Mehlschwalbenkolonie Biblis mit 800 Tieren darf nicht erlöschen | Was die Behörden schon gewusst haben
- Pressemitteilung WTSD
- vor 3 Stunden
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Nach dem kürzlich erfolgten Abbruch des letzten von vier Kühltürmen auf dem Gelände des Kernkraftwerks Biblis wurden durch RWE Nuclear die Nistplätze für 800 Mehlschwalben in 80 Meter Höhe endgültig zerstört. Aufgrund nicht wirksamer Ausgleichsmaßnahmen droht die Vernichtung der bedeutendsten Mehlschwalben-Kolonie in Hessen.

Die Vögel werden aus Afrika nach einem tausende Kilometer langen Flug an ihrer ehemaligen Brut -und Lebensstätte ankommen und nichts vorfinden. Die von RWE bereitgestellten Ausgleichsmaßnahmen (8 Schwalbentürme mit 430 Nestern außerhalb der Bebauung) wurden seit 2023 gemäß der jährlichen Monitoring-Berichte nicht von den Schwalben angenommen. Dass diese Maßnahme von vornherein nur eine geringe Erfolgsaussicht hatte, war auch den Behörden in Heppenheim bekannt, wie aus einem uns vorliegenden umfangreichen Schriftwechsel zwischen den Behörden des Kreistags, der RWE und dem Umweltministerium Hessen hervorgeht.
Der Abriss des letzten Kühlturms ändert nichts daran, dass der Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz weiterhin vorliegt, solange keine wirksamen vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen (CEF-Maßnahmen) Bestandteil der Baugenehmigung sind. „Der Widerspruch gegen die Abbruchgenehmigung ist mit dem Abbruch nicht erledigt“, so der von den Naturschützern beauftragte Anwalt.
Mit Schreiben vom 3. Februar hat das Naturschutzbündnis aus MUNA, BUND Kreis Bergstraße und Wildtierschutz Deutschland den Kreis Bergstraße mit Frist zum 13. Februar aufgefordert, dem Widerspruch zur Abbruchgenehmigung abzuhelfen. Dazu sind die Änderungen der Nebenbestimmungen zur Abbruchgenehmigung und die Festlegung wirksamer CEF-Maßnahmen zwingend erforderlich. „Ziel muss es sein, bis zur Ankunft der Mehlschwalben ab Mitte März ausreichende Brutmöglichkeiten an den höchsten Gebäuden der Anlage in Biblis zu schaffen. Das Bündnis hat dazu einen konkreten Maßnahmenplan vorgelegt, bietet an beratend zu unterstützen und warnt davor einen jetzt noch abwendbaren Umweltschaden durch entschiedenes Handeln nicht abzuwehren,“ erläutert Florinde Stürmer von Wildtierschutz Deutschland.

Das Angebot, gemeinsam mit den Naturschutzorganisationen noch vor der Ankunft der Rückkehrer aus den Überwinterungsgebieten an gemeinsamen Lösungen zu arbeiten, wurde von RWE mehrfach abgelehnt.
Stattdessen hat das Unternehmen, spätestens nachdem am 13. Januar der Widerspruch gegen die Abbruchgenehmigung einging, vollendete Tatsachen in Angriff genommen. Wir konnten vor Ort am AKW beobachten, wie seitdem Tag und Nacht daran gearbeitet wurde, den verbliebenen 80 Meter hohen Kühlturm mit etwa 130 von ehemals 430 Schwalbennestern zu destabilisieren. Als zwei Tage später die Bauaufsicht unseren Widerspruch bewilligte und RWE entsprechend informierte, hieß es, der Kühlturm sei nun derart instabil, dass aus Gründen der Gefahrenabwehr am nächsten Tag ein kontrollierter Einsturz vorgenommen werden müsse – dem Vernehmen nach 10 Tage vor dem ursprünglich geplanten Abriss.
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