Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen
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- Kill the beast! Der Vogelsbergkreis hat den Waschbären den totalen Krieg erklärt
Der rabiate Stürmer auf der Strafbank hat erst „rot“ gesehen und sich dann schwarz geärgert. So viele todsichere Torchancen – und keine wird genutzt. So ähnlich empfindet der ambitionierte Weidmann, wenn Schonzeiten sein Schussfeld eingrenzen. Er leidet ob all der verpassten und vertanen Möglichkeiten wie (s)ein Hund. Deshalb arbeiten er und seine Brüder und Schwestern im Geiste an allen Fronten darauf hin, den gesetzlich verbrieften Schutz, den bestimmte Wildtiere zu bestimmten Zeiten genießen, aufzuweichen oder ihn am besten gleich ganz abzuschaffen. Die außerparlamentarische Pirschfraktion sucht sich Verbündete – auch und vor allem in der Politik und den parlamentarischen Gremien, die sie aber längst unterwandert und durchdrungen hat. Exemplarisch lässt sich das am Beispiel des Vogelsbergkreises in Hessen festmachen. Der dortige Kreistag hat mit überwältigender Mehrheit von 46 Stimmen und bei schlappen sechs Gegenvoten eine Resolution verabschiedet, die die Hessische Umweltministerin Priska Hinz veranlassen soll, Waschbären ganzjährig zum Abschuss frei zu geben – unter Berücksichtigung des Mutterschutzes zur Aufzuchtzeit. Das Papier in vollem Wortlaut hier. SPD-Landrat Manfred Göhrig hat sich an die Spitze der Anti-Waschbär-Bewegung gestellt. Der passionierte Jäger hatte die „lieben Kameraden und Freunde“ bereits im Frühjahr aufgefordert, auf Privatgrund gefangene Waschbären ins Hessische Umweltministerium zu schicken. Um der Ministerin den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Einen entsprechenden und von reinem Populismus diktierten Schaufensterantrag hatte mit der vierköpfigen FDP-Riege eine der kleinsten und unbedeutendsten Fraktionen des Hauses formuliert. Christian Lindner, ihr großer, cooler (Bundes-)Vorsitzender, bemüht sich ja derzeit um eine entsprechende Lizenz zum Töten. Als freiheitlich denkender Mensch wolle er selbst auf die Jagd gehen, hat der Polit-Yuppie gegenüber dem Jäger-Magazin ausgeführt. Echt! Ähnlich haarsträubend sind die Begründungen, mit denen die Vogelsberg‘ler ihre Eingabe untermauern. Womit sich die Kalenderblatt-Weisheit eines unbekannten Verfassers bestätigt: Politik und dumme Sprüche kommen aus derselben Küche! Dienst an der Waffe für den Artenschutz In der Resolution ist unter anderem die Rede davon, die (aufopferungsvolle und natürlich völlig selbstlose) Hege bestimmter Niederwildarten würde durch eine „wildbiologisch nicht begründbare, überlange Schonzeit für Waschbären“ torpediert. Was auf eine partielle Entwertung des Jagdrechtes hinauslaufe. Das gängige Blabla also. Aber die Tierschützer im Lodenlook wollen sich da nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Durch ihren ehrenamtlichen Dienst an der Waffe sei es ihnen trotz massiver gesetzlicher Einschränkungen gelungen, den „negativen Einfluss“ der Kleinpetze während der Brut- und Setzzeiten auf Boden-, Baum- und Höhlenbrüter sowie auf Frösche, Lurche und Niederwild zu halbieren. Whoww! Reife Leistung. Nun muss man wissen, und das tun auch die Jäger, dass der Speisezettel der maskierten Allesfresser zu 41 Prozent aus pflanzlicher Nahrung besteht, während wirbellose Tiere wie Insekten und Würmer einen Anteil von 44 Prozent daran stellen. Den Rest steuern kleine Wirbeltiere bei. Darunter, haben Untersuchungen ergeben, sind noch nicht einmal zwei Prozent Vögel. Würden die Behauptungen der Nimrods hingegen zutreffen, müsste die Mehrheit der Racoons über Nacht dem partiellen Vegetariertum völlig entsagt und ihre Ernährungsgewohnheiten komplett umgestellt haben. Hier geht's weiter, lesen Sie den ganzen Artikel Auch interessant: Waschbären - erfolgreiche Einbürgerung - nutzlose Jagd
- Jagt die Jäger aus dem Wald
Nur eine Bemerkung zu der Fallenjagd: Die allermeisten Zeitgenossen haben nicht die leiseste Vorstellung von dem Grauen, das "waidgerechte" Jagd erzeugt. Zerschmetterte Knochen, zerfetzte Gesichter, höchst schmerzhafte Verstümmelungen aller Art werden den Tieren zugemutet, ohne dass die Verursacher zur Verantwortung gezogen werden können, sofern der überaus leichte Nachweis zu erbringen ist, dass dies alles im Rahmen der Waidgerechtigkeit geschah. Bild: GSPCA, zur Verfügung gestellt von IJH.de Jagdhunde an bewegungsunfähigen Katzen zur Schärfe zu erziehen, ist ebenso waidgerecht wie die scheußliche Praxis die Apportierfähigkeit des Hundes bei der Entenjagd zu trainieren. Hierzu werden vorsätzlich flugunfähig gemachte Enten von Hunden aus dem Wasser gehetzt. Die quälende, panische Angst einer Ente bleibt unberücksichtigt. Nach ihrem natürlichen Verhalten würde sie auffliegen, wenn der Hund zu nahe kommt. Das kann sie nicht. Daher erlebt sie bei vollem Bewusstsein, wie der Hund sie zu packen bekommt. Es muss die Forderung aller tierliebenden Menschen heißen: Jagt die Jäger aus dem Wald. Lesen Sie auch: Schuss und tot - räumen Sie auf mit den Klischees rund um die Jagd
- Jagd ist ein ständiger, schwerer Eingriff in das Gleichgewicht der Natur
Ja, es ist schon schlimm, welch üble Fehler der liebe Gott bei seiner Schöpfung gemacht hat und neben bösartigem, konkurrierenden "Raubzeug", wie Füchsen, streunenden Hunden, und Katzen, Grünzeug äsendem Rehwild, gar auch wühlende Wildschweine und andere störende Tiere schuf. All dieses Versagen muss die edle "Dornen"-Krone der Schöpfung im grünen Rock nun mühsam mit Fallen, Schießeisen und über 1.500 Tonnen Blei und Eisen jährlich ausbügeln. Klartext: Jagd ist Krieg gegen die Natur. Nichts anderes. Das edle Angebot des meisterlichen Revierjägers mit Jagdgegnern zu diskutieren, ist ähnlich zielführend, analog den Diskussionen einzelner Kriegsfreunde mit Kriegsgegnern. Es wäre Zeitverschwendung, da notwendige, gesetzgeberische Entscheidungen nur auf politischer Ebene getroffen werden können – tja, und viele Politiker sind eben Jäger. Noch sind sie glücklich ... Bild: Detlef Hinrichs Zu dem gebetsmühlenartigen Beteuerungen der grünen Lodenträger "Jagd ist gelebter Artenschutz" nur zwei Feststellungen: Der anerkannte Biologe Prof. Dr. Josef Reichholf kam bei seinen Forschungen zu dem Ergebnis, dass die Jagd - nach der industriellen Landwirtschaft - der "Artenfeind Nr.2"(!) ist. Und - "Wir jagen, weil es uns Freude macht und was wir Hege nennen, ist blanker Eigennutz, gelegentlich Fressneid. Wir wollen den Habicht nicht fangen, weil uns die armen Fasanen leidtun, weil wir ihnen das ewige Leben wünschen. Wir wollen Habicht, Wiesel, Fuchs und Co. nur ans Leder, weil wir deren Beuteanteile selbst schlagen und kröpfen wollen." - so Bruno Hespeler, Jagdautor, in "Raubwild heute". Jagd ist ein ständiger, schwerer Eingriff in das Gleichgewicht der Natur - ein die Umwelt schädigendes, schlimmes Überbleibsel unbewältigter Neandertal-Mentalität. Der seinen Killerinstinkt mittlerweile beherrschende Normalbürger steht verständnislos vor dieser mit viel Brimborium verbrämten Lust am Töten. ... bis die Jungfuchsfallen an den Bauen aufgestellt werden. Bild: Jo Kurz Die Evolution hat die Natur über Millionen Jahre hinweg befähigt, eigene Regelmechanismen für das Gleichgewicht in Tier- und Pflanzenwelt zu entwickeln. Der Wildbestand reguliert sich auch heute ohne Jagd auf normale Populationsgrößen ein. Das zeigen Nationalparks (Anm. Redaktion: ... und das Fuchsjagd freie Luxemburg). Der ganzen üblen Problematik des Jagdgeschehens wäre mittelfristig wohl nur durch die Einführung von Berufsjägern zu begegnen, damit die Jagd nicht weiter als Geschäftemacherei, Hobby und zum Lustgewinn betrieben wird. Lesen Sie auch: Jagd ist kein „Nebenkriegsschauplatz“ im Naturschutz, sondern ein großes Problem
- Die Letzten ihrer Art: Der Feldhamster räumt das Feld und sagt leise „Tschüss“:
Temporär sind die kleinen pausbackigen Kerlchen mit den lustigen Knopfaugen (erst mal) völlig von der Bildfläche verschwunden. Sie ratzen und halten in ihrem rund ein Meter unter der Grasnarbe angelegten Bau Winterruhe. Do not disturb! Real und im wahren Leben werden die Tiere die Platte in absehbarer Zeit ebenfalls geräumt haben. Und zwar völlig. Die Ära der akut vom Aussterben bedrohten Feldhamster neigt sich ihrem Ende zu. Wenn sie Ende April/Anfang Mai nach sechsmonatigem Erholungs- und Schönheitsschlaf wieder aus ihren unterirdischen Höhlen an die Oberfläche krabbeln, wäre es theoretisch möglich, jeden der Ihren mit Vornamen zu begrüßen. Denn es gibt nicht mehr viele von ihnen. Aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben sich die putzigen Nager inzwischen komplett verabschiedet, in Nordrhein-Westfalen kann man sie fast an den Fingern einer Hand abzählen. In Baden-Württemberg siechen Schätzungen zufolge gerade mal noch hundert Exemplare vor sich hin. In anderen Bundesländern ist die Situation ähnlich. Hier mal mehr, dort mal weniger angespannt, aber durchgehend dramatisch. Der Trend ist überall negativ. Und das gilt auch für andere europäische Länder. 1.100 Tiere sollen es noch in Hessen sein, gerade mal 140 in Niedersachsen. Bundesweit wird der Bestand auf etwa 100.000 Exemplare geschätzt. Diese Zahlen hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) 2012 veröffentlicht. Aktuelle Erhebungen für 2017 liegen nicht vor. Aber die Lage dürfte seitdem nicht besser geworden sein. Au Backe! Die gut entwickelten Backentaschen sind die Einkaufstüten der knopfäugigen Nager. Darin können sie große Mengen an Lebensmitteln transportieren, die sie währen der langen Winterruhe dringend brauchen. Zwei Kilogramm Nahrung sichern das Überleben. Foto: Berndt Fischer/ www.berndtfischer.de Die Pausbacken vermissen das Bett im Kornfeld Da nutzt den Tieren auch ihre naturseitig gegebene hohe Schlagzahl bei der Fortpflanzung nix. Früher warfen die Weibchen dreimal im Jahr 6-10 Junge, eine Zahl, die heuer ob der schlechten Lebensbedingungen längst nicht mehr erreicht wird. Die Reproduktionsrate kann den Schwund nicht mehr ausgleichen. Da Feldhamster notorische Einzelgänger sind, die ihr Territorium vehement gegen Artgenossen verteidigen, und jeder Bau nur von einem dieser Tiere bewohnt wird, lässt sich die Populationsgröße in ihrer Gesamtheit relativ gut abschätzen. Als bevorzugter Lebensraum des Pausbäckigen gelten Korn-, Klee- und Luzernefeldern. Vor allem Getreideareale sind wie ein Schlaraffenland für ihn. Werden diese jedoch abgeerntet, und das geschieht mit den modernen Hochleistungs-Mähdreschern ja immer effektiver, ist dies für den Feldhamster eine Katastrophe! Er lässt die leeren Backen hängen, weil für ihn bleibt nichts mehr übrig bleibt. Die Nahrung ist weg, die Deckung auch. Den vollständigen Artikel finden Sie auf Rotorman's Blog. Petition für die letzten Feldhamster in Hessen
- Kohle für’s Töten? Jäger werden mit der kommerziellen Fellverwertung scheitern
Irgendwie kommen die deutschen Nimrods mit ihrer kommerziellen Balgverwertung nicht so richtig zu Potte. Der Plan, aus den Überresten erlegter Tiere zusätzliches Kapital zu schlagen, dürfte grandios scheitern. Kein Mensch will solche grenzwertigen, aus trüben, blutigen Quellen stammenden Produkte haben oder diese, einem Kainsmal gleich, spazieren tragen. Modischer Chic geht nämlich anders. Deshalb auch dürfte die Ende 2016 vom Deutschen Jagdverband und dem Landesjagdverband Baden-Württemberg aus der Taufe gehobene Fellwechsel GmbH ein tot geborenes Kind sein. Dass Wildtiere für kleidsamen Chic ihr Leben lassen müssen, ist immer weniger Kunden zu vermitteln. Deshalb werden die Jäger auch mit ihrer neuen Fellverwertungs-GmbH grandios Schiffbruch erleiden. Bild: rotorman's Blog Die Beteiligten versuchen sich selbst und anderen allerdings einzureden, dass es sich dabei um ein Pilotprojekt mit Zukunft handelt. In der Nähe von Rastatt wurde inzwischen eine zentrale Sammelstelle aufgebaut, die in diesen Tagen ihre Arbeit aufnehmen soll. Man hofft, hier zunächst bis zu 10.000 Tieren jährlich das Fell über die Ohren ziehen zu können, das dann in Gerbereien weiter verarbeitet werden soll. Solches von Fuchs, Waschbär, Iltis, Mink und Marder. Das ist gemessen an den Abschusszahlen eine bescheidene Zielmarke. Doch die Schlagzahl könnte erhöht werden, wenn das Business einmal boomt. Aber so weit wird es nicht kommen. Allen gegenteiligen und mit Engels- bzw. Teufelszungen vorgetragenen Beschwörungen zum Trotz stoßen die bewaffneten Grünröcke mit ihrer Initiative auf breite Skepsis und Ablehnung. Die Argumente, mit denen sie sich und ihr Produkt schön zu reden versuchen, sind durchsichtig oder schlichtweg an den Borsten herbei gezogen. Das gilt vor allem auch für die kühne und steile These, in Deutschland steige die Nachfrage nach aus Echtfellen gefertigten Textilien. Vorher, nachher. Meucheln im Namen des Artenschutzes. Fotos: Pixabay Primitiv-Dialektik und Verbraucher-Verdummung Der von ihnen vermarktete Rohstoff sei ökologisch korrekt und werde aus nachhaltiger, weil tierschutzgerechter Jagd generiert, sagen die organisierten Hobby- und Heckenschützen. Und aus freilaufender Bodenhaltung stammen die (natürlich) mit viel Liebe erlegten Vorbesitzer ja obendrein. Der Primitiv-Dialektik gibt es noch mehr. Dem Verbraucher versucht man weiszumachen, etwas Gutes für die jeweilige Region und den Artenschutz zu tun, wenn er Felle aus heimischer Jagd kaufe anstatt solche aus qualvollen Zuchten in Osteuropa oder Asien. Na, wenn das keine stechenden (Totschlags-)Argumente sind. Lesen Sie den vollständigen Artikel hier Auch von Jürgen Heimann: Wer spinnt hier eigentlich?
- Jagd ist kein „Nebenkriegsschauplatz“ im Naturschutz, sondern ein großes Problem
Nachfolgend ein kurzer Ausschnitt aus dem Artikel "Was mir an der Jagd noch nie gefiel ... Eine sehr persönliche Bilanz" von Margret Bunzel-Drüke. Darin geht sie auf Unterschiede im Naturschutz zwischen jagenden und nicht jagenden Naturschützern ein [Anm.: Jäger verstehen sich als Naturschützer, der Deutsche Jagdverband ist anerkannter Naturschutzverband]. Den vollständigen Aufsatz stellen wir Ihnen als Download am Ende dieses Berichts zur Verfügung. "Jäger konzentrieren ihr Interesse auf Tierarten, die sie schießen dürfen, bestenfalls auf jagdbare Arten mit und ohne Schusszeit; im Naturschutz dagegen hat der Kriechende Sellerie genauso Freunde wie der Eremit, die Gelbbauchunke oder die Großtrappe. Im Naturschutz gehört Artenkenntnis zum guten Ton. Viele aktive Naturschützer kennen sich zumindest in der Vogelkunde aus, einige in weiteren Artengruppen. Können Sie die Arten während der Dämmerung auseinanderhalten? Jäger können es auch nicht - und schießen trotzdem. Bild: Christina Galitzki Bei Jägern ist die Artenkenntnis im Mittel geringer. Das beginnt damit, dass kaum ein Jäger zwischen Stein- und Baummarder sicher unterscheiden kann und endet noch lange nicht mit der meist völlig fehlenden Fertigkeit der Bestimmung von Enten, insbesondere fliegenden Tieren im Schlichtkleid. Die Verwechslung von Stock- und Schnatterente durch einen Ornithologen hat bis auf fehlerhafte Beobachtungslisten keine Auswirkungen; der Irrtum eines Jägers ist aber tödlich für die bedrohte Art." Vollständiger Artikel aus ABU info 33-35 (2012)
- Nutrias sollen invasiv sein und „beseitigt“ werden - sagen Sie Ihre Meinung
Getrieben von den Jagdverbänden wurden seitens der EU u.a. Waschbären und Nutria zu sogenannten „invasiven Arten“ erklärt. Deren Weiterverbreitung soll verhindert und bestehende Bestände „beseitigt“ werden. Dazu ist für Deutschland bereits ein Gesetzentwurf zur Durchführungsverordnung vorgelegt worden. Das Bundesamt für Naturschutz hat des Weiteren ein Maßnahmenpapier entworfen. Jeder Bürger und auch Organisationen haben die Möglichkeit im Rahmen eines Anhörungsverfahrens bis zum 20. November 2017 dazu Stellung zu nehmen. Nachfolgend zunächst unsere Stellungnahme zum Managementplan gegen Nutrias. Bitte nutzen Sie die Möglichkeit, hier in diesem Formular Stellung zu nehmen – auch gerne nur zu einzelnen Aspekten des Managementplans. Benutzen Sie unsere Stellungnahme als Hilfestellung (Stellungnahme zu den Maßnahmen im unteren Teil dieses Artikels). Hier zunächst eine kurze Zusammenfassung: Für Haltungen von Nutrias auf Nord- und Ostseeinseln sind konkrete tierschutzgerechte Maßnahmen wie zum Beispiel Kastration und Umsiedlung zu definieren. Kein Abschuss oder Fang von Nutrias zum Schutz gefährdeter, schutzwürdiger Röhricht- und Wasserpflanzenbestände. Die Tiere tragen nicht unerheblich zur Artenvielfalt an Gewässern bei. Hier geht es zum Anhörungsportal Management- und Maßnahmenpapier Nutria Ihr Kommentar zu den Management-Maßnahmen Bild: nutria-info.com Die im Maßnahmenpapier Nutria aufgeführten „nachteiligen Auswirkungen“ sind nur ein selektiver Ausschnitt aus der Ökologie der Nutria. Opportun wäre es, dem die positiven Eigenschaften dieser friedfertigen Tiere zumindest entgegenzusetzen. Nutria können in hohem Maße zur Biodiversität sowohl im Uferbereich als auch unter Wasser beitragen. Diverse Forschungsarbeiten belegen das. Darüber hinaus tragen sie dazu bei wirtschaftliche Schäden zu reduzieren. Die Tiere leben seit dem 19. Jahrhundert in der freien Natur in Deutschland und sie stellen seitdem weder eine epidemiologische, eine volkswirtschaftlich relevante ökonomische, noch eine ökologische Bedrohung dar. Es gibt keinen vernünftigen Grund, die Tiere zu töten. Unseres Erachtens gibt es auch keine belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse diese Tierart, die bereits seit über 130 Jahren in Deutschland heimisch ist, in Deutschland als invasiv einzuordnen. Laut Biodiversitäts-Konvention von Rio 1992 ist eine Art dann invasiv, wenn sie eine ökonomische, gesundheitliche oder ökologische Gefahr in ihrem neuen Lebensraum darstellt. Bei keinem der genannten Kriterien tritt die Nutria als signifikant in Deutschland in Erscheinung. Kommentar Wildtierschutz Deutschland zu der im Maßnahmenpapier angeführten nachteiligen Auswirkung 1: „Der Fraß an Ufer- und/oder Unterwasserpflanzen durch Nutrias hat gebietsweise erhebliche Auswirkungen. In bestimmten Fällen können Nutrias die Etablierung und Wiederausbreitung von Röhrichten verhindern (Vossmeyer et. al 2016). Ufergehölze werden nur in sehr geringem Umfang gefressen. Die Nutria ist kein überlegener Konkurrent heimischer Arten (auch nicht für den Biber).“ Es gibt unseres Wissens keine wissenschaftlich belastbaren Belege dafür, dass Nutria Uferpflanzen in dem Umfang schädigen, dass signifikante ökologische Schäden entstehen. Bekannt ist vielmehr, dass Nutrias die Uferbereiche von übermäßigen Bewuchs freihalten. Im Münsterland wurden sie dort deswegen speziell angesiedelt. Andernorts siedelten sich dadurch wieder seltene Vogelarten an, die nun optimale Brutbedingungen hatten. Die Anwesenheit von Nutrias kann so zu mehr Artenvielfalt führen. Bezüglich des Fraßes von Unterwasserpflanzen ist mindestens genauso in Erwägung zu ziehen, dass Nutria die Wasserpest (Eldodea) vertilgen, die in vielen Gewässern durchaus problematisch sind und nur aufwändig und kostenintensiv durch den Menschen entfernt werden können. Auch ist bekannt, dass die Tiere die Wasserqualität verbessern, u.a. indem sie durch Verbiss der Vegetation den Sauerstoffgehalt erhöhen (EHRLICH). Wie in der Nachteilsschilderung schon zum Ausdruck kommt, sind Nutrias nicht in jedem Fall eine potentielle Gefahr für die Etablierung bzw. Wiederausbreitung von Röhrichten. Röhrichte können darüber hinaus dort, wo sie tatsächlich angelegt werden, durch Fressschutzgitter geschützt werden. Dafür muss man keine Tiere töten! Bei der im Maßnahmenpapier zitierten Arbeit von Vossmeyer et. al. handelte es sich unseres Wissens lediglich um einen Versuch mit normalen Rohrkolben, die weder geschützt noch gefährdet sind. Wir halten diesen Versuch im Hinblick auf eine wissenschaftlich haltbare Ableitung hinsichtlich der Ökologie von Nutria für nicht belastbar. Weitere wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema sind uns nicht bekannt. Erste Nutrias wurden bereits zwischen 1880 und 1890, also vor über 130 Jahren, in Deutschland beobachtet (Kinzelbach 2002). Sie füllen in unseren Gefilden eine ökologische Nische aus (SCHRÖPFER & STUBBE 1992) und verdrängen keine einheimischen Arten, weder in der Tier- noch in der Pflanzenwelt. Nutrias sind sehr friedliebende Tiere, die in Harmonie mit den anderen Wasserbewohnern, wie z.B. Enten leben. Wenn sie sich bedroht fühlen, flüchten sie, wenn sie können, anstatt anzugreifen. Nutrias verdrängen allerdings sowohl Ratten, als auch Bisam (Bisamratten) in ihrem Territorium (KINZELBACH 2002, JOHANSHON & STRAUSS 2006, ZAHNER 2004) und beugen dadurch insbesondere Wühlschäden durch Bisam vor. Die Anwesenheit von Nutrias an Gewässern kann vielmehr die Fischbestände erhöhen. EHRLICH (1964) beobachtete in Polen, dass der Karpfenertrag in Teichen, an denen Nutrias ausgesetzt worden waren, bis zum Sechsfachen (!) anstieg. Als Ursache machte er aus, dass Nutrias die Bestände der Überwasservegetation verbissen haben und so den Lebensraum der Karpfen veränderten. EHRLICH und JEDYNAK (1962) beobachteten ebenfalls einen Anstieg der Fischpopulation in einem Teich in Polen, der mit Nutrias besetzt worden war. Hierbei handelte es sich um Barsche (Perca fluviatilis), Rotaugen (Rutilus rutilus), Hechte (Esox lucius) und Schleien (Tinca tinca). Kommentar Wildtierschutz Deutschland zu der im Maßnahmenpapier angeführten nachteiligen Auswirkung 3: „Nachteilige Auswirkungen auf die Wirtschaft: Die Auswirkungen im Deichschutz können erheblich sein. In Einzelfällen und lokal verursacht die Nutria wirtschaftliche Schäden, z. B. an Feldfrüchten oder durch Unterwühlen von Dämmen oder Fahrwegen. Verletzungsgefahr für Weidetiere durch Unterwühlen.“ Es liegen keine relevanten Daten über signifikante volkswirtschaftliche Schäden im Bereich des Deichschutzes vor. Wir bezweifeln nicht, dass es in Einzelfällen eher unbedeutende lokale Schäden in diesem Bereich geben kann, die sind jedoch im Hinblick insbesondere auf eine letale Entnahme der Tiere irrelevant. Dass durch Nutria signifikanten Schäden in der Landwirtschaft angerichtet werden, ist nicht erwiesen. Wühlschäden werden eher von Bisamratten als von Nutria angerichtet. Eine signifikante Verletzungsgefahr für Weidetiere geht von Nutria nicht aus. Nutria-Familie Kommentar Wildtierschutz Deutschland zu der im Maßnahmenpapier angeführten Management-Maßnahmen: M 1: Eindämmung der Weiterverbreitung über geographische Grenzen, die die Art ohne Hilfe des Menschen nicht oder nur sehr schwer überwinden kann Beschreibung: Haltungen auf bisher von Nutrias nicht besiedelten Meeresinseln sind nicht zuzulassen, dort bereits bestehende Haltungen sollen aufgelöst werden. Sollte ein Neuauftreten von Nutrias auf bisher nicht von dieser Art besiedelten Nord- und Ostseeinseln bekannt werden, sind unverzüglich Maßnahmen zu deren Beseitigung zu veranlassen. Wildtierschutz Deutschland fordert für die Auflösung von bestehenden Haltungen auf Nord- und Ostseeinseln solche Optionen konkret zu formulieren, die ohne den Tod der Tiere einhergehen. Die können in einer Umsiedlung kastrierter Tiere bestehen. Wir halten ferner die Formulierung „Maßnahmen zu deren Beseitigung“ – auch im Hinblick auf das Tierschutzgesetz, dessen Maxime es ist, keinem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen, für nicht angemessen. Wir schlagen vor, den Passus wie folgt zu formulieren: „Haltungen auf bisher von Nutrias nicht besiedelten Meeresinseln sind nicht zuzulassen, dort bereits bestehende Haltungen sollen aufgelöst werden, indem die Tiere kastriert/sterilisiert werden und in geeignete Lebensräume umgesiedelt werden. Sollte ein Neuauftreten von Nutrias auf bisher nicht von dieser Art besiedelten Nord- und Ostseeinseln bekannt werden, sind unverzüglich Maßnahmen zu deren Kastration bzw. Sterilisation und ggf. Umsiedlung in geeignete Lebensräume zu veranlassen.“ M 2: Bestandskontrolle zum Schutz gefährdeter, schutzwürdiger Röhricht- und Wasserpflanzenbestände Beschreibung: Abschuss oder Fang mit Lebendfallen. Die Bejagung ist möglich, soweit über die Jagdgesetze der Länder zugelassen, erfordert aber die Bereitschaft und freiwillige Mitwirkung des Jagdausübungsberechtigten. Wildtierschutz Deutschland lehnt letale Entnahmen von Nutrias aus folgenden Gründen ab: Der Schutz gefährdeter, schutzwürdiger Röhricht- und Wasserpflanzenbestände ist kein vernünftiger Grund für die Tötung von Nutria. Es gibt keine wissenschaftlich belastbaren Belege für eine signifikante Schädigung von Röhricht- und Wasserpflanzenbestände durch Nutria. Eine Schädigung von Röhrichten kann zwar durch Nutria erfolgen, eine Schädigung ist aber nicht zwingend gegeben. In der Regel sind die positiven ökologischen Auswirkungen eines Nutria-Bestandes größer als die in dem Maßnahmenpapier formulierten Nachteile. Nutria tragen nachweislich zur Biodiversität ihres Lebensraumes bei (Ansiedlung bisher nicht vorhandener Vogelarten, größerer Fischreichtum) und helfen Schäden an Gewässern (Wasserpest) und an Deichanlagen (Bisamratten) zu reduzieren. Nutria stellen weder eine epidemiologische, eine volkswirtschaftlich relevante ökonomische, noch eine ökologische Bedrohung dar. Und das seit über 130 Jahren. Es gibt keinen vernünftigen Grund, die Tiere zu töten. Im Allgemeinen regulieren Nutrias ihren Bestand über ihre eigene Geburtenkontrolle (Aborte, Resorption der Föten) auf der Grundlage der Umweltressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen, und neigen zum ökologischen Gleichgewicht im Verhältnis zu der Tragfähigkeit des Territoriums (VENTURINI). Nutrias rufen bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen, regelmäßig Begeisterung hervor, und wir sollten dankbar sein, noch solche Tiere zu haben, mit denen es möglich ist in Kontakt zu treten und so einen Zugang zur Natur zu finden. Viele Menschen besuchen bestimmte Parkanlagen oder Städte gerade deshalb, um dort die Nutrias zu sehen. Hier geht es zum Anhörungsportal Management- und Maßnahmenpapier Nutria Ihr Kommentar zu den Management-Maßnahmen Nutria sind friedfertige Tiere, Bild: nutria-info.com
- Bis zu vier Millionen Vögel Opfer der Jagd in Deutschland
In Deutschland werden Jahr für Jahr etwa drei bis vier Millionen Vögel im Rahmen der Jagdausübung getötet. Tauben, Rabenvögel und Enten machen dabei den weitaus größten Anteil aus. Während eine vom Deutschen Jagdverband veröffentlichte Jagdstrecke lediglich gemeldete Abschüsse von Fasanen, Enten, Gänsen und Tauben, darüber hinaus selten gewordenen Rebhühnern und Waldschnepfen ausweist (insgesamt 1.062.263 Vögel in der Jagdsaison 2015/16, 1. April bis 31. März), umfassen die Zahlen von Wildtierschutz Deutschland auch die hohe Dunkelziffer verendeter und nicht gemeldeter Tiere sowie nicht zentral erfasste Rabenkrähen, Elstern, Eichelhäher und geschützte Arten wie Dohle und Saatkrähe, darüber hinaus Kormoran, Reiher, Schwäne und andere. Immer wieder legale Zielscheibe für Hobbyjäger, der Höckerschwan. Bild: Christina Galitzki Nach Untersuchungen in Skandinavien muss man annehmen, dass auf je zwei erlegte Wildgänse eine weitere entfällt, die ebenfalls von Schroten getroffen, aber nicht sofort getötet wurde. Dänische Biologen nehmen nach Auswertung umfangreichen Untersuchungsmaterials an, dass die Zahl der mit Schrot beschossenen und verletzten Vögel die Zahl der erlegten sogar übertrifft. Sehr viele Greifvögel verenden aufgrund einer Bleivergiftung, weil sie zuvor entsprechend kontaminiertes Wildfleisch zu sich genommen haben. In Deutschland werden alleine etwa 1,2 Millionen Rabenvögel von Jägern erschossen. Darunter etliche, die nach dem Naturschutzrecht streng geschützt sind, wie Saatkrähe und Dohle. Alle Rabenvögel sind eigentlich gemäß der EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt. Die Länder haben wohl auf entsprechenden Druck aus Reihen der Agrar- und der Jagdlobby Saatkrähen, Elstern und Eichelhäher (Bayern) Jagdzeiten eingeräumt. Es wird immer wieder kolportiert, dass durch diese Vögel Schäden in der hoch subventionierten Landwirtschaft verursacht werden – diese werden allerdings nirgendwo zentral erfasst. Gänsejäger in einem Schutzgebiet an der Ems, Bild: Eilert Voß Obwohl es schon lange Belege dafür gibt, dass der Kormoran einerseits nicht Ursache für den Rückgang bestimmter Fischbestände ist und andererseits die Bejagung dieses ebenfalls durch die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützten Zugvogels sogar kontraproduktiv ist, setzen viele Bundesländer weiterhin auf seine Verfolgung – z.B. in Rheinland-Pfalz mit dem Ergebnis, dass nach einer Jagdsaison mehr Tiere gezählt wurden, als zuvor. Freigewordene Reviere sind durch Zuzug unverzüglich neu besetzt worden und ganze Kolonien haben sich neue bisher ungestörte Plätze an kleineren Flüssen gesucht. Wildtierschutz Deutschland plädiert für eine vollständige Einstellung der Jagd auf Federwild, Zug- und Singvögel und andere Vogelarten. Sie ist ökologisch überflüssig, ökonomisch unbedeutend und aus der Sicht des Tierschutzes häufig nicht vertretbar. Ein weiterer tierschutzrechtlicher Aspekt wäre, dass sich die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Enten erübrigen würde. Eine aktuelle Untersuchung von BirdLife geht von bis zu 146.000 illegal getöteten Vögeln in Deutschland aus, darunter bis zu 12.000 Eulen und andere Greifvögel. Was passiert wohl, wenn Jägeridioten mit Schrot in einen Vogelschwarm schießen? Bild: Eilert Voß
- Das Wild leidet still und verludert in der Dickung
In diesen Wochen finden wieder viele Drückjagden in Deutschland statt. Das sind meist revierübergreifende Bewegungsjagden, bei welchen oft Dutzende von Treibern mit Ihren Hunden lautstark und mit Knüppeln bewaffnet durch den Wald ziehen und Wildtiere aus ihren Ruhezonen aufscheuchen, um sie den wartenden Jägern vor die Gewehre zu „drücken“. Drückjagden werden nicht selten in Regimentsstärke durchgeführt, um Wildschweine, Rehe oder Hirsche zu jagen. Lesen Sie im Folgenden Zitate von Jägern und Tierärzten über diese Form der Jagd: Nachrichten der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT), Arbeitskreis 6 Wildtiere und Jagd, 02/2011: „Ist das Wild in Bewegung sind tödliche Treffer viel schwieriger als bei stehendem Wild anzubringen. … So wurde bei Drückjagden auf Schwarzwild (Anm. Red.: Wildschweine) in Hessen nur etwa ein Drittel mit Blattschuss erlegt, der Rest der Strecke wies Waidwund-, Keulen- oder Laufschüsse auf (Anm. Red.: Bauchschüsse, Rückenverletzungen, Schüsse in Gliedmaßen u.a.). Rehwild wies bei etwa 30 % der männlichen und 60 % der weiblichen Tiere Bauchschüsse auf (Krug, unveröffentlicht).“ „Flüchtendes Rehwild kann aufgrund der arttypischen Bogensprünge nicht sicher getroffen werden.“ „Der Einsatz von Hunden kann zu starker Beunruhigung vieler Wildarten führen. Besonders tierschutzrelevant ist, wenn Hunde gesundes Wild angreifen.“ „Störung des Schalenwilds (Anm. Red.: Rehe, Wildschweine, Hirsche u.a.) im Winter … führen zu energiezehrenden Fluchten und verschlechtern die Energiebilanz im Körper. Dies hat zur Folge, dass die fehlende Energie durch Schäle und Verbiss im Wald ausgeglichen werden muss. Stressende Jagden nach der Umstellung der Verdauung im Januar bewirken daher trotz Wildverminderung drastisch steigende Schäden am Wald …“ Flüchtenden Rehe können aufgrund ihrer Biologie nicht sicher getroffen werden. Bild: Timo Litters „Bei der Durchführung von Bewegungsjagden im Hochwinter ist die Gefahr, eine Bache, die bereits gefrischt hat … zu erlegen, erhöht. Darüber hinaus kann das Wild aus Zeitmangel oft nicht sicher angesprochen werden, denn realistischer Weise muss die Entscheidung zum Schuss schnell fallen (Anm. Red.: ansprechen bedeutet: der Jäger muss sich vor dem Schuss zunächst über die Tierart, das Geschlecht, das Alter, den Zustand des Tieres sicher sein). Auch durch das langhaarige Winterfell (Schwarte) … und die Witterungs- und Vegetationsbedingungen … wird das sichere Ansprechen erschwert, z.B. das Gesäuge der Bache zu erkennen. Außerdem besteht die Gefahr, Bachen von ihrem unselbständigen Nachwuchs zu trennen. Das kann zum Erfrieren der Frischlinge innerhalb weniger Stunden führen.“ Wild und Hund 1/2010, Chefredakteur Heiko Hornung unter der Überschrift „Totmacher“ über revierübergreifende Bewegungsjagden: • Ist das noch Jagd oder geht es hier um Schädlingsbekämpfung? • Sauberes Ansprechen (Anm. siehe oben): Fehlanzeige • Der beschossene Fuchs …. nachgesucht wird er eh nicht. • Hauptsache totgemacht. • Das Wild leidet still und verludert in der Dickung. • Jagd wird zum Schieß-“Event“. Das Wild leidet still und verludert in der Dickung. Bild: Bianka Pelli Karl-Heinz Kuckelkorn, Pressesprecher der Kreisjägerschaft, Jagdberater der Städteregion und Ausbilder angehender Waidmänner in Az-web.de am 21.10.2010: „Aus Gründen des Tierschutzes sei diese Art der Bejagung „mehr als bedenklich“. Dort (Anm. Red.: in privaten Jagdrevieren) werde das Wild „beunruhigt“ und in Richtung der Schützen getrieben. An ihnen vorbei flüchten die Tiere wie in Panik. Es fallen viele Schüsse, doch längst nicht jeder Schuss ist ein finaler. Etliche Tiere werden nur verletzt und verenden später qualvoll irgendwo im Dickicht, es werden ihnen Gliedmaßen abgeschossen oder sie laufen nur mehr verkrüppelt herum, weiß Kuckelkorn aus langjähriger Erfahrung. Hinzu komme die Gefahr, eines oder mehrere Leittiere zu töten, ein Verlust, der Struktur und Rangordnung eines Rudels über den Haufen wirft. „Wenn die Tiere an mir vorbeirennen, kann ich nicht erkennen, welches ein Leittier ist und welches nicht.“ Das Risiko, ein Tier bei einer Drückjagd nur zu verletzen, sei sehr hoch. Ein solches Risiko müsse niemand eingehen. Werden Wildtiere beunruhigt und fliehen, ist ihr Adrenalinausstoß so groß, dass die Qualität des Fleisches gemindert wird.“ OVB Online, 24.12.2011 Jagdpächter Kerbl wehrte sich gegen eine Drückjagd, denn laut Aussage eines Wildbrethändlers aus dem Altöttinger Bereich blieben zwar bei einer Drückjagd im Landkreis Altötting, durchgeführt vom Staatsforst, 98 Rehe auf der Strecke, aber nur 40 wurden waidmännisch geschossen. Im Südkurier vom 30.12.2011 schreibt ein langjähriger Jäger: In dem kleinen Revier mit circa 150 Hektar hat das von Jagdhunden gejagte Rehwild bei einer dicht platzierten Schützenkette kaum noch Chancen, unbeschossen durchzukommen. Es ist für den Jäger schwierig, in Sekunden zu erkennen (ansprechen), ob es sich um eine Geiß (weibliches Reh), oder ein Schmalreh (bis ca.1,5 Jahre alt) oder um einen abgeworfenen Rehbock (Rehbock ohne Gehörn) oder um Rehkitze handelt. Daher kommt es vor, dass Fehlschüsse getätigt werden. Ein gezielter, schnell tödlicher Schuss, was des Jägers Pflicht sein soll, ist daher nicht immer möglich. Abgegebene Schüsse in Keulen, Läufe oder Weichteile bleiben nicht aus, das Rehwild erleidet dadurch erhebliche Schmerzen. Lesen sie auch: Jäger sind Tierquäler
- Weniger Jagd - weniger Fuchsnachwuchs
Inzwischen ist seit drei Jahrzehnten durch die Forschung von Wissenschaftlern wie Labhardt, Zimen („Geburtenbeschränkung statt Massenelend“), Harris, Mulder und anderen bekannt, dass erst die intensive Fuchsbejagung die Reproduktionsraten dieser Tiere erheblich ansteigen lässt. Eine weitere Bestätigung dafür fanden wir in einer wissenschaftlichen Reihe, herausgegeben vom Nationalpark Bayerischer Wald. Hier ist auf einer Fläche von rund 250 qkm die Jagd auf Beutegreifer (Fuchs, Dachs, Marder u.a.) verboten. Fuchsrüde mit seinem Welpen, Bild: Luise Dittombée "Der geringe Sommerbesatz im Nationalpark Bayerischer Wald kann auf die niedrigen beobachteten Geheckgrößen (1,7 Welpen je Wurf) zurückgeführt werden. Die geringe Wurfzahlgröße ist populationsbiologisch und methodisch zu erklären. Die Ursache liegt in der Sozialstruktur der hiesigen Fuchspopulationen. Nach den vorliegenden Ergebnissen handelt es sich um eine stabile Population, die keinem menschlichen Jagddruck unterliegt und die in einem Waldhabitat unter schwierigen Bedingungen (Klima, Nahrung, Baustandorte etc.) lebt. STUBBE (1990) stellte Unterschiede in der Reproduktivität von Fuchspopulationen zwischen Waldgebieten mit niedriger Mortalitätsrate und Feld-Wald-Mischgebieten mit hoher Mortalität fest. Im Wald gibt es signifikant weniger Welpen am Bau und einen höheren Anteil nicht reproduzierender Fähen. Zudem gelang der Nachweis von größeren und stabilen sozialen Strukturen in Waldgebieten. Grundsätzlich produzieren wenig bejagte Fuchspopulationen weniger Nachkommen und ihr Durchschnittsalter ist höher. Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen sowohl die geringen Populationszahlen in Waldgebieten als auch eine geringere Reproduktion." und „Der Einfluss des Rotfuchses auf bedrohte Arten wird intensiv und sehr emotional diskutiert. Im Nationalpark Bayerischer Wald ist die erfolgreich wiederangesiedelte Auerhhuhnpopulation vom Rotfuchs nicht gefährdet, es wurden keine Nachweise von Rauhfußhühnern in den Losungen gefunden. Die Einwirkung auf andere Niederwildarten schätzen Experten auf weniger als 1%." Quelle: S. Stürzer, M. Schnaitl: Rotfuchs und Dachs - Raumnutzungsverhalten und Habitatwahl, Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, März 2009
- Zur Entscheidung Nutrias in Bad Münstereifel töten zu wollen
Die Lage ist verfahren. Auf der einen Seite existiert eine neue EU-Verordnung, die das Ziel hat, sogenannte invasive, d.h. eingewanderte, nicht heimische Tierarten, einzudämmen. Wie das in der Praxis umgesetzt werden soll, ist hingegen noch nicht geregelt. Bild: nutria-info.com Ausgerechnet jetzt hat sich eine kleine Nutria-Familie in der Innenstadt von Bad Münstereifel niedergelassen. Der Rat beschließt auf Grundlage dieser Verordnung kurzerhand die Tiere zu töten. Auf der anderen Seite stehen die Tierfreunde, die mit ihren Lösungsvorschlägen wegen des engen Handlungsspielraums, den die Verordnung zulässt, zur Untätigkeit verdammt sind. Laut Verordnung dürfen die Tiere weder eingefangen noch kastriert/sterilisiert oder transportiert werden. Auch eine Umsiedlung ist nicht erlaubt. Das Absurde: die Lösungsvorschläge der Tierfreunde würden dem Ziel der Verordnung vollends gerecht, denn die Kastration/Sterilisation und das Aussetzen an gleicher Stelle führt zum gleichen Ergebnis, wenn auch mit nicht letalem Ausgang für die Tiere. Erfreulich ist, dass man nun untersucht, ob die Tiere bisher überhaupt Schäden verursacht haben und plant, sensible Bereiche zu schützen. Bild: nutria-info.com Allerdings hätte man die Maßnahme auch schon durchführen können, bevor man einen tödlichen Beschluss fasst. Würde man die Tiere töten, dann besteht die Gefahr, dass sich erneut Nutrias in dem freigewordenen Revier ansiedeln. Was macht man dann? Will man in eine jahre- oder gar jahrzehntelange Tötungsspirale eintreten? Sinnvoller wäre es, die Tiere dort zu belassen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sich die Tiere nicht weiter vermehren und keine Schäden verursachen. Derzeit versuchen wir auf verschiedenen Ebenen zu einer Lösung zu kommen, die eine Tötung der Tiere überflüssig macht. Dazu ist gesunder Menschenverstand gefragt. Aber wie schon gesagt: die Lage ist verfahren. Weitere Informationen: Alles über Nutrias, Kölner Stadtanzeiger Petitionen: Open Petition change.org











