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Fuchs, Marder & Co. haben wichtige ökologische Funktionen

21 Dec 2017

(frei nach einem beim ÖJV Saar veröffentlichten Artikel aus dem Jahr 2010)

 

Fuchs, Marder & Co. bezeichnet man als sogenannte Beutegreifer. Das sind Tiere, die sich hauptsächlich von Fleisch ernähren. Damit unterscheiden sie sich von den Pflanzenfressern, die vorwiegend vegetarische Kost bevorzugen, sowie von den Allesfressern, deren Speiseplan gemischt ist. Zu den Beutegreifern gehören auch die Greifvögel.

 

Der gestaltende Einfluss von Beutegreifern auf Größe und Zusammensetzung der Bestände ihrer Beutetiere wird immer noch einseitig negativ bewertet. Sie gelten insbesondere den großen deutschen Jagdlobbyisten nur als „Räuber", also als Tiere, die auf Kosten anderer leben und somit ein negatives Image aufgedrückt bekommen.

 

"Vielfältige positive Wirkungen in unseren Ökosystemen" Bild: Eric Magnuson

 

Das "Raubwild", wie die Jäger es nennen, hat jedoch auch vielfältige positive Wirkungen in der Dynamik von Lebensgemeinschaften, indem es zum Beispiel hohe Nachwuchsraten bei häufigen Arten abschöpft und so für Ausgleich sorgt. Der Einfluss dieser Gesundheitspolizisten auf Auslesevorgänge in den Beutetierpopulationen, der in der Entwicklungsgeschichte unserer Natur von ganz erheblicher Bedeutung war und ist, findet kaum eine Berücksichtigung in der Diskussion. Die Rolle des Raubwildes als „Fitness-Trainer" für andere Tierarten wird nicht gewürdigt. Es erbeutet hauptsächlich kranke und reaktionsschwache Tiere und sorgt so dafür, dass sich die Gene der starken und reaktionsschnellen Tiere vermehren. Beutegreifer sind daher unverzichtbare Gestalter im Zusammenleben von Tierarten und zudem kein Feind des Menschen!

 

Einige Beutegreifer entwickeln erstaunliche Fähigkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Füchse, Steinmarder und Waschbären haben längst neue Lebensräume, z.B. die Städte, besiedelt. Sie erweisen sich als bewundernswerte Lebenskünstler, die auch schon mal in der Mülltonne erfolgreich nach Nahrung suchen.

 

Die Jägerschaft hat seit jeher die Möglichkeit, Raubsäuger scharf zu bejagen, ihre Bestände zu begrenzen und die Ausbreitung zu bremsen. Das ist nicht gelungen. Es wird auch mit noch so intensiver Jagd nicht gelingen, diese Tierarten sich mit eleganten Überlebensstrategien der Dezimierung entziehen.

 

Wenn die einheimischen Raubsäuger also zum einen wichtige Funktionen in unseren Ökosystemen haben, zum anderen ihre Bestände durch Jagd und Jäger mit vertretbaren Jagdmethoden nicht auf das von mancher Seite gewünschte Minimum zu drücken sind, so gilt es zu hinterfragen, welchen Sinn die Jagd überhaupt haben soll.

 

Viele Jäger behaupten immer wieder, dass die Jagd auf Beutegreifer flächendeckend ein unverzichtbares „ökosystemgerechtes" Instrument zur Schaffung eines „ökologischen Gleichgewichtes" in der Natur sei. Außerdem diene sie zur Stützung der „Verlierer" unter den Niederwildarten wie Hase oder Rebhuhn gegenüber den „Gewinnern", also den Raubsäugerarten.

 

Es gibt jedoch viele Beispiele dafür, dass in Gebieten, in denen Beutegreifer nicht bejagt werden, das Gefüge der Lebensgemeinschaften erhalten bleibt. Das ist so im Naturschutzgebiet und „Urwald“ bei Saarbrücken, im Nationalpark Bayerischer Wald, im Kanton Genf, in vielen anderen unbejagten Arealen …. und seit 2015 in Luxemburg. Überall dort, wo Füchse nicht bejagt werden es gibt weder mehr noch weniger Füchse, es gibt einen stabilen Bestand ohne irgendwelche Auffälligkeiten.

 

Wie sollte es auch anders sein? Raubtiere sind nun einmal natürliche Mitglieder unserer Lebensgemeinschaften. Sie sind nicht auf der Welt, um „Schäden" in der Natur anzurichten. 

 

Bei genauerer Betrachtung sollte jedoch klarwerden, dass tiefgreifende und vielschichtige, vom Menschen verursachte Lebensraumveränderungen und nicht die Beutegreifer die primäre Ursache für Bestandseinbrüche vieler Niederwildarten sind. Diese Probleme können eben nicht durch fortwährendes Töten von Füchsen oder Mardern beseitigt werden, sondern allein durch Lebensraumgestaltung.

 

Wenn die einheimischen Raubsäuger also zum einen wichtige Funktionen in unseren Ökosystemen haben, zum anderen ihre Bestände durch Jagd und Jäger mit vertretbaren Jagdmethoden nicht auf das von mancher Seite gewünschte Minimum zu drücken sind, so gilt es zu hinterfragen, welchen Sinn die Jagd überhaupt haben soll. Bild: Wildtierschutz Deutschland

 

 

Nach wissenschaftlicher Faktenlage gibt es keinen Beleg dafür, dass die Jagd auf Füchse Wildkrankheiten wie Räude, Staupe oder den sogenannten Fuchsbandwurm eindämmen kann. Im Gegenteil steht die Jagd im Verdacht, die Ausbreitung dieser Krankheiten, sowie die Anfälligkeit von Tieren für Krankheiten generell durch Fehlselektion und Stress eher zu begünstigen. Das belegen nun auch weitere Forschungsarbeiten zu diesem Thema. Schon die Tollwut etwa wurde nicht durch das Töten von Füchsen erfolgreich bekämpft, sondern durch die Ausbringung von Impfködern.

 

Lesen Sie auch: Intensive Fuchsjagd ist ein Krankheitsrisiko für Menschen

 

Quellen:

Royal Society: Studie zur Nützlichkeit von Füchsen, Mardern und anderen Beutegreifern zur Reduzierung menschlicher Ansteckungsgefahren durch Zecken, Tim R. Hofmeester et al.

Elsevier B.V., Preventive Veterinary Medicine: Studie zur Verbreitung von Wildtierkrankheiten durch die Fuchsjagd, Sebastien Comte et al.

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