, ist nicht bekannt. Die Erdkröte hielt wacker dagegen. Möglicherweise hat ihr die Fähigkeit, sich in Gefahrensituationen aufblasen zu können und dadurch ihr Körpervolumen beträchtlich zu erhöhen, das Leben gerettet.
Foto: Hans-Günter Schäfer

Die stattliche, fast ein Meter lange und ca. drei Zentimeter dicke Schlange erwies sich dabei als ziemlich hartnäckig und mochte trotz der scheinbaren Aussichtslosigkeit, die kapitale Beute doch noch überlisten und hinunterschlingen zu können, so schnell nicht aufgeben. Immer wieder versuchte das hungrige Schuppenkriechtier, die bereits sicher geglaubte Mahlzeit – Erdkröten stehen auf dem Speisezettel von Ringelnattern ganz oben – in einen Spalt zwischen der Treppe zu ziehen, wohl um sich dort ungestört daran gütlich zu tun. Vergebens.

Die Natur hat auch scheinbare wehrlose Kröten mit gewissen Verteidigungsmechanismen ausgestattet. In diesem Fall der Fähigkeit, sich in Gefahrensituationen aufzublasen und ihr Körpervolumen beträchtlich anschwellen zu lassen. Möglicherweise hat diese Strategie dem tapferen Froschlurch das Leben gerettet. Aber man kann nicht ganz sicher sein.  Als Schäfer nach Mitternacht noch einmal nach dem Rechten sehen wollte, war die Arena jedenfalls geräumt ….





Online shoppen - online helfen

Unterstützen Sie uns mit
Ihrem Online-Einkauf
ohne Extrakosten