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- Warum werden Dachse bejagt?
Zweifellos gehört der Dachs zu den weniger bekannten heimischen Wildtieren. Obwohl er weit verbreitet ist, wissen viele Menschen nicht, wie er aussieht und die wenigsten haben ihn jemals gesehen. Die nächtliche Lebensweise und eine gehörige Portion Jägerlatein tragen dazu bei, dass der Dachs ein wenig geheimnisumwittert ist und dass die Vorstellungen über ihn oft ins Kraut schießen. Dachse sind sehr soziale Tiere , die in Familienverbänden leben und untereinander viel Körperkontakt haben, häufig kuscheln und spielen. Bild: berndtfischer.de Man hört die Geschichten von großen Schäden für die Landwirtschaft, von untergrabenen Bahnschienen und Straßen oder von getöteten Jagdhunden und manch ein Gerücht besagt, dass Dachse aggressiv und gefährlich seien. Was ist dran an all diesen Erzählungen? Der Dachs ist die größte heimische Art aus der Marderfamilie. Er kann rund 15 kg schwer werden und erinnert mit seiner sehr kräftigen Statur ein wenig an einen Miniaturbär. Neben seiner massigen Gestalt mit den kurzen Beinen ist sein Markenzeichen der schwarzweiß gestreifte Kopf. Dachse sind wahre Meister in zwei Disziplinen: Im Schnüffeln und im Buddeln. Die Dachsnase ist eine der besten unter den heimischen Säugetieren, sie nimmt Gerüche mehrere Hundert mal besser war als die des Menschen. Ein solches Riechvermögen ist für uns kaum vorstellbar, Dachse sehen förmlich mit der Nase. Sie riechen vermutlich fast jedes Objekt, ob Bäume, Steine, die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten und natürlich die Nahrung. Diese ist sowohl tierisch als auch pflanzlich, Dachse sind Allesfresser. Oft sind Regenwürmer eine wichtige Grundlage, daneben werden Insekten, Mäuse und viele andere kleine Tiere, sowie Obst, Beeren, Wurzeln oder auch junge Maiskolben gefressen. Um an Letztere zu gelangen, „fällen“ sie die Maispflanzen. Die Schäden halten sich aber in engen Grenzen und betreffen allenfalls wenige Quadratmeter des Feldes. Dachse sind Profis im Tiefbau . Ihre Baue sind unterirdische Labyrinthe aus Tunneln und Kammern, die ständig gepflegt und ausgebessert werden. Bewohnte Dachsbaue sind Dauerbaustellen, meistens liegen vor den Eingängen beachtliche Mengen von frisch ausgehobenem Erdreich. Die Untergrundburgen werden über viele Generationen, oft Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte lang bewohnt. Da nie das gesamte System gleichzeitig genutzt wird, siedeln sich häufig Füchse oder andere Tiere in den Seitentrakten an. Fuchs und Dachs können in größeren Bausystemen gut miteinander koexistieren. Die Dachse halten ihr unterirdisches Reich ständig sauber und gehen zur Toilette immer nach draußen. Sie polstern die Kammern mit reichlich weichem Pflanzenmaterial wie Farnblättern, Gras und Moos aus, das sie stets im Rückwärtsgang, mit dem Hintern voran, in ihre Höhle transportieren. Dachse sind sehr soziale Tiere , die in Familienverbänden leben und untereinander viel Körperkontakt haben, häufig kuscheln und spielen. Dachsbaue liegen meistens im Wald abseits von Landwirtschaftsflächen, so dass Konflikte mit einbrechenden Traktoren oder Maschinen selten sind. Stark in den Medien präsent war eine untergrabene Bahnlinie in Nordrhein-Westfalen, aber auch das war eine seltene Ausnahme. Den soliden Schotterdämmen moderner Bahntrassen können buddelnde Dachse wenig anhaben. Allein die Seltenheit einer Begegnung zeigt schon, wie sehr Dachse den Menschen aus dem Weg gehen, obwohl sie in weiten Teilen Deutschlands gar nicht selten sind. Sie können aber durchaus nachts in Gärten kommen und das eine oder andere Beet durchwühlen. Damit ist aber auch schon das „Konfliktpotenzial“ mit dem Dachs benannt. Kein Mensch braucht vor dem Dachs Angst zu haben, vielmehr sollte man sich über jede Begegnung mit der heimlichen Schnüffelnase freuen. Leider sterben sehr viele Dachse durch den Straßenverkehr. Mancher Straßenabschnitt kann sich zu einer wahren Todesstrecke entwickeln, auf dem immer wieder Dachse umkommen. Ganz besonders setzt dem Dachs die Jagd zu. Bundesweit werden jährlich mehr als 80.000 Dachse geschossen , unter den Bundesländern ist Bayern trauriger Spitzenreiter mit einer Rekordstrecke von mehr als 26.000 Dachsen im Jagdjahr 2023/24, gefolgt von Baden-Württemberg mit mehr als 11.000 und Niedersachsen mit knapp 10.000 von Jägern getöteten Dachsen. Vor allem in Bayern und Niedersachsen ist die Dachsstrecke in den vergangenen 10 Jahren deutlich gestiegen (Zahlen des Deutschen Jagdverbandes). Jagd auf Dachse hat eine lange Tradition, was sich schon am Namen „Dachshund“ für den Dackel erkennen lässt. Die Jagd im Dachsbau ist in der Tat für den Hund lebensgefährlich. Dachse fühlen sich in ihrer unterirdischen Burg am sichersten, sie sind kaum zu einer Flucht nach draußen zu bewegen. Stattdessen setzen sie sich zur Wehr und töten dabei manchen Jagdhund – somit ist dies das einzige der oben genannten Gerüchte mit Wahrheitsgehalt. Was aber hat ein Jagdhund im Dachsbau zu suchen und weshalb tötet man überhaupt Dachse? Die Gewinnung von Dachsschinken oder Dachsfett und die Herstellung von Rasierpinseln aus Dachshaaren sind keine vernünftigen Gründe, die eine Tötung dieser Tiere vor dem Tierschutzgesetz rechtfertigen würden. Die durch Dachse entstehenden Konflikte oder Schäden sind selten wirklich relevant. Die Jagd auf Dachse ist eine überkommene Tradition, die gegen das Tierschutzgesetz verstößt, ethisch nicht zu verantworten ist und weder ökologisch Sinn macht noch zur Vermeidung von Konflikten beiträgt. Sie ist eine verabscheuungswürdige Freizeitbeschäftigung, die endgültig verboten werden muss. +++ Warum in Rheinland-Pfalz Dachse bejagt werden? Dazu das Ministerium: " Grimbart fällt auf, weil er Grabsteine umstürze und Grabbepflanzungen verwüstet". Mehr dazu hier.
- Wiesenbrüter Teil 3: Vorrang für den Lebensraumschutz
Hör mal rein | Die Bestände von Kiebitz, Brachvogel, Uferschnepfe, Rotschenkel und Bekassine sind bekanntlich hochgradig bedroht. Manche Beutegreifer, beispielsweise Fuchs, Steinmarder und Rabenkrähe, kommen dagegen in fast allen Landschaften gut zurecht. Die Prädationsrate bei Wiesenvögeln, also der Verlust durch Beutegreifer (=Prädatoren) kann sehr hoch sein, je nach örtlichen Gegebenheiten ist zum Teil mehr als die Hälfte der Bruten betroffen (u. a. Meyer et al. 2017). Da liegt es doch nahe, die anpassungsfähigen Prädatoren zu dezimieren, um die letzten Wiesenvögel vor dem Aussterben zu bewahren – oder? Kiebitze - Bild: Martin Thierer-Lutz Das auf dem ersten Blick einfache Problem entpuppt sich bei näherer Betrachtung als überaus komplex und Erfahrungen zeigen, dass scheinbar schnelle Lösungen verpuffen. Letztlich gelangen wir zur Erkenntnis, dass das Eliminieren der Beutegreifer keine Abhilfe bringt, sondern im Gegenteil das Problem sogar vergrößern kann und dazu noch drängende ethische Fragen aufwirft. Eine Vortragsfolie bei einem Workshop zum Prädationsmanagement im Wiesenvogelschutz hätte kaum aussagekräftiger sein können: Sie zeigte rund 200 Standorte von Wieselfallen im Ochsenmoor in der niedersächsischen Dümmerniederung (Barkow 2022). Nach der lokalen Dezimierung der Füchse konnten sich die Wiesel aufgrund des Fehlens des überlegenen Konkurrenten kräftig vermehren. So ging man vom Füchse Töten zum Wiesel Töten über, wahrscheinlich zur Freude der Wanderratten, denen die Wiesenvogeleier ebenfalls schmecken… Welche Schäden der Ausfall der Mäuse- und Rattenjäger Fuchs und Wiesel für die Land- und Forstwirtschaft brachte, ist sicherlich nicht bekannt. Ebenso wenig bekannt sind die Folgen des sogenannten aktiven Prädatorenmanagement für die sensiblen Wiesenökosysteme insgesamt. Trotzdem ist dieser extreme Eingriff derzeit schwer in Mode. Der oft überaus grausame Tod empfindungsfähiger fühlender Wesen wird dabei als angeblich notwendiges Übel bewusst in Kauf genommen, aber gegenüber der Bevölkerung so gut es geht verschwiegen. Viele Parameter beeinflussen die Prädationsrate. Langgemach & Bellebaum (2005) bezeichnen die Kleinsäugerdichte als Schlüsselfaktor. Flächen mit hohen Kleinsäugerbeständen sind für Füchse und andere Mäusejäger attraktiv und damit einem hohen Prädationsrisiko ausgesetzt. Da Wühlmäuse in nassen Flächen kaum oder keine Baue anlegen können, sind diese für Füchse wenig interessant und bergen entsprechend ein deutlich geringeres Prädationsrisiko als trockenere mäusereiche Flächen. Wesentlichen Einfluss auf die Prädationswahrscheinlichkeit von Gelegen und Küken hat auch die Struktur und Artenvielfalt der Vegetation. Sowohl brütende Altvögel als auch Küken sind für Beutegreifer in monotonen Flächen leichter zu finden als arten- und strukturreichem Grünland. Darüber hinaus wachsen die Küken in artenreichen und damit insektenreichen Grünländern nachweislich schneller heran und entwachsen entsprechend früher dem gefährlichen Kükenalter (Salewski 2022). Wie bereits im ersten Teil berichtet, hat auch die Bestandsdichte der Wiesenvögel selbst, insbesondere des Kiebitzes, einen hohen Einfluss auf die Prädationswahrscheinlichkeit. Gute Kiebitzbestände bilden eine sehr effiziente Luftverteidigung gegenüber verschiedenen Beutegreifern (Theunissen et al. 2020). Es bestehen weitere Möglichkeiten, das Prädationsrisiko durch Lebensraumgestaltung zu senken, die u. a. im Standardwerk zum Thema Prädation von der niederländischen Organisation SOVON (Theunissen et al. 2020) nachzulesen sind. Es zeigt sich, dass auch das Prädationsproblem ein Problem des Lebensraumschutzes ist und mitnichten der Population von Beutegreifern. Das Töten geht am Problem vorbei, denn es verbessert den Lebensraum nicht. Über die Lebensraumgestaltung hinaus besteht eine nicht-letale Möglichkeit zur Verminderung der Prädationsgefahr: Das Einzäunen von Brutplätzen mit Elektrozäunen. Roodbergen (2022) bezeichnet es als die effektivste Schutzmaßnahme, auch wenn sie nur die Gelegeprädation und nicht die Kükenprädation reduziert. Im LIFE-Projekt Wiesenvögel in NRW werden Schlupferfolge von bis zu 90 % für die eingezäunten Brutplätze von Wiesenbrütern angegeben (Brüning et al. 2021). Angesichts solcher Resultate stellt sich die Frage, warum im Projekt an der Dümmerniederung und für ähnliche Projekte Berufsjäger für das Töten von Beutegreifern auf Kosten der Steuerzahler eingestellt und sechsstellige Summen für Betonrohrfallen ausgegeben werden. +++ Wiesenbrüter Teil 1: Kiebitze – gefiederte Luftverteidigung Wiesenbrüter Teil 2: Prädationsmanagement mit der Waffe nicht zielführend Quellen Barkow, A. (2022): Prädationsmanagement in Niedersachsen. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein. Brüning, I., B. Beckers & S. Klostermann (2021): LIFE-Projekt zum Schutz der Wiesenvögel in Nordrhein-Westfalen. Der Falke Sonderheft 2021: Vögel im Grünland, S. 58-63. Langgemach, T. & J. Bellebaum (2005): Prädation und der Schutz bodenbrütender Vogelarten in Deutschland. Vogelwelt 126: 259-298. Meyer, N., H. Hötker & H. Jeromin (2017): Schutzgebietssystem für Brachvögel in Schleswig-Holstein. Endbericht November 2017. Michael-Otto-Institut im NABU, Bergenhusen. Roodbergen, M. (2022): Predation problems and protection: an international perspective. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein. Salewski (2022): Telemetrie von Uferschnepfenküken in Schleswig-Holstein. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein. Teunissen, W., C. Kampichler, F. Majoor, M. Roodbergen & E. Kleyhaag (2020): Predatieproblematiek bij weidevogels. Sovon-rapport 2020/41. Sovon Vogelonderzoek Nederland, Nijmegen.
- Rheinland-Pfalz: Abschuss von Saatkrähen während der Brutzeit
Hör mal rein | Wie sieht man einer Krähe an, ob sie Junge zu versorgen hat oder nicht? Eine Antwort auf diese Frage bleibt die rheinland-pfälzische Behörde, die die Genehmigung zum Abschuss von Saatkrähen erteilt hat, schuldig. In Rheinhessen, also in der Gegend rund um Mainz, dürfen ab jetzt einzelne Saatkrähen unter Auflagen geschossen werden. Das Ziel der Genehmigung zur Tötung der geschützten Art ist die Vermeidung von Schäden an Zuckerrübenäckern und Kirschplantagen. Es dürfen von Mitte April bis zum 10. Juni auf Zuckerrübenfeldern und vom 25. Mai bis 31. Juli in Kirschplantagen jeweils bis zu zwei Saatkrähen geschossen werden, wenn sie im Schwarm von mindestens 20 Tieren auftreten. Durch diese Auflage soll verhindert werden, dass Elterntiere betroffen sind und ein qualvolles Verhungern der Jungen im Nest vermieden wird. Bild (Saatkrähen): www.ranfuchs.art Die durch die SGD (Struktur- und Genehmigungsdirektion) Süd erteilte Genehmigung steht jedoch juristisch auf äußerst wackeligen Beinen und ist ethisch nicht vertretbar. Saatkrähen sind sehr soziale und gesellige Vögel, die in großen Kolonien brüten und auch meistens in Gruppen auf Nahrungssuche gehen. Weil die Landschaften weitgehend aufgeräumt sind, es kaum noch Hecken oder für den Nestbau geeignete Bäume gibt, haben sich Brutkolonien der Saatkrähe häufig in Städte verlagert, so auch nach Mainz. Dort fühlen sich die intelligenten Vögel vor Beutegreifern sicher und gewöhnen sich an den Rummel durch die Menschen. Zur Nahrungssuche fliegen sie meistens hinaus in die umgebene offene Landschaft. Dabei bilden sie keine festen Schwarmgemeinschaften, sondern fliegen eher in Kleingruppen los und schließen sich anderen Saatkrähen an, denen sie unterwegs begegnen. Die Nahrung suchenden Trupps bestehen also oft aus Individuen unterschiedlicher Brutkolonien und nicht brütenden Junggesellen. Es ist unmöglich in einer Nahrung suchenden Gruppe von Saatkrähen zu erkennen, welcher Vogel Junge zu versorgen hat und welcher nicht. Mit jedem Abschuss einer Saatkrähe im Frühling wird somit billigend in Kauf genommen, dass in einem Nest, das durchaus einige Kilometer von Abschussort entfernt sein kann, die Jungen verhungern. Die Abschussgenehmigung verstößt somit gegen § 17 Abs. 2 des Tierschutzgesetzes, nachdem einem Wirbeltier keine länger anhaltenden oder sich wiederholenden Schmerzen oder Leiden zugefügt werden dürfen. Ebenso ist zu hinterfragen, ob auch gegen Absatz 1 desselben Paragrafen verstoßen wird: Demnach dürfen Wirbeltiere nur mit einem vernünftigen Grund getötet werden. Zweifellos sind die Schäden durch die oft großen Schwärme durchaus erheblich. Es ist aber zu hinterfragen, ob nicht mildere Mittel als die Tötung zur Verfügung stehen und hinreichend in Erwägung gezogen wurden. Wurde die Maxime der Vermeidung von Tötungen überhaupt bedacht oder sind tödliche Schüsse das bevorzugte Mittel der Wahl? Zur Vergrämung von Saatkrähen gibt es sehr viele Erfahrungen. Kaum eine der vielfältigen Vergrämungsmaßnahmen funktioniert dauerhaft, auch hinsichtlich des Abschusses einzelner Krähen liegt die Erfahrung vor, dass diese Maßnahme nicht zielführend ist (1. Zwischenbericht zum Landtagsbeschluss „Projekt zum Management von Saatkrähen“, LFU Bayern, Januar 2021). +++ Auch interessant: Bejagung von Rabenvögeln
- Mein schönstes Naturerlebnis 2024 im Kellerwald: Wildkatze ganz nah
Hören | Mancher Naturbeobachter kennt sie, diese seltenen magischen Tage, an denen einfach alles passt. Am Ende weiß man nicht, ob es nur eine Reihe glücklicher Zufälle und Umstände war oder ob die eigenen Sinne offener und aufmerksamer waren als sonst, das eigene Verhalten stiller und achtsamer. Einen solchen Tag erlebte ich Mitte Oktober dieses Jahres bei meinem Kurzurlaub im nordhessischen Kellerwald. Schon der Vormittag war unvergessen, als die Sonnenstrahlen durch das herbstbunte Blätterdach des nebeligen Buchenwaldes brachen und nur herabfallende Tautropfen und vereinzelte Vögeln zu hören waren. Der stille Wald schien seine uralte Geschichte zu erzählen. Mehrere Stunden später: Meine Abendpirsch wurde von einem großen Schwarm Kraniche eröffnet, der genau über mir hinweg zog, als ich mich in einer Lichtung befand - freie Sicht auf die „Vögel des Glücks“ am blauen Herbsthimmel. Sie waren die Ouvertüre zu einem unvergessenen Abend. An meinem Ziel angekommen, einer großen Waldwiese, konnte ich zunächst einige Ringdrosseln beobachten – seltene Gäste aus dem Norden, die etwa wie Amseln mit einem weißen Halbmond auf der Brust aussehen. Direkt am Wegrand stellte ich mich zwischen die Stämme einer mehrstämmigen Eberesche. Für die Tiere war ich damit sehr unauffällig. Vielleicht eine halbe Stunde hatte ich in dieser Position gewartet, es war noch gänzlich hell, da war sie plötzlich vor mir: Höchstens 30 m entfernt pirschte eine Wildkatze durchs Gras, wie aus dem Nichts war sie gekommen. In Ultrazeitlupe wechselte ich zwischen Fernglas und meiner Bridgecam, mit der ich einige passable Videos aufnahm. Konzentriert auf ihre Jagdbeute schlich die Katze auf mich zu und kam bis auf etwa 20 m heran. Mit Fernglas und Kamera konnte ich kleinste Details sehen: Das fein getigerte Fell, das bildhübsche Katzengesicht mit den großen Nachtaugen, die hellen Schnurrhaare und dem weißen Kehlfleck, die dunklen Streifen im Nacken, die sich als breiter schwarzer Aalstrich auf dem Rücken fortsetzten und den dicken buschigen Schwanz mit dem stumpfen schwarzen Ende. Die Katze verharrte regungslos, leicht geduckt mit Blick nach vorn unten. Ihre Spannung war förmlich zu spüren, dann ein kurzes Zucken der Hinterläufe und eine Sekunde später der blitzartige Zugriff. Keine Chance für die dicke Wühlmaus, die Katze verzehrte ihre Mahlzeit, drehte sich um und setzte ihre Abendpirsch in aller Ruhe fort. Ich konnte sie noch sicher zehn Minuten lang beobachten, wie sie sich langsam im Wiesengrund entfernte und hinter den Bäumen verschwand. Was ich beobachtet hatte, war wilder Alltag, Jäger und Gejagter, Beutegreifer und Beute. Das Besondere daran war, dass ich dabei sein konnte, einen exklusiven Einblick hatte. Es war einer der Momente, in denen ich nirgendwo anders sein wollte, als ich es gerade war. Es geschah direkt vor mir und es wäre sicherlich genauso geschehen, wenn ich nicht dort gewesen wäre – gerade das machte es besonders schön: Keine Flucht, keine Verhaltensänderung, nicht einmal ein banger Blick in meine Richtung. Ich war dabei und ich war für die Katze einfach Baum. Es ist für mich eine große Ehre, dass ich teilhaben durfte. Viel zu selten können wir solche intensiven Momente erleben, in denen wir nicht stören, nicht verängstigen, sondern einfach nur dabei sind, bewundern und uns am wilden Leben erfreuen. Diese Begegnung erinnert daran, wofür wir kämpfen: Für die, die im Verborgenen leben, die sich vor uns verstecken, die ihre Stimme nicht erheben können - damit sie ihren wilden Alltag weiterhin leben. +++ Auch lesenswert: Wildkatzen - erfolgreiche Wiederansiedlung
- Wiesenvögel, Teil 2: Prädationsmanagement mit der Waffe nicht zielführend
Hör mal rein | Ein großer Vogel mit einem enorm langen gebogenen Schnabel gleitet langsam auf die nasse Wiese hinab. Seine lauten Flötenrufe werden immer schneller und enden in einem klangvollen und sehr weit hörbaren Triller, bevor er landet und den Schwung mit schnellem Lauf seiner langen Beine abfängt. Der Gesang des Großen Brachvogels gehört zu den markantesten und schönsten heimischen Vogelstimmen. Großer Brachvogel, Bild: Dr. Martin Steverding Er ist aber nur noch selten zu hören, denn unser größter Watvogel ist bundesweit vom Aussterben bedroht. Ähnlich ergeht es der Uferschnepfe, dem Rotschenkel, der Bekassine und auch dem ehemals allgegenwärtigen Kiebitz. Diese Vogelarten werden oft als „Wiesenvögel“ bezeichnet. Ihre Lebensräume, nasse Wiesen und offene Niedermoorlandschaften, sind rar geworden. Kiebitze brüten zwar auch auf Äckern, aber mit geringem Bruterfolg. Die genannten Arten brüten alle am Boden und sind Nestflüchter , d. h. die Küken verlassen die Nestmulde wenige Stunden nach dem Schlüpfen und werden dann von ihren Eltern geführt, bewacht und verteidigt. Die Wiesenvögel haben unterschiedliche Strategien entwickelt Beutegreifern zu entgehen oder sie abzuwehren. Während Kiebitze weitgehend auf Verteidigung setzen, praktiziert die Bekassine die maximale Versteckstrategie. Ihre Brutplätze sind in der Vegetation verborgen und von Wasser umgeben, so dass sie für Säugetiere kaum auffindbar und erreichbar sind. Die anderen Wiesenbrüter praktizieren eine Mischstrategie aus Verstecken und Abwehren. Im Wiesenvogelschutz in Deutschland zählt das „aktive Prädationsmanagement“ inzwischen zum Standardprogramm. Es bedeutet nichts anderes als die Eliminierung von Beutegreifern (= Prädatoren) am Boden, also in erster Linie Fuchs, Marder, Wiesel, Iltis und Waschbär. Dies geschieht mit allen verfügbaren jagdlichen Methoden einschließlich Fallenjagd, Baujagd und dem Töten von Fuchswelpen am und im Bau. Bei den LIFE-Wiesenvogelprojekten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurde dazu jeweils ein Berufsjäger angestellt und eine große Zahl von Betonrohrfallen angeschafft. Nach Auskunft des Berufsjägers im LIFE-Projekt NRW sind es allein dort deutlich über 100 Fallen zum Preis von jeweils etwa 1.000 €. Finanziert werden die Personalstellen der Jäger und die Fallen in den LIFE-Projekten überwiegend aus Mitteln der EU und damit aus unseren Steuergeldern. Diese sind zwar grundsätzlich im Artenschutz gut angelegt, aber im Fall des sogenannten „aktiven Prädationsmanagements“, also der gezielten Tötung von zahlreichen Tieren, ist die Verwendung mehr als fragwürdig. Unvollständiges Gelege eines Brachvogels. Bild: Dr. Martin Steverding Auf den Projekt-Websites lässt die Beschreibung des Themas hinsichtlich Verständlichkeit und Transparenz zu wünschen übrig. Für den Leser ohne Vorkenntnisse erschließt es sich kaum, was das Prädationsmanagement bedeutet. Auf Fachvorträgen wird dagegen gern von den positiven Effekten berichtet. Als „Belege“ werden die Bestandsentwicklungen der Wiesenvögel in einigen Schutzgebieten präsentiert. Verschwiegen wird dabei aber zumeist, dass nicht nur Prädationsmanagement durchgeführt wird, sondern parallel umfangreiche Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung, insbesondere zur Wiedervernässung der Flächen. Der Erfolg kann sich etwa in der Dümmerniederung in Niedersachsen sehen lassen, die Bestände der oben genannten Wiesenvögel sind dort sämtlich stark angestiegen. Ob jedoch das sogenannte Prädationsmanagement einen Beitrag zur Bestandserhöhung geleistet hat oder ob allein die Lebensraumverbesserungen ausschlaggebend sind, bleibt unklar. Auf Nachfragen bei den Projektverantwortlichen, sowohl in der Dümmerniederung als auch im Bremer Blockland, gab es keine Antwort und damit keinen Beleg für einen Effekt des Prädationsmanagements auf die Wiesenvogelbestände. Es ist zwar erwiesen, dass Säugetiere wie beispielsweise der Fuchs, für die meisten Gelegeverluste von Bodenbrütern verantwortlich sind. Dies bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass die massenhafte Tötung von Füchsen und anderen Prädatoren dem Wiesenvogelschutz hilft. Zahlreiche weitere Einflussfaktoren werden häufig außer Acht gelassen. Es werden also große Mengen an Tieren unter hohem Einsatz von Kosten und Personal getötet, ohne einen Beweis für einen positiven Effekt auf Wiesenvogelbestände liefern zu können. Übrigens ist das „aktive Prädationsmanagement“ ein weitgehend deutsches Phänomen. Im umfassenden niederländischen Werk „Predatieproblematiek bij weidevogels“ (Prädationsproblematik bei Wiesenvögeln) spielt es keine zentrale Rolle. Maja Roodbergen, eine der Autorinnen, betonte 2022 in einem Vortrag bei einem Workshop, dass das „aktive Prädationsmanagement“ bestenfalls zu einem leichten Rückgang der Prädationsrate führt, aber negative Langzeitfolgen für das Ökosystem hat. Als Folge können beispielsweise andere Prädatoren wie Wiesel nachrücken und den fehlenden Fuchs ersetzen. In der Dümmerniederung wurden nach Reduktion des Fuchsbestandes Hunderte von Wieselfallen aufgestellt (Barkow 2022). Weiterhin kann es durch das Fehlen der Prädatoren zu starken Vermehrungen von Ratten und Mäusen kommen, die wiederum Gelege von Bodenbrütern gefährden können. Das Töten von Beutegreifern ist die schlechteste von vielen Möglichkeiten, das Risiko für die Bruten von Wiesenvögeln zu senken. Welche Faktoren die Prädation von Gelegen und Küken beeinflussen und welche Alternativen zur Senkung des Prädationsrisikos zur Verfügung stehen, erfahren Sie im dritten Teil. +++ Wiesenbrüter, Teil 1: Kiebitze – gefiederte Luftverteidigung Wiesenbrüter, Teil 3: Vorrang für den Lebensraumschutz Literaturquellen: Roodbergen, M. (2022): Predation problems and protection: an international perspective. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein. Teunissen, W., C. Kampichler, F. Majoor, M. Roodbergen & E. Kleyhaag (2020): Predatieproblematiek bij weidevogels. Sovon-rapport 2020/41. Sovon Vogelonderzoek Nederland, Nijmegen. Barkow, A. (2022) Prädationsmanagement in Niedersachsen. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein.
- Über die ökologische Funktionen von Füchsen und anderen Beutegreifern
Hören | Fuchs und Marder bezeichnet man als sogenannte Beutegreifer . Das sind Tiere, die sich hauptsächlich von Fleisch ernähren. Damit unterscheiden sie sich von den Pflanzenfressern (Biber, Feldhase, Reh, Hirsch), die vorwiegend vegetarische Kost bevorzugen, sowie von den Allesfressern (Wildschwein, Waschbär, Dachs), deren Speiseplan gemischt ist. Zu den Beutegreifern gehören auch Eulen und Greifvögel. Der gestaltende Einfluss von Beutegreifern auf Größe und Zusammensetzung der Bestände ihrer Beutetiere wird immer noch einseitig negativ bewertet. Sie gelten insbesondere den großen deutschen Jagdlobbyisten nur als „Räuber", also als Tiere, die auf Kosten anderer leben und somit ein negatives Image aufgedrückt bekommen. "Vielfältige positive Wirkungen in unseren Ökosystemen" Bild: Eric Magnuson Das "Raubwild", wie die Jäger es nennen, hat jedoch auch vielfältige positive Wirkungen in der Dynamik von Lebensgemeinschaften, indem es zum Beispiel hohe Nachwuchsraten bei häufigen Arten abschöpft und so für Ausgleich sorgt. Der Einfluss dieser Gesundheitspolizisten auf Auslesevorgänge in den Beutetierpopulationen , der in der Entwicklungsgeschichte unserer Natur von ganz erheblicher Bedeutung war und ist, findet kaum eine Berücksichtigung in der Diskussion. Die Rolle von Fuchs & Co. als „Fitness-Trainer" für andere Tierarten wird nicht gewürdigt. Sie erbeuten hauptsächlich kranke und reaktionsschwache Tiere und sorgen so dafür, dass sich die Gene der starken und reaktionsschnellen Tiere vermehren. Beutegreifer sind daher unverzichtbare Gestalter im Zusammenleben von Tierarten und zudem kein Feind des Menschen! Einige Beutegreifer entwickeln erstaunliche Fähigkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Füchse, Steinmarder und Waschbären haben längst neue Lebensräume, z.B. die Städte, besiedelt. Sie erweisen sich als bewundernswerte Lebenskünstler, die auch schon mal in der Mülltonne erfolgreich nach Nahrung suchen. Die Jägerschaft hat seit jeher die Möglichkeit, diese Tierarten scharf zu bejagen, ihre Bestände zu begrenzen und die Ausbreitung zu bremsen. Das ist nicht gelungen. Es wird auch mit noch so intensiver Jagd nicht gelingen, das sich diese Tierarten mit ihren eleganten Überlebensstrategien der Dezimierung entziehen. Wenn landlebende Beutegreifer also zum einen wichtige Funktionen in unseren Ökosystemen haben, zum anderen ihre Bestände durch Jagd und Jäger mit vertretbaren Jagdmethoden nicht auf das von mancher Seite gewünschte Minimum zu drücken sind, so gilt es zu hinterfragen, welchen Sinn die Jagd überhaupt haben soll. Viele Jäger behaupten immer wieder, dass die Jagd auf Beutegreifer flächendeckend ein unverzichtbares „ökosystemgerechtes" Instrument zur Schaffung eines „ökologischen Gleichgewichtes" in der Natur sei. Außerdem diene sie zur Stützung der „Verlierer" unter den Niederwildarten wie Hase oder Rebhuhn gegenüber den „Gewinnern", also den Raubsäugerarten. Es gibt jedoch viele Beispiele dafür, dass in Gebieten, in denen Beutegreifer nicht bejagt werden , das Gefüge der Lebensgemeinschaften erhalten bleibt. Das ist so im Naturschutzgebiet und „Urwald“ bei Saarbrücken, im Nationalpark Bayerischer Wald, im Kanton Genf, in vielen anderen unbejagten Arealen …. und seit 2015 in Luxemburg. Überall dort, wo Füchse nicht bejagt werden, gibt es weder mehr noch weniger Füchse, es gibt vielmehr einen stabilen Bestand ohne irgendwelche Auffälligkeiten. Wie sollte es auch anders sein? Raubtiere sind nun einmal natürliche Mitglieder unserer Lebensgemeinschaften. Sie sind nicht auf der Welt, um „Schäden" in der Natur anzurichten. Bei genauerer Betrachtung sollte jedoch klarwerden, dass tiefgreifende und vielschichtige, vom Menschen verursachte Lebensraumveränderungen und nicht die Beutegreifer die primäre Ursache für Bestandseinbrüche vieler Niederwildarten sind. Diese Probleme können eben nicht durch fortwährendes Töten von Füchsen oder Mardern beseitigt werden, sondern allein durch Lebensraumgestaltung. Nach wissenschaftlicher Faktenlage gibt es auch keinen Beleg dafür, dass die Jagd auf Füchse Wildkrankheiten wie Räude, Staupe oder den sogenannten Fuchsbandwurm eindämmen kann. Im Gegenteil steht die Jagd im Verdacht, die Ausbreitung dieser Krankheiten, sowie die Anfälligkeit von Tieren für Krankheiten generell durch Fehlselektion und Stress eher zu begünstigen. Das belegen nun auch weitere Forschungsarbeiten zu diesem Thema. Schon die Tollwut etwa wurde nicht durch das Töten von Füchsen erfolgreich bekämpft, sondern durch die Ausbringung von Impfködern. +++ Kurzzusammenfassungen wissenschaftlicher Literatur zum Fuchs Prädationsmanagement mit der Waffe nicht zielführend Lesen Sie auch: Intensive Fuchsjagd ist ein Krankheitsrisiko für Menschen Quellen: Royal Society: Studie zur Nützlichkeit von Füchsen, Mardern und anderen Beutegreifern zur Reduzierung menschlicher Ansteckungsgefahren durch Zecken, Tim R. Hofmeester et al. Elsevier B.V., Preventive Veterinary Medicine: Studie zur Verbreitung von Wildtierkrankheiten durch die Fuchsjagd , Sebastien Comte et al.
- Internationaler Tag der Biber (International Beaver Day)
Hören | Am heutigen 7. April ist der Internationale Tag der Biber bzw. International Beaver Day. Es ist der Geburtstag der amerikanischen Biberforscherin Dorothy Richards (1894 – 1985) und wurde 2009 von der Organisation „Beavers: Wetlands & Wildlife“ (BWW) ausgerufen. Biber schaffen dadurch sehr wertvolle Lebensräume für Amphibien, Libellen, Wasservögel und sehr viele weitere Arten und sorgen für verfügbares Wasser in Trockenperioden. Weltweit gibt es zwei Biberarten: In Nordamerika den Kanadischen oder Amerikanischen Biber Castor canadensis und in Europa und Nordasien den Eurasische Biber Castor fiber . Wie kein anderes Wildtier ist der Biber in der Lage, Lebensräume zu verändern und zu gestalten. Sein Einfluss ist so groß, dass er wahrscheinlich zur Entstehung vieler Arten beigetragen hat: Biber existieren seit rund 15 Millionen Jahren und so lange schaffen sie durch das Bauen von Staudämmen, das Graben von Verbindungskanälen und das Fällen von Bäumen etc. Lebensräume. Aus kleinen Bächen werden Kaskaden von Stauteichen, an ihren Ufern entwickeln sich durch das Fällen der Gehölze Biberwiesen. Weit verbreitete Amphibienarten wie der Grasfrosch, die Erdkröte oder der Teichmolch haben wahrscheinlich in diesen Lebensräumen ihren Ursprung. Die Pflanzengesellschaften des Feuchtgrünlands haben sich möglicherweise in den Biberwiesen entwickelt. Bachtäler, in die der Biber wieder zurückgekehrt ist, zeigen eine enorme Vielfalt von Arten und Lebensräumen. Zudem bilden die zahlreichen Biberdämme insbesondere im Mittelgebirge ein Bollwerk gegen Hochwasser, da sie den Wasserabfluss deutlich abbremsen und das Wasser längere Zeit zurückhalten. internationaler-tag-der-biber-international-beaver-day Der Wert des Bibers für unsere Gewässerökosysteme und auch für uns Menschen als Bewohner hochwassergefährdeter Bach- und Flusstäler kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Wie aber steht es um den genialen Meister des Wasserbaus hierzulande? Die positive Nachricht ist: Der Biber ist weiter auf dem Vormarsch. Nach seiner Fast-Ausrottung in Deutschland hat er dank Unterschutzstellung und mehrerer Auswilderungsprojekte wieder Fuß gefasst und große Teile seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes wiederbesiedelt. Bundesweit leben heute rund 40.000 Biber, Tendenz steigend. Allein etwa die Hälfte davon lebt in Bayern, ein weiterer Schwerpunkt ist der Osten und Nordosten Deutschlands, insbesondere im Einzugsgebiet der Elbe. Allerdings sind immer noch große Gebiete im Westen Deutschlands biberfrei. Die negative Nachricht ist: Es werden alljährlich Tausende von Bibern in Deutschland mit behördlicher Genehmigung getötet. Allein in Bayern sind es über 2.000 Tiere jährlich und damit annähernd 10 % des Bestandes. In Brandenburg wurden im Herbst 2024 mehr als 150 Biber vor und während des Oder-Hochwassers präventiv getötet, um eine Beschädigung von Deichen zu verhindern. Ein gemeinsam von Wildtierschutz Deutschland und BUND Brandenburg in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten belegt, dass die Tötungen eindeutig rechtswidrig waren. Allein im Landkreis Märkisch-Oderland waren mehr als 100 Biber betroffen, zuständig war dort der heutige Staatssekretär im Umweltministerium Brandenburg, Gregor Beyer. Die Lebensraumgestaltung durch die Biber passt dem wirtschaftenden Menschen salopp ausgedrückt nicht in den Kram: Durch den Bau von Dämmen können Landwirtschaftsflächen überschwemmt werden, Landwirtschaftsfahrzeuge können in unterhöhlten Uferböschungen einbrechen, angenagte Bäume können auf Straßen stürzen etc. Die Konflikte zwischen Mensch und Biber sind vielseitig, aber in aller Regel lösbar. Statt pragmatischer Lösungen, wie sie in verschiedenen Werken beschrieben werden (z. B. Hölzler und Parz-Gollner 2018, Schwab 2014), wird allzu schnell nach dem vermeintlichen Retter mit Falle und Gewehr gerufen. Der Biber ist streng geschützt, Tötungen sind in den meisten Fällen rechtswidrig und sie tragen nicht zur Lösung der Probleme bei, da meist schnell neue Biber einwandern. Ähnlich wie beim Wolf ist auch beim Biber die Politik gefragt, wirklich Betroffene sollten angemessen unterstützt werden. Populismus löst keine Probleme und ist letztlich wesentlich teurer als pragmatische und zielorientierte Lösungen mit Respekt vor dem Leben und dem Werk unserer größten Nagetiere. Wir sollten den wilden Baumeistern und Lebensraumarchitekten für ihren großen Beitrag zur Artenvielfalt dankbar sein und sie am Internationalen Tag der Biber entsprechend würdigen. +++ Alles über das Leben des Bibers erfahren Sie in unserem Biber-Portrait. Quellen: Hölzler, G. & Parz-Gollner, R. (2018): Die Biber-Praxisfibel. Maßnahmen zur Konfliktlösung im Umgang mit dem Biber Castor fiber . Schwab, G. (2014): Handbuch für den Biberberater. BUND Naturschutz in Bayern e. V.
- Schonzeit für Füchse: Prüfung durch den Hessischen Staatsgerichtshof unzureichend
In seinem Urteil vom Februar 2020 (1) zur Verfassungsmäßigkeit von Schonzeiten für junge Füchse, Waschbären und weitere Tierarten hat der Hessische Staatsgerichtshof gemäß einer Stellungnahme der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutz (DJGT) (2) das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz nur unzureichend berücksichtigt . Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil das Bundesverfassungsgericht bereits in 2006 den Gemeinwohlbezug der Jagd herausgestellt hat und damit implizit auch die Berücksichtigung der Tierschutzinteressen gefordert hat. Anlässlich der von der FDP in Hessen geführten Klage wurden nach dem Urteil des Hessischen Staatsgerichtshofs die erst 2015 eingeführten Schonzeiten für junge Füchse, Waschbären und weitere Tierarten wieder aufgehoben. Die DJGT bemängelt, dass der Staatsgerichtshof einseitig auf das dem Jagdrecht zugrunde liegende Eigentumsrecht abgestellt habe und mit seiner Herangehensweise das Staatsziel Tierschutz für den Bereich des Jagdrechts schlichtweg außer Kraft gesetzt hat . Tierschutz außer Kraft gesetzt: Der Hessische Staatsgerichtshof stärkt die Rechte der Jäger | Bild: FrecherFuchs.de Nicht geprüft wurde, ob für die Bejagung der genannten Tierarten überhaupt ein vernünftiger Grund vorliegt, und die jeweilige Bejagung damit auch dem Gemeinwohl dient und nicht nur den persönlichen Interessen der Jäger. Das wäre erforderlich gewesen, weil das Eigentumsrecht nicht schrankenlos gewährt wird, sondern der Sozialpflichtigkeit unterliegt. Im Zuge der Sozialpflichtigkeit ist zu prüfen, ob der Gebrauch des Eigentums der Allgemeinheit dient oder gar zuwiderläuft. Je stärker der soziale Bezug einer Eigentumsposition ist, desto stärkere Eingriffe sind für den jeweiligen Eigentümer zumutbar. Gerade dem Wald als natürlichem Erholungsgebiet, der ein wesentlicher Lebensraum der genannten Tierarten ist, kommt ein besonders starker sozialer Bezug zu. Der Tierschutzgedanke , wie er in Artikel 20a GG verfassungsrechtlich normiert ist, wurde bei dieser Entscheidung völlig unzureichend berücksichtigt , und dies, obwohl das BVerfG bereits im Jahr 2006 den Gemeinwohlbezug der Jagd herausgestellt hat und damit implizit auch die Berücksichtigung der Tierschutzinteressen gefordert hat. Diese einseitigen Feststellungen des Hessischen Staatsgerichtshofes unterstreichen den Bedarf für die dringend erforderliche grundsätzliche Diskussion über die Notwendigkeit und den Umfang einer Jagd in Deutschland, die den Tierschutzgedanken endlich angemessen und unter Berücksichtigung seines Stellenwertes als Staatsziel berücksichtigt. +++ (1) Leitsätze zum Urteil des Staatsgerichtshofes vom 12. Februar 2020 (2) Stellungnahme DJGT Lesen Sie auch: Endlich dürfen Jäger in Hessen wieder Fuchsbabys jagen
- Acht Dinge, die ihr über den Eisvogel wissen solltet
Hören Funkelnde Tarnung Der Eisvogel ist aufgrund seines schillernden Aussehens unverwechselbar. Die Natur hat ihn jedoch nicht nur aus optischen Gründen mit seinem farbigen Federkleid ausgestattet. Vielmehr dient es als perfekte Tarnung gegenüber Beute und Feinden. Die orangebraune Unterseite lässt ihn auf einem Baum sitzend kaum auffallen, während ihn die türkisfarbene bis dunkelblaue Oberseite seines Gefieders mit der Farbe des Wassers verschmelzen lässt. Eisvogel mit Stichling im Schnabel, Bild: René Schleichardt Auf dem aufsteigenden Ast Lange hatte der Eisvogel mit starken Lebensraumverlusten zu kämpfen bis er im Jahr 1973 zum Vogel des Jahres gekürt wurde. Ab diesem Zeitpunkt wurde viel zu seinem Schutz getan. Nachdem er 2009 noch einmal zum Vogel des Jahres wurde, profitiert er von Renaturierungsmaßnahmen an den Gewässern und folglich auch steigender Wasserqualität in vielen Regionen. Die Populationen von Kleinfischen wie Stichlingen und Weißfischen steigen wieder an. Dies erlaubt es dem Eisvogel mittlerweile auch in urbanere Gebiete zu ziehen. Seit 2020 wird er auf der Roten Liste für Deutschland nicht mehr als gefährdet eingestuft. Erstklassiger Fischer Der Eisvogel ist ein ausgezeichneter Fischer. In seltenen Fällen jagt er wie ein Turmfalke aus dem Rüttelflug heraus, aber in der Regel bevorzugt er die Jagd von einem Ansitz aus. Wippt er auf seinem Ansitz ganz plötzlich mit dem Kopf, hat die Sekunde eines jeden Fotografen und Filmer geschlagen. In diesem Moment justiert er die genaue Position seiner Beute und taucht wenige Sekunden später mit geöffneten Flügeln und Augen ins Wasser ein. Die Sehfähigkeit unter Wasser verdankt er einer Nickhaut auf den Augen, die beim Eintauchen vorgezogen wird. War die Jagd erfolgreich, fliegt der Eisvogel in der Regel zurück zu seinem Ansitz und verspeist den Fisch entweder direkt oder schlägt ihn mit mehreren Hieben am Ast bewusstlos. Hohe Fortpflanzung gegen harte Winter Besonders kalte Winter können für den Eisvogel zur Qual werden. Mit einer dicken Eisschicht auf dem Wasser kann er nicht genügend Nahrung beschaffen. Eisvögel versuchen dieses mit hohen Fortpflanzungsraten auszugleichen. Zwei- bis dreimal im Jahr pflanzen sie sich fort und zeugen in der Regel sechs bis sieben Junge im Jahr. Um eine solche Fortpflanzung gewährleisten zu können, benötigt der Eisvogel jedoch ein geeignetes Territorium. Er benötigt unverbaute Steilufer, in denen er seine Nisthöhlen sicher vor Fuchs, Waschbär und anderen Prädatoren anlegen kann. Auch auf lebendige Flüsse mit sauberem Wasser ist er angewiesen. Fehlender Putzplan Der Eisvogel nistet in bis zu 140 cm langen Nisttunneln, die in einer Nistkammer enden. Die Erstellung kann mehrere Tage dauern. Trotzdem bezieht er für jede Brut ein neues Nest. Das liegt daran, dass ein Eisvogel das Nest nach der Brut nicht säubert. Sind die Jungen flügge geworden, ist der Tunnel in der Regel voller verwesender Fische und ist nicht mehr bewohnbar. Einfache Bestimmung Die Bestimmung des Geschlechts und des Alters ist beim Eisvogel recht leicht. Während weibliche Eisvögel einen orangen Unterschnabel haben, ist dieser bei Männchen dunkel gefärbt. Junge Eisvögel lassen sich recht einfach an den schwarzen Füßen und der hellen Schnabelspitze erkennen. Adulte Eisvögel haben orange Füße und eine Schnabelspitze mit konstanter Färbung. Kein Gesangskünstler Auch wenn er die ein oder andere Lautäußerung von sich gibt, gehört der Eisvogel zu den seltener zu hörenden Vögeln. Am Anfang von meinem zuvor bereits verlinkten Video, hört Ihr das junge Männchen ein lautes “tjiii” von sich geben. Dieser Ruf dient in erster Linie als Lockruf. Bei Aufregung geben Eisvögel auch noch ein raues “khrit-rit-rit” von sich. Ich will auch. Bild: René Schleichardt Unerwarteter Gartenbesucher Als Gartenvögel kommen euch sicher andere Vogelarten in den Sinn. Doch auch der Eisvogel kann durchaus mal auf einen Besuch in euren Garten kommen. Dieses ist vor allem dann der Fall, wenn sich Gewässer wie Teiche oder kleine Flüsse in der Nähe befinden. In besonders strengen Wintern ernähren sie sich sogar an den Vogeltischen. +++
- Wiesenbrüter Teil 1: Kiebitze – gefiederte Luftverteidigung
Hören | Die Frühlingsluft über der weiten offenen Ackerlandschaft ist erfüllt vom Gesang Dutzender Feldlerchen. Abwechselnd flügelschlagend und gleitend überquert ein Mäusebussard die Felder. Plötzlich steigt aus einem nassen Acker mit Maisstoppeln vom Vorjahr eine Gruppe von etwa 15 schwarzweißen Vögeln auf, ihr Ziel ist der Bussard. Mit rasanten abwechselnden Attacken zwingen sie den Greifvogel, die Flugrichtung zu wechseln und die Flucht zu ergreifen. Aufgabe erledigt – die Luftakrobaten gleiten elegant herab und verteilen sich auf dem Stoppelfeld. Kaum gelandet, sind sie schon wieder in der Luft. Wieder schließen sie sich zusammen und blasen mit energischem „kiewitt“ zur Attacke. Das Ziel ist dieses Mal eine Gruppe von Krähen, die schon freiwillig wendet. Kiebitz-Weibchen, Bild: Dr. Martin Steverding Über diesem Acker, der aufgrund des regenreichen Winters und defekter Drainage förmlich abgesoffen ist und in diesem Jahr nicht bewirtschaftet werden kann, haben die Kiebitze absolute Lufthoheit. Ihre enorme Flugkunst und Wendigkeit und ihre Kooperation in der Luftverteidigung machen den Acker zu einer Festung, die von keiner Krähe und keinem Greifvogel betreten, ja nicht einmal überflogen werden kann. Kaum ein Tier wird hier den bereits im März gelegten Eiern und den später daraus schlüpfenden Küken gefährlich. Selbst große Hunde schlagen die kühnen Verteidiger in die Flucht. Dies ist eine Szene aus der Vergangenheit, aus den 1980er-Jahren, als die Felder im Münsterland voll mit Kiebitzen und Feldlerchen waren. 17 Kiebitznester zählte ich damals auf dem kleinen abgesoffenen Maisstoppelfeld. Kiebitze prägten zu dieser Zeit die Kulturlandschaft, die hübschen schwarzweißen Vögel mit dem grünen Metallglanz und der einzigartigen langen Federhaube waren allgegenwärtig. Ihre rasanten Balzflüge kündigten gemeinsam mit dem damals überall zu hörenden Feldlerchengesang etwa Anfang März den nahenden Frühling an. Heute herrscht bedrückende Stille in der Feldlandschaft, man muss lange nach den wenigen noch verbleibenden Kiebitzen suchen. Was ist seitdem passiert? Viele Landwirte und Jäger (die meist beides in einer Person sind) schieben das Verschwinden der Kiebitze gern auf die Krähen und Füchse. Wir erinnern uns an die zu Beginn geschilderte Luftverteidigung: Beutegreifer hatten in Wirklichkeit kaum eine Chance. Es ist nicht nur eine verklärte Erinnerung an bessere Zeiten, sondern eine belegte Tatsache: Die Luftverteidigung der Kiebitze ist hocheffizient. Sie funktioniert so gut, dass alle anderen Bodenbrüter im Umfeld einer solchen Kiebitzkolonie davon profitieren. Voraussetzung ist aber, dass es genügend Kiebitze gibt – so viele, dass sie kleine Brutkolonien bilden können, die den Luftraum und den Boden gemeinsam verteidigen [1]. Die wirklichen Ursachen für den extremen Bestandseinbruch der Kiebitze sind das Verschwinden der Insektennahrung für die Küken durch Überdüngung und Pestizide, Brutverluste durch Bewirtschaftung, verbreitete Mais-Monokulturen (Kiebitze brüten zwar auf Maisfeldern, sie eignen sich aber nicht zur Jungenaufzucht), Verlust der Vielfalt der landwirtschaftlichen Nutzung, Verlust von beweidetem Grünland und nicht zuletzt die Trockenlegung. Weil Kiebitze ziemlich alt werden, spiegelte der Kiebitzbestand die Lebensraumveränderungen verzögert wider. Die Zahl der Brutpaare ging erst dann spürbar zurück, als der Nachwuchs schon mehrere Jahre lang nahezu ausgeblieben war. Heute reicht der Bruterfolg bei weitem nicht mehr für den Bestandserhalt aus, die Kiebitze werden daher bald unweigerlich aus der Kulturlandschaft verschwunden sein. Daran ändert auch die rigorose und vollkommen sinnlose Bejagung von Prädatoren wie Fuchs oder Krähe nichts. Im zweiten Teil berichten wir in Kürze über den vermeintlichen Sinn des sogenannten aktiven Prädatorenmanagements, also die gezielte Beseitigung von Beutegreifern zum Schutz von Wiesenvögeln wie Kiebitz, Brachvogel oder Uferschnepfe. +++ Wiesenbrüter, Teil 2: Prädationsmanagement mit der Waffe nicht zielführend [1] Teunissen, W., C. Kampichler, F. Majoor, M. Roodbergen & E. Kleyhaag (2020): Predatieproblematiek bij weidevogels. Sovon-rapport 2020/41. Sovon Vogelonderzoek Nederland, Nijmegen.
- Wolfsmanagement: Brandenburg täuscht Politik und Öffentlichkeit
Hör mal rein | Hanka Mittelstädt, ehemalige Massentierhalterin und umstrittene Umweltministerin in Brandenburg, führt Politik und Öffentlichkeit mit ihrer Initiative zur Regulierung des Wolfsbestands hinters Licht: Die Politikerin erweckte mit ihrer Rede auf der Sitzung des Bundesrats am 22. März den Eindruck, dass ein Bestandsmanagement von Wölfen zur „effektiven Minderung“ von Schäden in der Nutztierhaltung führen könnte. Dafür gibt es bis dato in Europa und auch in den USA keine Belege. Im Gegenteil: Laut Studien hat die Jagd auf den Wolf in der Slowakei die Risszahlen nicht spürbar verringert.[1] In Slowenien sanken die Risszahlen auch nach 15 Jahren Bejagung nicht.[2] Ebenso wenig in Frankreich. In Spanien hat die Lizenzjagd von Wölfen sogar zu mehr Rissen geführt.[3] In den wolfsreichsten Bundesländern gehen die Risszahlen durch Wölfe zurück. Bild: Michael Hamann Mittelstädt spricht von einer „zunehmenden Zahl von Wolfsrissen bei Weidetieren“ und verdeutlicht das, indem sie Zahlen von 2006 (!) den Daten von 2022 gegenüberstellt. Tatsache ist, dass zwar in den Bundesländern, in denen sich Wolfsrudel erst niederlassen und sich bisher nur wenige Rudel gebildet haben, die Übergriffe auf überwiegend ungeschützte Weidetiere häufen. Die Ministerin verschweigt, dass in den wolfsreichsten Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen die Zahl der Übergriffe auf Weidetiere seit Jahren stagniert oder wie 2024 signifikant zurückgeht . Ihre Behauptung, dass das Nebeneinander von Wolf und Mensch zu erheblichen Akzeptanzproblemen im ländlichen Raum führe, ist ebenfalls widerlegt. Die Savanta-Studie (2023) belegt, dass entgegen den Stimmen der sich als Sprachrohr der ländlichen Bevölkerung gerierenden Bauern- und Jagdverbände die überwältigende Mehrheit der Landbevölkerung in zehn EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, der Meinung ist, dass große Beutegreifer, darunter auch Wölfe, in der EU weiterhin streng geschützt sein und ein Recht auf Koexistenz mit dem Menschen haben sollten.[4] „Nur durch guten Herdenschutz ist ein Zusammenleben von Wolf und Weidewirtschaft möglich“, erläutert Lovis Kauertz, Wildtierschutz Deutschland. „Jagd kann den Herdenschutz nicht ersetzen, im Gegenteil: Herdenschutz funktioniert dort, wo stabile, ungestörte Wolfsrudel leben, die es gelernt haben, dass Zäune weh tun. Diese Wölfe geben ihre Erfahrungen an ihre Nachkommen weiter und halten fremde Wölfe auf Distanz.“ Die „IG Herdenschutz plus Hund“ in Sachsen-Anhalt zeigt, dass effizienter Herdenschutz möglich ist – ohne Jagd auf Wölfe: Seit sechs Jahren haben die beteiligten Weidetierhaltenden mit insgesamt etwa 25.000 Tieren keinen einzigen Riss zu vermelden. +++ Fakten zu den drei wolfsreichsten Bundesländern In Deutschland lebten die meisten der 209 Wolfsrudel zuletzt (Monitoring-Jahr 2023/24) in Brandenburg (58), gefolgt von Niedersachsen (48) und Sachsen (37). Genau in diesen Bundesländern ist die Zahl der Nutztierschäden und der Risse – trotz leicht zunehmender Wolfsdichte und immer noch unzureichender Herdenschutzmaßnahmen – in den letzten drei Jahren rückläufig : In Brandenburg hat die Zahl der Wölfe (ein Rudel hat ca. 8 Tiere) im Monitoring-Jahr 2023/24 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 430 auf 484 Tiere zugenommen (12,6 %). Gleichwohl ist die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere, bei denen der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen wurde, 2024 signifikant von 358 im Vorjahr auf 279 Rissereignisse zurückgegangen – ein Rückgang von 22 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit 2020. Etwa 90 Prozent der Risse betrafen Schafe und Ziegen, gefolgt von Rindern und Gehegewild (hauptsächlich Damwild). Nur bei 12 Prozent der Übergriffe waren die Weidetiere gemäß der vom Landesamt für Umwelt empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen geschützt. Ein ähnliches Bild in Niedersachsen : Zunahme der Anzahl der Wölfe 2023/24 um 18 Prozent von 345 auf zuletzt 407 Tiere (2023/24). Auch hier ist die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere 2024 signifikant zurückgegangen, von ca. 268 Übergriffen im Jahr 2023 auf noch ca. 238 Übergriffe 2024. In Sachsen ist die Anzahl der Wölfe im letzten Berichtszeitraum bis 2024 sogar um 6,2 Prozent zurückgegangen, von 322 auf 302 Wölfe. Ebenso die Rissereignisse: Wurden 2023 noch 274 Übergriffe gemeldet, waren es 2024 nur noch 225. „Es lässt sich festhalten, dass einerseits der Wolfsbestand in den wolfsreichsten Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen nur noch langsam wächst: Im letzten Berichtsjahr nur noch um 8,7 Prozent. Andererseits ist die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere erheblich rückläufig – und zwar ganz ohne (legale) jagdliche Eingriffe,“ so Lovis Kauertz, Wildtierschutz Deutschland. „Das lässt sich insbesondere auf zunehmende, wenn auch oft noch nicht ausreichende, Herdenschutzmaßnahmen zurückführen.“ +++ [1] s. etwa M. Kutal et al.: Testing a conservation compromise: No evidence that public wolf hunting in Slovakia reduced livestock losses; in Conservation Letters, November 2023 [2] Krofel M. et al: Effectiveness of wolf (Canis lupus) culling to reduce livestock depredations, 2011 [3] BN informiert: Der Wolf in Bayern, Bund Naturschutz, 2024 [4] Savanta (2023): Understanding Rural Perspectives. A survey on attitudes towards large carnivores in rural communities.
- Wildtierkalender 2022 - Füchse, Füchse, Füchse
Update 1. November 2021: Der Kalender ist leider ausverkauft. Im nächsten Jahr gibt es neue DIN A3 und DIN A4 Wandkalender. Melden Sie sich hier an , um auf dem Laufenden zu bleiben. Wir haben allerdings noch einen Tischkalender für das kommende Jahr, mit 13 Wildtiermotiven , vom Fuchs bis zum Eichhörnchen. Den erhalten Sie, wenn Sie bereits Fördermitglied sind oder jetzt noch werden. Hier geht es zur Motivauswahl. Zu diesem Wandkalender, der in den Formaten DIN A4 und DIN A3 erhältlich ist, muss man eigentlich nicht viel sagen - außer vielleicht, dass er auf hochwertigem Papier produziert wurde und die außergewöhnlich schönen Bilder in diesem Jahr ausschließlich den Rotfuchs darstellen. Unsere diesjährigen Fotografen sind Timo Litters und Berndt Fischer . Bestellungen können nur noch für den Tischkalender (s.o.) vorgenommen werden. Dort gibt es auch die Preisinformation und weitere Bilder. Der Erlös unserer Kalenderaktion dient - wie immer - der finanziellen Unterstützung von Wildtierstationen. Hier das Januar-Motiv mit Kalendarium












