10.02.2016

Jagd in NRW - ein reines Trauerspiel

Am 28. Mai 2015 ist mit Unterstützung zahlreicher Tier- und Naturschutzorganisationen und gegen den Protest der Jagdverbände das neue Ökologische Jagdgesetz für Nordrhein-Westfalen in Kraft getreten.

Tierschutzrelevante Änderungen sind insbesondere das Verbot des Tötens von Katzen und Hunden (letztere nur in absoluten Ausnahmefällen), das weitgehende Verbot der Baujagd auf Dachse und Füchse, das Verbot des Einsatzes von Totschlagfallen, der mit Auflagen verbundene Einsatz von Lebendfallen, das Verbot der Hundeausbildung an der flugunfähigen Enten und am Fuchs in der Schliefenanlage und die Reduzierung der jagdbaren Arten von über 100 auf 29. Rebhuhn und Waldschnepfe dürfen zunächst bis Ende 2020 in NRW nicht gejagt werden.

Jäger haben in den letzten 10 Jahren in NRW 850.000 Füchse, Dachse, Marder und Katzen getötet - der Bestand der Feldhasen ist dennoch eingebrochen ... und er wird weiterhin bejagt!

Eigentlich  - so sollte man denken -  sind diese Minimaländerungen angesichts der Forderungen von Tier- und Naturschutzorganisationen aus jagdlicher Sicht weitgehend unerheblich. Nach Angaben des zuständigen Ministeriums sind im Jagdjahr 2013/2014 etwa 956.000 Tiere durch Jäger in NRW getötet worden. Man geht davon aus, dass die Jahresjagdstrecke durch die Reduzierung der jagdbaren Arten um etwa 1.000 Tiere (1 %) sinken wird. Der Anteil der im Rahmen der Baujagd getöteten Füchse dürfte bei ebenfalls etwa 1-2 Prozent der Gesamtstrecke von über 52.000 Tieren in 2014/15 liegen. Die Auswirkung des Verbotes von Totschlagfallen dürfte zahlenmäßig vollkommen unbedeutend sein.

Insgesamt wird sich also aufgrund der moderaten Änderungen seitens der rot-grünen Landesregierung für den Großteil der über 82.000 Jäger in Nordrhein-Westfalen nur marginal etwas ändern. Der Präsident des Landesjagdverbandes, Ralph Müller-Schallenberg, geht dennoch auf die Barrikaden. Der Jurist, der bereits mit dem Vorhaben seinen Jagdverein als Tierschutzorganisation und damit für das Verbandsklagerecht anerkennen zu lassen, gescheitert ist, will allen Ernstes eine Volksinitiative auf die Beine stellen. Ziel ist es dabei, den Landtag in Düsseldorf zu zwingen, sich erneut mit dem rot-grünen Jagdgesetz zu befassen.

Jagdfunktionäre wie Müller-Schallenberg wollen der Öffentlichkeit weismachen, dass aufgrund minimaler Einschränkungen bei der Jagdausübung in NRW die Artenvielfalt gefährdet sei. Die Kleintierjäger in NRW erlebten derzeit ein „reines Trauerspiel“. 

Dabei sollten sie es besser wissen. In NRW wurden in den vergangenen 10 Jahren etwa 850.000 Füchse, Dachse, Marder, Hauskatzen und andere Beutegreifer getötet, dennoch gingen im gleichen Zeitraum die Bestände von Fasanen, Rebhühnern und Feldhasen um etwa 50 bis 70 % zurück. Im Hinblick auf den Erhalt gefährdeter (jagdbarer) Arten in der Fläche ist der Eingriff durch die Jagd also vollkommen nutzlos, wenn nicht gar kontraproduktiv.

Das zeigte auch ein Großversuch im Saarland. Vom Jagdjahr 1990/91 bis März 1996 wurde im etwa 700 Hektar großen Revier im nördlichen Saarland unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Paul Müller, damals Universität des Saarlandes, der Totalabschuss von Beutegreifern versucht, um die Reaktion des Niederwildes und einiger Singvogelarten zu testen. Der Massenabschuss ergab weder eine Zunahme beim Feldhasen, noch beim Fasan. Es gelang auch nicht, eine Zunahme von Singvögeln nachzuweisen. Das Projekt war gescheitert.

Im Kanton Genf dagegen sprechen Ornithologen und Wissenschaftler von einer nie gekannten Artenvielfalt – dort wird seit mehr als 40 Jahren nicht mehr gejagt!

Die Öffentlichkeit in jagdlichen Dingen wohl wissentlich zu täuschen, ist das eigentliche Trauerspiel. Es wird inszeniert von den Jagdverbänden, unterstützt von einer in tier- und naturschutzrelevanten Themen weitgehend desinteressierten Politik und verbreitet durch eine häufig unkritische oder gar tendenziöse Presse.

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07.02.2016

Luxemburg als Vorbild in Sachen Wildtierschutz: Fuchsjagdverbot verlängert

Dag Frommhold
In Luxemburg wurde in diesen Tagen das seit 2015 bestehende Fuchsjagdverbot um ein weiteres Jahr verlängert. Der kleine Staat kann damit als großes Vorbild für Europa dienen: Statt sich einseitig den Abschussinteressen der Jägerlobby unterzuordnen, setzt die luxemburgische Regierung darauf, Belange von Natur- und Tierschutz bei der Jagdgesetzgebung angemessener zu berücksichtigen. Die Botschaft: Auch Wildtiere brauchen Schutz vor ungerechtfertigten Nachstellungen.

Als das Jagdverbot auf Meister Reineke im letzten Jahr verkündet wurde, war der Protest des luxemburgischen Jagdverbands FSHCL massiv. Man startete Petitionen, zog vor Gericht, machte in der Presse publizistisch Hatz auf den Fuchs und die für das Jagdverbot verantwortlichen Politiker, allen voran den grünen Staatssekretär Camille Gira als Initiator der Regelung. 

In öffentlichen Stellungnahmen malte der FSHCL Schreckensszenarien ausufernder Fuchsbestände und um sich greifender Wildseuchen an die Wand. Dabei ist wissenschaftlich gut belegt, dass der Fuchsbestand sich weitestgehend unabhängig von jagdlichen Beeinflussungsversuchen entwickelt, weil intensive Bejagung die Fortpflanzungsraten in die Höhe schnellen lässt. Aus demselben Grund ist die Jagd auch zur Eindämmung von Tollwut oder Fuchsbandwurm ungeeignet – vieles deutet sogar darauf hin, dass diese sich bei hohem Jagddruck schneller ausbreiten können.

Bild: Michael Mayer

Trotz Protesten des Jagdverbands: Jagdverbot verlängert  Trotz der massiven Beeinflussungsversuche durch den Jagdverband setzten sich die Stimmen der Vernunft in der luxemburgischen Regierung durch. Ende Januar 2016 entschied sie, das Fuchsjagdverbot um zunächst ein weiteres Jahr zu verlängern.

Zuvor war ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Fuchsjagdverbots vor den Abgeordneten der zuständigen Parlamentsausschüsse eine Bilanz gezogen worden: Laut Natur- und Forstverwaltung seien nach der Einführung des Fuchsjagdverbots keine wesentlichen Probleme festgestellt worden. Auch der Vertreter des Gesundheitsministeriums hatte nichts zu bemängeln.

Um eventuelle Auswirkungen des Jagdverbots zu analysieren, wurde eine Expertengruppe eingesetzt, die aus Vertretern der Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit besteht. Sie soll eventuelle landwirtschaftliche Schäden durch Füchse bewerten und den Gesundheitszustand der Fuchspopulation überwachen.

Keine „Massenvermehrung“ in jagdfreien Gebieten  Ein Blick auf langjährig fuchsjagdfreie Gebiete zeigt dabei, dass das Jagdverbot auch weiterhin keineswegs das vielzitierte ökologische Gleichgewicht aus den Angeln heben wird. Ob in den Dünengebieten Nordhollands, dem jagdfreien Schweizer Kanton Genf, Nationalparks wie Berchtesgaden und Bayerischer Wald, oder fuchsjagdfreien Großrevieren in ganz Europa: Überall dort hat weder eine Massenvermehrung von Füchsen stattgefunden, noch hat die Häufigkeit von Wildseuchen zugenommen. Es gibt daher auch keinen Anlass zu der Annahme, dass die Situation in Luxemburg sich in den nächsten Jahren anders entwickeln wird.

Jäger ziehen vor Gericht  Vielleicht aus genau diesem Grund will der FSHCL nicht auf die Ergebnisse der Expertenkommission warten, sondern versucht, gerichtlich gegen das Fuchsjagdverbot vorzugehen. Die Argumente, derer man sich dabei bedient, sind reichlich angestaubt und längst widerlegt: Abermals muss der Fuchsbandwurm herhalten; zudem bemüht man eine Studie der niederländischen Organisation SOVON zum Einfluss von Beutegreifern auf Wiesenvögel. Diese soll angeblich den Ausschlag dafür gegeben haben, dass der Fuchs nach einer gut dreijährigen Jagdruhe in den Niederlanden 2005 wieder zum Abschuss freigegeben wurde. 

Tatsächlich erfolgte die Jagdfreigabe jedoch bereits vor Abschluss der Untersuchung – und zwar auf massiven Druck der Jägerschaft, die in der damals gerade gewählten Mitte-Rechts-Regierung viele Fürsprecher hatte. Wolf Teunissen und Hans Schekkerman, Hauptautoren der Studie, protestierten damals vehement gegen die Vorverurteilung des Fuchses. Ihre Forschungsarbeiten ergaben nämlich, dass der Fuchs nur einen vergleichsweise unbedeutenden Einfluss auf Wiesenvogelpopulationen besitzt. Zur eigentlichen Kernfrage, ob die Fuchsjagd diesen Einfluss verändern kann, trafen sie überdies gar keine Aussage.

Luxemburg: Vorbild für ganz Europa?  Argumentativ steht die Jägerschaft also auf verlorenem Posten. Es ist daher zu hoffen, dass Luxemburg auch in Zukunft am Fuchsjagdverbot festhalten wird. Was den Wildtier- und Naturschutz angeht, kann das Großherzogtum damit zum Vorbild für ganz Europa werden: Die Schonung von Meister Reineke zeigt exemplarisch auf, dass nicht Jagdlust und Beuteneid, sondern Verstand und Empathie unseren Umgang mit Wildtieren prägen sollten.


Literatur: Teunissen W, Schekkerman H, Willems F. (2006): Predatie bij weidevogels. Op zoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand. Gutachten im Auftrag von Sovon ogelonderzoek Nederland, Alterra

01.02.2016

Österreich: Jagdgegner vor Verfassungsgerichtshof

Zwangbejagung-ade.de
In Österreich haben Grundeigentümer bisher keine Möglichkeit, die Jagd auf ihren Flächen zu verbieten. Ein Waldbesitzer aus Kärnten reichte deswegen Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof ein. „Damit könnte das Kärntner Jagdgesetz aufgehoben werden“, meldete der ORF am 19.01.2016.

Der Tierschützer und Veganer hatte bei der Bezirkshauptmannschaft Spittal einen Antrag auf Jagdfreistellung gestellt, weil er die Jagd aus ethischen Gründen grundsätzlich ablehne. Die Behörden lehnten den Antrag ab, weil das Jagdgesetz die Jagdfreistellung aus ethischen Gründen nicht vorsehe. Nachdem der Waldbesitzer beim Landesverwaltungsgericht keinen Erfolg hatte, legte er Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof ein.


An Gewässern, an denen keine Jagd stattfindet, steigt die Artenvielfalt
Bild: Michael Mayer

Der Verfassungsgerichtshof prüft nun, ob das Jagdgesetz verfassungskonform ist: Der Waldbesitzer ist bisher verpflichtet, eine Aktivität auf seinem Grundstück dulden zu müssen, die er aus ethischen ablehnt. Der Eingriff in das Eigentumsrecht scheine „eine besondere Intensität aufzuweisen“, so die Verfassungsrichter im Prüfbeschluss.

Der Waldbesitzer beruft sich aus die inzwischen gefestigte Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte: Das höchste Europäische Gericht hatte am 26.06.2012 in einem Urteil gegen die Bundesrepublik Deutschland entschieden, dass es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn ein Grundeigentümer die Jagd auf seinen Flächen hinnehmen muss, obwohl er sie aus ethischen Gründen ablehnt. Vorangegangen waren ähnliche Urteile 2007 gegen Luxemburg und 1999 gegen Frankreich.

Aufgrund des Urteils des höchsten europäischen Gerichts wurde die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, ihre Jagdgesetzgebung entsprechend zu ändern: Grundeigentümer können seit 2013 einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung aus ethischen Gründen stellen.

22.01.2016

Wie die behördlichen Helfershelfer der Jäger jagdfreie Grundstücke verhindern

Von Jürgen Heimann, rotorman.de

Theoretisch ist es so, dass es kein Grundstückseigentümer mehr dulden muss, dass auf seinem Land auf Tiere geschossen wird. Mit seinem vom 26. Juni 2012 datierenden Urteil, demzufolge die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, sofern der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt, hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dahingehend eine kleine Lawine losgetreten. Nachdem auch die Bundesrepublik dies im Dezember 2013 in ihrem „Gesetz zur Änderung jagdrechtlicher Vorschriften“ umgesetzt hat, beantragen immer mehr Landbesitzer die jagdrechtliche Befriedung ihrer Ländereien. Mögen sie sich derzeit auch noch fühlen wie die aufmüpfigen Bewohner jenes kleinen, gegen die römische Übermacht kämpfenden gallischen Asterix-Dorfes, ihre Zahl wächst.

Gemessen an der bejagbaren Fläche in Deutschland, die immerhin 35 Millionen Hektar umfasst, sind die paar Enklaven, die inzwischen für Jäger zur „No-Go-Area“ erklärt worden sind, ein Mikrotröpfchen auf dem heißen Ozeanstein. Noch.
Foto: Pixabay

Und das bereitet den organisierten “Weidleuten”, die befürchten, dass ihre Reviere zu Flickenteppichen werden, natürlich Kopfzerbrechen. Sie haben aber mächtige Verbündete. Und die sitzen (auch) in den Unteren Jagdbehörden, die über entsprechende Anträge entscheiden dürfen. Deshalb werden solche Eingaben nicht selten verschleppt oder mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt. Der Fall einer Offenbacher Rentnerin scheint da exemplarisch zu sein.

Gudrun-S. Feser-Pfeifer hatte bereits im Februar 2014 bei der Behörde ihres Heimatkreises ein Bejagungsverbot für ihr Grundstück beantragt, daraufhin monatelang nichts mehr gehört und es dann im November desselben Jahres gewagt, sich höflich, aber bestimmt nach dem Stand der Dinge zu erkunden. Wenn es denn so ist, dass die Mühlen der Bürokratie im Land des deutschen Michels langsam mahlen, hier hatten sie den Rückwärtsgang eingelegt. Aber nicht aus Versehen.



19.01.2016

Novellierung des Jagdgesetzes in Thüringen

In Erfurt wird derzeit über die Ausrichtung eines novellierten Jagdgesetzes diskutiert. Was dabei herauskommt, kann man sich in Nordrhein-Westfalen, in Baden-Württemberg oder Hessen anschauen: Zu tiefgreifenden Änderungen fehlt der politische Willen. Am Ende werden sie hier und da ein wenig an den Jagdzeiten drehen, möglicherweise die ein oder andere Schonzeit einführen, die Verordnung über das Füttern von Wildtieren verschärfen, weitere Regelungen zur Fallenjagd definieren, vielleicht den Abschuss von Hunden und Katzen verbieten.

Wildtierschutz Deutschland hat einen Forderungskatalog erarbeitet und als Diskussionspapier bei der Landesregierung eingebracht. Wesentliche Forderungen sind:

Fuchs, Waschbär, Dachs und alle Marderartigen aus dem Jagdrecht zu entlassen und dem Naturschutzrecht zu unterstellen.  Wir halten die Jagd auf Beutegreifer für tierquälerisch, insbesondere auch deshalb, weil dadurch kontinuierlicher Reproduktionsdruck aufgebaut wird und so die von der Natur vorgegebenen Verhütungsmechanismen außer Kraft gesetzt werden. Beim Rotfuchs werden darüber hinaus die für die Aufzucht der Jungtiere erforderlichen Rüden bereits während der Ranzzeit in großer Zahl eliminiert, so dass die Welpen, die ohne männlichen Versorger aufwachsen, von vornherein wesentlich geringere Überlebenschancen haben.

Tierische Immigranten  - hier Marderhunde - werden von den Jagdverbänden verteufelt.
Bild: Luise Dittombée

 Keine Jagd auf Vögel: In der Jagd auf Vögel sehen wir grundsätzlich keinen „vernünftigen Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes. Getötete Vögel werden in den seltensten Fällen verwertet,  den wenigsten Arten werden wildbiologisch erfolgversprechende Hegemaßnahmen durch Jäger zuteil, eine nachhaltige und sinnvolle Bestandsregulierung durch die Jagd ist weder möglich, notwendig,  noch sinnvoll.

Schluss mit dem Abschuss von Hunden und Katzen

Keine Fallenjagd – keine Baujagd – keine Beizjagd – keine Jagdhundeausbildung an lebenden Tiere

Außerdem fordern wir eine Schonzeit für alle Tiere von Januar bis einschließlich September eines Jahres. Diese würde es allen Wildtieren (auch denen, die nicht dem Jagdrecht unterliegen) ermöglichen, ihren Nachwuchs weitgehend ungestört zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Eine umfassende mehrmonatige Jagdruhe würde auch die Scheu von Wildtieren reduzieren. Die Tiere wären damit auch für die Bevölkerung (u.a. Wanderer, Spaziergänger,  Radfahrer) wieder erlebbar („Nationalpark-Effekt“).






16.01.2016

Jäger schaffen keinen Lebensraum für Wildtiere, sondern Tötungsgelegenheiten für sich

Von Carl Sonnthal, Schweiz - wildbeimwild.com

Kaum sind ein paar Exemplare Luchs oder Wolf im Land, sind die Jäger schon wieder überfordert. Lautstark fordern sie landauf landab per Revisionen deren Abschüsse.
Im Urzustand, also dort, wo der Jäger das Leben und die Biodiversität in der Natur nicht durcheinander gebracht hat, sind Wildbestände vorhanden, die sich dynamisch anpassen. Beutegreifer, harte Winter usw. sorgen dafür, dass keine Massenvermehrung eintritt.
Jäger zählen gerne die Bäume, Büsche und Hegestunden die sie — aus lauter Naturliebe und im fürsorglichen Dienst an der Allgemeinheit — pflanzen. Warum sie dafür einen Jagdschein brauchen, wissen nur sie. Wenn ihnen jedoch Bäume auf dem Hochstand (die meisten ohne Baubewilligung errichtet!) im Schussfeld stehen, sägen Jäger sie nicht selten illegal ab, um Schussschneisen anzulegen. Das ganze Propaganda-Geschrei um die Hegearbeit verhält sich umgekehrt proportional zu den Taten.
Mit ihren hunderten Tonnen Munitionabfälle verseuchen sie Boden, Gewässer und auch das Fleisch der Tiere. Daran stirbt ein erheblicher Teil von fleischfressenden Beutegreifer, insbesondere Greifvögel.
Jagd ist sportliches Schiessen auf bewegliche, lebende Ziele in tierquälerischer Gesellschaft. Nicht selten werden die gesunden Tiere nicht richtig getroffen. Ein Jäger verpasst einem Rotwildkalb einen Bauchschuss. Alle Wildtiere im selbigen Gebiet zucken wegen des Lärm zusammen, haben Angst. Der Darm tritt aus. Vor Schmerzen gepeinigt und in höchster Todesangst flieht das Jungtier. Es beginnt eine dreiviertelstündige Hetzjagd mit Hunden. Der Darm tritt weiter aus. Er wickelt sich um die Beine des Tieres. Das Tier reisst sich selbst den ganzen Darm heraus. Der Darm zerreisst in Stücke. Die Stücke säumen seinen Fluchtweg. Die Hunde beissen das Tier am ganzen Körper. Am Ende klopft sich der Jäger dafür auf die Schulter, dass er das Tier von “seinem” Leid erlöst hat. Das sind Naturerlebnisse, die Passion des Jägers.

Bild: Timo Litters

Dennoch nennen sich Jäger Tier- und Naturschützer. Ständig führen sie ihre gesetzliche Verpflichtung, durch die Hege des Wild für einen “artenreichen und gesunden Wildbestand”  zu sorgen, im Munde. Die Hälfte der jagdbaren Tierarten ist jedoch ausgestorben oder vom Aussterben bedroht (z. B. Elch, Wisent, Luchs, Wolf, Wildkatze, Auer-, Birk-, Haselhuhn, Grosstrappe, Adler, Falken, Geier), und das nach hundert Jahren waidmännischer Hege. Wenn Jäger von wildbiologischen Zusammenhängen, Nachhaltigkeit usw. reden, handelt es sich in Wirklichkeit um Jägerlatein und Müllbiologie.
Jägern behaupten: Spaziergänger, Reiter, Jogger, Fahrradfahrer, Pilze- und Beerensammler, Hundehalter, Foto- und Filmfreunde — sie alle vertreiben das Wild und gehören gemassregelt. Gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen in Österreich waren es zu 94 % aller Fälle Jäger, welche Wildtiere zur Flucht veranlassen, 2 % Forstarbeiter und nur zu 4 % Erholungsuchende.
Es sind also die Jäger, die das Wild scheu machen. Sie versetzen das Wild in einen andauernden Kriegs- und Belagerungszustand. Reh und Rothirsch sind ursprünglich keine Waldtiere, sondern tagesaktiv in der offenen Landschaft oder am Waldrand beheimatet. Nur der Jäger wegen verstecken sie sich tagsüber im Wald, wo sie dann Blätter und Knospen von den Bäumen fressen oder Rinde abschälen und so Schaden anrichten können.
Den Sinn der fanatischen Fuchsjagd kennt auch kein Mensch, dem keine Gehirnwäsche verpasst wurde.
Ist man einmal in den Fängen einer dieser sektenartigen Jagdgesellschaften, das Herz abgestumpft und verdörrt, gibt es fast kein Entrinnen mehr. Nicht Wenigen bleibt ab soviel Unkultur nur der Griff zur Flasche.

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06.01.2016

Hegeringe rufen zur Fuchsjagd

Wenn an den kommenden Wochenenden etliche Kleintierjäger auf beinahe zu behaglichen Wohnzimmern ausgebauten Hochsitzen auf den Fuchs warten, hat das einen guten Grund. Während der Paarungszeit sind die ansonsten sehr achtsamen Tiere eher unvorsichtig und eine leichte Beute für die Jäger der Region und ihre geladenen Jagdgäste.



Scharfe Kritik an dieser Freizeitveranstaltung übt Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland:

„Was die Hegeringe da veranstalten, ergibt keinen Sinn. Es werden Tiere getötet, um Freizeitinteressen zu bedienen. Die meisten Rotkittel werden nicht einmal verwertet und landen auf dem Müll. Zu Reineke Fuchs gibt es eine sehr umfassende wissenschaftliche Literatur, welche belegt, dass der Fuchsbestand durch die Jagd nicht nachhaltig reduziert werden kann. Deshalb sind auch nachrangig vorgebrachte Argumente wie „Schutz von Bodenbrütern“ oder „Reduzierung des Bandwurmbefalls“ nur ein Vorwand, um einer kritischer werdenden Öffentlichkeit einen Nutzen vorzugaukeln.  Dafür, dass Füchse sich nicht ins Unermessliche vermehren, sorgen in unbejagten Revieren  - wie letztlich die Praxis zeigt -  die sozialen Strukturen der Tiere.


Besonders abartig ist die Fuchsjagd zur Paarungszeit auch deshalb, weil einerseits bereits tragende Fähen abgeschossen werden und andererseits die für die Aufzucht der Jungtiere erforderlichen Rüden getötet werden. Welpen, die teilweise schon ab März ohne den Fuchsvater aufwachsen, haben wesentlich geringere Überlebenschancen als Jungfüchse, die mit männlichem Versorger aufwachsen.“

04.01.2016

Neue Schonzeiten in Hessen bringen Verbesserungen für den Tierschutz

Hessen hat am 30. Dezember 2015 seine neue Jagdverordnung bekanntgegeben. Sie tritt mit einigen Ausnahmen mit sofortiger Wirkung in Kraft, so gelten die dort geregelten neuen Jagd- und Schonzeiten ab Beginn des neuen Jagdjahres am 1.4.2016.

Wenngleich die neue Jagdverordnung insbesondere im Hinblick auf die Fallenjagd und auf die Schonzeitenregelungen weit entfernt ist von dem, was Tier- und Naturschützer entsprechend der wissenschaftlichen Faktenlage für sinnvoll erachten, so haben wir doch einige wesentliche tierschutzrelevante Verbesserungen erreicht:

Erstmals gibt es Schonzeiten für
  • Füchse vom 1. März bis 15. August
  • Waschbären vom  1. März bis 30. Juli
  • Marderhund, Mink, Nutria  vom 1. März bis 30. August

Die Schonzeit für Dachse wurde um vier Monate verlängert
Bild: Berndt Fischer

Baummarder, Iltis, Hermelin und Mauswiesel dürfen künftig überhaupt nicht mehr gejagt werden, der Steinmarder hat eine um einen Monat verkürzte Jagdzeit vom 16. Oktober bis zum 31. Januar. Die Jagdzeitenverlängerung durch die Vorgängerregierung für Dachse, gegen welche Wildtierschutz Deutschland vehement protestiert hat, ist wieder zurückgenommen worden. Der Dachs darf künftig noch vom 1. August bis zum 31. Oktober gejagt werden, zuvor vom 1. Juli bis zum 31. Januar!

Die Schonzeit für Rabenkrähen und Elstern wurde um sieben Wochen verlängert, Türkentauben, Blesshühner, Möwen und Rebhühner dürfen zunächst bis zu Beginn des Jagdjahres 2020/21 gar nicht mehr gejagt werden, bei Ringeltauben und Graugänsen gibt es Einschränkungen.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die neue Hessische Jagdverordnung mit deutlichen Einschränkungen der Jagd auf Beutegreifer und Vögel durchaus als fortschrittlich und als Erfolg für den Tier- und Naturschutz zu betrachten. Gleichwohl werden wir daraufhin arbeiten, in den nächsten Jahren jegliche Jagd auf Tiere, die keiner sinnvollen (das heißt einer von weiten Teilen der Gesellschaft akzeptierten) Verwertung zugeführt werden, abzuschaffen. Beutegreifer und Wildvögel den Freizeitinteressen einer Randgesellschaft zu opfern, ist einfach nicht mehr zeitgemäß.


03.01.2016

Offener Brief gegen tierquälerische Baujagd an Minister Remmel

In einem offenen Brief an Landesumweltminister Johannes Remmel protestiert Wildtierschutz Deutschland gegen die Unterwanderung des mit dem Ökologischen Jagdgesetz eingeführten Verbots der Baujagd in Nordrhein-Westfalen:

„Die Gebietskulisse für die Baujagd in Nordrhein-Westfalen setzt das im Rahmen des Ökologischen Jagdgesetzes verankerte Verbot der Baujagd auf einem Großteil der Landesfläche vorsätzlich außer Kraft und öffnet tierquälerischen Jagdpraktiken fernab jeder ökologischen Notwendigkeit erneut Tür und Tor. 

Einzelne Landkreise haben bereits entsprechende Genehmigungen erteilt, um eine aufschiebende Wirkung eventueller Klagen von Natur- und Tierschutzverbänden auszuhebeln.


Baujagd im Kunstbau: für etwa die Hälfte aller Landkreise in NRW werden Ausnahmeregleungen zum Verbot der Baujagd zugelassen!
Bild: Mirko Fuchs

Die in der Gebietskulisse aufgeführte Begründung für die Bejagung des Fuchses am Kunstbau ist nach Meinung von Wildtierschutz Deutschland  - gemessen an den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen -  schlichter Unfug. Eine Reduktion oder gar Regulation der Fuchsbestände ist in der Fläche mit jagdlichen Mitteln selbst dann nicht zu erreichen, wenn sämtliche legalen Jagdmethoden intensiv zum Einsatz kommen. Untersuchungen zeigen, dass selbst auf kleinen Flächen eine Reduktion des Fuchsbestands durch Freizeitjäger auch bei intensivster Bejagung der Füchse und zusätzlichen Anreizen zur Fuchsjagd in Form von Abschussprämien nahezu immer scheitert. Die Annahme, dass Zulassung oder Verbot der Jagd am Kunstbau in diesem Zusammenhang einen Unterschied macht, ist schlichtweg absurd.

Darüber hinaus zeigen zahlreiche Untersuchungen aus dem In- und Ausland, dass die Fuchsbejagung bedrohten Tierarten in aller Regel nicht hilft und bisweilen sogar einen kontraproduktiven Effekt hat. Bedenklich ist darüber hinaus, dass das von der Jägerschaft propagierte vermeintliche Allheilmittel der Prädatorenbejagung von den tatsächlichen Bedrohungsursachen von Feldhase und Bodenbrütern ablenkt und dadurch der Entwicklung wirksamer Strategien für den Artenschutz im Weg steht.

Insofern können wir die Wiedereinführung der Baujagd am Kunstbau "durch die Hintertür" nur als Kniefall vor den Abschussinteressen der nordrhein-westfälischen Jägerschaft werten, die allen ökologischen Erkenntnissen und ethischen Bedenken zum Trotz möglichst uneingeschränkt an der Jagd auf Beutegreifer - allen voran den Fuchs - festhalten will.“ 

02.01.2016

Wildbret in Bayern radioaktiv verseucht

Die Folgen von Tschernobyl, knapp 30 Jahre nach dem Reaktorunglück, sind immer noch in deutschen Wäldern nachweisbar. Bayerns Wildschweine sind stärker mit Radioaktivität verstrahlt, als es die Jägerlobby zugeben möchte.


Messdaten des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) belegen dies und sollten eigentlich nicht in die Öffentlichkeit gelangen. Doch einer packte im März dieses Jahres aus: Helmut Rummel, der die Messdaten für den BJV gesammelt und bis zum März 2015 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen entsprechende Messungen durchgeführt hatte, wollte, dass diese Messdaten öffentlich werden. „Die Leute wissen nicht, was sie essen“ – so Rummel, dem zwischenzeitlich seine Aufgabe beim BJV entzogen wurde.

Bild: Michael Mayer


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01.01.2016

Weidgerechtigkeit

"Die vielgepriesene deutsche Weidgerechtigkeit dient der Volksverdummung und der Verdeckung strafbarer Handlungen. Sie bemäntelt tierquälerische Jagdmethoden mit falsch verstandener Traditionspflege." (Rüsch, Jurist und Jäger in "Heuchler in grünen Loden")




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23.12.2015

Jagd im Kunstbau - Unterwanderung der eigenen Gesetze in NRW

Das neue Jagdgesetz in Nordrhein-Westfalen sieht eigentlich ein grundsätzliches Verbot der Baujagd auf Füchse oder auf Dachse im Natur- und Kunstbau vor. Allerdings mit Ausnahmen beispielsweise im Falle der Öffentlichen Sicherheit und Gesundheit sowie der Gefahrenabwehr. Zum Schutz der Tierwelt kann auch regional, etwa zum Schutz von Bodenbrütern in Naturschutzgebieten die Jagd im Kunstbau zugelassen werden. Die dazu kürzlich veröffentlichte „Gebietskulisse Baujagd“ sieht vor, dass für halb NRW Ausnahmen vom grundsätzlichen Verbot der Baujagd zugelassen werden können. Im Kreis Steinfurt und in weiteren Regionen in NRW wurden Ausnahmen bereits in die Wege geleitet. Dazu schreibt unser Fördermitglied R.K. an den Umweltminister:

"Sehr geehrter Herr Minister Remmel,

Sie als Fachmann brauche ich nicht darauf hinzuweisen, warum die Bejagung von Füchsen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen nach vollkommen unsinnig ist und lediglich die Jäger an den angeblich rechtfertigenden Gründen (u.a. Überpopulation, Krankheitsübertragung, Gefährdung von Bodenbrütern) festhalten.

Ebenso brauche ich Sie nicht darauf aufmerksam zu machen, dass Jäger immer wieder Schlupflöcher finden, um ihre Interessen zu verwirklichen. Ich erinnere nur daran, dass die aufgrund heftigster Reaktionen aus der Bevölkerung und dank Intervention Ihrerseits für den 7./8. Februar 2015 geplante bezirksübergreifende Fuchsjagd im Kreis Euskirchen von der Kreisjägerschaft abgesagt wurde – und dass letztendlich triumphierend von dem Landesjagdverband NRW mitgeteilt wird, dass die Fuchsjagd wie geplant stattgefunden habe, dass lediglich auf die Streckenlegung verzichtet worden sei, „um Übergriffe durch militante Jagdgegner zu vermeiden“.

Des Weiteren ist es eigentlich überflüssig, auf die besondere Grausamkeit der Baujagd hinzuweisen, schließlich haben Sie als Verantwortlicher diese ja im neuen Jagdgesetz verboten und nur in Ausnahmefällen eine Möglichkeit der Genehmigung gegeben.

Aktuell wurde u.a. im Kreis Steinfurt durch Verfügung eine solche (nicht gerechtfertigte) Ausnahmegenehmigung für die Fuchsjagd im Kunstbau erteilt, über große Flächenbezirke und über einen Zeitraum von 2 Jahren hinweg.

In den farbig unterlegten Kreisen in NRW soll die Jagd im Kunstbau auf Antrag hin weiterhin erlaubt sein. So unterwandert der Gesetzgeber sein eigenes Gesetz.

Was aber vielleicht ein ganz neuer Aspekt ist, der mir erst jetzt nach tagelanger Beschäftigung mit diesem o.g. Skandal in den Sinn kommt, ist der folgende: Da die Ausbildung der Jagdhunde an lebenden Füchsen in der Schliefenanlage dank Ihres Engagements ebenfalls verboten ist (obwohl es ja auch hier Ausnahmen gibt, z.B. Schliefenanlage in Südlohn-Oeding) und die Hunde lediglich an der Duftspur des lebenden Fuchses trainiert werden dürfen, ist die Kunstbaujagd doch die ideale Möglichkeit, die Hunde trotzdem am lebenden Fuchs auszubilden!!!

Das niederträchtige, verlogene, selbstsüchtige Treiben der Jäger, die doch nach außen hin so viel auf Ehre und Ansehen und Anstand ihrer Zunft geben, ist in den genannten Punkten so offensichtlich, dass man zunehmend Angst bekommen muss, Angst um unsere Natur, der man eh zunehmend Lebensraum nimmt, Angst als Tierfreund, Tierschützer, Tierrechtler oder auch „nur“ als religiöser Mensch, der seine Mitgeschöpfe achtet und liebt und dafür verbal angegriffen, hinters Licht geführt, ja sogar kriminalisiert wird, Angst vor der Sinnlosigkeit jeglichen Engagements, welches ständig hintertrieben wird, und von der Angst vor einem der vielen „Unfälle“ mit Jagdwaffen will ich erst gar nicht reden.

Schade, vor allem für unsere Natur, für die Sie sich mit einem neuen Jagdrecht eingesetzt haben. Ein Jagdrecht, das auch darauf ausgerichtet sein sollte, einen möglichst breiten Konsens der unterschiedlichen Interessengruppen zu erzielen in der Hoffnung, dass sich so die getroffenen Regelungen dauerhaft durchsetzen. Traurig, dass der Konsens besonders im Hinblick auf Methoden wie Schliefenanlage, Baujagd und bezirksübergreifende Fuchsjagden, die ja auch anderes Wild massiv stören, von einer Seite permanent unkontrolliert und ungestraft gebrochen wird.

In der Hoffnung auf Überprüfung der „Allgemeinverfügung zur Aufhebung des Verbotes der Baujagd auf Füchse im Kunstbau auf dem Gebiet des Kreises Recklinghausen für die Jagdjahre 2015/2016 und 2016/2017“ vom 14.12.2015 und deren Aufhebung verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen R.K.“

19.12.2015

Jagdgrüne Götter

Dr. Peter Hawe, Weinheim (erschienen als Leserbrief in den Weinheimer Nachrichten vom 12.12.2015)

Als die Medien vor einem Jahr über das Auftauchen eines Wolfes in unseren Wäldern berichteten, habe ich spontan geäußert, dass dieser Wolf nicht lange leben wird, es wird sich ein Jäger finden, der ihn in „Notwehr“ erschießt. Genauso ist es passiert. Es bestätigt die Vermutung, dass Jäger weder am Naturschutz noch an einer ausgeglichenen Ökologie interessiert sind, sondern die Trophäe ist das Ziel ihres Handelns.

In "Notwehr" erschossen
Bild: www.anderfotografiert.com

Allein in der alten BRD haben wir über 250.000 jagdgrüne Götter (und von denen gibt es zu viele und von den Wölfen absolut zu wenige), die ihren Urtrieb nahezu ungezügelt ausleben könnten, sich als Herr über Leben und Tod in der Natur aufspielen dürfen und ein Gemeingut unserer Gesellschaft, nämlich die Wildtiere, in eigener Regie nutzen oder missbrauchen können. Was die Jäger regulieren, ist das Gleichgewicht ihrer persönlichen Interessen, das sie an ihrem Revier haben. Das biologische Gleichgewicht ist den meisten Jägern schon deshalb gleichgültig, weil sie gar nicht wissen, was es bedeutet.

Ein weiterer Leserbrief von Herrn Dr. Hawe: Jagd die Jäger aus dem Wald



18.12.2015

Neue Jagdverordnung in Hessen - kein Mut zu Veränderungen

Ab 2016 gilt in Hessen eine neue Jagdverordnung. Ein Ziel der neuen Regelung war es, die Jagd- und Schonzeiten wissenschaftlichen Erkenntnissen anzupassen. 

In einigen wenigen Punkten gab es Anpassungen der Jagdzeiten, die Wildtierschutz Deutschland ausdrücklich begrüßt. So wird voraussichtlich eine Schonzeit für erwachsene Füchse eingeführt, die Jagdzeiten für Hermelin, Baummarder, Mauswiesel und Iltis werden gestrichen und die Jagd auf Rabenkrähen, Feldhasen und Rebhühner eingeschränkt.

Jungfüchsen wird keine Schonzeit zugebilligt

Gleichwohl zeigt die neue Jagdverordnung  - wie zuvor ähnlich schüchterne Änderungen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen -,  dass der Politik jeglicher Mut zu richtungweisenden Änderungen des Jagdrechts fehlt. Diese sollten nach Meinung von Wildtierschutz Deutschland einen vollkommenen Verzicht der Jagd auf Füchse, Marder, Waschbären und andere Beutegreifer sowie die Vogeljagd umfassen.

Nach übereinstimmender Meinung der meisten Tier- und Naturschutzverbände trägt dieser Teil der Jagd weder zum Artenschutz bei, noch zu einer nachhaltigen Veränderung der Bestandszahlen dieser Tierarten.


17.12.2015

And the winner is .... Reineke Fuchs

Timo Litters – Unterstützer von Wildtierschutz Deutschland – hat mit einem Fuchsmotiv einen der größten Fotowettbewerbe Deutschlands mit etwa 1.500 Teilnehmern und 4.500 Bildern gewonnen. Hier das Siegerbild:

Das Siegerbild von Timo Litters

Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb vom STERN-Magazin, Olympus Deutschland und dem VIEW-Magazin.

Wir gratulieren!

Hier gibt’s weitere Bilder von Timo

16.12.2015

Narrenfreiheit für die Bauern im Rheiderland?

Vom Wattenrat Ostfriesland
Längst haben die Bauern das Heft des Handelns in der Hand: von 15 "anerkannten" Naturschutzverbänden (BUND, NABU etc.) in Niedersachsen hört man kaum oder nichts zur ständigen Hetzerei dieses hochsubventionierten Berufstandes gegen die arktischen Zugvögel, die im Rheiderland im Nordwesten Niedersachsen ihre Überwinterungsgebiete haben (Ems-Dollart-Gebiet).

Bauern, die am Vertragsnaturschutz teilnehmen, erhalten schon 250 Euro/ha/a für Gänse-Fraßschäden, egal ob sie eingetreten sind oder nicht, und sie wollen mehr.

Ein ständiges Gänse-Monitoring gibt es bereits seit Jahren, nur gefallen die Ergebnisse offenbar nicht. Nun wird Druck gemacht: beim niedersächsischen Umweltministerium und der EU-Kommission.

Landschaftsfraß durch Windkraftanlagen
Bild: Eilert Voß
Notfalls wollen diese Bauern zur Zitat "Selbsthilfe greifen und die nordischen Wintergäste  fristgerecht nach Vertragsablauf wieder auf die Rückreise schicken". Wenn damit gezielte Vertreibungen von den Rast- und Äsungsflächen gemeint sind, könnten das Straftaten sein.

Es ist aus dem Rheiderland bekannt, dass Jäger auch in Pulks von nichtjagdbaren  Gänse schießen, was eine (kaum zu ahndende) Straftat ist.

Durch die völlig verfehlte Energiepolitik mit dem Landschaftsfraß durch Windkraftanlagen (Scheucheffekt), Maisanbau, Überdüngung und die Umwandlung von Grünlandflächen durch Neueinsaat von Industriegräsern ("Grünlanderneuerung") wurden großflächig ehemalige Äsungsflächen für Gänse zerstört, die nun auch in die "Restflächen" ausweichen. Dennoch machen die Bauern bis zu vier Silageschnitte pro Jahr, trotz oder wegen der Gänse? 

Schäden am Gras entstehen auch durch Bodenverdichtungen durch die schweren Maschinen mit anschließenden Staunässeschäden oder durch Frost; auch das wird den Gänsen in die Schnäbel geschoben, um an Geld zu kommen!   

Haben diese Bauern eigentlich Narrenfreiheit?

Mehr zum Thema:
Gänse in Ostfriesland: dreiste Lügenbauern
Schäden am Wintergetreide: Fraß oder Frost?


10.12.2015

Neuzugänge

Herzlichen Dank all` denen, die es uns ermöglicht haben seit 2015 drei weitere Wildtierauffangstationen dauerhaft finanziell unterstützen zu können:

Die Tier-Oase Stefanshof von Helga und Stefan Weiß nimmt Tiere auf, um die sich sonst niemand mehr sorgt. Den Weg zu Wildtierschutz Deutschland hat der Gnadenhof über sein Engagement für die Versorgung und das Aufpäppeln unserer ganz jungen Füchse gefunden.

Steinmarder: andersfotografiert.com

Der Eichhörnchen-Schutzverein hat in diesem Jahr sage und schreibe 578 Eichhörnchen aus dem Großraum München aufgenommen, gesundgepflegt, in Pflegestellen vermittelt, ausgewildert. Dazu Feldhasen, Marder, Wildkaninchen, Igel, einen Biber und zwei Maulwürfe. Da stößt Tierschutzarbeit derweil gesundheitlich an die Grenzen der ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Unser dritter Neuzugang ist KiTiNa – das steht für Kinder, Tiere, Natur. Man hilft hier nicht nur verletzten, verwaisten und kranken Wildtieren, sondern hat sich zur Aufgabe gemacht, auch themenorientierte Kurse und Aktionen rund um das Thema Tier und Natur für Kinder und Jugendliche anzubieten.


Neben diesen drei neuen Organisationen unterstützen wir weiterhin eine Fuchsauffangstation, den Igelhof Aurachtal, ein Projekt zur Rehkitzrettung, die Aktion „Keine Jagd auf meinem Grundstück“ und das Marderhilfsnetz.

06.12.2015

Fuchsbandwurm: Jagd ist Teil des Problems

Dag Frommhold
Regelmäßig wird in den Medien über den Fuchsbandwurm berichtet – bisweilen in einem Ton, der an Hysterie grenzt. Grund dafür dürfte nicht zuletzt die Pressearbeit der Jagdverbände sein, die die Angst vor dem Parasiten gezielt schüren, um die Jagd auf Meister Reineke zu rechtfertigen. Tatsächlich kann man sich vor dem Fuchsbandwurm jedoch mit einfachen Mitteln schützen. Und Forschungsergebnisse zeigen, dass die Fuchsjagd das Risiko für den Menschen keinesfalls verringert, sondern es sogar ansteigen lässt.

Vor allem im Süden Deutschlands trägt ein beträchtlicher Teil der Füchse den Fuchsbandwurm als Darmparasiten in sich. Die Bandwurmeier, die sie mit dem Kot ausscheiden, können beim Menschen die sogenannte alveoläre Echinokokkose verursachen, eine ernste Krankheit, die lebenslanger Behandlung bedarf. Was zunächst gefährlich und unberechenbar klingt, ist in Wirklichkeit jedoch eine extrem seltene Erkrankung, vor der man sich mit einfachen Mitteln zuverlässig schützen kann.

Bild: Luise Dittombée
Dennoch schüren einschlägige Medienberichte die Angst vor dem Fuchsbandwurm, nicht zuletzt als Resultat eifriger Pressearbeit der Jagdverbände. Diese nutzen die latente Furcht der Bürger von einer Infektion mit der Echinokokkose wiederum, um für die Fuchsjagd zu werben – nur durch die intensive Jagd auf den Fuchs, so argumentieren sie, könne man den Fuchsbandwurm eindämmen.

Kein Grund zur Panikmache
Dabei ist frappierend, wie schlecht selbst in vermeintlichen Fachkreisen zum Thema Fuchsbandwurm recherchiert wird. So schrieb die „Ärzte Zeitung“ jüngst, im Jahr 2015 seien bis zum August bereits 96 Erkrankungen am Fuchsbandwurm (sog. alveoläre Echinokokkose) gemeldet worden. Tatsächlich hatte man dabei aber Infektionen mit dem gut doppelt so häufigen Hundebandwurm (zystische Echinokokkose) fälschlicherweise dem Fuchsbandwurm zugeschlagen. Wie die Meldedaten des Robert-Koch-Instituts in Berlin zeigen, lag die Zahl der Fuchsbandwurminfektionen dagegen auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren, in denen bundesweit jeweils etwas mehr als 30 Menschen erkrankten – weit weniger übrigens, als beispielsweise durch Jagdwaffen oder Blitzschläge zu Schaden kommen.

Jagdverbände wie Jagdmedien witterten offensichtlich dennoch ihre Chance, Angst vor Füchsen zu schüren und dadurch Rückendeckung für die Fuchsjagd zu gewinnen. Gierig griffen sie die Meldung der Ärzte Zeitung auf und verbreiteten sie mit Schlagzeilen wie „Füchse sind gefährlich!“ (jagderleben.de) eifrig weiter, nicht ohne es zu versäumen, auf die vermeintliche Notwendigkeit der Bejagung von Füchsen hinzuweisen.

Luxemburg: Kein Zusammenhang zwischen Jagdverbot und Fuchsverbot
Ganz ähnliches hatte sich bereits einen Monat zuvor in Luxemburg abgespielt, wo Füchse derzeit aufgrund eines zunächst einjährigen Jagdverbots vor Nachstellungen geschützt sind. Seit Jahren liegen die Befallsraten luxemburgischer Füchse mit dem Fuchsbandwurm bei etwa 20-30 %; ein Niveau, das etwas unterhalb jener der angrenzenden deutschen Bundesländer liegt. Als die Untersuchung von 32 tot aufgefundenen Füchsen im Oktober jedoch ergab, dass 13 von ihnen Bandwürmer im Darm trugen – eine Quote von etwa 40 % - , war der luxemburgische Jagdverband schnell dabei, den Grund für den Anstieg in der aktuellen Schonzeit für Füchse zu suchen. Die Meldung gab den gebetsmühlenhaft wiederholten Forderungen des luxemburgischen Jagdverbands nach einer umgehenden Aufhebung des  Jagdverbots neuen Auftrieb.

Dass eine derart geringe Stichprobengröße bei einem so niedrigen Unterschiedsniveau (zehn Prozentpunkte entsprechen etwa drei Tieren) überhaupt keine Aussage erlaubt und die Differenz mit beträchtlicher Wahrscheinlichkeit reiner Zufall ist, blieb dabei aber unerwähnt. „Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass die Befallsraten in Luxemburg sich anders entwickeln als in den benachbarten deutschen Bundesländern“, erläutert daher Felix Wildschutz, Direktor des luxemburgischen Veterinäramts, gegenüber fuechse.info. „Es besteht auch keine Annahme, dass ein Zusammenhang zwischen dem Jagdverbot und den Befallsraten der Füchse existiert.“



Fuchsjagd lässt das Infektionsrisiko für Menschen ansteigen
Tatsächlich gibt es keinen einzigen Beleg für die Hypothese, der Fuchsbandwurm könne durch intensivere Fuchsjagd zurückgedrängt werden. Wie spätestens die dramatischen Misserfolge bei der Tollwutbekämpfung in den 1960er und 70er Jahren eindrucksvoll gezeigt haben, lassen Fuchsbestände sich großflächig nicht durch die Jagd reduzieren. Damals verfolgte man Füchse mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – bis hin zur Vergasung ganzer Fuchsfamilien im Bau. Dennoch gab es  nach zwanzig Jahren rigorosester Fuchsjagd mehr Füchse als je zuvor, und die Tollwut griff ungehindert weiter um sich. Fuchspopulationen reagieren auf intensive Bejagung nämlich mit steigenden Geburtenraten, wodurch auch hohe Verluste schnell wieder ausgeglichen werden.
Bereits bei der Tollwutbekämpfung erwies die Fuchsjagd sich jedoch nicht nur als wirkungslos, sondern sogar als kontraproduktiv. Zwar beeinflusst sie den Gesamtbestand nicht nachhaltig, führt durch die steigenden Geburtenraten aber zu einem höheren Anteil an Jungfüchsen an der Gesamtpopulation. Da diese Jungfüchse sich jedoch im Herbst ein eigenes Revier suchen und dabei oft viele Kilometer zurücklegen, sind sie es, die die Tollwut oft erst in neue Gebiete einschleppen. So ist es zu erklären, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tollwut sogar zunahm, bevor man die Seuche durch den flächendeckenden Abwurf von Impfködern aus Flugzeugen schließlich besiegte.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine derartige kontraproduktive Wirkung der Jagd auch für den Fuchsbandwurm gilt. So finden sich im Darmtrakt junger Füchse deutlich mehr ausgewachsene Exemplare des Fuchsbandwurms, als es bei älteren Tieren der Fall ist1,2,8. Im Laufe ihres Lebens entwickeln Füchse offensichtlich Abwehrmechanismen gegen den Parasiten. Dies lässt den Schluss zu, dass in bejagten Fuchsrevieren unter dem Strich mehr Eier des Fuchsbandwurms in die Umwelt abgegeben werden, weil dort der Anteil für den Bandwurm empfänglicher Jungfüchse höher ist. Das Infektionsrisiko für Menschen steigt durch die Jagd also demnach an.

Einfache, aber wirkungsvolle Schutzmaßnahmen
Ganz davon abgesehen, dass eine Erkrankung an der alveolären Echinokokkose schon rein statistisch extrem unwahrscheinlich ist, kann man sich mit einfachen Maßnahmen davor schützen. Die weitaus wichtigste davon ist, Hunde und Katzen regelmäßig – am besten alle sechs Wochen - zu entwurmen und im Umgang mit ihnen Hygiene zu wahren. Durch den Verzehr von Mäusen, die mit dem Bandwurm infiziert sind, können sie ähnlich wie der Fuchs zu Ausscheidern von Fuchsbandwurmeiern werden. Experten gehen davon aus, dass der weitaus größte Teil der Infektionen mit alveolärer Echinokokkose auf das Konto unzureichend entwurmter Heimtiere geht.

Bodennah wachsende Waldbeeren sind – anders, als es oft dargestellt wird – als Infektionsquelle dagegen unbedeutend. Einerseits ist es extrem unwahrscheinlich, dass eine Beere jemals mit Fuchskot in Kontakt kommt und dann auch noch ungewaschen verzehrt wird, andererseits scheint nur eine Dauerexposition – also der regelmäßige Kontakt mit Bandwurmeiern – auch zu einer Infektion zu führen. Immer mehr Epidemiologen zweifeln daher grundsätzlich an, dass der Infektionsweg über kontaminierte Pilze oder Waldfrüchte überhaupt eine Rolle spielt. Wer sich dennoch unwohl fühlt, kann eventuelle Bandwurmeier durch das Erhitzen der Nahrung auf mindestens 60 Grad sicher abtöten.

Zu guter Letzt ist es in Gebieten mit hoher Verbreitung des Fuchsbandwurms ratsam, sich nach der Gartenarbeit die Hände zu waschen. Dadurch kann man verhindern, dass man eventuell an den Händen haften gebliebene Fuchsbandwurmeier aufnimmt.

Kein Zusammenhang zwischen Befallsraten der Füchse und Infektionen beim Menschen
Interessanterweise scheint es jedoch nur wenig Zusammenhang zwischen der Befallsraten der Füchse mit dem Fuchsbandwurm und der Anzahl auftretender Echinokokkose-Erkrankungen beim Menschen zu geben. Die Forscher um den ungarischen Epidemiologen Sréter stellten beispielsweise fest, dass trotz deutlich ansteigender Befallsraten der Füchse in den 1990er Jahren auch langfristig keine Zunahme an Echinokokkosefällen zu verzeichnen war9. Sie erklären diesen Umstand mit dem gewachsenen Hygienebewusstsein der Menschen, insbesondere im Umgang mit Haustieren.

Die regelrechte Hysterie, die der Fuchsbandwurm vielerorts auszulösen scheint, ist also ganz offensichtlich ungerechtfertigt. Zudem gibt es heutzutage Entwurmungsköder, mit deren Hilfe das Auftreten des Fuchsbandwurms in Fuchspopulationen auf nahezu null reduziert werden kann3. Von 2003 bis 2007 wurden beispielsweise im Landkreis Starnberg Entwurmungsköder verteilt. Waren 2003 noch 51% der Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert, so sank diese Zahl im Jahr 2005 auf 42%, 2006 auf 12%, und im März 2007 betrug die Befallsrate sogar nur noch 0,8%6,7. Auch hier gilt allerdings, dass die Fuchsjagd einen negativen Einfluss auf die Wirksamkeit der Beköderung hat. Da Jagddruck die Wanderbewegungen in Fuchspopulationen ansteigen lässt, erhöht sie das Risiko, dass nicht entwurmte Tiere von außen in das beköderte Areal eindringen und dabei den Bandwurm wieder einschleppen4. Dennoch gilt, dass – von den erwähnten einfachen Vorsichtsmaßnahmen abgesehen – die Entwurmung von Füchsen das einzig wirksame Mittel gegen den Fuchsbandwurm darstellt.

Jagd: Teil des Problems
Wer dagegen – ob aus Unwissen oder verantwortungslosem Kalkül – die Jagd als probates Mittel gegen den Fuchsbandwurm propagiert, muss sich vorwerfen lassen, nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems zu sein. Immerhin deutet einiges darauf hin, dass die Jagd auf Meister Reineke die Verbreitung des Bandwurms sowie das Infektionsrisiko für den Menschen sogar ansteigen lässt. Den Fuchsbandwurm zu instrumentalisieren, um die Fuchsjagd zu rechtfertigen, ist daher schlichtweg zynisch und gefährdet im schlimmsten Fall sogar Menschenleben.

Literatur

1) P. Deplazes, D. Hegglin, S. Gloor, T. Romig (2004): Wilderness in the city: the urbanization of Echinococcus multilocularis". TRENDS in Parasitology Vol.20 No.2
2) D. Ewald, J. Eckert (1993): Verbreitung und Häufigkeit von Echinokokkus multilocularis bei Rotfüchsen in der Nord-, Süd-, und Ostschweiz sowie im Fürstenturm Liechtenstein. Zeitschrift für Jagdwissenschaften, 39, 171-180
3) D. Hegglin, P. Deplazes (2008): Control strategy for Echinococcus multilocularis. Emerg Infect Dis 14, 1626-1628
4) D. Hegglin, P.I. Ward, P. Deplazes (2003): Anthelmintic Baiting of Foxes against Urban Contamination with Echinococcus multilocularis, Emerging Infection Diseases, 9(10)
5) S. Hofer, S. Gloor, U. Müller, A. Mathis, D. Hegglin, P. Deplazes (2000), High prevalence of Echinococcus multilocularis in urban red foxes (Vulpes vulpes) and voles (Arvicola terrestris) in the city of Zürich, Switzerland. Parasitology, 120, 135-142
6) A. König, T. Romig, C. Janko, R. Hildenbrand, E.A. Holzhofer, Y. Kotulski (2008): Integrated-baiting concept against E. multilocularis in foxes is successful in Southern Bavaria, Germany. European Journal of Wildlife Research 54, 439-447
7) A. König, T. Romig (2007), Bericht an die Gemeinden des Landkreises Starnberg sowie die Gemeinden Neuried und Planegg über das Projekt Kleiner Fuchsbandwurm im Bereich der Gemeinden im Landkreis Starnberg sowie den Gemeinden Neuried und Planegg im Landkreis München
8) K. Tackmann, U. Loschner, H. Mix, C. Staubach, H.H. Thulke, F.J. Conraths (1998): Spatial distribution patterns of Echinococcus multilocularis (Leuckart 1863) (Cestoda: Cyclophyllidea: Taeniidae) among red foxes in an endemic focus in Brandenburg, Germany. Epidemiol Infect 120, 101-109
9) T. Sréter, Z. Széll, Z. Sréter-Lancz, I. Varga (2004): Echinococcus multilocularis in Northern Hungary. Emerging Infectious Diseases

03.12.2015

Tierleid - wann wird die Kirche Stellung beziehen?

Schreiben vom 8.11.2015 von Maria Groß, Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V., an  Dr. Silvia Katharina Becker, Hörfunkbeauftragte d. dt. Bischofskonferenz

Sehr geehrte Frau Dr. Becker,

durch Zufall habe ich Ihre heutige Sendung „Am Sonntagmorgen: Albert Schweitzer und die Ehrfurcht vor den Tieren“ im Deutschlandfunk gehört und war heftig überrascht, dass vonseiten der katholischen Kirche nun doch einmal ein Wort zu diesem Thema kam.

Ich war bewegt davon, dass Sie so schön gesprochen haben – genau in dem Sinne, den wir Tierschützer/innen uns schon längst vergeblich von der Kirche gewünscht haben. Ihrer Rede konnte ich wirklich bei jedem Wort zustimmen. In Anlehnung an Albert Schweitzer haben Sie mit feinem Gefühl genau den Punkt getroffen: die Ehrfurcht vor den Tieren.

„Wie bitteschön“, höre ich gleich die katholische Stimme meiner Kindheit sagen, „es sind doch nur Tiere. Sie stehen so unvergleichlich viel tiefer als wir Menschen. Nur den Menschen gilt das Erlösungswerk und nur sie sind die Kinder Gottes.“ Ich weiß sogar aus längst abgelegter katholischer Vergangenheit, dass Tiere „keine Seele“ haben und dass es rechtens ist, sich ihrer zu bedienen.

Diese Geisteshaltung hat viel Böses angerichtet. Wir leben in einem Land, in dem Milliarden Puten, Schweine, Rinder, Kaninchen, Enten, Gänse - alle aufs Wunderbarste ausgestattet mit „Leben, das leben will wie wir“ - für unsere Gier nach Fleisch in dunklen Hallen dahinsiechen. Aus den glitschigen Spaltenböden stechen die Ammoniakdünste und zerfressen die Lungen der intelligenten und lebensfreudigen Schweine. Milliarden von Masthühnern, Puten usw. stehen im eigenen Kot ohne Bewegung, ohne Sonnenlicht, ohne auch nur annähernd ihre artgemäßen Wünsche ausleben zu können.

Als aktive Tierschützer sahen wir bei unseren Tierschutzaktivitäten Tausende von gequälten, zerrupften Hühnern mit abgeschnittenen Schnäbeln in viel zu engen Käfigen auf Drahtgittern ihr kurzes Leben fristen.

Wir sahen Rinder und Schweine, die brutal und trotz Verbot mit dem Elektrostab zur Schlachtung getrieben wurden und dann, mehr oder weniger betäubt, jedenfalls zum Teil noch zappelnd zerteilt wurden.

Die Geisteshaltung der Kirche hat viel Böses angerichtet

Wir sahen Schweinemütter in der „eisernen Jungfrau“, die die meiste Zeit ihres Lebens kaum aufstehen, geschweige denn sich umdrehen konnten. Wir sahen Kühe, die nach ihren Kindern weinten, weil man sie ihnen schon am ersten Tag wegnahm, um selbst an die Milch zu kommen und Kälber, die brutal auf Lastwagen verladen wurden, um auf elenden Tiertransportern quer durch Europa und darüber hinaus eine qualvolle Deportation zu erleiden.

Wir sahen Fische, die lebend und das Maul weit aufreißend, auf den Märkten in der Sonne feilgeboten wurden oder ebenfalls noch lebend, zu Tausenden in Kisten verpackt und abtransportiert oder lebend auf dem Markt zerteilt wurden. Wir kennen Hunde, die in der Mülltonne gefunden wurden und könnten noch Seiten füllen mit schrecklichen Dingen, die unseren Brüdern und Schwestern, den Tieren, alltäglich angetan werden.

Für jedes Schnitzel gibt es ein Leben zuvor, und es war schrecklich und grausam von Anfang bis zum Ende.

Wenn wir Tierschützer daran verzweifeln, dass den christlichen Kirchen das Leiden, das wir Menschen über die Tiere bringen, schlichtweg egal ist, dann sind Sie persönlich ganz sicher nicht die richtige Adresse für Kritik. Aber wir fragen uns natürlich, wann wird die Kirche denn, über Einzelfälle hinausgehend, endlich laut und eindeutig Stellung beziehen? Wie lange soll die Qual der Geschöpfe Gottes weitergehen, bis die Amtskirche sich dazu bemüßigen wird, dieses Thema so öffentlich und selbstverständlich wie andere Themen zu bewegen? Wo bleibt der Barmherzige Samariter, der das Leiden erkennt und handelt?

Dabei sind alle christlichen Kirchen gleich. Wir haben 3 volle Jahre mit einem intensiven Schriftwechsel darum gerungen, eine persönliche Vorsprache zu diesem Thema bei Bischof Huber zu erhalten. Beim Kirchentag erhielten wir hunderte von Unterschriften für unseren Appell an ihn. Schließlich wurden uns genau 15 Minuten zugestanden, unser Anliegen vorzubringen. Eine Resonanz haben wir noch nicht gehört. 

Es gibt viele Ausflüchte, die die Menschen erfinden, um nicht Ehrfurcht oder Mitleid vor der Kreatur haben zu müssen. Sie sagen: Die Tiere merken das nicht - oder etwas Ähnliches. Die Wissenschaftler sagen, man müsse erst weiter erforschen, ob ein eingesperrtes Tier, dem jedes artgerechte Verhalten verboten wird, wirklich darunter leide. Andere sagen einfach, es gäbe Wichtigeres.

Wir können es der katholischen Kirche nicht ersparen: die christliche Tradition hat unsere westliche Geisteshaltung geprägt – was für die Tiere zum Horror wurde. Zugegeben: die Sache ist für die Kirche ja nicht so einfach. Denn wenn sie die Ehrfurcht vor den Tieren ernst nähme, was müsste die Kirche tun?

Sie müsste ihre Mitglieder aufrufen, ihren Fleischkonsum hochgradig zu überdenken, (womit wir gleichzeitig viel Gutes für Klima, Umwelt und die Menschen in den ärmeren Ländern täten). Sie müsste das Unrecht, das Gottes Geschöpfen angetan wird, beim Namen nennen und würde riskieren, dass diejenigen, die das nicht hören wollen, sich von ihr abwenden, wozu im Falle der Kirche ganz sicher auch ein großes, finanzstarkes Klientel gehörte. Hier könnte die Kirche aber „Rückgrat“ beweisen und Glaubwürdigkeit gewinnen.

Die Menschen müssten auch über ihre Selbstverständlichkeit nachdenken, mit der sie die Tiere milliardenfach zu Versuchszwecken greifen. Wie ist es mit der Ethik, die nach Albert Schweitzer „keinen Unterschied zwischen wertvollem und weniger wertvollem Leben“ macht? Wenn wir denn, unserem großen Vorbild folgend, eine solche Unterscheidung ablehnen, müssten wir die tierfreie Forschung vorantreiben und nicht immer wieder die menschliche Überlegenheit ausspielen.

Darüber hinaus müssten wir uns im Sinne von Christian Morgenstern verhalten, der sagte: „Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns zu vergelten.“

Es gäbe also viele Gründe und es wäre an der Zeit, dass die Kirche „den Mund auftut für die Stummen“. Es wäre an der Zeit, dass sie nicht nur in Einzelfällen Stellung bezieht und dass die Auseinandersetzung mit dem Thema und seiner Vielschichtigkeit offiziell von den Kanzeln gepredigt wird und dass die Kirchen ein praktisches Beispiel geben, eine neue Einstellung im Alltag zu leben.

Die Kirchen nehmen sich das Recht, bei allen gesellschaftlich relevanten Themen mitzureden. Warum nur halten sie sich bei diesem wichtigen Thema heraus?

Um auf Sie, sehr geehrte Frau Dr. Becker, zurückzukommen: wir möchten Sie mit unserem Brief ermutigen, damit fortzufahren, Ihre feine Haltung den Tieren gegenüber öffentlich zu bekennen und sie in die Gesellschaft, besonders aber in Ihre Kirche hineinzutragen. Dort wird Ihr Gedankengut schrecklich vermisst.

Mit freundlichen Grüßen
Maria Groß

zum gleichen Thema: Weihnachtspost von Maja Prinzessin von Hohenzollern




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