Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen
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- Jagdhündin Wessna, eine selbstfliegende Dose und der Dorf-Sheriff
In Bodenbach alarmierte mich eines Tages lautes „Geschrei“. Es war ein Reh, an dessen Po sich ein kleiner Jagdhund festgebissen hatte. Den konnte ich verscheuchen, das Reh sank vor mir schwer verletzt zu Boden. Herumtelefoniert, um zu erfahren, wer zuständig ist. Der Dorfwirt (ihm „gehörte“ die Jagd) kam recht bald, ich führte ihn zu dem Tier - und ohne auch nur ein Wort mit mir zu sprechen, nahm er seine Flinte und erschoss es. Das hat mir echt den Rest gegeben. Ich dachte, er hilft mir, das Reh zum Tierarzt zu bringen. Danach, während er’s einlud, um es vermutlich in seiner Restaurantküche zu „verarbeiten“, murmelte er etwas von jungem, noch nicht voll ausgebildetem Hund. An dem Tag wurde eine große Treibjagd auf der anderen Seite des Berges veranstaltet. Kollateralschaden nennt man so etwas wohl? Unmöglich. Aber lieber nicht zu tief graben. Tasso, ein wunderschöner Dogge-Schäfer-Mix, mit dem ich mehrere tausend Kilometer durch Frankreich trampte, wurde - wieder daheim bei seinen Leuten - während des Sonntagsspaziergangs erschossen. Er tollte nur auf einer Wiese herum. So ein Dödel hockte auf seinem Hochsitz am Waldrand und ballerte. Ich bück mich über einen Bach, um zu trinken, wirklich ein heißer Sommer, Wessna lässt sich mit Anlauf direkt vor mir ins Wasser plumpsen. Die Ironie? Mir stockte fast der Atem, als ich Jahrzehnte später mit der Jagdhündin Wessna abends im Dämmerlicht auf den Revierförster traf. Sie war ja nie angeleint, lief im Wald voraus, musste ihm vor mir begegnet sein. „Oh danke, danke, dass Sie Wessna nicht erschossen haben!“ „Wie kommen Sie denn auf die Idee? Sehe ich doch, welch' edles Tier sie ist. Nein, niemals.“ Hund mit Abitur halt und einer gnadenlosen Erziehung. Einmal im Jahr - Jäger-Herrchen im Urlaub - ging sie drei Wochen zur Schulung, Auffrischung der „Abrichtung“. Danach war Wessna komplett durch den Wind, fix und fertig. Zuletzt, mittlerweile bewährte „Hunde-Führerin“, durfte ich dabei sein, um sie von diesem Jagdhundezüchter-Sommerlager abzuholen. Wessna ignorierte ihre Besitzer, wollte unbedingt auf meinen Schoß, drückte sich zitternd an mich. Stromstöße per Funkleine usw., einfach schrecklich. Ohne Unterschiede machen zu wollen, aber ein äußerst sensibles Tier trifft’s besonders hart. Als Vorstehhündin hatte man ihr - gewiss auch über Strom - das Bellen bzw. jeglichen Laut abtrainiert. Wild durfte sie nur schweigend mit erhobener Pfote anzeigen. Wir waren schon drei Jahre täglich gemeinsam im Wald unterwegs, als an einem Abend „Gefahr“ drohte. Über den Weg flatterte nach getaner Arbeit das rot-weiße Absperrband der Holzfäller. Wessna blieb wie angewurzelt stehen. „Ach, das ist doch nur Plastik!“ Ich lief darauf zu, und im Moment vor’m Berühren kam ein unglaublich tiefes, einmaliges „Wuff“: „Fass es nicht an!“ Wow, was für eine Stimme! Nie vorher gehört. Eben, mit 12 Jahren, setzte sie sich über ihre unbarmherzige Erziehung hinweg, gab zum ersten Mal Laut, um mich zu warnen. Eine veritable Liebeserklärung, nicht wahr? Zuletzt verbrachte Wessna jedenfalls eine sehr glückliche Zeit. Tiere sind durchaus Ironie-fähig. Sie rannte einen Hang hoch, um den Schlafplatz von Rehen oder Wildschweinen abzuschnüffeln, ich rief im Weitergehen: „Was ist? Willst du da oben überwintern?“, schon kam sie kichernd angesaust. „Nee, ich komme lieber mit.“ Über die „selbstfliegende“ Dose kriegte sie mich dran. Ihr das rostige Ding weggenommen und die Böschung runter gekickt. Auf dem Rückweg lag die Dose wieder da. Am nächsten Morgen, Abend auch … „Glaubst du, ich könnte nicht auf hundert Meter riechen?“ Wessna holte sie rauf, ließ die Büchse schelmisch fallen, wenn ich an die Stelle kam, war sie längst weiter. Die Leidenschaft für Schlammbäder ein einziger Schabernack. „Ich verdurste, kann kaum noch laufen, muss unbedingt an der Pfütze dort etwas trinken“ - ausnahmsweise wegen ihrer Sauereien angeleint. „Gut, aber nur einen Schluck vom Rand aus.“ Kurzer Ruck an der Leine, Hund lag lachend mitten im Schlammloch. Ich bück mich über einen Bach, um zu trinken, wirklich ein heißer Sommer, Wessna lässt sich mit Anlauf direkt vor mir ins Wasser plumpsen. Von jetzt auf gleich Hinken, irgendetwas in die Pfote getreten, untersucht, keinen Splitter gefunden. „Gut, tragen kann ich dich nicht, du wartest jetzt hier, ich laufe nach Hause und hole das Auto.“ Hund schlagartig gesund. Einmal begegnete uns der Dorfsheriff, Montagmorgen um sieben auf Patrouille - im Wald. „Der Hund ist nicht an der Leine, gefährlich für Spaziergänger.“ „Ach, sehen Sie hier jemanden außer uns? Noch dazu handelt es sich um eine Jagdhündin, sie interessiert sich null für Menschen.“ Falsche Antwort: „Wenn ich Sie noch einmal erwische, sind Sie mit 50 DM dabei“. Er fuhr weiter, ich entschuldigte mich bei Wessna: „Wir brauchen die Leine, der Idiot bringt’s fertig und dreht um.“ Es war fürchterlich, sie wurde in der Sekunde schwer depressiv, schleppte sich dahin, ließ sich schließlich fallen. Kein Zerren und Schimpfen half. „Na gut, dann zahle ich die Strafe halt.“ Noch vor Lösen der Leine war die Lady quietschfidel. Eine beeindruckende Persönlichkeit mit viel Sinn für Humor. Extra für sie einen Wildbach gestaut, damit wir nach ihren Schlammexzessen sauber nach Hause kamen. Jeden Morgen machte sie mir grinsend den Damm aus Steinen kaputt. Kriegte dafür ihrerseits die Krise, wenn wir Verstecken spielten, ich mich hinter einem Baum oder im hohen Gras verbarg. Trotz ihrer Spürnase fand sie mich nie, verzweifelte daran. Allerdings, was sich so leicht/locker anhört, besonders Wessnas Gehorsam, fußte auf 'ner Art intimer Kommunikation. Wir hatten einen recht kurz getimten Rhythmus - ohne Uhr. Sie konnte vorauslaufen, aber mehr als zwei Minuten ohne Kontakt waren tabu. Und wenn ich stehen blieb, keine Ahnung, wie sie’s merkte, kam sie ohnehin sofort zurück, bewegte sich erst wieder, sobald ich weiterging. Im Gegenzug rief ich die Hündin nie, wenn sie unmittelbar eine Fährte aufgenommen hatte, beobachtete ihre Körperspannung. Beim ersten winzigen Nachlassen kam der leise Pfiff (ohne Hundepfeife), „unser“ Dreiklang. Sie warf sich pronto herum, rannte zu mir: „Ja bitte? Hier bin ich.“ Wir wurden wohl öfter von Wanderern beobachtet, die uns eher nicht auffielen. Sie zeigten sich schwer beeindruckt von einem Hund, der so subtil reagiert. Irgendwas war schon dran, denn ihr Jägerherrchen wagte es kaum, Wessna im Wald von der Leine zu lassen oder brauchte ständig den hohen Piepton der Pfeife. Wir beide liebten (und respektierten) uns eben, jeder achtete auf den anderen. Mehr GuteNachtGeschichten finden Sie hier
- 30 tote Jäger, Ehefrauen, Nachbarn in 2017
Bei Jagdunfällen und kriminellen Gewalttaten durch Jäger kamen 2017 in Deutschland mindestens 31 Menschen ums Leben. Weit mehr, als beispielsweise durch den Wolf in ganz Europa in den letzten 70 Jahren. Die Recherche basiert auf der Dokumentation von Zeitungsberichten durch die Initiative zur Abschaffung der Jagd. Es ist anzunehmen, dass die Dunkelziffer noch höher ist. „Während durch Teile der Jägerschaft und durch viele Medien jede Annäherung eines Wolfes an bewohntes Gebiet als Horrorszenario aufgebauscht wird, sollte man vielleicht einmal darüber nachdenken, wie man dem „Gefahrenpotential Hobbyjäger“ beikommt, um die Unversehrtheit von jährlich 30 bis 40 Menschen zu gewährleisten“, meint Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland. Jedes Jahr über 30 Tote bei Jagdunfällen oder kriminelle Handlungen durch Jäger. Bild: Eilert Voss Nachfolgend eine Auswahl von Presseberichten zu Todesfällen von oder durch Jäger (vollständige Aufstellung seit 2002 hier): 14.12.17: Tödlicher Jagdunfall bei Treibjagd Bei einer Treibjagd in Hessen hat sich ein 76-jähriger Jäger offenbar aus Versehen selbst erschossen. (Jagdunfall: 76 Jahre alter Mann im Heppenheimer Stadtwald getötet. Bürstädter Zeitung, 14.12.2017) 4.12.17: Angeschossenes Wildschwein tötet Jäger Bei einer Treibjagd nahe Greifswald wurde ein Jäger, der ein Wildschwein angeschossen hatte, von dem Tier getötet. (Pressemeldung der Polizeiinspektion Anklam, 4.12.2017) 2.11.17: Jäger erschießt Frau und sich Ein über 80-jähriger Jäger hat in Sachsen erst seine schwer kranke Frau erschossen, dann sich selbst. (Familientragödie mitten im Dorf. Freie Presse, 2.11.2017) 1.11.17: 81-jähriger Jäger bei Jagd erschossen Bei einer Treibjagd mit mehr als 60 Jägern im Harz ist ein 81-jähriger Jäger erschossen gefunden worden. (Jäger im Wald bei Ballenstedt erschossen. Volksstimme, 1.11.2017) 30.10.17: Tödlicher Jagdunfall Ein 61-jähriger Jäger wurde im Landkreis Rostock nach einem Sturm unter einem umgestürzten Hochsitz tot gefunden. (Sturm stürzt Hochsitz um: Jäger tot aufgefunden. Ostsee-Zeitung, 30.10.2017) 26.10.17: 73-Jähriger erschießt Ehefrau und sich Ein 73-Jähriger hat im Kreis Olpe erst seine Ehefrau und dann sich selbst mit einer Langwaffe erschossen. (Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Siegen, der KPB Olpe und des PP Hagen, 26.10.2017) 17.10.17: Prozess - Jäger erschießt Ehefrau Ein 63-jähriger Jäger hat vor dem Landesgericht in Halle gestanden, dass er seine Frau mit einem Schuss in den Kopf tötete. Trotz einer »halluzinatorischen paranoiden Psychose« habe er mehrere Waffen besessen. (Jäger gesteht, Ehefrau erschossen zu haben. Mitteldeutsche Zeitung, 17.10.2017) 13.6.17: Jäger erschießt sich aus Versehen selbst In Sachsen-Anhalt hat sich ein 76-jähriger Jäger aus Versehen mit seinem eigenen Gewehr erschossen. Der Schuss löste sich, als der Jäger mit der Waffe aus dem Auto ausstieg. (Schuss löst sich aus Gewehr - Jäger verblutet. Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, 13.6.2017) 19.5.17: Jäger erschießt Ehefrau mit Schrotflinte Ein Unternehmer und Hobbyjäger wurde vom Landgericht Bielefeld zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, weil er seine von ihm getrennt lebende Ehefrau erschossen hatte. (Frau mit Schrotflinte ermordet - Lebenslang für Ehemann. Rheinische Post, 19.5.2017) 18.5.17: Tödlicher Bauchschuss nach Kampf mit Reh Ein 67-jähriger Jäger wollte in Sachsen ein angeschossenes Reh mit einem Gewehrkolben erschlagen. Dabei löste sich ein Schuss und traf den Jäger tödlich in den Bauch. (Jäger starb nach Kampf mit angeschossenem Rehbock. tag24.de, 18.5.2017) 11.5.17: Hobbyjäger erschoss Ehefrau In Sachsen-Anhalt hat ein 63-jähriger Hobbyjäger seine Frau erschossen und anschließend die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Die Polizei fand die Leiche der 56-jährigen Frau und den Mann mit einer schweren Schussverletzung. Laut Staatsanwaltschaft soll er in seiner Freizeit zur Jagd gegangen sein. (Tötete Mann die eigene Ehefrau? BILD, 11.5.2017) 8.5.17: Nachbarin und sich selbst erschossen Ein 61-Jähriger hat im Saarland seine Nachbarin erschossen. Vorausgegangen war offenbar ein Streit um den Hund der Frau. Als die Frau zur Arbeit fahren wollte, kam ihr Nachbar mit einem Gewehr auf sie zu und schoss. Anschließend flüchtete der Täter in einen nahe gelegen Wald und erschoss sich dort selbst. Laut Polizei besaß er einen Waffenschein für zwei Kurz- und zwei Langwaffen. (Streit um Hund endet tödlich. Saarbrücker Zeitung, 8.5.2017 · Tödlicher Streit um Hunde-Gebell. BILD, 9.5.2017) 7.4.17: 88-Jähriger erschießt Ehefrau und sich In Augsburg hat ein 88-Jähriger zuerst seine Ehefrau erschossen und sich danach selbst getötet - laut Polizei eine »Verzweiflungstat«. Ob es sich um einen Jäger oder um einen Schützen handelte, wurde nicht bekannt. (Mann erschießt Ehefrau und tötet sich selbst. Augsburger Allgemeine, 7.4.2017) 3.4.17: 80-jähriger Jäger mit Kopfschuss im Wald Ein 80-jähriger Jäger ist in einem Waldstück im Kreis Oberhavel) mit einem Kopfschuss tot aufgefunden worden. Laut Polizei könne eine Fremdeinwirkung Dritter ausgeschlossen werden. (Märkische Oderzeitung, 3.4.2017) 7.1.17: Mann und Frau mit Schussverletzungen - beide tot Familiendrama in Arnstein (Lkr. Main-Spessart): Ein Hausbewohner hat zwei Familienangehörige, einen Mann und eine Frau, mit Schussverletzungen leblos in der Wohnung gefunden, an denen sie später im Krankenhaus starben. Laut dem Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken habe sich die Tatwaffe legal im Haus befunden. Ob ein Familienmitglied die Schusswaffe als Jäger oder als Sportschütze besessen hat, wurde nicht bekannt. Der Landkreis Main-Spessart ist ländlich geprägt und eine Jägerhochburg. (Mann und Frau schweben weiter in Lebensgefahr. BR, 7.1.17. · Zweites Opfer nach Arnsteiner Familiendrama gestorben. Merkur, 2.3.2017)
- Bewegungsjagden im Winter verursachen Waldschäden
Bei Bewegungsjagden im Wald treiben meist viele Dutzende Helfer mit ihren Hunden großräumig das Wild aus den Einständen den auf Hochsitzen oder vorgesehenen Platzierungen wartenden Jägern zu. Diese Art der Gesellschaftsjagd, auch Drückjagd genannt, hat das Ziel innerhalb kurzer Zeit möglichst viele Wildtiere zu töten und dadurch unter anderem den Verbiss insbesondere von jungen Pflanzen zu reduzieren. Durch die erhebliche Beunruhigung des gesamten Wildes einer betreffenden Region wird allerdings häufig das Gegenteil erreicht. Unabhängig von der Witterung stellen große Säugetiere wie das Rehwild, Hirsche und Wildschweine ab Januar ihren Verdauungsapparat auf einen „Energiesparmodus“ um. Das hat die Natur so vorgesehen, um im Winter das karge Nahrungsangebot zu kompensieren. Die Stoffwechselaktivität wird reduziert, Körpertemperatur und Pulsfrequenz werden abgesenkt. Die Tiere nehmen dann wenig Nahrung auf und reduzieren entsprechend den Energieverbrauch. Bei Drückjagden kommt es durch flüchtende Rehe oder Wildschweine häufig zu Unfällen, Chaos durch flüchtende Tiere in Innenstädten oder, wie in diesem Fall, dazu, dass ein Reh im dünnen Eis einbricht. Störungen des in der Winterruhe befindlichen Wildes durch großräumige Jagden in den ersten Monaten des Jahres können fatale Folgen haben – für das Wild wie für den Waldbesitzer. So bestätigt unter anderem der Arbeitskreis Wildtiere und Jagd der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, dass sich durch energiezehrende Fluchten die Energiebilanz der Tiere verschlechtert und durch zusätzliche Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden muss. Daraus ergibt sich ein direkter Zusammenhang zwischen Jagd und Verbiss- oder Schälschäden. Stressende Jagden nach der Umstellung der Verdauung im Januar bewirken trotz der Dezimierung der Anzahl der Wildtiere drastisch steigende Schäden im Wald. Kommen Schneelagen hinzu, treten - insbesondere, wenn der Schnee verharscht ist - häufig Verletzungen an den Läufen des Wildes und der beteiligten Hunde auf. Zumindest für das Wildtier ist damit eine weitere Gefahr für sein Leben gegeben. Hirschkühe mit ihren Kitzen auf Flucht durchs seichte Wasser. Bild: Michael Hamann Die von den großen staatlichen Forstämtern und Waldbesitzern wie Thurn und Taxis propagierten Drückjagden folgen der „Wald-vor-Wild“-Ideologie, sind aber letztlich genauso wenig nachhaltig im Sinne der Reduzierung von Wildtierbeständen, wie jede andere Form der Jagd in Deutschland. Besonders tierschutzrelevant ist darüber hinaus die Tatsache, dass bei eben diesen Jagden, bei welchen Wildschweine und Rehe häufig auf der Flucht, also in der Bewegung beschossen werden, bis zu 60 % der Tiere schwer verletzt werden, bevor sie im Wald qualvoll sterben oder nach oft vielen Stunden von einem Nachsuchegespann erlöst werden. Was bei Drückjagden falsch läuft, lesen Sie hier
- Nur jeder dritte Schuss ist tödlich
Schuss – und tot. Das wäre nach der Definition der Jäger weidgerecht. Doch die Realität sieht häufig anders aus. Insbesondere dann, wenn sich das Ziel bewegt. So berichtet die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT), dass bei untersuchten Drückjagden auf Wildschweine in Hessen nur etwa ein Drittel mit Blattschuss erlegt wurden. Mehr als 60 % der Tiere hatte man dagegen entweder den Kiefer weggeschossen, ein Bein zersplittert oder mit Bauchschuss oder am Rückenmark schwer verletzt. Besonders kritisch sei auch das Schießen auf Rehwild im Rahmen von Bewegungsjagden. Denn flüchtende Rehe könnten aufgrund ihrer arttypischen Bogensprünge nicht sicher getroffen werden. Schüsse ins Gesicht, in die Schenkel oder in den Bauch werden hingenommen. Bild: Detlef Hinrichs Ein Nachsuchenführer – das sind die, die für ungeübte, schlecht schießende Jäger die Drecksarbeit machen und angeschossene Tiere suchen, um diese von ihren Qualen zu erlösen – bestätigt: „Bei den meisten Schüssen auf Drückjagden werden Äser-, Gebrech- und Keulenschüsse einfach in Kauf genommen (Anm. Äser bzw. Gebrech ist die Bezeichnung für das Maul von Reh, Hirsch oder Wildschwein). Bei den heute üblichen Bezahljagden in den Forsten erlebt man die übelsten Aasjäger." Auch beim Deutschen Landwirtschaftsverlag erfährt man, dass bei Bewegungsjagden nur 25 – 30 % der Tiere durch Blattschuss erlegt werden. „Viele der angeschossenen Tiere werden auch bei Nachsuchen nicht aufgefunden – wenn diese überhaupt durchgeführt werden", erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland, „denn viele Jäger verheimlichen den Mitjägern mögliche Fehlschüsse, während schwer verletzte Tiere irgendwo im Dickicht verbluten oder verhungern." Die Anzahl der Bewegungsjagden hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Waldbesitzer, Bauernverbände und politisch Verantwortliche in den Ministerien fordern intensiv gegen die vermeintlichen „Waldschädlinge" vorzugehen. Im Rahmen einer vermeintlichen Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest – die in Deutschland noch gar nicht angekommen ist – werden sogar Schonzeiten aufgehoben und Prämien gezahlt. Bei der Jagd auf Wildschweine gibt es bereits seit über zwei Jahrzehnten keine Tabus mehr. Bild BSP, Wildtierschutz Deutschland Eigentlich ist das aber nichts Neues: bei der Jagd auf Wildschweine gibt es bereits seit über zwei Jahrzehnten keine Tabus mehr. Die Zahlen kontinuierlich steigender Abschüsse zeigen eindeutig, dass die Jagd auf Wildschweine nicht funktioniert, möglicherweise sogar kontraproduktiv ist. Je intensiver die Jagd ist, desto mehr Wildschweine gibt es in den jeweiligen Folgejahren. Die Realität wird insbesondere seitens der Politik ausgeblendet, unsägliche Tierquälereien in Kauf genommen. Großräumig - selbst während der Winterruhe - wird das gesamte Wild beunruhigt. Der Schütze selbst ist vollkommen überfordert: Innerhalb von Sekunden muss er entscheiden, ob es sich beim flüchtenden Tier um ein weibliches Reh oder ein Schmalreh (junges Tier), um einen abgeworfenen Rehbock (Rehbock ohne Gehörn) oder um Rehkitze handelt, eine Leitbache oder einen nicht (Nachwuchs) führenden Überläufer. Fehlschüsse sind vorprogrammiert. Dazu der Erfolgsdruck und … das eigene Unvermögen, das flüchtende Tier zielsicher zu treffen. Regelmäßige Schießnachweise werden von Jägern häufig nicht gefordert. Die Wenigsten nutzen entsprechende Angebote, ihre Treffsicherheit zu trainieren. Lesen Sie auch: Die Totmacher
- Brekkis sind out - Weihnachtsgeschichte mal anders
Vor gewissen Geschenken sollte man sich hüten. Dazu zählt etwa ne zwei Meter hohe, besonders kräftig gebaute Nordmann-Tanne - ohne mitgeliefertes Personal. Ein Ding der Unmöglichkeit bzw. eine stundenlange Schlacht, den Baum durch die Wohnung zu schleppen, anzupassen und aufzurichten. Zwischenstand: Verschwitzt und verharzt. Dabei handelte es sich bei Baum im Lot doch nur um die erste Etappe. Nebenschäden mal ausgeklammert. An diesem Heiligabend war’s jedenfalls arg spät, bis die Kerzen endlich brannten und ich einfach nur auf den nächsten Stuhl sank. Jakob hatte die ganze Zeit über zugeschaut, scheinbar desinteressiert oder gelangweilt. Aber in dem Moment, als das Werk „vollbracht“ war, sprang er auf meinen Schoß. … Und ich fing unwillkürlich an, meinem Kater die Weihnachtsgeschichte zu erzählen. In epischer Breite. So, wie ich sie selbst noch nie gehört hatte. „Du musst dir das mal vorstellen, es gab ja damals keine Autos. Maria und Josef waren sehr arm, konnten sich weder Kutsche noch einen Eselkarren leisten. Hochschwanger 70 Kilometer von Nazareth nach Bethlehem zu Fuß. Durch’s Gebirge auf schmalen Pfaden. Zu der Zeit lebten gar dort noch große Raubkatzen.“ Bild: Maria Shanina, Unsplash Jakob seufzte, ließ mich weiter reden. Die Ablehnung des Paares in der Herberge fand er wenig skandalös, eigentlich döste er permanent schnurrend auf meinem Schoß. Bis zu dem Moment, als es um den Stall und die dort Anwesenden ging. „Sie mussten in den Stall ausweichen, weil sie nirgends sonst Platz fanden. Außer Maria und Josef, dem Jesuskind waren dort nur ein Ochse und ein Esel.“ Das „schlafende“ Tier schoss hoch und funkelte mich wütend an. „Oh, du hast Recht, kein Stall ohne Katze, vermutlich waren gar deine Ahnen dabei, bist als Kartäuser ja ein syrischer Bergkater.“ Zustimmendes Schnauben, er rollte sich wieder zusammen, die Geschichte nahm ihren Lauf. Bis zur nächsten Panne, Engeln, die auf dem Feld den Hirten erschienen. „Bitte, Jakob, das verstehst du wirklich nicht, Engel kann ich dir unmöglich erklären.“ Er richtete sich empört auf, schaute mir direkt in die Augen. Meine Überzeugung bekam merkliche Risse, Nachdenklichkeit. „Na klar, ich begreife es jetzt. Du kannst Engel sehen, aber ich nicht?“ Monsieur war sehr zufrieden mit meiner Erkenntnis, und ich durfte ohne jede Beanstandung von der Flucht nach Ägypten, den Sandstürmen auf dem Sinai berichten. Wir kamen gar noch bis zur Taufe im Tempel, dem greisen Simeon und seinem „Nunc dimittis“. Geschlagene zwei Stunden Weihnachtsgeschichte - das hätten sich die Besucher der Christmette kaum gefallen lassen. Die Kerzen waren derweil runtergebrannt und nichts wie zuvor. Mein Kater konnte Engel sehen. Ich beobachtete ihn fortan verstohlen, um vielleicht zu erkennen, wann genau. arrh ... komm einem syrischen Bergkater nicht mit Brekkis! Inzwischen ist Jakob längst bei den Engeln im Himmel, garantiert nicht in einer besonderen Abteilung für Katzen, wir wollen uns doch wiedersehen. Ironie des Schicksals: Vor dem diesjährigen Fest hält mich seine Lieblingsbeute auf Trab. Niederkunft an Heiligabend nicht ausgeschlossen. Sie heißt Teresia, also die Maus im Kofferraum meines Wagens. Zuerst ernährte sie sich wohl vom dort aufbewahrten Katzen-Trockenfutter. Mittlerweile haben wir uns durch diverse Alternativ-Angebote auf Ölsaaten, Nüsse, Käse geeinigt. Interessante Methode, mir zu erklären, dass Brekkies nun out sind. Teresia riss kleine Schnipsel von einer Zeitung und deckte das Katzenfutter damit komplett zu. Die liebevoll gerichtete „Wurfkiste“ lehnte sie allerdings bisher ab, bevorzugt zum Nestbau das Stroh einer ehemaligen Strand-Matte. Aber egal, wie man rechnet, Weihnachten ist als Termin sehr wahrscheinlich. Von 19 bis 21 Tagen Trächtigkeit lebt sie bereits 14 im Auto. Wenn man die Ankunftszeit mit einem kleinen Karton aus dem Keller assoziiert. Oder sie kann besonders gut springen, ist unbemerkt reingehopst. Irgendwann steht halt ein Auszug an, jetzt schon kaum noch Platz im Kofferraum vor lauter Mäuse-Brimborium. Das fehlte noch, Anfang 2018 zum Tierheim zu fahren: „Könnten Sie freundlicherweise die Familie der Minis aus dem Auto holen? Nein, Vorbesitzer unbekannt bis unwahrscheinlich. Eindeutig ohne Chip zugelaufen.“ Woher denn, so schrecklich darf die Weihnachtsgeschichte nicht enden. Wer weiß, vielleicht wird Teresia Benedicta ja mit jeder Futter-Lieferung zutraulicher, lässt sich samt Nachwuchs in einer warmen Nachbar-Scheune - Grassamen zuhauf - unterbringen. Weitere GuteNachtGeschichten gibt's hier
- Vatikan: „In der katholischen Kirche haben Tiere keinen Platz“
Wildtierschutz Deutschland hat diesen Artikel erstmals zu Weihnachten 2010 veröffentlicht. Er hat an seiner Aktualität leider nichts verloren. Maja Prinzessin von Hohenzollern ist Tierschutzbotschafterin Europäischer Tier- und Naturschutz e.V. (ETN). Immer wieder erfahren wir in unserer Tierschutzarbeit, wie grausam und brutal mit Tieren umgegangen wird. Besonders in Süd- und Osteuropa, also in den katholisch-orthodoxen Ländern, müssen wir immer wieder erleben, dass ausgesetzte Hunde und Katzen auf der Straße ihrem Schicksal überlassen werden, ohne Liebe und Fürsorge, meist Opfer von Hunger, herannahenden Autos oder brutaler Gewalt werden. So viele von ihnen werden geschlagen, eingesperrt, ein Leben lang an der Kette gehalten und misshandelt. Wie oft fand ich in Spanien schon Hunde und Katzen, denen man die Augen ausgestochen, die Schwänze oder die Ohren abgeschnitten hatte. Von den Tiertötungsstationen, den „Perreras", in denen jedes Jahr hunderttausende Tiere teils bei lebendigem Leib verbrannt werden, ganz zu schweigen. Die katholische Kirche spricht Tieren eine Seele und Anspruch auf Fürsorge ab. Bild: Dänische Kalenderkerze, Malene Thyssen Letztes Jahr beendeten wir mit dem ETN e.V. ein Hundemassaker in Rumänien, wo man circa dreihundert Hunden pro Tag mit dem Spaten den Schädel einschlug. Seit 2004 sind in Rumänien circa zehn Millionen (!) Straßenhunde auf brutale Weise ermordet worden. Ginge es um Menschen, würde man hier sicher von „Völkermord" sprechen. In Italien kämpfen wir gerade zusammen mit dem ETN e.V., Tasso e.V. und dem bmt e.V. gegen die entsetzlichen „Canili", in denen ca. 550.000 Hunde und Katzen auf engstem Raum in riesigen Lagerhallen zusammengepfercht sind und dort ohne medizinische Betreuung, verwundet, halb verhungert und ohne Zuwendung zugrunde gehen. In Ungarn und Polen kommen tausende Welpen zu Tode, die als billige „Wühltischware" im Akkord gezüchtet und viel zu früh von ihren Müttern weggerissen werden, um sie auf Wochenmärkten in Deutschland zu verhökern. Immer wieder suchen wir nach Ursachen, warum Menschen Tiere so grausam behandeln. Und tatsächlich findet man in der katholischen Kirche eine Ursache für den schlimmen Umgang mit Tieren in Süd- und Osteuropa. Die katholische Kirche spricht Tieren nämlich eine Seele und Anspruch auf Fürsorge ab. Sie degradiert sie damit zu einer gefühllosen Sache, und genauso werden die Tiere dann oft auch behandelt. Deshalb fordern wir „unseren" deutschen Papst (Anmerkung: seinerzeit Papst Benedikt XVI.), der eigentlich eine andere Herzensbildung in Bezug auf Tiere haben sollte, immer wieder dazu auf, endlich anzuerkennen, dass Tiere Teil der Schöpfung sind und selbstverständlich eine Seele haben. Würde er dies in nur einem Satz in seiner „Urbi et Orbi"-Rede sagen und seinen Priestern als Botschaft mit auf den Weg geben, dann könnte er Millionen Tieren das Leben retten. Wenn er wollte. Adam und Eva im Paradies - die katholische Kirche ist davon so weit entfernt, wie nie. Das Ölbild ist von Peter Wenzel (Karlsbad 1745 - Rom 1829), es hängt im Vatikanischen Museum Leider haben sich weder der Papst noch die vom ETN e.V. angeschriebenen sechszehn Bistümer in Deutschland zur Zusammenarbeit im Tierschutz bereit erklärt und sich auch nicht zum Wohle der Tiere geäußert. Stattdessen erhielten wir die Antwort aus dem Vatikan: „In der katholischen Kirche haben Tiere keinen Platz". Ein Satz wie ein Faustschlag und das Todesurteil für Millionen von Tieren. Möglicherweise hätten Tiere einen anderen Status, wenn sie Kirchensteuer zahlen würden. Dabei lässt sich eine Ethik, die den Tieren eigene Rechte gegenüber den Menschen zugesteht, biblisch begründen. Wir fordern die Kirche daher auf, endlich moralische Verantwortung für das zu übernehmen, wofür sie vorgibt, einstehen zu wollen, nämlich für alle Geschöpfe der Erde, so wie es unmissverständlich aus der Bibelschrift hervorgeht. Wenn ich in die Augen meiner Hunde schaue, die ich alle zehn aus den Fängen brutaler Tierquäler gerettet habe, dann weiß ich ganz bestimmt, dass sie eine Seele haben. Bei manchen Menschen bin ich mir jedoch nicht so sicher. Schließen Sie bitte unsere Tiere in Ihre Gebete mit ein, und denken Sie auch am Heiligen Abend an sie, denn sie gehören zu uns und bereichern unser Leben.
- Tod nach nur fünf Tagen in der Freiheit
Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch: Liebevoll hat Frank Demke den ganzen Sommer 2014 über die Fuchswaisen Jacky und Julchen in seiner kleinen Wildtierstation in Mecklenburg-Vorpommern aufgepäppelt und auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Eigentlich wollte er sie noch bis zum Frühjahr bei sich halten – allerdings nahm der Freiheitsdrang der beiden in den letzten Wochen derart stark zu, so dass er seinen Plan ändern musste. Frank hat sich viele Gedanken um einen geeigneten Auswilderungsort gemacht, entschieden hat er sich dann letztlich für einen jagdlich befriedeten Wald. Dabei handelt es sich um ein kleines Waldstück, in dem nicht gejagt werden darf. Vor wenigen Tagen hat er Jacky und Jule dort in die Freiheit entlassen und brachte ihnen seitdem jeden Tag ein wenig Futter. Er wurde am Auswilderungsort von seinen Füchsen quiekend begrüßt, anfassen lassen sie sich jedoch nicht mehr. Frank Demke mit Julchen Nachdem Frank in der Nähe des Auswilderungsortes Hinweisschilder auf eine bevorstehende Treibjagd entdeckt hatte, hat er sich den ganzen Tag in das befriedete Waldgebiet begeben, um seine Füchse zu beschützen. Aber jedes Daumendrücken und Hoffen waren vergeblich. Seine „Füchslis“ sind alle tot. Noch am Morgen der Treibjagd war Frank Demke an der Auswilderungsstelle zum Füttern und Sichern des Waldstückes. Er hatte Sichtkontakt zum kleinen Jacky und konnte noch einige Fotos machen. Gierig verschlang er sein Frühstück und legte den Überschuss in Depots an. Julchen war in der Nähe zeigte sich aber nicht. Ebenso war von einer Treibjagd zunächst nichts zu merken. Eine gute Freundin hatte ihn begleitet, um zu helfen. Sie gingen in einem großen Bogen um das Waldstück um die kleinen Füchse nicht zu verschrecken. Plötzlich krachten in unmittelbarer Nähe mehrere Schüsse. Die Treiber kamen mit freilaufenden Hunden, die auch durch das "befriedete" Stück stöberten. Alles ging sehr schnell. Bange Stunden des Wartens und Hoffens vergingen bis wir die traurige Gewissheit hatten. Mit zerrissenem Körper und weggeschossenen Beinen lagen sie dicht bei einander. Frank hat sie sofort erkannt. Zweifellos. +++ Erfahre hier mehr über Füchse
- Reineke – ein ausgefuchster Überlebenskünstler
Der Rotfuchs ist der größte flächendeckend in Mitteleuropa lebende Beutegreifer, das Landraubtier mit dem weltweit größten Verbreitungsgebiet. In Städten und Siedlungen lebt er inzwischen mitten unter uns. Gleichzeitig wurde aber kaum ein Wildtier über die Jahrhunderte hinweg – und bis in die heutige Zeit – so erbarmungslos von Menschen verfolgt wie er. Obwohl Füchse so verbreitet sind und jedes Kind das Tier mit dem rostroten Pelz und der schlanken Schnauze sofort erkennt, wissen die meisten Menschen nur wenig über sie. Dafür sind Vorurteile über Meister Reineke weit verbreitet. Ein ausgewachsener Fuchs wiegt gerade einmal fünf bis acht Kilogramm. Bild: Berndt Fischer Auch wenn der Rotfuchs – abgesehen von den „Rückkehrern“ Wolf und Luchs – unser größter Beutegreifer ist, handelt es sich bei ihm um einen zierlichen Gesellen. Ein ausgewachsener Fuchs wiegt gerade einmal fünf bis acht Kilogramm, kaum mehr als eine Hauskatze. Mit dieser sind Füchse übrigens nicht verwandt, obwohl ihr anmutiger Bewegungsablauf das durchaus vermuten ließe. Biologisch betrachtet sind Füchse vielmehr Hundeartige. Früher dachte man, dass der Fuchs ein Einzelgänger sei, doch die Forschung mit Telemetriehalsbändern hat diese Annahme widerlegt. Zwar jagen Füchse tatsächlich allein – als Mäusejäger können sie ihre Beute schließlich ohne die Hilfe anderer Tiere überwältigen –, sie verfügen jedoch über ein ausgeprägtes Sozialverhalten und ein faszinierendes Familienleben. Wenn im Frühjahr der Nachwuchs zur Welt kommt, sorgt der Fuchsvater für die Nahrungsversorgung der Familie, während die Füchsin die Welpen säugt. Gemeinsam halten sie Wache und beteiligen sich am Spiel der zumeist drei bis fünf Jungfüchse. Wo Füchse nicht bejagt werden und daher stabile soziale Strukturen entstehen können, bleiben oftmals die Jährlingstöchter des vorhergehenden Jahres bei ihren Eltern und helfen ihnen bei der Jungenaufzucht. Da sie nicht am Fortpflanzungsgeschehen teilnehmen, wird eine Zunahme des Fuchsbestands verhindert – „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“, beschrieb der Biologe Erik Zimen dieses Phänomen. Im Alter von etwa drei bis vier Wochen beginnen Fuchskinder die Welt außerhalb des Baus zu erkunden. Im Spiel mit anderen Familienmitgliedern erlernen sie nach und nach wichtige Verhaltensweisen, die für Nahrungserwerb, Feindvermeidung und soziale Interaktion bedeutsam sind. Allerdings sind auch erwachsene Füchse bisweilen recht verspielte Gesellen: So beobachtete der Autor Günter Schumann beispielsweise, wie Füchse sich voller Übermut wieder und wieder einen schneebedeckten Abhang hinunterrutschen ließen. Im Alter von etwa drei bis vier Wochen beginnen Fuchskinder die Welt außerhalb des Baus zu erkunden. Bild: René Schleichardt Jungfüchse sind bereits mit etwa sechs Monaten selbstständig und verlassen im Spätsommer oder Herbst das elterliche Revier, um sich ein eigenes Steifgebiet zu suchen. Auf ihren Wanderungen legen sie dabei oft dutzende Kilometer zurück. Haben sie nicht das Glück, ein vakantes Territorium zu erobern, müssen sie sich ihren Platz in Auseinandersetzungen mit dem aktuellen Revierinhaber erkämpfen. Diese Kämpfe gehen zumeist jedoch unblutig vonstatten – eine Beißhemmung sorgt dafür, dass der Verlierer nicht im Daseinskampf behindert ist und weiterziehen kann, um an einem anderen Ort sein Glück zu versuchen. Die Hauptnahrung des Fuchses sind Mäuse, die er mit einem eleganten Sprung erbeutet. Aber auch Kaninchen und sogar Regenwürmer stehen auf Reinekes Speisekarte. Als eifriger Jäger von Nagetieren wird er von Forstleuten geschätzt, und durch das Erbeuten kranker Tiere und das Vertilgen von Aas beteiligt er sich an der Eindämmung von Seuchen. Feldhasen stehen dagegen kaum auf seinem Speiseplan: Ein gesunder Hase ist weitaus schneller und wendiger als jeder Fuchs. Studien zeigen, dass Hasen von Füchsen vor allem als Aas – beispielsweise als Verkehrsopfer auf Landstraßen – aufgenommen werden. Auch wenn Füchse biologisch betrachtet Beutegreifer sind, sind sie übrigens auch vegetarischer Kost nicht abgeneigt. Im Spätsommer ernähren sie sich oft wochenlang vornehmlich von Beeren und Obst. Bei der Jagd, aber auch bei der Feindvermeidung kommen Reineke seine hervorragenden Sinnesleistungen zugute. Ein Fuchs kann die Geräusche einer Maus noch unter einer 30 Zentimeter dicken Schneedecke punktgenau orten, und seine Nase ist etwa 400 Mal sensibler als die eines Menschen. Durch einen reflektierenden Augenhintergrund verfügen Füchse zudem über eine ähnlich gute Nachtsicht wie Hauskatzen, mit denen sie auch die vertikal geschlitzten Pupillen gemein haben. Die sprichwörtliche Schläue des Fuchses ist weithin bekannt. Tatsächlich lernen Füchse schnell, erfassen Zusammenhänge und können ihr Wissen dann im Überlebenskampf einsetzen. So stellen sie sich beispielsweise tot, um Aasfresser wie Krähen anzulocken und diese dann zu erbeuten. Im Gegensatz etwa zu Wölfen können auch wildlebende Füchse einen menschlichen Fingerzeig interpretieren. Und der Biologe Felix Labhardt war tief beeindruckt, als er versuchte, Füchse zur Besenderung in Kastenfallen zu fangen und es diesen wieder und wieder gelang, die Köder zu stehlen, ohne die Falle auszulösen. So sind überlegene Sinnesleistungen, Intelligenz und Anpassungsfähigkeit die Schlüssel für den großen Erfolg der Spezies Vulpes vulpes. Sie haben es dem Fuchs ermöglicht, in der Kälte Alaskas ebenso zu bestehen wie in der Hitze Nordafrikas, und während andere Tierarten durch den immer größer werdenden Flächenverbrauch des Menschen mehr und mehr zurückgedrängt werden, behauptet Reineke sich auch in unmittelbarer Nachbarschaft seines größten Feindes. Dabei trotzt er selbst intensivsten Nachstellungen: In Deutschland töten Jäger jährlich mehr als eine halbe Million Füchse mit Flinten, Fallen und Jagdhunden, ohne dass dies eine Auswirkung auf den Fuchsbestand hätte. Lesen Sie auch: Wildtierschutz Deutschland im Aktionsbündnis Fuchs
- Jägerlatein: Jagd und Naturschutz
"Jäger konzentrieren ihr Interesse auf Tierarten, die sie schießen dürfen, bestenfalls auf jagdbare Arten mit und ohne Schusszeit; im Naturschutz dagegen hat der Kriechende Sellerie genauso Freunde wie der Eremit, die Gelbbauchunke oder die Großtrappe. Im Naturschutz gehört Artenkenntnis zum guten Ton. Viele aktive Naturschützer kennen sich zumindest in der Vogelkunde aus, einige in weiteren Artengruppen. Bei Jägern ist die Artenkenntnis im Mittel geringer. Das beginnt damit, dass kaum ein Jäger zwischen Stein- und Baummarder sicher unterscheiden kann und endet noch lange nicht mit der meist völlig fehlenden Fertigkeit der Bestimmung von Enten, insbesondere fliegenden Tieren im Schlichtkleid. Die Verwechslung von Stock- und Schnatterente durch einen Ornithologen hat bis auf fehlerhafte Beobachtungslisten keine Auswirkungen; der Irrtum eines Jägers ist aber tödlich für die bedrohte Art." Lesen Sie hier den vollständigen Artikel der Naturschützerin Margret Bunzel-Drüke "Was mir an der Jagd noch nie gefiel ... eine sehr persönliche Bilanz".
- Wildtierschutz Deutschland im bundesweiten Aktionsbündnis Fuchs
Der Rotfuchs gehört in Deutschland zu den wenigen Wildtierarten, die meist ganzjährig bejagt werden – ohne, dass es für diese intensive Verfolgung einen stichhaltigen Grund gäbe. Organisationen aus ganz Deutschland haben sich daher einer gemeinsamen Erklärung angeschlossen, in der sie die Abschaffung der Fuchsjagd fordern. Etwa eine halbe Million Füchse werden in Deutschland jedes Jahr getötet. Bei der Jagd kommen auch besonders grausame Jagdarten wie die Bau- oder die Fallenjagd zum Einsatz. Anders als vom Deutschen Jagdverband (DJV) und seinen Landesverbänden behauptet, kann von einer wie auch immer gearteten Notwendigkeit, Füchse zu jagen, keine Rede sein. In Luxemburg wird der Fuchs seit 2015 nicht mehr gejagt. Von den Horrorszenarien der Jäger ist nichts eingetroffen. Bild: Timo Litters Unser Nachbarland Luxemburg ist dieser Argumentation bereits 2015 gefolgt. Seitdem wird dort der Fuchs ganzjährig geschont. Von einer im Vorfeld von Jagdorganisationen heraufbeschworenen zügellosen Vermehrung der Füchse gibt es keine Spur. Entsprechend hat weder die Anzahl von Hasen oder Fasanen abgenommen noch sind Probleme mit Wildtierkrankheiten aufgetreten. Um der Forderung nach einer Einstellung der Fuchsjagd auch hierzulande weiteren Nachdruck zu verleihen, unterstützen Organisationen aus ganz Deutschland eine gemeinsame Erklärung des Aktionsbündnisses Fuchs. Die 27 bislang beteiligten Organisationen und Initiativen – darunter neben Wildtierschutz Deutschland auch Animal Public, TASSO, der Bund gegen den Missbrauch der Tiere, die Tierversuchsgegner Deutschland u.a. – begründen darin, warum die Abschaffung der Fuchsjagd längst überfällig ist. Der Wortlaut der Erklärung samt den sich daraus ergebenden Forderungen findet sich auf der Webseite des Aktionsbündnisses: www.aktionsbuendnis-fuchs.de. Neben einer Liste aller aktuellen Mitgliedsorganisationen findet sich dort auch eine umfassende Stellungnahme, die die Forderungen des Bündnisses mit zahlreichen Quellen wissenschaftlich untermauert. Auf einer gleichnamigen Facebook-Seite kann jeder Einzelne durch ein “LIKE“ Partei für die Füchse ergreifen und weitere Beiträge zum Aktionsbündnis verfolgen. Mit dem Aktionsbündnis Fuchs wollen sich bisher etwa 30 Organisationen für eine Abschaffung der Fuchsjagd einsetzen. Bild: René Schleichardt In den nächsten Monaten werden die Unterstützer des Bündnisses in weiteren Veröffentlichungen über den Fuchs und die Fuchsjagd informieren. „Die durchweg positive Resonanz bei den diversen Organisationen hat uns eigentlich nicht mehr überrascht“, bestätigt Daniel Peller – Fuchskenner, Gründer des „Fuchshilfsnetzes“ und einer der Initiatoren der Erklärung. „In den vergangenen Jahren ist durch die Medien und insbesondere die Aufklärungsarbeit von Tier- und Naturschutzverbänden sehr viel mehr Transparenz in das grausame und überflüssige Geschehen rund um die Bejagung von Füchsen gekommen. Immer mehr Menschen lehnen die Fuchsjagd ab, welche die persönlichen Freizeitinteressen und Traditionen einer Minderheit über das Leben von jährlich rund einer halben Million Füchsen stellt und dabei die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnislage sowie die unabsehbaren negativen Folgen dieser massiven Eingriffe für Tiere, Umwelt und Menschen weitgehend ignoriert.“ Lesen Sie auch: Jäger sind Tierquäler
- Früher wurde Hunden ein Bein abgehackt
Laut Bundesjagdgesetz § 23 sollen Jäger das Wild vor allerlei Unbill schützen. Nein, nicht vor rasenden Autofahrern und gleichgültigen Landwirten, die alljährlich hunderttausende von Wildtieren zur Strecke bringen, sondern vor “wildernden Hunden und streunenden Katzen”. Wie der geforderte Schutz zu gewährleisten sei, darüber schweigt sich das Jagdgesetz aus. Es blieb schlicht und einfach offen. So offen, dass in fast allen Landesjagdgesetzen wie selbstverständlich der Passus enthalten ist, nach dem Jagdschutzberechtigte befugt sind – nicht verpflichtet! -, wildernde Hunde sowie streunende Katzen zu töten. Auf eine Definition, was unter Wildern oder Streunen zu verstehen ist, wurde wohlweislich verzichtet. Die Jäger werden es schon wissen, und die Gerichte bestätigen sie darin. So wird landauf-landab vom Tötungsrecht Gebrauch gemacht. Das Resultat: mehr als einhunderttausend durch Jäger getötete Katzen und Hunde pro Jahr. Wie aktuelle Presseberichte belegen, lebt es sich als Katze auch am Ortsrand mitunter gefährlich. Der "Jagdschützer" lauert überall. Bild: Wildtierschutz Deutschland Dazu kommen Wölfe, wiederangesiedelte Luchse und Wildkatzen, die “versehentlich” oder auch vorsätzlich von Jägern getötet wurden. Ein Straftatbestand, der, sofern er überhaupt ans Licht kommt, selten als solcher geahndet wird. Es hat also seinen Grund, wenn von Jägern der Eindruck erweckt wird, als zögen hier und heute ganze Rudel halbverhungerter, verwilderter Haustiere durchs Land. Als sei die Anwesenheit von Hund oder Katze in Wald und Feld das schlimmste, was der freilebenden (jagdbaren) Tierwelt passieren könnte. Als seien Hunde und Katzen an der Ausrottung anderer Tierarten beteiligt. Alles Jägerlatein! Für den Stress, das Leiden und den gewaltsamen Tod von Wildtieren gibt es viele Schuldige – nicht zuletzt die Jäger selbst. Haustiere haben daran einen so geringen Anteil, dass er noch nicht einmal statistisch erfassbar ist. Eine altbekannte Tatsache – auch für Jäger! Wenn ihnen nämlich die Argumente zur Verteidigung des Haustierabschusses ausgehen, kommt das letzte, das schwächste und unsinnigste: Hunde und Katzen brächten Unruhe ins Revier – zusätzlich zu Joggern, Mountainbikern, Reitern, Pilzsammlern… Das ist die Richtung, aus der der Wind weht! Das Jägerrecht zum Abschuss von Haustieren hat eine lange Tradition. Es ist ein Relikt aus der Feudalzeit, das im Reichsjagdgesetz festgeschrieben und – wie viele andere Regelungen auch – in die heute geltenden Landesjagdgesetze übernommen wurde. Mit Jagd hat das rein gar nichts zu tun, dafür umso mehr mit Besitzstandssicherung und Machterhalt. Früher mussten Untertanen ihren Hofhunden ein Bein abhacken (Tirol) oder ihnen einen schweren Knüppel ans Halsband hängen, damit sie sich nicht am herrschaftlichen Wild vergreifen konnten. Heute geht die zum Teil miserable Hundehaltung auf dem Lande nicht selten auf das Diktat eines ortsansässigen Jägers zurück. Seine Drohung, den freilaufenden Hofhund bei nächstbester Gelegenheit zu erschießen, bewirkt, dass das Tier sein Leben an Kette und Leine fristen muss. Und passiert es dennoch, macht sein Tod keine Schlagzeilen. Der geschädigte Tierhalter, oftmals verstrickt in nachbarliche Streitigkeiten, soziale oder finanzielle Abhängigkeiten, zieht den Kopf ein und schweigt. Katzen – seit jeher beliebte Übungsziele der Jäger, weint sowieso kaum jemand eine Träne nach. Es gibt ja genug Nachwuchs … Für Bonny ist es schlimm ausgegangen, ein Geschoss hat ihm einen Teil seines Gesichts zerfetzt. Bild: Hartman Jenal Seit immer mehr Städter aufs Land drängen – auch Tierhalter, die über ihre Rechte und Pflichten besser informiert sind, gerät die alte Ordnung aus den Fugen. Mit Drohungen und Anpöbeleien versuchen Hobbyjäger Spaziergänger aus ihren Revieren fernzuhalten. Mit fadenscheinigen Begründungen und falschen Behauptungen, nicht selten mit vorgehaltener Waffe, werden Tierhalter genötigt, ihren Hund anzuleinen, obwohl der oft besser erzogen ist als so mancher Jägerhund. Nur: “Jagdrevier” ist mit wenigen Ausnahmen überall, wo Landschaft noch nicht überbaut und versiegelt ist. Jede Freifläche, jedes Feld, jeder Feldweg, jede Wiese, jedes Bachtal ist auch “Revier”, zu dessen Verteidigung sich die Pächter und ihre Helfershelfer berufen fühlen. Unerklärlicherweise hat sich die Auffassung gehalten, Jagd habe immer etwas mit Wald zu tun. Als würde nur im Wald gejagt oder als wäre ganz Deutschland noch mit Wald bedeckt. Ein Irrtum, der verhängnisvoll sein kann. Denn die Katze, die je nach Bundesland ein paar 100 Meter vom nächsten bewohnten Haus ihre Mäuse fängt, läuft Gefahr, einem „Jagdschützer“ zum Opfer zu fallen. Der Hund, der mit tiefer Nase auf einem Feldweg vor seinem menschlichen Begleiter rennt, läuft Gefahr, als “wildernd” angesehen und erschossen zu werden. Von ausgesetzten Tieren, um die sich kein Mensch kümmert, ganz zu schweigen. Hier soll nicht jenen das Wort geredet werden, die ihre Tiere verwahrlosen lassen. Besonders Hunde als soziale Wesen leiden unter mangelnder Bindung und Zuwendung, die sie zum Streunen veranlasst, ähnlich wie unter Zwinger- oder Kettenhaltung. Sie aber mit dem Tod zu bestrafen, statt dafür zu sorgen, dass ihre Besitzer zur Verantwortung gezogen werden, ist finsterstes Mittelalter. Mit den Übergriffen der Jäger auf unsere Haustiere muss endlich Schluss sein! Das Recht, Hunde und Katzen zu töten, muss ihnen genommen werden! Ausnahmslos! Die in den meisten Landesjagdgesetzen festgeschriebene Tötungsbefugnis – eine letzte Bastion des Faustrechts – muss – wie in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen – fallen! Sie wird aber nur dann fallen, wenn auf allen politischen Ebenen Druck gemacht wird. Und zwar so massiv, dass den Lodengrünen samt ihren Advokaten Hören und Sehen vergeht. Alle Appelle an die “anständigen Jäger” den schwarzen Schafen in ihren Reihen ins Gewissen zu reden, sind nutzlos und gehen am Problem vorbei. Auf freiwillige Vereinbarungen ist kein Verlass! Für Jäger gibt es keinen einzigen Grund, der vernünftig genug wäre, Hunde und Katzen zu töten. Erst wenn jeder Schuss auf ein Haustier illegal ist, wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Es geht hier nicht nur um die willkürliche Zerstörung von Eigentum, das umso eher ersetzt werden muss, je kostbarer es war. Es geht vor allem um die brutalen, nicht revidierbaren Eingriffe in enge Tier-Mensch-Beziehungen. Es geht um das traumatische Erlebnis, das Entsetzen, die Trauer und die Ohnmacht jener Menschen, jungen wie alten, die es nicht fassen können, dass Jäger ungestraft ein geliebtes Lebewesen verletzen oder töten können. Und es geht nicht zuletzt um uns alle, die wir den Terror dieser kleinen bewaffneten Minderheit als massive Einschränkung unserer Lebensqualität erfahren. Dass dazu auch der ein angst- und stressfreier Spaziergang mit einem Haustier gehört, wissen wir nur zu gut! Lesen Sie auch: Katzenmörder
- Fellwechsel – der Deutsche Jagdverband hat ein neues (Pseudo-)Alibi
Gemeinsam mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg hat der Deutsche Jagdverband das Projekt „Fellwechsel“ ins Leben gerufen. Eine eigens gegründete GmbH soll die Felle aus der Jagd auf Beutegreifer (Füchse, Dachse, Marder u.a.) verwerten. Dieser Sinneswandel hat einen Grund meint Lovis Kauertz, Wildtierschutz Deutschland: „Den Jagdlobbyisten schwimmen die Felle davon. Nach wie vor schießen Jäger Jahr für Jahr hunderttausende im Bestand gefährdeter Tierarten wie Feldhasen, Rebhühner, Waldschnepfen. Auch immer mehr Forschungsarbeiten weisen darauf hin, dass die Jagd weder zu einem artenreichen und gesunden Wildbestand, noch zu einer Bestandsreduzierung der Füchse beiträgt. Eine breite Öffentlichkeit nimmt den Jagdverbänden ihre bisherige Argumentation zur Jagd auf Füchse nicht mehr ab.“ Nur ein dichtes nicht vollkommen zerschossenes Winterfell kann verwertet werden. Die meisten der etwa halben Million Fuchskadaver landen weiterhin in der Tonne der Tierkörperbeseitigung. Bild: Luise Dittombée. Erst in diesem Jahr wurde durch zwei neue in Großbritannien und in Frankreich veröffentlichte Studien belegt, dass die Fuchsjagd nicht zur nachhaltigen Verringerung von Fuchsbeständen führt. Mehr noch: Die intensive jagdliche Nachstellung begünstigt den Befall von Füchsen mit dem Fuchsbandwurm und damit das Risiko für Menschen daran zu erkranken. Werden Füchse dagegen nicht bejagt – so die bei der Royal Society veröffentliche Studie – kann das für Menschen bedeuten, weniger oft durch Zecken zu erkranken. 1) Genügend Gründe also, der Öffentlichkeit ein neues Pseudo-Alibi zu präsentieren. Denn auch die Verwertung eines geringen Anteils (man spricht von maximal zwei Prozent aller Felle aus der Jagd) der etwa halben Million Füchse, die von Jägern Jahr für Jahr in Deutschland getötet werden, ist keineswegs ein vernünftiger Grund für die immense Tierquälerei, die gerade bei der Fuchsjagd vor sich geht. Das beginnt schon damit, dass der Fuchs in den meisten Bundesländern keine oder nur eine kurze Schonzeit hat. Das führt dazu, dass immer wieder auch Elterntiere bei der Aufzucht ihrer Jungen entweder gestört oder gar getötet werden. Selbst der gesetzlich verankerte - und nach dem Stand der Wissenschaft vollkommen überholte, weil zu kurze – Elternschutz ist keine Gewähr dafür, dass Füchse ihre Jungtiere ungestört aufziehen können. Jäger versuchen dieses Gesetz zu umgehen, indem sie am Bau zunächst die Jungtiere töten, dann das Muttertier. Da kommt es zu heftigen Beißereien zwischen raubwildscharfen Jagdhunden, die in mit Füchsin und laktierenden Jungtieren besetzten Baue geschickt werden, und der sich und ihre Welpen meist verzweifelt verteidigenden Füchsin. Selbst wenn beim Gebeiße der Jagdhund den Kürzeren ziehen sollte, auf die Füchsin und ihre Jungen warten die in Stellung stehenden Baujäger. 2) Zwei neue Studien zeigen widersprechen den Argumenten der Jagdverbände: Jagd begünstigt die Verbreitung des Fuchsbandwurms. Bild: Michael Hamann Am häufigsten wird dem Rotfuchs während der Paarungszeit zwischen Dezember und Ende Februar nachgestellt. Aus Sicht des Tierschutzes ist das besonders problematisch, unter anderem deshalb, weil schon im Februar die ersten Jungtiere geboren werden und somit billigend in Kauf genommen wird, dass beide Elternteile während der Aufzuchtzeit getötet werden. Aber schon die Tatsache, dass Rotfüchse überhaut bejagt werden, führt grundsätzlich zu einer Tierquälerei immensen Ausmaßes. Füchse – wie im Übrigen auch viele andere Tierarten - kompensieren Ihre Bestandsverluste dadurch, dass mehr Tiere an der Reproduktion teilnehmen und dadurch, dass mehr Tiere pro Wurf zur Welt kommen. Für die Tiere, insbesondere für die Mütter und die Kinder, bedeutet die fortlaufende Vermehrung ein erhebliches Drama. Welpen erfrieren oder verhungern, weil die Fähe (weiblicher Fuchs) die Versorgung ohne den Rüden (männlicher Fuchs) alleine bewältigen muss oder weil sie auf Beutestreifzügen, die sie ansonsten nicht unternehmen müsste, erschossen oder überfahren wird. Auch Jungtiere, die zunächst heranwachsen, haben durch den Verlust des Fuchsvaters, der erheblich zur Versorgung in den ersten Wochen beitragen kann, wesentlich schlechtere Überlebenschancen. 3) Quellen: 1) Royal Society: Studie zur Nützlichkeit von Füchsen, Mardern und anderen Beutegreifern zur Reduzierung menschlicher Ansteckungsgefahren durch Zecken, Tim R. Hofmeester et.al Elsevier B.V., Preventive Veterinary Medicine: Studie zur Verbreitung von Wildtierkrankheiten durch die Fuchsjagd, Sebastien Comte et. al. 2) Bolliger G., Gerritsen V., Rüttimann A. (2010): Die Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts, Gutachten (Schweiz) 3) Les Stocker, The Complete Fox, Chatto & Windus, 1994. Seiten 53, 128 Lesen Sie auch: Intensive Fuchsjagd ist ein Krankheitsrisiko für Menschen












