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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

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  • Fakten statt Jägerlatein - FAQ für Leserbriefe und mehr (Teil 2)

    Propaganda: „Durch die hohe Wildschweindichte steigt das Risiko der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP)“ Fakt ist, dass in Deutschland niemand verlässlich sagen kann, wie viele Wildschweine es hierzulande gibt. Von einer hohen Wildschweindichte zu sprechen ist also rein subjektiv. Als riskante Einschleppungswege für die ASP sieht das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) vor allen Dingen die illegale Einfuhr von infizierten Schweinen und von tierischen Nebenprodukten aus Osteuropa. Auch andere indirekte Übertragungswege (Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände einschließlich Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen, Kleidung) sind ein Risiko. Die Wildschweindichte hat keine Auswirkung auf das Risiko der Einschleppung der ASP. Mehr dazu in unseren Artikeln über die Afrikanische Schweinepest Niemand kann verlässlich sagen, wie viele Wildschweine es gibt. Bild: Michael Hamann Propaganda: „Durch die hohe Wildschweindichte steigt das Risiko der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP).“ Fakt ist, dass sich Wildschweinbestände allein durch jagdliche Maßnahmen nicht reduzieren lassen. Das zeigt die Entwicklung der Zahl der erschossenen Wildschweine der letzten 40 Jahre und das belegt eine Studie der Europäischen Behörde für Nahrungsmittelsicherheit (EFSA) aus 2014. Das, was Landwirtschaftsminister landauf landab propagieren, nämlich eine noch intensivere und tierquälerische Wildschweinejagd als bisher schon, ist nicht zielführend. Die Reproduktion von Wildschweinen ist kompensatorisch. Das bedeutet, dass zum Beispiel Verluste durch die Jagd durch mehr Nachwuchs kompensiert werden (einzelne Sauen bekommen mehr Jungtiere und diese beteiligen sich dann auch schon bald an der Vermehrung). Unabhängig von der Wildschweindichte liegt das Hauptrisiko immer in der Verbreitung durch menschliches Handeln. Mehr dazu in unseren Artikeln über die Afrikanische Schweinepest Der Bauernverband fordert 70 % der Wildschweine zu töten. 70 Prozent wovon hat er nicht gesagt. Der Deutsche Jagdverband meint, es gäbe 300.000 Wildschweine. Im Jagdjahr 2015/16 wurden aber 600.000 Wildschweine getötet. Spinnen denn alle? Bild: Michael Hamann Propaganda: „Die den Abschuss von 70 % des Wildschweinbestandes lässt sich das Risiko der Afrikanischen Schweinepest reduzieren.“ Fakt ist, dass der Bauernverband, der diese unsinnige Forderung gestellt hat, überhaupt keine Kenntnis des aktuellen Bestands von Wildschweinen in Deutschland hat. Das weiß allerdings auch sonst keine Behörde. Nicht einmal der Deutsche Jagdverband. In „Die Zeit“ wird er mit einer Schätzung von etwa 300.000 Wildschweinen in Deutschland quasi ausgelacht. Man kann sich der Zahl der Wildschweine in Deutschland aber annähern. Die höchste bekannte Verringerung einer Wildschweinpopulation gelang in einem eingezäunten spanischen Jagdgebiet von 723 ha (Boadella et al., 2012). Trotz aller Ungewissheit hinsichtlich der Bestandmessung ging man von einer Reduzierung um 56,8 % aus. Bezogen auf eine Fläche wie Deutschland, entspricht die aktuelle Reduzierung der Zahl der Wildschweine vielleicht 40 %. Das hieße, es gab während der vergangenen vier Jagdjahre etwa 1,2 bis 1,5 Million Wildschweine in Deutschland. In den kommenden Jahren müsste man also - um die 70 %-Quote zu erfüllen - jeweils zwischen 830.000 und 1,06 Million dieser intelligenten Tiere abschießen – was illusorisch ist. Im Mittel der letzten 10 Jahre wurden pro Jahr etwa 540.000 Schwarzkittel niedergemetzelt. Mehr dazu in unseren Artikeln über die Afrikanische Schweinepest Nach Schätzung von Wildtierschutz Deutschland gibt es etwa zwischen 1,2 bis 1,5 Million Wildschweine in Deutschland. Bild: Timo Litters Alle Fragen und Antworten als PDF-Dokument (Teil 1 & 2)

  • "Blind, taub und stumpf ...

    ... wie diejenigen, die in diesem Winter Ende Januar bis Mitte Februar mit dem Argument jagten: "Wir müssen noch Abschüsse erfüllen und auch den Sauen nachstellen. Tierschutznormen wurden schon vor der Hysterie um die Afrikanische Schweinepest nicht eingehalten, was jetzt auf Geheiß der Agrarminister/innen abgeht, ist einer hochentwickelten Gesellschaft unwürdig. Bild: Heiko Anders Gesetzlich erlaubt oder nicht: Wer kein Gefühl mehr hat für das Wild, das in dieser Zeit Not leidet, vielleicht sogar schon Frischlinge im Kessel hat oder zumindest dick geht [Anm. "schwanger"], im verharschten Schnee einbricht, sich die Läufe wund schlägt bis es entkräftet und schweißend [euphemische Jägersprache für "blutend"] vom Raubwild oder dem Hund den Garaus gemacht bekommt, der ist ein widerlicher Schinder und hat keinen Anstand. Ein Jäger ist er nicht!" Zitat von Heiko Hornung (Chefredakteur), Wild und Hund 6/2010 Lesen Sie auch: Nur jeder dritte Schuss ist tödlich

  • Über Jäger, Hege und Wildtiere

    Der Originaltext des Autors Carl Sonnthal, www.wildbeimwild.com, Schweiz, wurde für den deutschen Leser leicht angepasst. Kaum sind einige Luchse und Wölfe im Land, ist manch ein Jäger schon wieder überfordert. Jäger stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, diese Tiere ins Jagdrecht zu übernehmen und Abschussquoten zu fordern. Im Urzustand, also dort, wo der Jäger das Leben und die Biodiversität in der Natur nicht durcheinander gebracht hat, sind Wildbestände vorhanden, die sich dynamisch anpassen. Beutegreifer, harte Winter, Krankheiten und Nahrungsangebot sorgen dafür, dass keine Massenvermehrung eintritt. Jäger zählen gerne die Hegestunden, Bäume und Büsche, die sie — aus lauter Naturliebe natürlich und im fürsorglichen Dienst an der Allgemeinheit — pflanzen. Warum sie dafür einen Jagdschein brauchen, wissen nur sie. Wenn ihnen jedoch Bäume auf dem Hochstand (die häufig ohne Befragung des Grundstückseigentümers errichtet werden) im Schussfeld stehen, sägen Jäger sie nicht selten illegal ab, um Schussschneisen anzulegen. Das ganze Propaganda-Geschrei um die Hegearbeit verhält sich umgekehrt proportional zu den Taten. Es sind die Jäger, die das Wild scheu machen. Bild: Michael Hamann Mit ihren hunderten Tonnen Munitionabfällen verseuchen sie Boden, Gewässer und auch das Fleisch der Tiere. Daran stirbt ein erheblicher Teil von fleischfressenden Beutegreifern, insbesondere Greifvögel. Jagd ist sportliches Schießen auf bewegliche, lebende Ziele in tierquälerischer Gesellschaft. Nicht selten werden die gesunden Tiere nicht richtig getroffen. Ein Jäger verpasst einem Rotwildkalb einen Bauchschuss. Alle Wildtiere im selbigen Gebiet zucken wegen des Lärm zusammen, haben Angst. Der Darm tritt aus. Vor Schmerzen gepeinigt und in höchster Todesangst flieht das Jungtier. Es beginnt eine dreiviertelstündige Hetzjagd mit Hunden. Der Darm tritt weiter aus. Er wickelt sich um die Beine des Tieres. Das Tier reißt sich selbst den ganzen Darm heraus. Der Darm zerreisst in Stücke. Die Stücke säumen seinen Fluchtweg. Die Hunde beissen das Tier am ganzen Körper. Am Ende klopft sich der Jäger dafür auf die Schulter, dass er das Tier von “seinem” Leid erlöst hat. Das sind Naturerlebnisse, die Passion des Jägers. Dennoch nennen sich Jäger Naturschützer. Ständig führen sie ihre gesetzliche Verpflichtung, durch die Hege des Wildes für einen “artenreichen und gesunden Wildbestand” zu sorgen, im Munde. Ein Großteil der jagdbaren Tierarten ist jedoch ausgestorben oder vom Aussterben bedroht (z.B. Elch, Wisent, Luchs, Wolf, Wildkatze, Auer-, Birk-, Haselhuhn, Großtrappe, Adler, Falken, Geier), und das nach hundert Jahren waidmännischer Hege. Wenn Jäger von wildbiologischen Zusammenhängen, Nachhaltigkeit usw. reden, handelt es sich in Wirklichkeit um Jägerlatein und Müllbiologie. Jäger behaupten: Spaziergänger, Reiter, Jogger, Fahrradfahrer, Pilze- und Beerensammler, Hundehalter, Foto- und Filmfreunde — sie alle vertreiben das Wild und gehören gemaßregelt. Gemäß wissenschaftlichen Untersuchungen in Österreich waren es zu 94 Prozent aller Fälle Jäger, welche Wildtiere zur Flucht veranlassen, zwei Prozent Forstarbeiter und nur zu 4 Prozent Erholungsuchende. Es sind also die Jäger, die das Wild scheu machen. Sie versetzen das Wild in einen andauernden Kriegs- und Belagerungszustand. Reh und Rothirsch sind ursprünglich keine Waldtiere, sondern tagaktiv in der offenen Landschaft oder am Waldrand beheimatet. Nur der Jäger wegen verstecken sie sich tagsüber im Wald, wo sie dann Blätter und Knospen von den Bäumen fressen oder Rinde abschälen und so Schaden anrichten können. Den Sinn der fanatischen Fuchsjagd kennt auch kein Mensch, dem keine Gehirnwäsche verpasst wurde. Ist man einmal in den Fängen einer dieser sektenartigen Jagdgesellschaften, das Herz abgestumpft und verdörrt, gibt es fast kein Entrinnen mehr. Nicht Wenigen bleibt bei soviel Unkultur nur der Griff zur Flasche. Lesen Sie auch: Jagd ist im Naturschutz ein großes Problem

  • Deutscher Jagdverband: „Pille für Wildschweine ist Utopie“

    In einem dpa-Artikel mit der Überschrift „Pille für Wildschweine ist Utopie“ wird der Pressesprecher des Deutschen Jagdverbandes, Torsten Reinwald, zitiert, wonach das IZW Institut für Zoologie und Wildtierforschung Berlin Versuche mit der Pille wieder eingestellt habe. Diese Aussage ist falsch. Nach Information von Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland, konnten entsprechende Versuche aufgrund nicht zur Verfügung stehender Finanzmittel gar nicht erst durchgeführt werden. Kauertz beruft sich auf die aktuelle Information eines stellvertretenden Direktors des IZW. „Während das Medikament bereits seit langem marktreif ist, bedarf die sichere Verabreichung an Wildschweine noch einer wissenschaftlichen Begleitforschung. Dazu sind Forschungsgelder erforderlich. Hier allerdings blocken die Landwirtschaftsministerien.“ Die Vermutung liegt nahe, dass die von jagdlichen Interessen infiltrierten Entscheidungsgremien an tierschutzkonformen Lösungen, die andere als die Jagd sein könnten, gar nicht interessiert sind. Ein Erfolg der Pille für das Wildschwein würde auch dem letzten Hinterbänkler die Augen dafür öffnen, dass die Schwarzwildjagd in den letzten 30 Jahren nicht ansatzweise ihren gesetzlichen Auftrag hat erfüllen können. Bild: Timo Litters Auch der Einwand des DJV-Pressesprechers hinsichtlich des Impfpräparates zeigt, dass sich die Jagdlobbyisten wohl noch nicht einmal mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Zur Anwendung kommen keine Hormone, wie Reinwald behauptet, sondern Impfstoffe, die mit Antikörpern die Hormonbildung beeinflussen. Das ist ein Unterschied, denn diese Methode wäre unbedenklich im Hinblick auf die Verwertung des Wildbrets von geimpften Wildschweinen. Dass es möglich ist, Wildschweine auch in freier Wildbahn zu impfen, zeigen z.B. Feldversuche der TU Dresden. Für eine Studie zur Raum- und Habitatnutzung des Schwarzwildes (Wildschweine) wurden im Areal eines Forstamtes in Mecklenburg-Vorpommern schon vor 15 Jahren 152 Wildschweine gefangen, mit Sendern und/oder Ohrmarken versehen. Diese Tiere hätte man auch impfen können. „Wir verstehen, dass Jagdlobbyisten andere Lösungen als die Jagd zur Einflussnahme auf die Bestandsentwicklung von Wildschweinen kategorisch ablehnen. Ein Erfolg der Pille für das Wildschwein würde auch dem letzten Hinterbänkler die Augen dafür öffnen, dass die Schwarzwildjagd in den letzten 30 Jahren nicht ansatzweise ihren gesetzlichen Auftrag hat erfüllen können: Die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes.“ SZ-Online: Pille für Wildschweine ist Utopie Wildtierschutz Deutschland: Längst überfällig - Pille für das Wildschwein

  • Luxemburg verlängert Jagdverbot auf Füchse

    Der Luxemburgische Regierungsrat hat das im Jahr 2015 eingeführte Verbot der Fuchsjagd soeben um ein weiteres Jahr verlängert. Die Schonung der Füchse ist ein Erfolgsmodell: Die Fuchsbestände sind stabil; die von Jägern im Vorfeld des Jagdverbots prognostizierte „Bestandsexplosion“ ist ausgeblieben. Eine Studie zeigt nun, dass die Schonung des Fuchses auch das Risiko für den Menschen reduziert, am Fuchsbandwurm zu erkranken. Das Aktionsbündnis Fuchs, eine Initiative von mehr als 40 deutschen Tier- und Naturschutzorganisationen, der auch Wildtierschutz Deutschland angehört, fordert die Bundesregierung auf, dem Beispiel Luxemburgs zu folgen. Das Luxemburgische Umweltministerium hatte die Fuchsjagd bereits 2015 verboten, weil man keinen vernünftigen Grund für die Tötung mehrerer tausend Füchse im Jahr sah. Jagdverbände hatten dagegen immer wieder vor ausufernden Fuchsbeständen durch das Jagdverbot gewarnt. Zudem versuchten sie wiederholt, die Angst vor dem Fuchsbandwurm zu instrumentalisieren, um das Reglement zu kippen. "Kein vernünftiger Grund für die Tötung mehrerer tausend Füchse im Jahr" Photo by Ray Hennessy on Unsplash Jagd erhöht das Infektionsrisiko durch den Fuchsbandwurm Allerdings gibt es bis heute keinerlei Anzeichen für höhere Fuchsbestände. Eine im November 2017 in Frankreich veröffentlichte Studie zeigt darüber hinaus, dass Bejagung das Infektionsrisiko durch den Fuchsbandwurm sogar erhöht: Während die Infektionsrate der Füchse infolge starker Bejagung von 40 Prozent auf 55 bis 75 Prozent stieg, blieb sie in einem jagdfreien Kontrollgebiet konstant. Franck Boué, einer der Autoren der vielbeachteten Untersuchung, stellt die Ergebnisse in einem Vortrag am 29.1.2018 in Luxemburg-Stadt vor. Fuchsbestände bedürfen keiner „Regulierung“ durch den Menschen Immer wieder zeigen sowohl Studien als auch Praxiserfahrungen in den verschiedensten Gebieten, dass Füchse keiner „Regulierung“ bedürfen. Steigen die Verluste etwa durch die Jagd, führt das zu höheren Geburtenraten und stärkerer Einwanderung aus benachbarten Gebieten, wodurch die Verluste schnell wieder ausgeglichen werden. Andererseits zeigen Erfahrungen aus jagdfreien Gebieten, dass dort weniger Fuchswelpen geboren werden und eine Massenvermehrung ausbleibt. „Geburtenkontrolle statt Massenelend“, kommentierte dies einst der Biologe Erik Zimen. Verbot der Fuchsjagd: Richtungsweisend für ganz Europa Das Fuchsjagdverbot in Luxemburg ist richtungsweisend für ganz Europa: Gegen der massiven Druck einer einflussreichen Lobby wurde auf Basis nachprüfbarer wissenschaftlicher Fakten die richtige Entscheidung getroffen. „Es wird höchste Zeit, dass auch politische Entscheidungsträger in Deutschland aufhören, sich den Interessen der Jagdlobby zu beugen“, so Lovis Kauertz, Mitinitiator des Aktionsbündnisses Fuchs. „Das Beispiel Luxemburgs zeigt, dass ein Verbot der Fuchsjagd nicht nur den oftmals qualvollen Tod tausender Füchse verhindert, sondern für Bürger, Tier- und Naturschutz durchweg ein Erfolgsmodell ist.“ „Es wird höchste Zeit, dass auch politische Entscheidungsträger in Deutschland aufhören, sich den Interessen der Jagdlobby zu beugen“ Photo by Ray Hennessy on Unsplash Lesen Sie auch: Intensive Fuchsjagd ist ein Krankheitsrisiko für Menschen Im Text zitierte Fuchsstudie: Elsevier B.V., Preventive Veterinary Medicine: Studie zur Verbreitung von Wildtierkrankheiten durch die Fuchsjagd, Sebastien Comte et al.

  • Afrikanische Schweinepest rechtfertigt keine tierschutzwidrigen Maßnahmen gegen Wildschweine

    Dass die Afrikanische Schweinepest (kurz: ASP) auch nach Deutschland kommt, daran zweifelt derzeit kaum jemand mehr. Auch daran nicht, dass der Massentierhaltungsindustrie dadurch ein jährlicher Schaden von etwa drei bis vier Milliarden Euro entstehen kann. Wildtierschutz Deutschland bezweifelt seit langem den Nutzen einer intensiven Jagd auf Wildschweine und verurteilt aktuelle Maßnahmen wie die Aufhebung von Schonzeiten, die Jagd während der Winterruhe der Tiere, nächtliche Störungen der Wildtiere durch die Jagd mit Scheinwerfern und Nachtsichtgeräten. Diese Maßnahmen seien hinsichtlich der Eintragung der ASP weder zielführend noch gebe es durch die potentielle Gefahr des Auftretens der ASP einen vernünftigen Grund, Tierschutznormen außer Kraft zu setzen. Volkswirtschaftlich irrelevant „Ein volkswirtschaftlicher Schaden von bis zu vier Milliarden Euro – das sind ca. vier Euro pro Bürger pro Monat – kann kein Grund sein, Tierschutznormen außer Kraft zu setzen,“ so Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland. „Schon durch die heute üblichen Jagdformen auf Wildschweine werden viele Tiere - wie diverse Untersuchungen belegen – zu Tode gequält. Das Fallenlassen weiterer Tabus hätte wohl zwingend auch Auswirkung auf alle anderen wildlebenden Tiere in Deutschland. Abgesehen davon sind schon in den vergangenen 30 Jahren trotz intensiver Jagd die Bestände der Wildschweine durch höhere Geburtenraten kurzfristig wieder kompensiert und überkompensiert worden. Die Jagd auf Wildschweine ist hinsichtlich einer Reduzierung der Bestände nicht zielführend. Sie führt zur Zerstörung der geburtenbeschränkenden Sozialgefüge und führt zu höherer Reproduktion. Die Pille für das Wildschwein könnte Entlastung bringen. Aber darüber wollen Politiker und Jagdlobbyisten nicht nachdenken.“ Das was Deutschlands Landwirtschaftsminister veranstalten grenzt an Hysterie, Bild: Detlef Hinrichs Die Afrikanische Schweinepest wird über Menschen eingeschleppt, nicht über Wildschweine Wildschweine sind relativ standorttreu und werden kaum von Ostpolen über die Oder nach Deutschland wandern und den ASP-Virus einschleppen. Das ist schon deshalb unmöglich, weil sie durch die Krankheit extrem geschwächt und spätestens kurz hinter Warschau sterben würden. Wenn die ASP nach Deutschland kommt, dann wahrscheinlich über ein unachtsam weggeworfenes Wurstbrötchen aus Osteuropa oder durch kontaminierte Fahrzeuge. „Genau hier sollten Politiker ansetzen, wenn sie etwas gegen die Eintragung der Afrikanischen Schweinepest tun wollen. Das Kleben von Warnplakaten an Grenzübergängen und auf Parkplätzen ist da wahrlich nicht ausreichend.“ Weitere Artikel zur Afrikanischen Schweinepest

  • Mein Name ist Fuchs, Reinhardt Fuchs

    Hallo, guten Tag! Mein Name ist Fuchs, Reinhardt Fuchs. Manche Zweibeiner nennen mich auch „Reineke Fuchs“, aber das finde ich reichlich altmodisch. Es passt einfach nicht mehr in die modernen Zeiten. Genauso wenig wie das Lied, das den kleinen Menschen immer noch im Kindergarten beigebracht wird: „Fuchs du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her, sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr.“ Alles Lüge, gemeine Lüge! Wie soll ein Fuchs denn an Gänse kommen, die die Menschen heutzutage in Massen in Ställe sperren, um sie selbst zu töten und zu essen, wenn sie dick und fett gemästet sind. Als einmal eine Stalltüre offenstand, habe ich sie gesehen. Was soll ich sagen? Da standen sie, eng an eng, kaum dass sie sich umdrehen konnten, aufgeregt schnatternd. Die Gänse haben mir leidgetan, nie hätte ich mich an ihnen vergriffen. Mein Name ist Fuchs, Reinhardt Fuchs. Manche Zweibeiner nennen mich auch „Reineke Fuchs“, aber das finde ich reichlich altmodisch. Bild: Luise Dittombée Und die Jäger? Ja, die verfolgen und erschießen uns Füchse, wo immer sie einen treffen, da brauchen wir uns gar nichts zu Schulden kommen lassen. Sie nennen uns „rote Freibeuter“. Sie hassen uns. Sie jagen uns. Sie verbreiten Lügen über uns. Sie behaupten, wir Füchse übertragen Tollwut, dabei tritt diese Krankheit seit vielen Jahren hier gar nicht mehr auf. Jäger sagen auch, wir übertragen den „Fuchs-Bandwurm“ auf Haustiere - der eigentlich - weil er von Mäusen kommt, Mäuse-Bandwurm heißen müsste. Sie sagen, wir haben ansteckende Räude, Staupe und was weiß ich noch alles … Jedes Jahr töten diese Jäger mehr als eine halbe Million von uns. 500.000 tote Füchse nebeneinandergelegt – was gäbe das für eine „Strecke“! Die meisten werden erschossen, viele in Fallen gefangen, erschlagen oder von Jäger-Hunden ergriffen und getötet. Eine Tragödie! Bis vor Kurzem entsorgten Jäger unsere toten Artgenossen als Abfall, als Müll – einfach so. Wir waren nichts wert. Obwohl Menschen alle möglichen toten Tiere in sich hineinstopfen, werden Füchse offenbar nicht verspeist. Lange Jahre interessierte sich niemand mehr für unseren Pelz. Das hat sich geändert. Zur Zeit gibt es nämlich wieder einen Boom- einen Pelzboom. Die Modewelt der Zweibeiner macht mordsmäßig Reklame für Pelze von echten Tieren. Wenn nicht als Jacke oder Mantel, dann eben als Mütze, als Bommel auf dem Kopf, am Kragen, an den Stiefeln und wer weiß, wo sonst noch. Auch Fuchspelze! Jawohl, tote Füchse werden wieder gebraucht. Davon wollen jetzt auch die Jäger profitieren. Allerding können die mit der Billig-Konkurrenz aus chinesischen Fuchsfarmen schlecht mithalten. Trotzdem! Jäger rotten sich zusammen und bieten die abgezogenen Felle meiner Artgenossen zum Kauf an. Sie gründen Firmen, um die „reifen Fuchsbälge“ zu vermarkten. Für die Jäger sind wir „reif“, wenn unser Fell schön dick, dicht und flauschig ist, das ist meistens im Winter er Fall. Eine neueste Jägergründung heißt – idiotischer geht’s kaum noch: „Fellwechsel“. Man könnte meinen, ob Jäger nun meine toten Artgenossen auf den Müll werfen oder ihren Pelz verkaufen, mache keinen Unterschied. Einspruch! Fuchsfelle, die in den Handel kommen, müssen gut und unversehrt aussehen und dürfen nicht von Bleischrot durchsiebt und durchlöchert sein. Was das heißt? Zur Erklärung reicht eigentlich nur ein Wort: Fallenjagd! Viele Zweibeiner meinen ja, Fallen seien längst verboten. Irrtum! Verboten ist das Tellereisen. Bild: Tierschutzverein Lemgo Viele Zweibeiner meinen ja, Fallen seien längst verboten. Irrtum! Verboten ist das Tellereisen. Wenn ein Tier auf den Teller eines solchen Eisens tritt, schlagen zwei Bügel zusammen und halten das Tier meist am Bein fest, bis ja, bis der Fallensteller auftaucht und das Tier tötet. Es kommt auch vor, dass sich das Opfer selbst befreit, indem es sich ein Bein abbeißt. Wenn es nicht bereits am Schock gestorben ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist hier das Tellereisen seit langem nicht mehr erlaubt. Aber: Jägern dürfen immer noch Fallen stellen, die – nach dem Gesetz – entweder ein Tier lebend fangen oder sofort töten sollen. Die Totschlagfallen werden mit einem Köder bestückt. Wenn ein Tier den Leckerbissen aufnehmen will, schlagen zwei gezackte Bügel über seinem Kopf zusammen und brechen ihm das Genick. Dann muss nur noch der Fallensteller kommen, sich den toten Körper aneignen und ihm das Fell über die Ohren ziehen – fertig ist der Fuchspelz. So ist es gedacht. Dass das nicht immer nach Vorschrift funktioniert, und dass Fallenjagd mit übler Tierquälerei verbunden ist, weiß ich aus eigener Anschauung. Ich habe nämlich das Landleben und die dort lauernden Gefahren kennengelernt - bis zum Erbrechen. Der Fuchsbau meiner Familie befand sich in einem riesigen bewaldeten Jagdrevier, gut versteckt, aber nicht weit von der großen Stadt. Wir konnten sie hören und riechen. Wir waren eine kleine Familie: Mutter, Vater und drei Kinder. Alles Jungs. Als wir noch Welpen waren, kümmerte sich hauptsächlich unser Vater darum, dass es uns gut ging. Er versah den Außendienst, schob Wache, ging auf Mäusejagd, schleppte Essen heran, spielte mit uns Kleinen. Unsere Mutter blieb meistens im Bau und umsorgte und verhätschelte uns. Bis, ja, bis zu jenem Tag, an dem unser Vater nicht mehr nach Hause kam. Er blieb verschwunden. Wir ahnten bald, was geschehen war. Jäger! An jenem Morgen hörten wir nämlich Schüsse, Geschrei, Hundegebell. Da war eine Treibjagd in der Gegend. Wir kannten das schon. Die Jäger sind dann außer Rand und Band und schießen auf alles, was sich bewegt. Normalerweise heißt das für uns Füchse: Ruhe bewahren, im Bau bleiben, bloß nicht draußen sehen lassen. Unser Vater hat es nach seinem nächtlichen Streifzug nicht mehr zu uns geschafft. Jäger müssen ihn auf der Flucht erschossen haben. Das war Mord! Entsetzlich, welch ein Trauerspiel! Unseren Vater und Ernährer – er fehlte an allen Ecken und Enden. Nun musste unsere Mutter ganz alleine drei Halbstarke zu lebenstüchtigen Füchsen erziehen. Es war nicht einfach, aber ich möchte behaupten, es ist ihr gelungen. Meine beiden Brüder haben sich früh selbständig gemacht und ihr eigenes Streifgebiet gesucht. Ich habe sie nie wiedergesehen … hoffentlich sind sie noch am Leben… ach, ich mag nicht darüber nachdenken! Ich selbst wurde mit der Zeit ein erfolgreicher Ratten- und Mäusejäger. Ich wollte noch eine Zeitlang bei meiner Mutter bleiben, um sie zu unterstützen. Sie war nicht mehr die Jüngste. In Freiheit sind sechs oder sieben Fuchsjahre schon ein schönes Alter. Wir zählen zwar zu den Hunden - sind Wildhunde, aber unsere Lebenserwartung ist lange nicht so hoch wie bei Haushunden. Sie schwankt stark. Zehn Jahre sind eine absolute Ausnahme. Die hätte ich meiner Mutter so sehr gegönnt, doch es kam anders. Meine beiden Brüder haben sich früh selbständig gemacht und ihr eigenes Streifgebiet gesucht. Bild: René Schleichardt Den Tag, an dem ich meine tote Mutter in einer „Lebendfalle“ fand, werde ich nie vergessen. Allein der Gedanke daran macht mich fuchsteufelswild! Seitdem hat sich meine kleine Welt total verändert. Diese Falle, die eigentlich ein mit Zweigen und Blättern getarnter Drahtkasten war, hatte der Fallensteller genau auf dem schmalen Pfad aufgestellt, der zu unserem Bau führt. Warum meine erfahrene Mutter da reingeraten ist, ist mir heute noch ein Rätsel. Als die Fallentür zuschlug, hat sie sicher erkannt, dass sie gefangen war und muss völlig ausgerastet sein. Panik! Bei ihren Versuchen, sich zu befreien, hat sie sich schlimm verletzt. Ihr Gesicht war blutverschmiert. Auch die Ballen der Vorderpfoten waren aufgescheuert und voller Blut. Wahrscheinlich hat sie der Stress umgebracht. Herzversagen! Und ich stand da, zitternd, wütend, hilflos, weinend. Bis … ja, bis ich das bekannte Röhren des Jäger-Jeeps hörte, das immer näher kam. Da floh ich … Ich rannte, rannte, rannte um mein Leben. Erstmal völlig kopflos – doch zum Glück in die richtige die Richtung. Vom Landleben hatte ich die Schnauze gestrichen voll! Nach einigen Umwegen ist es mir gelungen, die große Stadt zu erreichen. Und nachdem ich wieder zur Ruhe und Vernunft gekommen war, wurde ich Untermieter in einem sehr geräumigen Bau. Er gehörte einem netten, aber ziemlich grimmig aussehenden Dachs. Er nannte sich selbst „Meister Grimbart“ und sprach mich stur mit „Reineke“ an. Naja, das passte zu ihm. Normalerweise gingen wir uns aus dem Weg, grüßten nur freundlich, wenn wir uns mal begegneten. Von ihm habe ich wenig erfahren, was das wilde Leben im Großstadt-Dschungel ausmacht. Dafür umso mehr von meinen Artgenossen. Erfreulich! Ich traf sie an fast jeder Ecke. Sie waren so hilfsbereit – von Konkurrenz keine Spur! Sie haben mir sehr schnell alles beigebracht, was ein Großstadt-Fuchs zum Überleben wissen muss. Ich war ja als Landei völlig ahnungslos … Sie machten mich zum sprichwörtlich schlauen Fuchs! Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar. Nie hätte ich gedacht, dass sich in dieser Stadt an die 3000 Artgenossen tummeln. Es gibt eine ganze Reihe Gründe, weshalb sie gerne und gut in diesem großen, grünen Revier leben. Ein Grund ist sicher das tolle Nahrungsangebot. Es gibt massenhaft Ratten und Mäuse, Kaninchen, Vögel, weggeworfenes Essen, Komposthaufen, Abfallbehälter mit Essbarem, sogar sehr leckeres Katzenfutter in manchen Vorgärten. Zudem begegnet uns hier die Menschen viel weniger feindlich als auf dem Land. Und – das ist für alle Füchse ein ganz wichtiger Grund: hier sind wir vor Jägern sicher, selbst die Fallenjagd ist verboten! Wo geht's hier bitte in die Stadt, vom Landleben habe ich die Schnauze voll. Bild: Timo Litters Natürlich gibt es auch Gefahren in diesem fuchsigen Schlaraffenland: Da ist erstmal der wahnsinnig dichte Autoverkehr. Eine ernste Bedrohung, denn wir sind immer mal wieder gezwungen auch breite Straßen zu überqueren. Sehr traurig, dass öfter unerfahrene Artgenossen unter die Räder kommen. Dann gibt es auch üble Zweibeiner, die legen heimlich vergiftete Köder aus. Ich frage mich, wen sie töten wollen – Ratten, die sie hassen oder andere Tiere, die sie nicht mögen oder uns Füchse? Und dann gibt es noch freilaufende Hunde, die manchmal durchdrehen und uns verfolgen – sogar bis in unseren Bau. Manchmal bleibt einer darin stecken, dann ruft sein Mensch die Rettungskräfte, die ihn wieder ausbuddeln müssen. Nee, weißte! Wir sehen das gar nicht gern. Das bringt nur Unruhe ins Revier. Aber damit muss man leben. Jetzt lebe ich schon ziemlich lange in der großen Stadt. Und ehrlich gesagt: ich lebe gerne hier. Ich bin zufrieden. Ich habe alles, was ich zu einem artgerechten Fuchsleben brauche. Und sogar noch ein bisschen mehr. Es kann nämlich sein, dass ich Meister Grimbarts Bau bald verlasse und meine eigene Wohnung beziehe! Ich habe da jemanden kennengelernt … Drückt mir die Daumen! Oh, beinahe hätte ich's vergessen: bitte setzt euch für ein Verbot der Fuchsjagd ein, damit wir überall in Frieden leben können! Euer Reinhardt Fuchs Weitere Artikel zu Fuchsthemen gibt es hier

  • Über 40 Organisationen prangern grausame Fuchswochen an

    Im Januar und Februar haben Füchse noch mehr als sonst unter Nachstellungen zu leiden: Ausgerechnet zur Paarungszeit werden sie im Rahmen sogenannter Fuchswochen vielerorts besonders rücksichtslos verfolgt. Mehr als 40 Organisationen und Initiativen aus dem Natur- und Tierschutzbereich fordern, Luxemburgs Vorbild zu folgen und die ebenso grausame wie sinnlose Fuchsjagd einzustellen. Fuchswochen sind mehrere Jagdreviere übergreifende Veranstaltungen, bei denen mit allen zur Verfügung stehenden Jagdmethoden Hatz auf Füchse gemacht wird. Am Ende einer solchen Tötungsaktion liegen bisweilen mehrere Dutzend Füchse „auf der Strecke“ – viele von ihnen schlimm zugerichtet, mit zerschossenen Kiefern und Läufen oder heraushängenden Eingeweiden. Ende einer Fuchswoche. Bild: Bianka Pelli, Wildtierschutz Deutschland Qualvoller Tod ganzer Fuchsfamilien Diese intensive Bejagung erfolgt gerade in einer Zeit, in der Wildtiere eigentlich mit ihrer Energie haushalten müssen. Bei Füchsen spielt darüber hinaus der Fuchsvater eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Füchsin und Welpen im Frühjahr – wird dieser nach erfolgter Paarung beispielsweise im Rahmen der Fuchswochen getötet, führt dies nicht selten später zum qualvollen Tod der gesamten Familie. Fuchsjagd: Grausam und sinnlos Etwa eine halbe Million Füchse werden in Deutschland Jahr für Jahr von Jägern getötet, wobei auch besonders grausame und in anderen Ländern bereits verbotene Praktiken wie die Baujagd, die Jagd mit Totschlagfallen oder die Abrichtung von Jagdhunden an lebenden Füchsen zum Einsatz kommen. Anders als von Jagdverbänden behauptet, kann von einer „Notwendigkeit“ der Fuchsjagd keine Rede sein: Studien zeigen ebenso wie Erfahrungen aus fuchsjagdfreien Gebieten unmissverständlich, dass Fuchspopulationen sich ohne menschliches Zutun regulieren. Verluste durch die Jagd werden dagegen durch steigende Geburtenraten und Zuwanderung schnell ausgeglichen. Aktionsbündnis Fuchs fordert Einstellung der Fuchsjagd Das Aktionsbündnis Fuchs ist ein stetig wachsender Zusammenschluss aus derzeit mehr als 40 Tier- und Naturschutzorganisationen, dem auch Wildtierschutz Deutschland e.V. angehört. Es setzt sich dafür ein, dass die Fuchsbejagung bundesweit beendet wird. „Es wird höchste Zeit, dass diesen sinnlosen Grausamkeiten Einhalt geboten und die Gesetzgebung dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand angepasst wird“, erläutert Dag Frommhold, einer der Initiatoren des Bündnisses. „Luxemburg hat dies im Frühjahr 2015 getan, mit ausnehmend positiven Ergebnissen.“ Weitere Artikel zum Thema Fuchs und Fuchsjagd

  • Jagdhündin Wessna, eine selbstfliegende Dose und der Dorf-Sheriff

    In Bodenbach alarmierte mich eines Tages lautes „Geschrei“. Es war ein Reh, an dessen Po sich ein kleiner Jagdhund festgebissen hatte. Den konnte ich verscheuchen, das Reh sank vor mir schwer verletzt zu Boden. Herumtelefoniert, um zu erfahren, wer zuständig ist. Der Dorfwirt (ihm „gehörte“ die Jagd) kam recht bald, ich führte ihn zu dem Tier - und ohne auch nur ein Wort mit mir zu sprechen, nahm er seine Flinte und erschoss es. Das hat mir echt den Rest gegeben. Ich dachte, er hilft mir, das Reh zum Tierarzt zu bringen. Danach, während er’s einlud, um es vermutlich in seiner Restaurantküche zu „verarbeiten“, murmelte er etwas von jungem, noch nicht voll ausgebildetem Hund. An dem Tag wurde eine große Treibjagd auf der anderen Seite des Berges veranstaltet. Kollateralschaden nennt man so etwas wohl? Unmöglich. Aber lieber nicht zu tief graben. Tasso, ein wunderschöner Dogge-Schäfer-Mix, mit dem ich mehrere tausend Kilometer durch Frankreich trampte, wurde - wieder daheim bei seinen Leuten - während des Sonntagsspaziergangs erschossen. Er tollte nur auf einer Wiese herum. So ein Dödel hockte auf seinem Hochsitz am Waldrand und ballerte. Ich bück mich über einen Bach, um zu trinken, wirklich ein heißer Sommer, Wessna lässt sich mit Anlauf direkt vor mir ins Wasser plumpsen. Die Ironie? Mir stockte fast der Atem, als ich Jahrzehnte später mit der Jagdhündin Wessna abends im Dämmerlicht auf den Revierförster traf. Sie war ja nie angeleint, lief im Wald voraus, musste ihm vor mir begegnet sein. „Oh danke, danke, dass Sie Wessna nicht erschossen haben!“ „Wie kommen Sie denn auf die Idee? Sehe ich doch, welch' edles Tier sie ist. Nein, niemals.“ Hund mit Abitur halt und einer gnadenlosen Erziehung. Einmal im Jahr - Jäger-Herrchen im Urlaub - ging sie drei Wochen zur Schulung, Auffrischung der „Abrichtung“. Danach war Wessna komplett durch den Wind, fix und fertig. Zuletzt, mittlerweile bewährte „Hunde-Führerin“, durfte ich dabei sein, um sie von diesem Jagdhundezüchter-Sommerlager abzuholen. Wessna ignorierte ihre Besitzer, wollte unbedingt auf meinen Schoß, drückte sich zitternd an mich. Stromstöße per Funkleine usw., einfach schrecklich. Ohne Unterschiede machen zu wollen, aber ein äußerst sensibles Tier trifft’s besonders hart. Als Vorstehhündin hatte man ihr - gewiss auch über Strom - das Bellen bzw. jeglichen Laut abtrainiert. Wild durfte sie nur schweigend mit erhobener Pfote anzeigen. Wir waren schon drei Jahre täglich gemeinsam im Wald unterwegs, als an einem Abend „Gefahr“ drohte. Über den Weg flatterte nach getaner Arbeit das rot-weiße Absperrband der Holzfäller. Wessna blieb wie angewurzelt stehen. „Ach, das ist doch nur Plastik!“ Ich lief darauf zu, und im Moment vor’m Berühren kam ein unglaublich tiefes, einmaliges „Wuff“: „Fass es nicht an!“ Wow, was für eine Stimme! Nie vorher gehört. Eben, mit 12 Jahren, setzte sie sich über ihre unbarmherzige Erziehung hinweg, gab zum ersten Mal Laut, um mich zu warnen. Eine veritable Liebeserklärung, nicht wahr? Zuletzt verbrachte Wessna jedenfalls eine sehr glückliche Zeit. Tiere sind durchaus Ironie-fähig. Sie rannte einen Hang hoch, um den Schlafplatz von Rehen oder Wildschweinen abzuschnüffeln, ich rief im Weitergehen: „Was ist? Willst du da oben überwintern?“, schon kam sie kichernd angesaust. „Nee, ich komme lieber mit.“ Über die „selbstfliegende“ Dose kriegte sie mich dran. Ihr das rostige Ding weggenommen und die Böschung runter gekickt. Auf dem Rückweg lag die Dose wieder da. Am nächsten Morgen, Abend auch … „Glaubst du, ich könnte nicht auf hundert Meter riechen?“ Wessna holte sie rauf, ließ die Büchse schelmisch fallen, wenn ich an die Stelle kam, war sie längst weiter. Die Leidenschaft für Schlammbäder ein einziger Schabernack. „Ich verdurste, kann kaum noch laufen, muss unbedingt an der Pfütze dort etwas trinken“ - ausnahmsweise wegen ihrer Sauereien angeleint. „Gut, aber nur einen Schluck vom Rand aus.“ Kurzer Ruck an der Leine, Hund lag lachend mitten im Schlammloch. Ich bück mich über einen Bach, um zu trinken, wirklich ein heißer Sommer, Wessna lässt sich mit Anlauf direkt vor mir ins Wasser plumpsen. Von jetzt auf gleich Hinken, irgendetwas in die Pfote getreten, untersucht, keinen Splitter gefunden. „Gut, tragen kann ich dich nicht, du wartest jetzt hier, ich laufe nach Hause und hole das Auto.“ Hund schlagartig gesund. Einmal begegnete uns der Dorfsheriff, Montagmorgen um sieben auf Patrouille - im Wald. „Der Hund ist nicht an der Leine, gefährlich für Spaziergänger.“ „Ach, sehen Sie hier jemanden außer uns? Noch dazu handelt es sich um eine Jagdhündin, sie interessiert sich null für Menschen.“ Falsche Antwort: „Wenn ich Sie noch einmal erwische, sind Sie mit 50 DM dabei“. Er fuhr weiter, ich entschuldigte mich bei Wessna: „Wir brauchen die Leine, der Idiot bringt’s fertig und dreht um.“ Es war fürchterlich, sie wurde in der Sekunde schwer depressiv, schleppte sich dahin, ließ sich schließlich fallen. Kein Zerren und Schimpfen half. „Na gut, dann zahle ich die Strafe halt.“ Noch vor Lösen der Leine war die Lady quietschfidel. Eine beeindruckende Persönlichkeit mit viel Sinn für Humor. Extra für sie einen Wildbach gestaut, damit wir nach ihren Schlammexzessen sauber nach Hause kamen. Jeden Morgen machte sie mir grinsend den Damm aus Steinen kaputt. Kriegte dafür ihrerseits die Krise, wenn wir Verstecken spielten, ich mich hinter einem Baum oder im hohen Gras verbarg. Trotz ihrer Spürnase fand sie mich nie, verzweifelte daran. Allerdings, was sich so leicht/locker anhört, besonders Wessnas Gehorsam, fußte auf 'ner Art intimer Kommunikation. Wir hatten einen recht kurz getimten Rhythmus - ohne Uhr. Sie konnte vorauslaufen, aber mehr als zwei Minuten ohne Kontakt waren tabu. Und wenn ich stehen blieb, keine Ahnung, wie sie’s merkte, kam sie ohnehin sofort zurück, bewegte sich erst wieder, sobald ich weiterging. Im Gegenzug rief ich die Hündin nie, wenn sie unmittelbar eine Fährte aufgenommen hatte, beobachtete ihre Körperspannung. Beim ersten winzigen Nachlassen kam der leise Pfiff (ohne Hundepfeife), „unser“ Dreiklang. Sie warf sich pronto herum, rannte zu mir: „Ja bitte? Hier bin ich.“ Wir wurden wohl öfter von Wanderern beobachtet, die uns eher nicht auffielen. Sie zeigten sich schwer beeindruckt von einem Hund, der so subtil reagiert. Irgendwas war schon dran, denn ihr Jägerherrchen wagte es kaum, Wessna im Wald von der Leine zu lassen oder brauchte ständig den hohen Piepton der Pfeife. Wir beide liebten (und respektierten) uns eben, jeder achtete auf den anderen. Mehr GuteNachtGeschichten finden Sie hier

  • 30 tote Jäger, Ehefrauen, Nachbarn in 2017

    Bei Jagdunfällen und kriminellen Gewalttaten durch Jäger kamen 2017 in Deutschland mindestens 31 Menschen ums Leben. Weit mehr, als beispielsweise durch den Wolf in ganz Europa in den letzten 70 Jahren. Die Recherche basiert auf der Dokumentation von Zeitungsberichten durch die Initiative zur Abschaffung der Jagd. Es ist anzunehmen, dass die Dunkelziffer noch höher ist. „Während durch Teile der Jägerschaft und durch viele Medien jede Annäherung eines Wolfes an bewohntes Gebiet als Horrorszenario aufgebauscht wird, sollte man vielleicht einmal darüber nachdenken, wie man dem „Gefahrenpotential Hobbyjäger“ beikommt, um die Unversehrtheit von jährlich 30 bis 40 Menschen zu gewährleisten“, meint Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland. Jedes Jahr über 30 Tote bei Jagdunfällen oder kriminelle Handlungen durch Jäger. Bild: Eilert Voss Nachfolgend eine Auswahl von Presseberichten zu Todesfällen von oder durch Jäger (vollständige Aufstellung seit 2002 hier): 14.12.17: Tödlicher Jagdunfall bei Treibjagd Bei einer Treibjagd in Hessen hat sich ein 76-jähriger Jäger offenbar aus Versehen selbst erschossen. (Jagdunfall: 76 Jahre alter Mann im Heppenheimer Stadtwald getötet. Bürstädter Zeitung, 14.12.2017) 4.12.17: Angeschossenes Wildschwein tötet Jäger Bei einer Treibjagd nahe Greifswald wurde ein Jäger, der ein Wildschwein angeschossen hatte, von dem Tier getötet. (Pressemeldung der Polizeiinspektion Anklam, 4.12.2017) 2.11.17: Jäger erschießt Frau und sich Ein über 80-jähriger Jäger hat in Sachsen erst seine schwer kranke Frau erschossen, dann sich selbst. (Familientragödie mitten im Dorf. Freie Presse, 2.11.2017) 1.11.17: 81-jähriger Jäger bei Jagd erschossen Bei einer Treibjagd mit mehr als 60 Jägern im Harz ist ein 81-jähriger Jäger erschossen gefunden worden. (Jäger im Wald bei Ballenstedt erschossen. Volksstimme, 1.11.2017) 30.10.17: Tödlicher Jagdunfall Ein 61-jähriger Jäger wurde im Landkreis Rostock nach einem Sturm unter einem umgestürzten Hochsitz tot gefunden. (Sturm stürzt Hochsitz um: Jäger tot aufgefunden. Ostsee-Zeitung, 30.10.2017) 26.10.17: 73-Jähriger erschießt Ehefrau und sich Ein 73-Jähriger hat im Kreis Olpe erst seine Ehefrau und dann sich selbst mit einer Langwaffe erschossen. (Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Siegen, der KPB Olpe und des PP Hagen, 26.10.2017) 17.10.17: Prozess - Jäger erschießt Ehefrau Ein 63-jähriger Jäger hat vor dem Landesgericht in Halle gestanden, dass er seine Frau mit einem Schuss in den Kopf tötete. Trotz einer »halluzinatorischen paranoiden Psychose« habe er mehrere Waffen besessen. (Jäger gesteht, Ehefrau erschossen zu haben. Mitteldeutsche Zeitung, 17.10.2017) 13.6.17: Jäger erschießt sich aus Versehen selbst In Sachsen-Anhalt hat sich ein 76-jähriger Jäger aus Versehen mit seinem eigenen Gewehr erschossen. Der Schuss löste sich, als der Jäger mit der Waffe aus dem Auto ausstieg. (Schuss löst sich aus Gewehr - Jäger verblutet. Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, 13.6.2017) 19.5.17: Jäger erschießt Ehefrau mit Schrotflinte Ein Unternehmer und Hobbyjäger wurde vom Landgericht Bielefeld zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, weil er seine von ihm getrennt lebende Ehefrau erschossen hatte. (Frau mit Schrotflinte ermordet - Lebenslang für Ehemann. Rheinische Post, 19.5.2017) 18.5.17: Tödlicher Bauchschuss nach Kampf mit Reh Ein 67-jähriger Jäger wollte in Sachsen ein angeschossenes Reh mit einem Gewehrkolben erschlagen. Dabei löste sich ein Schuss und traf den Jäger tödlich in den Bauch. (Jäger starb nach Kampf mit angeschossenem Rehbock. tag24.de, 18.5.2017) 11.5.17: Hobbyjäger erschoss Ehefrau In Sachsen-Anhalt hat ein 63-jähriger Hobbyjäger seine Frau erschossen und anschließend die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Die Polizei fand die Leiche der 56-jährigen Frau und den Mann mit einer schweren Schussverletzung. Laut Staatsanwaltschaft soll er in seiner Freizeit zur Jagd gegangen sein. (Tötete Mann die eigene Ehefrau? BILD, 11.5.2017) 8.5.17: Nachbarin und sich selbst erschossen Ein 61-Jähriger hat im Saarland seine Nachbarin erschossen. Vorausgegangen war offenbar ein Streit um den Hund der Frau. Als die Frau zur Arbeit fahren wollte, kam ihr Nachbar mit einem Gewehr auf sie zu und schoss. Anschließend flüchtete der Täter in einen nahe gelegen Wald und erschoss sich dort selbst. Laut Polizei besaß er einen Waffenschein für zwei Kurz- und zwei Langwaffen. (Streit um Hund endet tödlich. Saarbrücker Zeitung, 8.5.2017 · Tödlicher Streit um Hunde-Gebell. BILD, 9.5.2017) 7.4.17: 88-Jähriger erschießt Ehefrau und sich In Augsburg hat ein 88-Jähriger zuerst seine Ehefrau erschossen und sich danach selbst getötet - laut Polizei eine »Verzweiflungstat«. Ob es sich um einen Jäger oder um einen Schützen handelte, wurde nicht bekannt. (Mann erschießt Ehefrau und tötet sich selbst. Augsburger Allgemeine, 7.4.2017) 3.4.17: 80-jähriger Jäger mit Kopfschuss im Wald Ein 80-jähriger Jäger ist in einem Waldstück im Kreis Oberhavel) mit einem Kopfschuss tot aufgefunden worden. Laut Polizei könne eine Fremdeinwirkung Dritter ausgeschlossen werden. (Märkische Oderzeitung, 3.4.2017) 7.1.17: Mann und Frau mit Schussverletzungen - beide tot Familiendrama in Arnstein (Lkr. Main-Spessart): Ein Hausbewohner hat zwei Familienangehörige, einen Mann und eine Frau, mit Schussverletzungen leblos in der Wohnung gefunden, an denen sie später im Krankenhaus starben. Laut dem Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken habe sich die Tatwaffe legal im Haus befunden. Ob ein Familienmitglied die Schusswaffe als Jäger oder als Sportschütze besessen hat, wurde nicht bekannt. Der Landkreis Main-Spessart ist ländlich geprägt und eine Jägerhochburg. (Mann und Frau schweben weiter in Lebensgefahr. BR, 7.1.17. · Zweites Opfer nach Arnsteiner Familiendrama gestorben. Merkur, 2.3.2017)

  • Bewegungsjagden im Winter verursachen Waldschäden

    Bei Bewegungsjagden im Wald treiben meist viele Dutzende Helfer mit ihren Hunden großräumig das Wild aus den Einständen den auf Hochsitzen oder vorgesehenen Platzierungen wartenden Jägern zu. Diese Art der Gesellschaftsjagd, auch Drückjagd genannt, hat das Ziel innerhalb kurzer Zeit möglichst viele Wildtiere zu töten und dadurch unter anderem den Verbiss insbesondere von jungen Pflanzen zu reduzieren. Durch die erhebliche Beunruhigung des gesamten Wildes einer betreffenden Region wird allerdings häufig das Gegenteil erreicht. Unabhängig von der Witterung stellen große Säugetiere wie das Rehwild, Hirsche und Wildschweine ab Januar ihren Verdauungsapparat auf einen „Energiesparmodus“ um. Das hat die Natur so vorgesehen, um im Winter das karge Nahrungsangebot zu kompensieren. Die Stoffwechselaktivität wird reduziert, Körpertemperatur und Pulsfrequenz werden abgesenkt. Die Tiere nehmen dann wenig Nahrung auf und reduzieren entsprechend den Energieverbrauch. Bei Drückjagden kommt es durch flüchtende Rehe oder Wildschweine häufig zu Unfällen, Chaos durch flüchtende Tiere in Innenstädten oder, wie in diesem Fall, dazu, dass ein Reh im dünnen Eis einbricht. Störungen des in der Winterruhe befindlichen Wildes durch großräumige Jagden in den ersten Monaten des Jahres können fatale Folgen haben – für das Wild wie für den Waldbesitzer. So bestätigt unter anderem der Arbeitskreis Wildtiere und Jagd der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, dass sich durch energiezehrende Fluchten die Energiebilanz der Tiere verschlechtert und durch zusätzliche Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden muss. Daraus ergibt sich ein direkter Zusammenhang zwischen Jagd und Verbiss- oder Schälschäden. Stressende Jagden nach der Umstellung der Verdauung im Januar bewirken trotz der Dezimierung der Anzahl der Wildtiere drastisch steigende Schäden im Wald. Kommen Schneelagen hinzu, treten - insbesondere, wenn der Schnee verharscht ist - häufig Verletzungen an den Läufen des Wildes und der beteiligten Hunde auf. Zumindest für das Wildtier ist damit eine weitere Gefahr für sein Leben gegeben. Hirschkühe mit ihren Kitzen auf Flucht durchs seichte Wasser. Bild: Michael Hamann Die von den großen staatlichen Forstämtern und Waldbesitzern wie Thurn und Taxis propagierten Drückjagden folgen der „Wald-vor-Wild“-Ideologie, sind aber letztlich genauso wenig nachhaltig im Sinne der Reduzierung von Wildtierbeständen, wie jede andere Form der Jagd in Deutschland. Besonders tierschutzrelevant ist darüber hinaus die Tatsache, dass bei eben diesen Jagden, bei welchen Wildschweine und Rehe häufig auf der Flucht, also in der Bewegung beschossen werden, bis zu 60 % der Tiere schwer verletzt werden, bevor sie im Wald qualvoll sterben oder nach oft vielen Stunden von einem Nachsuchegespann erlöst werden. Was bei Drückjagden falsch läuft, lesen Sie hier

  • Nur jeder dritte Schuss ist tödlich

    Schuss – und tot. Das wäre nach der Definition der Jäger weidgerecht. Doch die Realität sieht häufig anders aus. Insbesondere dann, wenn sich das Ziel bewegt. So berichtet die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT), dass bei untersuchten Drückjagden auf Wildschweine in Hessen nur etwa ein Drittel mit Blattschuss erlegt wurden. Mehr als 60 % der Tiere hatte man dagegen entweder den Kiefer weggeschossen, ein Bein zersplittert oder mit Bauchschuss oder am Rückenmark schwer verletzt. Besonders kritisch sei auch das Schießen auf Rehwild im Rahmen von Bewegungsjagden. Denn flüchtende Rehe könnten aufgrund ihrer arttypischen Bogensprünge nicht sicher getroffen werden. Schüsse ins Gesicht, in die Schenkel oder in den Bauch werden hingenommen. Bild: Detlef Hinrichs Ein Nachsuchenführer – das sind die, die für ungeübte, schlecht schießende Jäger die Drecksarbeit machen und angeschossene Tiere suchen, um diese von ihren Qualen zu erlösen – bestätigt: „Bei den meisten Schüssen auf Drückjagden werden Äser-, Gebrech- und Keulenschüsse einfach in Kauf genommen (Anm. Äser bzw. Gebrech ist die Bezeichnung für das Maul von Reh, Hirsch oder Wildschwein). Bei den heute üblichen Bezahljagden in den Forsten erlebt man die übelsten Aasjäger." Auch beim Deutschen Landwirtschaftsverlag erfährt man, dass bei Bewegungsjagden nur 25 – 30 % der Tiere durch Blattschuss erlegt werden. „Viele der angeschossenen Tiere werden auch bei Nachsuchen nicht aufgefunden – wenn diese überhaupt durchgeführt werden", erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland, „denn viele Jäger verheimlichen den Mitjägern mögliche Fehlschüsse, während schwer verletzte Tiere irgendwo im Dickicht verbluten oder verhungern." Die Anzahl der Bewegungsjagden hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Waldbesitzer, Bauernverbände und politisch Verantwortliche in den Ministerien fordern intensiv gegen die vermeintlichen „Waldschädlinge" vorzugehen. Im Rahmen einer vermeintlichen Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest – die in Deutschland noch gar nicht angekommen ist – werden sogar Schonzeiten aufgehoben und Prämien gezahlt. Bei der Jagd auf Wildschweine gibt es bereits seit über zwei Jahrzehnten keine Tabus mehr. Bild BSP, Wildtierschutz Deutschland Eigentlich ist das aber nichts Neues: bei der Jagd auf Wildschweine gibt es bereits seit über zwei Jahrzehnten keine Tabus mehr. Die Zahlen kontinuierlich steigender Abschüsse zeigen eindeutig, dass die Jagd auf Wildschweine nicht funktioniert, möglicherweise sogar kontraproduktiv ist. Je intensiver die Jagd ist, desto mehr Wildschweine gibt es in den jeweiligen Folgejahren. Die Realität wird insbesondere seitens der Politik ausgeblendet, unsägliche Tierquälereien in Kauf genommen. Großräumig - selbst während der Winterruhe - wird das gesamte Wild beunruhigt. Der Schütze selbst ist vollkommen überfordert: Innerhalb von Sekunden muss er entscheiden, ob es sich beim flüchtenden Tier um ein weibliches Reh oder ein Schmalreh (junges Tier), um einen abgeworfenen Rehbock (Rehbock ohne Gehörn) oder um Rehkitze handelt, eine Leitbache oder einen nicht (Nachwuchs) führenden Überläufer. Fehlschüsse sind vorprogrammiert. Dazu der Erfolgsdruck und … das eigene Unvermögen, das flüchtende Tier zielsicher zu treffen. Regelmäßige Schießnachweise werden von Jägern häufig nicht gefordert. Die Wenigsten nutzen entsprechende Angebote, ihre Treffsicherheit zu trainieren. Lesen Sie auch: Die Totmacher

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