Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen
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- Jagdgesetz Niedersachsen: Rückzieher auf breiter Front
Hören | Die Androhung einer Demo mit vielen tausend Jägern vor dem Landtag in Niedersachsen hat Wirkung gezeigt. Hoffnungen für die Durchsetzung fortschrittlicher tierschutzrelevanter Änderungen im Landesjagdgesetz Niedersachsen haben sich noch vor Veröffentlichung eines Referentenentwurfs weitgehend verflüchtigt. „Die jetzt verbliebenen Pläne für die Novellierung des Jagdgesetzes sind weit davon entfernt, den Tierschutz bei der Jagd zu stärken. Das Ministerium lässt sich nach wie vor von Jägerschaft und Forstlobby blenden – oder sollte man sagen: erpressen? Die Wählerstimmen jagdaffiner Zielgruppen werden Grüne und SPD auch mit den aktuellen Ideen zum Referentenentwurf nicht gewinnen“, resümiert Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland. „Miriam Staudte hätte die Chance gehabt, einen bundesweit einzigartigen Gesetzesentwurf zu lancieren – diese Chance hat sie vertan.“ Rehe sollen künftig ohne Limitierung gejagt werden dürfen. Erfahrungsgemäß werden davon insbesondere die Landesforsten Gebrauch machen. Sie dürfen ungeachtet von Sozialstrukturen innerhalb der längsten Jagdzeiten für Rehwild in Europa alles abschießen, was ihnen vor die Büchse kommt. Hintergrund ist allein die Rentabilität der Holzwirtschaft zu sichern. Gründe des Klimaschutzes sind vorgeschoben .... in Niedersachsen wie in allen anderen Bundesländern. Bedauerlich ist, dass das von Staudte geleitete Landwirtschaftsministerium nach wie vor flugunfähige Enten zur Ausbildung von Jagdhunden zulässt und auch die Hundearbeit im Wildschweingatter nicht abschafft. Unsere Erfahrung ist, dass sogenannte „brauchbare“ Hunde – das sind Jagdhunde, die eine Jagdprüfung bestanden haben – in der Praxis oft willkürlich und nicht tierschutzgerecht eingesetzt werden. So findet man bei Drückjagden, ob privat oder staatlich organisiert, Jagdhunde, die für diese Arbeit nicht geeignet sind: Langbeinige Hunde, die gesunde Rehe, Hirsche oder Wildschweine hetzen, lautlos jagende Hunde, die Wildtieren jegliche Chance der Flucht verbauen oder nicht kontrollierbare Hundemeuten, die Wildtiere, manchmal auch Weidetiere reißen. Eine weidgerechte und damit tierschutzkonforme Jagd ist so nicht möglich. Beim Rehwild wird die Hegeverpflichtung, die im Jagdrecht einen Ansatz von Tierschutz verankert, gleich ganz abgeschafft. Das bedeutet, dass es der Willkür der Niedersächsischen Landesforsten oder privater Revierinhaber überlassen bleibt, beliebig in die Population und die Sozialstruktur, also quantitativ und qualitativ jagdlich einzugreifen. Das kann zur kompletten Ausrottung von Rehwild in einzelnen Revieren führen, wie wir es aus privaten und staatlichen Jagdrevieren z.B. in Sachsen hören. Es gibt aber auch einen Streif am Horizont: Was vielleicht bleibt, sind Einschränkungen bei der Fallenjagd und bei der Baujagd, möglicherweise auch beim Einsatz von Füchsen beim Jagdhundetraining in Schliefenanlagen. Nach den Plänen des Ministeriums soll es auch nicht mehr erlaubt sein, Hunde zu erschießen und die Zulassung von Jagdgattern soll nach einer Übergangsfrist von fünf Jahren auslaufen. Die minimale Einschränkung hinsichtlich der Tötung von freilaufenden Katzen ist ein Freifahrtschein für den weiteren Abschuss von Katzen. Das Problem streunender und verwilderter Katzen oder auch wildernder Katzen kriegt man so nicht in den Griff. Zielführend im Hinblick auf Katzenschutz und Artenschutz wären das Chippen, Registrieren und Kastrieren aller freilaufenden Katzen. Nicht nachvollziehbar ist, warum Totschlagfallen in jagdlich befriedeten Bezirken nach wie vor für die Tötung von Steinmardern zugelassen werden soll. Vom Steinmarder geht keine Gefahr aus, die nicht auch ohne seine Tötung verhindert werden kann. Nur ein vollständiges Verbot von Totschlagfallen kann Missbrauch und Tierleid reduzieren. Eckpunkte Papier zur Jagdgesetznovellierung Tierschutz-Demo am 30. Januar, Treffpunkt Holzmarkt, 10 Uhr
- Warum teure Pachten zahlen, wenn der Jagderfolg von Wölfen abgeschöpft wird?
Hören | In den sozialen Medien ist derzeit ein offener Brief zu finden, unter dem der Name des Vorsitzenden der Kreisgruppe Cochem-Zell im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz steht. Gerichtet ist das Schreiben an das Präsidium des Landesjagdverbandes, da dieses nicht die Bejagung des Wolfes fordert. Man könnte über die Ballung von Unsinn lachen, wenn es nicht so traurig wäre, wenn es nicht abermals zeigen würde, dass Fakten immer weniger wert sind und Lügen und Diffamierungen immer häufiger als Mittel zum Zweck verwendet werden. Wildtierkalender 2025, Bild: Stefan Suittenpointner Darin heißt es „Wölfe reißen nicht grundsätzlich mit Drosselbiss. Rehe und schwächere Tiere werden lebendig gefressen“. Das ist nur eine von vielen unhaltbaren Behauptungen in dem Schreiben, in dem fast alle typischen Lügen und Halbwahrheiten der Wolfsgegner enthalten sind. „Immer mehr Wölfe erobern Teile des Landes und fressen massiv Rehwild, Rotwild und Muffelwild. (…) Es herrscht eine Totenstimmung in den betroffenen Revieren und das Wild verhält sich völlig verändert“. Später fragt er: „Wer soll denn die Plage reduzieren?“ Also sieht man in Rheinland-Pfalz vor lauter Wölfen keine Bäume mehr? Mitnichten: Im gesamten Bundeland leben zwei Rudel, ein Paar und ein Einzeltier (Monitoringjahr 2023/24, Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf). Wie kaum anders zu erwarten, werden wissenschaftlich erhobene Daten und Fakten in Zweifel gezogen und Verschwörungstheorien gesponnen. „Das Senckenberg Institut stellt seit 20 Jahren sehr oft „Hund“ als Ergebnis fest. (…) Die Verstrickung von Wolfslobbyisten der NGOs [gemeinnützige Organisationen] mit Senckenberg und LCIE [Large Carnivore Initiative for Europe] ist namentlich auch der Geschäftsführung des LJV [Landesjagdverband] bekannt.“ Es ist derzeit eine verbreitete Masche der Wolfsgegner, dem renommierten Institut schlechte Arbeit oder gar Manipulation vorzuwerfen. Es kommt noch besser: „Wolfsrisse kann man ohne DNA-Analyse weitgehend auf Sicht einordnen.“ Eine solche Wissenschaftsfeindlichkeit muss nicht weiter kommentiert werden. Kein Populismus kommt ohne den großen Retter aus. Hier ist es natürlich die Jägerschaft, die uns vor der Plage, bestehend aus 10 bis 15 Wölfen in ganz Rheinland-Pfalz, retten soll: „ Niemand außer der Jägerschaft ist bewaffnet , flächenhaft organisiert und besitzt die wildbiologischen Hintergründe, eine Entnahmeentscheidung zu treffen.“ Er trägt noch dicker auf: „Gerade auf dem Land gehören Jäger zu angesehenen Menschen, die eine wichtige Aufgabe im Tierschutz übernehmen. Mit der Bereitschaft, Wölfe zu jagen, erarbeitet sich die Jägerschaft den Nimbus zu den „echten“ Tierschützern zu gehören“. Echter Tierschutz ist es also, eine Tierart zu reduzieren, die bislang in 95 oder mehr Prozent der Landesfläche gar nicht vorkommt? Meint er das ernst? Mitnichten, denn sein wirklicher Beweggrund ist einige Zeilen früher zu lesen: „Warum sollen teure Pachten gezahlt werden, wenn der Jagderfolg zukünftig von Wölfen abgeschöpft wird?“ Lassen wir diesen Satz einmal auf der Zunge zergehen: Eine heimische Tierart, natürlicher Bestandteil des Ökosystems, soll verschwinden, damit die Jäger Jagderfolg haben? Haben wir nicht Jahrzehnte lang die Argumentation gehört, dass die Jäger die ausgerotteten großen Beutegreifer ersetzen müssten? Gebetsmühlenartig wurde diese Selbstlegitimation vorgetragen, bis der Wolf zurückkam. Aber einen echten Populisten erschrickt das nicht. Er hat immer eine große Mottenkiste bei sich, in der er tief nach Scheinargumenten wühlen kann, hier unter anderem die Tollwut, die Räude und all die anderen Krankheiten, die angeblich von Wölfen übertragen werden. Trotz des tatsächlich vorhandenen Unterhaltungswerts dieses offenen Briefes und der Unmöglichkeit, all den Unsinn ernst zu nehmen, ist dieses Ausmaß an Lügen und Faktenverleugnung erschreckend. Für Populisten – und nichts anderes sind all die lauten Wolfsgegner - zählt Wahrheit eben nicht. +++ Auch lesenswert: Mehr Wölfe - weniger Rehe?
- Fuchsjagd ist während der Paarungszeit im Winter besonders tierschutzrelevant
Hören | Der erste Vollmond des neuen Jahres hellt das dämmrige Licht gegen Abend und in der Nacht auf. Der Januar-Mond wird Eismond oder auch Wolfsmond genannt. Viele Jäger-Kreisgruppen und Hegegemeinschaften rufen ab dem 10. Januar und ab dem 10. Februar zu gemeinschaftlichen Jagden auf den Fuchs auf. So auch im Landkreis Mainz-Ingelheim , dem Sitz unserer Tier- und Naturschutzorganisation. Ziel der als Fuchstage oder Fuchswoche bezeichneten Jagden ist es, innerhalb weniger Tage möglichst viele Füchse zu töten und die auf der mit Würstchen und Bier gefeierten Jagdstrecke zu präsentieren. Einige der gemeinschaftlichen Fuchsjagden ("Fuchswochen, Raubwildwochen, Artenschutzwochen" u.a.) im Januar / Februar 2025 Bemerkenswert ist, dass die Jägerschaft im Raum Mainz und Ingelheim für ihre Fuchsjagden, die nicht nur als Ansitz-, sondern auch als Treibjagd mit Hunden angekündigt sind, Genehmigungen in der ASP-Sperrzone II erhalten haben, während Einschränkungen für andere Personengruppen bestehen bleiben. Im Winter Jagd auf Reineke Fuchs zu machen, ist viel einfacher als zum Beispiel in den Sommermonaten. Immer noch sind Fuchsrüden auf der Suche nach der passenden Fähe: Es ist Paarungszeit. In der Ranzzeit, wie die Jäger sie nennen, sind Füchse ein recht leichtes Ziel. Sie sind weniger aufmerksam und können im Schnee – sofern den gibt – leichter ausgemacht werden. Die gemeinsamen Fuchsansitze werden oft mit revierlosen Jagdausübungsberechtigten oder mit Jägern, die das zu bejagende Revier nicht kennen, durchgeführt. Die kennen auch die dort vorkommenden Füchse nicht, was das Ansprechen des zu tötenden Tieres erheblich erschwert. Vor dem Schuss sollte sich jeder Jäger dessen sicher sein, was er schießt. Nur dann darf er den Finger krumm machen: Ist es ein Fuchs oder Nachbars rote Miez? Ein Rüde oder eine Fähe? Könnte die Fähe schon Nachwuchs haben? In vielen Fällen müsste sich der Schütze enthalten. Wir bezweifeln, dass das oft so ist. Viele Füchsinnen sind jetzt und insbesondere im Februar hochtragend. Emotional berührt Fuchsjäger das nicht. Eine Straftat wird aus dem Abschuss einer Fähe aber, wenn sie bereits Welpen hat. Das kommt hier am Rhein durchaus schon ab Ende Januar vor, was Meldungen aus Wildtierstationen Jahr für Jahr bestätigen. Folgen haben Straftaten der Jägerschaft in der Regel nicht, weil es kaum gerichtsfeste Zeugen gibt. Aber auch die Tötung von bundesweit zigtausenden von Fuchsrüden in den Wintermonaten ist tierschutzrelevant. Die fallen bei der jungen Fuchsfamilie mit einem Wurf von etwa sechs bis acht Welpen als Hauptversorger aus. Die Fuchsväter werden getötet, obwohl sie für die Aufzucht der Jungtiere relevant sind. Die jungen Füchse haben ohne den Fuchsrüden von vornherein geringere Entwicklungs- und Überlebenschancen. [1] Dass viele Jäger schlechte Schützen sind, ist inzwischen bekannt. Das liegt unter anderem daran, dass der Gesetzgeber es zulässt, dass selbst mit miserablen Prüfungsergebnissen im Schießen der Jagdschein erteilt wird. Auch später gibt es zum Beispiel für die Teilnahme an Bewegungsjagden lediglich die Auflage, Übung im Schießen nachzuweisen, nicht aber die Schießleistung. So ist es nicht verwunderlich, dass eine englische Studie nachweist, dass aufgrund der mangelnden Treffsicherheit vieler Jäger auf jeden getöteten Fuchs etwa ein verletzter Fuchs kommt [2]. Die Jägerschaft gibt gerne an, dass die Fuchsjagd erforderlich sei, um den Bestand von Bodenbrütern wie dem Fasan oder dem Rebhuhn und von Feldhasen zu sichern. Das ist wissenschaftlich völlig unbelegt und auch von der Bestandsentwicklung her, gerade der Rote Liste Arten, nicht annähernd nachvollziehbar. So hat sich in Rheinland-Pfalz die Jagdstrecke der Rebhühner von 654 zum Ende des Jagdjahres 2013 auf 168 bis 2023 reduziert. Die Jägerschaft behauptet kaum oder keine Rebhühner mehr zu erschießen. Somit handelt es sich bei den Streckenzahlen hauptsächlich um tot aufgefundene Tiere (sog. Fallwild), die ein gutes Indiz für den weiteren signifikanten Rückgang der Rebhuhn-Population sind. Die bundesweiten Streckenzahlen geben ein ähnliches Bild. +++ Petition gegen die Hobbyjagd zeichnen Fakten zur Fuchsjagd - Fragen und Antworten [1] Vergara, V. (2001): Comparison of parental roles in male and female Red Foxes, Vulpes vulpes, in southern Ontario. Canadian Field Naturalist 115(1), 22-33 [2] Fox, N. et al. (2005): Wounding rates in shooting foxes (Vulpes vulpes). Animal Welfare UK
- Füchse: Grausiger, unendlich trauriger Fund im Wald
Hören | Der 17. Dezember war ein milder, wenngleich grauer Tag. Die Waldwege waren feucht und aufgeweicht. Daher wählte ich für den Mittagsspaziergang mit meiner Hündin einen sonst nicht sehr einladenden Waldweg, der jedoch wegen seiner Schotterschicht erlaubte, trockenen Fußes zurückzukehren. Von dort gelangten wir auf einen Weg, der nach etwa 200 Metern in eine kleine Lichtung mündete. Tiefe Wagenspuren umrundeten diese Lichtung. Von Jägern enthäutete Füchse, entsorgt im Eichenlaub Angekommen fiel mein Blick auf einen am Boden liegenden Unterkieferknochen eines Rehs. Wenige Schritte weiter sah ich den dazugehörigen Schädel auf einem Moospolster am Fuße einer Eiche. Dort legte ich den Unterkiefer dazu und bedeckte beides mit etwas Laub. Später dachte ich, dass mein Unterbewusstsein mich damit hatte ablenken wollen, denn als ich mich umdrehte, tat sich mir ein grausiges Bild auf. Etwa 10 m vor mir lagen eng nebeneinander zwei leblose, enthäutete Tierkörper. Bei näherem Herantreten erkannte ich, dass es zwei Caniden waren, am ehesten wohl Füchse - den makellosen Zähnen nach zu urteilen wohl Jungfüchse. Ihren Körpern hatte man buchstäblich von der Rute bis zum Kopf das Fell über die Ohren gezogen. Der Brustkorb der beiden getöteten Tiere war jeweils von einer großen Schusswunde durchschlagen worden. Wohl um sie besser häuten zu können, hatte man ihnen die Pfoten abgehackt. Wie die beiden da so beieinanderlagen, ihres letzten Schutzes, des Felles, beraubt, erinnerten sie in ihrer Stellung an zwei Kinder, zwei Tierkinder, die aneinander gekuschelt schliefen. Ich war so voller Entsetzen, mein Herz verkrampfte sich, meine Kehle fühlte sich trocken und wie abgeschnürt an. Das grausame Bild von den beiden brutal erschossenen und enthäuteten jungen Tieren, die man bewusst und völlig ohne Respekt auf der Lichtung hatte liegen lassen, einfach weil es bequemer war, hatte sich bereits tief in mir eingebrannt. Auch meine sehr sensible Hündin, die währenddessen in großem Abstand wartete, wirkte wie eingefroren. Angesichts dieses grauenvollen Leids, das die beiden Füchse durchlitten hatten und angesichts dessen, dass man sich nicht mal Zeit genommen hatte, die weggeworfenen Tiere zu begraben, um ihnen damit ein Mindestmaß an Würde zurückzugeben, empfand ich eine unerträgliche Ohnmacht. Das einzige, was ich in diesem Augenblick zu tun vermochte war, die Füchse mit dem Eichenlaub zuzudecken, das ringsherum überall angehäuft war. Ein hilfloser Versuch, die furchtbare Tat und das ignorante Liegenlassen auszugleichen. Zu diesem Zeitpunkt war meine einzige Erklärung für diese Tat und das unzivilisierte Verhalten, dass es sich um Wilderei handeln müsste. Wobei ich mich allerdings fragte, was jemand mit den durch die Schüsse beschädigten Fuchspelzen anfangen könnte. In einem Telefonat mit einer Sachkundigen der hiesigen Nabu-Ortsgruppe wurde mir jedoch versichert, dass es sich um eine bekannte und recht übliche Praxis nach der regulären Fuchsjagd handelte. Zwar würden die erschossenen und für die Jäger ansonsten „wertlosen“ Füchse oft vergraben werden. Es sei aber auch nicht selten, dass man sie in wenig frequentiertem Gelände einfach achtlos liegen ließe. Die Felle hatte der Jäger in diesem Fall trotz der großen Schusswunden wohl doch als wertvoll betrachtet, vielleicht aber auch nur als Trophäe mitgenommen? Das Erlebnis ließ mir keine Ruhe und ich erinnerte mich daran, vor längerer Zeit von Frau Dr. Antje Oldenburg, der Pressesprecherin des Nabu-Kreisverbandes Heidekreis, einen eindrücklichen Artikel gelesen zu haben, in dem sie ein Plädoyer für ein Ende der Fuchsjagd hält. So kam ich in Kontakt mit Frau Dr. Oldenburg, die mir nach Prüfung meiner Fotos durch zwei Sachverständige bestätigte, dass es sich tatsächlich um Füchse mit Schusswunden handelte. Wir waren uns sofort darin einig, dass das stumme und unsägliche Leid der Füchse durch eine bei heutigem Wissen in Frage zu stellende intensive Fuchsjagd in der Öffentlichkeit sichtbar werden sollte. Nicht nur das bloße Töten der Füchse ist fragwürdig. Das Betreiben von Schliefenanlagen - künstlich angelegte Fuchsbaue, in denen man zahme Füchse hält, um an ihnen Jagdhunde zur Baujagd auszubilden - die Jagd am Naturbau selber, die Jagd durch „Lebend“- und Schlagfallen - all diese grausamen und aus wissenschaftlicher Sicht nicht erforderlichen Methoden sind im „Dunkeln des Waldes“ eine wenig bekannte, aber alltägliche Realität. +++ Petition: Hobbyjagd abschaffen
- Kompetenzgruppe Schliefanlagen und Baujagd nimmt Arbeit auf
Hören | In rund 100 Schliefenanlagen in Deutschland leben Füchse, die ausschließlich zur Abrichtung von Jagdhunden für die Baujagd gehalten werden. Nach Aufdeckung gravierender Missstände konnten jüngst in enger Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort Füchse aus Schliefenanlagen in Rhede (NRW), Ufhausen (Hessen) und Kusel (Rheinland-Pfalz) befreit und an Wildtierstationen vermittelt werden. Diese Fälle, über die bereits berichtet wurde, haben erneut auf die erheblichen Tierschutzprobleme bei der Haltung von Füchsen in Schliefenanlagen hingewiesen. Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, die Politik und die Öffentlichkeit besser zu informieren und letztlich ein Ende des Trainings von Jagdhunden an lebenden Füchsen in Schliefenanlagen zu erreichen, wurde die „Kompetenzgruppe Schliefanlagen und Baujagd“ ins Leben gerufen. Die Arbeitsgruppe wird von Wildtierschutz Deutschland, Witas, der Fuchs-Hilfe u.a. unterstützt und setzt sich aus Sachkundigen des bundesweit agierenden Netzwerks Fuchs zusammen. Ziel ist es, die verschiedenen Aspekte rund um Schliefenanlagen und Baujagd in den Blick zu nehmen, bestehende Missstände öffentlich zu machen und alternative, tierschutzgerechte Lösungen mit den Behörden zu erarbeiten. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Zuchtvereine wie der Deutsche Jagdterrierverband oder der Deutsche Teckelklub in ihren Zuchttauglichkeitskriterien Prüfungen am lebenden Fuchs fordern, um die Jagdfähigkeiten der Hunde zu testen. Der Jagdhund muss den eingesetzten Fuchs im Kessel des Gangsystems der Schliefanlage stellen, was für den Fuchs mit erheblichen, auch langfristigen körperlichen und psychischen Belastungen verbunden ist. Zudem sind die Füchse häufig nicht artgerecht in viel zu kleinen Zwingern untergebracht und werden nur mangelhaft versorgt. Eine Stellungnahme der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) belegt eingehend die Rechtswidrigkeit dieser nach wie vor praktizierten Trainingsmethoden.[1] Die Kompetenzgruppe Schliefanlagen und Baujagd fordert – wie auch aktuelle Gesetzesplanungen in Niedersachen – ein Verbot der Abrichtung von Hunden an lebenden Füchsen und die Einführung bereits in anderen europäischen Ländern erprobter, tierschutzkonformer Alternativen. Zudem setzt sie sich für das Ende der tierschutzwidrigen Baujagd auf Fuchs und Dachs ein, die die Konditionierung der Hunde in Schliefenanlagen als obligatorisch erachtet. +++ [1] DJGT (2019) Tierschutzrechtliche Unzulässigkeit von Schliefenanlagen … Infodienst Wildtiere: Baujagd und Schliefenanlagen Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition Kein Jagdhunde-Training mit lebenden Füchsen – Verbot der tierschutzwidrigen Baujagd
- Rechtswidrige Biberabschüsse in europäischen Schutzgebieten an der Oder
Hören | In den brandenburgischen Landkreisen Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Uckermark und im kreisfreien Frankfurt/Oder wurden während des diesjährigen Oder-Hochwassers im September / Oktober nach neuesten Meldungen in Naturschutzgebieten und in europäischen Schutzgebieten 137 Biber rechtswidrig getötet. Der an der Oder vorkommende Elbebiber ( Castor fiber albicus ) ist nach Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU (FFH-Richtlinie) eine streng geschützte Art. Sie genießt damit den höchsten Schutzstatus. Dieser Schutzstatus soll sicherstellen, dass wildlebende Tier- und Pflanzenarten langfristig gesichert werden. Eine Tötung darf nur in extremen Ausnahmefällen erfolgen. Ausnahmen dürfen die Behörden laut § 45 Abs. 7 Bundesnaturschutzgesetz nur erlassen, wenn Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses vorliegen, zumutbare Alternativen nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand der lokalen Population nicht verschlechtert. Die Population der Biber an der Oder wird auf ca. 1.000 Individuen geschätzt. Seitdem in den Medien über die Tötung von etwa zehn Prozent des lokalen Bestandes berichtet wurde, hat Wildtierschutz Deutschland den Fall gemeinsam mit dem BUND Brandenburg aufgearbeitet. Unsere in Auftrag gegebenen Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass die Biberabschüsse einerseits rechtswidrig, andererseits bestandsgefährdend waren und die lokale Population derart beeinträchtigt wurde, dass sich damit der Erhaltungszustand in den betroffenen Lebensräumen erheblich verschlechtert hat. Mit den Biberabschüssen wurden durch die zuständigen Landkreise rechtswidrig vollendete Tatsachen geschaffen, obwohl keine substanziellen Beschädigungen an Hochwasserschutzanlagen vorzuliegen scheinen. Wir fordern, dass die Sicherung der Deiche künftig präventiv durch nicht letale Maßnahmen, wie sie in anderen Vorkommensgebieten von Bibern längst Praxis sind, gewährleistet wird. Das können entsprechende bauliche Maßnahmen an den Deichen sein, wie Stahlnetze, die Grabetätigkeiten wühlender Tierarten, zu denen auch Nutria und Bisam gehören, unterbinden. Aber auch die Anlage künstlicher Rettungshügel auf den Flächen vor den Deichen ist wirkungsvoll.[1] Erfahrungswerte aus über 100 Jahren liegen aus Gebieten an der Elbe vor.[2] Auch ist kontinuierliches Biber-Monitoring zu gewährleisten. Solche Daten wurden uns aus keinem der o.g. Landkreise übermittelt. Aber nur so lässt sich überhaupt einschätzen, welche Auswirkungen ein Eingriff in die Population hat. Der Landkreis Uckermark räumt unumwunden ein, dass die Bestände dort nicht einmal erhoben werden. Zur Einordnung der Auswirkungen von vor Hochwasser ausweichenden Bibern muss außerdem differenziert werden zwischen dem vergleichsweise harmlosen Anlegen einer flachen Mulde (Sasse), das lediglich die Grasnarbe öffnet, und tatsächlichen, die Deiche oder wasserbaulichen Anlagen verändernden Grabeaktivitäten der Tiere. Der Biber zieht es vor in einer Sasse zu warten, bis er seinen ursprünglichen Bau wieder beziehen kann. Nur in seltenen Fällen, wie etwa bei anhaltenden Minusgraden oder über sehr lange Zeiträume bei konstant hohen Wasserständen, tritt ein Verhalten auf, das die Hochwasserschutzanlagen, sofern sie nicht mechanisch geschützt sind, schädigen kann.[3] +++ Hintergrundpapier zu den rechtswidrigen Bibertötungen 2024 an der Oder [1] Schumacher, A., P. Ibe & K.-H. Jährling (2012): Informationen zu Biber- und Wildrettungshügeln in den rezenten Flussauen. Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe, Referenzstelle für Biberschutz Sachsen-Anhalt und Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt. [2] Ebd., und Nitsche, K.-A. (2003): Biber ( Castor fiber L .) und Hochwasser: Verhalten, Maßnahmen für den Biberschutz und Hochwasserschutz. [3] Biosphärenreservat Mittelelelbe: Biber und Deichschutz. Vgl Schuhmacher 2012, s. Anm.1.
- Nur eine Rakete? Gedanken zu Silvester ...
Hören | So ein Feuerwerk, das ist schön anzusehen - das denken zumindest die meisten. Doch können wir uns - im Hinblick auf unser Ökosystem - so ein Feuerwerk überhaupt leisten? Über die allgemein steigenden Kosten und die Gas- und Strompreise wird tüchtig gemeckert, aber wenn es um Silvester geht, da wird geklotzt und nicht gekleckert. Petition zeichnen Ja, eben drum, sagst Du, Du hast ja sonst nichts zu lachen, da willst Du wenigstens Feuerwerk machen? Und außerdem findet Dein Kind es so schön, die Raketen am Himmel zu sehen? Nur eine Rakete - was soll so schlimm daran sein? Nur eine Rakete - bloß für den schönen Schein! Nur eine Rakete - ach komm, lass mir den Brauch! Nur eine Rakete - das bisschen Schall und Rauch! So werden über 180 Millionen Euro in der Silvesternacht in die Atmosphäre geschossen, und wohl genauso viel an Alkohol sinnlos versoffen. Das bedeutet für Feuerwehr, Polizei und Krankenhauspersonal eine stressige Nacht, denn wer besoffen mit Sprengstoff spielt, hat schnell einen Großbrand entfacht, ein paar Finger verloren oder nur noch ein Rauschen in den Ohren. Mehr als 40 000 Tonnen Feuerwerk regnen in einer Nacht als Müll auf die Erde nieder, finden sich in Böden und Gewässern und später als Mikroplastik in unserem Nahrungskreislauf wieder. Raketenreste sind Sondermüll und nicht mehr recyclebar, enthalten Chemikalien und Schwermetalle - noch mehr Müll, na wunderbar. Über 2000 Tonnen gesundheitsschädlichen Feinstaub blasen wir an Silvester in die Luft, und somit auch in unsere Lungen, denn wir atmen ihn ein, diesen giftigen Duft. Unzählige Tiere leiden in der Silvesternacht große Qualen oder finden gar den Tod. Sich auf Kosten anderer Geschöpfe zu amüsieren, tut das denn Not? Täglich verschwinden gerade über 100 Arten für immer von unserem Planeten - und die Übriggebliebenen beschießen wir mit Raketen? Das Artensterben ist weit fortgeschritten und das Leben spinnt ein feines Netz. Viele dieser Schnüre haben wir bereits zerschnitten und das Ökosystem ist sehr komplex. So hängen auch wir am seidenen Faden und es liegt an uns, ob er reißt oder hält. Darum will ich Dich noch einmal fragen, auch wenn Dir die Frage nicht gefällt: Nur eine Rakete? +++ Bitte zeichnen Sie auch unsere Petition für ein friedliches Silvester für Tier und Mensch ohne Böller
- Mutiger Vorstoß in Niedersachsen: Verbot der Ausbildung von Jagdhunden am lebenden Wildtier
Hören | Einzigartig und mutig ist die Initiative der grünen Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte in Niedersachsen: Als erste Ministerin bringt sie die Abschaffung der nicht tierschutzkonformen Ausbildungs- und Trainingsmethoden von Jagdhunden mit lebenden, flugunfähig gemachten Enten, mit Wildschweinen im Wildschweingatter und mit Füchsen in Schliefenanlagen in einen Referentenentwurf zur Gesetzesvorlage. Auch die Haltung, z.B. von Füchsen in Schliefenanlagen soll damit künftig untersagt sein. Außerdem soll die Baujagd zumindest im Naturbau verboten sein, ebenso der Abschuss von Hunden und Katzen und die Verwendung von Totschlagfallen. Leider setzt sie auch auf die Abschaffung der Rehwild-Abschussplanung, die bisher eine weitgehende Erhaltung der Sozialstruktur bei dieser Tierart gewährleistet. Forderung "Schliefenanlagen schließen" 2023 vor dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium Wildtierschutz Deutschland und andere Tier- und Naturschutzorganisationen setzen sich seit langem dafür ein, dass tierquälerische Jagd- und Ausbildungsmethoden abgeschafft werden. Ähnlich umfangreiche Gesetzesinitiativen hinsichtlich der seit langem kritisierten Jagd- und Ausbildungsmethoden hat es bisher in Deutschland nicht gegeben. In Niedersachsen gibt es nach unserem Kenntnisstand mindestens 12 Jagdterrier- oder Teckelklubs, die Füchse zum Training mit Jagdhunden halten – meist unter Missachtung der Mindestanforderungen des Säugetiergutachtens. In Dänemark und Norwegen ist es bereits üblich, mit elektronischen Fuchsattrappen im Bauhundetraining zu arbeiten. Die Jägerschaft beruft sich darauf, dass sie eine „tierschutzgerechte“ Jagdausübung mit den Hunden gewährleisten will. Wildtierschutz Deutschland hat immer wieder öffentlich gemacht, dass weder das Jagdhundetraining mit Füchsen noch die Baujagd tierschutzgerecht sind, weder für den eingesetzten Hund noch für die während der Paarungs- und Setzzeit in ihrem Rückzugsort im Bau überfallenen Füchse. Auch bei der Jagd mit „brauchbaren“ Hunden fällt seit Jahren auf, dass bei Drückjagden auf Rehe, Wildschweine oder Hirsche eine tierschutzgerechte Jagdausübung, wie die Jägerschaft sie wahrhaben will, nicht gegeben ist. Das Label „brauchbar“ erhält der Jagdhund nach einer abgelegten Prüfung. Dennoch kann auf die meisten Hunde während der Drückjagd nicht eingewirkt werden. Es werden langbeinige Hunde eingesetzt, die das Wild hetzen, ganze Hundemeuten, die Wildtiere reißen und stumm jagende Hunde, die Wildtieren ohne Fluchtchance nachstellen. Die „Arbeit“ mit Wildschweinen im Wildgatter bewirkt allenfalls, dass die Hunde noch mehr Schärfe entwickeln. Der Einsatz einer mit Manschette flugunfähig gemachten Ente führt bei der Wasservogeljagd in vielen Fällen zum Tod der Ente. Die Jägerschaft ruft bundesweit zum Protest in Hannover auf. In ihrem Narrativ deklarieren sie tierquälerische Jagd- und Ausbildungsmethoden kurzum zu tierschutzgerechter Jagdausübung. Tausende von Jägern werden in Hannover am 30. Januar ab 10 Uhr erwartet. Eine Gruppe von Gegendemonstranten aus der Tierschutzszene wird sich zur gleichen Zeit in der Innenstadt am Holzmarkt treffen. „Vor über 20 Jahren war es eine rot-grüne Koalition, die den Tierschutz als Staatsziel in das Grundgesetz brachte. Miriam Staudte könnte als Mitglied der rot-grünen Landesregierung in Niedersachsen ebenfalls Geschichte schreiben, wenn es ihr gelingt, ihren Referentenentwurf gemeinsam mit der SPD in ein novelliertes Jagdgesetz zu überführen,“ führt Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland aus. +++ Tierschutzdemo am 30. Januar 2025, um 10 Uhr am Holzmarkt in Hannover 2024 02 Infodienst Wildtiere - Baujagd 2024 03 Infodienst Wildtiere - Schliefenanlagen
- Helgoland, die Kinderstube für Kegelrobben im Winter
Die Kegelrobbe, mit ihrem beeindruckenden Erscheinungsbild und ihrer massiven Körpergröße, ist Deutschlands größtes Raubtier und wird bis zu 350 kg schwer. Ihr Name leitet sich von der charakteristischen, kegelförmigen Kopfform und ihren Zähnen ab. Der wissenschaftliche Name lautet Halichoerus grypus , und sie gehört zur Unterordnung der Robben (Pinnipedia) sowie zur Überfamilie der Hundsrobben (Phocidae). Aussehen und Unterschiede zwischen den Geschlechtern Männliche Kegelrobben sind dunkel gefärbt und haben helle Flecken. Sie wiegen rund 300 kg und erreichen eine Länge von etwa 230 cm. Weibchen hingegen sind heller und tragen dunklere Flecken. Sie sind mit ca. 150 kg und einer Länge von 190 cm deutlich kleiner. Jede Kegelrobbe besitzt ein einzigartiges Fleckenmuster, dass sie unverwechselbar macht. Kommunikation und Gehör Kegelrobben haben ein hervorragendes Hörvermögen und nutzen ein komplexes Repertoire an Lautäußerungen, die in unterschiedlichen Frequenzbereichen liegen. Sie gebrauchen sowohl Nase und Maul, erzeugen aber vor allem unter Wasser Vibrationen, die sich als Schallwellen fortpflanzen. Einige Laute dienen der innerartlichen Kommunikation, z.B. um Weibchen anzulocken oder vor Feinden zu warnen. Die Vielzahl der Lautäußerungen und ihr Zweck sind noch wenig erforscht. Sie empfangen hauptsächlich tiefe Frequenzen, damit reagieren sie besonders sensibel auf Schiffslärm. Schnelle Schwimmer und ausdauernde Taucher Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 35 km/h gehören Kegelrobben zu den schnellen Schwimmern. An Land können sie immerhin noch bis zu 20 km/h erreichen. Pro Tag können sie im Wasser erstaunliche 100 Kilometer zurücklegen. In extremen Fällen tauchen sie bis zu 400 Meter tief. Unter Wasser bleiben sie bis zu 30 Minuten. Ihre Lebensdauer liegt zwischen 20 und 40 Jahren, erst mit viereinhalb Jahren erreichen sie die Geschlechtsreife. Fortpflanzung und Geburt Nach einer zweimonatigen Keimruhe entwickelt sich der Embryo im Mutterleib über 9 Monate. Während der Fortpflanzungszeit bilden Kegelrobben kleinere Kolonien, die von einem dominanten Männchen verteidigt werden. Zu einem Männchen gehören im Durchschnitt sechs Weibchen. Revierkämpfe an den Stränden sind dabei keine Seltenheit und blutige Bisswunden kommen vor. Die Geburt findet zwischen November und Januar statt, und die Robbenbabys werden mit der fettreichsten Muttermilch aller Säugetiere (53 Prozent Fettgehalt) etwa drei Wochen lang versorgt. Sie kommen mit einem Geburtsgewicht von 13 kg und einer Größe von etwa1m zur Welt. Nach gerade einmal 14 Tagen haben sie schon ein beachtliches Gewicht von bis zu 50 kg erreicht. Diese Wonneproppen tragen in den ersten fünf Wochen ein weiches, weißes Woll-/ Lanugofell, das sie warm hält, aber kein „Schwimmanzug“ ist. Diesen bekommen sie nach dem ersten Fellwechsel. Jetzt sind die Jungen bereit, selbstständig im Wasser zu jagen. Herkunft und Verbreitung auf Helgoland Kegelrobben sind – dank Jagdverboten und den Rückgang von Umweltgiften – an Helgolands Stränden seit den 1990er Jahren heimisch. Die erste Geburt einer Kegelrobbe auf der Insel wurde 1996 verzeichnet. Die Tiere sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der FFH- Richtlinie eine streng geschützte Art. Auch nach der Helsinki- Konvention (HELCOM) unterliegen die Robben einem besonderen Schutz. Dies führt dazu, dass die Tiere sich seit einigen Jahren wieder erfolgreich vermehren. Besonders bemerkenswert ist, dass 2023 auf Helgoland ein Rekordjahr war, in dem knapp 800 Robben geboren wurden – ein echtes Erfolgserlebnis für den Schutz der Tiere. Lebensweise und Herausforderungen Kegelrobben benötigen täglich etwa acht bis zehn Kilogramm Fisch, um ihren Energiebedarf zu decken. Ihre dicke Speckschicht hilft ihnen, die kalten Gewässer des Nordens zu überstehen. Doch die Tiere stehen auch vor Herausforderungen. Ihre natürlichen Feinde sind vor allem Orcas und Haie, doch die größten Bedrohungen gehen von den Umweltbedingungen und vom Menschen aus. Verschmutzung der Meere, Fischernetze und Überfischung setzen den Robben zu. Im 20. Jahrhundert wurden Kegelrobben durch den Menschen als Nahrungskonkurrenten fast ausgerottet. Zudem führte die Belastung durch Schadstoffe wie PCB und DDT in den 1950er bis 1970er Jahren zu Fortpflanzungsstörungen. Erst Anfang der 1990er Jahre besserte sich die Reproduktionsfähigkeit der Weibchen, nachdem PCB und DDT verboten wurden. Helgoland ist in der Tat ein eindrucksvolles Beispiel für gelungene Koexistenz zwischen Mensch und Tier. Die Rückkehr der Kegelroben zeigt, wie durch gezielte Maßnahmen und respektvolle Zusammenarbeit eine harmonische Balance geschaffen werden kann. Gemeinsame Kommunikationsprozesse auf der Suche nach Lösungen und Bürgerbeteiligung sorgen für mehr Akzeptanz. So lassen sich Konflikte vorbeugen. Die Initiative, einen Metallzaun am Südstrand der vorgelagerten Düne zu errichten, sorgt nicht nur für den Schutz der Robben, sondern ermöglicht es den Menschen auch, einen uneingeschränkten Blick auf das faszinierende Naturschauspiel zu werfen. Der Panoramaweg am Nordstrand fördert ebenso das Verständnis und die Wertschätzung für das Leben der Kegelrobben und lädt zu einer respektvollen Beobachtung in Helgolands Kinderstube ein. Das Engagement der Ranger, die den Bestand überwachen und Aufklärungsarbeit leisten, spielt eine entscheidende Rolle bei der Sensibilisierung der Besucher. Helgoländer Kinder lernen bereits im Kindergarten, dass die niedlichen Kegelrobben mit ihren großen Kulleraugen sehr gefährlich werden können, wenn ein ausreichender Sicherheitsabstand (30m) nicht eingehalten wird. Erst kürzlich habe ich die einzige Hochseeinsel besucht und durfte das Naturspektakel aus nächster Nähe betrachten. Für mich war es sehr berührend zu sehen, wie die Tiere miteinander kommunizieren, die Bullen um die wieder paarungsbereiten Weibchen werben, wie sie Streitigkeiten miteinander austragen, wie sie sich paaren und wie liebevoll die Mütter mit ihrem Nachwuchs umgehen. All das habe ich auf der Düne erleben können, dazu brauchte ich mich sich nicht einmal vom Fleck wegbewegen. Wieder einmal habe ich gespürt, welche Überraschungen die Natur für uns bereithält. Wieder einmal bin ich unendlich dankbar für all` das Schöne, was sie für uns bereithält. Wieder einmal habe ich das Bedürfnis, etwas von dem zurückzugeben, womit wir beschenkt werden. Für mich steht fest, diese erstaunliche Insel werde ich auch im kommenden Kegelrobbenwinter besuchen. +++ Quellen: Der Helgoländer; Verein Jordsand e.V. Nachtrag: Trotz Jagdverbot jedes Jahr hunderte getöteter Robben Obwohl die Jagd auf Seehunde seit 1974 verboten ist, werden jedes Jahr hunderte von kranken, verletzten oder verlassenen Robben, die bei entsprechender Therapie hätten gerettet werden können, erschossen. Diese Praxis ist in Deutschland erlaubt und wird als Teil des „Robben-Managements“ angesehen, welches in fester Hand der Jägerschaft und deren Lobby ist. Kommen Veterinäre einem Meeressäuger zur Hilfe, wird dies von der Jägerschaft als Wilderei gewertet. Hunderte verletzte, verlassene oder an Lungenwürmern erkrankte Tiere konnten schon vom Robbenzentrum Föhr erfolgreich gerettet und therapiert werden. Trotz der möglichen Rettung der Tiere pochen die Jägerschaft und die zuständigen Ministerien auf die Tötung. Retter und behandelnde Tierärzte werden immer wieder wegen „Wilderei“ angezeigt. +++ Quelle: Robbenzentrum Föhr
- Neuer Infodienst Wildtiere für politische Entscheidungsträger
Hören | Gemeinsam mit dem Bund gegen Missbrauch der Tiere, der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht und dem Deutschen Tierschutzbund haben wir im März eine erste Ausgabe des „Infodienst Wildtiere“ herausgebracht. Diese jeweils etwa drei Seiten umfassende Information wird sich der vielen kritischen Tier- und Naturschutzthemen rund um die Jagd annehmen. Zu den Zielgruppen des Infodienstes Wildtiere gehören Abgeordnete in Bund und Ländern, zuständige Mitarbeiter in den Ministerien und ausgewählte Behörden. Der Infodienst erscheint voraussichtlich zunächst sechs bis acht Mal pro Jahr. Für die Aufnahme in den Verteiler senden Sie bitte eine E-Mail an info@wildtierschutz-deutschland.de , Betreff: Infodienst Wildtiere. Das Thema unseres ersten Infodienstes ist die Nachtjagdtechnik: Nachdem in Baden-Württemberg, Niedersachsen und zuletzt in Schleswig-Holstein bei der Bejagung von als invasiv eingestuften Säugetierarten und weiteren von Jägern als Raubwild bezeichneten Tierarten, wie etwa dem Rotfuchs, Nachtsicht- bzw. Wärmebildtechnik zugelassen wurde, werden Forderungen von Jagdverbänden laut, die auch in anderen Ländern zuzulassen. Das betrachten wir sowohl aus der Sicht des Tier- wie auch des Naturschutzes als kritisch bzw. nicht zielführend. Warum Nachtjagdtechnik weder der Reduzierung von Wildtierbeständen noch dem Naturschutz dient, erläutern wir ausführlich in unserer ersten Ausgabe von Infodienst Wildtiere : 2024 01 Infodienst Wildtiere - Nachtjagdtechnik 2024 01 Infodienst Wildtiere - Bayern-Spezial Nachtjagdtechnik 2024 01 Infodienst Wildtiere - Brandenburg-Spezial Nachtjagdtechnik 2024 02 Infodienst Wildtiere - Baujagd 2024 03 Infodienst Wildtiere - Schliefenanlagen
- „Totmacher“ in deutschen Wäldern – warum Tiere bei Drückjagden besonders leiden
Hören | Wenn der Wald lichter wird, finden zwischen November und Januar wieder verstärkt Drückjagden statt. Meist werden dabei Wildschweine, Rehe oder Hirsche gejagt. Die Drückjagd ist eine Bewegungsjagd, bei welcher etliche Treiber mit ihren Hunden das Wild aufscheuchen und den Jägern vor die Büchsen „drücken". Ziel ist es, möglichst viele Tiere zu töten. Durch den Einsatz von Treibern und von hochläufigen Hunden oder gar (nicht kontrollierbare) Hundemeuten flüchtet das Wild häufig in Panik. Gezielte, wohlüberlegte und tödliche Schüsse sind oft nicht möglich. Nicht nur weil die Tiere hochflüchtig sind, sondern auch weil viele der oft mehreren Dutzend Jäger keine ausreichende Schießpraxis haben und das Schießvermögen auch keiner regelmäßigen Prüfung unterzogen wird. Wenn die Jagdevents dann auch noch kommerzialisiert und an Jäger aus allen Teilen der Republik und dem grenznahen Ausland verkauft werden, kommt es zwangsläufig zu tierschutzwidrigen Szenen. Opfer einer Drückjagd im Schwarzwald Wildtierschutz Deutschland verweist auf diverse Publikationen*) und den Arbeitskreis Wildtiere und Jagd der TVT – Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz. Hier erfährt man, dass bei Drückjagden nur etwa ein Drittel der Tiere sofort durch Blattschuss getötet werden. Viele Tiere weisen Bauchschüsse, Rückenverletzungen, Schüsse in Gliedmaßen auf oder werden erst gar nicht gefunden. Rehe wiesen in einer Untersuchung bei etwa 30 % der männlichen und 60 % der weiblichen Tiere Bauchschüsse auf. Weniger wissenschaftlich, aber nicht weniger deutlich sind die Kommentare von Wildvermarktern: Die berichten, dass bei Drückjagden nicht selten bei zehn Rehen – ein erwachsenes Tier wiegt 20 bis 30 kg - insgesamt nur 20 kg des Wildbrets verwertet werden können, der Rest ist zerschossen oder aufgrund des Leids der Tiere und dem damit verbunden Ausstoß von Stresshormonen verdorben. Wer das Fleisch dennoch verwertet, veräußert es meist als Wildgulasch. Nicht selten werden bei diesen Events Jungtieren, insbesondere Frischlingen, aber auch dem Rotwild (Hirsche) ihre Eltern weggeschossen. Durch das dichte Fell der Wildschweine und die schnell zu treffende Entscheidung zum Schuss wird immer wieder nicht erkannt, dass es sich um ein Muttertier handelt. Beim Rotwild werden durch den enormen Jagdstress die Kälber von den Müttern getrennt, sodass der Schütze nicht erkennt, dass das sogenannte Alttier ein Kalb führt. Kritiker dieser Art zu jagen, darunter zunehmend aus den Reihen der Jäger, vertreten wie Wildtierschutz Deutschland die Meinung, dass Drückjagden weder weidgerecht noch tierschutzrechtlich tragbar sind. Ein Unding ist es, noch im Januar Drückjagden auf das sogenannte Schalenwild durchzuführen. Wildschweine haben bereits Junge, die großen Pflanzenfresser sind aufgrund des Nahrungsmangels im Winter in einem Energiesparmodus. Jeder Stress vergeudet Energien, die für das Überleben im Winter essenziell sind. +++ *) Dipl.-Vet. med. Stefan Suhrke, Sonderdruck „Wildbrethygiene“, Krug (unveröffentlicht) Lesen Sie auch: Jagd als rechtsfreier Raum - zur Absurdität der Waidgerechtigkeit Staatsforste - Jagd außerhalb der Gesetze
- Zwei ganz unterschiedliche Biberreviere in Rheinland-Pfalz
Hören | Der Blick auf die aktuelle Verbreitungskarte des Bibers in Rheinland-Pfalz macht Freude: Der Baumeister und Landschaftsarchitekt ist auf dem Vormarsch. Wie an einer Perlenschnur reihen sich die Bibernachweise aneinander: Unter anderem an der Nahe und ihrem Nebenfluss aus dem Hunsrück, dem Simmerbach [1 – Verbreitungskarte]. Zwei Biberreviere [2 – Artportrait Biber]genau in dieser Region, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, habe ich kürzlich besucht: Biberreviere an der Nahe Oberhalb von Bad Kreuznach rauscht die Nahe durch ein enges und steiles Tal. Weinbau in Steillagen und trockene Felshänge mit mediterraner Vegetation prägen diesen Flussabschnitt. Die Anwesenheit des Bibers ist eher unauffällig, hier und dort sieht man einen angenagten oder gefällten Baum. Es gibt aber keinen Damm und keine Burg. Der Prallhang einer Kurve der Nahe, also die Seite, gegen die das schnell strömende Wasser drückt, besteht aus purem Fels – keine Chance, hier einen Bau oder eine Burg anzulegen. Anders der Gleithang im Strömungsschatten, er besteht aus angelagerten Sedimenten und ist zwar deutlich weniger steil, aber hoch und steil genug, um dort einen Bau zu graben. Allerdings ist davon nichts zu sehen, nur die Fressplätze mit lauter blankgeschälten Zweigen und Ästen, sowie der fast durchgenagte Stamm einer großen Silberweide verraten die Anwesenheit der Biber. Abends sind sie dann plötzlich da, wie aus dem Nichts. Vier auf einen Blick konnte ich mit der Wärmebildkamera beobachten. Wenn es die Uferbeschaffenheit zulässt, bauen die Biber einen Erdbau mit einem unter Wasser liegenden Eingang und einen oder mehreren Kesseln oberhalb der Wasseroberfläche, verborgen im Boden. Von außen sieht man davon nichts. Die Biber an der Nahe haben alles was sie brauchen: Der Fluss ist tief genug, damit der Baueingang stets unter Wasser liegt und damit die Biber ihre Nahrungsgründe schwimmend erreichen können. Einen Damm müssen sie hier nicht bauen. Biberreviere am Simmerbach Am Rand des Städtchens Simmern im Hunsrück liegen neben dem Simmerbach zwei künstlich angelegte Teiche, der eine wird Simmersee genannt. Direkt daneben fällt auf dem ersten Blick eine überschwemmte Landschaft auf, in der zahlreiche absterbende und tote Bäume stehen. Das Wasser steht dort so hoch, dass es herüber in einen der beiden Teiche strömt. Flaches Wasser, Röhricht, Weidenbüsche und nasse Wiesen bilden ein abwechslungsreiches Mosaik ganz unterschiedlicher Lebensräume. Mittendrin fällt ein hoher Haufen aus Ästen und Schlamm auf – eine Biberburg. Zahlreiche Stockenten, Zwergtaucher und ein Eisvogel lassen an diesem Novembertag erahnen, wie viel Leben hier im Frühling und Sommer sein muss. Mit Sicherheit leben hier neben einer Fülle von Vogelarten zahlreiche Amphibien, Libellen, wahrscheinlich Ringelnattern und vieles mehr. Dieses wertvolle Feuchtgebiet haben die Biber geschaffen, sie haben im Simmerbach einen soliden Damm von fast 1 ½ Meter Höhe errichtet und eine See- und Sumpflandschaft gestaltet. Der wenige Meter breite und im Sommer ziemlich flache Simmerbach war den Bibern nicht groß genug, um einen Bau mit Unterwassereingang anzulegen und auf dem Wasserweg an die Nahrungsgründe zu kommen. So haben die Biber das Gewässer nach ihrem Geschmack vergrößert. Es gibt hier keine Böschung, wo die Biber einen Erdbau graben können, weshalb sie eine oberirdische Burg aus Knüppeln und Schlamm errichtet haben, deren Eingang bibertypisch unter Wasser liegt. Im Simmerbach leben eine ganze Reihe von Biberfamilien, die mehrere Dämme und Stauteiche angelegt haben. Diese sind nicht nur überaus artenreiche Lebensräume, sondern sie sind ein natürlicher Hochwasserschutz. Sie bremsen das Wasser im Oberlauf des Baches ab, bei starken Niederschlägen oder Schneeschmelze fließt es langsamer talwärts, wird teilweise zurückgehalten. Wenn einmal wieder alle Täler von Bibern besiedelt sind, werden unzählige Dämme und Stauteiche die Wucht des Wassers bremsen und helfen, uns vor den Fluten zu schützen. +++ [1] Verbreitungskarte des Bibers in Rheinland-Pfalz [2] Artportrait Biber Biber in Not an der Oder in Brandenburg












