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Der Mythos von der Berechtigung der Jagd

Gerne werden von Jägern irgendwelche Studien oder angebliche Erfahrungen zitiert die beweisen sollen, dass die Jagd einen positiven Einfluss auf die Wildpopulation hat und/oder der Vermeidung von Schäden durch Wild dienen soll. Dazu muss bemerkt werden, dass es nur so wimmelt von (bezahlten) Studien, die von Interessengruppen in Auftrag gegeben werden, um die eine oder andere These zu unterstützen. Diese können also von Natur aus nicht zum Beweis herangezogen werden und nur wissenschaftlich fundierte Studien, die unabhängig erstellt worden sind, sollten berücksichtigt werden.

 

Kanton Genf, Bild: Marc Mongenet


Auf die gleiche Weise wird oft mit irgendwelchen Erfahrungen aus dubiosen Quellen operiert. Als Wissenschaftler halte ich mich ausschließlich an Fakten und an Beispiele, die am besten dazu geeignet sind von Gebieten, wo die Jagd verboten worden ist, wie zum Beispiel Naturschutzgebiete in vielen Ländern oder auch als bestes Beispiel der Kanton Genf in der Schweiz, wo 1974 durch Volksbeschluss die Jagd komplett abgeschafft wurde und durch eine staatliche Wildhege ersetzt wurde. Wie also ist dieses Experiment ausgegangen, dazu lesen wir auf der offiziellen Webseite des Kanton Genf:  

 

 •       "Die Anzahl überwinternder Wasservögel hat sich mehr als verzehnfacht und es hat niemals einen solchen Reichtum und so eine Vielfalt an Enten auf unseren Gewässern gegeben.

 •       In Bezug auf das Kleinwild zählt die Dichte der Hasenpopulation zu den höchsten in der Schweiz. In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft hat man sich nie zuvor so sehr bemüht, den Lebensraum der heimischen Kaninchen- und Rebhuhnpopulationen zu schützen.
 
 •       In Bezug auf das Großwild entwickeln sich das Schalenwild (Huftiere) gut, das Reh ist im größten Teil des Gebirges vertreten, der Hirsch hat auf dem Kanton Fuß gefasst und entwickelt sich prächtig und das Wildschwein ist ebenso etabliert.
 
 •       Tierfreunde erfreuen sich daran, im Kanton eine solche Artenvielfalt beobachten zu können und alle schätzen es, das ganze Jahr ohne Störungen durch unsere Landschaften spazieren zu können, ohne dem Risiko eines Jagdunfalls ausgesetzt zu sein."

 

Ohne Jagd eine nie gekannte Artenvielfalt im Kanton Genf. Bild: Eilert Voß

 

Einzig und allein die Wildschweine werden als Problem genannt, weil sie aus umliegenden Jagdgebieten flüchten und sogar über den Fluss aus Frankreich herüberschwimmen wenn dort gejagt wird. Dies wird dann durch die Wildheger geregelt, die entweder durch Schutzzäune oder auch durch Abschuss dieses Problem unter Kontrolle halten. Die Abschusszahlen beschränken sich dabei auf ein paar hundert Tiere verglichen mit über 100.000 für den Rest der Schweiz (Quelle: Schweizerische Bundesgenossenschaft) (Anm. Red.: gekürzt um detaillierte Statistik).
 

Da ich Leiter einer Forschungsgruppe in Genf bin und mich dort oft aufhalte, kann ich den Erfolg des Jagdverbotes auch aus persönlichen Gesprächen mit Bewohnern bestätigen. Die obigen Zahlen (nur 200 Wildschweine in Genf – über 100.000 erlegte Tiere aller Arten im Rest der Schweiz) belegen, dass die Jäger wieder einmal nur das Problem, das sie selbst verursacht haben, lösen wollen: Überpopulation durch Füttern und Jagddruck!
 

Noch ein Wort zur so genannten "Wiedereinführung der Jagd" in  Genf oder zur Lockerung in anderen Kantonen, zwei Beispiele :


 -       Nun erstens hätte dies sowieso keine Folgen gehabt da dazu eine Verfassungsänderung sprich Referendum notwendig gewesen wäre und zweitens wurde dieser Vorschlag im Großen Rat des Kantons mit 71% zu 6 % abgeschmettert. 

Einige Zitate von Abgeordneten: 
 "Ein Fauna-Wächter verbraucht maximal zwei Patronen, um die Wildschweine zu töten. Hingegen verbraucht ein Jäger 10 bis 15 Patronen! Dazu kommt, dass die Tiere oftmals von den Jägern verletzt werden", sagte ein Abgeordneter der MCG. "Sie wollen, dass die Jäger (= viandards?) wieder zurück in den Kanton kommen. Eine öffentliche Angelegenheit Personen anzuvertrauen, die psychische Probleme haben und deren Freizeitvergnügen der Abschuss von Tieren ist - das ist skandalös", fügte ein sozialistischer Abgeordneter, möglicherweise in Anlehnung an das wahnsinnige Schreiben des Präsidenten der "Saint Hubert", der im Sterben liegenden Genfer Jagdvereinigung, hinzu."

Der Kanton Bern in der Schweiz wurde ein Paradies für Jäger, nachdem hier die staatliche Wildhege und Kontrolle abgeschafft wurde. In den folgenden zwei Jahren wurden dann in einem internen Bericht über 600 Fälle von Tieren gemeldet, die durch Jäger angeschossen wurden und dann grausam zugrunde gingen (keine Munition mehr, nicht gefunden ..). In einer beispiellosen Farce wurde dann das Gesetz geändert, so dass die Abschüsse nur noch bei genügend Licht durchgeführt werden dürfen und so, dass die Jäger weniger oft daneben schießen (kein Kommentar).

 

Fazit: Wenn man sich in der Debatte über den Nutzen der Jagd auf wissenschaftlich fundierte Studien oder konkrete Beispiele beruft, dann ist es offensichtlich, dass die Jagd überflüssig ist und nur Probleme schafft, die sie dann wieder beheben will.

 

Der Artikel wurde bereits 2010 geschrieben.

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