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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

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  • Das Märchen vom bösen Wolf

    Doch, ich kann es mir vorstellen, es ist kein schöner Anblick. Da kommt man morgens auf die Weide und da liegt es: ein totes Schaf! Nicht selten ist es auf der Weide gestorben oder schon tot zur Welt gekommen und hat anderen Tieren, Füchsen und Vögeln, bereits als Nahrung gedient. Was aber kürzlich im Nordschwarzwald geschah, hat landauf, landab für Schlagzeilen gesorgt: mehr als 40 Schafe aus einer 150-köpfigen Herde, tot! Der Schuldige stand schnell fest: es war der böse Wolf. Ganz klar, ein Beutegreifer im Blutrausch. Davon abgesehen, dass der Wolf nicht in Blutrausch verfällt, sondern seine Beute jagt, ergreift und dann möglichst schnell tötet und verzehrt – es sei denn, er wird gestört. Es ist der Beutetrieb, der ihn antreibt, um seinen Hunger zu stillen. Und rennende Schafe lösen bei ihm immer von Neuem den Beutefangreflex aus. Hobbyjager sehen den Wolf als Konkurrenten, der ihnen die Beute vor dem Hochsitz wegschnappt, ohne Revierpacht zu zahlen. Bild: Stefan Suittenpointner Für das Eindringen eines Wolfes in diese mit einem Elektrozaun gesicherte Schafweide gibt es eine plausible Erklärung. Der Wolf muss durch den Fluss Enz gekommen sein. Zur Wasserseite war die Weide nämlich offen und nicht gezäunt! Ein regelrechter Präsentierteller. Bitte bedient euch! Von Schutz kann keine Rede sein. Völlig unklar ist, wie viele Schafe aufs Konto des Wolfes gingen und wie viele ertranken, weil sie in Panik ins Wasser sprangen. Ein anderer Fluchtweg blieb ihnen nicht. Schafe meiden Wasser, aber Wölfe können – wie auch die meisten Hunde – gut schwimmen. Schon ein paar Monate vorher soll ein Wolf in dieser Region drei Schafe getötet haben. Das hat der Tierhalter offensichtlich ignoriert. Ein Wolf? Ach, wer denkt schon daran, wird schon nichts passieren … Ähnliches haben wohl auch die Rinderhalter einer LPG bei Lieberose im Land Brandenburg gedacht. Dass sich in der Gegend seit über 20 Jahren nach und nach Wölfe angesiedelt haben, muss sich auch in dieser Agrar-Genossenschaft rumgesprochen haben. Aber in einem 1982 gebauten, ziemlich runtergekommenen Stall mit zum Teil defekten Zäunen und Toren, lässt man nachts die Stalltüren offen, damit es schön „durchzieht“. Kein Mensch hat etwas gesehen oder gar das angsterfüllte Brüllen der Rinder gehört – wohnt ja niemand daneben. Erst der Frühdienst sah bei Arbeitsantritt was geschehen war: Ein 100 Kilogramm schweres Jungtier war aus dem Stall gezerrt und zum größten Teil schon verzehrt worden. Von Wölfen natürlich! Von dem Jungrind haben sie nicht viel übrig gelassen: Hinterbeine, ein Stück Wirbelsäule, Schädel und Rippen. Alles andere ist – inklusive Ohrenmarke – verschwunden. Hungrige Wölfe eben. Die lange Schleifspur, die Größe und das Gewicht des Kalbes lassen auch darauf schließen, dass es sich um eine ganze wölfische Diebesbande gehandelt haben muss. Und wieder entstand große Aufregung, besonders in den Medien: jetzt brechen Wölfe schon in die Ställe ein und töten das Vieh. Welch ein wirtschaftlicher Verlust für die Landwirte! Dazu nur am Rande: Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums verendeten im Jahr 2016 fast 580.000 Rinder und mussten „entsorgt“ werden. Statt geschlachtet zu werden, landete jedes siebte aufgezogene Rind in einer Tierkörperverwertungsanlage – also im Müll für Tierkadaver. Daran ist der Wolf völlig schuldlos … "Nahezu kriminell ist das Statement des Chefs des Brandenburger Bauernbundes, der öffentlich verkündete, es sei an der Zeit, dass man Nutztiere mit der Waffe in der Hand verteidigt." Bild: Michael Hamann Dennoch ist auch der Vorfall mit dem aus dem Stall gezerrten Rind Wasser auf die Mühlen der Wolfshasser und -warner. Viele Bauern, Hobbyjäger und Schafhalter ziehen inzwischen an einem Strang. Ihre Wut auf Isegrim nimmt schon hysterische Formen an. Und ihr Geschrei nach einer bundeseinheitlichen Übernahme der unter Schutz stehenden Wölfe ins Jagdrecht – am besten gleich mit ganzjähriger Jagdzeit – wird immer lauter. Aber Forderungen nach einer Bejagung des Wolfes sind nicht nur EU-rechtswidrig, sie lösen kein einziges Problem. Nahezu kriminell ist das Statement des Chefs des Brandenburger Bauernbundes, der öffentlich verkündete, es sei an der Zeit, dass man Nutztiere mit der Waffe in der Hand verteidigt. Hier geht es nicht um die behauptete „Tierliebe“, sondern um den finanziellen Verlust, sollte ein Wolf zugreifen. „Landwirte fürchten um ihre Existenz“ … nur, die meisten betreiben die Schafhaltung im Nebenerwerb. Und die Tiere sind Nutz(!)-Tiere und sollen Geld einbringen. Sie werden nach kurzer Zeit verkauft und geschlachtet – oder umgekehrt. Dabei weiß jeder, der es wissen will: Die Nahrung des Wolfes – und da sind sich die Wissenschaftler ausnahmsweise einig, besteht nur zwischen ein und zwei Prozent aus Nutztieren. Da kann sich unsere Gesellschaft doch wirklich einen besserer Schutz der Weidetiere und eine angemessene finanzielle Unterstützung der Tierhalter leisten. Man muss es nur wollen! Wahrscheinlich würden dann sogar die Nutztier-Risse zurückgehen. Auch das Argument, in bergiger Landschaft oder auf Deichen sei der geforderte Zaunschutz gar nicht möglich und würde dem Tourismus zuwiderlaufen, ist schwach. Wanderschäfer mit begleitenden Hütehunden haben gerade in „Wolfsländern“ lange Tradition. Ich habe das in Italien, Griechenland und in der Türkei immer wieder beobachtet und öfter mit den Schäfern gesprochen. Warum nicht auch bei uns diesen Job – besonders bei jungen Menschen – wieder attraktiv machen? Ich möchte wetten, dass es dafür Interessenten gibt, wo man sie gar nicht vermutet! Etwa 98 Prozent der Wolfsbeute besteht eindeutig aus den Paarhufern wie Reh, Hirsch, Wildschwein. Davon sind Rehe der Wölfe liebste und leichteste Beute. Den Förstern ist das recht. Ihr Motto ist „Wald vor (Schalen)Wild“. Der Wolf hilft ihnen dabei, dieses Ziel zu erreichen. Die Nahrung des Wolfes – und da sind sich die Wissenschaftler ausnahmsweise einig, besteht nur zwischen ein und zwei Prozent aus Nutztieren. Bild: Michael Hamann Die Hobbyjäger ärgert das allerdings gewaltig. Sehen sie doch den Wolf als Konkurrenten, der ihnen die Beute vor dem Hochsitz wegschnappt, ohne Revierpacht zu zahlen. Und – das kommt noch hinzu, der allein durch seine Anwesenheit die Paarhufer scheu und heimlich macht. Es gibt bereits Reviere, die sich schwer verpachten lassen, weil dort gelegentlich Wölfe jagen – aus Hunger und nicht zum Spaß wie die Hobbyjäger. Diese reagieren inzwischen mit abstrusen Forderungen, Behauptungen, Warnungen. Dass der Wolf ins Jagdrecht gehört, um ihn notfalls leichter abschießen zu können, ist noch die moderateste. Regelmäßige Wolfstreibjagden forderte der Verein „Sicherheit und Artenschutz“ kürzlich bei einer öffentlichen Bundestagsanhörung zum Thema Wolf. Kaum glaublich, aber ich habe das mit eigenen Ohren gehört. Und immer noch verbreiten Jäger die Mär von den „Kofferraum-Wölfen“, die angeblich von Wolfsfreunden aus dem Osten angekarrt und dann bei uns freigelassen wurden. Dass nach der Wende Wölfe auf eigenen vier Pfoten über über die Grenze kamen, weil nicht mehr sofort geschossen wurde, geht Jägern scheinbar über die Hutschnur. Wenn dieses Thema nicht mehr zieht, kommen die Hybriden dran. Die Jäger-Behauptung von den massenhaften Wolf-Hund-Mischlingen, die „entnommen“, sprich: getötet werden müssen, stammt schon aus der Zeit von 1994, als die letzten sowjetischen Soldaten aus Berlin und Brandenburg abzogen. Angeblich – so die ortsansässige Jägerschaft, haben die Russen ihre Hunde und Wolfsmischlinge nicht mitgenommen, sondern zum Teufel gejagt. Und da nach der Wende auch Wölfe in Brandenburg einwanderten, haben die sich – so das Jäger-Märchen – massenhaft mit Russen-Hunden gepaart. Ich habe damals zu diesem Thema recherchiert und bei den verschiedensten Stellen und politisch Verantwortlichen angefragt. Niemand konnte das bestätigen, die meisten hörten das zum ersten Mal. Trotzdem hält es sich in bestimmten Kreisen bis heute. Aber außer den bekannten Fällen (Thüringen 2017, Lausitz 2003) wo sich eine Wölfin – mangels Partner – mit einem Hund gepaart hatte, fehlt für diese Hybrid-These jeglicher Beweis. Und das nur nebenbei: auch Hybriden stehen unter Schutz und dürfen nicht einfach abgeknallt werden. Doch wer sich nicht an Recht und Gesetz hält und auch Wölfe illegal tötet, dem ist das auch egal. Fehlt noch die Angstmache vor der menschenfressenden Bestie Wolf. In vielen Waldgebieten kann man inzwischen an Bäume angenagelte Warnschilder mit ähnlichen Texten sehen: „ Vorsicht! Wolfsrudel gesichtet, betreten auf eigene Gefahr!“ oder „Wölfe jagen inzwischen auch hier.“ oder „Achtung! Wolfsregion“. Meistens werden Spaziergänger aufgefordert, Hunde an kurzer Leine zu halten und Kinder zu beaufsichtigen. Obwohl derlei Schilder offiziell wirken, sind sie eine unerlaubte Privat-Initiative der Jäger, die sie nur anonym mit „die Jagdberechtigten“ unterzeichnen. Einigen Jagdausübungsberechtigten scheint es völlig egal zu sein, dass der Wolf unter Schutz steht und nicht „jagdbar“ ist. Sie pfeifen auf das Gesetz und tun, was sie für richtig halten. Sie hassen Wölfe. Sie erschießen Wölfe, wenn sie sie antreffen. Diese Jäger, die eigentlich Wilderer sind, haben offenbar auch keine Angst vor möglicher Entdeckung oder Strafen. Das Töten einer streng geschützten Tierart kann bis zu fünf Jahre Gefängnis betragen. Im Dunkel der Reviere fühlen sie sich sehr sicher – auch vor Denunzianten. Das zeigen vor allem jene Totfunde von Wölfen, die auffällig so platziert waren, dass sie gefunden werden mussten. Als Ausrufezeichen! Wie viele Wölfe noch den drei „S“ (schießen, schaufeln, schweigen), zum Opfer fielen, weiß niemand. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch. Zusätzlich wurde bei einigen Tieren, die als Verkehrsopfer starben, festgestellt, dass sie zu Lebzeiten beschossen worden waren, was aber nicht zu ihrem Tod geführt hatte. Das Töten eines geschützten Tieres ist kein Bagatelldelikt. Höchste Zeit, dass beim Wolf ähnlich akribisch Spuren und Beweismatarial gesichert werden wie beim Menschen. Zumal die Täter bewaffnet sind (vor Jahren musste ein erwischter Schießer aus dem Raum Köln läppische 3.500 Euro zahlen). Weitere Ermittlungsverfahren liefen oder laufen nur gegen Unbekannt. Die ausgelobten hohen Belohnungen einiger Tier- und Artenschutz-Organisationen haben nichts gebracht. Mitwisser schweigen, sind auf Geld nicht angewiesen … Für viele Menschen ein Glücksmoment, einem Wolf zu begegnen. Bild: Ray Hennesy Zum Schluss noch Erfreuliches: Nach einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, die das Meinungsforschungsinstitut forsa kürzlich im Auftrag des NABU durchgeführt hat, freuen sich 79 Prozent der Bundesbürger, dass eingewanderte Wölfe wieder bei uns leben und die Natur bereichern. Jetzt kommt es darauf an, dass man sie auch leben lässt. Die Devise muss lauten: Wölfe schützen – nicht schießen! +++ Der Artikel wurde zunächst auf dem Blog von animal public veröffentlicht. Mehr zum Thema Wölfe finden Sie hier

  • Ökologisches Jagdgesetz zum Abschuss frei gegeben

    Holger Sticht ist Landesvorsitzender des BUND NRW Zwischen 2012 und 2015 wurde unter der rot-grünen Landesregierung das so genannte ökologische Jagdgesetz entwickelt und schließlich beschlossen. Auch wenn Tier- und Naturschutz hierbei zu kurz kamen, handelte es sich doch um das Ergebnis eines mehrjährigen Abstimmungsprozesses unter Beteiligung der Jagd-, Tierschutz- und Naturschutzverbände und damit um einen Kompromiss. Mit dem nun vorliegenden Entwurf zur Änderung des Ökologischen Jagdgesetzes hat es die Landesregierung eilig, auch die wenigen Fortschritte für Natur- und Umweltschutz wieder größtenteils rückgängig zu machen - kompromisslos und ohne vorherige Beteiligung der Tier- und Naturschutzverbände. Vielmehr wird die Ankündigung von CDU und FDP wahr gemacht, einseitig die Interessen von Jägern zu Gesetz zu machen – zu Lasten der Bewahrung biologischer Vielfalt. So sollen alle Greifvogel-, Enten-, Möwen- und Taubenarten inklusive der hochgradig gefährdeten Turteltaube zukünftig ebenso wieder dem Jagdrecht unterstellt werden, wie Fischotter, Mauswiesel und Baummarder. Arten wie Lachmöwe, Waldschnepfe, Blässralle und Türkentaube werden damit wieder zum Abschuss frei gegeben. Ein vernünftiger Tötungsgrund, wie ihn das Tierschutzgesetz vorschreibt, ist aus Sicht der Landesregierung schließlich gegeben, wenn ein Jäger „die Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit“ einhält! In NRW geht es Jungtieren auf Wunsch des Jagdverbandes ganzjährig an den Kragen. Bild: Berndt Fischer Junge Dachse sollen, wie bisher schon junge Füchse, Waschbären, Marderhunde und Wildschweine, das ganze Jahr über geschossen werden dürfen. Beim Dachs soll die Bejagung am Kunstbau wieder ermöglicht, beim Fuchs sogar die Baujagd komplett wieder frei gegeben werden. Die Verlängerung der Jagdzeit bei der Rabenkrähe auf den 10. März und damit in die Fortpflanzungszeit stellt einen Verstoß gegen die EU-Naturschutzrichtlinien dar. Auch das so genannte „crow busting“, das massenhafte Töten von Krähen durch Jägergruppen, wird wieder erleichtert, da das Verbot der Lockjagd auf die Rabenkrähe außerhalb der Einzeljagd entfallen soll. Kein Wunder, bekommt diese Art – wie auch der Fuchs und die Marderarten – von der Jägerschaft den „schwarzen Peter“ für den Rückgang von Feldvögeln untergeschoben. Der eigentliche Grund für die schwindenden Bestände von Rebhuhn, Kiebitz und Co., die Lebensraumverschlechterung durch die industrialisierte Landwirtschaft, passt wegen der häufigen Personalunion von Landwirt und Jäger nicht ins Konzept. Dabei wurden im Jagdjahr 2016/17 etwa 2 000 Füchse mehr in NRW durch Jäger getötet (insgesamt 50 354!) als noch in 2014/15 und damit vor Inkrafttreten des ökologischen Jagdgesetzes. Sachliche Gründe für eine Vereinfachung bei der Fuchsverfolgung – die jetzt schon gebietsweise einem Abschlachten gleicht - gibt es also gar nicht. Die Landesregierung als Erfüllungsgehilfe der Jagdlobby: Aufhebung von Schonzeiten, Jagd in Schutzgebieten, Ausweitung der tierquälerischen Baujagd, Kriminalisierung von Aufklärung. Bild: Eilert Voß Auch die Jagd in Schutzgebieten soll wieder erleichtert werden, da nun über die Jagdausübung Einvernehmen mit der unteren Jagdbehörde erzielt werden soll – ein besonderer Angriff auf die Schutzfunktionen von Naturschutzgebieten und alle dort lebenden Arten. Dass Jäger ihre Hunde in Vogelschutzgebieten wieder ganzjährig, also auch während der Brutzeit, frei laufen lassen dürfen, passt ins Bild. Die Fütterung von Wild in so genannten „Notzeiten“ soll um sechs Wochen verlängert und die Kirrmenge (Futter zum Anlocken) wieder verdoppelt werden. Auch das massenhafte Aussetzen von Fasanen und Enten zum Zwecke des Abschusses soll wieder uneingeschränkt in der „Eigenverantwortung des Jagdausübenden“ liegen. Interessant ist, dass nun auch das Betreten von Kirrstellen eine Ordnungswidrigkeit darstellen soll. Auf diese Weise will man offensichtlich die öffentliche Kontrolle der Jagd einschränken. Dazu passt auch, dass der „Nachweis einer besonderen Schießfertigkeit“ durch einen „Schießübungsnachweis“ ersetzt werden soll und damit selbst nicht so sehr geübte und talentierte Jagdfreunde auf Landschaft und Gesellschaft losgelassen werden – ein bemerkenswerter Aspekt angesichts des CDU-Lieblingsthemas „Sicherheit“. Alles in Allem ist der neue Jagdgesetzentwurf ein Offenbarungseid der Landesregierung. Alles spricht vom Insektensterben und dem Schwund der biologischen Vielfalt, CDU und FDP reagieren mit einer Erleichterung der Störung und Tötung von Tieren selbst in Naturschutzgebieten. Nicht umsonst wurde der Gesetzesentwurf durch das Ministerbüro und nicht etwa durch das zuständige Referat im Ministerium erarbeitet. Sachliche Gründe spielen keine Rolle mehr, eine Regierung degradiert sich selbst zum Erfüllungsgehilfen einer kleinen, aber eben schreihalsigen Lobby.

  • Von einem, der die Flinte an den Nagel gehängt hat

    Nachfolgend die Auszüge aus dem Brief eines Jägers, in welchem dieser seine Beweggründe die Flinte an den Nagel zu hängen erläutert. Nach 12 Jahren habe ich endlich den Mut aufgebracht, aus der Jägerschaft auszutreten. In dieser Zeit konnte ich die Mentalität des heutigen Jägers voll erkennen. Ich hatte auch die Gelegenheit, mit mehreren Jagdverbänden zusammenzuarbeiten, so dass die unten angeführten Bemerkungen nicht für einen kleinen Kreis der Jägerschaft gelten – in dem ich Mitglied war -, sondern ich wage zu behaupten, dass die Jäger-Mentalität mehr oder weniger überall die gleiche ist. "Ich behaupte, dass keine Tat, bei der Erfolg mit Blut verbunden ist, ehrenhaft sein kann – am allerwenigsten bei der Jagd, wo das Tier als Opfer dem Jäger hilflos und schutzlos ausgeliefert ist." Bild: Heiko Anders Warum soll man kein Jäger werden? 1.Die Behauptung, dass Jäger Umweltschützer oder Ökologen seien, ist lächerlich, genauso wie die Behauptung, dass die Jäger viele freiwillige Stunden im Jagdbezirk verbringen zum Wohle des Wildes, der Tiere und der Umwelt. Alles, was der Jäger im Jagdbezirk tut, ist mittelbar oder unmittelbar mit der Jagd = „Ernte“, dem Abschuss oder mit dem geselligen Zusammensein verbunden. Übrigens: Die so genannten Umweltschutzarbeiten bestehen größtenteils aus dem Aufbau oder Erhalt der Jägerobjekte – die ja dort, wo sie sich befinden, ohnehin ein naturstörendes Element sind - oder aber zur Futtervorbereitung, die in den meisten Fällen nur ein Lockmittel für das Wild darstellt; die Futterstellen und Futterfelder sind ja von Hochsitzen umstellt. Die verschiedenen Reinigungsaktionen in Wald und Flur sind nur Sand in den Augen der breiten Öffentlichkeit – und natürlich pure Jägerpropaganda. Die Jäger mit ihren Hochsitzen, Fahrzeugen und ihrer Anwesenheit sind die größten Naturschädlinge unter allen Erdbewohnern! 2. Noch lächerlicher ist die Behauptung, dass die Jagd in erster Linie Sorge für das Wild trägt und der Abschuss nur eine ihrer Aktivitäten sei. Das Ziel der Jagd ist die Exekution bzw. Tötung, womöglich der schönsten Tiere als persönliche Trophäe – und nichts anderes. 3. Glauben Sie nicht, Jäger sein ist ein Samariterdienst an kranken, angefahrenen oder in Not geratenen Tieren. Für die Situationen, in denen die Jäger als Samariter auftreten könnten, braucht man nicht Jäger (in Deutschland: ca. 360 000) mit der Flinte, sondern nur ein paar professionell ausgebildete Menschen, die eine richtige Einstellung zu den Tieren haben. Ich behaupte, dass keine Tat, bei der Erfolg mit Blut verbunden ist, ehrenhaft sein kann – am allerwenigsten bei der Jagd, wo das Tier als Opfer dem Jäger hilflos und schutzlos ausgeliefert ist. 4. Die Jägerwelt ist viel schlimmer, als man es sich vorstellen kann. Ein wahrer Jäger wirst du nicht mit der Absolvierung des Lehrgangs und der Prüfung, sondern: - Wenn du das Tier nur noch als ein Ding siehst und es dann, wenn du es getötet hast, Ansehen bei anderen Menschen bringt, Dein Selbstbewusstsein anhebt und Neid bei Kollegen verursacht. - Wenn du bereit bist, wegen der Jagd die Familie, die Arbeitspflichten und dich selbst zu vernachlässigen. - Wenn Verleumdungen, Heuchelei, und Alkohol zu deiner Stärke werden oder zumindest dir nicht fremd sind. - Wenn dich die Schmerzen und die Qual der Tiere nicht mehr berühren. Man möchte gar nicht wissen, wie viele Wildscheinbabys bei der derzeitigen Schweinepesthysterie ihr Leben lassen, weil das Muttertier getötet wurde. Bild: Detlef Hinrichs Der Austritt aus der lodengrünen Gesellschaft war für mich eine große Erleichterung, und ich glaube, dass es viele Jäger gibt, die in diese „Organisation“ hineingeschlittert sind: auf Empfehlung von Freunden – Jägern, wie ich zum Beispiel – oder durch Familientradition. Bist du noch Jäger, dann überlege es dir: Wenn du Tier- und Naturliebhaber werden willst, wie es die meisten Jäger für sich gerne in Anspruch nehmen, dann kannst du es sein – aber bitte ohne Gewehr! Meine Absicht ist nicht, die hartgesottenen Jäger von ihrem Irrtum zu überzeugen. Aus Erfahrung weiß ich, dass dies kaum möglich ist, denn in ihrem Leben ist die Jagd an erster Stelle – und oft hatte ich Gelegenheit zu sehen, wozu diese Menschen in der grünen Uniform bereit sind. Ich appelliere an jene, die mit der lodengrünen Bruderschaft liebäugeln. Ich versichere Ihnen aus meiner Erfahrung: Wenn Sie noch ein wenig zweifeln, ob die Jagd für Sie wirklich das Richtige ist, dann haben Sie in der Jägerschaft nichts zu suchen. Denn Sie sind dann – Gott sei Dank – nicht brutal genug für die seelenlosen Jäger!“ +++ Weitere Informationen zum Thema: Abschaffung der Hobby-Jagd Lesen Sie auch: Jägerlatein - Jagd und Naturschutz

  • Hamster - in Hanau wird Maisanbau im Hamsterhabitat als Naturschutz verkauft

    Offener Brief zum Bauvorhaben Mittelbuchen Nord-West (Stadt Hanau) an die Bundesumweltministerin Svenja Schultze, die Landesumweltministerin Hessen Priska Hinz, die Obere Naturschutzbehörde Darmstadt, das Bundesamt für Naturschutz Bonn, an das Regierungspräsidium Darmstadt: Sehr geehrte Damen und Herren, mit Erstaunen haben wir im Verkündungsorgan der Stadt Hanau, „Hanauer Anzeiger“, u.a. in einem Artikel vom 11. Mai 2018 zum geplanten Neubaugebiet „Mittelbuchen Nord-West am Lützelberg“ und der geplanten Erledigung des Feldhamster-Problems folgende Aussage von Herrn Oberbürgermeister Claus Kaminsky gelesen: „Damit sichert das Neubaugebiet nachhaltig die Lebensraumbedingungen insbesondere für den Feldhamster“. Wirtschaftliche Interessen vor Naturschutz - auch in Hanau. Bild: Berndt Fischer Dies sei mit der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt abgestimmt und somit stehe dem Baugebiet nichts mehr im Wege! Wir müssen uns doch sehr wundern, dass die Obere Naturschutzbehörde und das Regierungspräsidium nach einem 2. Gutachten eines Sachverständigen aus Aachen der Vorgehensweise der Stadt und des Bauträgers so einfach folgen. Warum haben Sie sich nicht mit den großen Naturschutzverbänden HGON, BUND, NABU usw. besprochen? Diese sind geschlossen anderer Meinung und haben dies auch der Stadt Hanau mitgeteilt. Es wurden schon bei der 1. Offenlage von Seiten der Verbände Einwendungen eingereicht, die jedoch in keiner Weise berücksichtigt wurden! Man muss sich schon folgendes fragen: Warum ignoriert die Obere Naturschutzbehörde und das Regierungspräsidium die Gutachten und Einwendungen der Naturschutzverbände? Weshalb wurde das 1. Gutachten in der Offenlage (Vom Bauträger beauftragt) nicht von Ihren Behörden berücksichtigt? Warum wird ein Schreiben der EU einfach ignoriert? Wie kann die Obere Naturschutzbehörde und das Regierungspräsidium tatenlos zusehen wie man auf einem Gebiet, in dem die letzten Jahre nur hamsterfreundlich Getreide angebaut wurde (mit Unterstützung des BUND) und auf dem sich eine Hamster-Quellpopulation befindet, im Frühjahr extra tief (30-40 cm) gepflügt wurde, wie noch niemals zuvor, um dann auch noch Mais anzupflanzen. Entgegen der Behauptungen der Stadt wurde in den letzten 10 Jahren auf diesem Gebiet bewusst kein Mais angepflanzt. Sind die Obere Naturschutzbehörde und das Regierungspräsidium nicht verpflichtet im Sinne der FFH Richtlinien zu agieren? Hat ein Gutachter aus Aachen mehr Gewicht als die, in Deutschland sehr anerkannten, Naturschutzverbände die sich sehr intensive mit dem Thema Feldhamster beschäftigen? Werden mal wieder Geld und Macht über den Artenschutz gestellt? Wir werden trotz der Aussagen der Stadt nicht tatenlos zusehen und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln mit einer breiten Öffentlichkeit gegen diese Genehmigung Ihrer Behörden vorgehen! Wir fordern Sie im Namen von über 3.200 Unterstützern (Online Petition) auf, die von uns vorgebrachten Fragen und Bedenken noch einmal zu überprüfen. Über eine zeitnahe, nicht nur förmliche, Antwort wären wir sehr dankbar. Mit freundlichem Gruß, i.A. Elona Weber, IG Bauvorhaben Mittelbuchen Nord-West +++ Unterstützen Sie die Initiatoren mit Ihrer Anwesenheit bei der letzten Bürgerversammlung vor Beschlussfassung in der Stadtverordnetenversammlung am 16.5.2018 um 18.00 Uhr in der Mehrzweckhalle in Mittelbuchen.

  • Jägerlatein Nr. 222: "Grünes Abitur"

    und hier wird das Jagd-Prekariat geschult (kürzeste/durchschnittliche Ausbildungszeit; Quelle: Jagd & Hund): Jägerschule Wiesensteig: 20 Tage/keine Angaben Jagdschule Lüdersburg: 8 Tage/15 Tage Jagdschule Blatt: 12 Tage/20 Tage Jagdschule Gut Grambow: 11 Tage/keine Angaben Jagdlehrhof Seibt Sachsen: ca. 18 Tage/keine Angaben Jägerschule Seibt Süd und Nord: 22 Tage/keine Angaben Jagdschule Linslerhof: 16 Tage/21 bis 25 Tage Jägerlehrhof Springe: 18 Tage/20 Tage Jagdschule Frankenland: 21 Tage/21 Tage Jägerschule Rottach Inn: 21 Tage/keine Angaben Der Jagdprofi: 14 Tage/14 Tage Jagdschule Müller: 15 Tage/18 Tage Jagdschule Arenshorst: 15 Tage/15 Tage Jagdschule Eberle & Simon: 18 Tage/18 Tage Jagdschule Keicher: 30 Tage/35 Tage Jägerlehrhof Wendland: 10 Tage/20 Tage Jagdschule Weck: 20 Tage/mehr als 25 Tage Dazu war auf der Webseite der o.g. Jagdgazette zu lesen: „Fast alle Jagdschulbetreiber, die auf den Messen vertreten waren, klagten über zweierlei: In der Werbung werde eine immer kürzere Ausbildung hin zum Jagdschein angepriesen. Zudem seien die Preise für die Ausbildung regelrecht in den Keller gestürzt. 500 Euro billiger sei der Jagdschein heute zu haben - im Vergleich zum Vorjahr.“

  • Und immer lockt der Fuchs - ein kalendarischer Jagdeinblick

    Das Jagdjahr beginnt am 1. April – aber was jagt der gewöhnliche Jagdscheinbesitzer eigentlich im April? Der Feldhase zieht seine ersten Jungen auf, Jungfüchse - wenn sie schon da sind - verweilen noch in ihrem Bau, Vögel bauen ihre Nester. Obwohl die Natur jetzt alle Ruhe verdient hätte, gibt es immer noch Jäger, welche kleinen und großen Wildtieren nachstellen. Der Fuchsrüde ist der Haupternährer während der Aufzucht der Welpen. Manche Jäger erschießen ihn dennoch während dieser Zeit. Bild: Berndt Fischer Im ersten Monat des Jagdjahres sind das vor allen Dingen Kaninchen, für manch selbsternannten „Artenschützer“ auch Füchse. Beide Tierarten dürfen in weiten Teilen der Republik ganzjährig bejagt werden. Davon ausgenommen sind Elterntiere, die für die Aufzucht von Jungtieren erforderlich sind. Wer allerdings zwischen April und September Kleintiere jagt, nimmt es damit wohl nicht so genau – bei Füchsen, bei denen auch der Rüde „Vaterschaftsurlaub“ hat, schon gar nicht. Eine letzte Amtshandlung des ex-Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) - ja, das ist der, der die Bundesumweltministerin und wohl auch die Kanzlerin in Sachen Glyphosat hintergangen hat - war es, bundesweit die Schonzeit für Wildschweine aufzuheben, so dass die Wildsau und eigentlich alle Tiere des Waldes jetzt unter Dauerbeschuss zu leiden haben. Bündnis90/Die Grünen haben sich nicht getraut Ab Mai ist der Rehbock auf. Ihm wird jetzt vorwiegend wegen seines Gehörns nachgestellt. Bündnis90/Die Grünen wollten dem eigentlich Einhalt gewähren, weil die Trophäenjagd in unserer Zeit der Vergangenheit angehören sollte – doch sie haben sich bis heute nicht getraut. Jedenfalls dort, wo sie in den letzten Jahren mit in der Regierungsverantwortung waren. Spätestens im Mai findet man auch erste Gitterfallen vor den Ausgängen der Fuchsbaue. Platz ist darin für einen ganzen Wurf – fünf, sechs Füchse oder mehr. Stunden vergehen bis der „Waidmann“ kommt, sie in den Sack steckt und … ach lassen wir das. Der Sommer ist die Zeit der Jagd auf die Jungtiere des Vorjahres, so genannte Schmaltiere: Reh, Hirsch und Damwild. Kleintierjäger begnügen sich mit Kaninchen und mit Füchsen ... und mit Katzen. Iltis, Hermelin, Mauswiesel rufen ab August den gemeinen Fallenjäger auf den Plan. Wegen seines Gehörns wird der Rehbock bereits im Mai gejagt. Bild: Timo Litters Großwildjäger Zwischen September und Januar werden in Deutschland jeden Tag im Durchschnitt mehr als 6.000 (sechstausend) Rehe erschossen und etwa 3.000 Wildschweine – jeden Tag! Vielen schlägt die letzte Stunde, wenn Jäger in Mannschaftsstärke ausrücken. An so genannten Drückjagden, welche oft über mehrere Reviere stattfinden, nehmen manchmal mehrere Hundert Jäger und Treiber mit ihren Hunden teil. Sie versetzen ganze Landstriche in Aufruhr. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz schreibt in ihren Nachrichten, dass bei dieser Art zu jagen nur die wenigsten Tiere nach dem ersten Schuss tot sind. Selbst im Winter, wenn die Natur den Organismus vieler Arten schon auf Sparflamme laufen lässt und die Tiere dringendst ihre Winterruhe bräuchten, kennt der gemeine Jäger kein Pardon. Kleintierjäger In landwirtschaftlich strukturierten Gegenden ist die Hoch-Zeit der Jagd zwischen Oktober und Dezember – die Zeit der Kleintierjäger. Ein Viertel bis ein Drittel der verbliebenen Hasenbestände wird jetzt ausgelöscht und Millionen von Wildvögeln werden in diesen vier Monaten Opfer der Lodenjacken – die wenigsten davon landen allerdings, wie häufig suggeriert, im Kochtopf. Es sind Wildgänsearten, die tausende von Kilometern zurückgelegt haben, um bei uns ein wenig zu verschnaufen; Enten, darunter immer wieder auch geschützte Arten; Rabenvögel und Fasanen; die auf den Roten Listen geführten Rebhühner; Schwäne und der Kormoran, den eigentlich eine EU-Vogelschutzrichtlinie schützt. Seeadler fallen unter Kollateralschaden, die vergiften sich am Munitionsblei im Körper der Tiere, die liegen geblieben sind. Aber wer regt sich eigentlich darüber auf, in Ägypten, Italien oder auf Malta und Zypern kräht doch auch kein Hahn danach. Was für ein Psychopat muss man sein, diese Tiere zu töten. Bild: Jo Kurz Und immer lockt der Fuchs Der größte Feind des Jägers ist wohl Reineke Fuchs. Deshalb wird ihm ganzjährig nachgestellt, ganz besonders jedoch im Dezember und im Januar, oft auch noch im Februar, wenn die Füchsin längst tragend ist. Jäger organisieren sich dann im Rahmen von sogenannten Fuchswochen und legen nicht selten Strecken um die einhundert Füchse. Schnell noch ein Foto für die Presse - wenn sie sich noch trauen ihr Hobby öffentlich zu machen - und dann gehen die meisten Tiere ab zur Tierkörperbeseitigung. Wer im März dann immer noch nicht genug hat, schießt sich auf den Beginn des neuen Jagdjahres ein: Fuchs, Wildsau und Kaninchen gehen immer. +++ Mehr über Füchse gibt es hier.

  • Der Feldhase auf der Bremsspur

    Entgegen anders lautender Meldungen ist der Bestand des Feldhasen seit Jahren dramatisch rückläufig. Ein Indiz dafür bieten die jährlichen Zahlen der durch die Jagd getöteten Hasen. Die Jagdstrecke hat inklusive Unfallopfern im Jagdjahr 2016/17 noch 212.452 Hasen betragen, weit weniger als die Hälfte der Strecke zu Beginn der 2000er Jahre. Der Feldhase gilt bundesweit als im Bestand gefährdet. Grafik: Wildtierschutz Deutschland Während in den 1980er Jahren noch über 800.000 Feldhasen in deutschen Fluren getötet wurden, waren es im Jagdjahr 2016/17 gemäß der Statistik immerhin noch 212.452 Langohren, die durch Jäger oder durch den Verkehr gestreckt wurden. Die Jagdverbände weisen alle Verantwortung für den Rückgang der Feldhasen von sich, bemühen eigene Hasenzählungen und reklamieren für sich gar eine „verantwortungsvolle“ Bejagung. Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland ist da anderer Meinung: „Die Jagdverbände kommen ihrer gesetzlichen Verpflichtung zum Erhalt eines artenreichen Wildbestandes und zur Sicherung der Lebensräume der Feldhasen nicht ausreichend nach. In vielen Fällen sind es Jäger, die als Landwirte selbst die Lebensgrundlagen der von ihnen bejagten Wildtiere zerstören. Die Jagdverbände, die ansonsten durch ihre erfolgreiche Lobbyarbeit beim Gesetzgeber häufig offene Türen einrennen, haben es über Jahrzehnte versäumt, Einfluss auf die Lebensraumgestaltung gefährdeter Arten zu nehmen. Die nach wie vor intensive Jagd auf den Feldhasen gibt ihm den Rest dadurch, dass erwachsene, starke Tiere, die essentiell für die Fortpflanzung sind , erschossen werden. Der vom Deutschen Jagdverband und seinen Mitgliedsverbänden reklamierte Artenschutz mit Flinte und mit Falle ist nach Meinung von Wildtierschutz Deutschland nichts als ein Rohrkrepierer. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat die Jagd weder dem inzwischen fast ausgestorbenen Rebhuhn noch dem Feldhasen etwas gebracht. Wir finden, es ist einfach unglaublich, dass der Deutsche Jagdverband dem Abschuss von im Bestand bedrohten Tierarten nicht einen Riegel vorschiebt und stattdessen dem Fuchs und anderen Beutegreifern den Schwarzen Peter zuschiebt.“

  • Warum Wildtierschutz Deutschland sich für Füchse einsetzt

    Etwa eine halbe Million Füchse werden in Deutschland jedes Jahr von Jägern getötet. Der Rotfuchs ist eine der wenigen einheimischen Tierarten, die in vielen Bundesländern ganzjährig bejagt werden. Dabei sind auch besonders grausame Jagdpraktiken wie die Baujagd, die Fallenjagd oder die Abrichtung von Jagdhunden an lebenden Füchsen an der Tagesordnung. Infolge fehlender oder viel zu kurzer Schonzeiten sterben viele Fuchswelpen qualvoll, weil ihre Eltern erschossen werden, oder sie werden selber bereits beim Spiel am Bau gefangen und getötet. Die Jagd kann den Fuchsbestand nicht regulieren Als Rechtfertigung für die starke Bejagung wird von vielen Jägern angeführt, man müsse die Zahl der Füchse „regulieren“, etwa, um der Ausbreitung von Krankheiten Einhalt zu gebieten oder seltene Tiere zu schützen. Tatsächlich kann man die Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln jedoch kaum reduzierend beeinflussen: Je mehr Füchse durch Jagd oder Unfälle sterben, desto stärker steigt die Geburtenrate. Andersherum führt eine sinkende Sterblichkeit durch angeborene Regulationsmechanismen zu weniger Nachwuchs. „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“, kommentierte dies einst der Biologe Erik Zimen. ​ Der Bestand von Rebhühnern, Feldlerchen und Feldhasen ist in den letzten Jahrzehnten nicht wegen Fuchs & Co. dramatisch zurückgegangen, sondern durch den Verlust ihrer Lebensräume und der Nahrungsgrundlagen. Studien zeigen, dass die intensive Fuchsjagd bedrohten Tierarten nicht hilft; oft zeigen sich sogar gegenteilige Effekte, etwa, weil mit der Jagd erhebliche Störungen einhergehen. Ein Fuchs bringt es pro Jahr auf 3.000 Mäuse! Er beseitigt das Aas überfahrener Tiere und ist "Fitness-Trainer" für seine Beutetiere, indem er kranke und reaktionsschwache Tiere erbeutet. Die starken und reaktionsschnellen sind für ihn nicht oder selten erreichbar, so dass sie ihre Gene weitergeben können. Für uns - wahrscheinlich aber auch objektiv gesehen - ist ein Fuchs ökologisch einfach wertvoller als der typische Jäger im Lodendress. Bild: Timo Litters Der Fuchs als Gesundheitspolizist Durch die Jagd können Tierkrankheiten wie Räude oder Staupe oder der Befall mit dem Fuchsbandwurm nicht eingedämmt werden. Im Gegenteil, erst 2017 belegte eine breit angelegte internationale Studie erneut, dass dort, wo Füchse intensiv gejagt werden, sogar mehr Füchse mit dem Fuchsbandwurm befallen sind. Die einzig wirksame Methode, den Fuchsbandwurm einzudämmen, ist die Verabreichung von entsprechenden Entwurmungsködern. Vom Fuchs ausgehende Risiken für den Menschen werden infolge gezielter Panikmache seitens der Jagdverbände weit überbewertet: Deutschland gilt seit 2008 als frei von Tollwut (Ausnahme: Fledermaus); am Fuchsbandwurm erkranken jährlich etwa 30 Personen in Deutschland – sehr viel weniger Menschen, als bei Jagdunfällen zu Schaden oder zu Tode kommen. Eine aktuelle Studie des Niederländers Tim R. Hofmeester et al. zeigt dagegen, dass Füchse das Risiko für eine Ansteckung des Menschen mit der Lyme-Borreliose reduzieren können. Ihre Aktivitäten führen offenbar dazu, dass Mäuse weniger stark von Zecken befallen sind und diese Zecken seltener Träger der Borreliose-Erreger sind. In der Tierwelt nehmen Füchse als Aasvertilger und durch die Erbeutung kranker und schwacher Tiere ohnehin eine wichtige Rolle als Gesundheitspolizist ein. Wo der Fuchs nicht bejagt wird, bleibt die Zahl der Füchse weitgehend konstant Von einer wie auch immer gearteten Notwendigkeit Füchse zu bejagen, kann also keine Rede sein. Sehr eindrucksvoll zeigen dies auch die immer zahlreicher werdenden Gebiete, in denen die Fuchsjagd bereits verboten ist. In Luxemburg etwa, wo Füchse seit 2015 nicht mehr bejagt werden, haben weder die Zahl der Füchse noch die Häufigkeit von Wildtierkrankheiten zugenommen. Im Schweizer Kanton Genf ist durch das seit mehr als vierzig Jahren gültige Jagdverbot (es gibt dazu wenige Ausnahmen) zudem die Artenvielfalt – etwa an Wasservögeln – erheblich gewachsen. Wenn die jungen Füchse samt Mutter nicht mittels scharfer Bauhunde aus ihrem vermeintlich sicheren Rückzugsort vor die Flinten der Jäger "gesprengt" werden, werden sie vor ihrer Wurfhöhle mit Drahtgitterfallen gefangen und anschließend getötet. Bild: René Schleichardt Abschaffung der Fuchsjagd längst überfällig Wir tolerieren nicht, dass diese intelligenten, sozialen und für Mensch und Natur nützlichen Tiere der Willkür einer kleinen Bevölkerungsgruppe ausgeliefert sind, die – wie Online- und Printmedien unmissverständlich zeigen - Freude an ihrer Tötung hat. Die Fuchsjagd ist untrennbar mit sinnloser Tierquälerei und nachhaltiger Schädigung der Natur verbunden. ​ Weitere Artikel zur Fuchsjagd und zu Füchsen Ausführliche Erläuterungen und Literaturquellen (Aktionsbündnis Fuchs)

  • Entdecke die Waschbären

    Kaum ein anderes Tier wirkt schon auf Anhieb so sympathisch wie der Waschbär mit seiner lustigen „Panzerknacker-Maske“ und dem flauschigen, geringelten Schwanz. Ursprünglich ein echter Amerikaner, ist er längst auch in Deutschland heimisch. Die Waschbär-Experten Berit und Frank-Uwe Michler stellen Dir in diesem Band der „Reihe mit der Eule“ die liebenswerten kleinen Raubtiere ausführlich vor und schildern Dir ihre spannende Lebensweise – eine aufregende Entdeckungsreise durch die Welt des Waschbären! Von den Waschbär-Forschern Berit und Frank-Uwe Michler Umfang 64 Seiten Format 20,7 x 28 cm Einband Hardcover Abbildungen zahlreiche Farbfotos ISBN 978-3-86659-392-3 Hier für 12,80 Euro bestellen

  • Weidetierhalter und Wolfsfreunde fordern Förderprogramm Herdenschutz und Kompetenzzentrum

    Aufruf der Weidetierhalter-Verbände, der Verbände des Ökologischen Landbaus sowie weiterer Interessenverbände der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, gemeinsam mit der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. (GzSdW) und dem Verein für Arbeitende Herdenschutzhunde in Deutschland e.V. (VAH): Der Baden-Württembergische Umweltminister Franz Untersteller hat Anfang März die „Kooperationsvereinbarung zwischen den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zum Herdenschutz und Wolfsmanagement“ vorgestellt, die zum 01.04.2018 in Kraft treten soll. Grundsätzlich ist die länderübergreifende Zusammenarbeit beim Thema Wolf sehr zu begrüßen! Allerdings werden in dem Papier viele Aufgaben genannt, die bereits durch die "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf" abgedeckt werden und deren Dopplung durch die zu gründende „Steuerungsgruppe Wolf“ sowie die zu gründenden „Managementgruppen Wolf“ der beteiligten Länder wohl im Wesentlichen unnötig, ja kontraproduktiv wäre. Seit über 20 Jahren gibt es Wölfe in Deutschland - nie ist der Wolf einem Menschen aggressiv begegnet. Bild: Stefan Suittenpointner Entgegen dem Titel der Vereinbarung „… zum Herdenschutz und Wolfsmanagement“ beschränken sich die konkreten Formulierungen des Papiers fast ausschließlich auf das Wolfsmanagement, das zudem im Wesentlichen auf "Fang" und "Entnahme" von Wölfen, die „Menschen und Nutztiere gefährden“, begrenzt wird. Gerade so, als ob es hier (Menschen) Probleme gäbe bzw. als ob die Entnahme von Wölfen eine Problemlösung (Nutztiere) wäre. Tatsache ist, in mittlerweile 20 Jahren Wolfspräsenz in Deutschland hat es keinen einzigen Fall gegeben, in dem ein Wolf einem Menschen aggressiv begegnet wäre. Die „Gefährdung von Menschen“ ist schlicht nicht existent - auch wenn sie von gewissen politischen und Lobbyistenkreisen immer und immer wieder herbeigeredet wird, die grundsätzlich gegen den Wolf eingestellt sind und offensichtlich nach Wegen suchen, seine Präsenz in der Landschaft möglichst wieder rückgängig zu machen. Eine „Gefährdung von Nutztieren“ ist allerdings real gegeben, vor allem in Gebieten, in denen sich Wölfe neu ansiedeln und aufhalten. Die Weidetierhalter sind die maßgebliche Bevölkerungsgruppe, die durch die Rückkehr des Wolfes belastet wird. Nur durch konsequent und flächendeckend angewandte, fachlich gut durchgeführte und für die Tierhalter praktikable Herdenschutzmaßnahmen kann das Miteinander von Wolf, Nutztieren und Menschen gelingen! Bullshit - zumindest nicht das, was Sie auf dem Bild sehen, das ist Wolfslosung. Bild: Stefan Suittenpointner Anstatt sich umfangreich Gedanken über „Fang- und Entnahmetrupps“ zu machen, wären konkrete Maßnahmen zu einer umfassenden und ländereinheitlichen Förderung von Herdenschutzmaßnahmen sowie zur Einrichtung eines länderübergreifenden Herdenschutz-Kompetenzzentrums vonnöten. Leider sucht man in dem Papier Konkretes hierzu vergeblich. Die Entnahme von einzelnen Wölfen kann unter Umständen geboten sein – nachdem der Herdenschutz flächendeckend umgesetzt wurde! Sie ersetzt aber keine Herdenschutzmaßnahmen und ist darüber hinaus in den einzelnen Ländern bereits ausreichend geregelt. Die unterzeichneten Verbände fordern daher von den Landesregierungen von Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die getroffene Kooperationsvereinbarung dahingehend abzuändern, dass sie sich den wahren und nicht den von bestimmten Kreisen imaginierten Problemen zuwendet: die umgehende Einführung eines ländereinheitlichen Förderprogramms von Herdenschutzmaßnahmen für Weidetierhalter, unabhängig von Betriebsform und –größe, das eine 100 %ige Kostenerstattung inkl. der Anschaffungskosten für Zaun- und anderes Material, der Unterhaltskosten für Herdenschutzhunde sowie der Kosten für die zusätzliche Arbeitsbelastung durch Herdenschutzmaßnahmen umfasst sowie die umgehende Einrichtung eines länderübergreifenden Herdenschutz-Kompetenzzentrums, in dessen Rahmen geeignete Herdenschutzmaßnahmen getestet und weiterentwickelt werden sowie Weidetierhalter aus- und weitergebildet und bei der Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen auf dem eigenen Betrieb intensiv beraten und unterstützt werden; dabei kann auf zahlreiche Erfahrungen anderer Bundesländer zurückgegriffen werden. Mehr zum Wolf erfahren Sie hier

  • Feuer frei auf den Wolf?

    Offener Brief *) an den Niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies, SPD Sehr geehrter Herr Minister Lies, ich bin Wolfsberater, ernannt vom Niedersächsischen Umweltministerium. Ich habe Biologie mit dem Schwerpunkt Angewandte Zoologie studiert. Ich bin Anfang der 90er Jahre in Ostpolen, im Biebrza-Nationalpark, mehrere Jahre hintereinander zu Gast gewesen, um dort an Watvogelzählungen teilzunehmen. Dort hatte ich meine ersten Begegnungen mit freilebenden Wölfen. Seitdem lässt mich diese Tierart nicht mehr los. Ich schreibe Ihnen, weil ich zutiefst irritiert bin über Ihre Einlassungen zum Umgang mit Wölfen. „Es geht um den Schutz von Mensch und Natur, den Schutz der Weidetierhalter und um den Schutz der überlebenswichtigen Deiche.“ So zu lesen z.B. im Ostfriesischer Kurier (9.3.2018). Wie bitte? Es geht Ihnen um den Schutz von Mensch und Natur? Nennen Sie mir einen Zwischenfall mit Wölfen in Niedersachsen, aber auch bundesweit, bei denen Menschen ernsthaft zu Schaden gekommen sind. Lassen Sie sich als Ergänzung die Zahl der Opfer von Hunde- und Wildschweineangriffen heraussuchen. Sie werden staunen. Das aber interessiert niemand. Es bringt auch keine Wählerstimmen. Und was muss ich darunter verstehen, wenn es -in offenbar negativem Sinn- um den „Schutz der Natur“ geht. Es gibt nur eine Interpretation Ihrer Worte: Sie wollen die Natur vor dem Wolf schützen. Herr Minister, bei allem Respekt, ich kann mich nicht erinnern, in Zusammenhang mit dem Wolf einen größeren Blödsinn gelesen zu haben. Minister Lies will die Natur vor dem Wolf schützen. Bild: Stefan Suittenpointner Sie fordern eine „Obergrenze für Wölfe“? Wo liegt diese Obergrenze? Nennen Sie Zahlen, wenn Sie derartiges fordern! Und vor allem: begründen Sie diese Zahlen! Sie sagen: „Wenn feststeht, dass die Population groß genug und der Erhaltungszustand gut ist, dann haben wir auch Möglichkeiten des Wolfsmanagements.“ Herr Minister, wir haben so etwas bereits! Es gibt einen Managementplan für unser Bundesland. Herausgegeben vom Niedersächsischen Umweltministerium. Er heißt Niedersächsisches Wolfskonzept. Dann lese ich: „Wölfe haben in Dörfern nichts zu suchen.“ Doch, haben sie. Lesen Sie den besagten Managementplan für Niedersachsen. Dort finden Sie die Tabelle 3. Lesen Sie selbst. Ich will hier nicht alles einzeln zitieren. „Die Wolfspopulation entwickelt sich viel dynamischer als gedacht.“ Tut sie das? Wie kommen Sie zu dieser Bewertung? Nach allen Zahlen die mir aus den Monitoringberichten vorliegen, wächst die mitteleuropäische Flachlandpopulation momentan um den Faktor von etwa 1,3 pro Jahr. Dies seit mehreren Jahren. Was ist daran „viel dynamischer als erwartet“? Was wollen Sie mit einer derartig wertenden Aussage bewirken? Wölfe unterliegen sehr wohl „natürlichen Feinden“ – ich nenne nur Parasiten, Staupe, Räude. Die Bestände werden durch den Straßenverkehr gezehntelt, Jährlinge auf Wanderschaft werden von territorialen Wölfen getötet. Ich kann Sie beruhigen: die Wolfspopulation wird nicht ins Astronomische wachsen. Ich interpretiere Ihre Worte dahingehend, dass Sie fest entschlossen sind, so schnell wie möglich das Feuer auf den Wolf freizugeben, denn Sie streben ja bekanntermaßen auch die Übernahme des Wolfs ins Jagdrecht an. Ich bin gespannt zu hören, wie Sie diese Gesetzesinitiative begründen werden und wie dies in der Öffentlichkeit aufgenommen und kommentiert werden wird. Wolfslosung - Bild: Stefan Suittenpointner Herr Minister, der Publizist und Jäger Eckhard Fuhr hat den etwas zugespitzten Satz in einem Artikel der „Welt“ geschrieben: „In Bezug auf die Wölfe hat das postfaktische Zeitalter schon im Mittelalter angefangen.“ Ich hielt das lange für ein wenig übertrieben, habe gehofft, dass mit der Perzeption von Fakten zumindest auf Seiten aufgeschlossener Politiker eine weitgehend sachliche Auseinandersetzung mit den zweifellos vorhandenen Problemen stattfinden kann. Weit gefehlt. Mittlerweile kann ich Eckhard Fuhr nur zustimmen. Ihre öffentlichen Äußerungen sind der beste Beweis für die Richtigkeit seiner These. Auf der letzten Fortbildung für Wolfsberater bei der NNA in Schneverdingen forderte Ihr Mitarbeiter Konstantin Knorr uns -wie ich persönlich finde nicht ganz unberechtigt- auf, wir mögen doch bitte die fachlichen Grundlagen, die das Land Niedersachsen vertritt, auch nach außen vertreten. Meine abschließende Frage: Gilt das nicht auch für den zuständigen Fachminister? Ich werde mich jedenfalls nicht davon abhalten lassen, auch weiterhin Fakten zu vermitteln statt subtile Ängste zu bedienen und Emotionen zu schüren. Mit freundlichen Grüßen, Eberhard Giese - Wolfsberater Landkreis Aurich *) leicht gekürzt, hier ist die vollständige Version Lesen Sie auch: Offener Brief an Minister Backhaus, Mecklenburg-Vorpommern

  • Die Knoblauchkröte - Umweltgifte machen ihr das Leben schwer

    Die Knoblauchkröte war schon einmal berühmter: hohe Ehren wurden ihr 2007 zu Teil, als sie zum „Lurch des Jahres“ wurde. Damals wurde versucht eine breitere Öffentlichkeit für diesen Froschlurch zu interessieren. Wie kommt die Knoblauchkröte an ihren Namen? In Gefahrensituationen sondert sie ein Sekret zur Feindabwehr aus, das an Knoblauch erinnern kann. So erzählt man sich. In mir haben die Hüpfer entweder nie einen Feind gesehen, oder aber irgendetwas stimmt an der Überlieferung nicht - jedenfalls konnte ich etwas Derartiges nie wahrnehmen. Der lateinische Namen der Knoblauchkröte ist Pelobates fuscus. Hier ein ausgewachsenes Männchen. Bild: Ani, Wikipedia.de Wie auch immer es um den Verteidigungszustand bestellt ist, für die Knoblauchkröte sieht es auch in diesem Jahr nicht besser aus als in ihrem Ehrenjahr 2007. Noch immer ist ihr Bestand gefährdet, die Pestizide und andere Umweltgifte machen ihr das Leben schwer. In Wald und Flur werden Kleingewässer zugeschüttet, Abfälle werden illegal abgeladen oder ihre Lebensräume werden anderweitig verdreckt. Dünger verschmutzen weite Landstriche und dringen in Habitate vor, die der Knoblauchkröte als Rückzugsorte dienen. Manche Menschen kommen auch immer wieder auf die glorreiche Idee Fische in die Natur auszusetzen. Mag der Grund zuweilen Tierliebe sein, so erreichen sie dadurch jedoch genau das Gegenteil: Laich und Larven unserer heimischen Amphibien werden allzu oft von den Fischen gefressen und die Tiere über Generationen in ihrer weiteren Entwicklung zurückgeworfen. Die Knoblauchkröte ist ein Meister in der Anpassung. Während ein Laubfrosch in einem Karpfenteich niemals überleben könnte, hat man darin schon große Populationen dieser Kröten vorgefunden. Das mag an der erstaunlichen Größe der Kaulquappen liegen, aus denen die Knoblauchkröten entstehen. Im Vergleich zu einer Erdkröte ist das ein erstaunlicher Unterschied: Die Kaulquappen einer Knoblauchkröte (o) und einer Erdkröte (u). Bild: Christian Fischer Dass manche Teichwirte aus Angst vor Nahrungskonkurrenten ihrer Karpfen die Quappen bekämpfen ist unsinnig, denn die Kaulquappen ernähren sich von Aas und organischen Schwebstoffen. Einmal davon abgesehen, dass es sich bei den Knoblauchkröten um eine streng geschützte Art handelt. Um den Gefahren ihrer natürlichen Habitate auszuweichen, laichen viele Knoblauchkröten in Ackerfurchen, was jedoch nicht mit weniger Gefahren verbunden ist. Landwirtschaftliche Maschinen können sie verletzen, töten oder sie werden von Klärschlamm und Gülle vergiftet. Je nach Witterung trocknen die Pfützen auch einfach aus, kaum eine Generation erreicht ein Alter in dem sie sich selbst fortpflanzen kann. Je nach Witterung beginnt in Deutschland an vielen Orten jetzt wieder die Amphibienwanderung. Wenn man ganz viel Glück hat, dann sitzt zwischen all den Erdkröten und Molchen auch eine Knoblauchkröte, deren Fleckenmusterung gut zu erkennen ist und sich so von den anderen Amphibien unterscheidet. So unbedeutend die Kröten, Molche und anderen Hüpfer auch erscheinen, die Amphibien und damit ihr Schutz sind für uns alle enorm wichtig. Sie besiedeln unterschiedliche Biotope und sind in der Regel sehr standorttreu: Wo sie geboren werden, dahin gehen sie zum Laichen zurück. Wenn wir Menschen in der Zwischenzeit auf die Idee gekommen sind genau da Straßen zu bauen, wird keine Kröte davon abhalten denselben Weg einzuschlagen. Weltweit gesehen sind viele Amphibienarten vom Aussterben bedroht, in Deutschland können wir aktiv etwas dagegen tun. In Deutschland stehen alle Arten von Amphibien nach dem Bundesnaturschutzgesetz unter Artenschutz, selbst wenn der Bestand nicht gefährdet ist. Es liegt in unser aller Interesse uns für die Kleinen stark zu machen! Wenn man nicht aktiv in den Naturschutzarbeiten an den Krötenzäunen involviert ist, so können wir doch gerade in der aufkommenden Zeit der Krötenwanderungen die Augen offen halten, vorsichtig sein und die Kleinen unterstützen.

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