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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

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  • Offener Brief zu einem WDR-Filmbeitrag zur Fuchsjagd des NABU am Niederrhein

    Sehr geehrte Damen und Herren, im Rahmen eines Beitrags über die landesweite Freigabe der Baujagd in der WDR-Fernsehsendung „Westpol“ am 4.2. hat sich Dietrich Zerrs von der NABU-Naturschutzstation Niederrhein für eine Intensivierung der Fuchsjagd ausgesprochen. Was will der NABU? Ein Verbot der Fallenjagd oder mehr Schonzeit für den Fuchs? Bild: Timo Litters Uns vom Aktionsbündnis Fuchs, einer bundesweiten Initiative von bereits mehr als 50 Organisationen aus dem Tier- und Naturschutzbereich mit dem Ziel einer bundesweiten Vollschonung des Rotfuchses, hat diese Positionierung sehr verwundert und irritiert. Herr Zerrs hat mit seinen Aussagen nach unserer Einschätzung erheblichen Schaden angerichtet: Davon abgesehen, dass seine These, mit flächendeckender Fuchsjagd könne bedrohten Arten geholfen werden, auch inhaltlich längst widerlegter Unfug ist, redet er einer weiteren Schwächung des Tierschutzes in der Jagdgesetzgebung das Wort - wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, zu dem von Jägerseite gezielt auf eine Rückabwicklung der vom Ökologischen Jagdgesetz eingeführten Verbesserungen hingearbeitet wird. Leider hat der WDR Herrn Zerrs Positionierung zudem zum Anlass genommen, über eine – in puncto Fuchsjagd ganz gewiss nicht gegebene – Spaltung der Tierschutzbewegung zu fabulieren. In seinem Positionspapier zur Jagd spricht der NABU sich ja bekanntlich keineswegs für eine Ausweitung der Fuchsjagd aus, sondern im Gegenteil für eine deutliche Ausdehnung der Schonzeiten sowie ein vollständiges Verbot der Fallen- und Baujagd. Auch die NABU-Naturschutzstation Niederrhein schreibt auf ihrer Website, dass die Reduktion von Beutegreifern mit dem Ziel, bedrohte Arten zu schützen, „aus Tierschutzsicht fragwürdig und praktisch undurchführbar“ sei. Wir möchten den NABU NRW daher um eine öffentliche Klarstellung bitten, in der zum Ausdruck kommt, dass es sich bei den Aussagen von Herrn Zerrs um eine Einzelmeinung handelt, die der Verbandsposition eklatant widerspricht. Wir freuen uns auf Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen, Aktionsbündnis Fuchs Mehr über Füchse gibt es hier.

  • Fuchsjagd ist nicht mehr als die Befriedigung eines perversen Hobbys

    Fuchsjagd ist sinnlos und grausam, sie ist nicht mehr als die Befriedigung eines perversen Hobbys. Sie zerstört Sozialgefüge, führt dazu, dass die durchschnittliche Lebensdauer eines Fuchses etwa zwei Jahre beträgt und erhöht das Krankheitsrisiko der Tiere. Eine nachhaltige Reduzierung der Bestände findet nicht statt. Die Jagd führt unter den verbleibenden Füchsen vielmehr zu Leid und Elend, sie ist nichts als Tierquälerei. Seit einigen Wochen rufen Hegeringleiter wieder zu sogenannten Fuchswochen auf! Über den Zeitraum einiger Tage sollen Jäger gemeinsam und revierübergreifend dem Fuchs „nachstellen“. Das geschieht zu einer Zeit, in welcher die Fuchsrüden um die Gunst der Fähen, der weiblichen Tiere, werben. Niemals ist der Fuchs so unvorsichtig wie während der Paarungszeit – die Jäger sprechen von der „Ranz“ – auch wegen der Spuren im Schnee ist Reineke dann für den Jäger eine leichte Beute. Während dieser Zeit sind aber auch viele Fähen schon schwanger – mit der Konsequenz, dass später im Jahr zahlreiche Jungtiere verhungern, weil der Rüde nicht mehr zur Ernährung beitragen kann; er ist tot. Das vermeintliche Ziel ist die Reduzierung des Fuchsbestandes. Den Fuchs will man klein halten. Man behauptet einfach, dadurch würde man Krankheiten unter den Tieren vorbeugen und Restbestände von Rebhühnern oder (ausgesetzten) Auerhähnen und Birkhühner zu schützen. Forschung und Wissenschaft kommen zu anderen Schlüssen. Die Jagd begünstigt hohe Fuchsbestände und hat keinen oder nur marginalen Einfluss auf den Bestand von Bodenbrütern. Entgegen der Behauptungen von Jägern spielen auch vom Fuchs ausgehende Krankheiten für den Menschen und sein Umfeld kaum eine Rolle. Die Tollwut ist ausgemerzt, die Wahrscheinlichkeit sich über den Fuchsbandwurm zu infizieren ist weitaus geringer als ein Sechser im Lotto. Zwei vielbeachtete Studien aus 2017 belegen erneut, dass die Jagd hinsichtlich der Prävention von Tierkrankheiten kontraproduktiv ist. Da wo intensiv gejagt wird, sind viel mehr Füchse mit dem Fuchsbandwurm befallen, als in jagdfreien Revieren. Auf der anderen Seite ist dort, wo der Fuchs unbejagt ist, auch das Risiko für den Menschen, sich über die Zecken die Lyme-Borreliose zu holen, geringer. Die Jagd ist letztlich auch ein Krankheitsrisiko für unbeteiligte Menschen. Wildtierschutz Deutschland ist der Meinung, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, Füchse zu jagen. Wir halten es für moralisch zutiefst verwerflich, diese anmutigen Tiere letztlich nur zu töten, nur um seinen Spaß gehabt zu haben. Lebende Zielscheiben - keine nachhaltige Reduzierung der Fuchsbestände, Bild: Thorsten Emberger Nachfolgend u.a. einige Fundstellen aus der Forschung: Bestandsregulierung: Durch den jagdlichen Eingriff in den Fuchsbestand wird dieser keineswegs reduziert. Jäger erreichen dadurch lediglich, dass die durchschnittliche Anzahl der Nachkommen von verbleibenden Fähen etwa dreimal so hoch ist, wie in unbejagten Revieren. Im Nationalpark Bayerischer Wald - hier werden Beutegreifer nicht bejagt - liegt der durchschnittliche Nachwuchs pro Wurf bei 1,7 Welpen (Quelle: Stürzer , S. / Schnaitl, M. (2009): Rotfuchs und Dachs – Raumnutzungsverhalten und Habitatwahl, Wissenschaftliche Schriftreihe Heft 18, Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald). Hinzu kommt, dass leergeschossene Reviere schnell durch zugewanderte Füchse besetzt werden. Damit einher geht das Risiko des Einschleppens von Krankheiten. Die Fuchsjagd destabilisiert das Sozialgefüge des vorhandenen Fuchsbestandes und führt im Hinblick auf das Ziel Bestandsreduzierung allenfalls dazu, dass im kommenden Jahr wieder genauso viele Füchse in heiterer Runde abgeknallt werden können. Ein kontinuierlicher Verzicht auf die Fuchsjagd würde dagegen zu einer langfristig stabilen und gesunden Fuchspopulation führen – der als Fuchsexperte geltende Biologe Erik Zimen beschrieb das Phänomen der füchsischen Geburtenregulierung mit den Worten "Geburtenbeschränkung statt Massenelend". Comte et al. beschreibt in einer 2017 veröffentlichten Studie, dass in einem fast 700 qkm großen Gebiet innerhalb von vier Jahren bei intensiver Jagd der Bestand der Füchse nicht reduziert werden konnte. Durch Einwanderung in durch die Jagd frei gewordene Reviere und durch höhere Geburtenraten wurden sämtliche Verluste kompensiert. Tollwut: Deutschland gilt als frei von terrestrischer Tollwut. Da sich kein Tollwuterreger in den Fuchsbeständen befindet, kann dieser sich auch nicht mehr verbreiten. Das Argument, die Jagd könne durch Bestandsregulierung die erneute Ausbreitung der Tollwut verhindern, ist nicht nur deshalb falsch, sondern auch weil mittels der Jagd eine dauerhafte Bestandsregulierung nicht stattfindet, die Sozialgefüge der Füchse zerstört werden, die Bestände anfällig für Krankheiten werden. Fuchsbandwurm: Es gibt nicht einen wissenschaftlich haltbaren Beleg dafür, dass sich die Jagd positiv auf die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm auswirkt. Das Gegenteil der Fall, da das Risiko der Einschleppung durch infizierte Füchse in leergeschossene Reviere besteht (siehe oben) und Jungtiere anfälliger für den Befall mit dem Fuchsbandwurm sind. Auch das belegt die o.g. Studie von Comte et al. Nach vier Jahren intensiver Jagd ist die Befallsquote mit dem Fuchsbandwurm von anfangs 40 % auf 55 % gestiegen. Der Fuchsbandwurm kann dauerhaft nur durch Entwurmung auf fast Null reduziert werden (FH Weihenstephan / TU München). Ende einer Fuchswoche in Baden-Württemberg, Bild: Bianka Pelli Der Fuchs als vermeintliche Gefahr für Bodenbrüter – es gibt einige wenige Beispiele dafür, dass auf sehr kleinem, abgeschlossenem Territorium (z.B. Friesische Inseln) die Fuchsjagd mit großem Aufwand neben der intensiven Biotop-Pflege zu geringerer Prädation von Bodenbrüterbeständen geführt hat. In aller Regel jedoch hat die Bejagung des Fuchses fast überhaupt keine Auswirkung auf die Prädation von Bodenbrütern. Hierzu und zur Bestandreduzierung von Prädatoren im Allgemeinen finden sich bei Langgemach, T. & J. Bellebaum 2005 zahlreiche Belege: "Diese Schwierigkeiten auf Inseln deuten an, wie viel schwieriger es auf dem Festland bei uneingeschränkter Zuwanderung ist, Raubsäuger zu reduzieren. Die Ausbreitung und rapide Bestandszunahme von Marderhund und Waschbär wurden auch durch eine Bejagung ohne Schonzeit nicht ansatzweise verhindert, wahrscheinlich nicht einmal verlangsamt." "Für den Fuchs nehmen HEYDON & REYNOLDS (2000) an, dass die in Großbritannien üblichen Formen der Bekämpfung, die deutlich weiter gehen als die deutschen Jagdmethoden, die Dichte regional begrenzen können. Nach HEWSON (1986) dagegen konnten vergleichbare Methoden die Fuchsfamiliendichten in einem schottischen Gebiet nicht verringern." "Auch bei Zahlung von Abschussprämien an Jäger ließen sich tollwutfreie Fuchsbestände nach der Erfahrung in verschiedenen Ländern nicht nachhaltig reduzieren (z. B. Schweiz: KAPHEGYI & BREITENMOSER 1995; Australien: ANONYMUS 2003)." "In anderen Ländern ist mehrfach versucht worden, zumindest lokal die relevanten Prädatoren zu dezimieren, wobei die meist jagdlich motivierten Maßnahmen die Vernichtung einer möglichst großen Zahl potenzieller Nesträuber (v. a. Raubsäuger und Rabenvögel) unabhängig von deren Anteilen an Nestverlusten anstrebten, z. B. in der nordamerikanischen Prärie (SARGEANT et al. 1995; SOVADA et al. 2001) oder in England (z. B. TAPPER et al. 1996). Die meisten Maßnahmen konnten wenigstens die Bruterfolge steigern, aber nur selten die Brutbestände im darauffolgenden Frühjahr (Übersicht: CÔTÉ & SUTHERLAND 1997)." "An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins hat die Fuchsbejagung in Schutzgebieten die Präsenz von Füchsen nicht merklich verringert. Auf dem Graswarder blieb z. B. die Prädation auf Gelege und Jungvögel der Sturmmöwe unverändert hoch (KUBETZKI 2002). Am Bottsand wurden Erfolge nur erzielt, wenn gleichzeitig ein Elektrozaun betrieben wurde (BEHMANN 1998)." "In Deutschland fanden Versuche zur Fuchsreduzierung bisher gewöhnlich mit Hilfe der örtlichen Jagdpächter statt. Trotz gesteigerter Abschüsse in Projektgebieten wurden aber keine oder nur kurzfristige Erfolge erzielt. Auch bei intensiver Kooperation mit den Jägern und Zahlung von Prämien über zehn Jahre in zwei Trappenschongebieten in Brandenburg ließen sich keine messbaren Veränderungen der Prädationsverluste erzielen (SCHWARZ et al. 2005)." Mehr Artikel über Füchse

  • Mehr Wölfe - weniger Rehe?

    Zur Rechtfertigung der Jagd wird immer wieder auf die vielerorts fehlenden großen Raubtiere wie Luchs, Braunbär und Wolf verwiesen, die man zu ersetzen hätte. Doch diese auf den ersten Blick einleuchtende Logik entspricht nicht der Realität und ist zugleich der Grund für viele Irrtümer und ein falsches Verständnis von Räuber-Beute-Beziehungen. Wolf und Luchs beanspruchen sehr große Reviere. Gemessen an der Fläche des Reviers ist die Zahl der Beutetiere, die ein Wolfsrudel dort reißt, aber vergleichsweise gering. Generell kann man davon ausgehen, dass der Einfluss vorhandener Raubtiere den Bestand der jeweiligen Beutetiere zu weniger als 10 % beeinflusst. Beispiel Luchs: ein Luchs reißt pro Jahr im Mittel etwa 60 Rehe, die Größe seines Reviers liegt bei 80 bis 200 Quadratkilometer, beim männlichen Tier sogar bis zu 400 Quadratkilometer. Selbst wenn wir jetzt ein mit 100 qkm eher kleines Revier für unsere Beispielrechnung annehmen, ergibt sich dabei ein Nahrungsbedarf von 0,6 Rehen pro Quadratkilometer und Jahr.1 Ein Jäger erlegt pro Quadratkilometer und Jahr jährlich 5-10 Rehe, also ein Vielfaches dessen, was der Luchs entnimmt. Eine Regulierung des Rehbestands durch Luchse ist daher völlig unmöglich. Der Wolf hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Bestände von Rehen, Hirschen, Wildschweinen. Bild: Michael Hamann Beispiel Wolf: Nicht viel anders verhält es sich bei einem Wolfsrudel, das zwar deutlich mehr Tiere im selben Zeitraum erbeutet, das Ganze relativiert sich aber wieder durch die größere beanspruchte Fläche, die ein Wolfsrudel dem Luchs gegenüber hat. So ist auch in der Wolfsregion Lausitz kein merklicher Rückgang der Rehbestände seit Wiederansiedelung mehrerer Wolfsrudel zu beobachten: „In keinem der sächsischen Landkreise... ist es durch das Erscheinen der Wölfe zu einem Rückgang der Jagdstrecke der Schalenwildarten Reh-, Rot- und Schwarzwild gekommen.“ 2 Und das gilt nicht nur für Wolf und Luchs, sondern für alle Beutegreifer gleichermaßen. Vom Fuchs bis hin zu den größten Raubtieren der Erde, egal ob an Land oder unter Wasser. Der Bestand jeder Tierart wird reguliert durch Nahrungsknappheit, durch klimatische Bedingungen (Winterhärte, Trockenheit, Regen) und Krankheiten. Natürliche Feinde spielten und spielen dabei keine wesentliche Rolle. Das ist auch der Grund, warum der Bestand der größten Landraubtiere niemals überhand genommen hat. Denn auch sie sind denselben natürlichen Regulationsmechanismen unterworfen. Oder um es vereinfacht auf den Punkt zu bringen: Nicht die (tierischen) Jäger regulieren die Beute, sondern die Beute reguliert den (tierischen) Jäger. Warum wir Wolf und Luchs trotzdem brauchen: seit jeher fallen den Beutegreifern bevorzugt alte, kranke und schwache Tiere zum Opfer. Kein menschlicher Jäger beherrscht diese Selektion sowie der Hetzjäger Wolf. Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Fuchs sind quasi die Fitnesstrainer ihrer Beutetiere. Sie erbeuten kranke und reaktionsschwache Tiere und tragen so dazu bei, dass sich die Gene der starken Tiere fortpflanzen. Bild: Berndt Fischer Damit halten Wolf und Luchs den Beutetierbestand gesund und fit, der Ausbreitung von Krankheiten wird vorgebeugt. Durch die Aufnahme von verendeten Tieren und Aas beseitigen sie potentielle Krankheitsüberträger. Und die Anwesenheit von Beutegreifern sorgt dafür, dass sich die Beutetiere besser verteilen, sich weniger zusammenrotten, aufmerksamer, vorsichtiger und heimeliger werden. Man spricht dabei auch von „Dispersionsdynamik“. Dadurch mag zwar für uns der Eindruck entstehen, als wenn mit Wiederkehr der Wölfe die Zahl der Rehe abgenommen hätte. Tatsächlich allerdings lernen sie wieder, sich besser zu verstecken. Quellen: 1 zum Luchs 2 zum Wolf Lesen Sie auch: Über das Zusammenleben von Wölfen mit Ihre Beutetieren

  • Forderung: Ministerium für Tierschutz

    Brief herunterladen, bearbeiten, versenden (Brieftext auch am Ende dieses Artikels) Wer kümmert sich heute in der Politik eigentlich um das Thema Tierschutz? Das Umweltministerium? Doch eher nicht. Frau Klöckner, die Landwirtschaftsministerin? Kein Kommentar. Für ein von Nutzungsinteressen freies Tierschutzministerium. Bild: Detlef Hinrichs Sind wir mal ehrlich: Man kann doch den Eindruck haben, dass sich für den Tierschutz kaum eine Sau interessiert. Politik wird doch weitgehend über die Nutzungsinteressen unterschiedlicher Gruppierungen definiert. Da sind die Landwirte, denen der Profit über dem Tierwohl steht, die Forstleute, die ihre Holzäcker mit einer zweifelhaften Wald-vor-Wild-Strategie schützen wollen, Forschungseinrichtungen, die Mäuse, Haustiere und Primaten in umstrittenen Tierversuchen verbrauchen, oder last but not least eine Jägerschaft, die aus Langeweile Millionen von Wildtieren erschießt. Fragen tun sich auf bei der Haltung von Tieren im Tierpark, im Zirkus, auf der Kirmes, auf der Rennbahn, in Tierheimen oder Wildtierpflegestellen. Jetzt tut sich vielleicht eine Chance auf: Es sieht so aus, als hätten Bündnis90/Die Grünen nach den Bundestagswahlen 2021 wieder gute Chancen Regierungsverantwortung zu übernehmen. Ich denke, wir als Tierschützer sollten diese Situation nutzen, um dem Tierschutz ab der kommenden Legislaturperiode mehr politisches Gewicht zu verleihen. B90/Die Grünen erreichen - zumindest gefühlt - sehr viele Wählerinnen und Wähler nicht, weil der Tierschutz nicht mehr als Kernthema dieser Partei wahrgenommen wird. Gleichwohl bin ich davon überzeugt, dass der Tierschutz ein wichtiges Differenzierungsmerkmal für diese Partei sein kann und darüber ein signifikanter Prozentsatz von Menschen gebunden werden kann. Um dem Tierschutz die ihm zustehende politische Gewichtung in unserem wohlhabenden Land zu geben, ist es unseres Erachtens an der Zeit ein von Nutzungsinteressen weitgehend freies Ministerium für Tierschutz einzurichten. In einem weiteren Schritt kann man sich dann überlegen, wie man den Tierschutz auch in der Verfassung z.B. gegenüber den wirtschaftlichen Interessen aufwertet. Um diese Ziele anzugehen, möchten wir einen gesellschaftlichen Diskussionsprozess auf den Weg bringen. In einem ersten Schritt haben wir die Bundesvorsitzenden von B90/Die Grünen, den Vorstand, den Fraktionsvorsitz und die Mitglieder der Bundesarbeitsgruppe Tierschutz aufgefordert sich dieser Diskussion zu stellen. Was Sie tun können, um die Forderung nach einem Ministerium für Tierschutz zu unterstützen: Anschreiben an Annalena Baerbock und Robert Habek (B90/Die Grünen) hier hochladen Absender im Briefkopf eingeben Ausdrucken, eintüten, frankieren, mit der Post versenden Oder per E-Mail: annalena.baerbock@gruene.de und robert.habeck@gruene.de Brieftext: Das grüne Tierschutzministerium Sehr geehrte Frau Baerbock, sehr geehrter Herr Habeck, für viele Menschen stehen bzw. standen Die Grünen immer auch für das Thema Tierschutz. Schließlich war es auch Ihre Partei, die maßgeblich an der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel gearbeitet hat. Heute gewinnen Bündnis90/Die Grünen insbesondere über die Themen Umwelt und Klima einen wesentlichen Zuwachs aktueller und potentieller Wähler. Gleichwohl gibt es wohl einen signifikanten Prozentsatz von Menschen, die sich von Ihrer Partei abwenden, weil sie den Eindruck haben, dass Sie insbesondere nicht mehr die Interessen des Tierschutzes in seinen vielfältigen Facetten vertreten. Ich denke durchaus, dass der Tierschutz im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl ein wichtiges Differenzierungsmerkmal für Ihre Partei sein könnte, welches das Potential hat, einen signifikanten Teil der Wählerschaft für Sie zu binden. Fakt ist zumindest, dass vielen Wählerinnen und Wähler der Umgang mit Tieren in der Landwirtschaft, bei der Jagd, in der Forschung, im Zirkus, in Zoos, im Tierheim oder daheim wichtig ist und sie eine entsprechende Gewichtung dieses Themas in der Politik vermissen. Um dem Tierschutz die ihm zustehende politische Gewichtung in einem prosperierenden Staat wie Deutschland zu geben, ist es unseres Erachtens an der Zeit ein Ministerium für Tierschutz einzurichten und den Tierschutz künftig auch in unserer Verfassung gegenüber wirtschaftlichen und Nutzungsinteressen zu stärken. Ich würde mich freuen, wenn Sie dieses Thema in Ihren Diskussionen aufgreifen könnten, mit der Zielsetzung eine Win-Win-Situation für Tiere, Menschen und Ihre Partei zu schaffen. Mit freundlichen Grüßen, +++ Anschrift: Frau Annalena Baerbock Herrn Robert Habeck BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Platz vor dem Neuen Tor 1 10115 Berlin Optional auch an (gleiche Anschrift): Marc Urbatsch, Michael Kellner, Jamila Schäfer, Ricarda Lang – Mitglieder Bundesvorstand Natascha Werning, Robert Porzel, Marie-Luise Thierauf, Philipp Gall – Bundesarbeitsgruppe Tierschutzpolitik Kathrin Göring-Eckhardt, Anton Hofreiter – Fraktionsvorsitzenden Bund

  • Die Angst vor dem großen bösen Wolf – oder: Die Macht der Hysterie

    Ein Wolfsbiss geistert durch die Medien und schürt Hysterie. Aber der Wolf war gar keiner. Das bestätigen nun DNA-Tests. Die Hysterie jedoch bleibt. Wie in so vielen gesellschaftlichen Debatten, deren Faktengrundlage sich im Nachhinein als falsch herausstellt. Vor einigen Jahren führte ich ein Interview mit dem bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke. Darin ging es unter anderem darum, wie wichtig in kriminalistischen Dingen die Unvoreingenommenheit ist. "Wer einen Tropfen mit einer rötlichen Flüssigkeit am Tatort findet und diese Flüssigkeit vor einer Analyse als Blut bezeichnet, der fliegt sofort aus meinem Team", sagte Benecke damals. Ein Satz, der sich mir eingeprägt hat. Insbesondere dann, wenn es um wichtige Dinge wie Leben oder Tod geht, um Dinge, die Ängste schüren und die Emotionen hochkochen lassen, ist es wichtig, in der Bewertung von vermeintlich Eindeutigem einen kühlen Kopf zu bewahren und prüfend hinzuschauen. Genau das geschah im Fall des vermeintlichen Angriffs eines Menschen durch einen Wolf in der vergangenen Woche nicht. Der Umgang mit Fakten ist hierbei symptomatisch für die mangelhafte Disziplin des Denkens und das Schüren von Ängsten, wie sie inzwischen in weiten Teilen der Gesellschaft erschreckend verbreitet sind. Der niedersächsische SPD-Umweltminister Lies zu den eindeutigen Befunden: "Er habe sich ein anderes Ergebnis der Tests erwünscht". Bild: Pixabay Was war passiert? Im niedersächsischen Dorf Steinfeld war laut einer Pressemeldung der zuständigen Polizeiinspektion Rotenburg vom 28.11.2018 um 15:54 Uhr am Vormittag des Vortags ein Gemeindearbeiter von einem Wolf verletzt worden. Der 55-jährige Gemeindearbeiter habe kniend an einem Zaun auf dem Friedhof gearbeitet, mit seiner Hand nach hinten gefasst und plötzlich festgestellt, dass ein Wolf danach schnappte. Mit einem Hammer habe er nach dem Tier geschlagen, welches verletzt weggelaufen sei – ebenso wie drei weitere Wölfe, die das Geschehen aus einiger Entfernung beobachtet hätten. Das Erlebnis scheint für den Mann nicht besonders traumatisch gewesen zu sein und auch seine Verletzung war anscheinend nicht sonderlich schwerwiegend, denn erst am nächsten Tag (also nach einem vollen Arbeitstag) begab sich der Mann in ärztliche Behandlung. Laut Weser Kurier meldete der Arzt den Vorfall den Behörden. Am Nachmittag folgte die Pressemeldung der Polizei. Spannend ist die Frage, wann und wie aus den vom Gemeindearbeiter gesehenen Tieren Wölfe wurden. Gegenüber der Rotenburger Kreiszeitung "hatte der Mann die Tiere als drei weiße und ein schwarzes beschrieben, sie dabei aber nicht als Wölfe bezeichnet". Laut Wolfsexperten eine Farbgebung, die es unwahrscheinlich erscheinen lässt, dass die Tiere Wölfe waren, da der hiesige Wolf grau ist. Später war in mehreren Medien auch zu lesen, der Mann habe die Tiere lediglich als "wolfsähnlich" bezeichnet. Obwohl die Identität des vermeintlichen Täters also keineswegs eindeutig geklärt war, ließ die Pressemeldung der Polizei keinerlei Zweifel an selbigem erkennen: "Gemeindearbeiter durch Wolf verletzt". Ein massiver Verstoß gegen zentrale Regeln kriminalistischer Arbeit. Wenigstens um ein "mutmaßlich" hätte die Meldung ergänzt werden müssen. Inzwischen hat die Polizei Rotenburg ihren Fehler eingesehen, die Pressemeldung gelöscht und sich dafür entschuldigt. Doch das hat kaum jemand wahrgenommen, denn die unbedachte Pressemeldung hat eine Hysteriewelle losgetreten, die durch nachträgliche Richtigstellungen nicht mehr zu bändigen ist. Während einige Medien die Polizeimeldung immerhin mit einem "anscheinend" oder "offenbar" garnierten, um damit aufzuzeigen, dass noch nicht sicher feststeht, ob es sich bei dem Tier um einen Wolf gehandelt hat, wurde die Meldung in Jäger- und Viehwirtschaftskreisen begeistert aufgenommen und unhinterfragt hochgepusht. Bereits seit geraumer Zeit gibt es in diesen Kreisen eine lautstarke Lobby, die sich für den Abschuss der streng geschützten Wölfe stark macht und deshalb bemüht ist, Ängste vor dem Wolf zu schüren. Dass Jäger, die um ihre Jagdtrophäen fürchten, den Wolf als Gefahr für den Menschen dämonisieren, gehört hierbei ebenso zum Spiel wie die vermeintliche Tierliebe, die Schafbesitzer an den Tag legen, wenn sie darauf hinweisen, dass der große böse Wolf flauschige kleine Schäfchen grausam zerfleischt. Wobei freilich verschwiegen wird, dass es auch den Schafbesitzern letztlich nur darum geht, ihren flauschigen kleinen Schäfchen unter fragwürdigen Umständen in noch fragwürdigeren Schlachthäusern die Kehlen durchschneiden zu lassen, um aus ihnen Profit zu machen. Emotionalisierung und das Schüren von Hysterie, um eigene Ziele und Interessen voranzubringen. Ein Spiel, das aus Politik und Wirtschaft wohlbekannt ist. Inzwischen liegen die Ergebnisse der DNA-Proben vom Hammer, vom Friedhofszaun sowie vom Pullover des Gemeindearbeiters vor, in den das Tier gebissen haben soll: Auf dem Hammer wurde weder DNA von einem Hund noch von einem Wolf gefunden. In den Speichel- und Haarproben vom Pullover wurde DNA von Hund und Katze gefunden, in den Haaren vom Zaun Reh-DNA. In allen Proben gab es keinerlei Nachweis für die DNA eines Wolfs. Die Wissenschaft hat also wieder mal dazu beigetragen, einen Fall zu klären. Möchte man meinen. Doch der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies ist allem Anschein nach nicht in der Lage, die Ergebnisse der DNA-Untersuchung richtig einordnen zu können. Sein Kommentar zu den Testergebnissen: "Ich hätte mir ein eindeutigeres Ergebnis gewünscht. Wir hatten uns Klarheit erhofft, ob Hund oder Wolf Verursacher waren, um zielgerichteter agieren zu können. Wäre ein Wolf festgestellt worden, dann wäre eine Tötung unumgänglich gewesen. Klar ist, dass wir jetzt weitere Erkenntnisse brauchen. Hinweisen auf freilaufende Hunde in der Umgebung muss nachgegangen werden. Ich habe bereits ein intensiviertes Wolfsmonitoring vor Ort beauftragt, um mehr Informationen über das in der Gegend ansässige Rudel zu bekommen. Außerdem habe ich heute eine Ad-hoc-Besenderung auf den Weg gebracht." Natürlich kann anhand der Ergebnisse des DNA-Tests nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass vielleicht doch ein Wolf im Spiel war. Ebenso wenig kann anhand dieser Ergebnisse ausgeschlossen werden, dass ein Waldkobold den Gemeindearbeiter in die Hand gebissen hat oder der Umweltminister persönlich, denn es können natürlich immer irgendwo Spuren sein, die nicht entdeckt werden. Doch so funktioniert nirgendwo auf der Welt kriminalistische Arbeit. Es ist festzuhalten, dass keinerlei Beweise gefunden wurden, die auf einen Wolf als Verursacher der Bissverletzung hinweisen. Ein eindeutigeres Ergebnis ist nicht möglich. Statt dies jedoch deutlich herauszustellen und die Gemüter zu beruhigen, schürt der Umweltminister weiter die Wolfshysterie, indem er nachweislich unbescholtenen, ehemaligen Tatverdächtigen Fußfesseln anlegen lässt, um sicherzugehen, dass sie wirklich nichts Böses anstellen. Und was bleibt von der ganzen Geschichte hängen? Dass ein Mann vom Wolf gebissen wurde. Denn das ist die Schlagzeile, die bei Eltern die Rotkäppchen-Angst aktiviert, die emotionalisiert und sich auf diese Weise einprägt. Die Nachberichterstattung über das Ergebnis der DNA-Untersuchung ist hingegen weitaus weniger einprägsam und verbreitet sich entsprechend schlechter. So bleibt die Wolfshysterie nach den jüngsten Ereignissen bis auf Weiteres erhöht. Ohne jeglichen sachlichen Grund. Dank eines Kommunikationsfehlers und der politischen Unfähigkeit zur Deeskalation. Zutaten, die sich in gesellschaftlichen Debatten immer wieder ganz fantastisch zur Hysterie kneten lassen. +++ Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Humanistischen Pressedienstes. Hier der Artikel in der ursprünglichen Veröffentlichung.

  • Dortmunder Jagd & Hund: Trophäenjäger raus

    Auf Europas größter Jagdmesse ‚Jagd & Hund‘ in Dortmund bieten jedes Jahr über 150 Aussteller Trophäenjagdreisen ins Ausland an. Natur- und Tierschutzorganisationen appellieren eindringlich an SPD und CDU, Angebote von Trophäenjagdreisen auf der Jagdmesse außen vor zu lassen. Die Jagd auf gefährdete und geschützte Arten wie Eisbären, Nashörner, Elefanten und Löwen wird an den Messeständen über Preislisten, Sonderangebote, Jagdvideos und Fotos erlegter Tiere beworben. „Als ein Hauptumschlagplatz für Jagdreisen trägt die Dortmunder Messe Mitverantwortung für den Ausverkauf bedrohter Wildtiere. Dieses ‚Geschäft mit der Lust am Töten‘ ist ethisch und aus Sicht des Artenschutzes absolut inakzeptabel. Es ist höchste Zeit, solche Angebote zu verbieten“, erklärt Daniela Freyer von Pro Wildlife. Als alleinige Gesellschafterin der Westfalenhallen Unternehmensgruppe Dortmund GmbH hätte der Stadtrat die Entscheidungsbefugnis, diese Forderung umzusetzen. Trophäenjäger sollten weltweit geächtet werden. Deutschland erlaubt die Einfuhr von Trophäen international geschützter Arten. Dortmund empfängt diese gesellschaftliche Randklientel (noch) mit offenen Armen. Bild: Berndt Fischer Oppositionskandidaten unterstützen Verbotsforderung Thomas Westphal, Oberbürgermeister-Kandidat SPD: „Ich denke, dass ein Ausschluss der Bewerbung von Jagden auf gefährdete Arten (…) nochmals geprüft werden sollte. (…) Hier haben wir auf der einen Seite ganz klar die Interessen der Dortmunderinnen und Dortmunder an einem stabilen Messegeschäft, an Arbeitsplätzen in einer Stadt, die jeden Job braucht, und auf der anderen Seite die Interessen des Tierschutzes von gefährdeten Arten. (…) Mein Vorschlag (…) wird sein, zu Beginn der neuen Ratsperiode eine neue Ethikkommission einzurichten, der die Politik und Verwaltung in solchen Fragen transparent berät.“ Christiane Krause, stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende: „Wir vertrauen darauf, dass die entsprechenden gesetzlichen Regelungen eingehalten werden. Ein Anlass, die Messe als Wirtschaftsunternehmen in ihrem Handeln einzuschränken, wird nicht gesehen.“ Peter Köhler, Kreisgeschäftsführer BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: „Wir unterstützen das Anliegen von Tierschutzorganisationen, zukünftig auf der Messe ‚Jagd & Hund‘ oder bei anderen Messeprogrammen in den Westfalenhallen keine Anbieter mehr von Trophäenjagden zuzulassen.“ Utz Kowalewski, Oberbürgermeister-Kandidat DIE LINKE: „Die Linke in Dortmund lehnt Trophäenjagden generell ab. Das schließt auch die Vermarktung im Rahmen der Messe Jagd & Hund in den Dortmunder Westfalenhallen ein. Wir haben deshalb den Antrag im Rat gestellt, künftig auf ein derartiges Angebot im städtischen Messezentrum zu verzichten. Leider gab es dafür keine Mehrheit – beim Geld hört offensichtlich die Moral der Ratsmehrheit auf.“ Michael Kauch, Oberbürgermeister-Kandidat FDP: „Trophäenjagd auf geschützte Arten, die auf dem afrikanischen Kontinent teilweise stattfindet wäre tierschutz- und jagdrechtlich in Deutschland nicht zulässig. (…) Wir werden uns daher in der neuen Wahlperiode des Rates dafür einsetzen, dass die Westfalenhallen als städtisches Unternehmen keinen Raum mehr für die Vermarktung von Trophäenjagdreisen nach Afrika bieten. +++ Hintergrund zur Trophäenjagd Alleine in Afrika gehen jedes Jahr mehr als 18.000 Ausländer auf Großwildjagd und töten dabei mehr als 100.000 Wildtiere, darunter bedrohte und geschützte Arten wie Elefanten, Geparde, Leoparden und Nashörner. Während der Handel mit Produkten dieser Tiere verboten ist, können Jagdtrophäen trotz des strengen Schutzstatus mit behördlicher Einfuhrgenehmigung legal nach Deutschland importiert werden – zum privaten Vergnügen. Denn für Jagdtrophäen gelten spezielle Ausnahmeregelungen. Deutschland ist weltweit der drittgrößte Importeur für Jagdtrophäen international geschützter Arten, alleine 2019 wurden Trophäen von 750 Tieren eingeführt, darunter Körperteile von Elefanten, Löwen, Nashörnern, Eisbären und Affen. Weil die Trophäenjagd tier- und artenschutzrechtlich nicht zu rechtfertigen ist, haben einige Länder bereits Einfuhrverbote erlassen: Frankreich stoppte 2015 als erstes EU-Land die Einfuhr von Löwentrophäen, 2016 erließen die Niederlande ein Einfuhrverbot für Trophäen aller geschützten Tierarten. Die Regierung von Großbritannien erarbeitet derzeit ein Einfuhrverbot und in Belgien haben im Juli 2020 zwei Parteien einen entsprechenden Antrag gestellt. Trophäenjagd ist weder „Artenschutz mit der Flinte“ noch trägt sie zum „Erhalt eines gesunden Tierbestandes“ bei, wie Jagdorganisationen gerne behaupten. Trophäenjäger konkurrieren untereinander um besonders herausragende Trophäen – oft von bedrohten Arten. In der Regel haben sie es auf die stärksten, erfahrensten und für die Arterhaltung wichtigsten Individuen abgesehen. Verschiedene Studien belegen, dass diese unnatürliche Auslese fatale Auswirkungen auf bejagte Populationen hat. Großwildjäger behaupten, die Jagd würde zur Armutsbekämpfung beitragen. Tatsächlich ist sie vor allem ein lukratives Geschäft für ausländische Veranstalter von Jagdsafaris. Laut einer Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN)[i] erhält die lokale Bevölkerung aus dem Jagdtourismus im Durchschnitt nur 0,3 US-Dollar pro Person und Jahr – ein viel zu geringer Betrag, um die wirtschaftliche Situation der Menschen zu verbessern oder zum Schutz von Lebensräumen beizutragen. [i] Big Game Hunting in West Africa - What is its Contribution to Conservation

  • Über die Systemrelevanz der Jagd

    Im März des Jahres sprach der größte deutsche Lobbyverband der Jäger, der Deutsche Jagdverband, in einem Schreiben (s.u.) an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erstmals davon, dass „Jäger unmittelbar zur systemrelevanten Daseinsvorsorge beitragen, indem sie Wildschäden verhindern“. Es ging darum, Einschränkungen der Reise- und Jagdmöglichkeiten der Jäger aufgrund von Corona-Regelungen zu verhindern. Die Jagd ist nicht systemrelevant - das System Wald überlebt auch ohne Vernichtungsfeldzüge gegen Rehe und Hirsche. Bild: René Schleichardt Klöckner ließ dann brav, auch im Namen von Spahn und Seehofer verkünden: „sie messe der Jägerschaft zum Schutz von Land- und Forstwirtschaft eine außerordentlich große Bedeutung zu“. In diesem Schreiben (s.u.) ist dann zwar auch die Rede von der „systemrelevanten“ Daseinsvorsorge, aber noch keineswegs von der Systemrelevanz von Jägern oder der Jagd. In der Jagdpresse heißt es dann wenige Tage später bereits „Jagd“ sei systemrelevant. Eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums Baden-Württemberg wird mit der Aussage zitiert, dass Jäger ausdrücklich zu den systemrelevanten Personen gehörten und dies insbesondere mit Blick auf die Seuchenprävention zu betonen sei. Dabei ist die „Seuche“ – derzeit die Afrikanische Schweinepest – weder eine Gefahr für den Menschen noch für den Bestand der Tiere in der Landwirtschaft, denn die leben in Hochsicherheitsgefängnissen. Der Ausgang heißt bestenfalls Schlachthof. Eine Referatsleiterin des Sächsischen Sozialministeriums – hier werden die Corona-Verordnungen erlassen – hält gar die Jagd für systemrelevant. Wir halten durchaus die Daseinsvorsorge durch die Landwirtschaft für systemrelevant, nicht aber die Jagd oder Jäger. Welche Systemrelevanz etwa hat es, wenn Jahr für Jahr fast eine halbe Million Füchse erschossen werden oder inzwischen selten gewordene Waldschnepfen oder Feldhasen? Möglicherweise stimmen Sie uns zu, dass das System keinen Schaden nimmt, wenn die Waldschnepfe, die übrigens ein Zugvogel ist, nicht mehr gekillt wird. Wie aber ist es mit Wildschweinen? Die können ganze Sportplätze und Äcker umgraben. Da kann es durchaus zu beträchtlichen betriebswirtschaftlichen Schäden kommen. Zu ganz erheblichen Schäden kommt es derzeit aber auch durch die durchaus umstrittenen Schließungen ganzer Wirtschaftsbereiche durch die Corona-Verordnungen des Bundes und der Länder. Während die durch Wildschweine selbst ohne die Jagd verursachten Schäden volkswirtschaftlich kaum von Bedeutung wären, kann man das von den Schäden, die dadurch entstehend, dass Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändler, Messeveranstalter und Unternehmen anderer Kultur- und Wirtschaftsbereiche durch die Politik in die Insolvenz getrieben werden, nicht behaupten. Im Fall der Wildschweine ist die Jagd keineswegs – auch unter dem Gesichtspunkt der Afrikanischen Schweinepest – systemrelevant. Das schon deshalb nicht, weil eine noch so intensive Jagd in Deutschland seit Jahrzehnten (!) nicht zu einer nachhaltigen Reduzierung der Wildschweinbestände führt. Wo die Zahl der Wildschweine nicht zurückgeht, wird auch kein einziger Acker geschützt. Das hat viele Gründe, die zu einem großen Teil aber auch an der Art und Weise der Jagd liegen: Anlockfütterungen – der Jäger nennt das Kirrung – tragen dazu bei, dass Frischlinge über den Winter so kräftig werden, dass sie bereits in ihrem ersten Lebensjahr „frischen“, sprich Junge bekommen. Die Jagd selber ist völlig unstrukturiert: Ohne jegliche Rücksicht auf Alter und Geschlecht der Tiere wird – insbesondere im Rahmen von Drückjagden – alles niedergemacht, was vier Beine hat. So wird auch die natürliche Geburtenkontrolle durch die Zerstörung der Sozialgefüge zunichte gemacht. Wer überlebt, pflanzt sich fort. So kommt es, dass Jagdverbände alle zwei, drei Jahre neue Rekordstrecken getöteter Wildsauen melden. Ein ähnliches Bild bei den Rehen. Dass Rehwild und andere Paarhufer des Waldes die Naturverjüngung verhindern ist eine von den Waldbesitzern erfundene Mär. Den Forstbetrieben – insbesondere staatlichen Forstbetrieben wie dem Sachsenforst oder den Bayerischen Staatsforsten – geht es allein um die Rendite. Die wird möglicherweise durch den Verbiss von Rehen geringfügig geschmälert. Aber ist das systemrelevant? Nein ist es sicherlich nicht. Auch ein Wald lässt sich durch den Verbiss durch Rehe nicht sonderlich irritieren. Verbissene Jungpflanzen wachsen dann vielleicht nicht so gerade, wie der Waldbauer es sich vorstellt, und auch nicht so schnell, aber letztlich lassen sie sich nicht aufhalten, neue Bäume zu werden. Außerdem zeigen die Daten der Bundeswaldinventur, dass auf jedem Hektar Wald in Deutschland durchschnittlich 4.000 junge Bäume ohne Schäden durch Wildverbiss heranwachsen. Und auch im Bereich des Forstes ist es so, dass durch eine strukturiere und durchdachte Jagd das Geschehen gesteuert werden könnte. Dazu gehören sicherlich keine Drückjagden während der nahrungsarmen Wintermonate, wie sie zumindest in Bayern immer wieder durchgeführt werden. Auch tragen die ganzjährige Jagdzeiten - in Deutschland für Rehe und andere Paarhufer übrigens die längsten in Europa – nicht dazu bei, dass es am Ende weniger Verbiss gibt. Deutscher Jagdverband an Bundesministerin Klöckner

  • Töten mit dem Segen der Kirche

    Jedes Jahr finden ab Ende Oktober bis in den November die sogenannten „Hubertusmessen“ statt. Sowohl die katholische wie auch die evangelische Kirche halten an dieser veralteten Tradition fest und segnen Waidmänner und Frauen, deren Waffen sowie die toten Tiere. Obwohl St. Hubertus der Jagd abschwor und ein Beschützer der Tiere wurde erklärte ihn die Kirche zum Schutzpatron der Jäger. Du sollst nicht töten sagt das 5. Gebot, aber dieses gilt anscheinend der Kirche nach nicht für Tiere, denn mit dem Segen der Kirche wird auch im Jahr 2020 immer noch an total veralteten nicht mehr zeitgemäßen Traditionen festgehalten: Töten mit dem Segen der Kirche. Gedacht werden soll rund um dem 3. November an dem heiligen St. Hubertus von Lüttich, den angeblichen Schutzheiligen der Jäger. St. Hubertus wurde um 655 in Toulouse Südfrankreich als Sohn eines Edelmannes geboren und wurde im Jahre 705 zum Bischof gekürt. Hubertus war ein Lebemann und ein leidenschaftlicher Jäger. Bis zu dem Tage als er einen kapitalen, weißen Hirsch begegnete. Er stellte diesen tagelang nach und tief im Wald bekam er das erschöpfte Tier ins Visier seiner Waffe. Kurz bevor er den Bogen spannte, überkam ihn eine Vision, er sah ein leuchtendes Kreuz zwischen dem Hirschgeweih und er vernahm die Stimme Christus welche mit mahnenden Worten zu ihm sprach „Hubertus, warum jagst du mich?“ Daraufhin legte Hubertus die Waffe ab und kniete nieder. Fort an lebte er ein bescheidenes Leben, legte all seine Ämter nieder und gab seine Reichtümer den Armen. Hubertus wurde zu einen wahren Christen und entsagte für immer der Jagd. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, sprach Jesus von Nazareth. Und genau dies erkannte Hubertus im Glanz des Kreuzes wieder. Die ersten Christen hielten das Jagen unvereinbar mit dem christlichen Glauben und so wurde Jägern das Taufen verweigert. Hubertusmessen werden von Jägern mitverantwortet und besucht. Sie bilden den Beginn zu Drückjagden, bei denen Jäger durch die Wälder ziehen und massenhaft Tiere hetzen und töten. Die Kirchen halten an einem Brauchtum fest, welches sich mit der heutigen, modernen Zeit nicht mehr vereinbaren lässt. „Einen Gottesdienst zu veranstalten, der Jägern symbolisch den Segen für das systematische Töten wehrloser Mitgeschöpfe gibt, sendet ein völlig falsches Signal. Kirchen müssen für die Bewahrung der Schöpfung eintreten, nicht für die Zerstörung“, sagt Julia Bielecki von der Kampagne „Christen für Tiere“ bei Peta. Warum äußert sich die Kirche niemals zu Tierleid, zur Massentierhaltung , Tierversuchen oder sonstigen Tierquälereien. Sind Tiere denn nicht auch Geschöpfe Gottes? Waren sie nicht die ersten, die Gott erschuf? Und lebten nicht einst die Menschen in Frieden und Harmonie mit den Tieren? Jesus war Vegetarier und sprach auch für die Tiere. In der Bibel ist davon kaum etwas zu finden, dieses steht nur in vorchristlichen Schriften. Auch erkannte die katholische Kirche den Tieren ihre unsterbliche Seele ab. Kirche und Tierschutz heute erinnert auch einst an die Zeit von Kirche und Hexenverfolgung. Die Jagd ist in größten Teilen Tierquälerei und nicht mehr nötig aber mit dem Segen der Kirche lässt sich das 5. Gebot besser umgehen und mit dem Segen der Kirche können Jäger im Namen der Kirche töten. Auch im diesem Jahr werden wieder Hubertusmessen, wenn auch eingeschränkt, stattfinden. Auch dieses Mal verschließt die Kirche die Augen und wundert sich das immer mehr Menschen aus der Kirche austreten. Anstatt den heiligen Hubertus zum Schutzpatron der Tiere zu machen, ernannte ihn die Kirche zum Patron der Jäger. Dabei besteht der Sinn der Legende um Hubertus doch darin, dass der Mensch in Einklang und Frieden mit der Natur und den Tieren leben soll. Auch gehen die Kirchenvorstände immer mehr dem nicht christlichen Hobby "Jagd" nach und missachten dabei das von ihnen gepredigte Gebot "Du sollst nicht töten" Für mich persönlich eine der scheinheiligsten Institutionen überhaupt. Ich halte es mit M. Gandhi: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie mit Tieren umgeht.“

  • Unangekündigte Gesellschaftsjagd während der Corona-Pandemie

    Am Samstag, 31.10.2020 fand trotz der akuten Pandemie-Situation, eine unangekündigte "Gesellschaftsjagd" zwischen Wehrheim und Pfaffenwiesbach (Hochtaunuskreis) statt. Die Jagdgäste kamen u.a. aus Esslingen, Frankfurt, Miesbach, München, Stuttgart etc. und sogar aus dem Kanton Aargau/Schweiz! Beschilderungen so gut wie Fehlanzeige und bedingt durch das schöne Wetter, waren viele Wanderer und Freizeitsportler unterwegs. Die Bevölkerung im Vorfeld zu informieren, schien jedenfalls nicht notwendig zu sein. Wir trafen auf verängstige Wanderer, E-Biker und Mountainbiker. Dem verantwortlichen Jagdpächter, Geschäftsführer einer Frankfurter Investmentbank, war es wohl auch absolut egal, ob die Hobbyjäger aus Risikogebieten kamen oder die Treibergruppe, eng an eng und ohne jeglichen Mundschutz zusammen stand. Unsereins muss das öffentliche Leben durch die Pandemie weitestgehend einschränken, aber zum Tiere abknallen darf man sich treffen, kein Problem. Parallel fanden sich noch die Jäger aus dem Nachbarrevier ein, um die flüchtenden Tiere in ihrem Revier abballern zu können. Man muss schon sehr speziell gestrickt sein, um so hinterhältig die Tiere zu töten… Bei dieser „illustren Gesellschaft“ die Afrikanische Schweinepest als Vorwand für diese „Spassjagd“ zu nehmen, ist die reinste Farce! Die Jagd kann und wird niemals eine Seuche eindämmen bzw. verhindern. Dazu gibt es etliche wissenschaftliche Studien. Vor zwei Jahren gab es dazu u.a. in 3 Sat eine sehr gute Reportage . Auch den vermehrten Abschuss von Rot- und Rehwild, der den Waldumbau unterstützen soll, kann und darf nicht das Argument sein. Die Waldschäden sind klimabedingt und durch den Borkenkäfer verursacht. Was wir hier im Taunus und bundesweit dringend benötigen, sind Grünbrücken, Urwälder und Ruhezonen. Dass ein neues Bundesjagdgesetz gerade auf dem Weg gebracht wurde, ist bekannt und gerade hier sollte eins nicht vergessen werden: der Tierschutz, der als Staatsziel seit 2002 in unserem Grundgesetz verankert ist! Erst letzte Woche wurde zum Thema Jagd und Tierschutz im aktuellen GEO-Magazin ein Artikel veröffentlicht. Auch der ehemalige Bundesforstmeister und Nachsuchenführer Seeben Arjes hat die Problematik schon mehrfach kritisiert. Hier ein mahnender Bericht, der einem immer wieder Tränen in die Augen bringt: Einen Punkt neben all dem unnötigen Tierleid, dass bei solchen Drückjagden oft die Regel ist, möchten wir noch deutlich kritisieren: Die Munition, die einfach achtlos im Wald nach solchen „Spassjagden“ hinterlassen wird und sogar noch scharf ist. Was ist mit der Umwelt und wo bleibt hier die Sorgfaltspflicht der Jäger? Was ist, wenn ein Kind so etwas findet?

  • Es gibt Jäger, die gerne Katzen töten

    Zum Thema von neulich "Jäger sind Tierquäler" muss ich endlich als Bestätigung eine eigene traurige Erfahrung loswerden: Ich wohne in NRW, im Außenbereich, bin Tierhalterin - Pferd, Hund, Katzen. Wenn eine Katze überfahren wird, ist sie hier wegen übersichtlicher Straßenverhältnisse leicht zu finden. In den letzten acht Jahren sind aber drei meiner Katzen spurlos verschwunden. Die Vierte kam im September 2016 nach 7-tägiger Abwesenheit (vorher nie weg gewesen) zurück, sie roch nach altem Heu und wird sich in der Nachbarschaft so lange versteckt haben, bis sie in der Lage war, nach Hause zu laufen. Von Jäger getötete Katze, Bild: D.H., Wildtierschutz Deutschland Ein Hinterbein baumelte am Körper! Sie wurde Samstag und Sonntag zuhause tierärztlich versorgt, vermuteter Bruch. Danach ergab sich beim Röntgen: Durchschuss vom Becken bis ins Sprunggelenk/Achillessehne, der gesamte Knochen war zersplittert, nur noch eine weiche Masse. Geschossteile (Hohlspitzmunition, s.u.) noch drin, Ein- und Ausschuss fast verheilt. Nur eine Amputation am Becken wäre möglich gewesen, aber sehr schwierig und mit großen Risiken, so musste sie noch in der Narkose vom Röntgen eingeschläfert werden. Ich habe das bis heute nicht verwunden! Sich vorzustellen, welche Höllenqualen das arme Tier ertragen musste, tut weh. Noch schlimmer: Man kann sich gut vorstellen, was derart dilettantisch angeschossene Wildtiere erleiden müssen bis sie elendiglich verr..... Und die Dunkelziffer dürfte enorm sein, denn mit Fehlschüssen rühmen sich die Angeber mit Sicherheit nicht. Fakten und Rechtslage: In NRW war seit dem Januar 2016 absolutes Jagdverbot auf Katzen. Der zuvor gültige Schutz-Radius von 200 Meter ums Haus war hier wegen zu enger Streusiedlung ohnehin nie gegeben, das interessierte aber keine Jäger. Mit dem Obduktionsbefund habe ich Anzeige gegen Unbekannt gestellt, das Revier teilen sich hier 3 "Jäger". Wenn man nicht daneben steht, kann man nicht beweisen, dass der Jäger die Katze erschossen hat. Es reicht seine Behauptung, er hat auf keine Katze geschossen. Der Ermittlungsaufwand ist zu hoch, das Verfahren wurde somit nach 4 Wochen eingestellt. Sie können tun und lassen was sie wollen, weil sie praktisch nicht zu packen sind. Auch wenn ich unser Grundstück nun jagdfrei stellen lasse, wird die Beweislast immer bei mir liegen! Tierquälerei: Es handelte sich um ein Hohlspitzgeschoss (legal). Dieses ist bewusst so konstruiert, dass es beim Auftreffen auf einen Körper explodiert, stark streut. Es soll eine große Wunde reißen, damit das getroffene Tier auf jeden Fall verblutet. So hat es mir ein ehemaliger Jagdaufseher erklärt. Nebeneffekt ist, dass der Schuss leiser ist als andere Munition. Evtl. wurde auch ein Schalldämpfer benutzt ... damit die Anwohner nichts mitkriegen. Lesen Sie auch: Jäger sind Tierquäler Das Wild leidet still ... Ausgang eines Gerichtsverfahrens gegen einen Katzenmörder

  • Weidgerechtigkeit - nicht mehr als eine Worthülse

    "Die vielgepriesene deutsche Weidgerechtigkeit dient der Volksverdummung und der Verdeckung strafbarer Handlungen. Sie bemäntelt tierquälerische Jagdmethoden mit falsch verstandener Traditionspflege." (B. Rüsch, Jurist und Jäger "Heuchler im grünen Loden") Weidgerechtigkeit nennt man Verhaltensnormen, die einen Ehrenkodex für Jäger darstellen sollen, aber auch rechtliche Bedeutung haben. Erstmals eingeführt in die Gesetzessprache wurde der Begriff "Weidgerechtigkeit" 1934 als „Deutsche Waidgerechtigkeit“ in § 4 des Reichsjagdgesetzes. Die Jagd gilt als weidgerecht, wenn sie entsprechend der jagdgesetzlichen Regelungen durchgeführt wird. Es gibt aber auch Aspekte, die in Jagdgesetzen oder Ausführungsverordnungen nicht definiert sind. Sie leiten sich aus Jagdbräuchen ab: Zum waidgerechten Jagen gehört beispielsweise das Ansprechen des Wildes vor dem Schuss (Feststellung ist es ein Wildschwein oder ein Pony, ein junges oder adultes Tier, ein männliches oder weibliches, könnte es Jungtiere haben, u.a.) ebenso, wie einen Schuss so anzutragen, dass das Wildtier nicht leidet. Eigentlich selbstverständliche Dinge, die in der Jagdpraxis jedoch häufig keine Anwendung finden (vergleiche "Nur jeder dritte Schuss ist tödlich"). Fuchsjagd setzt die natürliche Geburtenkontrolle außer Kraft und schafft unsägliches Elend. Bild: B. und S. Pelli Das Tierschutzgesetz sagt, dass Wirbeltiere ohne einen vernünftigen Grund nicht getötet werden dürfen. Auch ist es verboten einem Tier ohne Rechtfertigung Schmerzen, Leiden, Schäden zuzufügen. Wirbeltiere, so das Gesetz, dürfen nur unter Betäubung und frei von vermeidbaren Schmerzen getötet werden. Gleichwohl heißt es in § 4 des Tierschutzgesetzes "Ist die Tötung eines Wirbeltieres ohne Betäubung im Rahmen weidgerechter Jagd zugelassen, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen." Wozu benötigt man ein Tierschutzgesetz, welches mit einem Wort für eine Randgruppe unserer Gesellschaft seine eigenen Normen außer Kraft setzt? Lesen Sie auch: Das Wild leidet still ....

  • Der Wolf und die jagdgrünen Götter

    Als die Medien vor einem Jahr über das Auftauchen eines Wolfes in unseren Wäldern berichteten, habe ich spontan geäußert, dass dieser Wolf nicht lange leben wird, es wird sich ein Jäger finden, der ihn in „Notwehr“ erschießt. Genauso ist es passiert. Es bestätigt die Vermutung, dass Jäger weder am Naturschutz noch an einer ausgeglichenen Ökologie interessiert sind, sondern die Trophäe ist das Ziel ihres Handelns. "Das biologische Gleichgewicht ist den meisten Jägern schon deshalb gleichgültig, weil sie gar nicht wissen, was es bedeutet." Bild: Ray Hennessy Allein in der alten Bundesrepublik haben wir über 250.000 jagdgrüne Götter (und von denen gibt es zu viele und von den Wölfen absolut zu wenige), die ihren Urtrieb nahezu ungezügelt ausleben könnten, sich als Herr über Leben und Tod in der Natur aufspielen dürfen und ein Gemeingut unserer Gesellschaft, nämlich die Wildtiere, in eigener Regie nutzen oder missbrauchen können. Was die Jäger regulieren, ist das Gleichgewicht ihrer persönlichen Interessen, das sie an ihrem Revier haben. Das biologische Gleichgewicht ist den meisten Jägern schon deshalb gleichgültig, weil sie gar nicht wissen, was es bedeutet. (erschienen als Leserbrief in den Weinheimer Nachrichten vom 12.12.2015) Weitere Leserbriefe finden Sie hier

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