30.08.2015

Petition "Saatkrähen in Soest"

von Sven Sladek

In Soest gibt es schon lange Zeit Saatkrähen, die früher außerhalb des Stadtgebietes nisteten und keinen Einwohner störten. Durch sich ändernde Eigentumsverhältnisse stand ihnen seit 2008 ein Wäldchen im Osten der Stadt nicht mehr zur Verfügung - sie wurden dort durch Vergrämungsaktionen eines einzelnen Landwirtes verjagt.

Die Vögel suchten sich in der Folge andere Brutplätze, die weiter im Stadtinneren lagen. Dies zum Unwillen einiger Soester Einwohner, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlten.

Seit 2010 werden in Soest nun ´zig Tausende an Steuergeldern verschwendet, um die (durch Gesetz ganzjährig geschützten!) Saatkrähen davon zu überzeugen, sich einen neuen Brutstandort zu suchen.

Saatkrähen-Kolonie
Bild: Wildtierschutz Deutschland
Alle Vergrämungsaktionen der Vergangenheit waren jedoch ohne Hand und Fuß. Man hat sich informiert, wie man in anderen Städten mit den Vögeln umgeht, und dieses dann in Soest erfolglos nachgeahmt. Jedes Jahr probieren die Soester Politiker etwas Neues aus. Im Nachhinein stellt sich jedoch immer heraus, dass das Problem dadurch nur verschlimmert wurde.

Wer sich ein wenig über Krähenvögel informiert, wird sehr schnell herausfinden, dass diese schlauen Vögel versuchen, einen zerstörten bzw. minimierten Bestand wieder auf die alte Bestandszahl zu bringen. Werden Kolonien durch Vergrämungsaktionen aufgesplittert, entstehen dadurch viele neue Brutstandorte mit größeren Krähenzahlen, die wir selbst zu verantworten haben.

Zudem sorgt es in Soest für eine Klima der Aggression - nicht nur gegenüber den Krähen. Viele Leute greifen zum Mittel der Selbstjustiz, stören Krähen bei der Brut, hetzen Hunde auf aus dem Nest gefallenen Jungvögel und vieles mehr.

Begründung:
Wir bitten nun um Ihre Unterstützung, damit die jährlichen Vergrämungsaktionen und sinnlosen Umsiedlungsaktionen gegen die Soester Saatkrähen endlich ein Ende haben und die Vögel einen sicheren neuen Heimatstandort für ihre Brut bekommen.

Dafür haben wir folgenden mehrstufigen Plan aufgestellt, den wir der Stadt Soest und da insbesondere Herrn Bürgermeister Dr. Ruthemeyer vorlegen wollen:

A. Stopp der legalen und illegalen Vergrämungs- und Tötungsmaßnahmen

B. Akzeptanz für Saatkrähen in der Stadt erhöhen
- Krähenpfad bzw. Hinweistafeln
- Vordächer für Fahrradständer etc.
- gezielte Baumbeschneidungen

C. Schaffung von Lebensraum außerhalb der Stadt
- OGA-Wäldchen
- weitere Waldflächen aufforsten
- Förderung von Öko-Bauern, welche die Saatkrähen als Nützlinge in ihr Konzept einbinden

D. Sanfter Umzug der Tiere durch Verlagerung des Nahrungsangebotes
- verschlossene Müllbehälter in der Stadt
- mehr Sauberkeit in der Stadt (Ordnungsamt + Kommunalbetriebe)
- Anfüttern in/an den Wäldern außerhalb

Ihre Unterschrift unter dieser Petition soll zeigen, dass viele engagierte Bürger gegen die rigorosen Maßnahmen der Stadt Soest (und vereinzelter Soester Einwohner) und für einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Vögeln sind.


21.08.2015

Jagdverordnung Hessen – Jäger glänzen durch Inkompetenz

Hessen modernisiert sein Jagdrecht. Nach dem Entwurf der Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) zur neuen Hessischen Jagdverordnung sollen Altfüchse künftig eine Schonzeit von Anfang Februar bis Mitte August haben, die äußerst selten vorkommenden Hermeline, Mauswiesel, Iltisse und Baummarder sollen demnach ganzjährig geschont werden.

Der Hessische Landesjagdverband sieht darin allen Ernstes eine Gefährdung anderer Tierarten, insbesondere der Arten, die man selbst gerne bejagt. „Diese Aussage ist in Sachen Inkompetenz kaum zu übertreffen," meint Lovis Kauertz, Vorstand von Wildtierschutz Deutschland e.V. „Wir sprechen da hessenweit gerade einmal von etwa 400 Tieren jährlich, denen künftig nicht mehr vornehmlich mittels Fallenjagd nachgestellt werden darf. Das sind weit weniger als ein Prozent aller in Hessen getöteten Beutegreifer."

Hessenjäger: "Bedroht andere Tierarten"
Das Mauswiesel ist der kleinste Beutegreifer in unseren Breiten und kommt recht selten vor.

Für Wildtierschutz Deutschland ist der Umstand, dass überhaupt noch Jagdzeiten für Fuchs, Dachs, Marder & Co. gewährt werden und dass die Fallenjagd erlaubt bleibt, untragbar. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegen, dass zum Beispiel die flächige Jagd auf Füchse keinen ökologischen Sinn ergibt und auch keineswegs zum Schutz anderer Arten beiträgt. „Ohne Jagd bleibt der Bestand von Beutegreifern weitgehend konstant. Eine Bejagung ist nicht erforderlich, sie ist  - auch im Sinne des Artenschutzes -  kontraproduktiv. In durch jagdliche Einflüsse ungestörten Revieren ist häufig eine höhere Biodiversität zu beobachten, als in bejagten Arealen, " erläutert Kauertz weiter.

Wir freuen uns, dass zur Änderung der Jagdverordnung auch die wichtigsten Tier- und Naturschutzorganisationen gehört werden. Wildtierschutz Deutschland wird seine Gründe für weiterreichende Änderungen der Jagdverordnung im Rahmen der schriftlichen Anhörung vorbringen.

07.08.2015

Gebühren sollen davon abschrecken Grundstück jagdfei zu stellen

Ein Grundstück mit Obstwiesen, Hecken und Weiher im Rottal in Niederbayern ist ab 1.4.2016 jagdfrei. „Unsere Obstwiesen, Hecken und der Weiher bieten Unterschlupf für Bodenbrüter, Igel, Fasanen, Frösche, Libellen, Fledermäuse, Tauben, Goldammer, Bachstelze, Kiebitz und Enten“, berichtet Silke Schüder.

Silke Schüder und Stefan Hargasser können es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn Tiere, die auf ihren Wiesen und an ihrem Weiher Unterschlupf finden, durch Jäger getötet werden. „Wir finden es furchtbar, wenn bei einer Treibjagd das Auto mit aufgehängten toten Hasen bei uns vorbeifährt, wenn mit Stöcken und viel Lärm die armen Tiere in die Waffen der Hobbyjäger getrieben werden und wir hilflos zuhören und zusehen müssen. Zudem möchten wir, dass unsere Pferde nicht permanent in Angst und Schrecken versetzt werden.“

Die beiden Tierfreunde leben seit Jahren vegan. "Um die vegane Ideale weiter zu verbreiten, haben wir auf dem Hof einen kleinen veganen Laden, um die Leute sowohl über die Freiheiten der Tiere als auch über friedliche Ernährungsmöglichkeiten zu informieren."

Keine Jagd auf meinem Grundstück
Bild: Berndt Fischer
Am 12.2.2015 hatten Silke Schüder und Stefan Hargasser die jagdrechtliche Befriedung ihrer beiden Grundstücke beantragt. Am 11.5.2015 kam der Bescheid der Jagdbehörde: Die beiden Flächen mit 4.908 und 4.077 Quadratmetern werden ab 1.4.2016 zum befriedeten Bezirk gemäß dem neuen §6a Bundesjagdgesetz erklärt. Der Gebührenbescheid beläuft sich auf stolze 800 Euro.

„Das sind horrende Gebühren für die Umsetzung eines Menschenrechts“, kritisiert Silke Schüder. Sie vermutet, dass die hohen Gebühren Grundstückseigentümer abschrecken sollen, ihre Flächen befrieden zu lassen. Die engagierte Tierfreundin hat sich mit weiteren betroffenen Grundstückseigentümern in ihrer Gegend vernetzt, um an die Öffentlichkeit zu gehen: „Wir wollen erreichen, dass immer mehr Leute sich trauen, den Antrag zu stellen, ohne Gefahr zu laufen, dass das Zubilligen des Menschenrechts horrende Gebühren nach sich zieht.“ Die Lokalpresse hat bereits berichtet.

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