07.01.2017

Winterjagd bei Thurn und Taxis - Tierquälerei vorprogrammiert

Gemäß der uns vorliegenden Informationen soll u.a. am 14. Januar – einen Tag vor Beginn der gesetzlichen Schonzeit für Rehwild in Bayern – im Kreuther Forst bei Regensburg eine Drückjagd auf Rehwild stattfinden. Treffpunkt ist die Hammermühle in Donaustauf, Regie in den „fürstlichen Waldungen“ führt die Thurn und Taxis Forstverwaltung.

Drückjagden sind meist revierübergreifende Bewegungsjagden, bei welchen oft Dutzende von Treibern mit Ihren Hunden lautstark und mit Knüppeln bewaffnet durch den Wald ziehen und Wildtiere aus ihren Ruhezonen aufscheuchen, um sie den wartenden Jägern vor die Gewehre zu „drücken“.

Es fallen viele Schüsse, doch längst nicht jeder Schuss ist ein finaler. Denn die Tiere sind häufig hochflüchtig, das Wild in Bewegung und tödliche Treffer sind viel schwieriger als bei stehendem Wild anzubringen. Etliche Tiere werden nur verletzt und verenden später qualvoll irgendwo im Dickicht, es werden ihnen Gliedmaßen abgeschossen oder sie laufen nur mehr verkrüppelt herum.

Die Störung der Wildtiere im Winter führt zu energiezehrenden Fluchten
Bild: www.andersfotografiert.com
Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz, TVT, spricht davon, dass Untersuchungen zufolge bei Drückjagden etwa 30 Prozent der männlichen und 60 Prozent der weiblichen Tiere Bauchschüsse aufwiesen. Der Arbeitskreis Wildtiere und Jagd dieser Organisation weist ferner darauf hin, dass flüchtendes Rehwild aufgrund der arttypischen Bogensprünge nicht sicher getroffen werden kann.

Das bestätigt auch der Sonderdruck "Wildbrethygiene" des Deutschen Landwirtschaftsverlages (2008). Dieser zitiert Untersuchungen, die eine Blattschussquote von lediglich 25-30 % bei Bewegungsjagden ergaben. Das heißt im Umkehrschluss dass bei vielen Tieren zunächst "nur" die Keule (das Bein) durchschossen wird, der Rücken verletzt wird, die Bauchdecke aufgeschossen wird.

Ein weiteres rechtliches Problem sind Schonzeitvergehen, die bei dieser Art von Jagd im Winter von den Veranstaltern in der Regel hingenommen werden. Männliches Rehwild hat zu dieser Jahreszeit nämlich bereits Schonzeit, ist für die Jäger aber von den weiblichen Tieren kaum zu unterscheiden, weil es das Gehörn bereits abgeworfen hat.

Doch schon allein die Störung der Wildtiere im Winter führt zu energiezehrenden Fluchten und verschlechtert die Energiebilanz im Körper von Rehen und ist damit tierschutzrelevant. Dies hat zur Folge, dass die Tiere hungern müssen, weil es zu dieser Jahreszeit nicht genug zu fressen gibt. Oder sie fressen notgedrungen Knospen und Baumrinde und richten Schäden im Wald an. Stressende Jagden nach der Umstellung der Verdauung im Januar bewirken daher trotz Wildverminderung oft drastisch steigende Schäden am Wald.

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