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  • Gabi Joormann

Fuchswochen – Paarungszeit der Füchse ist „Erntezeit“ der Jäger

Hören - „Schon seit Stunden folgt er ihrer Spur durch die kalte Winternacht. Wo unberührter Schnee Felder und Wiesen bedeckt, kann er ihre Pfotenabdrücke gut erkennen. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht weisen sie ihm den Weg zu ihr. Hier im Wald jedoch ist es für ihn weitaus schwerer, sie zu finden, er muss sich auf seine Nase und auf seine Ohren verlassen. Hier und da hält er an um die Botschaften zu beschnuppern, die sie ihm hinterlassen hat. Sie macht es ihm nicht leicht, ist ständig unterwegs und verrät nur dann und wann durch ihr heiseres Bellen, wo sie sich gerade befindet.


Fuchs im Schnee nach der Jagd
Bild: Michael Hamann

Noch als der Morgen dämmert und die Sonne die schneebedeckte Landschaft in ihr warmes Licht taucht, ist er auf den Beinen, angetrieben von Rastlosigkeit und Erregung, den Duft der Füchsin in seiner Nase. Als er eine schneebedeckte Hügelkuppe überquert, wird seine Hartnäckigkeit endlich belohnt. Dort sitzt sie, ihr dichtes rostrotes Fell leuchtet im Schein der aufgehenden Sonne. Mit herausforderndem Blick sieht sie zu ihm hinauf auf den Hügel. Dann springt sie unvermittelt auf. Ihr prächtiger Schwanz mit der weißen Spitze pendelt kokett hin und her. Noch einmal blickt sie zu ihrem Verfolger zurück, ruft ihm einladend zu und verschwindet dann eilig im Wald“.


Dieses First Date ist nachzulesen in dem bemerkenswerten Buch „Die Weisheit der Füchse“ von Dag Frommhold und Daniel Peller. Zum Jahresbeginn sind Füchse mit der Partnersuche beschäftigt, eine aufregende Zeit für sie und ihre Jäger, die die eingeschränkte Vorsicht und den Hunger der Füchse schamlos nutzen, um ihren Beutetrieb zu befriedigen. In vielen Revieren sind sogenannte „Fuchswochen“ ausgeschrieben, für den passionierten Fuchsjäger gehören diese zu den Highlights des Jahres. Gefragt ist die Baujagd, denn zur Hochzeit der Füchse - Jäger sprechen von der Ranzzeit - suchen die Tiere des Öfteren ihren Bau auf. Mit Hilfe von Terriern und Teckeln treiben sie die Füchse aus ihrem Rückzugsort, um sie dann zu erschießen. Jägersprachlich heißt dies „Fuchssprengen“, und das soll spannend und herausfordernd zugleich sein. Wer kennt ihn nicht, den Spruch „Fuchs kann immer kommen“, egal ob Jung- oder Altfüchse, Rüden oder trächtige Fähen.


Was bisher unberücksichtigt bleibt, dass bereits die ersten Fuchswelpen geboren sein könnten, während ein oder gar beide Elternteile getötet wurden, müssen ihre Kinder vermutlich grausam erfrieren oder verhungern.


Für wen spielt das Leben von Füchsen eine Rolle?

Für Fuchsjäger sicher nicht. So schreibt der Wildmeister Matthias Meyer am 14.01. im Jagdportal  pirsch.de: „Baujagd im Januar ist ein Glücksspiel, aber auch bei der Baujagd in der Ranz kommt der Jäger manchmal zu unverhofft reichem Waidmannsheil, wenn nicht nur ein Fuchs im Bau steckt, sondern eine ganze Ranzgesellschaft. Die ersten Rüden springen meistens so rasch, dass man es kaum glauben mag. Liegt der erste Rote im Schnee, muss der Jäger unbedingt weiter gespannt bleiben, selbst wenn der Hund augenblicklich nachfolgt, denn solange der Vierbeiner Interesse am Bau zeigt und arbeiten will, ist mit weiteren Füchsen zu rechnen. Weil Reineke in der Ranz alle Baue kontrolliert, diese markiert oder mit einer angetroffenen Fähe den Bau wieder verlässt, klappt es mit der jagdlichen Beute nicht immer so. Daher ist die Baujagd im Januar oftmals ein Lotteriespiel, wenn auch mit überaus guten Gewinnchancen.“

 

Weitere Tipps und Tricks sind das Ziehen von Schleppen, das Anlegen einer Mäuseburg oder eines frisch bestückten Luderplatzes. Vorausgesetzt der Mond bietet das nötige Büchsenlicht, lässt sich der hungrige Fuchs notfalls mit Hasenklagen, Mäusepiepsen etc. vor die Flinte locken.


Phil Kahrs schreibt in der aktuellen Pirsch vom 26.01.: „Die Ranzzeit bringt die roten Räuber zur Höchstform. Gerade hohe bzw. verharschte Schneelagen sind für die Lockjagd auf den Fuchs wahre Goldgruben. Aufgrund der Schneedecke kommen die Füchse nicht mehr an die Beutetiere wie Mäuse heran und springen äußerst schnell mit hungrigem Magen auf das Mäusepfeifchen“.


Schließlich sei der Fuchs zu dieser Zeit, genauer sein Fell, reif und kann geerntet werden, so Fuchsjäger. Wenn Jäger von Ernte sprechen, klingt das in meinen Ohren befremdlich. Tiere lassen sich nicht ernten wie Getreide, Obst oder Gemüse. Es ist eine verachtende, respektlose und demütigende Betrachtungsweise gegenüber sensiblen fühlenden Wesen. Für mich nicht vergleichbar, offenbar für einige Jäger schon. Der ehemalige Chefredakteur, Buchautor und Jäger Karl Lüönd sagte einmal im Interview: „Für mich ist jagen, als würde ich einen Apfel pflücken. Ich ernte etwas, das ist in meinem Weltbild richtig. Es heißt ja in der Bibel: Macht euch die Erde untertan“. Das sind Sätze, die mich erschaudern lassen, Äpfel pflücken ist wie Tiere töten. Mutter Natur ist zudem kein Selbstbedienungsladen, das sollte längst jeder begriffen haben.


Wir sollten die Krone ablegen und in den Tieren fühlende Wesen erkennen, die - wie wir - ein Recht auf Würde und ein Recht auf Leben haben. Die Zeit dafür ist reif und fordert uns zum Umdenken auf. Statt Herrschaft müssen wir nun Verantwortung übernehmen und das Unrecht und sinnlose Töten von Füchsen endlich beenden. Wenn unsere Stimmen laut genug sind, wird es in Zukunft keine Felder und Wiesen mehr geben, auf denen „geerntete“ Füchse liegen.



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