• Facebook Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • Instagram Social Icon
  • LinkedIn Social Icon

© 2011 - 2019 Wildtierschutz Deutschland e.V.                          Impressum / Disclaimer / Datenschutz / Fotografen / Kontakt / Förderer

Wildtierschutz Deutschland e.V. ist beim Amtsgericht Mainz im Vereinsregister 40782 eingetragen. Der gemeinnützige Verein ist nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftssteuer befreit (Steuernummer 08/667/0522/6, Finanzamt Bingen-Alzey). Spenden können steuerlich geltend werden. Wir arbeiten ohne Personalkosten!

Sarah

19 Dec 2017

Ich wusste gerade, wie man Katze buchstabiert, als es abends auf der Terrasse (auch so ne abgelegene Wohnung neben einem Bauernhof) jammerte. Keine vier Wochen altes Baby. Brötchenkorb mit Watte gepolstert, Tierchen reingesetzt und den Nachbarn angerufen: „Die muss doch bestimmt mal, was mache ich dann?“ „I kumm und bring dir a Kischtle.“ Er outete den Welpen prompt als Maidle: Sarah.

 

Tja, was macht man, wenn man’s immer nur mit Hunden zu tun hatte? Davon ausgehen, dass der Unterschied minimal ist. Zunächst saß Sarah zwar wie der Rabe Abraxas meist auf meiner Schulter, aber sobald sie vernünftig laufen konnte, trippelte sie selbstverständlich neben mir her - auch durch’s Städtle. Wir merkten erst, dass etwas nicht stimmt, als ne Konsultation wegen ihres Auges anstand. Auto geparkt, Sarah die Beifahrertür geöffnet, zur Praxis gelaufen, an der Rezeption gefragt, ob wir noch drankämen. „Ja gerne, aber wooo ist denn Ihre Katze?“ „Wieso? Sie sitzt doch hier, bei Fuß.“

  Sarah  - ausnahmsweise beim Außendienst -  ist überhaupt nicht entspannt. Sie bewachte das eine, ich’s andere Ende der Terrasse. Wehe einer der Minis wollte zu weit weg.

 

Das war ganz falsch, einmal Umdrehen genügte: Lauter Menschen, die mit ängstlichem Gesichtsausdruck Körbe auf ihren Knien umklammerten. Sie wurden sogar böse, als ich Sarah bat, kurz auf einer Bank zu warten: „Bin gleich wieder da, Mäuschen, der Doktor will mir nur etwas erklären“. „Ha, die isch weg!“ tönte es gehässig. Warmer Sommertag, die Praxistür stand offen … und Sarah hatte nur ihr Pipi in den Vorgarten gebracht, kam mir auf der Treppe entgegen. 

 

Wegen meiner Unbeholfenheit und Ratlosigkeit, schrieb ich täglich lange Briefe über Sarah und ihre Streiche an eine sehr Tier-erfahrene Freundin, später wollten auch andere Freunde alles über mein Kätzchen - und die Rasselbande draußen - wissen. Klar doch, sie lud die verwilderten Hofkatzen zum Essen ein: der Beginn meiner Tierschützer-„Karriere“.

 

Ich kannte kaum jemanden, aber alle „die Frau mit der Katze“. „Kommen Sie schnell, Mutter überfahren, Welpen erst zwei Wochen alt!“ Oder den Nachwuchs einfach heimlich nachts auf meiner Terrasse entsorgt. Wenn der Doc mich ne Woche nicht sah, fragte er, ob alles in Ordnung sei. Zehn Jahre lang. In der ganzen Zeit kaum mehr als ne Stunde am Stück geschlafen.

 

Katzen, die ja eigentlich untereinander kaum von ihrer Lautsprache Gebrauch machen, sind ziemlich verquatscht - wussten Sie das? Abends auf der Gartentür-Stufe gesessen, und ein kleiner weißer Kater, nie vorher gesehen, marschiert mit der größten Selbstverständlichkeit an mir vorbei, knallt sich im Esszimmer auf einen Korbsessel: „Da krank! Mach was, bist doch die Busch-Klinik.“ Total scheue Mütter lieferten ihre schnupfenkranken Welpen ab, jagten sie förmlich in die Wohnung. Nicht ohne ihnen vorher ne Moralpredigt zu halten: „Ihr benehmt euch, seid nett zu ihr. Ist das klar?!“ Doch, es ergibt sich von selbst, dass man die Sprache „Kätzisch“ lernt, insofern sind die Dialoge eher wenig fiktiv. 

 

 

​ Sonnenuntergang garantiert ... Bild: Eilert Voß

 

Nach etwa zwei Jahren - Vertrauen braucht seine Zeit - ernannte mich das wilde Rudel offiziell zur Clan-Chefin. Mein Wort oder ne Geste waren Gesetz. Niemand hätte einer gemobbten Kätzin das Futter weggenommen, sobald ich sagte, dass dieses Schälchen nur für sie ist. Wenn ich über die Wiesen Richtung Wald ging, begleitete mich alles, was gut laufen konnte. Minimum 15 Katzen - die übrigens für andere schier unsichtbar waren, sonst immer gut versteckt, halt eher wild. Oben am Waldrand, herrlicher Blick mit garantiertem Sonnenuntergang, wurde streng nach Hierarchie sortiert. Sarah und ihr Sohn Marcello durften rechts und links von mir sitzen, die beiden ranghöchsten Tiere daneben. Hinter uns im Halbkreis alle Kater, dann erst - auch kreisförmig - die Kätzinnen.

 

… Es brauchte eine Weile, bis ich kapierte, welche Ehre mir als Boss zuteil wurde. Sie beschützten mich, und zwar systematisch. Wachposten rund um’s Haus, so dass ich sie sehen konnte. Niemand hätte sich unbemerkt nähern können. Sarah übernahm den Innendienst. Ein Runterschalten in den zweiten Gang entging ihr nie: Das tut man nur, um in den Hof einzubiegen. Sie flitzte los und saß bereits vorher auf der Esszimmer-Fensterbank. Die „Bürowiesenkatze“ stürzte sich bei „Gefahr“ per Kopfsprung ins nächste Gestrüpp: Mensch von hinten im Anmarsch. Ging ich in die Küche, passte die „Garagen-Katze“ auf. Ihr Job war’s auch, den anderen meine Rückkehr anzuzeigen. Der taube Opa Hannibal kümmerte sich um sonstige Gefahren. Über die Bodenvibration erkannte er selbst im Schlaf meinen Schritt bzw. wurde so zu den Mahlzeiten gerufen. Einmal kam ich recht schnell über die Apfelwiesen aus dem Wald, sah den auf Brettern in der Sonne dösenden Hannibal noch - im nächsten Moment kreuzte er meinen Weg, blieb kurz direkt vor meinen Füßen stehen, ging dann weiter. Ups, ein frisch gespannter Weidedraht, über den ich im hohen Bogen geflogen wäre. 

 

 

 

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Empfohlene Einträge

Bambi kann sich nicht sicher sein, dass seine Mutter den Herbst noch überlebt

1/9
Please reload

Aktuelle Einträge