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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

639 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Statt Wolfsabschuss: Verpflichtung und Unterstützung für Herdenschutz

    Seit Jahrzehnten rechtfertigen Jäger ihr grausames Handeln an Tieren damit, dass sie jagen müssten, da sie die Wildtierbestände regulieren müssen, weil es keine natürlichen Feinde mehr gäbe. Parallel werden aber ca. eine halbe Million Füchse alljährlich in Deutschland umgebracht. Sobald sich nun Wölfe sehen lassen, wird auch ihr Abschuss legal festgelegt, zum Beispiel gerade in den Koalitionspapieren von Rot-Schwarz oder auf Länderebene, anstatt Herdenschutz-Verpflichtungen und Unterstützungsmaßnahmen, obwohl man doch behauptete: Man ist gut auf die Neuansiedlung von Wölfen vorbereitet, freue sich auf diese und: Der Wolf übernimmt eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald. Was interessiert das Geschwätz von gestern? Der bekannte Förster Peter Wohlleben führt aus: „Die Analyse von Tausenden Kotproben von Wölfen in Deutschland beweist: 99,3 Prozent aller Beutetiere sind wild, nicht einmal jedes Hundertste stammt von einer Weide.“ Die Gefahr für den Menschen, die von Haushunden ausgeht, ist erwiesenermaßen größer, als die, die von Wölfen ausgeht. Bild: Michael Hamann Politiker geben trotzdem die Wölfe zum Abschuss frei, obwohl Wölfe nur das tun, was die Natur ihnen vorgibt, z.B. durch den Wald oder über Wiesen laufen, Nahrung suchen. Der Vorwand für die legalisierte Wolfshinrichtung: Wölfe würden Nutztiere, Schafe reißen. Bedenkt man, wie viele Schafe – und andere Nutztiere – täglich grausam durch Menschen für Menschen zu Tode gebracht werden, obwohl doch Menschen nicht auf Tierfleisch angewiesen sind, mutet dies eigenartig an. Und werden tausende Schafe in Deutschland grausam betäubungslos abgemetzelt, bezeichnen Tierquäler und Politiker dies als Religion, obwohl dies mit Religion nichts zu tun hat. Sie dient nur als Vorwand! Das stört aber die „besorgten“ Politiker nicht! Sollte mal ein Wolf ein Schaf – dabei nicht so grausam wie die Menschen es tun – töten, um seinen Hunger zu stillen, da er von Natur aus Fleischfresser ist, hat er deshalb zu sterben? Die wirkliche Bestie hat zwei Beine, nicht vier! Dieser Aktionismus gegen Wölfe durch Bund und Länder – hier vier Länder wegen zwei Wölfen, die sich völlig naturgemäß verhalten – liegt darin begründet, dass zu viele Politiker, auch Minister Hauck – selbst Jäger sind. Jäger wollen töten, deshalb wurden sie Jäger. Denen geht es nicht um Schutz für Schafe. Und Menschen brauchen keine Angst vor den scheuen Wölfen zu haben. Die stehen gar nicht auf dem Speisezettel von Wolf & Co. +++ So steht es im Koalitionsvertrag Mehr über Wölfe Demo für den Schutz der Wölfe: Berlin, 5. Mai 2018

  • Intensivierung der Jagd auf Wildschweine ohne Nutzen gegen die Afrikanische Schweinepest

    „Die bundesweite Aufhebung der Schonzeiten für Wildschweine und die weitere Intensivierung der Jagd auf die Schwarzkittel ist reiner Aktionismus.“ Das sagt Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland. „Wie aus einer kleinen Anfrage der Partei Die Linke ersichtlich, ist es der Bundesregierung bekannt, dass solche Maßnahmen im Hinblick auf die Senkung des Ausbreitungsrisikos der Afrikanischen Schweinepest (ASP) keine Aussicht auf Erfolg haben, man müsste den Wildschweinbestand in Deutschland auf 60.000 Tiere reduzieren … und das bei derzeit in der Spitze über 600.000 erschossenen Tieren pro Jahr.“ Kaum ein Experte zweifelt daran, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) durch menschliche Handlungen, sei es durch ein achtlos weggeworfenes Butterbrot, ein nicht ordnungsgemäß desinfiziertes (Tiertransport-) Fahrzeug oder einen Jagdreisenden, von Osteuropa nach Deutschland eingeschleppt wird. Alles nur Aktionismus - eine erforderliche Reduzierung auf 0,2 Tiere pro qkm ist unrealistisch. Bild: Heiko Anders Wildschweine werden aller Voraussicht nach bei der Einbringung der ASP keine Rolle spielen. Die Tiere sind standorttreu, ein infiziertes Wildschwein würde, vom Fieber entkräftet innerhalb von etwa zwei Tagen sterben. Eine Rolle könnten Wildschweine aber bei der Verbreitung der ASP innerhalb von Deutschland spielen. Aus diesem Grund werden die Schwarzkittel weitgehend ohne Tabus landauf, landab so massiv bejagt, wie kaum zuvor. Bund und Länder hoffen darauf, die Wildschweindichte bis zum Eintreffen der Tierkrankheit signifikant reduzieren zu können. Hier aber fängt das Problem an. Niemand kann auch nur annähernd verlässliche Angaben zur Wildschweindichte in unterschiedlichen Regionen in Deutschland machen. Die Bundesregierung hat es wohl versäumt, einer Empfehlung der ESFA (European Safety Food Authority, Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde) aus 2014 zu folgen und zum jagdlichen Monitoring alternative Methoden der Bestandsermittlung zu entwickeln. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre wurden in Deutschland pro Jahr über eine halbe Million Wildschweine pro Jahr erschossen, in der Spitze weit über 600.000. Der Deutsche Jagdverband ist der Meinung, es gäbe etwa 300.000 Wildschweine (Quelle: „Angst vor der wilden Sau“, Die Zeit 18.02.2018), Wildtierschutz Deutschland geht von einem Durchschnittsbestand nach Reproduktion von ca. 1 bis 1,7 Million Tieren aus. Wie viele Tiere müssen getötet werden, um dann 60 oder gar 70 Prozent der Population zu reduzieren? Und wird das reichen, die Verbreitung der ASP einzudämmen? Laut EFSA (2015) besteht die Chance die ASP bei einer Wildschweindichte von 0,1 bis 0,2 Tieren pro qkm zu stoppen. Bei einer Wildschweindichte von 1,5 Tieren pro qkm sei es aussichtslos, die Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern (EFSA 2017). 0,2 Tiere pro qkm Wald- und Landwirtschaftsfläche würde einem Bestand von etwa 60.000 Schwarzkitteln in Deutschland entsprechen. Selbst bei der unrealistischen Bestandsschätzung des Deutschen Jagdverbandes würde dieses Ziel einer Reduzierung der Population um 80 % entsprechen. Die höchste jemals nachgewiesene Wildschweinreduktion in Europa betrug in einem eingezäunten spanischen Areal von 7,23 qkm 56,8 %. +++ Aus einer Kleinen Anfrage der Partei Die Linke an die Bundesregierung, beantwortet am 23. Februar 2018: Frage an die Bundesregierung: Welche neuen Kenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich des Zusammenhangs zwischen der Größe des Schwarzwildbestandes bzw. der Schwarzwilddichte einerseits und der Einschleppungsgefahr sowie der Ausbreitungsdynamik der ASP andererseits? Antwort: Nach Kenntnis der Bundesregierung ist das Einschleppungsrisiko von der Größe der Wildschweinpopulation und der Wildschweindichte unabhänging. Im Falle einer Einschleppung des Erregers steigt jedoch das Risiko einer Exposition von Wildschweinen mit der Wildschweindichte. Außerdem ist zu erwarten, dass sich die ASP in einer Wildschweinpopulation mit hoher Dichte stärker und schneller ausbreitet. In Estland wurde dieser Zusammenhang nachgewiesen. Frage an die Bundesregierung: Welche internationalen Studien liegen zu dieser Frage vor? Antwort: ... Laut der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) (2015) besteht die Chance, die Ausbreitung der ASP bei einer Reduzierung der Wildscheindichte auf 0,1 - 0,2 Wildschweine pro qkm zu stoppen. Diese Einschätzung beruhe auf Simulationsergebnissen. In einer weiteren "Scientific Opinion" der EFSA (2017) wird beschrieben, dass bei Wildschweindichten von über 1,5 Wildscheinen pro qkm die gewählten Maßnahmen im Simulationsmodell keine ausreichende Wirkung hatten. Zur Information: Der Deutsche Jagdverband (DJV) geht von einem Wildschweinbestand von 300.000 Tieren aus, Wildtierschutz Deutschland (WTD) von mindestens 1.000.0000. 0,2 Wildschweine pro qkm bedeuten bei einer Wald- und Feldfläche von ca. 290.000 qkm 58.000 Wildschweine. Um erfolgreich gegen die Ausbreitung der ASP vorzugehen, müsste man bei den DJV-Zahlen über 80 % des Bestands töten, bei den WTD-Zahlen über 94 %. In beiden Bestandszenarien wäre eine derartige Reduzierung der Zahl der Wildschweine mit jagdlichen Mitteln vollkommen unrealistisch. Daraus resultiert, das sämtliche Bemühungen, die Zahl der Wildschweine zu reduzieren letztlich nicht zu einer Abschwächung des Risikos der Verbreitung der ASP führen. +++ Fragen und Antworten rund um das Wildschwein

  • Die Pille für das Wildschwein ist machbar – auch, wenn es den Jägern nicht passt

    Auch durch die wiederholte Behauptung, eine künstliche Empfängnisverhütung bei Wildschweinen sei nicht praktikabel, gewinnt die Aussage des Deutschen Jagdverbands für Lovis Kauertz, dem Vorsitzenden von Wildtierschutz Deutschland e.V., nicht an Überzeugungskraft. Pille für das Wildschwein kann funktionieren. Bild: Michael Hamann Der Jagdverband beruft sich bei seinen Behauptungen immer wieder darauf, dass ein EU-zugelassener Impfstoff männlichen Tieren innerhalb weniger Wochen zweimal verabreicht werden müsse, um diese für einen kurzen Zeitraum unfruchtbar zu machen. „Tatsache ist, dass die mit Antigenen arbeitenden Wirkstoffe sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Tieren eine vorübergehende Unfruchtbarkeit hervorrufen. Mittels relativ geringen Forschungsaufwandes (ein Bruchteil der Budgets, die jetzt für Präventionsmaßnahmen im Rahmen der Afrikanischen Schweinegrippe aufgewendet werden, wären erforderlich) lassen sich die Wirkstoffe so „verpacken“, dass sie einerseits oral applizierbar wären und andererseits durch einen sogenannten „Retard-Mechanismus“ über einen Zeitraum von 12 Monaten wirksam wären,“ erläutert Kauertz. Eine aufwändige und tatsächlich kaum praktizierbare mehrfache Impfung wäre damit obsolet. „Uns zeigt das destruktive Verhalten des Jagdverbandes und der zuständigen Ministerien, dass an tierschutzkonformen Lösungsansätzen wenig Interesse besteht“, so Kauertz, „und das, obwohl immer neue Bejagungskonzepte, die Streichung von Schonzeiten und die Nichtbeachtung von Tierschutznormen im Ergebnis in den letzten 20 Jahren ohne jeden messbaren Erfolg sind.“ "Bejagungskonzepte, die Streichung von Schonzeiten und die Nichtbeachtung von Tierschutznormen ohne jeden messbaren Erfolg" Wildtierschutz Deutschland ist zwar der Meinung, dass die künstliche Empfängnisverhütung noch keine flächendeckende Lösung für die hohe Populationsdynamik der Wildschweine ist. „Die Pille für das Wildschwein“ könnte aber insbesondere punktuell in Problemzonen, z.B. in der Umgebung von Mastbetrieben oder im Randbereich von Städten, zu einer Entlastung des als Problem empfundenen Wildschweinbestands beitragen. Einen weiteren Ansatzpunkt, die Dynamik des Wachstums der Wildschweinbestände zu bremsen, sieht Wildtierschutz Deutschland in einer radikalen Umstellung der Landwirtschaft von Monokulturen für Mais, Raps und Weizen zurück zu einem Landbau mit Fruchtfolgen. Der hätte dann auch positive Auswirkung auf die Artenvielfalt in Deutschland. Lesen Sie auch: Längst überfällig: Pille für das Wildschwein

  • Wie viele Wildschweine werden in Deutschland jedes Jahr getötet?

    Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre wurden in Deutschland im Rahmen der Jagd jeweils etwas mehr als eine halbe Million Wildschweine getötet – Tendenz steigend. In der Spitze wurden seit dem Jagdjahr 2012/13 immer wieder Strecken von deutlich über 600.000 Tiere gemacht. Dass die Jagdstrecken trotz der intensiven Jagd fast von Jahr zu Jahr steigen, hat verschiedene Gründe: Man sagt den Wildschweinen ein adaptives Verhalten nach, das heißt, sie sind in der Lage sich schnell an ändernde Situationen anzupassen. Das gilt auch für die Jagd. Die Tiere sind intelligent genug, ihren Häschern aus dem Weg zu gehen. Hilfreich dabei ist die vielerorten recht dichte Vegetation und last but not least Maisfelder, die in Deutschland die Fläche von Mecklenburg-Vorpommern erreicht haben. Ein ganz wichtiger Aspekt für den mangelnden Erfolg selbst intensivster jagdlicher Verfolgung ist die Fähigkeit der Wildschweinbestände zu kompensatorischer Reproduktion, welches auch die Zerstörung der sozialen Strukturen von Wildschweinverbänden gefördert wird. Bei Verlusten zum Beispiel durch die Jagd kann der Restbestand die Zahl der Tiere innerhalb kurzer Zeit um das Dreifache erhöhen. Mehr über Wildschweine erfahren Sie hier

  • Fakten statt Jägerlatein - FAQ für Leserbriefe und mehr (Teil 2)

    Propaganda: „Durch die hohe Wildschweindichte steigt das Risiko der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP)“ Fakt ist, dass in Deutschland niemand verlässlich sagen kann, wie viele Wildschweine es hierzulande gibt. Von einer hohen Wildschweindichte zu sprechen ist also rein subjektiv. Als riskante Einschleppungswege für die ASP sieht das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) vor allen Dingen die illegale Einfuhr von infizierten Schweinen und von tierischen Nebenprodukten aus Osteuropa. Auch andere indirekte Übertragungswege (Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände einschließlich Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen, Kleidung) sind ein Risiko. Die Wildschweindichte hat keine Auswirkung auf das Risiko der Einschleppung der ASP. Mehr dazu in unseren Artikeln über die Afrikanische Schweinepest Niemand kann verlässlich sagen, wie viele Wildschweine es gibt. Bild: Michael Hamann Propaganda: „Durch die hohe Wildschweindichte steigt das Risiko der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP).“ Fakt ist, dass sich Wildschweinbestände allein durch jagdliche Maßnahmen nicht reduzieren lassen. Das zeigt die Entwicklung der Zahl der erschossenen Wildschweine der letzten 40 Jahre und das belegt eine Studie der Europäischen Behörde für Nahrungsmittelsicherheit (EFSA) aus 2014. Das, was Landwirtschaftsminister landauf landab propagieren, nämlich eine noch intensivere und tierquälerische Wildschweinejagd als bisher schon, ist nicht zielführend. Die Reproduktion von Wildschweinen ist kompensatorisch. Das bedeutet, dass zum Beispiel Verluste durch die Jagd durch mehr Nachwuchs kompensiert werden (einzelne Sauen bekommen mehr Jungtiere und diese beteiligen sich dann auch schon bald an der Vermehrung). Unabhängig von der Wildschweindichte liegt das Hauptrisiko immer in der Verbreitung durch menschliches Handeln. Mehr dazu in unseren Artikeln über die Afrikanische Schweinepest Der Bauernverband fordert 70 % der Wildschweine zu töten. 70 Prozent wovon hat er nicht gesagt. Der Deutsche Jagdverband meint, es gäbe 300.000 Wildschweine. Im Jagdjahr 2015/16 wurden aber 600.000 Wildschweine getötet. Spinnen denn alle? Bild: Michael Hamann Propaganda: „Die den Abschuss von 70 % des Wildschweinbestandes lässt sich das Risiko der Afrikanischen Schweinepest reduzieren.“ Fakt ist, dass der Bauernverband, der diese unsinnige Forderung gestellt hat, überhaupt keine Kenntnis des aktuellen Bestands von Wildschweinen in Deutschland hat. Das weiß allerdings auch sonst keine Behörde. Nicht einmal der Deutsche Jagdverband. In „Die Zeit“ wird er mit einer Schätzung von etwa 300.000 Wildschweinen in Deutschland quasi ausgelacht. Man kann sich der Zahl der Wildschweine in Deutschland aber annähern. Die höchste bekannte Verringerung einer Wildschweinpopulation gelang in einem eingezäunten spanischen Jagdgebiet von 723 ha (Boadella et al., 2012). Trotz aller Ungewissheit hinsichtlich der Bestandmessung ging man von einer Reduzierung um 56,8 % aus. Bezogen auf eine Fläche wie Deutschland, entspricht die aktuelle Reduzierung der Zahl der Wildschweine vielleicht 40 %. Das hieße, es gab während der vergangenen vier Jagdjahre etwa 1,2 bis 1,5 Million Wildschweine in Deutschland. In den kommenden Jahren müsste man also - um die 70 %-Quote zu erfüllen - jeweils zwischen 830.000 und 1,06 Million dieser intelligenten Tiere abschießen – was illusorisch ist. Im Mittel der letzten 10 Jahre wurden pro Jahr etwa 540.000 Schwarzkittel niedergemetzelt. Mehr dazu in unseren Artikeln über die Afrikanische Schweinepest Nach Schätzung von Wildtierschutz Deutschland gibt es etwa zwischen 1,2 bis 1,5 Million Wildschweine in Deutschland. Bild: Timo Litters Alle Fragen und Antworten als PDF-Dokument (Teil 1 & 2)

  • "Blind, taub und stumpf ...

    ... wie diejenigen, die in diesem Winter Ende Januar bis Mitte Februar mit dem Argument jagten: "Wir müssen noch Abschüsse erfüllen und auch den Sauen nachstellen. Tierschutznormen wurden schon vor der Hysterie um die Afrikanische Schweinepest nicht eingehalten, was jetzt auf Geheiß der Agrarminister/innen abgeht, ist einer hochentwickelten Gesellschaft unwürdig. Bild: Heiko Anders Gesetzlich erlaubt oder nicht: Wer kein Gefühl mehr hat für das Wild, das in dieser Zeit Not leidet, vielleicht sogar schon Frischlinge im Kessel hat oder zumindest dick geht [Anm. "schwanger"], im verharschten Schnee einbricht, sich die Läufe wund schlägt bis es entkräftet und schweißend [euphemische Jägersprache für "blutend"] vom Raubwild oder dem Hund den Garaus gemacht bekommt, der ist ein widerlicher Schinder und hat keinen Anstand. Ein Jäger ist er nicht!" Zitat von Heiko Hornung (Chefredakteur), Wild und Hund 6/2010 Lesen Sie auch: Nur jeder dritte Schuss ist tödlich

  • Über Jäger, Hege und Wildtiere

    Der Originaltext des Autors Carl Sonnthal, www.wildbeimwild.com, Schweiz, wurde für den deutschen Leser leicht angepasst. Kaum sind einige Luchse und Wölfe im Land, ist manch ein Jäger schon wieder überfordert. Jäger stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, diese Tiere ins Jagdrecht zu übernehmen und Abschussquoten zu fordern. Im Urzustand, also dort, wo der Jäger das Leben und die Biodiversität in der Natur nicht durcheinander gebracht hat, sind Wildbestände vorhanden, die sich dynamisch anpassen. Beutegreifer, harte Winter, Krankheiten und Nahrungsangebot sorgen dafür, dass keine Massenvermehrung eintritt. Jäger zählen gerne die Hegestunden, Bäume und Büsche, die sie — aus lauter Naturliebe natürlich und im fürsorglichen Dienst an der Allgemeinheit — pflanzen. Warum sie dafür einen Jagdschein brauchen, wissen nur sie. Wenn ihnen jedoch Bäume auf dem Hochstand (die häufig ohne Befragung des Grundstückseigentümers errichtet werden) im Schussfeld stehen, sägen Jäger sie nicht selten illegal ab, um Schussschneisen anzulegen. Das ganze Propaganda-Geschrei um die Hegearbeit verhält sich umgekehrt proportional zu den Taten. Es sind die Jäger, die das Wild scheu machen. Bild: Michael Hamann Mit ihren hunderten Tonnen Munitionabfällen verseuchen sie Boden, Gewässer und auch das Fleisch der Tiere. Daran stirbt ein erheblicher Teil von fleischfressenden Beutegreifern, insbesondere Greifvögel. Jagd ist sportliches Schießen auf bewegliche, lebende Ziele in tierquälerischer Gesellschaft. Nicht selten werden die gesunden Tiere nicht richtig getroffen. Ein Jäger verpasst einem Rotwildkalb einen Bauchschuss. Alle Wildtiere im selbigen Gebiet zucken wegen des Lärm zusammen, haben Angst. Der Darm tritt aus. Vor Schmerzen gepeinigt und in höchster Todesangst flieht das Jungtier. Es beginnt eine dreiviertelstündige Hetzjagd mit Hunden. Der Darm tritt weiter aus. Er wickelt sich um die Beine des Tieres. Das Tier reißt sich selbst den ganzen Darm heraus. Der Darm zerreisst in Stücke. Die Stücke säumen seinen Fluchtweg. Die Hunde beissen das Tier am ganzen Körper. Am Ende klopft sich der Jäger dafür auf die Schulter, dass er das Tier von “seinem” Leid erlöst hat. Das sind Naturerlebnisse, die Passion des Jägers. Dennoch nennen sich Jäger Naturschützer. Ständig führen sie ihre gesetzliche Verpflichtung, durch die Hege des Wildes für einen “artenreichen und gesunden Wildbestand” zu sorgen, im Munde. Ein Großteil der jagdbaren Tierarten ist jedoch ausgestorben oder vom Aussterben bedroht (z.B. Elch, Wisent, Luchs, Wolf, Wildkatze, Auer-, Birk-, Haselhuhn, Großtrappe, Adler, Falken, Geier), und das nach hundert Jahren waidmännischer Hege. Wenn Jäger von wildbiologischen Zusammenhängen, Nachhaltigkeit usw. reden, handelt es sich in Wirklichkeit um Jägerlatein und Müllbiologie. Jäger behaupten: Spaziergänger, Reiter, Jogger, Fahrradfahrer, Pilze- und Beerensammler, Hundehalter, Foto- und Filmfreunde — sie alle vertreiben das Wild und gehören gemaßregelt. Gemäß wissenschaftlichen Untersuchungen in Österreich waren es zu 94 Prozent aller Fälle Jäger, welche Wildtiere zur Flucht veranlassen, zwei Prozent Forstarbeiter und nur zu 4 Prozent Erholungsuchende. Es sind also die Jäger, die das Wild scheu machen. Sie versetzen das Wild in einen andauernden Kriegs- und Belagerungszustand. Reh und Rothirsch sind ursprünglich keine Waldtiere, sondern tagaktiv in der offenen Landschaft oder am Waldrand beheimatet. Nur der Jäger wegen verstecken sie sich tagsüber im Wald, wo sie dann Blätter und Knospen von den Bäumen fressen oder Rinde abschälen und so Schaden anrichten können. Den Sinn der fanatischen Fuchsjagd kennt auch kein Mensch, dem keine Gehirnwäsche verpasst wurde. Ist man einmal in den Fängen einer dieser sektenartigen Jagdgesellschaften, das Herz abgestumpft und verdörrt, gibt es fast kein Entrinnen mehr. Nicht Wenigen bleibt bei soviel Unkultur nur der Griff zur Flasche. Lesen Sie auch: Jagd ist im Naturschutz ein großes Problem

  • Deutscher Jagdverband: „Pille für Wildschweine ist Utopie“

    In einem dpa-Artikel mit der Überschrift „Pille für Wildschweine ist Utopie“ wird der Pressesprecher des Deutschen Jagdverbandes, Torsten Reinwald, zitiert, wonach das IZW Institut für Zoologie und Wildtierforschung Berlin Versuche mit der Pille wieder eingestellt habe. Diese Aussage ist falsch. Nach Information von Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland, konnten entsprechende Versuche aufgrund nicht zur Verfügung stehender Finanzmittel gar nicht erst durchgeführt werden. Kauertz beruft sich auf die aktuelle Information eines stellvertretenden Direktors des IZW. „Während das Medikament bereits seit langem marktreif ist, bedarf die sichere Verabreichung an Wildschweine noch einer wissenschaftlichen Begleitforschung. Dazu sind Forschungsgelder erforderlich. Hier allerdings blocken die Landwirtschaftsministerien.“ Die Vermutung liegt nahe, dass die von jagdlichen Interessen infiltrierten Entscheidungsgremien an tierschutzkonformen Lösungen, die andere als die Jagd sein könnten, gar nicht interessiert sind. Ein Erfolg der Pille für das Wildschwein würde auch dem letzten Hinterbänkler die Augen dafür öffnen, dass die Schwarzwildjagd in den letzten 30 Jahren nicht ansatzweise ihren gesetzlichen Auftrag hat erfüllen können. Bild: Timo Litters Auch der Einwand des DJV-Pressesprechers hinsichtlich des Impfpräparates zeigt, dass sich die Jagdlobbyisten wohl noch nicht einmal mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Zur Anwendung kommen keine Hormone, wie Reinwald behauptet, sondern Impfstoffe, die mit Antikörpern die Hormonbildung beeinflussen. Das ist ein Unterschied, denn diese Methode wäre unbedenklich im Hinblick auf die Verwertung des Wildbrets von geimpften Wildschweinen. Dass es möglich ist, Wildschweine auch in freier Wildbahn zu impfen, zeigen z.B. Feldversuche der TU Dresden. Für eine Studie zur Raum- und Habitatnutzung des Schwarzwildes (Wildschweine) wurden im Areal eines Forstamtes in Mecklenburg-Vorpommern schon vor 15 Jahren 152 Wildschweine gefangen, mit Sendern und/oder Ohrmarken versehen. Diese Tiere hätte man auch impfen können. „Wir verstehen, dass Jagdlobbyisten andere Lösungen als die Jagd zur Einflussnahme auf die Bestandsentwicklung von Wildschweinen kategorisch ablehnen. Ein Erfolg der Pille für das Wildschwein würde auch dem letzten Hinterbänkler die Augen dafür öffnen, dass die Schwarzwildjagd in den letzten 30 Jahren nicht ansatzweise ihren gesetzlichen Auftrag hat erfüllen können: Die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes.“ SZ-Online: Pille für Wildschweine ist Utopie Wildtierschutz Deutschland: Längst überfällig - Pille für das Wildschwein

  • Luxemburg verlängert Jagdverbot auf Füchse

    Der Luxemburgische Regierungsrat hat das im Jahr 2015 eingeführte Verbot der Fuchsjagd soeben um ein weiteres Jahr verlängert. Die Schonung der Füchse ist ein Erfolgsmodell: Die Fuchsbestände sind stabil; die von Jägern im Vorfeld des Jagdverbots prognostizierte „Bestandsexplosion“ ist ausgeblieben. Eine Studie zeigt nun, dass die Schonung des Fuchses auch das Risiko für den Menschen reduziert, am Fuchsbandwurm zu erkranken. Das Aktionsbündnis Fuchs, eine Initiative von mehr als 40 deutschen Tier- und Naturschutzorganisationen, der auch Wildtierschutz Deutschland angehört, fordert die Bundesregierung auf, dem Beispiel Luxemburgs zu folgen. Das Luxemburgische Umweltministerium hatte die Fuchsjagd bereits 2015 verboten, weil man keinen vernünftigen Grund für die Tötung mehrerer tausend Füchse im Jahr sah. Jagdverbände hatten dagegen immer wieder vor ausufernden Fuchsbeständen durch das Jagdverbot gewarnt. Zudem versuchten sie wiederholt, die Angst vor dem Fuchsbandwurm zu instrumentalisieren, um das Reglement zu kippen. "Kein vernünftiger Grund für die Tötung mehrerer tausend Füchse im Jahr" Photo by Ray Hennessy on Unsplash Jagd erhöht das Infektionsrisiko durch den Fuchsbandwurm Allerdings gibt es bis heute keinerlei Anzeichen für höhere Fuchsbestände. Eine im November 2017 in Frankreich veröffentlichte Studie zeigt darüber hinaus, dass Bejagung das Infektionsrisiko durch den Fuchsbandwurm sogar erhöht: Während die Infektionsrate der Füchse infolge starker Bejagung von 40 Prozent auf 55 bis 75 Prozent stieg, blieb sie in einem jagdfreien Kontrollgebiet konstant. Franck Boué, einer der Autoren der vielbeachteten Untersuchung, stellt die Ergebnisse in einem Vortrag am 29.1.2018 in Luxemburg-Stadt vor. Fuchsbestände bedürfen keiner „Regulierung“ durch den Menschen Immer wieder zeigen sowohl Studien als auch Praxiserfahrungen in den verschiedensten Gebieten, dass Füchse keiner „Regulierung“ bedürfen. Steigen die Verluste etwa durch die Jagd, führt das zu höheren Geburtenraten und stärkerer Einwanderung aus benachbarten Gebieten, wodurch die Verluste schnell wieder ausgeglichen werden. Andererseits zeigen Erfahrungen aus jagdfreien Gebieten, dass dort weniger Fuchswelpen geboren werden und eine Massenvermehrung ausbleibt. „Geburtenkontrolle statt Massenelend“, kommentierte dies einst der Biologe Erik Zimen. Verbot der Fuchsjagd: Richtungsweisend für ganz Europa Das Fuchsjagdverbot in Luxemburg ist richtungsweisend für ganz Europa: Gegen der massiven Druck einer einflussreichen Lobby wurde auf Basis nachprüfbarer wissenschaftlicher Fakten die richtige Entscheidung getroffen. „Es wird höchste Zeit, dass auch politische Entscheidungsträger in Deutschland aufhören, sich den Interessen der Jagdlobby zu beugen“, so Lovis Kauertz, Mitinitiator des Aktionsbündnisses Fuchs. „Das Beispiel Luxemburgs zeigt, dass ein Verbot der Fuchsjagd nicht nur den oftmals qualvollen Tod tausender Füchse verhindert, sondern für Bürger, Tier- und Naturschutz durchweg ein Erfolgsmodell ist.“ „Es wird höchste Zeit, dass auch politische Entscheidungsträger in Deutschland aufhören, sich den Interessen der Jagdlobby zu beugen“ Photo by Ray Hennessy on Unsplash Lesen Sie auch: Intensive Fuchsjagd ist ein Krankheitsrisiko für Menschen Im Text zitierte Fuchsstudie: Elsevier B.V., Preventive Veterinary Medicine: Studie zur Verbreitung von Wildtierkrankheiten durch die Fuchsjagd, Sebastien Comte et al.

  • Afrikanische Schweinepest rechtfertigt keine tierschutzwidrigen Maßnahmen gegen Wildschweine

    Dass die Afrikanische Schweinepest (kurz: ASP) auch nach Deutschland kommt, daran zweifelt derzeit kaum jemand mehr. Auch daran nicht, dass der Massentierhaltungsindustrie dadurch ein jährlicher Schaden von etwa drei bis vier Milliarden Euro entstehen kann. Wildtierschutz Deutschland bezweifelt seit langem den Nutzen einer intensiven Jagd auf Wildschweine und verurteilt aktuelle Maßnahmen wie die Aufhebung von Schonzeiten, die Jagd während der Winterruhe der Tiere, nächtliche Störungen der Wildtiere durch die Jagd mit Scheinwerfern und Nachtsichtgeräten. Diese Maßnahmen seien hinsichtlich der Eintragung der ASP weder zielführend noch gebe es durch die potentielle Gefahr des Auftretens der ASP einen vernünftigen Grund, Tierschutznormen außer Kraft zu setzen. Volkswirtschaftlich irrelevant „Ein volkswirtschaftlicher Schaden von bis zu vier Milliarden Euro – das sind ca. vier Euro pro Bürger pro Monat – kann kein Grund sein, Tierschutznormen außer Kraft zu setzen,“ so Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland. „Schon durch die heute üblichen Jagdformen auf Wildschweine werden viele Tiere - wie diverse Untersuchungen belegen – zu Tode gequält. Das Fallenlassen weiterer Tabus hätte wohl zwingend auch Auswirkung auf alle anderen wildlebenden Tiere in Deutschland. Abgesehen davon sind schon in den vergangenen 30 Jahren trotz intensiver Jagd die Bestände der Wildschweine durch höhere Geburtenraten kurzfristig wieder kompensiert und überkompensiert worden. Die Jagd auf Wildschweine ist hinsichtlich einer Reduzierung der Bestände nicht zielführend. Sie führt zur Zerstörung der geburtenbeschränkenden Sozialgefüge und führt zu höherer Reproduktion. Die Pille für das Wildschwein könnte Entlastung bringen. Aber darüber wollen Politiker und Jagdlobbyisten nicht nachdenken.“ Das was Deutschlands Landwirtschaftsminister veranstalten grenzt an Hysterie, Bild: Detlef Hinrichs Die Afrikanische Schweinepest wird über Menschen eingeschleppt, nicht über Wildschweine Wildschweine sind relativ standorttreu und werden kaum von Ostpolen über die Oder nach Deutschland wandern und den ASP-Virus einschleppen. Das ist schon deshalb unmöglich, weil sie durch die Krankheit extrem geschwächt und spätestens kurz hinter Warschau sterben würden. Wenn die ASP nach Deutschland kommt, dann wahrscheinlich über ein unachtsam weggeworfenes Wurstbrötchen aus Osteuropa oder durch kontaminierte Fahrzeuge. „Genau hier sollten Politiker ansetzen, wenn sie etwas gegen die Eintragung der Afrikanischen Schweinepest tun wollen. Das Kleben von Warnplakaten an Grenzübergängen und auf Parkplätzen ist da wahrlich nicht ausreichend.“ Weitere Artikel zur Afrikanischen Schweinepest

  • Mein Name ist Fuchs, Reinhardt Fuchs

    Hallo, guten Tag! Mein Name ist Fuchs, Reinhardt Fuchs. Manche Zweibeiner nennen mich auch „Reineke Fuchs“, aber das finde ich reichlich altmodisch. Es passt einfach nicht mehr in die modernen Zeiten. Genauso wenig wie das Lied, das den kleinen Menschen immer noch im Kindergarten beigebracht wird: „Fuchs du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her, sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr.“ Alles Lüge, gemeine Lüge! Wie soll ein Fuchs denn an Gänse kommen, die die Menschen heutzutage in Massen in Ställe sperren, um sie selbst zu töten und zu essen, wenn sie dick und fett gemästet sind. Als einmal eine Stalltüre offenstand, habe ich sie gesehen. Was soll ich sagen? Da standen sie, eng an eng, kaum dass sie sich umdrehen konnten, aufgeregt schnatternd. Die Gänse haben mir leidgetan, nie hätte ich mich an ihnen vergriffen. Mein Name ist Fuchs, Reinhardt Fuchs. Manche Zweibeiner nennen mich auch „Reineke Fuchs“, aber das finde ich reichlich altmodisch. Bild: Luise Dittombée Und die Jäger? Ja, die verfolgen und erschießen uns Füchse, wo immer sie einen treffen, da brauchen wir uns gar nichts zu Schulden kommen lassen. Sie nennen uns „rote Freibeuter“. Sie hassen uns. Sie jagen uns. Sie verbreiten Lügen über uns. Sie behaupten, wir Füchse übertragen Tollwut, dabei tritt diese Krankheit seit vielen Jahren hier gar nicht mehr auf. Jäger sagen auch, wir übertragen den „Fuchs-Bandwurm“ auf Haustiere - der eigentlich - weil er von Mäusen kommt, Mäuse-Bandwurm heißen müsste. Sie sagen, wir haben ansteckende Räude, Staupe und was weiß ich noch alles … Jedes Jahr töten diese Jäger mehr als eine halbe Million von uns. 500.000 tote Füchse nebeneinandergelegt – was gäbe das für eine „Strecke“! Die meisten werden erschossen, viele in Fallen gefangen, erschlagen oder von Jäger-Hunden ergriffen und getötet. Eine Tragödie! Bis vor Kurzem entsorgten Jäger unsere toten Artgenossen als Abfall, als Müll – einfach so. Wir waren nichts wert. Obwohl Menschen alle möglichen toten Tiere in sich hineinstopfen, werden Füchse offenbar nicht verspeist. Lange Jahre interessierte sich niemand mehr für unseren Pelz. Das hat sich geändert. Zur Zeit gibt es nämlich wieder einen Boom- einen Pelzboom. Die Modewelt der Zweibeiner macht mordsmäßig Reklame für Pelze von echten Tieren. Wenn nicht als Jacke oder Mantel, dann eben als Mütze, als Bommel auf dem Kopf, am Kragen, an den Stiefeln und wer weiß, wo sonst noch. Auch Fuchspelze! Jawohl, tote Füchse werden wieder gebraucht. Davon wollen jetzt auch die Jäger profitieren. Allerding können die mit der Billig-Konkurrenz aus chinesischen Fuchsfarmen schlecht mithalten. Trotzdem! Jäger rotten sich zusammen und bieten die abgezogenen Felle meiner Artgenossen zum Kauf an. Sie gründen Firmen, um die „reifen Fuchsbälge“ zu vermarkten. Für die Jäger sind wir „reif“, wenn unser Fell schön dick, dicht und flauschig ist, das ist meistens im Winter er Fall. Eine neueste Jägergründung heißt – idiotischer geht’s kaum noch: „Fellwechsel“. Man könnte meinen, ob Jäger nun meine toten Artgenossen auf den Müll werfen oder ihren Pelz verkaufen, mache keinen Unterschied. Einspruch! Fuchsfelle, die in den Handel kommen, müssen gut und unversehrt aussehen und dürfen nicht von Bleischrot durchsiebt und durchlöchert sein. Was das heißt? Zur Erklärung reicht eigentlich nur ein Wort: Fallenjagd! Viele Zweibeiner meinen ja, Fallen seien längst verboten. Irrtum! Verboten ist das Tellereisen. Bild: Tierschutzverein Lemgo Viele Zweibeiner meinen ja, Fallen seien längst verboten. Irrtum! Verboten ist das Tellereisen. Wenn ein Tier auf den Teller eines solchen Eisens tritt, schlagen zwei Bügel zusammen und halten das Tier meist am Bein fest, bis ja, bis der Fallensteller auftaucht und das Tier tötet. Es kommt auch vor, dass sich das Opfer selbst befreit, indem es sich ein Bein abbeißt. Wenn es nicht bereits am Schock gestorben ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist hier das Tellereisen seit langem nicht mehr erlaubt. Aber: Jägern dürfen immer noch Fallen stellen, die – nach dem Gesetz – entweder ein Tier lebend fangen oder sofort töten sollen. Die Totschlagfallen werden mit einem Köder bestückt. Wenn ein Tier den Leckerbissen aufnehmen will, schlagen zwei gezackte Bügel über seinem Kopf zusammen und brechen ihm das Genick. Dann muss nur noch der Fallensteller kommen, sich den toten Körper aneignen und ihm das Fell über die Ohren ziehen – fertig ist der Fuchspelz. So ist es gedacht. Dass das nicht immer nach Vorschrift funktioniert, und dass Fallenjagd mit übler Tierquälerei verbunden ist, weiß ich aus eigener Anschauung. Ich habe nämlich das Landleben und die dort lauernden Gefahren kennengelernt - bis zum Erbrechen. Der Fuchsbau meiner Familie befand sich in einem riesigen bewaldeten Jagdrevier, gut versteckt, aber nicht weit von der großen Stadt. Wir konnten sie hören und riechen. Wir waren eine kleine Familie: Mutter, Vater und drei Kinder. Alles Jungs. Als wir noch Welpen waren, kümmerte sich hauptsächlich unser Vater darum, dass es uns gut ging. Er versah den Außendienst, schob Wache, ging auf Mäusejagd, schleppte Essen heran, spielte mit uns Kleinen. Unsere Mutter blieb meistens im Bau und umsorgte und verhätschelte uns. Bis, ja, bis zu jenem Tag, an dem unser Vater nicht mehr nach Hause kam. Er blieb verschwunden. Wir ahnten bald, was geschehen war. Jäger! An jenem Morgen hörten wir nämlich Schüsse, Geschrei, Hundegebell. Da war eine Treibjagd in der Gegend. Wir kannten das schon. Die Jäger sind dann außer Rand und Band und schießen auf alles, was sich bewegt. Normalerweise heißt das für uns Füchse: Ruhe bewahren, im Bau bleiben, bloß nicht draußen sehen lassen. Unser Vater hat es nach seinem nächtlichen Streifzug nicht mehr zu uns geschafft. Jäger müssen ihn auf der Flucht erschossen haben. Das war Mord! Entsetzlich, welch ein Trauerspiel! Unseren Vater und Ernährer – er fehlte an allen Ecken und Enden. Nun musste unsere Mutter ganz alleine drei Halbstarke zu lebenstüchtigen Füchsen erziehen. Es war nicht einfach, aber ich möchte behaupten, es ist ihr gelungen. Meine beiden Brüder haben sich früh selbständig gemacht und ihr eigenes Streifgebiet gesucht. Ich habe sie nie wiedergesehen … hoffentlich sind sie noch am Leben… ach, ich mag nicht darüber nachdenken! Ich selbst wurde mit der Zeit ein erfolgreicher Ratten- und Mäusejäger. Ich wollte noch eine Zeitlang bei meiner Mutter bleiben, um sie zu unterstützen. Sie war nicht mehr die Jüngste. In Freiheit sind sechs oder sieben Fuchsjahre schon ein schönes Alter. Wir zählen zwar zu den Hunden - sind Wildhunde, aber unsere Lebenserwartung ist lange nicht so hoch wie bei Haushunden. Sie schwankt stark. Zehn Jahre sind eine absolute Ausnahme. Die hätte ich meiner Mutter so sehr gegönnt, doch es kam anders. Meine beiden Brüder haben sich früh selbständig gemacht und ihr eigenes Streifgebiet gesucht. Bild: René Schleichardt Den Tag, an dem ich meine tote Mutter in einer „Lebendfalle“ fand, werde ich nie vergessen. Allein der Gedanke daran macht mich fuchsteufelswild! Seitdem hat sich meine kleine Welt total verändert. Diese Falle, die eigentlich ein mit Zweigen und Blättern getarnter Drahtkasten war, hatte der Fallensteller genau auf dem schmalen Pfad aufgestellt, der zu unserem Bau führt. Warum meine erfahrene Mutter da reingeraten ist, ist mir heute noch ein Rätsel. Als die Fallentür zuschlug, hat sie sicher erkannt, dass sie gefangen war und muss völlig ausgerastet sein. Panik! Bei ihren Versuchen, sich zu befreien, hat sie sich schlimm verletzt. Ihr Gesicht war blutverschmiert. Auch die Ballen der Vorderpfoten waren aufgescheuert und voller Blut. Wahrscheinlich hat sie der Stress umgebracht. Herzversagen! Und ich stand da, zitternd, wütend, hilflos, weinend. Bis … ja, bis ich das bekannte Röhren des Jäger-Jeeps hörte, das immer näher kam. Da floh ich … Ich rannte, rannte, rannte um mein Leben. Erstmal völlig kopflos – doch zum Glück in die richtige die Richtung. Vom Landleben hatte ich die Schnauze gestrichen voll! Nach einigen Umwegen ist es mir gelungen, die große Stadt zu erreichen. Und nachdem ich wieder zur Ruhe und Vernunft gekommen war, wurde ich Untermieter in einem sehr geräumigen Bau. Er gehörte einem netten, aber ziemlich grimmig aussehenden Dachs. Er nannte sich selbst „Meister Grimbart“ und sprach mich stur mit „Reineke“ an. Naja, das passte zu ihm. Normalerweise gingen wir uns aus dem Weg, grüßten nur freundlich, wenn wir uns mal begegneten. Von ihm habe ich wenig erfahren, was das wilde Leben im Großstadt-Dschungel ausmacht. Dafür umso mehr von meinen Artgenossen. Erfreulich! Ich traf sie an fast jeder Ecke. Sie waren so hilfsbereit – von Konkurrenz keine Spur! Sie haben mir sehr schnell alles beigebracht, was ein Großstadt-Fuchs zum Überleben wissen muss. Ich war ja als Landei völlig ahnungslos … Sie machten mich zum sprichwörtlich schlauen Fuchs! Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar. Nie hätte ich gedacht, dass sich in dieser Stadt an die 3000 Artgenossen tummeln. Es gibt eine ganze Reihe Gründe, weshalb sie gerne und gut in diesem großen, grünen Revier leben. Ein Grund ist sicher das tolle Nahrungsangebot. Es gibt massenhaft Ratten und Mäuse, Kaninchen, Vögel, weggeworfenes Essen, Komposthaufen, Abfallbehälter mit Essbarem, sogar sehr leckeres Katzenfutter in manchen Vorgärten. Zudem begegnet uns hier die Menschen viel weniger feindlich als auf dem Land. Und – das ist für alle Füchse ein ganz wichtiger Grund: hier sind wir vor Jägern sicher, selbst die Fallenjagd ist verboten! Wo geht's hier bitte in die Stadt, vom Landleben habe ich die Schnauze voll. Bild: Timo Litters Natürlich gibt es auch Gefahren in diesem fuchsigen Schlaraffenland: Da ist erstmal der wahnsinnig dichte Autoverkehr. Eine ernste Bedrohung, denn wir sind immer mal wieder gezwungen auch breite Straßen zu überqueren. Sehr traurig, dass öfter unerfahrene Artgenossen unter die Räder kommen. Dann gibt es auch üble Zweibeiner, die legen heimlich vergiftete Köder aus. Ich frage mich, wen sie töten wollen – Ratten, die sie hassen oder andere Tiere, die sie nicht mögen oder uns Füchse? Und dann gibt es noch freilaufende Hunde, die manchmal durchdrehen und uns verfolgen – sogar bis in unseren Bau. Manchmal bleibt einer darin stecken, dann ruft sein Mensch die Rettungskräfte, die ihn wieder ausbuddeln müssen. Nee, weißte! Wir sehen das gar nicht gern. Das bringt nur Unruhe ins Revier. Aber damit muss man leben. Jetzt lebe ich schon ziemlich lange in der großen Stadt. Und ehrlich gesagt: ich lebe gerne hier. Ich bin zufrieden. Ich habe alles, was ich zu einem artgerechten Fuchsleben brauche. Und sogar noch ein bisschen mehr. Es kann nämlich sein, dass ich Meister Grimbarts Bau bald verlasse und meine eigene Wohnung beziehe! Ich habe da jemanden kennengelernt … Drückt mir die Daumen! Oh, beinahe hätte ich's vergessen: bitte setzt euch für ein Verbot der Fuchsjagd ein, damit wir überall in Frieden leben können! Euer Reinhardt Fuchs Weitere Artikel zu Fuchsthemen gibt es hier

  • Über 40 Organisationen prangern grausame Fuchswochen an

    Im Januar und Februar haben Füchse noch mehr als sonst unter Nachstellungen zu leiden: Ausgerechnet zur Paarungszeit werden sie im Rahmen sogenannter Fuchswochen vielerorts besonders rücksichtslos verfolgt. Mehr als 40 Organisationen und Initiativen aus dem Natur- und Tierschutzbereich fordern, Luxemburgs Vorbild zu folgen und die ebenso grausame wie sinnlose Fuchsjagd einzustellen. Fuchswochen sind mehrere Jagdreviere übergreifende Veranstaltungen, bei denen mit allen zur Verfügung stehenden Jagdmethoden Hatz auf Füchse gemacht wird. Am Ende einer solchen Tötungsaktion liegen bisweilen mehrere Dutzend Füchse „auf der Strecke“ – viele von ihnen schlimm zugerichtet, mit zerschossenen Kiefern und Läufen oder heraushängenden Eingeweiden. Ende einer Fuchswoche. Bild: Bianka Pelli, Wildtierschutz Deutschland Qualvoller Tod ganzer Fuchsfamilien Diese intensive Bejagung erfolgt gerade in einer Zeit, in der Wildtiere eigentlich mit ihrer Energie haushalten müssen. Bei Füchsen spielt darüber hinaus der Fuchsvater eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Füchsin und Welpen im Frühjahr – wird dieser nach erfolgter Paarung beispielsweise im Rahmen der Fuchswochen getötet, führt dies nicht selten später zum qualvollen Tod der gesamten Familie. Fuchsjagd: Grausam und sinnlos Etwa eine halbe Million Füchse werden in Deutschland Jahr für Jahr von Jägern getötet, wobei auch besonders grausame und in anderen Ländern bereits verbotene Praktiken wie die Baujagd, die Jagd mit Totschlagfallen oder die Abrichtung von Jagdhunden an lebenden Füchsen zum Einsatz kommen. Anders als von Jagdverbänden behauptet, kann von einer „Notwendigkeit“ der Fuchsjagd keine Rede sein: Studien zeigen ebenso wie Erfahrungen aus fuchsjagdfreien Gebieten unmissverständlich, dass Fuchspopulationen sich ohne menschliches Zutun regulieren. Verluste durch die Jagd werden dagegen durch steigende Geburtenraten und Zuwanderung schnell ausgeglichen. Aktionsbündnis Fuchs fordert Einstellung der Fuchsjagd Das Aktionsbündnis Fuchs ist ein stetig wachsender Zusammenschluss aus derzeit mehr als 40 Tier- und Naturschutzorganisationen, dem auch Wildtierschutz Deutschland e.V. angehört. Es setzt sich dafür ein, dass die Fuchsbejagung bundesweit beendet wird. „Es wird höchste Zeit, dass diesen sinnlosen Grausamkeiten Einhalt geboten und die Gesetzgebung dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand angepasst wird“, erläutert Dag Frommhold, einer der Initiatoren des Bündnisses. „Luxemburg hat dies im Frühjahr 2015 getan, mit ausnehmend positiven Ergebnissen.“ Weitere Artikel zum Thema Fuchs und Fuchsjagd

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