26.05.2016

Wissen Sie was ein Ästling ist?

von unserem Wildvogelexperten Rainer Olssok
Bei meinem letzten Kontrollgang durch die Brutgebiete unserer Wasservögel, hat ein hilfloses Piepsen meine Aufmerksamkeit geweckt. Ich entdeckte einen kleinen Bachstelzen-Ästling. „Ästling“ nennt man einen Jungvogel, der bereits das Nest verlassen hat, aber noch nicht selbstständig ist und auf die Fütterung durch seine Eltern angewiesen ist. Er sitzt häufig auf Ästen, auf dem Boden oder im Gebüsch. Im Nest ist es für die ganze Bande zu eng geworden.
Ohne mich weiter zu nähern, habe ich ihn eine Weile beobachtet. Da kam auch schon das Bachstelzen-Weibchen, in einem weiten Halbkreis um mich herumgeflogen und ließ sich auf einer kleinen Birke nieder. Von dort aus hat sie mit ein paar Rufen dem Kleinen signalisiert: „Mama ist da!“ - oder war es vielleicht die Aufforderung für mich, zu verschwinden – was ich sodann auch tat.

Mit diesem Erlebnis möchte ich deutlich machen, dass die kleinen, scheinbar hilflosen Piepser in den seltensten Fällen menschliche Hilfe brauchen. Nach ihren Flugstunden mit den Vogeleltern werden die Kleinen auf Ästen oder am Boden zurückgelassen, und warten auf die Fütterung. Das Piepsen der Ästlinge dient den Eltern zur Ortung. Hier gilt: Sie helfen, wenn Sie nichts tun.

 Hilfe oder nicht? Am besten wartet man ab und schaut, ob Eltern zur Fütterung kommen. Dass Jungvögel in diesem Alter nicht mehr im Nest sitzen, ist normal. Sie sind jedoch noch einige Tage auf die Versorgung durch ihre Eltern angewiesen. 
Bild: Jürgen Mangelsdorf

Im Gegensatz zum Ästling hat der Nestling nur wenige bis gar keine Federn oder seine Augen sind gar noch geschlossen. Einen solchen Vogel sollten Sie  - wenn er nicht verletzt ist -  wieder in sein Nest setzen. Auch wenn Sie das Tier angefasst haben, nehmen die Elternvögel ihren Nachwuchs wieder an.
Sollten Sie mal einen Vogel finden, der Ihre Hilfe benötigt, weil er verletzt ist, wenden Sie sich am besten an eine Wildvogel-Auffangstation. Verzeichnisse und weitere Informationen gibt es im Internet auf www.wildvogelhilfe.org und auf http://wildtierauffangstationen.blogspot.de/.

13.05.2016

NABU-Fuchsjagd entpuppt sich als Falschmeldung der Jagdpresse

Dag Frommhold

Vor wenigen Wochen bezichtigte die Jagdpresse - darunter etwa die Jagdzeitschrift "Jäger" - den Naturschutzbund Deutschland (NABU), im Naturschutzgebiet Heiligenhafener Graswarder Füchse mitten in der Welpenaufzuchtzeit töten zu lassen. Beweggrund dafür sei, bedrohte Vogelarten vor Füchsen zu schützen. Aus Jägersicht sei die Jagd in der Aufzuchtzeit jedoch unverantwortlich, weil dadurch unselbständige Jungtiere qualvoll verhungerten.



Auf Anfrage von fuechse.info erklärte Ingo Ludwichowski, der Vorsitzende des NABU-Landesverbands Schleswig-Holstein jedoch, dass es sich dabei um eine Falschmeldung handele. Auch Klaus Dürkop vom Naturschutzgebiet Graswarder erklärte damit übereinstimmend: "Im NSG Graswarder wird seit 2013 keine Jagd auf Füchse durchgeführt und es stehen auch keine Maßnahmen in der Welpenaufzuchtszeit an." Wie aus Heiligenhafen außerdem zu hören war, habe man als "Hauptschuldigen" für Gelegeverluste bei bodenbrütenden Vögeln inzwischen den Igel identifiziert.

Damit scheint es, als dienten die Meldungen in der Jagdpresse einerseits der Diskreditierung etablierter Naturschutzorganisationen, mit der die Jägerschaft schon seit Jahren im Clinch liegt. Zum anderen ist das Vorgehen der Jägerschaft wohl als Versuch zu werten, gezielt einen Keil zwischen Tier- und Naturschutz zu treiben, indem man dem NABU Tierquälerei und Doppelzüngigkeit vorwirft: Der NABU tritt seit Jahren für eine längere Schonzeit für Füchse sowie eine Abschaffung grausamer Jagdarten wie der Fallen- und der Baujagd ein.

An Scheinheiligkeit ist indes die - mutmaßlich gespielte - Empörung der Jäger nicht zu überbieten. Immerhin vertreten Jagdverbände wie Jagdpresse die Auffassung, dass die Jagd auf Füchse schon im Juni "unproblematisch" sei - obwohl viele Jungfüchse zu dieser Zeit noch lange nicht selbständig sein dürften. Und auch an der Jagd zur Paarungszeit hält man unbeirrt fest, obwohl dabei getötete Fuchsrüden für die Aufzucht der Jungtiere nicht mehr zur Verfügung stehen, was nachweislich Kondition und Überlebenschancen der Welpen erheblich reduziert.

Auch interessant: „Weidgerechtigkeit


01.05.2016

Der Rehbock ist auf ... und Jäger stellen Jungfüchsen nach

Ab Mai ist der Rehbock auf. Ihm wird jetzt vorwiegend wegen seines Gehörns nachgestellt. Bündnis90/Die Grünen wollten dem eigentlich Einhalt gewähren, weil die Trophäenjagd in unserer Zeit der Vergangenheit angehören sollte – doch sie scheinen sich nicht zu trauen. Jedenfalls nicht in Rheinland-Pfalz, in Schleswig-Holstein, in Baden-Württemberg, Hessen und in Nordrhein-Westfalen. Dieser Bock, gefilmt von unserem Mitglied Mirko Fuchs, führt noch ein idyllisches Leben:






Im Mai findet man auch erste Gitterfallen vor den Ausgängen der Fuchsbaue. Platz ist darin für einen ganzen Wurf – fünf, sechs Füchse oder mehr. In Hessen ist das nicht mehr erlaubt, dort haben Füchse unabhängig von Alter und Geschlecht eine Schonzeit bis Mitte August  - nicht zuletzt aufgrund der Intervention von Wildtierschutz Deutschland.

Der kalendarische Jagdeinblick
Mehr über die Fallenjagd, warum der Deutsche Jagdverband sie befürwortet und warum sie weitgehend sinnlos ist



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