01.03.2015

Stuttgart, 4. März: Petitionsübergabe und Gegendemo zu Jägeraufmarsch

Stellvertretend für Wildtierschutz Deutschland e.V. und Animal Public e.V. übergeben die Stuttgarter Tierrechtsvereine MENSCHEN FÜR TIERRECHTE – Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V., PETA Deutschland e.V., Tierrechtsinitiative Stuttgart (TiRS) der Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch am kommenden Mittwoch über 11.000 Unterschriften der Petition „Keine Hobbyjagd in Baden-Württemberg“. 

Die Landesregierung ist mit dem Versprechen angetreten, ein ökologisch fundiertes und stärker an den Belangen des Tierschutzes ausgerichtetes Jagdgesetz in der laufenden Legislaturperiode auf den Weg zu bringen. War aus Sicht des Tierschutzes bereits das Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz (JWMG) eine weitgehende Enttäuschung, so zeigt nun auch der Entwurf zur Durchführungsverordnung (DVO), dass sich für die Tiere nur wenig zum Positiven ändert.

Jungdachse bleiben auch im Folgejahr noch bei den Elterntieren
Bild: Berndt Fischer

Der Verordnungsentwurf enthält zahlreiche Tierarten, die aus reinem Freizeitinteresse getötet werden. So verursachen beispielsweise Fuchs oder Dachs keine volkswirtschaftlich relevanten Schäden. Ihr ökologischer Nutzen wird in den Betrachtungen der Jagdseite zu Unrecht vollkommen unberücksichtigt gelassen.  Andere Tierarten wie Feldhase, Rebhuhn oder Waldschnepfe sind ganz oder teilweise in  ihrem Bestand gefährdet. Fast ganzjährige  Jagdzeiten verhindern, dass Wildtiere ihre Jungen in Ruhe aufziehen können. Insbesondere die Bejagung zwischen April und Juli führt zu einer massiven Störung der Fortpflanzung zahlreicher Arten, z.B. zu Brutabbrüchen auch seltener Vogelarten.

Die Tierschützerinnen und Tierschützer kritisieren scharf die Kampagne des Landesjagdverbands BW zur Aufweichung der Durchführungsverordnung zum Landesjagd- und Wildtiermanagementgesetz. Der Landesjagdverband habe noch immer nicht verstanden, dass die Gesellschaft eine Stärkung des Tierschutzes verlangt. „Es ist unerträglich, dass der Landesjagdverband den Tierschutz mit Füßen tritt. Zehntausende Füchse, Dachse, Rabenvögel, Schwäne und andere werden jedes Jahr in Baden-Württemberg getötet und verschwinden in der Mülltonne“, erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Einsatz von Jungfuchsfallen – vormals in Baden-Württemberg nur mit Sondergenehmigung gestattet - nun grundsätzlich erlaubt sein soll. Fuchswelpen werden dazu mittels Drahtgitterfalle am Ausgang des Fuchsbaus abgefangen.. Eine Klapptüre versperrt ihnen den Weg zurück in den Bau, so dass der Jäger sie töten kann.

Eine wissenschaftlich haltbare Begründung für die Fuchsjagd gibt es nicht: Wie jagdfreie Gebiete zeigen, regeln sich Fuchsbestände selbständig; eine Dezimierung von Füchsen ist weder sinnvoll noch überhaupt möglich, weil intensive Bejagung die Geburtenraten in die Höhe schnellen lässt.

Unter dem Motto „Mehr Rechte für Füchse statt für Jäger“ laden die Stuttgarter Vereine daher zu einer Gegendemonstration zum geplanten Jägeraufmarsch ein: Ein „Jäger“ zielt auf ein „Fuchskind“ im Käfig. Aktivisten mit Fuchsmasken halten Bildposter und Tafeln: „Euer Hobby ist mein Tod“ und „Jungfuchsfallen verbieten!“

Demo in Stuttgart am 4. März 2015, 11:30 – 13 Uhr am Schlossplatz zwischen Jubiläumssäule und Springbrunnen

Wir fordern Jagdruhe in den Wintermonaten
Bild: Luise Dittombée

Die Vereine erwarten von der Landesregierung, dass sie wissenschaftliche Erkenntnisse vor die Abschussinteressen der Jäger stellt und die Durchführungsverordnung einer grundlegenden Überarbeitung unterzieht. Die Legalisierung von Jungfuchsfallen muss zurückgenommen, der Katalog jagdbarer Arten drastisch verkleinert und die Jagdzeiten signifikant verkürzt werden. 



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