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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

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  • Ein Euro fünfundzwanzig für die Abschaffung der Hobbyjagd

    Am 25.8.2017 teilte das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten mit, dass die Einnahmen von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen im ersten Halbjahr 2017 um 18,3 Milliarden Euro höher waren als die Ausgaben. Die Abschaffung der Hobbyjagd würde den deutschen Staat nach ersten Schätzungen von Wildtierschutz Deutschland vielleicht 100 Millionen Euro pro Jahr kosten (1,25 Euro pro Bürger), sehr wahrscheinlich aber viel weniger!" Der wahre Grund den Bock schon im Mai zu jagen ist sein Gehörn, das er im Winter nicht mehr trägt Es gibt keinen wichtigen Grund, die Hobbyjagd nicht abzuschaffen! Jahr für Jahr werden im Rahmen dieses Freizeitvergnügens einiger weniger nach Schätzungen von Wildtierschutz Deutschland ca. sechs bis acht Millionen Tiere umgebracht. Die alljährlich vom DJV, dem einflussreichsten Lobbyverband der deutschen Jäger, veröffentlichte Statistik weist für das Jagdjahr 2015/16 (April bis März) davon mal gerade 4.357.905 Tiere aus. Das ist wohl Teil einer Strategie, welche die Öffentlichkeit mittels ungenauer und unvollständiger Daten und das Weglassen von Fakten hinters Licht führen soll. Dass bei den gemeldeten Streckenzahlen („Strecke“ nennt man die Anzahl der getöteten Tiere) gelogen und betrogen wird, so wie es gerade passt, weiß nicht nur jedes Kind, dazu stehen selbst namhafte Jäger. Der DJV unterlässt aus gutem Grund die Nennung von über 1,2 Million Vögeln in seiner Statistik, wie etwa Kormorane, Graureiher, Möwen, Blässhühner, Höckerschwäne, Elstern, Rabenkrähen, Eichelhäher. Auch nicht erfasst werden Hunde und Katzen, die Opfer des jagdlichen Übereifers sind, ganz zu schweigen von den Tieren, die gem. Jagd- und Naturschutzgesetzen überhaupt nicht gejagt werden dürften. 3 tolle Typen - von Jägern ausgesetzt, von Jägern denunziert. Bild: Heiko Anders Gemäß einer Gesetzgebung, die im Wesentlichen auf dem Preußischen Jagdgesetz von 1848 und dem Reichsjagdgesetz von 1934 beruht, soll die Jagd einen „den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestand …“ erhalten und Wildschäden möglichst vermeiden. Obwohl die Jagd in den vergangenen Jahrzehnten weder dem einen, noch dem anderen Gesetzesziel auch nur annähernd gerecht werden konnte, können sich die Jagdverbände nach wie vor als „gemeinnützig“ verkaufen. Das wird ihnen allerdings auch leicht gemacht: Durch Medien, die nicht mehr recherchieren oder sich zum Büttel der Grünröcke machen. Durch Richter, Verwaltungsangestellte, Politiker auf allen Ebenen, die sich entweder aufgrund der eigenen Interessenslage oder mit der Aussicht auf ein paar Wählerstimmen aus dem Reich der Lodenjacken korrumpieren lassen. Die Bestände von Wildschweinen und von Rehen haben sich durch die jagdliche Tätigkeit nicht etwa auf einem gewissen Niveau gehalten, sie sind förmlich explodiert. Entsprechend haben Wildschäden in forst- und landwirtschaftlichen Kulturen zugenommen. Auf der anderen Seite konnte durch eine noch so intensive Jagd auf Fuchs und Marderartige der Rückgang von Rebhühnern, anderen bodenbrütenden Arten und von Feldhasen zu keiner Zeit gestoppt werden. Rebhühner und Feldhasen, beides Arten, die nach wie vor meist im Rahmen von Treibjagden bejagt werden, stehen seit Jahren auf den Roten Listen des Bundes und der Länder. Die Jagd ist auch nicht mit dem Tierschutzgedanken vereinbar. Jagd ist zu einem großen Teil üble Tierquälerei. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) berichtet von Untersuchungen, wonach nach Treibjagden zwei Drittel der Wildschweine nicht sofort tödliche Schüsse aufweisen: im Rücken, im Bauch oder an den Beinen. Bei Rehen wiesen ca. 60 % der weiblichen Tiere Bauchschüsse auf. All das sollte unseren Politikern bekannt sein, Tierschutzorganisationen berichten seit vielen Jahren darüber. Dass man die Jagd auch so regeln kann, dass den Jägern der Wald nicht als eine im freien Rechtsraum liegende Schießbude überlassen wird, zeigen zahlreiche jagdfreie oder quasi jagdfreie Gebiete, wie zum Beispiel der Kanton Genf. Hier reicht es aus, dass einige wenige Wildhüter sich fast ausschließlich einiger Wildschweine annehmen, die in Brennpunktzonen gehäuft auftreten. Der Bestand der meisten Tierarten passt sich gemäß der Nahrungsverfügbarkeit und der Bestandsverluste an. Auch ohne einen intensiven jagdlichen Eingriff werden Wildtierbestände nicht überhand nehmen. Dafür sorgen dann wieder mögliche intakte Sozialgefüge innerhalb der verschiedenen Wildtierarten. Ohne Jagd wird die Artenvielfalt insbesondere bei Wasservögeln und anderen Vogelarten steigen, denn erhebliche Störungen durch den jagdlichen Betrieb würden entfallen. Wildtierarten würden ähnlich wie in Nationalparks für den Menschen wieder erlebbar sein, denn die durch die Jagd verursachte Scheu vor dem Menschen würde verblassen. Der Staat hätte sicherlich zusätzliche Kosten, z.B. für die Erstattung und Prävention von Wildschäden und gegebenenfalls für Wildhüter, falls die sich nicht auf ehrenamtlicher Basis aus der Jägerschaft rekrutieren lassen. Der Wirtschaftsfaktor Jagd, der schon heute nur etwa ein (!) Prozent des monatlichen Mehrwehrtsteueraufkommens ausmacht, ist in der Relation vollkommen unbedeutend. Wie auch immer, rein finanziell wären die Kosten für die Abschaffung der Hobbyjagd bei einem Bundeshaushalt von 335,5 Milliarden Euro in 2018 die bekannten Peanuts. Allein für die Monate Januar bis Juni 2017 hatte der Staat (Bund) Mehreinnahmen von 2,5 Milliarden Euro! Für das Sommerhochwasser 2013 haben Bund und Länder 6,7 Milliarden Euro ausgegeben. Die Abschaffung der Luxus-Sportart „Tiere jagen“ würde den deutschen Steuerzahler einen Bruchteil dieser Beträge kosten, umgerechnet etwa 1,25 Euro pro Bürger pro Jahr. Das sind 0,03 % eines schuldenfreien Bundeshaushalts, 2.000 neue Halbtagsstellen inbegriffen. Trotz der vielen Fakten, die gegen die Jagd in ihrer heutigen Form sprechen, wird es da in naheliegender Zeit in Deutschland wohl kaum zu gravierenden Änderungen kommen. Dazu fehlt deutschen Politikern durch die Reihe der Wille und wohl auch der Mut. Vielleicht müssen wir ihnen den Mut machen!

  • Mit Füchsen gegen die von Zecken übertragene Borreliose

    Hören - In Europa infizieren sich jedes Jahr mehr als 200.000 Menschen mit der durch Zecken übertragenen Lyme-Borreliose. Die Erkrankung wird von Bakterien verursacht und äußert sich im Frühstadium nur durch Rötungen um den Zeckenbiss sowie leichte Allgemeinsymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen. Breiten sich die Erreger im Körper aus, können sie zu Herzproblemen, bleibenden Organschäden und schweren chronischen Symptomen führen. Bis heute gibt es – anders als etwa bei der ebenfalls von Zecken übertragenen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) - keinen Impfstoff gegen die Lyme-Borreliose. Wo der Fuchs jagt, machen sich die Mäuse vom Acker ... und mit ihnen die Zecken. Bild: Timo Litters Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, dass unsere wertvollsten Verbündeten bei der Bekämpfung dieser ernsten Infektionskrankheit Beutegreifer sind, die sich von Mäusen ernähren – allen voran der Rotfuchs. Der niederländische Biologe Hofmeester* verglich 20 Waldgebiete mit unterschiedlichen Populationsdichten von Beutegreifern wie Füchsen und Mardern. Seine höchst interessante Erkenntnis: In Gebieten, in denen viele Füchse lebten, trugen weitaus weniger Zecken Erreger der Lyme-Borreliose in sich. Als Grund dafür identifizierte er den Einfluss der Beutegreifer auf das Verhalten von Mäusen, die als Hauptreservoir des Borreliose-Erregers gelten. Wo es genügend Beutegreifer gibt, halten Mäuse sich häufiger im Verborgenen auf und werden so seltener von Zeckenlarven befallen. Dadurch kann die Borreliose sich schlechter in der Mäusepopulation verbreiten, Zecken nehmen den Erreger seltener auf, und die Übertragungswahrscheinlichkeit auf den Menschen sinkt. Der Schutz von Füchsen kann also dazu beitragen, Menschen, aber auch Haus- und andere Wildtiere vor von Zecken übertragenen Krankheiten zu schützen! Forscher regen Schonung von Füchsen an Die Autoren der in den renommierten britischen “Proceedings of the Royal Society of Biological Sciences” veröffentlichten Studie regen daher an, unser Verhältnis zu Beutegreifern wie dem Rotfuchs zu überdenken. Gerade Füchse würden in nahezu ganz Europa intensiv bejagt, statt sie als Verbündete im Kampf gegen Krankheiten zu würdigen und zu schützen. Wildtierschutz Deutschland, Gründungsmitglied des Aktionsbündnis Fuchs, einer Initiative von über 60 deutschen Tier- und Naturschutzorganisationen, schließt sich dieser Einschätzung an: „Für die Verfolgung des Rotfuchses gibt es keinen vernünftigen Grund. Im Gegenteil: Wie wir aus fuchsjagdfreien Gebieten wissen, profitiert die Natur vom Schutz dieser sozialen und intelligenten Beutegreifer. Dass sie uns beim Kampf gegen die Borreliose helfen, ist ein weiteres Argument dafür, die oftmals tierquälerische Bejagung des Fuchses zu beenden.“ +++ Literaturquelle: *) Hofmeester, T.R. et al (2017): Cascading effects of predator activity on tick-borne disease risk. Proc. R. Soc. B 284 : 20170453. Weitere Artikel zur Fuchsforschung

  • Süß, tapsig, knuffig: Zu Gast in Reinekes geheimer Kinderstube

    Hören - Kleine Tiere sind, Nacktmull, Blobfisch oder Titicaca-Frosch mal außen vor gelassen, per se knuffig. Während bei letzteren ja schon die Eltern krass aussehen, weshalb auch von den Kids keine optisch-ästhetischen Wunder zu erwarten sind. Ansonsten gilt in der Fauna die Faustregel, dass Tierbabys einfach (zu) süß aussehen. Ist auch in der überwiegenden Zahl der Fälle so. Einfach zum Knuddeln: Mama Reinekes Nachwuchs gibt sich auch angesichts der Linse eines Fotografen völlig unverkrampft. Foto: Uwe Schäfer Ganz besonders aber bei den oft so angefeindeten Füchsen. Da sind die Nachkommen, wenn sie denn erst mal die Augen geöffnet und den Bau für erste Erkundungstouren verlassen haben, in ihrer unschuldigen, tapsigen Putzigkeit kaum zu toppen. Der Eschenburger Naturfotograf Uwe Schäfer kennt seine Pappenheimer, und er kennt jene verschwiegenen, versteckten Orte, an denen sich Mama Reinecke mit ihrem putzigen Nachwuchs aufzuhalten pflegt. Wird aber nicht verraten. Touristenverkehr kann die alleinerziehende Mutter derzeit nicht gebrauchen. Wobei „alleinerziehend“ lediglich eine Vermutung ist. Von „ihm“ war zumindest bislang nichts zu sehen. Kann aber durchaus sein, dass sich Papa lediglich bedeckt und versteckt hält, weil er dem Frieden nicht traut. Oder er hat noch ein Bratkartoffelverhältnis. Dazu später mehr. Zwar ist die Fähe sehr wohl in der Lage, ihre Kleinen alleine aufzuziehen, die Betreuung durch beide Elterntiere (oder Verwandte) erhöht jedoch deren Überlebenschancen deutlich und wird deshalb in der Regel, wo möglich, auch praktiziert. In den ersten Wochen nach der Geburt verlässt die Füchsin ihren Bau nur selten. Sie wird während dieser Zeit von ihrem „Menne“ mit Nahrung versorgt. Die teilweise beobachtete Dominanz der Mütter bei der Aufzucht kann mehrere Gründe haben, beispielsweise den, dass der Rüde im Winter zuvor einen Jagdunfall erlitten hat oder unter die Räder gekommen ist. Andererseits neigen die Buschschwänzigen auch zur Polygamie und können mehrere Eisen zeitgleich im Feuer haben. Vielleicht war er beim Besuch des Fotografen gerade bei seiner Zweitfrau… Genau an jener Stelle hatte der Eibelshäuser vor zwei Jahren schon einmal Freundschaft mit einer Fähe und ihren Jungen geschlossen. Vermutlich ist es dieselbe, die jetzt erneut einigen putzigen Welpen auf die Welt verholfen hat und ihm nun stolz Einblicke in die Kinderstube gewährt. Unermüdlich ist Mutti um das Wohlergehen der kleinen Racker bemüht. Dennoch hat das Tier einen großen Teil seiner sonst gegenüber Menschen üblichen Scheu abgelegt. Offenbar besitzt Schäfer in den einschlägigen Kreisen einen hervorragenden Leumund. "Glatze" hat Uwe Schäfer den putzigen Kerl rechts getauft – wegen seiner auffälligen Frisur. Gemeinsam mit seinem Kumpel, der ja eigentlich sein Bruder ist, erkundet der Babyfuchs neugierig die Welt. Foto: Uwe Schäfer Eines seiner knuddelig-goldigen Fotomotive hat er „Glatze“ getauft – wegen der auffälligen, im Stirnbereich etwas lichten Frisur. Sie kann aber auch dem aktuellen Haartrend, wie er derzeit unter Jungfüchsen „in“ ist, geschuldet sein. Wächst sich aber schon wieder aus. Wenn nicht, ein Toupet kann Wunder wirken. Für „Glatze“ und seine Geschwister gibt es momentan viel Aufregendes zu entdecken. An jeder Ecke, hinter jedem Strauch wartet eine neue Überraschung. Mögen ihnen solche der bösen Art in ihrem weiteren Leben erspart bleiben… +++ Lesen Sie auch: Erste Fuchsbabys im Januar Das Jahr mit einem Fuchs Mehr von Jürgen Heimann

  • Die Zahl der Feldhasen nimmt weiterhin ab

    In Deutschland wird der Feldhase bundesweit in der Roten Liste als „gefährdet“ geführt – und dennoch gejagt. Seitens der Jägerschaft gab es immer wieder heftigen Widerstand gegen die Aufnahme des Feldhasen in die Roten Listen, die mit abweichenden Gefährdungsstufen auch von den Ländern geführt werden. Die Einstufung der Bestandsgefährdung findet nur alle zehn Jahre statt, zuletzt 2020. In weiten Teilen der ostdeutschen Bundesländer dürfte er schon heute zu den „stark gefährdeten“ Arten gehört. Die größten Chancen einen Feldhasen anzutreffen haben Osterspaziergänger in den westlichen Bundesländern, insbesondere in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, entlang des Oberrheins in Baden-Württemberg und in Bayern. Mit etwas Glück sieht man auch in Hessen und Rheinland-Pfalz nochmal den Osterhasen, im Osten allerdings gibt es kaum noch Vertreter seiner Art. Ein schwerwiegendes Indiz für den enormen Rückgang der Zahl der Hasen in Deutschland sind die Jagdstrecken: Allein in den 2000er Jahren sind die um über 60 Prozent zurückgegangen. Während im Jagdjahr 2001/02 noch über 466.000 Feldhasen in den Jagdstrecken ausgegeben wurden, waren es zuletzt nur noch etwa 200.000. Gegenüber 2017 hat sich der Bestand der Feldhasen wohl aufgrund der trockenen Frühjahre etwas stabilisiert. Wildtierschutz Deutschland geht davon aus, dass es in diesem Frühjahr in Deutschland noch etwa 1 bis 1,2 Millionen Vertreter des Meister Lampe gibt. Etwa halb so viele wie noch zu Beginn der 2000er Jahre. Die Hauptursache für den Artenschwund ist die von der deutschen und europäischen Politik geförderten Zerstörung der Lebens- und Nahrungsgrundlagen durch die intensive Landwirtschaft. Der Deutsche Jagdverband macht regelmäßig Stichprobenzählungen, rechnet diese auf Deutschlands Großlandschaften hoch und kommt so zu Zahlen, die nur einen leichten Rückgang oder gar eine Erholung der Populationen vorgaukeln. Wildtierschutz Deutschland hält die Hochrechnungen für unseriös, weil in den wenigen teilnehmenden Revieren vornehmlich dort gezählt wird, wo auch tatsächlich Feldhasen vorkommen, weil Agrar- und Forststrukturen bei den Hochrechnungen wohl nicht oder unzureichend berücksichtigt werden und weil es im Interesse der Jägerschaft liegt, einen möglichst hohen Bestand vorzutäuschen. Schließlich wird Lepus europaeus, so sein lateinischer Name, nach wie vor in vielen Teilen des Landes im Rahmen von Treibjagden gejagt. Es ist daher völlig unverständlich, wenn eine auf der Roten Liste als gefährdet geführte Art, die kontinuierlich im Bestand abnimmt, nach wie vor jagdbar ist. Die Forderung nach einer ganzjährigen Schonzeit für Meister Lampe steht - auch seitens weiterer Tier- und Naturschutzorganisationen - seit Jahren im Raum. +++ Lesen Sie auch: Unser Artikel aus 2018: Feldhase auf der Bremsspur Fuchsjagd hilft dem Feldhasen nicht Hintergrundinformation: Jagdstrecken Feldhase nach Bundesländern (Quelle DJV) Der Feldhase im Wildtierinformationssystem der Länder (WILD), 2018 (Quelle DJV) Die Hochrechnung der im Rahmen der Hasenzählung gewonnen Daten gibt unseres Erachtens ein geschöntes Bild der Zahl der Hasen in Deutschland wider, aus folgenden Gründen: An der Zählung nehmen vorwiegend Jäger oder Jagdpächter teil, in deren Revieren Feldhasen auch vorkommen. Jagdrevierinhaber ohne oder ohne bedeutende Feldhasenvorkommen werden mehrheitlich nicht an der Taxation teilnehmen. Die Bestandszahlen pro 100 ha Fläche reflektieren demnach die Zahl der Hasen in den „besseren“ Hasenrevieren und können schon alleine deshalb nicht auf die gesamte Fläche, die als Lebensraum für Hasen in Frage kommt, hochgerechnet werden. Sie sind nicht repräsentativ. Auch deshalb nicht, weil nur ein verschwindend geringer Teil der Jagdbezirke überhaupt an der Taxation teilnehmen (450 Referenzgebiete in 2018). In Jagdrevieren, in denen gezählt wird, wird vornehmlich dort gezählt, wo auch Ergebnisse zu erwarten sind. Häufig gibt es Reviere, in denen auf der einen Seite der Feldhase vorkommt, auf der anderen aber überhaupt nicht. Die Jagdbezirksfläche hochzurechnen ist unseres Erachtens kein korrekter Ansatz, auch nicht die gesamte forst- und landwirtschaftliche Fläche in Deutschland, wenn nicht zumindest der relativ hohe Anteil für Feldhasen nicht geeigneter Lebensräume (Monokulturen wie Mais, Raps) würde. Ferner dürfte die Bestanddichte in Forstrevieren geringer sein, als in landwirtschaftlich geprägten Revieren, so dass bei einer Hochrechnung auch hier eine entsprechende Gewichtung vorgenommen werden müsste, was aber wohl nicht gemacht wird, da diese Daten in WILD gar nicht erfasst werden. Weitere Grafiken und Daten bis 1981 auf Anfrage: In Hessen wurden zur Jagdsaison 2007/08 noch fast 12.000 Feldhasen in der Streckenstatistik ausgewiesen, davon gingen etwa 20 Prozent auf das Konto von Wildunfällen. Seitdem geht es mit dem Bestand der Hasen kontinuierlich bergab. 2017/18 wies die Streckenstatistik nur noch 3.753 Rammler aus, ein weiterer Rückgang um über 68 %. Anfang der 1980er Jahre wurden noch Jagdstrecken von über 50.000 Tieren veröffentlicht. In Rheinland-Pfalz wurden in den 1980er Jahren noch bis zu 80.000 Feldhasen in der Jagdstatistik ausgewiesen, davon gingen etwa 18 Prozent auf das Konto von Wildunfällen. In den 2000er Jahren wies die Streckenstatistik noch etwa 12.000 Tiere aus, im Jagdjahr 2017/18 nur noch 4.272, das sind 70 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren. In Baden-Württemberg wurden zur Jagdsaison 2007/08 noch über 14.000 Feldhasen in der Streckenstatistik ausgewiesen, davon gingen etwa 20 Prozent auf das Konto von Wildunfällen. Seitdem geht es mit dem Bestand der Hasen kontinuierlich bergab. 2017/18 wies die Streckenstatistik nur noch 6.240 Mümmelmänner aus, ein Rückgang um über 55 Prozent. Anfang der 1980er Jahre wurden noch Jagdstrecken von über 60.000 Tieren veröffentlicht. In Niedersachsen wurden zur Jagdsaison 2007/08 noch über 121.000 Feldhasen in der Streckenstatistik ausgewiesen, davon gingen etwa 16 Prozent auf das Konto von Wildunfällen. Seitdem geht es mit dem Bestand der Hasen kontinuierlich bergab. 2017/18 wies die Streckenstatistik nur noch 44.500 Mümmelmänner aus, ein Rückgang um über 63 %. In Nordrhein-Westfalen wurden Anfang der 2000er Jahre noch einmal fast 200.000 Feldhasen in der Jagdstatistik ausgewiesen, davon gingen etwa 16 Prozent auf das Konto von Wildunfällen. Seitdem geht es mit dem Bestand der Hasen kontinuierlich bergab. 2017/18 wies die Streckenstatistik nur noch 39.780 Rammler aus, das sind 80 Prozent weniger als noch vor vierzehn Jahren. +++ Erfahren Sie hier, wie Jagdverbände die Öffentlichkeit mit geschönten Zahlen täuschen.

  • Jägerlatein: Füchse und Hasen

    Jäger argumentieren der Fuchs würde den Hasenbestand dezimieren. Hierzu schreibt ein erfahrener Jäger bei der Fotocommunity: „Kein Fuchs erwischt jemals einen gesunden Hasen. Junghasen haben keinen Eigengeruch und sind zudem Nestflüchter - er müsste also schon darüber stolpern. Für einen Fuchs unerreichbar: gesunde Feldhasen. Bild: Timo Litters 92 % seiner Beute sind Mäuse aller Art, also ist er für Land- und Forstwirtschaft nützlich wie kein anderes Tier. Der restliche Beuteanteil sind kranke Tiere - er wird in allen wissenschaftlichen Abhandlungen als Gesundheitspolizei erwähnt, die sehr deutlich die Ausbreitung von Tierkrankheiten (z.B. bei Hasen) verhindern. Ich war selbst über 40 Jahre Jäger und weiß deshalb: in landschaftlich gesunden Revieren sind die Populationszyklen zwischen Hasen und Füchsen identisch und nicht gegenläufig. Gibt es viele Hasen so gibt es auch viele Füchse, weil die Umweltbedingungen, z.B. nasse oder trockene Jahre beiden Bewohnern nutzen: in trockenen Jahren überleben viele Junghasen und gleichzeitig explodiert die Mauspopulation. In nassen Jahren sterben unverhältnismäßig viele Junghasen an Unterkühlung und die meisten Mäuse gehen in ihren Erdhöhlen ebenfalls zugrunde! Gefahr für Füchse und für Hasen: 250.000 im Deutschen Jagdverband organisierte Jäger, die trotz des starken Rückgangs der Feldhasen immer noch jedes Jahr etwa eine Viertel Million Hasen erschießen. Das sind die Fakten - die leider den meisten Sonntagsjägern - die sowieso nur noch mit dem Geländewagen zur Jagd "gehen" und aus dem Auto heraus auch "Beute machen" oder in modernen, grenzpostenähnlichen Kanzeln ihre "Jagdleidenschaft" ausleben - gar nicht mehr bekannt sind, da sie sich in großer Zahl von der Natur als Ganzes weit entfernt haben. Dies gilt selbstverständlich nicht für alle Jäger, aber leider für eine übergroße Anzahl.“ Lesen Sie auch: Gescheiterter Freilandversuch - Totalabschuss von Füchsen und Rabenvögeln ...

  • Fuchsjagd hilft dem Feldhasen nicht

    Seit Jahren ist die Zahl der Feldhasen rückläufig. In der „Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands“ wird er bundesweit als gefährdet, in manchen Bundesländern sogar als stark gefährdet eingestuft. Jagdverbände schieben Beutegreifern wie dem Fuchs eine Mitschuld für diese Entwicklung zu. In Verbindung damit fordern sie meist eine immer intensivere Bejagung von Füchsen, die Aufhebung der schon jetzt völlig unzureichenden Schonzeiten. Der Grund für den seit Jahrzehnten voranschreitenden Rückgang der Feldhasen ist keineswegs der Fuchs, vielmehr schwinden Lebensraum und Nahrungsgrundlage der Hasen aufgrund intensiver Landwirtschaft, der fast kontinuierlichen Bearbeitung von Böden und dem Einsatz von Pestiziden. Ein weiterer negativer Faktor ist aber auch die Jagd: Selbst bedrohte Arten wie der Feldhase werden weiterhin gejagt: 212.452 Feldhasen zählt die Jagdstatistik für das Jagdjahr 2016/17! Studien zeigen, dass auch die Jagd auf den Fuchs keinesfalls dem Schutz des Niederwilds dient. Oft zeigen sich sogar gegenteilige Effekte: So kann etwa der Druck durch Beutegreifer lokal sogar ansteigen, wenn der Tod eines territorialen Fuchses den Weg vorübergehend für mehrere revierfremde Füchse und andere Beutegreifer freimacht. Abgesehen davon schützen Füchse durch die Erbeutung von kranken Tieren und die Beseitigung von Aas auch bedrohte Arten vor der Ausbreitung von gefährlichen Seuchen – zum Beispiel den Feldhasen vor der Hasenpest (Tularämie) – und tragen damit zur Gesunderhaltung des gesamten Wildbestands bei. Wo es wenig Füchse gibt, sterben weitaus mehr Feldhasen an Krankheiten. Nicht umsonst haben Füchse daher den Ruf der „Gesundheitspolizei“ in Feld und Flur. Dass Füchse nicht für den Rückgang der Hasenpopulation verantwortlich sind, belegt auch die Situation auf der Nordseeinsel Pellworm. Dort hat man denselben Rückgang der Hasenpopulation verzeichnet wie auf dem Festland. Allerdings gibt es dort keine Füchse, sehr wohl aber intensive Landwirtschaft und Hasenjagd. Studien sowie praktische Erfahrungen aus fuchsjagdfreien Gebieten (wie z. B. Luxemburg, Bayerischer Nationalpark), zeigen zudem eindrucksvoll, dass Fuchspopulationen sich ohne jagdliche Eingriffe regulieren. Für die Jagd auf Meister Reineke gibt es damit schlichtweg keinen vernünftigen Grund. Obwohl schon immer jedes Jahr hunderttausende von Füchsen erschossen werden, nimmt die Zahl der Hasen kontinuierlich ab. Dass es bei der Fuchsjagd in irgendeiner Form um Artenschutz geht, kann angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnislage wohl ausgeschlossen werden. Tatsächlich machen die Jagdverbände Füchse gezielt zu Sündenböcken, um einerseits von eigener Mitschuld am Hasenrückgang abzulenken, und gleichzeitig die immer mehr in die Kritik geratende Fuchsjagd zu rechtfertigen. Wildtierschutz Deutschland ist Mitinitiator des Aktionsbündnisses Fuchs, einem wachsenden Zusammenschluss aus derzeit rund 60 Natur- und Tierschutzorganisationen, der die Durchsetzung dringend nötiger Reformen fordert: Neben einem Verbot der Jagd auf bedrohte Arten gehört dazu auch die Einstellung der sinnlosen und kontraproduktiven Fuchsjagd. Anstelle der Jagd müssen endlich nachhaltige, tierschutzgerechte und wirksame Maßnahmen zum Artenschutz durchgesetzt werden. Ein Richtungswechsel bei der Gestaltung und Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen ist ebenso unumgänglich wie Renaturierungsprojekte, welche die Wiederherstellung ursprünglicher Naturflächen und die Wiedervernetzung von Lebensräumen zum Ziel haben. Mehr über Füchse gibt's hier

  • Feldhasen: Warum Jagdverbände bei ihren Traumzahlen danebenliegen

    Der Deutsche Jagdverband macht regelmäßig Stichprobenzählungen, rechnet diese auf Deutschlands Großlandschaften hoch und kommt so zu Hasenbeständen, die nur einen leichten Rückgang oder gar eine Erholung der Populationen vorgaukeln. Wildtierschutz Deutschland hält die Hochrechnungen für unseriös, weil in den wenigen teilnehmenden Revieren vornehmlich dort gezählt wird, wo auch tatsächlich Feldhasen vorkommen, weil Agrar- und Forststrukturen bei den Hochrechnungen nicht oder unzureichend berücksichtigt werden und weil es im Interesse der Jägerschaft liegt, einen möglichst hohen Bestand vorzutäuschen. Nachfolgend erläutern wir dem kritischen Beobachter, wo die Schwächen der – wie die Jagdlobbyisten nicht müde werden zu betonen - „nach wissenschaftlichen Standards und unter wissenschaftlicher Begleitung“ vorgenommenen Hasenzählung liegen. Trotz zunehmender Verkehrsdichte in NRW ist die Zahl der überfahrenen Hasen stark rückläufig - ein sicheres Indiz für den Rückgang der Hasenbestände - Bild: Timo Litters Behauptung Landesjagdverband NRW: „Nordrhein-Westfalen hat bundesweit im Vergleich der Flächenländer weiterhin die höchste Hasendichte.“ „Seit dem Jahr 2001 erheben wir nach wissenschaftlichen Standards und unter wissenschaftlicher Begleitung die Frühjahrs- und Herbstbestände des Feldhasen in über 100 Referenzrevieren für ganz NRW. Mit einem Medianwert von 16 Hasen je 100 Hektar Taxationsfläche liegen wir bundesweit ganz vorne. Von 2017 auf 2018 konnten wir sogar eine leichte Bestandserhöhung belegen,“ erklärte Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW. Position von Wildtierschutz Deutschland: Richtig ist, dass Jäger in ausgewählten Revieren regelmäßig die Hasen zählen und in diesen Revieren („Referenzgebiete“) in NRW im gewichteten Mittel (Median) möglicherweise 16 Hasen gezählt werden. Von diesem Wert kann man allerdings kaum – wie Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW, es macht – verlässlich auf den Gesamtbestand oder auch nur die Bestandsdichte der Feldhasen in NRW schließen. Aus folgenden Gründen: In NRW wird nach Aussagen des Jagdverbandes in 100 Referenzgebieten gezählt. Die stellen gerade mal ein Anteil von 1,85 Prozent der gesamten Jagdfläche des Landes dar. Eine flächendeckende Bestandszählung in den Referenzgebieten findet nicht statt. Referenzgebiete können aus mehreren Jagdrevieren bestehen und sollen eine Größe von insgesamt ca. 500 ha haben. Zählungen werden überwiegend dort gemacht werden, wo ein sicherer Feldhasenbestand vorhanden ist. Wo der nicht mehr gegeben ist, nehmen ehemalige Referenzgebiete an den Erhebungen nicht mehr teil. Jagdpächter ohne oder mit geringen Feldhasenvorkommen nehmen an den Zählungen nicht teil oder sind unterrepräsentiert. Die Bestandszahlen pro 100 ha Fläche reflektieren demnach die Zahl der Hasen in den „besseren“ Hasenrevieren und können schon alleine deshalb nicht auf die gesamte Fläche, die als Lebensraum für Hasen in Frage kommt, hochgerechnet werden. Sie sind nicht repräsentativ. Die Ergebnisse der Zählungen auf die Jagdbezirksfläche hochzurechnen ist unseres Erachtens auch deshalb kein korrekter Ansatz, weil der relativ hohe Anteil der für Feldhasen nicht geeigneten Lebensräume (Monokulturen wie Mais, Raps) dabei nicht berücksichtigt wird. Ferner dürfte die Bestandsdichte in Forstrevieren geringer sein, als in landwirtschaftlich geprägten Revieren, so dass bei einer Hochrechnung auch hier eine entsprechende Gewichtung vorgenommen werden müsste, was aber wohl nicht gemacht wird, da diese Daten in WILD – zumindest in den öffentlich zugänglichen Berichten - gar nicht erfasst oder ausgewiesen werden. Der Deutsche Jagdverband geht in seinem Bericht zur Hasenzählung 2017 noch weiter und behauptet auf Basis seiner nicht repräsentativen Stichprobenzählungen, in Deutschland gäbe es noch 3,5 Millionen Hasen. Da ist wohl eher der Wunsch der Vater der Gedanken. Tatsächlich dürften es noch etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Feldhasen in Deutschland geben. Die Aufteilung der Streckenstatistik in erschossene und überfahrene Feldhasen in NRW macht deutlich, dass die Zahl der Hasen rapide abnimmt. Sie ist auch ein Indiz dafür, dass, wie Sprecher der Jagdverbände betonen, weniger Hasen erschossen werden. Ist ja logisch, denn in immer mehr Revieren in NRW gibt es kaum noch oder gar keine Feldhasen mehr. Für Nordrhein-Westfalen haben wir uns exemplarisch sowohl die Streckenzahlen, also die Zahl der durch Jäger getöteten Hasen, als auch die Zahl der durch Unfälle und andere Ursachen ums Leben gekommenen Feldhasen (Fallwild) angesehen: Jagdstrecke Feldhasen NRW 2001/2002: 146.199 (davon Fallwild: 24.420) 2002/2003: 152.507 (davon Fallwild: 24.484) 2003/2004: 198.764 (davon Fallwild: 25.707) 2004/2005: 178.757 (davon Fallwild: 25.678) 2005/2006: 170.864 (davon Fallwild: 24.988) 2006/2007: 154.854 (davon Fallwild: 25.051) 2007/2008: 170.222 (davon Fallwild: 24.697) 2008/2009: 134.927 (davon Fallwild: 19.362) 2009/2010: 127.977 (davon Fallwild: 18.901) 2010/2011: 126.944 (davon Fallwild: 19.402) 2011/2012: 110.598 (davon Fallwild: 18.384) 2012/2013: 96.855 (davon Fallwild: 16.980) 2013/2014: 66.985 (davon Fallwild: 15.036) 2014/2015: 61.562 (davon Fallwild: 14.578) 2015/2016: 54.199 (davon Fallwild: 12.890) 2016/2017: 47.055 (davon Fallwild: 11.097) 2017/2018: 39.780 (davon Fallwild: 10.658) Die Zahl im Rahmen der Jagdstrecke erfassten Feldhasen hat seit der Jagdsaison 2007/2008 um etwa 73 Prozent von über 170.000 auf fast 40.000 abgenommen. Selbst wenn die Jäger nur noch dort jagen, wo höhere Hasenbestände vorhanden sind, ist die signifikante Abnahme der Hasenstrecke doch ein gewichtiges Indiz für den Rückgang der Hasenbestände in Nordrhein-Westfalen. Gegenüber dem Jahr 2008 wären die Jäger in vielen Revieren auch gar nicht mehr in der Lage gewesen, Hasen zu jagen – denn es gibt sie dort ganz einfach nicht mehr oder nicht mehr in dem gekannten Ausmaß. Dass die Streckenlisten kein Spiegelbild der realen Bestandsituation sind oder sein müssen, ist ein Gemeinplatz. Damit verbunden ist, dass je nach Interessenlage der Jägerschaft die Streckenzahlen einmal so gedeutet werden, als seien sie ein Abbild der Bestandsgröße, das andere Mal in umgekehrter Weise, dass sie nicht die wirkliche Situation der betreffenden Tierart wiedergeben. Nun ist unbestritten, dass die Streckenentwicklung der Feldhasen in NRW allgemein (wie auch in anderen Bundesländern) schon seit Ende der 70er Jahre einen Abwärtstrend aufweist, der auch in den letzten 10 Jahren ungebrochen ist und mit einer Konstanz daherkommt, die von den üblichen zum Beispiel vom Wetter verursachten Schwankungen einer Hasenpopulation abweicht. Bestätigt wird unsere Feststellung des Rückgangs der Hasenbestände in Nordrhein-Westfalen auch durch jagdunabhängige Zahlen. Die Zahl der nicht durch die Jagd getöteten Langohren (Fallwild) ist ebenfalls stark rückläufig: während in den zwölf Monaten des Jagdjahres 2007/08 noch 24.697 Tiere wohl hauptsächlich überfahren wurden, waren es bei höherer Verkehrsdichte in 2017/18 nur noch 10.658. Das sind ca. 57 Prozent weniger. +++ Lesen Sie auch: Zahl der Feldhasen nimmt weiterhin ab

  • Der Gedanke des Staatsziels Tierschutz wird nicht gelebt

    Weder der Politik noch den Lobbyorganisationen ist an wesentlichen Tierschutzaspekten gelegen. Das zeigt sich gerade wieder in der Diskussion um das geänderte Bundesjagdgesetz: Hören - Die Jagdgesetze der Länder und des Bundes werden zunehmend wildtierfeindlicher. So sieht die aktuelle Änderung des Bundesjagdgesetzes ganz in Wald-vor-Wild-Manier vor, den Abschuss von Rehen weitgehend willkürlich Jägern und Waldbesitzern zu überlassen. Ginge es nach dem NABU oder dem Ökologischen Jagdverein (ÖJV) sollen Jäger künftig ganz erheblich in den Rehbestand eingreifen. Der Bayerische Jagdverband spricht von zusätzlichen 500.000 Rehen, die nach Meinung dieser Befürworter der aktuellen Novellierung des Bundesjagdgesetzes pro Jahr erlegt werden sollen. Das würde einer Steigerung der reinen Jagdstrecke um etwa 50 Prozent entsprechen. Dabei sollte eines klar sein: derartige Strecken sind keineswegs im Rahmen einer weidgerechten Jagd, wie das Tierschutzgesetz sie fordert, realisierbar. Schon heute dürften die Jagdveranstaltungen der staatlichen Forstbetriebe zum Beispiel in Bayern oder Sachsen kaum den Anforderungen des Tierschutzes entsprechen. Der Deutsche Jagdverband kommuniziert zwar ebenfalls seine Ablehnung gegenüber der geplanten Freigabe des Rehwilds im Rahmen der Gesetzesänderung, aber doch eher zaghaft, wenn nicht gar heuchlerisch. Wenn nicht dieser Verband, wer dann könnte belegen, wie wenig tierschutzgerecht schon heute die Huftiere des Waldes bejagt werden. Da wird im Rahmen von Drückjagden regelmäßig auf hochflüchtige Rehe und Wildschweine geschossen. Ohne Rücksicht auf Altersklassen werden die Sozialgefüge vieler Wildtiere regelrecht zerschossen. Hirschkälber verlieren ihre Mütter, Gruppen von zehn, zwölf Frischlingen und mehr werden zu Waisen, erfrieren oder verhungern - regelmäßig und immer wieder. Dieser Verband ruft zwar laut in den Wald, dass seine Jäger keine Schädlingsbekämpfer seien. Auf der anderen Seite ist es dieselbe Organisation, die seit Jahrzehnten über immer neue Streckenrekorde bei der Wildschweinjagd jubelt, die den Wildtieren die Nacht als letzten Rückzugsort nimmt und die Politik im Ansinnen jeglicher technischen Aufrüstung unterstützt. Wie soll es der letzte Präsident dieser Lobbyisten sinngemäß ausgedrückt haben: "Ich bin halt Präsident aller Jäger". Was sich derzeit in Sachen Jagdgesetzgebung im Politzirkus tut, ist bei einer unabhängigen rechtlichen Betrachtung wohl weder mit dem Tierschutzgesetz, noch mit dem Staatsziel Tierschutz in Einklang zu bringen. Als Tierschützer hat man den Eindruck, hier herrsche die reine Willkür. Tatsächlich ist es eher so, dass der Tierschutz für Wildtiere in Deutschland kaum angewandt wird. Schon überhaupt nicht für Tierarten, die die Rendite der staatlichen (!) Forstbetriebe schmälern, die Massentierhaltung und Ausbeutung von ausländischen Leiharbeitern gefährden, Parks und Ufer von Seen und Flüssen vollkacken oder gar (von Jägern) ausgesetzt oder aus dem benachbarten Ausland eingewandert sind. Vielmehr ist es so, dass immer mehr Wildtierarten dem Jagdrecht zugeordnet werden und auf diesem Weg den hohen Schutzstatus des Tierschutz- oder des Bundesnaturschutzgesetzes verlieren. Gemeinsam mit 27 weiteren Tierschutzorganisationen fordert Wildtierschutz Deutschland deshalb, die bisherigen jagdrechtlichen Regelungen auf ihre Vereinbarkeit mit dem nun bald 20 Jahren bestehenden Staatsziel Tierschutz zu überprüfen und bestehende Defizite zu bereinigen. Allem voran sollte endlich ausdrücklich im Jagdrecht klargestellt werden, dass die Jagd an sich keinen vernünftigen Grund zum Töten von Tieren im Sinne des Tierschutzgesetzes darstellt! Vielmehr bedarf es für die Bejagung eines jeden Tieres eines vernünftigen Grundes. Anderenfalls kann nicht von einer "weidgerechten Jagd" gesprochen werden. Die in diesem Zusammenhang immer wieder zitierte Regelung des § 4 Abs. 1 Satz 2 TierSchG bietet hierfür gerade keine Grundlage, da sie ausschließlich das "Wie" der Jagd regelt, nicht aber auch "ob" eine Tierart überhaupt bejagt werden darf. Um hier die erforderliche Klarheit zu schaffen, sollte endgültig eine entsprechende Regelung in das Bundesjagdgesetz eingeführt und die Liste der jagdbaren Tierarten der veränderten gesellschaftlichen Einstellung zum Tierschutz angepasst werden. +++ Stellungnahme der Tierschutzorganisationen zum Bundesjagdgesetz Offener Brief an BM Svenja Schulze: Artenschutz und Jagdrecht

  • Wildtierpflege: Junghasen nicht der Natur entnehmen

    Fachkundigen Rat und einige hundert Pflegestellen für kleine und große Wildtiere, für Sing- und für Greifvögel, für Fledermäuse und für Gartenschläfer finden sich über die Internetpräsenz von Wildtierschutz Deutschland. Es ist das wohl umfangreichste Verzeichnis von Wildtierpflegestellen in Deutschland. Schon im März beginnt die Zeit, in der die Telefone der meist privaten Wildtierhelfer heiß laufen. Häufig ist es so, dass dem Finder eines Wildtieres mit gutem Rat geholfen ist. Zum Beispiel, wenn wir ihm sagen, dass er den befiederten Jungvogel guten Gewissens wieder unter den Busch setzen kann, weil die Eltern ihn dort versorgen. In den letzten Wochen gab auch immer wieder Anrufer, die Frischlinge führungslos am Straßenrand beobachtet haben. Eine Konsequenz der auf politische Entscheidungen zurückzuführenden Missachtung des Elterntierschutzes bei der Jagd auf Wildschweine. In diesen Fällen kann nur die Polizei informiert werden, die sich wiederum mit dem Jagdpächter in Verbindung setzt. Viele vermeintlich hilflose Tiere benötigen keine Wildtierhilfe Hilfe benötigen Tiere, die offensichtlich verletzt sind oder sich in akuter Lebensgefahr befinden. Wildtierpfleger klagen in den letzten Jahren immer häufiger über verletzte Igel. Der unbedachte Umgang mit motorisierten Gartenhelfern, ob Motorsense oder Rasenroboter, zollt seinen Tribut. Auch werden Schwäne und Gänse mit Angelhaken im Schnabel gemeldet oder von Fassaden abgestürzte Eichhörnchen. Leider kommt es aber auch sehr häufig dazu, dass Wildtiere der Natur entnommen werden, die nur vermeintlich hilflos sind - wie das Rehkitz oder eben der Feldhase. Beide Jungtiere werden von ihren Müttern im Gras, am Feldrand oder in einer Ackerfurche abgelegt und nur zum Säugen aufgesucht. Diese Tierkinder bedürfen in der Regel nicht der Hilfe von uns Menschen und sollten ungestört zurückgelassen werden. Während Rehkitze ab Ende Mai auf die Welt kommen, gebärt die Häsin meist zwischen Januar und Oktober drei- bis viermal bis zu fünf Junge. Die enormen Geburtsraten sind der hohen Sterblichkeit durch Wettereinflüsse und Feinde geschuldet, helfen den Feldhasen aber kaum noch. Zu viele Tiere werden durch landwirtschaftliche Maschinen überfahren, finden keine geeigneten Lebensräume oder auch nicht mehr die für ihre Ernährung so wichtige „Hasenapotheke“. Die besteht aus einer Vielzahl von Gräsern und Kräutern. Zu allem Überfluss werden jedes Jahr auch noch über 200.000 der in der aktuellen Roten Liste als gefährdet aufgeführten Feldhasen im Rahmen der Jagd getötet. Vor Aufnahme von Wildtieren man Rat einer Wildtierstation einholen Grundsätzlich rät Wildtierschutz Deutschland dazu, sich beim geringsten Zweifel jeweils vor der Entnahme eines Wildtieres aus der Natur bei einer Wildtierstation zu erkundigen. Sinnvoll ist es auch, zunächst ein Foto des Tieres an die Wildtierstation zu senden und anschließend ein Beratungsgespräch mit den Experten zu führen. Das Verzeichnis der Wildtierstationen findet man hier. Es bietet eine nach Wildtierarten gegliederte Übersicht zu bundesweit tätigen Organisationen und Pflegestellen und ein Verzeichnis von Auffang- und Beratungsstellen nach Postleitzahlen.

  • Das erste Lebensjahr mit dem Fuchs Rif

    Hören - Als der junge Fuchs Rif im Mai zum ersten Mal die Augen öffnet, ist er knapp zwei Wochen alt. Seit seiner Geburt sind er und seine beiden Geschwister fürsorglich von ihrer Mutter gepflegt worden; in den wärmenden Pelz der Füchsin gekuschelt, hat die schützende Enge des Fuchsbaus die anfangs noch blinden und tauben Fellknäuel von allen Unbilden der Außenwelt abgeschirmt. Ihr graubrauner Pelz macht es zu diesem Zeitpunkt schwer, die nur wenig mehr als maulwurfgroßen jungen Füchse von Hundewelpen zu unterscheiden. Noch lassen die tapsigen Bewegungen der Kleinen kaum darauf schließen, dass Rif und seine Geschwister eines Tages zu geschickten und intelligenten Mitgliedern der erfolgreichsten Beutegreiferart unseres Planeten heranwachsen werden. Im Alter von vier, fünf Wochen trauen sich die kleinen Füchse zum ersten Mal aus ihrem Bau. Bild: Andreas Nowak Nach gut zwei weiteren Wochen inspiziert Rif unter den wachsamen Augen seiner Mutter zum ersten Mal den Ausgang des Fuchsbaus. Nervös schnuppernd und staunend in eine für ihn vollkommen neue und gänzlich unbekannte Welt blickend, wagt er sich als erstes nach draußen, gefolgt von seinen zwar ebenso neugierigen, aber weniger mutigen Geschwistern. Tollpatschig erkunden die Jungfüchse ihre Umgebung mit Augen, Nase, Pfoten und natürlich den bereits beachtlich scharfen Milchzähnen und beginnen schon bald, sich gegenseitig zu jagen und miteinander zu balgen. Auch ihre Eltern, allem voran deren buschige Schwänze, müssen nicht selten als Spielzeug herhalten. So lange die Situation es erlaubt, verlassen die erwachsenen Füchse ihren Wachtposten am Bau für einige Zeit und gehen auf die Spielaufforderungen von Rif und seinen Geschwistern ein, doch sobald auch nur ein Hauch von Gefahr auszumachen ist, signalisieren sie ihren Jungen durch einen lauten Warnruf, sofort im sicheren Bau zu verschwinden. Bleibt die Gefahr bestehen, oder empfinden die Füchse den Bau nicht mehr als sicher – beispielsweise, weil daran menschliche Gerüche wahrzunehmen sind -, zieht die gesamte Fuchsfamilie kurzerhand in ein Ausweichquartier um. Im Spiel der Fuchswelpen bildet sich schon früh eine Hierarchie heraus. Rif, als der stärkste und mutigste der Kleinen, kann seinen Platz dabei ohne Schwierigkeiten behaupten und erwirbt so das Vorrecht, bei der Verteilung der elterlichen Jagdbeute der erste zu sein. Fuchskinder werden bis zu einem Alter von acht bis zwölf Wochen von ihrer Mutter gesäugt, bekommen jedoch gegen Ende dieser Zeit bereits feste Nahrung, die von Fuchs und Füchsin erbeutet und zum Bau gebracht wird. Rifs Vater beteiligt sich aufopferungsvoll an der Aufzucht der Jungfüchse, versorgt sie und ihre Mutter mit Essbarem und spielt mit dem Nachwuchs. Gerade das Spielen ist für junge Füchse enorm wichtig: Im Spiel trainieren die Welpen bedeutende Fähigkeiten, die sie für ihr späteres Leben brauchen, können Verhaltensweisen ausprobieren, ohne die oftmals fatalen Konsequenzen des wirklichen Lebens fürchten zu müssen, und haben allem Anschein nach auch noch eine Menge Spaß dabei. Im Juli beginnen Rif und seine Geschwister schließlich, den für Füchse so wichtigen Beutesprung zunächst an Insekten, später dann an lebenden Beutetieren, die ihre Eltern ihnen von der Nahrungssuche mitbringen, zu üben. Ziel ist es dabei, sich mit seinen kräftigen Hinterläufen in die Luft zu katapultieren, die Beute – in aller Regel Mäuse – mit den Vorderpfoten zu Boden zu drücken und schließlich mit den Zähnen zu töten. Dem Ideal eines eleganten, millimetergenau gezielten „Mäusesprungs“ kommen Rifs erste Versuche jedoch nicht einmal nahe – bis die Technik perfektioniert ist, erfordert es schon einige Monate intensiven Übens. Immerhin hat Rifs Fellfarbe sich mittlerweile von dem Graubraun seiner frühen Kindheit zu der schönen Zeichnung entwickelt, die für Füchse so typisch ist: Das Fell ist dicht und leuchtend rot, der hellgraue bis weiße Pelz an Brust, Bauch und Beininnenseiten steht in prächtigem Kontrast zu dem Schwarz von Pfoten und Ohren, und der buschigen Schwanz, Zierde eines jeden Fuchses, endet in einer leuchtend weißen Spitze. Nach all der Familienidylle der vergangenen Monate wird das Leben in dem Revier, das Rif sich mit seinen Eltern und Geschwistern teilt, im September langsam unruhiger. Die Füchse verbringen nur noch wenig Zeit im Bau, und anstatt mit seinen Geschwistern zu spielen, verspürt Rif das zunehmende Bedürfnis, allein zu sein und seine Ruhe zu haben. Am liebsten liegt der junge Fuchs ausgestreckt auf einem großen Findling und lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen; auch wenn er bei der Jagd noch lange nicht so geschickt ist wie seine weitaus erfahreneren Eltern, sucht er sich seine Nahrung mittlerweile größtenteils selbst. Den Hauptanteil seiner Beute machen Mäuse und Kaninchen aus, doch auch Fallobst und Beeren schmecken Rif vorzüglich. Sowohl bei der Jagd als auch bei der Suche nach Früchten kommen dem jungen Fuchs seine überlegenen Sinnesorgane zugute – Füchse riechen 400mal besser als der Mensch, ihr Hörbereich reicht bis 65kHz, während Menschen lediglich Töne bis 16kHz wahrnehmen können, und ihre Nachtsicht ist ähnlich gut wie jene von Katzen. Für die Wanderschaft noch zu jugendlich, aber für die ersten Erkundungsgänge in der Umgebung genau richtig. Bild: René Schleichardt In den folgenden Wochen werden die Auseinandersetzungen Rifs mit seinen Geschwistern immer ruppiger. Auch wenn die jungen Füchse einander nicht ernsthaft verletzen und ihre gefährlichsten Waffen – die spitzen Fangzähne – konsequent aus dem Spiel lassen, fehlt diesen Kämpfen doch die spielerische Unbedarftheit aus früheren Tagen. Während die Atmosphäre im Fuchsrevier immer angespannter wird, verspürt Rif in zunehmendem Maße das Bedürfnis, sich ein eigenes Revier zu suchen. Nach Wanderungen über Dutzende von Kilometern und vielen Auseinandersetzungen mit ortsansässigen Füchsen, die Rif als Eindringling in ihrem Revier betrachteten und ihn dementsprechend mit Warnrufen, Drohgebärden und reichlich ungestümen Angriffen vertreiben wollten, gelingt es dem jungen Fuchs schließlich im späten Herbst, ein frei gewordenes Territorium in Beschlag zu nehmen. In den letzten Wochen hat Rif nicht nur sein dichtes, leuchtend rotes Winterfell bekommen, sondern auch an Stärke und Gewicht deutlich zugelegt. Dadurch, dass um ein Revier kämpfende Füchse sich gegenseitig in aller Regel nicht verletzen, ist es Rif erspart geblieben, durch eine Wunde allzu sehr in seinem Daseinskampf und bei der Verteidigung seines neu gewonnenen Besitzes beeinträchtigt zu werden. Mit dem ersten Schneefall im Dezember beginnt für Rif eine Zeit der Entbehrungen. Es wird immer schwerer, Beute zu finden, und immer häufiger bleibt seine Nahrungssuche erfolglos. Der Hunger hat schon viele Füchse vor ihm in die Nähe menschlicher Behausungen und ihrer Mülltonnen und Hühnerställe getrieben und dort in große Gefahr gebracht. Doch nicht die Leere im Magen ist jetzt die größte Gefahr für den jungen Fuchs: Sein prächtiger Winterpelz in der schneebedeckten Landschaft ist nicht nur ein unglaublich schöner, sondern auch ein sehr auffälliger Anblick, und so mancher Jäger wünscht sich nichts sehnlicher, als Rif dieses Fell über die Ohren zu ziehen. Als Welpe üben sie die ersten Mäusesprünge mit Insekten, als Erwachsene erbeuten sie so etwa 3.000 Mäuse pro Jahr. Bild: Timo Litters Um überleben zu können, ist der junge Fuchs jetzt vollständig auf seine scharfen Sinne und die sprichwörtliche Schläue seiner Art angewiesen. Kaum ein Tier kann sich mit dem Fuchs messen, wenn es darum geht, einerseits mit Tricks und Täuschung potentielle Beute zu überlisten, andererseits aber den Nachstellungen von Flinten- und Fallenjägern durch Vorsicht, Einsicht und blitzschnelles Reagieren zu entkommen. Im Januar hört Rif einen Laut, einen Lockruf, der ihn wie kein anderer zuvor elektrisiert. Eine Füchsin, nicht allzu weit entfernt, scheint sich nach ein wenig Gesellschaft zu sehnen. Der junge Fuchs folgt dem Locken des Weibchens, schnuppert aufgeregt, bleibt immer wieder stehen, um zu lauschen, zu wittern und die eine oder andere Antwort in den kalten Wind zu bellen, und entdeckt sie schließlich: Ein wunderschönes Geschöpf mit tiefrotem Fell, das mit geschmeidigen Bewegungen einen schneebedeckten Hang hinaufschnürt und auffordernd zu Rif hinabblickt. Für den jungen Fuchs ist es Liebe auf den ersten Blick. In den folgenden Wochen hat er nur noch Ohren und Augen für seine neu gewonnene Freundin. Er folgt ihr, umwirbt sie und beschnuppert unaufhörlich ihre Duftmarken, um den richtigen Moment nicht zu verpassen, denn Füchsinnen sind nur während weniger Tage empfängnisbereit. Die Distanz zwischen den beiden Füchsen schrumpft im selben Maße, wie ihre gegenseitige Zuneigung wächst, und das gegenseitige Beknabbern und Belecken wird immer intensiver, bis die Füchsin Rif schließlich gewähren lässt. Mit ein wenig Glück werden die Kinder der beiden Füchse im folgenden April geboren werden. Außerdem ist es gut möglich, dass Rif und seine Freundin auch in den folgenden Jahren gemeinsam Junge großziehen werden – in jagdfreien Gebieten, wo die sozialen Strukturen der Fuchsgemeinschaft stabil und stressarm sind, gehen Füchse oft lebenslange Einehen ein. +++ Weitere Informationen auf fuechse.info

  • Experten: Bundesjagdgesetz verbesserungsfähig bis fachlich nicht tragbar

    Hören - In ihren Stellungnahmen sehen die zur Anhörung vor dem Bundestagsausschuss Ernährung und Landwirtschaft zum 1. März geladenen Experten den Entwurf zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes mehrheitlich ausgesprochen kritisch bis fachlich nicht tragbar. Der monokausal auf die Reduzierung von Rehen ausgerichtete Entwurf wird seinem Anspruch, Grundlagen für einen klimaresilienten Wald zu schaffen nicht gerecht. Wie einige Experten fordern ist der Entwicklung des Lebensraums Wald ein ganzheitliches, integrales Wildtiermanagement und nicht wie in den vergangen fünf Jahrzehnten eine immer stärkere Intensivierung der Jagd geschuldet. Während Dr. Jens Jacob, Leiter der Forstabteilung im Umweltministerium Rheinland-Pfalz, wie der WWF, vertreten durch Moritz Klause, Programmleiter Wildtiere, nur leise Kritik am vorliegenden Entwurf zur Novelle des Bundesjagdgesetzes äußern, lehnen Wissenschaftler wie Prof. Dr. Dr. Sven Herzog von der TU-Dresden oder Prof. Dr. Klaus Hackländer, Vorstand des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der Universität für Bodenkultur, Wien, den Entwurf in vielen Punkten ab. Auch für Helmut Dammann-Tamke, den Präsidenten der Landesjägerschaft Niedersachsen, ist der vorliegende Entwurf mit dem Ziel des Waldumbaus entbehrlich. Als wesentliche Punkte der Kritiker werden immer wieder genannt: die Reduktion der Hege auf eine jagdliche Dienstleistung für die Forstwirtschaft, die Vorstellung, dass hoher Jagddruck dazu beitragen wird, den Wildeinfluss im Wald zu reduzieren sowie die Zielsetzung, dass eine Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglicht werden soll. Vielmehr werde die Chance vertan, Voraussetzungen für eine Lebensraumgestaltung der Wildtiere zu schaffen, die das Verhalten, den Biorhythmus, das Äsungsverhalten der Wildtiere berücksichtige. Eine einseitige Fokussierung auf die Reduktion des Rehwildbestandes verursache Stress für die Wildtiere und resultiere in erhöhtem Verbiss. Tierschutzkritische Anmerkungen macht Prof. Herzog auch im Hinblick auf die Jagd zur Nachtzeit. „Durch die Freigabe entsprechender Technik ist eine massive Zunahme der Störungen aller Wildtiere (unabhängig davon, ob sie dem Jagdrecht oder dem Naturschutzrecht unterliegen) zu erwarten.“ Das Stressniveau vieler Tierarten werde steigen und die Gesetzesnovellierung damit höhere Waldschäden vorprogrammieren. Aus forstlicher, wildbiologischer, Artenschutz- und Tierschutzsicht und vermutlich sogar aus Seuchenschutzgründen sei der Änderungsvorschlag hochproblematisch und kontraproduktiv. Eine entsprechende Änderung sollte daher unterbleiben. Der Tierschutz war darüber hinaus kein Anliegen der Ausschusssitzung oder weitere Redner. Wildtierschutz Deutschland fordert gemeinsam mit 27 weiteren Tierschutzorganisationen, dass bei einer Novelle des Bundesjagdgesetzes wissenschaftliche, wildbiologische, wildökologische und tierschutzrechtliche Aspekte stärker berücksichtigt werden. Denn nach wie vor fehlt im Bundesjagdgesetz eine klare und eindeutige Regelung dahingehend, dass ein „vernünftiger Grund“ für das Töten von Tieren im Rahmen der Jagd zwingend erforderlich ist, und wie dieser nachzuweisen ist. Folgerichtig fordern wir die Liste der jagdbaren Tierarten im Bundesjagdgesetz - nicht zuletzt auch aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Einstellung zum Tierschutz, die sich rechtlich im Staatsziel Tierschutz widerspiegelt - anzupassen. Denn davon ist die Jagdgesetzgebung weit entfernt. Im Gegenteil, werden die in der Jägerschaft so zentral propagierten Tierschutzanforderungen im unbestimmten Rechtsbegriff der Weidgerechtigkeit nach und nach aufgegeben, so dass selbst der fahrlässige Abschuss von für den Nachwuchs lebensnotwendigen Elterntieren zur tierschutzrechtlichen Bagatelle runtergestuft werden soll. Am Donnerstag, den 4. März soll der Bundestag in abschließender Lesung über das Bundesjagdgesetz abstimmen. Aktuell: Ist verschoben worden, ein neuer Termin ist noch nicht bekannt. +++ Stellungnahmen Stellungnahme Helmut Dammann-Tamke, MdL, Präsident Landesjägerschaft Niedersachsen Stellungnahme Prof. Dr. Dr. Sven Herzog, TU Dresden, Wildökologie u. Jagdwirtschaft Stellungnahme Dr. Jens Jacob, Leiter der Forstabteilung im Umweltministerium Rheinland-Pfalz Stellungnahme Moritz Klose, Programmleiter Wildtiere, WWF Deutschland Stellungnahme Prof. Dr. Andreas Bolte, Thünen-Institute, Institut für Waldökosysteme Stellungnahme Dietrich Mehl, Landeswaldoberförsterei Reiersdorf Stellungnahme Prof. Dr. Hackländer, Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Waldbiologie und Jagdwirtschaft Stellungnahme der Tierschutzverbände

  • Waschbären: erfolgreiche Einbürgerung - nutzlose Jagd

    Hören - „Die Einbürgerung des Waschbären ist erfolgreich verlaufen und nicht mehr rückgängig zu machen, wir sollten deshalb lernen, mit ihm leben zu müssen“ konstatierte bereits 1981 Dr. Walburga Lutz, eine Pionierin der deutschen Waschbärenforschung. Die erste erfolgreiche und dokumentierte Aussetzung der possierlich anmutenden Kleinbären erfolgte mit Erlaubnis des Preußischen Landesjagdamtes 1934 in Nordhessen. Heute kommt der Waschbär in unterschiedlichen Bestandsdichten in ganz Deutschland vor. Vor einigen Jahren wurde der Bestand noch mit mindestens 500 Tausend beziffert, inzwischen dürften eine Million Waschbären des Nachts durch Wald und Flur ziehen. Das Tierchen mit der Zorro-Maske ist ein Allesfresser, ein sogenannter Nahrungsopportunist: Was er leicht bekommen kann, holt er sich. Er ernährt sich liebend gerne von Obst – und frisst im Verbund auch schon einmal ganze Obstbäume leer – er verschmäht Insekten nicht, räumt aber auch mal Vogelgelege aus und verwertet menschliche Nahrungsabfälle. Berichte über negative ökologische Auswirkungen von Waschbären liest man in den letzten Jahren immer wieder. Gleichwohl hat bis dato noch keine wissenschaftliche Untersuchung dieser nach dem Bundesnaturschutzgesetz heimischen Tierart den ernsthaften Druck auf andere Tierarten nachgewiesen. Für den Deutschen Jagdverband ist das allerdings kein Grund, diese Tiere (wie auch Fuchs, Marderhund und andere) nicht zu verunglimpfen. Seit Jahren verbreitet die Jägerorganisation immer wieder die gleichen vagen Behauptungen. So sollen die überwiegend nachtaktiven Räuber auch für den Bestandsrückgang der europäischen Sumpfschildkröte verantwortlich sein (aktueller Bestand in Brandenburg etwa 70 bis 100 Stück) und auch Graureiherkolonien dezimiert haben. Wissenschaftler konnten sich vor Ort ein Bild machen und widersprechen diesen Darstellungen. In der Folge des von den Jägern ausgehenden Waschbären-Mobbings liest man in Print- und in Onlinemedien Headlines wie „Der maskierte Jäger erobert das Land“, „Terror-Waschbär macht Regierungsviertel unsicher“, „Aggressive Waschbären killen Jagdhunde“ oder „Waschbären für Artensterben verantwortlich“. Die Intention dieses breitangelegten Mobbings wird meist mitgeliefert: „Wir brauchen weiterhin die Fallenjagd.“ Der Waschbärenforscher Frank Michler wirft dem Deutschen Jagdverband in diesem Zusammenhang eine tendenziöse Argumentation vor. Der Jagdverband verbreite ein undifferenziertes und vorgefertigtes Meinungsbild und Daten, die nicht der Faktenlage entsprechen. Man könnte meinen, hier handele es sich um einen vorsätzlichen Täuschungsversuch der Öffentlichkeit. Im Jagdjahr 2019/20 wurden über 200.000 Waschbären in Deutschland im Rahmen der Jagd getötet. Die Bestandsentwicklung wird dadurch allerdings nicht einmal aufgehalten, ein messbarer Beitrag zum Artenschutz ist ebenfalls nicht zu erkennen. Eine amerikanische Studie an Waschbären zeigte auf, dass die Bejagung zu keinerlei Bestandsreduktion führte, sondern lediglich zu einer Verschiebung im Altersklassenaufbau mit einem deutlich höheren Anteil an Jungtieren und trächtigen Fähen gegenüber unbejagten Populationen (ROBEL). Es ist längst an der Zeit, dass die zuständigen Politiker in Bund, Ländern und Kommunen aufwachen, und das Jägerlatein nicht ungeprüft zur Vorlage von Gesetzen und Verordnungen machen, die der Allgemeinheit nicht nutzen und den Tieren erhebliches Leid zufügen. Quellen: Frank Michler, TU Dresden: Schreiben an den Deutschen Jagdverband zu Pressemitteilung „Tierische Invasoren breiten sich aus“ Langgemach, T. & J. Bellebaum 2005: Prädation und Schutz bodenbrütender Arten in Deutschland, Vogelwelt 126: 259 – 298. ROBEL, R.J. et al.: Racoon Populations: Does Human Disturbance Increase Mortality? In Transactions of the Kansas Academy of Science 93 (1-2), 1990, S. 22-27 Berit Annika Michler, TU Dresden: Koproskopische Untersuchungen zum Nahrungsspektrum des Waschbären Procyon lotor (Linné, 1758) im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern) unter spezieller Berücksichtigung des Artenschutzes und des Endoparasitenbefalls

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