13.05.2016

NABU-Fuchsjagd entpuppt sich als Falschmeldung der Jagdpresse

Dag Frommhold

Vor wenigen Wochen bezichtigte die Jagdpresse - darunter etwa die Jagdzeitschrift "Jäger" - den Naturschutzbund Deutschland (NABU), im Naturschutzgebiet Heiligenhafener Graswarder Füchse mitten in der Welpenaufzuchtzeit töten zu lassen. Beweggrund dafür sei, bedrohte Vogelarten vor Füchsen zu schützen. Aus Jägersicht sei die Jagd in der Aufzuchtzeit jedoch unverantwortlich, weil dadurch unselbständige Jungtiere qualvoll verhungerten.



Auf Anfrage von fuechse.info erklärte Ingo Ludwichowski, der Vorsitzende des NABU-Landesverbands Schleswig-Holstein jedoch, dass es sich dabei um eine Falschmeldung handele. Auch Klaus Dürkop vom Naturschutzgebiet Graswarder erklärte damit übereinstimmend: "Im NSG Graswarder wird seit 2013 keine Jagd auf Füchse durchgeführt und es stehen auch keine Maßnahmen in der Welpenaufzuchtszeit an." Wie aus Heiligenhafen außerdem zu hören war, habe man als "Hauptschuldigen" für Gelegeverluste bei bodenbrütenden Vögeln inzwischen den Igel identifiziert.

Damit scheint es, als dienten die Meldungen in der Jagdpresse einerseits der Diskreditierung etablierter Naturschutzorganisationen, mit der die Jägerschaft schon seit Jahren im Clinch liegt. Zum anderen ist das Vorgehen der Jägerschaft wohl als Versuch zu werten, gezielt einen Keil zwischen Tier- und Naturschutz zu treiben, indem man dem NABU Tierquälerei und Doppelzüngigkeit vorwirft: Der NABU tritt seit Jahren für eine längere Schonzeit für Füchse sowie eine Abschaffung grausamer Jagdarten wie der Fallen- und der Baujagd ein.

An Scheinheiligkeit ist indes die - mutmaßlich gespielte - Empörung der Jäger nicht zu überbieten. Immerhin vertreten Jagdverbände wie Jagdpresse die Auffassung, dass die Jagd auf Füchse schon im Juni "unproblematisch" sei - obwohl viele Jungfüchse zu dieser Zeit noch lange nicht selbständig sein dürften. Und auch an der Jagd zur Paarungszeit hält man unbeirrt fest, obwohl dabei getötete Fuchsrüden für die Aufzucht der Jungtiere nicht mehr zur Verfügung stehen, was nachweislich Kondition und Überlebenschancen der Welpen erheblich reduziert.

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