Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen
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- „Fuchsjagd beenden“ auf dem Stimmzettel zur Volksabstimmung
Hören | „Fuchsjagd beenden! Dieses Hobby schafft Leid und keinen Artenschutz.“ So lautet der volle Titel des Vorschlags von Wildtierschutz Deutschland, der im Herbst auf dem Wahlzettel der dritten bundesweiten Volksabstimmung stehen wird. In der Vorauswahl von ursprünglich 171 Vorschlägen erreichte das Tier- und Naturschutzthema den Platz 1. In den letzten Jahren haben sich über 344.000 Menschen an der von der Initiative Abstimmung21 e.V. organisierten Volksabstimmung beteiligt. Jetzt Wahlunterlagen kostenlos anfordern: Melden Sie sich bitte hier für die Volksabstimmung 2024 an . Füchse sind soziale und sehr intelligente Tiere, die einen wichtigen Beitrag zu intakten Ökosystemen leisten: Sie fressen Mäuse, Ratten und Aas, aber auch Jungtiere und erbeuten meist schwache und reaktionsarme Tiere – so, dass überwiegend gesunde und starke Tiere ihre Gene weitergeben können. Die Freizeitbeschäftigung Fuchsjagd kostet Jahr für Jahr über 400.000 Füchsen das Leben und macht ökologisch keinen Sinn: Trotz jahrzehntelanger, intensiver und oft nicht tierschutzgerechter Fuchsjagd hat sich die Situation der auf den „Roten Listen“ geführten Tierarten weiter verschlechtert: Das gilt nicht nur für die immer noch jagdbaren Tierarten wie Feldhase (- 77 % seit den 1980er Jahren) und Rebhuhn (- 91 %), sondern zum Beispiel auch für den Kiebitz (- 93 %) (1). Hauptgründe für diese alarmierende Situation sind der Verlust geeigneter Lebensräume, u.a. durch Flächenversiegelung und Monokulturen in der Landwirtschaft, und damit auch das Verschwinden klein strukturierter, ökologisch vielfältiger Gebiete, sowie das dramatische Insektensterben durch Insektizide und Herbizide und dem damit einhergehenden Nahrungsmangel für Insekten fressende Vögel und auch den Igel. Soll den im Bestand gefährdeten Tierarten tatsächlich geholfen werden, müsste die Politik mit entsprechenden Agrarkonzepten gegensteuern. Die Jagd auf Füchse ist keine wirksame Lösung und schafft stattdessen neue Probleme sowie massives Tierleid. Warum brauchen Füchse eine ganzjährige Schonzeit? In der Jagdsaison 2022/23 endeten 408.926 Füchse auf der Jagdstrecke. (2) Der Großteil der Füchse wird während der Paarungszeit zwischen November und Ende Februar geschossen. Eine Jagdzeitung rief im Dezember 2021 gar zu einem ethisch nicht vertretbaren Wettbewerb auf, bei dem deutschlandweit die Reviere mit den meisten getöteten Füchsen und der dickste erlegte Fuchskopf prämiert wurden. (3) Wie werden Jungfüchse bejagt? Sobald die Fuchswelpen aus dem Bau kommen, dürfen sie in den meisten Bundesländern mit Drahtgitterfallen gefangen und erschossen werden. Füchse dürfen in einigen Bundesländern immer noch ganzjährig bejagt werden. (4) Das Bundesjagdgesetz verbietet allerdings die Bejagung von zur Aufzucht notwendigen Elterntieren bis zum Selbständigwerden der jungen Füchse. Fuchsjagd ist kein Beitrag zum Artenschutz Füchse dienen weder dem Verzehr, noch gibt es in unseren Breiten ethisch vertretbare Gründe für das Tragen und Nutzen von Pelz. Füchse sind auch nicht die Ursache für den Rückgang jagdbarer Tierarten wie Feldhase, Rebhuhn oder Fasan. Deshalb sollten Füchse auch in Deutschland nach dem Vorbild Luxemburg eine ganzjährige Schonzeit haben. Die Jägerschaft sieht sich mit der zunehmend kritischen Haltung der Menschen zur Jagd konfrontiert. Die Rechtfertigungen für das blutige Hobby überzeugen nicht mehr. Selbst Behörden können keine belastbaren Daten zum Nutzen der Freizeitjagd auf Füchse vorlegen. Dennoch verlässt sich der Gesetzgeber größtenteils noch auf Behauptungen aus der Jägerschaft, obwohl es neben jagdnahen Studien inzwischen auch neutralere Veröffentlichungen gibt, die die Sinnlosigkeit der Fuchsjagd aufzeigen. (5) Es funktioniert auch ohne Fuchsjagd Dass es auch anders geht, zeigen deutsche Nationalparks seit Jahrzehnten, der Kanton Genf seit den 1970er Jahren und Luxemburg seit 2015: Obwohl der Fuchs dort nicht von Freizeitjägern bejagt wird, nimmt die Zahl der Füchse nicht zu und es gibt auch keine Auffälligkeiten hinsichtlich der von der Jägerschaft immer wieder angeführten Fuchskrankheiten wie Milbenbefall (Räude) oder Staupe. Auch geht der Befall von Füchsen mit dem Fuchsbandwurm zurück. (6) Fuchsjagd ist ein Freizeitsport Im Rahmen der Fuchsjagd gibt es viele Aspekte, die mit dem heutigen Verständnis von Tierschutz überhaupt nicht konform gehen: Die Tiere werden gejagt, weil es immer mehr Jagdausübungsberechtigten Spaß macht. Auf Social Media wird stolz die „Beute“ auf sogenannten „Erlegerfotos“ präsentiert, man hält das tote Tier in die Kamera oder sitzt daneben, auch die Waffe dazu ist ein beliebtes Motiv. Dabei geht es darum, möglichst viele Likes und Anerkennung für das Töten und Überlisten des Fuchses zu erhalten. Die Bestandsreduktion von Füchsen durch Bejagung ist umstritten, wie Studien belegen, da diese durch erhöhte Geburtenraten und Zuwanderung kompensiert wird. Im Ergebnis kommt es also lediglich zu einer Verschiebung in der Altersstruktur mit einem deutlich höheren Anteil an Jungtieren und trächtigen Fähen gegenüber unbejagten Populationen. (7) Dass eine solche Situation zu mehr Tierleid führt, ist nachvollziehbar. Gerade zur Paarungszeit im Winter werden sehr viele Füchse getötet. Ein tierschutzrechtliches Problem ist dabei, dass grundsätzlich die für die Aufzucht erforderlichen männlichen Tiere, aber auch hochträchtige oder gar Welpen führende Füchsinnen getötet werden. Entgegen den Behauptungen der Jägerschaft kommen Fuchswelpen – wie wir aus Wildtierstationen gesichert nachweisen können – schon ab Januar, also lange vor Beginn von Schonzeiten auf die Welt. Ganzjährige Schonzeit für Füchse! Die Fuchsjagd führt letztlich nicht zu einer Regulierung oder gar Verringerung des Fuchsbestands und ist auch kein Garant dafür, dass bedrohte Arten überleben. Für Artenschutz muss es eine ökosystemverträgliche Landwirtschaft geben sowie ausreichend Renaturierungs- und Schutzgebiete. Für einen nachhaltigen Beitrag der vergnügungsorientierten Fuchsjagd zum Artenschutz gibt es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege. Warum gehen wir also nicht den Weg, den schon der Kanton Genf und Luxemburg gegangen sind: Ganzjährige Schonzeit für Füchse! +++ Quellen: Webseiten des Nabu: Feldhase | Rebhuhn | Kiebitz Webseite des Deutschen Jagdverbands. Webseite der Deutschen Jagdzeitung Webseite von Schonzeiten.de Frommhold (2022), Verzeichnis internationaler Forschungsliteratur Fuchs Luxemburger Wort, (2020), „ Fuchsjagd bleibt verboten “ und PIRSCH, „ Bleiben die Luxemburger beim Fuchsjagdverbot? “ (25.06.2024) Frommhold (2022), Fußnote 5 Unterzeichnen Sie bitte auch unsere Petition gegen das Training von Jagdhunden mit lebenden Füchsen
- Im Angesicht des Todes: Das Leben einer Füchsin
Hören | Intelligenz und Vorsicht ermöglichten ihr - unserer namenlosen Heldin - einige Jahre in einer überaus feindlichen Welt zu leben. Als Fuchs war ihr die Intelligenz angeboren und auch Vorsicht zählt zum Naturell ihrer Spezies. Die Vorsicht hatte ihre Mutter ihr aber ganz besonders beigebracht. Ihren Vater hat die Füchsin nie kennengelernt , er wurde bereits vor ihrer Geburt erschossen. Es geschah in einer mondhellen Februarnacht im Rahmen sogenannter Fuchswochen. Geboren wurde sie in einem Fuchsbau in einem kleinen Wäldchen in einer ansonsten eher offenen, landwirtschaftlich geprägten Gegend. Im Alter von etwa einem Monat erlebte sie ihre erste Flucht : Mutter trug sie und ihre vier Geschwister fort in einem anderen versteckt liegenden Bau. Jäger hatten eine Wildkamera aufgestellt und kamen immer wieder zum Auslesen der Speicherkarte – der vorsichtigen Fuchsmutter war das Treiben nicht geheuer. Die Flucht und das Angesicht des Todes bestimmten fortan ihr Leben. Sie erlebte als einzige von fünf Fuchswelpen den Winter – ihre große Vorsicht zahlte sich aus in der feindlichen Welt. Niemals ging sie in eine Betonrohrfalle, auch wenn der Köder noch so verlockend roch, denn so endete ihr Bruder. Niemals folgte sie der intensiven Duftspur einer Schleppe aus Aas, mit der Jäger Füchse vor den Hochsitz locken, denn so endete ihr zweiter Bruder. Niemals folgte sie dem Wehklagen eines Hasen, denn es konnte ein Jäger sein, der den Ruf zum Anlocken der Füchse imitierte. So endete ihr dritter Bruder. Niemals grub sie etwas aus dem Boden aus, das sie nicht selbst versteckt hatte, denn am Luderplatz endete ihre Schwester. Niemals ging sie im winterlichen Mondschein über ein offenes Feld, denn so endete ihr Vater. Unsere Heldin verlor die Kinder aus ihrer ersten Geburt, als diese schon einige Wochen alt waren: Im Gebüsch in der Nähe ruhend hörte sie Schüsse und Hundegebell. Als sie sich nach Stunden mit größter Vorsicht dem Bau näherte, erkannte sie gleich, was geschehen war. Von ihrem zweiten Wurf wurde nur ein Welpe groß. Ihr Partner wurde schon vor der Geburt der Welpen erschossen – wie ihr Vater. Allein konnte sie nicht alle Fuchswelpen versorgen, es war ein schlechtes Mäusejahr. Sie musste ihren Hungertod mit ansehen. Danach – als inzwischen erfahrene Füchsin und Mutter – ging es zwei Jahre lang gut – bis zu diesem einen verhängnisvollen Tag Ende Februar: Die sechs Welpen waren an jenem Tag bereits geboren und schliefen friedlich an ihren Körper geschmiegt. Irgendetwas bewegte sich über dem Fuchsbau, eine ganz leichte Erschütterung. Plötzlich ertönte wütendes Hundegebell, das in Sekundenschnelle unerträglich laut wurde. Im nächsten Augenblick stand ein rasend bellender und knurrender Dackel direkt vor der Fuchsmutter im Bau. Die namenlose Heldin verteidigte ihre kleinen Fuchswelpen mit ihrem Leben, sie biss den Dackel mit all ihrer Kraft in die Schnauze und ins Gesicht, es roch nach Blut. Der Hund heulte auf und wich zurück, um danach noch wütender anzugreifen. Eine ganze Zeit lang schaffte es die Fuchsmutter, sich und ihren Nachwuchs zu verteidigen und den Hund abzuwehren, aber schließlich gewann dieser die Oberhand, packte die Füchsin am Hals und drückte zu. Ineinander verbissen ging der Kampf um Leben und Tod weiter, bis plötzlich Tageslicht eindrang. Die Jäger hatten den Bau aufgegraben – einen Einschlag gemacht, wie sie es nennen. Einer von ihnen zog den blutenden Dackel heraus, der sich im Fuchs festgebissen hatte und der trotz erheblicher Verletzungen weiter knurrte. Er hielt seine Kurzwaffe an den Kopf der schwerst verletzten Füchsin und drückte ab. Anschließend holten die Baujäger Welpe für Welpe aus dem Geburtskessel, packten sie an ihren Hinterbeinen und schlugen sie gegen den nächsten Baumstamm. +++ So brutal ergeht es vielen Füchsen in sogenannten „Niederwildrevieren“. Die gnadenlose Fuchsjagd wird als „Niederwildhege“ verkauft – es ist die „Hege vor der Ernte“: Niederwildjäger möchten bei den Gesellschaftsjagden im Herbst und Winter reiche Beute machen – Konkurrenten wie der Fuchs werden so gründlich es geht ausgemerzt. Fuchswelpen werden regelmäßig bereits im Februar geboren, trotzdem sind Baujagden bis Ende Februar üblich. Die Fuchsmütter „springen“ [= aus dem Fuchsbau flüchten] dann nicht, wenn der Hund in den Bau kommt, sondern sie verteidigen ihre Kinder mit ihrem Leben. Schwere Verletzungen auch der Hunde sind dann normal und werden von den Baujägern hingenommen. +++ Mehr aus dem Leben unserer Füchsin erfahren Sie hier Bitte fordern Sie auch die Briefwahlunterlagen zur Volksabstimmung an und stimmen Sie für das Ende der Fuchsjagd
- Sperbersommer – aus dem Familienleben der kleinen, schnellen Jäger
Hören | Ein kleiner schlanker Greifvogel saß auf der Regenrinne des Hauses gegenüber auf der anderen Straßenseite, größer als eine Amsel, aber kleiner als eine Taube. Seine Unterseite war rotbraun quergebändert, seine Oberseite einfarbig blaugrau. Besonders eindrucksvoll waren seine großen rubinroten Augen, die aufmerksam die Umgebung musterten. Es war ein Sperbermännchen, die Augenfarbe ließ auf ein hohes Alter schließen – ein erfahrener Jäger. Was in den nächsten Sekunden passierte, ging so schnell, dass ich nicht imstande war, dem Geschehen zu folgen. In Sekundenbruchteilen war der Greifvogel gestartet, mit unfassbarer Geschwindigkeit um die Kurve geflogen, um in der Luft wenige Zentimeter vor der Wand des nächsten Hauses einen kleinen Vogel aus der Luft zu greifen. Ich konnte weder die Flugbewegung des Sperbers wirklich nachvollziehen, noch erkennen, um welche Vogelart es sich bei der Beute handelte, noch hatte ich den Kleinvogel vor dem Zusammentreffen mit dem Greif wahrgenommen. Sperber sind auf die Vogeljagd spezialisiert. Sie sind schlank mit einem langen Schwanz, der ihnen beim Manövrieren hilft und ziemlich kurzen Flügeln, mit denen sie durch engste Zwischenräume hindurchfliegen können. Die Jagdflüge des Sperbers sind in Schnelligkeit und Wendigkeit unvergleichlich. Ihre Bewegungen sind so rasant, dass wir Menschen Details nur in Zeitlupenaufnahmen erkennen können. Brehm bezeichnete den Sperber als einen echten Strolch, der kleine Vögel nach Möglichkeit ängstigt und quält. Wenn er urplötzlich wie aus dem Nichts erscheint und mit rasender Geschwindigkeit eine Meise an der Futterstelle greift, stößt er auch heute oft auf wenig Sympathie. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, in gute und böse Tiere zu unterteilen. Der Sperber war weit vor uns Menschen da und ist fester Bestandteil des Ökosystems – und er ist ein faszinierender Vogel. Das Nest der schnellen Jäger befand sich in einem kleinen Baumbestand direkt an einer viel befahrenen Straße ein paar Hundert Meter von meinem Zuhause entfernt. Das an Menschen gewöhnte Weibchen ließ sich dort entspannt beim Füttern der vier Jungen beobachten. Ein großer Teil der erbeuteten Vögel wurde auf vier Baumstümpfen in der Nähe des Nestes vor dem Verfüttern gerupft. An zwei der drei Stümpfe platzierte ich im Wechsel eine Wildkamera, die ich auf 30 Sekunden lange Videos programmierte. Den Großteil der Beutevögel schaffte das bildschöne Männchen mit den Rubinaugen heran und bearbeitete sie häufig vor der Kamera. Meist rupfte er den Vogel weitgehend kahl und flog dann ab. Die Übergabe an das Weibchen, das in der Regel die Jungen füttert, erfolgte vermutlich meistens in den Bäumen in Nestnähe. Einige Übergaben fanden aber auch vor der Kamera statt. Das Männchen begann zu piepsen, flatterte mit den Flügeln und flog dann nach Sperberart rasant ohne die Beute davon. In der gleichen Sekunde stürmte das viel größere Weibchen heran und krachte förmlich auf den Baumstumpf, so dass die Landung deutlich hörbar war. Der kräftige Vogel mit den goldgelben Augen bearbeitete die Beute zu Ende und flog ab, vermutlich auf direktem Weg zum Nest. Am 5. Juli war es soweit, die Jungen begannen zu fliegen. Im Nest war zunächst nur einer zu sehen. Als das Weibchen mit Beute kam, flatterten die anderen drei plötzlich aus verschiedenen Richtungen heran und alle vier wurden auf dem Nest gefüttert. Am Abend desselben Tages zeigte sich einer der Jungvögel auf dem Baumstumpf vor der Kamera. In den Folgetagen waren die Sperber immer seltener vor der Fotofalle, vermutlich weil die Eltern ihrem Nachwuchs die Beute immer häufiger oben in den Bäumen übergaben. Während ich die Kamera einige Tage später einsammelte, konnte ich die Bettelrufe der flüggen Jungen in den Bäumen hören. Eine neue Generation pfeilschneller Jäger wächst heran.
- Wie und wo der Biber lebt ...
Hören | Der Lebensraum des Bibers ist das Wasser Biber leben an bzw. in Binnengewässern aller Art, sowohl an Fließgewässern vom kleinen Bach bis zum großen Fluss als auch an Teichen und Seen. Zu kleine Bäche und Gräben vergrößert er aktiv durch den Bau von Dämmen. Wichtig für sein Vorkommen ist vor allem genügend Winternahrung in Form von ufernahen Weiden, Pappeln und anderen Gehölzen mit nahrhafter Rinde. Um an die junge Rinde und junge Triebspitzen zu gelangen, werden die Bäume durch den Biber gefällt. Da Biber sich nur ungern weit abseits der Gewässer aufhalten, sollte die Nahrung in höchstens 20 bis 30 m Entfernung zum Ufer verfügbar sein. Biber tolerieren die Nähe von Menschen, wenn das Umfeld des Baus bzw. der Burg störungsarm ist. Bei geeigneter Uferstruktur und genügend Nahrung in Form von Weichhölzern können Biber auch an Gewässern innerhalb von Siedlungen und Städten leben. Bekannt sind unter anderem die Biber in der lettischen Hauptstadt Riga. Die Wohnstätte des Bibers ist eine Burg Biber bauen eine Burg, einen Erdbau oder einen sogenannten Mittelbau. Ist das Ufer des Gewässers ausreichend steil und hoch, gräbt der Biber einen reinen Erdbau. Da der Eingang unter Wasser liegt, ist dieser von außen meistens kaum erkennbar. Ist das Ufer sehr flach, baut der Biber eine oberirdisch liegende Knüppelburg, die eine stattliche Höhe von deutlich über zwei Metern erreichen kann. Auch bei der oberirdischen Burg gräbt der Biber einen unter dem Wasserspiegel liegenden Eingang. Die häufigste Form der Biberbehausung ist der sogenannte Mittelbau, eine Mischform aus Erdbau und Burg. Im unteren Teil hat der Mittelbau den Charakter eines Erdbaus, der sich oberhalb der Erdoberfläche als Knüppelburg fortsetzt. Eingebauter Schlamm dichtet den Mittelbau bzw. die Burg ab, so dass die Biberbehausung über eine gute Wärmeisolation verfügt. Fällt der Baueingang trocken oder ist das Wohngewässer zu klein bzw. der Wasserstand nicht ausreichend tief, können Biber ihre berühmten Dämme bauen und so das Wasser aufstauen. Die Dämme bestehen aus Stammteilen, Ästen, Zweigen, krautigen Pflanzen und Erde bzw. Schlamm. Dämme werden gebaut, wenn die Wassertiefe etwa 70 bis 80 cm unterschreitet oder wenn die Biber ihre Wege zwischen dem Bau bzw. der Burg und den Nahrungsplätzen nicht mehr schwimmend zurücklegen können. Die Dämme können beachtliche Größen und Höhen erreichen und lassen neue Lebensräume entstehen. Insbesondere in gebirgigen Landschaften sind die Stauteiche des Bibers oft die einzigen natürlichen Stillgewässer und wertvolle Lebensräume für viele andere Arten. Wohndämme dienen der Sicherung des Baus bzw. der Burg und gewährleisten, dass der Eingang stets unter der Wasseroberfläche liegt. „Erntedämme“ werden dagegen angelegt, um schwimmend zu wichtigen Nahrungsquellen gelangen zu können, z. B. in Feldgräben, um Äcker mit nahrhaften Feldfrüchten auf dem Wasserweg zu erreichen [1]. Biber sind Veganer Biber sind reine Pflanzenfresser, ihre Hauptnahrung ist im Winter die frische junge Rinde von Gehölzen, insbesondere von Weichhölzern wie Weiden und Pappeln. Ein Biber benötigt etwa 700 bis 900 g Rinde täglich [1]. Biber können nicht klettern, an zu hoch hängende Äste und Zweige gelangen sie durch Fällung. Bevorzugt werden Bäume mit Stammdurchmessern von bis zu 10 cm, sie können aber auch deutlich größere Bäume fällen [1]. Fressplätze des Bibers sind oft an den Ansammlungen entrindeter Stöcke zu erkennen. Im Frühjahr und Sommer fressen Biber mehr Gräser und Kräuter, sie verschmähen auch Obst und Gemüse und verschiedene Feldfrüchte nicht. Besonders beliebt beim Biber sind Zuckerrüben und Mais, aber auch Raps, Sonnenblumen und Soja fressen Biber gern [1]. Vor Beginn des Winters legen Biber am Gewässergrund in der Nähe ihrer Burg bzw. ihres Baus Vorräte von frischen Zweigen an, die so verkeilt werden, dass sie nicht abdriften („Nahrungsfloß“). Wenn das Wohngewässer zufriert, tauchen die Biber direkt zum Vorrat und ziehen die Zweige zum Entrinden in ihre Burg bzw. ihren Bau, deren Eingang sich unter Wasser bzw. unter dem Eis befindet. Die Biber sind dann kaum an der Oberfläche zu sehen, weshalb häufig geglaubt wird, dass sie Winterschlaf hielten. Fortpflanzung und Jahreszyklus Biber halten keinen Winterschlaf, sondern sind ganzjährig aktiv. Die Paarungszeit beginnt im Januar. Die meistens ein bis vier Jungen werden nach einer Tragzeit von 105 bis 109 Tagen überwiegend Ende April / Anfang Mai geboren. Sie sind bei der Geburt bereits weit entwickelt mit voller Behaarung und offenen Augen. Sie werden zwei bis zweieinhalb Monate lang gesäugt, beginnen aber bereits im Alter von acht Tagen, feste pflanzliche Nahrung aufzunehmen. Nach etwa vier bis sechs Wochen unternehmen die Jungbiber erste Ausflüge in Begleitung der Eltern oder der Geschwister aus den Vorjahren. Insbesondere im Sommer wenn die Nächte kurz sind, kann man Biber gelegentlich früh morgens oder am Abend bei Tageslicht beobachten, ansonsten sind sie weitgehend nachtaktiv. Im Sommer, wenn sie sich überwiegend von Kräutern ernähren, hinterlassen Biber relativ wenige Spuren. Zum Ende der Vegetationsperiode sind dann wieder regelmäßiger Fällungen und Nagespuren zu finden, insbesondere für die Anlage des Nahrungsvorrates („Nahrungsfloß“). Biber halten sich ganzjährig in ihrem Revier auf. Bei Hochwasser können sie aber zum Rückzug an Orte gezwungen sein, die außerhalb ihres normalen Reviers liegen. Biber sind soziale Tiere, die meistens in Familiengruppen leben. Die Paare sind monogam und leiben lebenslang zusammen. Die Jungtiere verbleiben regelmäßig bis zur Geschlechtsreife, die sie mit zwei bis drei Jahren erlangen, im Familienverband. +++ Mehr über den Biber und wie man ihn von der Nutria unterscheidet erfahren Sie hier [1] Hölzler & Parz-Gollner (2018): Die Biber-Praxisfibel - Maßnahmen zur Konfliktlösung im Umgang mit dem Biber
- Rheinland-Pfalz duldet weiterhin die Tierquälerei bei der Jagd am Fuchsbau – Jagdlobby setzt sich durch
Hören | Kein Rückgrat in Sachen Tierschutz zeigt die grüne Landesumweltministerin Katrin Eder. Auf Druck des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz soll die nachgewiesen tierquälerische Baujagd weiterhin erlaubt sein. Dabei wurde ein Verbot der Baujagd (zumindest im Naturbau) im Regierungsentwurf zum neuen Landesjagdgesetz noch mit der erheblichen Verletzungsgefahr des beteiligten Hundes, dem gelegentlich erforderlichen Zerstören jahrzehntealter Fuchs- und Dachsbaue und dem Risiko, den Hund bei der Baujagd zu verlieren, begründet. Baujagd ist weder tierschutzkonform … Gemäß des Bundesjagdgesetzes gelten bei der Ausübung der Jagd die "allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit". Diese - Papier ist geduldig - umfassen ausdrücklich auch den Tierschutzaspekt und die Einstellung des Jägers zum Tier als Mitgeschöpf, dem vermeidbare Schmerzen zu ersparen sind - auch das durch die Konfrontation von Fuchs oder Dachs und Hund unter Umständen länger andauernde Leid. noch weidgerecht. Ebenfalls tierschutzrelevant ist , dass die Baujagd auch noch mit Beginn der Setzzeit erlaubt ist und somit immer das Risiko besteht, dass eine schon Welpen säugende Fähe erschossen oder vom Jagdhund im Bau totgebissen wird. Darüber hinaus ist eine hochträchtige Füchsin körperlich und somit in ihrer Bewegungs- und Fluchtmöglichkeit eingeschränkt. Ihr ist von vorneherein eine faire Chance zur Flucht versagt. Auch dieser Umstand widerspricht der sogenannten Weidgerechtigkeit und ist somit nicht tierschutzkonform. Dass Eder jetzt des lieben Friedens willen für die Jägerschaft selbst auf den Koalitionsvertrag pfeift, spricht unseres Erachtens mitnichten von einer demokratischen Einstellung. Dort heißt es, dass der Tierschutz in Rheinland-Pfalz eine herausragende Bedeutung habe und daher einen festen Platz in der rheinland-pfälzischen Landesverfassung. Kein Einfluss auf die Stabilisierung gefährdeter Arten Im Rahmen der Fuchsjagd in Deutschland insgesamt spielt die Baujagd kaum eine Rolle. Aktuelle Zahlen zum Anteil der Baujagd an der gesamten Fuchsstrecke liegen uns ausschließlich aus NRW vor (hier werden nach Bayern und Niedersachsen die meisten Füchse getötet). Dort wird der Anteil der im Rahmen der Baujagd erlegten Füchse mit 1,5 bis 2,3 Prozent der gesamten Fuchsstrecke angegeben. Schon der Vergleich mit der doppelt bis dreifach so hohen Anzahl verunfallter Füchse indiziert, dass die im Rahmen der Baujagd ausgewiesene Fuchsstrecke keine Bedeutung für eine ökologische Stabilisierung gefährdeter Beutetierarten des Fuchses haben kann. Unterstrichen wird das durch die trotz intensiver Fuchsjagd kontinuierlich zurückgehenden Bestände von Rebhühnern, Fasanen, anderer Bodenbrüter und Feldhasen. Eine Petition von Wildtierschutz Deutschland gegen die Baujagd und die ebenso nicht tierschutzkonforme Haltung von Füchsen in Schliefenanlagen und das dortige Trainieren von Jagdhunden mit lebenden Füchsen hat bereits über 22.000 Unterzeichner gefunden. +++ Ausführliche Stellungnahme der Tierschutzverbände zur Baujagd
- Die Lippe ist der Biberfluss am Rand des Ruhrgebiets
Hören | Sonntagabend, die Schnellstraße am Rand des Ruhrgebiets war angenehm leer. Ich bog in eine kleinere Seitenstraße und verließ auch diese bald, um in ein enges Sträßchen zu fahren, das in den tiefen Waldschatten hineinführte. Dort stellte ich den Wagen am ausgefahrenen Wegrand ab, wo häufig Angler parkten. Von hier aus war es noch ein kleiner Fußweg zum Ziel. Die recht kühle Luft des wolkenverhangenen Sommerabends war erfüllt vom Duft des feuchten Waldes, nichts deutete hier auf die Nähe der Großstädte hin. Ein schmaler Waldweg, dann ein Trampelpfad die glitschige Böschung hinab und ich fand mich in einer anderen Welt. Wild und schön strömte die Lippe durch ihr kleines Tälchen. Alte Bäume säumten die steilen Uferböschungen, Weidenbüsche ragten weit in den vom vielen Regen vollen Fluss. Nichts war zu hören von der lärmenden Geschäftigkeit der nahen Straßen und Städte, nur das Rauschen einer kleinen Stromschelle, der Gesang der Vögel und der Wind in den Baumkronen. Gebannt wartete ich auf die Biber, die diesen Fluss wieder erobert haben und hier inzwischen recht zahlreich vorkommen. Es dauerte nicht lange, da trieb der erste unauffällig und nahezu regungslos wie ein Stock mit der kräftigen Strömung flussabwärts davon. Plötzlich tauchte ein weiteres Tier auf, viel kleiner und struppiger: Ein Junger von diesem Jahr! Auch er ließ sich von der Strömung fortdriften, ebenso ein zweiter Kleiner. Der Bau lag gegenüber in der steilen Böschung, der Eingang unter Wasser. Es war erstaunlich, wie unauffällig die Biber hinaustauchten. Ein kleines Stück flussabwärts gab es einen weiteren Anglerpfad. Dort durfte ich an magischen Momenten des wilden Lebens teilhaben, so intensiv und schön, wie man es nur selten erleben kann. Eine Biber-Großfamilie aus drei Kleinen von diesem Jahr und mindestens drei, wahrscheinlich mehr großen, also vorjährigen oder erwachsenen Bibern ließ sich völlig ungestört bei noch gutem Tageslicht beobachten. Nur die etwa 30 Meter Flussbreite trennten mich von ihnen. Ein erwachsener Biber richtete sich auf und angelte mit den Vorderpfoten die hohen Grashalme des Rohrglanzgrases herunter, um sie von der Spitze her zu fressen. Dann schwamm er zu einem der diesjährigen Jungtiere, das schon einige Zeit lang direkt mir gegenüber am Ufer graste. Die beiden stubsten sich gegenseitig zur Begrüßung mit ihren Nasen an. Etwas später drehte sich ein kleiner Biber um die eigene Längsachse wie ein Kajakfahrer, der Eskimorollen schlägt. In einem anderen Moment ritt ein Junger huckepack auf einen schwimmenden Elterntier, das dann untertauchte, um den Kleinen abzuschütteln. Der aber ließ nicht locker und stieg gleich wieder auf, als der Erwachsene ein paar Meter weiter wieder auftauchte. Als es zu dämmern begann, schwammen vier Familienmitglieder zu einer großen Pappel, die mit dem Stammfuß im hohen Wasser der Lippe stand, um gemeinsam daran zu nagen. Das laut hörbare Holzraspeln schien eine soziale Handlung zu sein, der unten schon ziemlich blankgeschälte Stamm ließ darauf schließen, dass dies zum normalen Programm der Nagerfamilie gehörte. So vielen kleinen Szenen aus dem Familienleben der Biber durfte ich beiwohnen. Einen Teil konnte ich mit der Kamera einfangen. Als das Licht zum Fotografieren und Filmen zu schwach wurde, konnte ich noch eine ganze Weile mit dem Fernglas beobachten und genießen, bis ich bei fortschreitender Dämmerung langsam davonpirschte und das kleine wilde Paradies verließ. Dieser Abend Ende Juni 2024 bleibt unvergessen. Ich bin dankbar, dass mir ein solches Erlebnis möglich war und dass der Biber ebenso wie der Fischotter diesen schönen Fluss am Rand des Ballungsraumes in den letzten Jahren wieder erobert hat. Konflikte mit dem Biber gibt es bislang an der Lippe nur sehr selten. Es ist zu hoffen, dass diese für unsere Gewässerökosysteme so zentral wichtige Tierart sich in Nordrhein-Westfalen weiter ausbreiten wird und dass hier niemals bayerische Verhältnisse einkehren, denn dort werden alljährlich viele Biber gezielt getötet. +++ Wie der Biber lebt, sich ernährt und wie man ihn erkennt und z.B. von der Nutria unterscheidet sagen wir Ihnen hier.
- Wer spinnt hier eigentlich?
Hören | Wer spinnt hier denn rum? Keine Angst vor Thekla und Co: Die achtbeinigen Spider hierzulande sind völlig harmlos. Viele Zeitgenossen haben eine panische, mitunter sogar krankhafte Angst vor Spinnen. Die gefährliche, bissige Hauswinkelspinne erobere die Wohnungen, heißt es immer wieder. Bis zu zehn Zentimeter groß könnten diese Monster werden. Ein Albtraum auf acht schnellen Beinen. Rette sich wer kann! Was ist dran an diesen und ähnlichen Horrormeldungen? So gut wie gar nix. Die Theklas hierzulande sind harmlos. Wie die Wäschespinne (unten rechts) auch. Lediglich zwei Arten können dem Menschen zusetzen: der verborgen lebende " Ammen-Dornfinger " und die scheue Wasserspinne . Beißen die, ist das wie der Stich einer Wespe. In seltenen Fällen können Hautreizungen, Fieber oder gar Schüttelfrost die Folge sein. Aber die Wahrscheinlichkeit, einem solchen "Aggressor" zu begegnen bzw. von diesem attackiert zu werden, ist äußerst gering. Die Kauwerkzeuge der meisten Spinnen sind viel zu mickrig, um die Haut eines Menschen durchdringen zu können. Die Spidermänner und -frauen wollen ihre Ruhe haben und gehen bzw. krabbeln uns Zweibeinern eher aus dem Weg. Wie viele von uns, hängen sie lieber den ganzen Tag ab, gucken, was im Netz los ist und spinnen rum. Da gibt es andernorts schon wesentlich unangenehmere Individuen, allerdings weniger in Mitteleuropa. Eher schon in den Tropen und mit Abstrichen auch im mediterranen Raum. Und es ist keineswegs die Körpergröße, an der sich das Gefahrenpotential festmachen lässt. Wenn, dann sind die Kleinen die gemeinen. Die kapitalen und furchterregend aussehenden Vogelspinnen oder Taranteln beispielsweise kann man dahingehend eher links liegen lassen. Die haben kaum Giftmunition auf der Pfanne. Deren Biss ist dem eines Bienenstichs vergleichbar. Folgen: keine.
- Woran erkennt man den Biber - und wie unterscheidet er sich von der Nutria?
Hören | Der Biber ist das größte Nagetier Europas, mit bis zu 30 kg Körpergewicht ist er wesentlich schwerer als ein Reh. Er hat eine massige gedrungene Gestalt mit dickem Kopf und sehr kurzen Beinen. Sein charakteristischer Schwanz ist breit und platt, er wird deshalb auch als „Kelle“ bezeichnet. Biber sind an das Leben am und im Wasser bestens angepasst. Sie sind ausgezeichnete Schwimmer und im Wasser in ihrem Element. An Land bewegen sich die schweren Tiere eher behäbig, sie vermeiden dort längere Wege und entfernen sich nie zu weit vom Wasser. Die großen Hinterfüße besitzen Schwimmhäute, mit den viel kleineren Vorderfüßen können Biber geschickt greifen. Der Schwanz dient als Schwimmhilfe und Fettdepot. Das extrem dichte Fell schützt vor der Kälte des Wassers. Die roten Nagezähne sind äußerst hart und scharf und wachsen lebenslang. Biber sind imstande, damit Bäume zu fällen. Die Farbe der Nagezähne rührt von Eisenverbindungen, die in ihre Vorderseite eingelagert sind und zu größerer Härte führen. Da diese Verbindungen an der Hinterseite der Zähne nicht vorhanden sind, nutzt diese sich schneller ab und die Zähne werden somit natürlicherweise ständig geschärft. Bei säugenden Weibchen sind deutlich an der Unterseite die Zitzen erkennbar, ansonsten lassen sich die Geschlechter äußerlich nicht unterscheiden. Biber kann man mit der aus Südamerika stammenden, inzwischen in Deutschland weit verbreiteten und meist viel häufigeren Nutria (Biberratte) Myocastor coypus verwechseln. Nutrias sind zwar wesentlich kleiner als erwachsene Biber, aber mit jungen bzw. halbwüchsigen Bibern gibt es Überschneidungen bei der Größe. Zudem ist insbesondere bei schwimmenden Tieren die Größe schwer einzuschätzen. Biber und Nutria lassen sich wie folgt unterscheiden: +++ Mehr über den Biber und seine Lebensweise erfahren Sie hier
- 200 Meter Todeskampf: Fuchs lebendig in Totschlagfalle
Hören | Die Bügel der Schwanenhals-Falle um den Hals zugeschlagen, kämpft sich der Fuchs über unglaubliche 200 Meter, bis ihn der Tod in einer Grundstückseinfahrt von diesen unvorstellbaren Qualen erlöst. Der Todeskampf muss unerträglich lange, wahrscheinlich Stunden, gedauert haben. Das Tier schleppte sich mit der kiloschweren Falle über diese Strecke durch hohes Gras. Wie viel Kraft hat der Fuchs im Angesicht des Todes mobilisiert. Bis zum letzten Atemzug hat er alles gegeben, er wollte unbedingt leben. Das ist keine fiktive Geschichte, sondern bittere Realität, passiert am vergangenen Wochenende in Huthurm in Bayern. Eine Überwachungskamera an einem Privathaus zeichnete das letzte Stück des Martyriums auf. Das Video mit dem Fuchs im Bild und die Schleifgeräusche der eisernen Falle auf der Einfahrt sind kaum zu ertragen. Erst am frühen Sonntagmorgen fand eine Anwohnerin den inzwischen toten Fuchs in der Falle. Wir sind zutiefst schockiert und wollen mehr wissen. Wir nehmen Kontakt zur Anwohnerin auf: Uns wird erzählt, dass die Falle auf einem benachbarten Hof aufgestellt war. Der Nachbar, ein Hühnerhalter, wollte offensichtlich seine Hühner auf diese Weise vor dem Fuchs schützen. Ob er die Falle erst aufgestellt hat, nachdem er eines seiner Hühner an den Fuchs verloren hatte, ist ungewiss. Ebenso ist unbekannt, ob er die Falle selbst aufgestellt hat oder dazu Hilfe eines Jägers bekam. Einen Schwanenhals zu spannen, erfordert einige Kenntnisse und Erfahrungen. Auch die Anwohner sind tief betroffen über die Qualen des Fuchses. Sie haben sofort die Polizei eingeschaltet, die dieses Mal das Geschehen sehr ernst nimmt. Die Polizisten haben den Leidensweg des Fuchses genauestens dokumentiert. Wir hoffen inständig, dass der Täter eine angemessene Strafe [1] bekommt. Es ist eben nicht nur ein Fuchs, sondern ein Leben, das bis zum letzten Atemzug gekämpft hat. Dieser Fall beweist ein weiteres Mal, dass Totschlagfallen mitnichten sofort töten , wie es im Jagdgesetz vorgeschrieben ist. Dieses besonders grausame Ereignis reiht sich in eine lange und nicht endende Serie ähnlicher Fälle in den letzten Jahren ein. Bereits mehrfach ist belegt, dass Füchse lebendig in Schlagfallen gesichtet wurden und dass sie im Todeskampf die schwere Falle mit sich herumschleppten. Auch Menschen geraten immer wieder in unsachgemäß aufgestellte Schlagfallen, wie im April dieses Jahres ein zehnjähriger Junge in Bayern, der dabei schwer verletzt wurde. Die Jagd mit Schlagfallen ist in Bayern und mehreren weiteren Bundesländern erlaubt. Allerdings müssen sie zum Schutz von Menschen, Hunden, Katzen…. in Umhausungen, sogenannten Fallenbunkern, stehen. Dies war im vorliegenden Fall eindeutig nicht gegeben, ansonsten hätte der Fuchs die Falle nicht verschleppen können. Nur durch den großen Zufall, dass der Fuchs sich mit der Falle in die Einfahrt und vor die Kamera geschleppt hatte, wurde der Fall öffentlich. Wir müssen leider davon ausgehen, dass solche Fälle häufig vorkommen, denn in aller Regel stehen die Fallen abseits der Blicke der Öffentlichkeit. Was sich in den zahllosen vorschriftsmäßig im Fallenbunker aufgestellten Fallen ereignet, sieht niemand. Das qualvolle Sterben spielt sich im Verborgenen ab, vermutlich vielfach, vielleicht gar täglich. Schlagfallen, auch die längst verbotenen Tellereisen, sind weiterhin in ganz Deutschland legal verkäuflich. Die Hemmschwelle ist somit niedrig, diese Tötungswerkzeuge illegal einzusetzen. An wie vielen Hühnerhöfen stehen sie wohl? Wie viele Tiere und auch Menschen müssen noch in diese Fallen hineingeraten, bis sich endlich etwas ändert? Aber auch Lebendfallen, die in allen Bundesländern erlaubt sind, führen zu Tierquälerei. Stundenlang, oft eine gesamte Nacht oder in sengender Hitze, warten die gefangenen Tiere auf ihr Ende. In Todesangst verfallen sie in eine starre Apathie, die von Jägern gern als entspanntes Nickerchen interpretiert wird – eine Verhöhnung des Opfers. Dieses verlässt die Falle nur noch in Richtung Abfangkorb, wo der Kopfschuss sein Leben beendet. Wir fordern, dass die barbarische Fallenjagd (= Fangjagd) endgültig und ausnahmslos verboten wird! Diese Quälereien dürfen sich nicht länger wiederholen! Bitte geben Sie den Füchsen hier bis zum 30. Juni Ihre Stimme +++ Rechtslage: Gemäß Art. 29a des Bayerischen Jagdgesetzes müssen Totschlagfallen so gekennzeichnet sein, dass ihr Eigentümer feststellbar ist. Sie dürfen nur in geschlossenen Räumen, Fangbunkern oder Fanggärten, in denen die Schlagfalle nach oben verblendet ist, so aufgestellt werden, dass von ihnen keine Gefährdung von Menschen, geschützten Tieren und Haustieren ausgeht. Das war hier offensichtlich nicht der Fall. Auch ist fraglich, ob der Fallensteller überhaupt den erforderlichen Nachweis der Kenntnisse über die Ausübung der Jagd mit Fallen besaß. Wer eine dieser Regelungen vorsätzlich oder auch nur fahrlässig missachtet, kann gem. § 56 BayJagdG mit einer Geldbuße bis zu 5.000 Euro belegt werden. Hat ein zuständiger Jagdausübungsberechtigter die Falle aufgestellt, so hat er die Jagd gemäß Bundesjagdgesetz nicht weidgerecht ausgeführt und damit auch den Straftatbestand gem. § 17 Abs. 1 und Abs 2b Tierschutzgesetz in Verbindung mit § 1 Tierschutzgesetz zu vertreten. Hier sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Ist die Falle von einem nicht berechtigten Jäger aufgestellt worden, ist der Straftatbestand der Wilderei zu prüfen. Der Straftatbestand gemäß § 17 Tierschutzgesetz trifft auch auf den nicht jagenden Gartenbesitzer zu, falls dieser die Falle aufgestellt hat.
- Über den Wolf im Ökosystem - Teil I
Hören | Es heißt, nirgends wird so viel gelogen wie vor Wahlen, im Krieg und nach der Jagd. Wer das sagte, kannte noch nicht die polemischen Polit-Scharmützel um die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland. Dabei sollten wir uns bei dem Thema, ähnlich wie beim Klimawandel, einfach an die Wissenschaftler und die von ihnen belegten Fakten halten. Zu dem im Titel angesprochenen Thema gibt es einiges zu sagen: Wolf und Wild „Da wo der Wolf geht, wächst der Wald“, dieses alte russische Sprichwort wurde 2022 durch eine wissenschaftliche Untersuchung von Eike Schumann zur Entwicklung des Verbisses von Schalenwild an kleinen Bäumchen von 2008 bis 2021 unter dem Einfluss von zunehmender Wolfspräsenz in Forstgebieten Sachsen-Anhalts untersucht. Es wurde ein Rückgang des Verbisses um ca. 90 % festgestellt, die Kosten für Forstschutzmaßnahmen konnten dadurch nahezu auf Null gesenkt werden. Schumann führte dies auf eine Reduzierung der Schalenwildbestände durch den Wolf zurück. Das darf bezweifelt werden, auch wenn im Beobachtungszeitraum tatsächlich der Bestand an dort nicht heimischem Damwild zurückging. Beim Rehwild jedoch konnten nur leichte Veränderungen der Jagdstrecken festgestellt werden. Tatsächlich erscheinen Wölfe für eine zahlenmäßige „Regulierung“ nicht zahlreich genug. In einem durchschnittlichen deutschen Wolfsrevier von rd. 200 – 300 Quadratkilometern leben 8-12 Wölfe. Die Jagdstrecken auf derselben Fläche liegen gemäß Angaben des Deutschen Jagdverbandes bei etwa 2.000 Rehen, ca. 800 Wildschweinen, ungefähr 170 Stück Damwild und 200 Stück Rotwild (DJV 2024; Greiser et al. 2023). Die tatsächlichen Wildbestände sind natürlich deutlich höher. Auf deren Reproduktionsrate könnten Wölfe vielleicht einen marginalen Einfluss haben, aber als Opportunist ist der Wolf darauf bedacht, seinen Energieverbrauch und sein Verletzungsrisiko klein zu halten. Deshalb nimmt er das, was er am einfachsten bekommen kann, und reißt daher vorzugsweise ältere, kranke und geschwächte Tiere , deren Zustand er auf große Entfernung wittern kann und die zum Reproduktionsgeschehen nicht (mehr) beitragen. Von den Jungtieren erwischt er fast nur diejenigen, die mutmaßlich ohne ihn dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen wären. Die meisten Tiere, die dem Wolf zur Nahrung dienen, wären also ohne ihn wohl etwas später nach grausamem Siechtum irgendwo in einer Dickung sowieso gestorben. Entscheidend ist aber, dass Wölfe durch ihre Jagd riesige Schalenwildbestände augenscheinlich so in Bewegung halten, dass ein so starker Wildverbiss wie ohne Wölfe nicht mehr möglich ist. Denn Bewegung ist eine typische Feindvermeidungsstrategie. Eine weitere wichtige Ökosystemleistung der Wölfe ist das Durchbrechen von Infektionsketten . Wenn kranke Tiere früher von Wölfen getötet werden, können sie nicht so viele Artgenossen anstecken! Hier hilft der Wolf sogar den Menschen, denn die Afrikanische Schweinepest ist auch ein Risiko für Hausschweine. In den Abruzzen gibt es Krankheiten unter Wildschafen, die auf den Bergweiden auch auf Hausschafe „überspringen“. Deshalb wissen Schafhalter dort, dass sie für das Leben mit dem Wolf und den Schutz ihrer Herden eine Gegenleistung bekommen. Dort und anderswo forscht Prof. Dr. Konstanze Krüger von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen zum Wolf und seiner Umwelt. Im engen Kontakt mit der Landbevölkerung in den Abruzzen wurde ihr wiederholt vom Durchbrechen von Infektionsketten durch Wölfe über den „grauen Räuber“ berichtet. Im U.S.-amerikanischen Bundesstaat Wisconsin hat Jennifer Raynor von der Weslayan University nachgewiesen, dass Wolfspräsenz die Anzahl der Wildunfälle mit Hirschen um ein Viertel reduziert . Wie das? Im Prinzip nutzen alle Wildtiere gerne die „Linienstrukturen“ des Menschen, wie Straßen, Eisenbahnlinien und Pipeline-Trassen, weil man dort schneller vorwärts kommt. Wenn an Highways aber regelmäßig Wölfe unterwegs sind, meiden die Hirsche diese Bereiche (Raynor et al. 2021). Gleiches dürfen wir für deutsche Bundesstraßen und unsere Rehe, Wildschweine und Hirsche annehmen. Durch die Jagdaktivitäten des Menschen werden Wildtiere in die Nachtaktivität getrieben und verursachen in der Dunkelheit naturgemäß mehr Wildunfälle als am Tag. Die deutsche Versicherungswirtschaft beziffert die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten von Wildunfällen in Deutschland immerhin auf fast eine Milliarde Euro! Vor diesem Hintergrund ist die große Ablehnung der Wölfe durch die Jägerschaft nur schwer zu verstehen. Denn sowohl übermäßiger Wildverbiss als auch die vielen Wildunfälle im Straßenverkehr können durch die Präsenz der Wölfe reduziert werden. An einem gesünderen Wildbestand durch das frühzeitige Durchbrechen von Infektionsketten sollte die Jägerschaft ebenfalls Interesse haben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit bewirkt Wolfspräsenz durch das Eindämmen von Seuchen unter den Schalenwildarten eher mehr jagdbares Wild als weniger. +++ In Teil 2 berichten wir über Herdenschutz und den Umgang mit dem Wolf . Quellen: DBBW (2023) : Wölfe in Deutschland – Statusbericht 2022/23. – Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (Hrsg.) DJV (2024) : DJV-Handbuch Jagd 2024. - DEUTSCHER JAGDVERBAND (Hrsg.); Berlin: 736 S. Greiser, G., A.-S. Mailänder, I. Martin & W. Ponick (2023): Status und Entwicklung ausgewählter Wildtierarten in Deutschland. Jahresbericht 2021. Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). - Deutscher Jagdverband (Hrsg.); Berlin: 83 S. Raynora, J.L., C. A. Grainger & D. P. Parker (2021) : Wolves make roadways safer, generating large economic returns to predator conservation. – PNAS 118 (22): 10 pp. Schumann, E. (2022) : Entwicklung der Schalenwildbestände im Fläming vor dem Hintergrund der Besiedlung durch den europäischen Wolf . – Bachelorarbeit, Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Fachbereich Wald und Umwelt Studiengang „Forstwirtschaft“; Eberswalde, 39 S. GDV: Wildunfälle kosten Versicherer jeden Tag 2,6 Mio. Euro (2022)
- Über den Wolf im Ökosystem - Teil II
Hören | Wolf und Weidetiere - Herdenschutz Dass viele Weidetierhalter den Wolf nicht mögen, ist menschlich verständlich, denn er macht ihnen beim Bau von Zäunen, deren Verstärkung zur Wolfsabwehr und deren Unterhalt mehr Arbeit. Die Behauptung, der Wolf überwinde jeden Zaun, entspringt vor allem der chronischen Arbeitsüberlastung der Weidetierhalter. Denn wenn es eh nichts nutzt, muss man ja nichts machen. Dass das im Übrigen nicht stimmt, haben Peter Schütte (1) in Niedersachsen und Swen Keller (2) in Sachsen-Anhalt zweifelsfrei nachgewiesen. Da der Wolf aber ansonsten – wie in unserem ersten Teil beschrieben – einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen haben kann, indem er beispielsweise den auf 11 Mio. Hektar bundesdeutscher Waldfläche immens teuren Schutz von Baumpflanzungen im Forst mittelfristig weitgehend erübrigt, ist es völlig legitim, den Weidetierhaltern beim Mehraufwand durch den Wolf seitens der öffentlichen Hand tatkräftig unter die Arme zu greifen. Schließlich bewirken regelmäßig gewartete Schutzzäune gegen den Wolf an Weiden zudem, dass die allgegenwärtige Verkehrsfunk-Meldung „Achtung, freilaufende Pferde, Kühe, Schafe …“ seltener wird! Eine Alternative zum Herdenschutz durch Zäune und Hunde scheint es nicht zu geben . Alle Versuche, durch ein Bestandsmanagement der Wölfe deren Risse von Weidetieren zu reduzieren - sei es in Frankreich, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien und dem Baltikum – scheinen keinen Erfolg gehabt zu haben. Deshalb wurde die Bejagung der Wölfe in der Slowakei, in Spanien und im Baltikum wieder aufgegeben. Für Frankreich haben Oksana Grente et al. (3) untersucht, wie sich eine groß angelegte Wolfsbejagung auf die Anzahl der Weidetierrisse auswirkt. Obwohl zwei der Autoren für das Office français de la Biodiversité arbeiten, welches die Wolfsjagden veranstaltet, kamen sie zu dem enttäuschenden Ergebnis, dass die Risse trotz der Entnahme eines Fünftels der mutmaßlichen Wolfspopulation nicht zurückgingen. Nach einigen Quellen scheinen sie sogar eher gestiegen zu sein. Wie das? Wenn im Rahmen von regelmäßigen Wolfabschüssen fast zwangsläufig auch Elterntiere getötet werden, gibt es eine Anzahl führerloser Jungwölfe, deren Risikoverhalten durchaus mit dem junger Menschen vergleichbar ist. Die Folge sind mehr Risse. Der Umgang mit dem Wolf Die vorgenannten Fakten sind allesamt wissenschaftsbasiert. Ein weiteres Beispiel: Es wird behauptet, man müsse den Wolf mit der Jagdwaffe scheu halten. Der international renommierte Wolfsforscher Prof. Dr. Kurt Kotrschal (vormals Universität Wien) vertritt dagegen die Auffassung, dass Wölfe seit etwa 8.000-10.000 Jahren, seit der Mensch nach der Sesshaftwerdung die Viehhaltung begann, auf Scheue vor dem Menschen selektiert wurde. Und dass sich dies nicht in wenigen Generationen verliert. (4) Kotrschal räumt auch mit zwei weiteren Legenden auf: „Wolfsfreie Zonen“, wie sie z.B. Mutterkuh-Halter gerne fordern, sind aufgrund der hohen Mobilität der Wölfe völlig undenkbar, da z.B. wandernde Jungwölfe in einer Nacht – vom Menschen völlig unbemerkt – leicht 70 km zurücklegen! Ein Bestandsmanagement, damit Wolfsbestände nicht überhandnehmen, ist völlig überflüssig ! Seit 10.000 Jahren regulieren Wölfe ihren Bestand, indem sie fremde Wölfe aus ihrem Territorium blutig vertreiben und sich dabei auch gegenseitig töten. Sind alle verfügbaren Territorien besetzt, sinkt die Reproduktionsrate drastisch. Anders als gelegentlich behauptet funktioniert das auch in einer Kulturlandschaft, wie die Bestandsentwicklung der Wölfe z.B. in Sachsen zeigt. Auch die Zahlen zur Populationsentwicklung der Wölfe in ganz Deutschland lassen diesen Trend bereits erkennen, obwohl Deutschland noch zu über der Hälfte nicht besiedelt und somit noch viel freier Lebensraum für Wölfe vorhanden ist (5). Bei der Frage, ob und wie wir in Zukunft wieder lernen, mit dem Wolf zu leben, geht es auch darum, ob wir uns weiterhin wie „die Krone der Schöpfung“ aufführen wollen oder ob wir endlich lernen, uns als Teil eines großen Ganzen zu verstehen. Der Wolf als Spitzenprädator war nur 200-300 Jahre in unseren Ökosystemen weitgehend abwesend. Das ist ein Wimpernschlag auf der Zeitachse der Evolution. Welche destabilisierende Wirkung auch in einer Kulturlandschaft seine Abwesenheit hatte, fangen Wissenschaftler gerade erst an zu verstehen. Wir sollten auf sie hören! Gut möglich, dass davon unser mittelfristiges Überleben als Art auf diesem Planeten abhängt. +++ Lesen Sie auch Teil I " Über den Wolf im Ökosystem " Quellen: (1) Schütte, Peter (NABU Niedersachsen, 2021), Wolfsabweisende Zäune für Pferdeweiden (2) Keller, Swen (IG Herdenschutz plus Hund) in Bauernzeitung (2022), Herdenschutz: So wird er praktikabel und bezahlbar (3) Oksana GRENTE et al.: Abschuss von Wölfen per Genehmigung in Frankreich: Bewertung der Auswirkungen auf Weidetierrisse (in Naturae 2023/5) (4) Kurt Kotrschal: Warum wir Angst vor dem Wolf haben (WDR 2022) (5) DBBW (2023): Wölfe in Deutschland, Statusbericht 2022/23 +++ Antwort von Juliette Bligny, cheffe unité loup à la Dreal (Direction Régionale de l’Environnement, de l’Aménagement et du Logement) Auvergne-Rhône-Alpes, auf die Frage von Dr. Peter Herold in der Online-Veranstaltung Conférence LWA EU am 05.12.2022: „Juliette, was ist Ihrer Meinung nach die Ursache für die steigende Anzahl von Wolfsrissen in den letzten zwei Jahren?“ „Zum einen kann dies an der Zunahme der Wolfsdichte in der historischen Zone des Wolfsvorkommens liegen. Gut die Hälfte der Übergriffe entfallen allerdings auf Regionen, in denen Wolfsangriffe neu sind und wo entsprechend keine Schutzmaßnahmen getroffen wurden, wo man von der Intensität der Angriffe überrascht wurde. Wir wurden auch Zeuge von Angriffen mit einer hohen Anzahl von Opfern pro Angriff. Unsere Zahlen weisen allerdings darauf hin, dass Schutzmaßnahmen die Schwere der Angriffe reduziert (weniger Opfer). Nebenbei bleibt es zu untersuchen, inwieweit Abschüsse Rudelstrukturen zerstören, die Anzahl der Rudel erhöhen, weil es zu einer vorgezogenen Abwanderung von Einzeltieren kommt, die wegen zu wenig Jagderfahrung mehr auf tödliche Angriffe (auf Weidetiere) verfallen. Anmerkung des Übersetzers: Hier räumt eine Vertreterin der französischen Regionalverwaltung Auvergne-Rhone-Alpine (wo die große Mehrheit der französischen Wölfe lebt) eindeutig ein, dass die „Regulierungen“ des OFB zu mehr Rissen und zu zahlreichen zusätzlichen Problemen der Weidetierhalter führen. Besonders erstaunlich: Die eingeräumte Zunahme der Wolfsdichte in ihrem historischen Verbreitungsgebiet.
- Rehkitz lebendig verstümmelt - Verfahren eingestellt
Hören | Es war Ende Mai 2021 als unserem Zeuge am Waldrand von Pfaffenwiesbach (Ortsteil von Wehrheim/Hessen) ein weibliches Reh auffiel, das aufgescheucht durch einen mähenden Traktor von der Wiese flüchtete. Unverzüglich wandte sich der Zeuge an den Landmaschinenfahrer, um ihn darauf hinzuweisen, dass aufgrund seiner Beobachtung sich sehr wahrscheinlich noch ein Rehkitz im zu mähenden Bereich befände. Auf die Frage hin, ob die Wiese vor dem Mähen abgesucht wurde, erhielt der Zeuge die Antwort, „dass die Wehrheimer das schon gemacht hätten, dass es nicht nötig sei und dass er außerdem langsam fahre“, dann mähte er weiter. Das Angebot, kurzfristig die ehrenamtliche Kitzrettergruppe aus Pfaffenwiesbach zu mobilisieren, um eventuelle Kitze oder Bodenbrüter zu lokalisieren und zu sichern, wurde abgelehnt. Der Fahrer erwiderte, das Gras sei nicht zu hoch, er würde langsam fahren und könne somit alles sehen. Eine telefonische Rückfrage beim zuständigen Jagdaufseher ergab allerdings, dass es ihm nicht bekannt sei, dass die Wiese abgesucht wurde. Auch der Landwirt selber, der den Maschinenfahrer beauftragt hatte, konnte das nicht bestätigen. Am gleichen Abend fand eine Anwohnerin ein durch die Messer der Mähmaschine getötetes Kitz auf ebendieser frisch gemähten Wiese. Dem Kitz wurde der Brustkorb aufgeschnitten, ein Bein abgetrennt und der Kiefer halbiert. Es war zur Hälfte vom Gras bedeckt. Der qualvolle Tod des Kitzes hätte vermieden werden können. Der auftraggebende Landwirt hätte zum oder vor dem Mähtermin den Jagdpächter oder die Jagdaufseher informieren können, was nach Aussage der Jagdaufseher nicht geschehen ist. Der Landmaschinenfahrer hätte spätestens nach Kenntnisnahme der Information zu dem aus dem Feld gesprungen Reh umgehend die Mäharbeiten abbrechen und die Wiese absuchen müssen, um seiner gesetzlichen Sorgfaltspflicht, Tiere bei der Mahd nicht zu töten oder gefährden, nachzukommen. Das hat er trotz besseren Wissens nicht getan. Auch der Landwirt ist seiner Pflicht, schweres Leid von sich während des Mähens auf seiner Wiese befindlichen Rehkitzen oder Bodenbrütern abzuwenden, wohl aus Bequemlichkeit oder aus Kostengründen nicht nachgekommen. Er hätte die Wiese vor dem Mähtermin hinsichtlich sich dort befindlicher Tiere absuchen oder wenigstens den Jagdpächter informieren müssen, was er nicht getan hat. Er hätte seinen Erfüllungsgehilfen so nicht zum Mähen schicken dürfen. Wildtierschutz Deutschland hat diesen Vorfall am 9. Juni 2021 bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt zur Anzeige gebracht. Die Ermittlungen gegen den Landwirt wurden im April 2023 eingestellt, obwohl er der sich aus dem Tierschutzgesetz ergebenden Sorgfaltspflicht nachweislich nicht nachgekommen ist. Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin die Ermittlungen gegen den heute 26-jährigen Landmaschinenfahrer aufgenommen. Heute wurde das Gerichtsverfahren am Amtsgericht in Bad Homburg gegen den Fahrer eingestellt. Als Auflage zahlt er 300 Euro an eine gemeinnützige Organisation. Ob dieses Verfahren irgendeine abschreckende Wirkung auf Landwirte, die in vermähten Kitzen und bodenbrütenden Vögeln lediglich einen Kollateralschaden sehen, darf bezweifelt werden. +++ Lesen Sie auch: Blutige Felder in Niederbayern - Mähen ohne Absuche












