Uhu (Bubo bubo) in Bearbeitung
Bilder: Harry Schulz | Dr. Martin Steverding | Text: Dr. Martin Steverding
Das Wichtigste zum Uhu in Kürze
Größte Eulenart der Welt
Der Uhu ist mit bis zu 1,8 m Flügelspannweite die größte Eulenart der Welt. Er hat eine kräftige kompakte Statur mit eulentypisch großem Kopf, kurzem Schwanz und auffälligen Federohren. Sein Flugbild ist imposant mit breiten Flügeln, kraftvolle Flügelschläge wechseln mit langen Gleitstrecken. Die Flügelspannweite gleicht etwa der eines Graureihers. Sein lockeres seidenweiches Gefieder ist fein rostgelb oder ocker und dunkelbraun gezeichnet. Seine großen Augen sind leuchtend orangerot, was ihm einen intensiven stechenden Blick verleiht.
Der Uhu ist sehr anpassungsfähig …
und lebt in ganz unterschiedlichen Lebensräumen. Zum Brüten bevorzugen Uhus Felswände und Steinbrüche, sie sind aber nicht darauf angewiesen. Sie brüten auch an Gebäuden wie Burgen, Kirchen oder Industrieanlagen, in Greifvogel- oder Graureihernestern oder auf dem Erdboden. Wie alle Eulenarten bauen auch Uhus niemals selbst Nester. Zum Beutefang nutzt der Uhu sehr unterschiedliche Lebensräume wie Waldränder, offene landwirtschaftlich genutzte Landschaften, Städte, Ufer von Gewässern, Waldlichtungen und vieles mehr.
Uhus sind Jäger der Nacht …
und tagsüber meistens gut versteckt. Sie sind weitgehend dämmerungs- und nachtaktiv. Wenn sie Junge zu versorgen haben und die Sommernächte kurz sind, jagen sie gelegentlich auch bei Tageslicht. Uhs sind sehr kraftvolle Beutegreifer, die auch erwachsene Bussarde, Enten, Kaninchen oder Fasane jagen. Im Englischen wird der Uhu „Eagle Owl“ (Adlereule) genannt, er ist das nächtliche Pendant zum tagaktiven Adler.
Der Uhu breitet sich aus …
und kommt inzwischen wieder in weiten Teilen Deutschlands vor. Er gehört zu einer Reihe großer Tierarten, die nach weitgehender Ausrottung wieder auf dem Vormarsch sind, wie Wolf, Biber, Fischotter, Seeadler oder Kranich. Leider hat bei Wolf und Biber die Verfolgung durch den Menschen längst wieder eingesetzt und auch der Uhu hat, wie alle großen Beutegreifer, nicht nur Freunde.
Druck durch ein weiteres „Raubtier“?
Unter den sich wieder ausbreitenden großen Tierarten sind auffallend viele Beutegreifer, wie Wolf, Goldschakal, Fischotter, Seeadler und eben auch der Uhu. Diese Arten sind relativ anpassungsfähig, sie waren verschwunden, weil ihnen aktiv nachgestellt worden war.
Wird der Druck für die ohnehin schon durch den Menschen bedrängte übrige Tierwelt durch die vielen Prädatoren (Beutegreifer) nicht zu groß?
Nein, denn die Beutegreifer beeinflussen und begrenzen sich gegenseitig durch Konkurrenz und durch Prädation: Uhus erbeuten regelmäßig andere Beutegreifer, wie verschiedene Greifvögel und Eulen, Rabenvögel, Fuchswelpen oder Marder.
Uhus sind streng geschützt
Wie alle Greifvogel- und Eulenarten sind auch Uhus in Deutschland streng geschützt. Es ist verboten. Ihnen nachzustellen, sie zu stören oder ihre Lebensstätten zu beschädigen. Dennoch kommt es immer wieder zu illegaler Verfolgung, wahrscheinlich mit sehr hoher Dunkelziffer. Während Uhus in bestimmten Revieren und Regionen immer wieder verschwinden und kaum schaffen, sich zu etablieren, besiedeln sie anderenorts ganz ähnliche Landschaften in hoher Dichte Revier an Revier. Illegale Verfolgung dürfte ein Grund für diese lokalen Unterschiede sein.

Die Adlereule - Königin der Nacht
Ein dumpfes „uhu“ hallt durch den Winterwald am Fuß eines Steinbruchs, in ziemlich festem Takt etwa alle 10 Sekunden wiederholt. Es ist noch recht hell, die Sonne ist gerade erst untergegangen. Plötzlich steigt ein imposanter Vogel mit tiefen weit ausholenden Flügelschlägen aus den Bäumen auf und landet auf der Oberkante des Steinbruchs. Im klaren Abendlicht reflektieren seine riesigen leuchtend orangeroten Augen. Die Federohren sind steil aufgerichtet. Er beugt sich leicht nach vorn, hebt den kurzen Schwanz ein wenig an und plötzlich blitzt ein weißer Fleck an der Kehle auf, der zuvor verborgen war. „Uhu“ schallt es in diesem Moment wieder. Aus dem Wald ist ein nahezu gleichartiger, aber deutlich höherer Ruf zu vernehmen – die Antwort des Weibchens. Das Duett des Uhupaares setzt sich noch einige Zeit lang fort, dann lässt er sich von der Felskante kippen und schwebt ohne einen Flügelschlag weit hinab ins Tal.
So verlief eine typische Abenddämmerung im Januar oder Februar an einem Steinbruch in einem Seitental der Nahe in Rheinland-Pfalz und ganz ähnlich spielt es sich an vielen anderen Orten ab. Auch nach Hunderten von Begegnungen hat die weltweit größte Eulenart für mich nichts von ihrer Faszination verloren. Die „Adlereule“ (im Englischen heißt der Uhu „Eagle Owl“), der König der Nacht, zieht mich immer wieder in ihren Bann.
Wo brütet der Große Brachvogel?
Wie fast alle Watvögel oder Limikolen ist der Brachvogel ein Bodenbrüter. Er legt seine meistens vier Eier in eine Mulde in offener niedriger Wiesen- oder Moorvegetation oder gar auf nahezu kahle Ackerflächen. Dabei scheint der Brachvogel gezielt Orte auszusuchen, deren Farbe mit der seines Gefieders übereinstimmt. An Stellen mit Vegetationsresten aus dem Vorjahr oder auf Äckern mit ein wenig Krautwuchs ist der brütende Brachvogel extrem gut getarnt. Er duckt sich meist tief am Boden, so dass er selbst bei niedriger Vegetation nur sehr schwer zu erkennen ist.
Die bevorzugten Lebensräume des Brachvogels sind in Deutschland extensiv genutztes Grünland (insbesondere auf ehemaligen Moorstandorten), sowie Moore, Heiden und Dünenlandschaften (Gedeon et al. 2014, Grüneberg & Sudmann et al. 2013). Bruten finden nicht selten auch auf Äckern statt, jedoch dann entweder in direkter Nachbarschaft zu den genannten Lebensräumen oder auf ehemaligen Grünland- oder Moorstandorten, die aufgrund der Brutplatztreue noch besiedelt sind.
Brachvögel halten auch bei drastischen Lebensraumverschlechterungen zumeist an ihren Revieren fest, wobei dann in der Regel der Bruterfolg ausbleibt und die Gebiete allmählich verwaisen (Grüneberg & Sudmann et al. 2013). Sie können über 30 Jahre alt werden, so dass entwertete bzw. zerstörte Reviere oft noch lange besetzt bleiben (Kruckenberg 2023).

Nahrung und Nahrungssuche
Die Nahrungssuche des Brachvogels ist schnepfentypisch: Er stochert mit seinem überaus langen Schnabel im Erdreich nach Würmern und Insektenlarven. Dabei ertastet er die Nahrungstiere mit seiner feinfühligen Schnabelspitze. Er kann die Spitze des Oberschnabels bewegen und so die Tiere wie mit einer Pinzette ergreifen und aus dem Erdreich ziehen. Brachvögel benötigen für die Nahrungssuche einen weichen und feuchten Boden.
Sie können aber auch Nahrung durch Ablesen von der Bodenoberfläche oder von Halmen oder Blättern aufnehmen. Im Binnenland gehören Regenwürmer und Tipuliden(Schnaken)-larven, sowie verschiedene weitere Insekten zur Hauptnahrung. Gelegentlich fressen Brachvögel Samen und Beeren. Im Watt besteht die Hauptnahrung aus Krebstieren und Ringelwürmern, z. B. Wattwürmern. Gelegentlich können Brachvögel auch kleine Wirbeltiere wie Fische, Amphibien oder Eidechsen erbeuten (Glutz et al. 1986).
Fortpflanzung und Jahreszyklus
Der Brachvogel ist vorwiegend Kurzstreckenzieher, der in Deutschland etwa von Ende Februar/März bis Juni oder spätestens Juli in den Brutgebieten anzutreffen ist. Bei Brutverlust kann der Abzug bereits im Mai erfolgen. Viele Brachvögel mausern im Sommer am Wattenmeer, es bestehen aber auch größere Mauserplätze weit im Binnenland, z. B. in Bayern (Rudolph & Einsiedler 2019).
Die Überwinterungsgebiete der in Deutschland brütenden Brachvögel reichen vom niedersächsischen Wattenmeer bis nach Südspanien und Irland. Tendenziell überwintern Brachvögel je weiter nördlich, desto weiter nördlich sich ihre Brutplätze befinden. Die wichtigsten Überwinterungsgebiete der nordwestdeutschen Brutvögel liegen u. a. in der Bretagne, der Normandie, der britischen und irischen Küsten, dem niederländischen Wattenmeer und dem Rheindelta (Kruckenberg 2023). Das Überwinterungsgebiet im Rheindeltabereich reicht bis in den äußersten Nordwesten des deutschen Niederrheins bei Emmerich. Brachvögel sind in ihren Überwinterungsgebieten weitgehend ortstreu und nutzen häufig langjährig dieselben Nahrungsflächen und Hochwasserrastplätze (Kruckenberg 2023).
Auch im Brutgebiet sind Brachvögel sind meistens sehr reviertreu, so dass sich dieselben Partner über viele Jahre an ihrem angestammten Brutplatz treffen. Die Revierbesetzung erfolgt in Mitteleuropa im Spätwinter oder Vorfrühling, in wintermilden Gebieten Westdeutschlands regelmäßig bereits Ende Februar.
Von der Revierbesetzung bis zur Eiablage vergehen einige Wochen, die Brutzeit beginnt im nordwestdeutschen Flachland etwa Ende März / Anfang April. Die meistens vier Eier werden in eine Bodenmulde gelegt. Brachvögel bevorzugen Stellen mit Altgras (Glutz et al. 1986), was vermutlich der optimalen Tarnung des brütenden Vogels dient. Die Eier sind tarnfarbig mit olivgrüner oder bräunlicher Grundfarbe und dunklen Flecken. Sie liegen mit den spitzen Polen zueinander gewandt im Nest und bilden dadurch annähernd ein Quadrat. Bei Verlust des Geleges, beispielsweise durch Beutegreifer oder durch Landwirtschaftsmaschinen, erfolgt regelmäßig ein Nachgelege. Ein zweites Nachgelege scheint aber selten zu sein (Glutz et al. 1986).
Die Brut beginnt erst mit Ablage des letzten Eies, so dass die Jungen mehr oder weniger gleichzeitig schlüpfen und somit gleichalt sind. Die Partner wechseln sich beim Brüten einander ab, der nicht brütende Vogel wacht häufig in Nestnähe. Die Brutdauer liegt meistens bei 27 bis 29 Tagen. Die Jungen sind Nestflüchter, die die Nistmulde kurz nach dem Trocknen des Dunenkleids verlassen. Im Alter von etwa fünf Wochen (33 bis 37 Tage laut Meyer et al. 2017) sind sie flugfähig.
In der Brutzeit sind Brachvögel ausgesprochen territorial, die Paare verteidigen ihre Reviere gegenüber Artgenossen. Außerhalb der Brutzeit sind sie gesellig und oft in Schwärmen anzutreffen. Zu Beginn der Brutzeit nutzen Brachvögel häufig Gemeinschaftsschlafplätze, die mehrere Kilometer von den Brutrevieren entfernt liegen können.

Verbreitung und Bestandsentwicklung des Großen Brachvogels
Der Brachvogel brütet überwiegend in der gemäßigten und der Steppenzone Eurasiens (Gutz et al. 1986). In Europa reicht seine Verbreitung auch weit in den borealen Bereich Skandinaviens hinein. In Mitteleuropa ist er lückenhaft verbreitet und südlich der Alpen bzw. im gesamten Mittelmeerraum brütet er nicht (u. a. Svensson et al. 2011).
In Deutschland brüten etwa 88 Prozent des Bestandes im Binnenland und etwa 12 Prozent an den Küsten. Es bestehen zwei Verbreitungsschwerpunkte: zum einen das nord- und nordwestdeutsche Tiefland und zum anderen Altmühltal, Nördlinger Ries, Donau- und Isartal (Gedeon et al. 2014). Die größten Bestände leben im nordwestdeutschen Flachland auf den Ostfriesischen Inseln, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburger und Westfälisches Münsterland, Diepholzer Moorniederung, Teufelsmoor, Eider-Treene-Sorge-Niederung und den Hochmooren der Schleswigschen Geest. Die Vorkommen setzen sich ostwärts bis in die Altmark, die Prignitz und das Havelland fort, wo der Brachvogel aber deutlich seltener ist als weiter westlich. Außerhalb dieser Schwerpunkte bestehen nur kleine isolierte Vorkommen, beispielsweise in der hessischen Wetterau und in der südlichen Oberrheinebene (Gedeon et al. 2014). Den größten Bestand innerhalb Deutschlands hat Niedersachsen, an zweiter Stelle folgt Nordrhein-Westfalen, wo sich die Vorkommen ausschließlich auf die Niederungen konzentrieren. Der Schwerpunkt liegt in NRW im äußersten Norden und Nordwesten an der Grenze zu Niedersachsen und den Niederlanden (Grüneberg & Sudmann et al. 2013).
In den ehemals großen Moorgebieten Deutschlands war der Brachvogel ursprünglich weit verbreitet. Zunächst profitierte er darüber hinaus von der Umwandlung von Auwäldern in Grünland in den Flussniederungen und von der allgemeinen Ausbreitung der Grünlandnutzung. In Norddeutschland erreichte er daher sein Bestandsmaximum etwa in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Seitdem sind seine Bestände stark rückläufig,
Ursachen sind die fortschreitende Zerstörung der Moore, Entwässerung von Feuchtwiesen, Umwandlung von Grünland in Acker und allgemein die Intensivierung der Landwirtschaft (Gedeon et al. 2014, Grüneberg & Sudmann et al. 2013). Es wird auch zunehmender Prädationsdruck als Ursache angegeben, dieser hängt allerdings eng mit unterschiedlichen Lebensraumparametern zusammen (s. u.).
In einigen Regionen konnte durch Schutzmaßnahmen wie Wiedervernässung der negative Trend gestoppt oder zumindest gebremst werden, dennoch ist die Tendenz insgesamt weiterhin rückläufig. Der bundesweite Brutbestand für den Zeitraum von 2005 bis 2009 wird mit 3.700 bis 5.000 Paaren angegeben (Gedeon et al. 2014), allerdings wird auf einen wahrscheinlich zu hohen Maximalwert der genannten Spanne hingewiesen.
Gefährdung und Schutz des Brachvogels
Der Brachvogel ist gemäß Art. 1 der EU-Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 2009/147/EG) streng geschützt, für ihn gelten somit die Zugriffsverbote des § 44 Abs. 1 BNatSchG (Verletzungs- und Tötungsverbot, Störungsverbot und Schädigungs-/Zerstörungsverbot von Fortpflanzungs- und Ruhestätten). In der Roten Liste Deutschlands ist er unter der Gefährdungskategorie 1 (vom Aussterben bedroht) aufgeführt (Ryslavy et al. 2020).
Zerstörung von Bruthabitaten: Die wichtigste Gefährdungsursache für den Brachvogel ist die Entwertung oder Zerstörung seiner Brutgebiete durch Grünlandumbruch, Grundwasserabsenkung und Nutzungsintensivierung einschließlich Dünger- und Pestizideinsatz (Grüneberg & Sudmann et al. 2013).
Bedeutend für den Brachvogel und andere Wiesenvogelarten ist Bodenfeuchtigkeit durch hohen Grundwasserstand oder regelmäßige Überflutungen, weshalb der Erhalt nasser Flächen bzw. die Wiedervernässung von Grünland von zentraler Bedeutung sind. Dazu können beispielsweise Gräben verfüllt oder aufgestaut, sowie Flachwassermulden (Blänken) und nasse Senken angelegt werden (Brüning et al. 2021).
Wirksame Lebensraumverbesserungen werden vor allem durch Flächenerwerb ermöglicht, wie es beispielsweise im Rahmen des LIFE-Wiesenvögel-Projektes in Niedersachsen praktiziert wurde (Barkow et al. 2023).
Zerschneidung offener Landschaften: Neben der direkten Entwertung der Bruthabitate spielt auch die Zerschneidung offener Gebiete etwa durch Straßen, Windenergieanlagen oder Bauwerke verschiedener Art eine Rolle (Grüneberg & Sudmann et al. 2013).
Die Zerschneidung kann zu Störungen durch Personen und Fahrzeuge oder auch zu Kollisionen mit Fahrzeugen führen; letzteres ist insbesondere für Küken eine Gefahr. Brachvögel als Bewohner offener Landschaften meiden in der Regel die direkte Nähe hoher Vertikalstrukturen, weshalb Bauwerke zu Entwertung von größeren Flächen für den Brachvogel führen können.
Brutverluste durch landwirtschaftliche Bearbeitung und Weidetiere: Gelegeverluste und geringe Bruterfolge durch landwirtschaftliche Arbeiten werden als „herausragendes Problem“ für Wiesenvögel bezeichnet (Brüning et al. 2021). Die Wahrscheinlichkeit von Brutverlusten steigt mit zunehmender Nutzungsintensität. Auch in vergleichsweise guten Habitaten brüten Brachvögel nicht selten auf angrenzenden intensiv genutzten Ackerparzellen und sind dort durch direkten Verlust der Gelege gefährdet. Auf Weiden mit hoher Weidetierdichte ist zudem die Gefahr für die Gelege durch Viehtritt gegeben (Grüneberg & Sudmann et al. 2013).
Zur Vermeidung bzw. Verminderung der Brutverluste durch landwirtschaftliche Arbeiten ist eine gute Erfassung der Brutstandorte und ein gutes Management der Mahdtermine bzw. des Weidetierauftriebs erforderlich (Brüning et al. 2021).
Prädation: Der Einfluss von Fuchs, Marder, Rabenvögeln, Reihern, Störchen, Greifvögeln und anderen Beutegreifern hängt von vielen Faktoren ab, u. a. von verschiedenen Lebensraumparametern. Dem komplexen Thema Prädation und Prädationsmanagement ist ein gesondertes Kapitel gewidmet (s. u).
Erhöhte Embryonensterblichkeit: Bei Brachvogelprojekten in Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein (s. auch Meyer et al. 2017) wurde ein hoher Anteil von Eiern festgestellt, aus denen keine Jungen schlüpften. Ausbleibender Schlupf von Jungen ist in der Regel nicht auf unbefruchtete Eier, sondern auf das Absterben von Embryonen zurückzuführen. Es werden mehrere mögliche Ursachen für das offensichtlich vermehrt auftretende Phänomen diskutiert (Boschert et al. 2021):
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Überalterung der Brachvogelpopulation durch zu niedrigen Bruterfolg bzw. fehlendes Nachrücken junger Vögel
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Nahrungsmangel bzw. Mangel von bestimmten Nahrungsbestandteilen, wird allerdings aufgrund des guten Ernährungszustandes heranwachsender und erwachsener Vögel in den untersuchten Gebieten als unwahrscheinlich eingestuft
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Umweltgifte, z. B. Pestizide wie Neonikotinoide oder glyphosathaltige Herbizide
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Verringerte genetische Diversität, Inzuchtdepression.
Jagd auf den Zugwegen: Der Brachvogel wurde früher in weiten Teilen Europas bejagt und er wurde in Deutschland 1977 aus der Jagdzeitenverordnung gestrichen. In Dänemark, Irland, Großbritannien und Frankreich war die Jagd auf den Brachvogel bis in die 2000er-Jahre hinein erlaubt. Erst 2008 wurde ein internationales Moratorium der Brachvogeljagd ausgerufen. In Frankreich wurde die Jagd auf Brachvögel aber nicht ganz eingestellt. Es ist dort weiterhin eine „nachhaltige“ Bejagung von Brachvögeln erlaubt, bei der eine Gefährdung der Art sicher ausgeschlossen sein muss (Kruckenberg 2023). Angesichts der hochgradig bedrohten Bestände dieser Vogelart ist dieses Vorgehen absurd.
In der Wintersaison 2013/14 wurde das Moratorium ausgesetzt und es wurden 6.858 Brachvögel an Frankreichs Küsten geschossen. 2019 wurden erneut 6.000 Brachvögel durch die französische Regierung zum Abschuss freigegeben, die Entscheidung wurde aber nach internationalen Protesten wieder zurückgenommen (Kruckenberg 2023, NABU 2025).
Die Jagd auf Watvögel (Limikolen) ist trotz ihres Schutzstatus weiterhin in Frankreich ein großes Problem. Wie in keinem anderen EU-Land, wird dort die Jagd auf viele nach europäischem Recht streng geschützte Arten erlaubt (Komitee gegen den Vogelmord 2025).
Windenergieanlagen: Bei Offshore-Windparks in der Nordsee wurde Meidungsverhalten von besenderten Brachvögeln festgestellt. Die Windparks üben somit möglicherweise eine Barrierewirkung und ein erhöhtes Kollisionsrisiko für Brachvögel (und viele weitere Vogelarten) aus. Kollisionsgefahr besteht dabei wahrscheinlich vor allem bei schlechter Sicht oder starkem Wind (Kruckenberg 2023).
Auch Windenergieanlagen an Land können zu Störwirkungen für Brachvögel führen. Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten empfahl 2015 einen Mindestabstand von Windenergieanlagen zu Brutplätzen des Brachvogels und anderer Wiesenlimikolen (Kiebitz, Uferschnepfe, Rotschenkel und Bekassine) von mindestens 500 m und einen Prüfbereich von 1.000 m, innerhalb dessen zu prüfen ist, ob Nahrungsgebiete, Schlafplätze etc. vorhanden sind (LAG-VSW 2015). Inzwischen wurden die Abstandskriterien im Zuge des politisch forcierten Windkraftausbaus insgesamt deutlich abgeschwächt, für Nordrhein-Westfalen gilt nur noch ein zentraler Prüfbereich von 500 m um Brachvogel-Brutplätze (MUNV & LANUV NRW 2024).
Kollisionen mit Windenergieanlagen an Land scheinen selten zu sein, bisher wurden vier Totfunde von Brachvögeln an Onshore-Windenergieanlagen in Deutschland dokumentiert (Dürr 2023), eine im Vergleich mit vielen Greifvogelarten auch unter Berücksichtigung der Seltenheit des Brachvogels relativ niedrige Zahl. Das vergleichsweise geringe Kollisionsrisiko dürfte eine Folge des ausgeprägten Meidungsverhaltens sein, die Hauptgefahr durch Windenergieanlagen für Brachvögel besteht also in der Störungs- und Barrierewirkung.
Störungen durch Freizeitaktivitäten: Der Brachvogel ist scheu und störungsempfindlich, Spaziergänger und insbesondere freilaufende Hunde sind ein großer Störfaktor und können zur Aufgabe von Bruten oder zum Verlust von Eiern oder Küken durch Auskühlung führen (Brüning et al. 2021).

Prädation und Prädationsmanagement:
Die Fressfeinde des Großen Brachvogels und wie wir ihn davor schützen können
„Schon in den 1970er-Jahren wurde die Prädation durch Füchse als ein wesentliches Problem des Küstenvogelschutzes wahrgenommen“ (Herrmann 2021). Die Prädation von Gelegen und Küken von Bodenbrütern wie dem Großen Brachvogel durch verschiedene Beutegreifer sind ein kontrovers diskutiertes Thema im Natur- und Artenschutz. Innerhalb eines Großteils der Naturschutzverbände findet die gezielte Dezimierung von Prädatoren wie Fuchs, Marder und Wiesel breite Zustimmung, während gefiederte Prädatoren wie der Weißstorch von denselben Verbänden gefördert werden.
Der Einfluss von Prädatoren auf Bodenbrüter ist je nach Vogelart sehr unterschiedlich, die größte Gefährdung besteht bei Wiesenbrütern wie dem Brachvogel und bei Großtrappen (Langgemach & Bellebaum 2005). Die Prädationsraten sind in vielen Wiesenvogel-Brutgebieten hoch (u. a. NLWKN 2024), was eine große Zahl unterschiedlicher Gründe hat. Beispielsweise wurde in der Eider-Treene-Sorge-Niederung in Schleswig-Holstein zwischen 2013 und 2017 eine durchschnittliche Prädationsrate von 56 % bei Brachvogelgelegen festgestellt (Meyer et al. 2017).
Viele verschiedene Faktoren haben Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit von Eiern, Küken oder auch erwachsenen Vögeln, zur Beute zu werden. Entscheidend ist dabei nicht nur die Häufigkeit bzw. Bestandsdichte von Beutegreifern (Prädatoren), sondern es spielen viele Lebensraumfaktoren eine Rolle. Von besonderer Bedeutung für die Prädationsrate ist der Wasserstand: „In Gebieten mit immer noch oder neuerdings wieder hohen Wasserständen lässt sich beobachten, wie das Wasser die Raubsäugerdichte beeinflusst. In nicht eingedeichten Flussauen ist auch heute noch von einer geringen Dichte reproduzierender Füchse auszugehen“ (Langgemach & Bellebaum 2005). Füchse sind, ebenso wie Marder und Wiesel, in erster Linie Mäusejäger. Die Gelege oder Küken von Wiesenbrütern sind für sie eine Zufallsbeute. Nasse Wiesen weisen geringe Mäusedichten auf und sind für die Mäusefänger daher wenig attraktiv und werden entsprechend seltener von ihnen aufgesucht.
Ein zweiter zentraler Einflussfaktor auf die Prädationsrate ist die Siedlungsdichte von Wiesenbrütern: Gute und ausreichend große Lebensräume beherbergen große Wiesenvogelbestände. Nur bei hoher Dichte können Wiesenvögel sich effektiv gegen Beutegreifer verteidigen (Langgemach & Bellebaum 2005). Eine besondere Rolle spielt dabei aufgrund seiner Wehrhaftigkeit der Kiebitz: Alle Wiesenbrüter profitieren von einer hohen Kiebitzdichte aufgrund des effektiven Abwehrverhaltens, das sogar Säuger wie den Fuchs auf Distanz halten kann (Theunissen et al. 2020). Weitere Faktoren werden unten unter „Prädationsmanagement“ genannt.
Zu unterscheiden ist die Nest- bzw. Gelegeprädation, die Kükenprädation und das Erbeuten erwachsener Vögel, wobei letzteres eine eher geringe Rolle spielt und hier nicht weiter diskutiert wird.
Nest- bzw. Gelegeprädation: Beim Verlust von Gelegen von Wiesenbrütern wie dem Brachvogel spielen Säugetiere, z. B. Fuchs, Waschbär oder Marder, die Hauptrolle, was mehrfach durch den Einsatz von Thermologgern an Wiesenvogelnestern nachgewiesen wurde (Langgemach & Bellebaum 2005, Theunissen et al. 2020, Roodbergen 2022). Rabenvögel und andere Vogelarten spielen laut Langgemach und Bellebaum (2005) dabei eine untergeordnete Rolle.
Kükenprädation: Der Brachvogel und die übrigen Wiesenlimikolen wie Kiebitz, Uferschnepfe, Rotschenkel und Bekassine sind Bodenbrüter und Nestflüchter. Die Küken verlassen den Nistplatz wenige Stunden nach dem Schlüpfen und werden von ihren Eltern geführt und verteidigt. Am Dümmer in Niedersachsen wurde im Rahmen einer Untersuchung von 2008 bis 2016 festgestellt, dass von 243 Küken drei Viertel Beute von Säugetieren wurden (Barkow et al. 2021). In anderen Untersuchungen allerdings war die Bedeutung von Vögeln als Kükenprädatoren deutlich höher. In den Niederlanden sind insbesondere Rohrweihe, Silbermöwe, Mäusebussard, Kolkrabe und Fuchs (Theunissen et al. 2020), bzw. Mäusebussard und Graureiher, sowie Hermelin und Fuchs (Roodbergen 2022) als bedeutende Kükenprädatoren festgestellt worden.
Aktives und passives Prädationsmanagement
Der Einfluss von Prädatoren auf die Bestände von Wiesenvögeln kann auf verschiedene Weise beeinflusst und reduziert werden. Voraussetzung für ein sinnvolles Prädationsmanagement ist eine genaue Kenntnis der wesentlichen vorkommenden Prädatoren und eine wohlüberlegte Ausrichtung der Maßnahmen auf bestimmte Zielarten (Langgemach & Bellebaum 2005, NLWKN 2024).
Das Prädationsmanagement beinhaltet laut Brüning et al. (2021) ein Monitoring der Prädation sowie ein aktives und ein passives Prädatorenmangagement. Zum Prädationsmonitoring werden an ausgewählten Nestern Wildkameras eingesetzt, um den Brut- und Schlupferfolg zu dokumentieren. Laut Salewski (2022) begünstigen die Wildkameras die Prädation nicht, sondern führen sogar eher zu misstrauischem Verhalten der Prädatoren. Allerdings ist insbesondere hinsichtlich der Lernfähigkeit von Füchsen oder Rabenvögeln unklar, ob dieser Befund verallgemeinert werden kann.

Häufig verwendete Falle für Füchse ist die Betonröhrenfalle
Mit aktivem Prädatorenmanagement ist die gezielte Tötung von Beutegreifern wie Fuchs, Marder, Waschbär oder Wiesel gemeint. Diese erfolgt durch alle verfügbaren Jagdmethoden wie Baujagd, Ansitz-, Treib- und Fallenjagd (u.a. NLWKN 2024). Der Einsatz von Lebendfallen, in denen die Tiere dann getötet (oder im Fall von Nicht-Zielarten freigelassen) werden, bildet oft den Schwerpunkt.
Im Rahmen der EU-geförderten LIFE-Projekte zum Schutz der Wiesenvögel in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, sowie im Bremer Blockland, wurde jeweils eigens für das Prädatorenmanagement ein Berufsjäger eingestellt (Brüning et al. 2021, Eickhoff 2022, Henke & Schoppenhorst 2022). Dieser ist vor allem für die Koordination der Prädatorendezimierung verantwortlich, die Ausführung erfolgt überwiegend durch die lokalen Hobbyjäger. Im LIFE-Projekt Wiesenvögel NRW wurden bis November 2022 insgesamt 108 Fallen zum Fang und zur Tötung von Beutegreifern aufgestellt. Darüber hinaus werden Füchse im Rahmen des Projektes durch viele verschiedene Methoden bejagt, unter anderem auch durch Baujagd und die Tötung von Welpen am Bau (Eickhoff 2022). Die grausamsten und ethisch umstrittensten Jagdmethoden kommen hier im Namen des Artenschutzes und bei durch Steuergelder finanzierten Projekten zum Einsatz.
Die Reduktion von Prädatoren kann zu einer Zunahme anderer Prädatoren aufgrund der wegfallenden Konkurrenz führen, z. B. Zunahme des Iltisses aufgrund der Reduktion des Fuchses (Theunissen et al. 2021). Roodbergen (2022) kritisiert das aktive Prädatorenmanagement aufgrund der Langzeitfolgen für das Ökosystem unter anderem durch den schnellen Ersatz der entnommenen Prädatoren durch andere Prädatorenarten (Nachzieheffekt). Nach ihrer Aussage lässt sich durch aktives Prädatorenmanagement bestenfalls ein leichter Rückgang der Prädationsrate erreichen. Bestätigt wird der Nachzieheffekt von Barkow (2022), der das aktive Prädatorenmanagement als Daueraufgabe bezeichnet und in seinem Vortrag eine Karte des Ochsenmoores am Dümmer präsentierte, in der etwa 200 Standorte von Wieselfallen zu sehen waren. Wegen der Dezimierung der Füchse hatten sich die Wiesel vermehrt und die Rolle der fehlenden Füchse übernommen.
Am Dümmer und an der Unterelbe ist nach Aussage von Barkow et al. (2021) die Überlebenswahrscheinlichkeit der Gelege und Küken soweit gesteigert worden, dass die Bestände stabil sind oder zunehmen. Allerdings wird dabei nicht der Effekt der dort erfolgten lebensraumverbessernden Maßnahmen von der Wirkung des Prädatorenmanagements getrennt betrachtet. Somit bleibt unklar, ob die Prädatorenbekämpfung einen Effekt auf die Wiesenvogelbestände ausübt.
Hinweise für einen höchstens geringen Effekt der Prädatorendezimierung geben auch Henke & Schoppenhorst (2022) auf einer im Vortrag gezeigten Folie zur Entwicklung des Reproduktionserfolges der Wiesenvögel im Bremer Blockland. Das Prädatorenmanagement zeigt in der Grafik keinen erkennbaren Einfluss auf den Bruterfolg, die Bestandzunahme der Wiesenvögel ist somit offensichtlich weitgehend auf die durchgeführten Wiedervernässungen zurückzuführen. Die Grafik wurde nach aktuellem Kenntnisstand nie veröffentlicht.
Für einen bestenfalls schwachen Effekt auf den Bruterfolg der Wiesenvögel werden also in vielen deutschen Schutzgebieten mit hohem Kosten- und Zeitaufwand große Mengen an Tieren getötet und Ökosysteme aus dem Gleichgewicht gebracht. Das gezielte Dezimieren von Beutegreifern scheint ein weitgehend deutsches Phänomen zu sein, das weniger aus rationalen Überlegungen, sondern vielmehr aus dem Einfluss der Jagdlobby hervorgegangen ist. Wie weit dieser Einfluss reicht, zeigt sich im Bremer Blockland, wo der BUND als großer Naturschutzverband gemeinsam mit einem Berufsjäger aktives Prädatorenmanagement betreibt (Henke & Schoppenhorst 2022).
Passives Prädatorenmanagement ist die nicht-letale Einwirkung auf die Prädationsrate. Dazu sind verschiedene Maßnahmen möglich, dazu Beispiele:
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Maßnahmen der Lebensraumgestaltung (vgl. u. a. Langgemach & Bellebaum 2005):
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Hohe Wasserhaltung, Wiederherstellung oder Nachahmung der natürlichen Wasserverhältnisse, was zur Reduzierung der Kleinsäugerdichte führt. Langgemach & Bellebaum (2005) bezeichnen die Kleinsäugerdichte als Schlüsselfaktor für die Prädationsrate. Flächen mit hohen Kleinsäugerbeständen sind für Füchse und andere Mäusejäger attraktiv und damit einem hohen Prädationsrisiko ausgesetzt. Da Wühlmäuse in nassen Flächen kaum oder keine Baue anlegen können, sind diese für Füchse wenig attraktiv und bergen entsprechend ein deutlich geringeres Prädationsrisiko als trockenere mäusereiche Flächen.
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Reduktion von Habitatstrukturen, die Vorkommen von Prädatoren begünstigen (z. B. Altgrasstreifen, Gehölze), was sich allerdings negativ auf die Artenvielfalt auswirken kann und in vielen Fällen daher kritisch ist.
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Aushagerung, Nährstoffreduktion
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Beseitigung/Entschärfung von lokalen Nahrungsquellen für Prädatoren wie jagdliche Kirrungen, Fütterungen, Komposthaufen, Mortalitätsschwerpunkten von Tieren (Kadaver) wie Straßen oder Freileitungen
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Schaffung von Strukturvielfalt und Blütenreichtum zur Förderung der Insektendichte – gut genährte Küken wachsen schneller und sind deshalb weniger lange prädationsgefährdet (vgl. Salewski 2022)
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Einzäunung durch mobile Elektrozäune
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Einzäunung einzelner Nester oder Einzäunung größerer Flächen mit mehreren Brutpaaren
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Die Einzäunung von Bruten wird von Roodbergen (2022) als effektivste Schutzmaßnahme bezeichnet, auch wenn sie nur die Gelegeprädation und nicht die Kükenprädation reduzieren kann
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Empfohlen wird ein sechslitziger Elektrozaun mit Litzen in 10 cm, 20 cm, 30 cm, 40 cm, 65 cm und 90 cm Höhe, die Gefahr des Verfangens von Tieren ist geringer als in einem Netzzaun. Füchse werden zuverlässig ausgeschlossen, Wiesel werden jedoch nicht aufgehalten (Heese & Kunigk 2022)
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Durch Einzäunung und die dadurch erreichte Fernhaltung von Bodenprädatoren wie Fuchs oder Waschbär konnten die Schlupferfolge vielerorts deutlich gesteigert werden. Im LIFE-Projekt in NRW werden Schlupferfolge von bis zu 90 % für eingezäunte Brutplätze von Wiesenbrütern angegeben (Brüning et al. 2021). In Schleswig-Holstein wurde durch Einzäunung ein bis zu 2,4mal höherer Bruterfolg im Vergleich zu Kontrollgebieten erreicht (Meyer et al. 2017). Die Überlebenswahrscheinlichkeit eingezäunter Gelege war dort etwa viermal so hoch wie bei Gelegen ohne Zäunung (Meyer & Jeromin 2017). Somit kann die Einzäunung von Brutplätzen durch eine Steigerung des Schlupferfolges deutlich zu einer Steigerung des Bruterfolgs beitragen.
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Quellen
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Barkow, A., C. Peerenboom, C. Marlow, T. Gibmeier & H. Belting (2021): Wiesenvogelschutz mit LIFE-Förderung in Niedersachsen. Der Falke Sonderheft 2021: Vögel im Grünland, S. 64-69.
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Boschert, M., V. Salewski, V. Auernhammer, L. Krahn, H. Jeromin & N. Meyer (2021): Erhöhte Embryonensterblichkeit beim Brachvogel: Neues Problem beim Wiesenvogelschutz? Der Falke Sonderheft 2021: Vögel im Grünland, S. 70-72.
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Brüning, I., B. Beckers & S. Klostermann (2021): LIFE-Projekt zum Schutz der Wiesenvögel in Nordrhein-Westfalen. Der Falke Sonderheft 2021: Vögel im Grünland, S. 58-63.
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Dürr, T. (2023): Vogelverluste an Windenergieanlagen in Deutschland. Dokumentation aus der zentralen Datenbank der Staatlichen Vogelschutzwarte im Landesamt für Umwelt Brandenburg, Stand 09.08.2023, Abrufdatum 12.02.2025.
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Eickhoff, E. (2022): Aktives und passives Prädatorenmonitoring und -management im LIFE-Projekt Wiesenvögel NRW. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein.
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Gedeon, K., C. Grüneberg, A. Mitschke, C. Sudfeldt, W. Eikhorst, S. Fischer, M. Flade, S. Frick, I. Geiersberger, B. Koop, M. Kramer, T. Krüger, N. Roth, T. Ryslavy, S. Stübing, S. R. Sudmann, R. Steffens, F. Vökler und K. Witt (2014): Altlas Deutscher Brutvogelarten. Stiftung Vogelmonitoring und Dachverband Deutscher Avifaunisten, Münster.
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Glutz von Blotzheim, U.N., K.M. Bauer & E. Bezzel (1986): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 7 Charadriiformes (2. Teil)
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Grüneberg, C., S.R. Sudmann sowie J. Weiss, M. Jöbges, H. König, V. Laske, M. Schmitz & A. Skibbe (2013): Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens. NWO & LANUV (Hrsg.). LWL-Museum für Naturkunde, Münster.
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Heese, S. & M. Kunigk (2022): Erfahrungsbericht zum Prädationsmangement mit verschiedenen Zauntypen. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein.
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Henke, M. & A. Schoppenhorst (2022): Praxiserfahrungen eines nunmehr 10-jährigen Prädationsmanagements zum Wiesenvogelschutz im Bremer Blockland. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein.
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Herrmann, C. (2021): Renaturierung, Flächenmanagement und Prädatorenkontrolle an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns: Hoffnung für die Küstenvögel? Der Falke Sonderheft 2021: Vögel im Grünland, S. 16-19.
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Komitee gegen den Vogelmord (2025): https://www.komitee.de/de/projekte/frankreich/vogeljagd-in-frankreich/ (Abrufdatum 24.01.2025)
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Kruckenberg, H. (2023): Wo überwintern die Brachvögel Nordwestdeutschlands? Jagd in Frankreich: Der „neugierige Vogel“ in Gefahr. Der Falke 8/2023, S. 24-29.
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LAG VSW (Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten) (2015): Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten (Stand April 2015). Berichte zum Vogelschutz Band 51, S. 15-42.
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Langgemach, T. & J. Bellebaum (2005): Prädation und der Schutz bodenbrütender Vogelarten in Deutschland. Vogelwelt 126: 259-298.
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Meyer, N., H. Hötker & H. Jeromin (2017): Schutzgebietssystem für Brachvögel in Schleswig-Holstein. Endbericht November 2017. Michael-Otto-Institut im NABU, Bergenhusen.
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Meyer, N. & H. Jeromin (2017): Gelegeschutzmaßnahmen beim Großen Brachvogel 2017. Endbericht November 2017, Bericht für KUNO e. V. Michael-Otto-Institut im NABU, Bergenhusen.
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MUNV & LANUV NRW (2014): Leitfaden Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen.
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NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, Staatliche Vogelschutzwarte) (2024): Wiesenvogelschutzprogramm Niedersachsen – Entwurf Stand Juni 2024. Baustein V: Integriertes Prädatorenmanagement.
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Roodbergen, M. (2022): Predation problems and protection: an international perspective. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein.
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Rudolph, B.-U. & W. Einsiedler (2019): Mauserplätze des Großen Brachvogels Numenius arquata in Bayern. Ornithol. Anz. 57, S. 186-197.
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Salewski (2022): Telemetrie von Uferschnepfenküken in Schleswig-Holstein. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein.
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Svensson, L., K. Mullarney & D. Zetterström (2011): Der Kosmos-Vogelführer.
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