29.10.2014

Aus der Presse: Jagdunfälle und Straftaten

zusammengestellt von www.abschaffung-der-jagd.de 

29.10.14: Deutscher Jäger erschießt Freund in Russland
Ein Jäger aus Wiesbaden war nach Russland geflogen, weil er einen 700-Kilo-Elch schießen wollte. Stattdessen erschoss er aus Versehen seinen Jagdführer. (BILD Frankfurt, 29.10.2014)

27.10.14: 16-Jährigen erschossen - Jäger verurteil tEin 81-jähriger Jäger wurde vom Landgericht Stade wegen Totschlags in einem minderschweren Fall für schuldig erachtet, weil er 2010 einen 16-Jährigen erschossen hatte. Das Urteil: Freiheitsstrafe von 9 Monaten auf Bewährung. (SPIEGEL online, 27.10.2014)
10.10.14: Jäger mit Wildschwein verwechselt Zwei Jäger, die voneinander nichts wussten, waren in einem Jagdrevier im Landkreis Regensburg unterwegs, um Wildschweine zu jagen. In der Dunkelheit hat der eine Jäger den anderen mit einem Wildschwein verwechselt und schwer verletzt. (wochenblatt.de) 

Das findet unser kleiner Nerz nicht lustig,
Bild Fabien Gagnon

4.10.14: Jäger versetzen Anwohner in Angst In Kirchlinteln fühlen sich Anwohner von zwei Jägern bedroht: Diese würden aggressiv gegenüber den Anwohner auftreten und in Richtung Neubaugebiet schießen. (Weser Kurier, 4.10.2014)

24.9.14: Jäger schießt sich im Maisfeld selbst an Ein 37-jähriger Jäger hat sich bei der Jagd auf Wildschweine in einem Maisfeld mit seiner Jagdwaffe selbst angeschossen. (Lausitzer Rundschau, 24.9.2014)

23.9.14: Jäger bedroht Taxifahrer mit Waffe Ein 58-jähriger Jäger wurde in Herzogenrath von einem Sondereinsatzkommando der Polizei verhaftet, weil er mehrfach Taxifahrer mit einer Schusswaffe bedroht hatte. Die Polizei habe zwölf Schusswaffen und Munition beschlagnahmt. Der Jäger durfte seit 1976 Waffen legal führen. (Aachener Zeitung, 23.9.2014)

5.9.14: Jäger schießt seinem Sohn ins Bein Ein 59-jähriger Politiker und passionierter Jäger aus Dinslaken hat am 4.9.2014 seinem 29-jährigen Sohn im Streit ins Bein geschossen und schwer verletzt. (BILD, 5.9.2014)

1.9.14: Jäger erschoss Finanzbeamten Ein Jäger hat am 1.9.2014 im Finanzamt Rendsburg im Streit einen 58-jährigen Sachgebietsleiter erschossen. (shz.de, 1.9.2014) 

25.8.14: Wildschweinjagd: Jäger erschießt Treiber Bei einer Jagd auf Wildschweine in einem Maisfeld im Main-Tauber-Kreis hat ein 74-jähriger Jäger einen Treiber erschossen. (Polizeipräsidium Heilbronn) Bereits im Juli 2014 waren bei Erntejagden auf Wildschweine zwei Menschen schwer verletzt worden.


28.10.2014

Jagdreform jetzt!


Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die anstehende Jagdreform in Nordrhein-Westfalen. Folgen Sie bitte dem Link unter dieser Resolution.

26.10.2014

Freitags den Jugendjagdschein geholt, samstags fünf Jungfüchse getötet

Wussten Sie, dass Füchse in den meisten Bundesländern keine Schonzeit haben?
Jäger töten jedes Jahr etwa 600.000 Füchse in Deutschland. Der Rotfuchs ist eine der wenigen Tierarten, der Jäger kaum eine Schonzeit billigen. In den meisten Bundesländern wird der Rotfuchs deshalb ganzjährig mit Flinte und Falle bejagt – schon die Jungtiere. 

Ganze Fuchsfamilien – mit dem Hund aus dem Bau gebissen oder mit dem Spaten ausgegraben -  werden im Rahmen der Baujagd abgeschlachtet. Nach ihrer Tötung werden sie meistens verbuddelt oder in der Tierkörperbeseitigung entsorgt.

zum Vergrößern bitte das Bild anklicken
Bild Detlef Hinrichs
Der Fuchs ist ein äußerst nützliches Tier. Er frisst jedes Jahr mehr als eintausend Mäuse, ernährt sich vom Aas überfahrener Tiere und ist „Fitnesstrainer“ für andere Arten. Das macht er, indem er kranke und reaktionsschwache Tiere erbeutet. Entgegen der Behauptung von Jägern belegen zahlreiche Forschungsarbeiten, dass es keine Notwendigkeit der Fuchsjagd gibt.



Kampagnen-Motiv 1 finden Sie hier

Eine Kampagne von fuechse.info und Wildtierschutz Deutschland, unterstützt von Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen e.V, Natur ohne Jagd e.V., Dr. Francesco Dati, Marburg, Weingut & Biohotel Gänz, Natur in Not, Menschen für Tierrechte -Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V, David gegen Goliath e.V., Simbiosis - Mensch und Natur e.V., SOS Galgos, Initiative Abschaffung der Jagd, Bürgerbewegung Zwangsbejagung ade, Tier & Mensch e.V.



20.10.2014

Füchslein rot, bist gleich tot!*

* Titel eines Artikels über „effektive Jungfuchsbejagung“ in der Zeitschrift „Jäger“

Wussten Sie, dass Füchse durch die Jagd nicht „reguliert“ werden? 

Wie wir aus jagdfreien Gebieten (z.B. Bayerischer Nationalpark) wissen, sorgt die Sozialstruktur von von Füchsen dafür, dass sie sich nicht über Gebühr vermehren. Lässt man Füchse in Ruhe, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die ranghöchste Füchsin Nachwuchs bekommt.

zum Vergrößern bitte das Bild anklicken
Bild Jo Kurz

Englische Forscher um den Biologen Stephen Harris konnten zeigen, dass selbst ein 150faches Nahrungsüberangebot die Fuchsdichte nicht weiter wachsen lässt. Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in dieses stabile System ein, so brechen die Gemeinschaften auseinander, und nahezu jede Füchsin bekommt Nachwuchs. Studien zeigen, dass zudem auch die Anzahl der Welpen pro Wurf wächst.

Je stärker Füchse also bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine wie auch immer geartete „Regulierung“ von Fuchsbeständen ist weder nötig, noch ist sie mit jagdlichen Mitteln überhaupt möglich.


Lesen Sie auch: Jagd löst keine Probleme, Jagd schafft sie erst.

Eine Kampagne von fuechse.info und Wildtierschutz Deutschland, unterstützt von Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen e.V, Natur ohne Jagd e.V., Dr. Francesco Dati, Marburg, Weingut & Biohotel Gänz, Natur in Not

10.10.2014

Täter: Fallenjäger - Alibi: Artenschutz

Kürzlich veranstaltete der  Deutsche Jagdverband (DJV) in Thüringen sein alljährliches Fallensymposium.  Hier wird von meist der Jagd gegenüber unkritischen Institutionen und ihren Vertretern dargelegt, warum die Fallenjagd unabdingbar für den Artenschutz sei.  In seinem Eckpunkte-Papier begründet der DJV die vermeintliche Notwendigkeit der Fallenjagd unter anderem mit dem Schutz von Restbeständen von Großtrappen  - von diesen Rauhfußhühnern gibt es gerade noch etwa ein Dutzend in Brandenburg. Ferner betont der DJV seit Jahren immer wieder, dass aus seiner Sicht nicht heimische Wildtiere wie der Waschbär (gemäß Bundesamt für Naturschutz eine heimische Tierart) oder der Marderhund mittels der Fallenjagd verfolgt werden müssten. 

Der renommierte Waschbär-Forscher Frank Michler von der TU Dresden, selbst Jäger, wirft dem DJV im Zusammenhang mit seinen Presseveröffentlichungen über den Waschbären „tendenziöse Berichterstattung“ vor. Der Jagdverband kommuniziere ein „zum Teil sehr undifferenziertes und vorgefertigtes Meinungsbild“. Eine Diskussion könne aber nur auf der Basis solider, wissenschaftlicher Daten erfolgen.

Jungfüche, vor dem Bau in der Drahtfalle gefangen
Bild: Jo Kurz

Im Namen des Artenschutzes töten Jäger Jahr für Jahr weit  über eine Millionen Füchse, Dachse, Waschbären, Hauskatzen und andere Beutegreifer in Deutschland.  Das Ergebnis für den Artenschutz tendiert trotzdem gegen Null.  Die Restbestände von Auerwild und Trappen sind alleine und ohne siebenstellige Zuwendungen des Steuerzahlers nicht überlebensfähig. Trotz intensiver Jagd mit Flinte und Falle nehmen die Bestände von Rebhühnern, Kiebitzen und anderen Bodenbrütern seit Jahrzehnten kontinuierlich ab. Forst- und Landwirtschaft und inzwischen die Energiewende machen ein Überleben vieler dieser Tierarten in der Natur fast unmöglich.

Politik und Öffentlichkeit werden von den Jagdlobbyisten nachhaltig getäuscht. Die Jagd hat – wie auch renommierte Wissenschaftler wie Bellebaum/Langgemach und viele andere in ihren Forschungsarbeiten konstatieren –  keine nachhaltig reduzierende Wirkung auf den Bestand der gejagten, oft nachtaktiven Tiere. 

Artenschutz ist für den von seinen Verbänden indoktrinierten Kleintierjäger nichts weiter als ein Alibi, es geht alleine darum, sich in den jagdlichen Aktivitäten nicht einschränken zu lassen.

Hier eine Übersicht zur Fallenjagd in Deutschland
Eckpunktepapier DJV zur Fangjagd



04.10.2014

Baden-Württemberg: Politik kapituliert vor den Jägern

Einseitige Änderungen führen das „Wildtiermanagement-Gesetz“ ad absurdum

Der vor der Sommerpause vorgestellte Referentenentwurf zum baden-württembergischen Landesjagdgesetz blieb aus Sicht des Tier- und Naturschutzes bereits weit hinter den Erwartungen zurück. Wie nun an die Öffentlichkeit drang, sollen die bereits äußerst überschaubaren Verbesserungen nun weiter aufgeweicht werden. Was übrig bleibt, ist eine weiterhin einseitig an den Abschussinteressen der Jägerschaft orientierte Politik, die die ursprünglichen Ziele der Jagdrechtsreform ad absurdum führt.

So setzte die Jägerschaft beispielsweise durch, dass die Jagd sich auch weiterhin nicht an wildtierökologischen Anforderungen auszurichten braucht. Ob die Bejagung einer Tierart erforderlich ist oder nicht – aus ökologischen, ökonomischen oder aus epidemiologischen Gründen -  spielt also auch weiterhin keine Rolle. Beutegreifer wie Fuchs und Dachs, aber auch Vögel werden weiterhin aus bloßer Jagdlust getötet. Wissenschaftliche Studien zeigen bereits seit geraumer Zeit auf, dass eine flächendeckende „Regulierung“ dieser Tierarten durch die Jagd weder nötig noch – wie im Falle des Fuchses – überhaupt möglich ist.

Bei den Jagd- und Schonzeiten gibt es praktisch keine Verbesserungen gegenüber den derzeitigen Regelungen. Von den Forderungen der Naturschutzverbände nach einer mindestens achtmonatigen vollständigen Jagdruhe sind gerade noch zwei Monate übrig geblieben, diese zudem im März und April, in denen auch bisher nur wenig gejagt wird. Selbst in dieser Zeit dürfen Wildschweine in der offenen Landschaft sowie im Wald innerhalb von 200 Metern vom Waldrand entfernt getötet werden. Auch gefährdete Arten wie der Feldhase, die im Rahmen des sogenannten „Entwicklungsmanagements“ zunächst geschützt werden sollten, bleiben nun jagdbar; dasselbe gilt für Rabenvögel, für die Naturschützer schon seit langem einen Schutz gemäß den Vorgaben der EU-Vogelschutzrichtlinie fordern.

Für viele Jäger nichts weiter als ein Schädling
Rotfuchswelpe, Bild Fabien Gagnon

Die zunächst vorgesehenen Einschränkungen von Fütterung und Kirrung wurden massiv aufgeweicht. Somit werden Jäger auch weiterhin über das Einbringen großer Futtermengen in die Reh- und Wildschweinbestände diese künstlich hoch halten, um bessere Jagdstrecken zu erzielen.

Ein Schlag ins Gesicht für den Tier- und Naturschutz ist zudem, dass Tier- und Naturschutzverbände es weiterhin dulden müssen, dass auf ihrem eigenen Grundbesitz gegen ihren Willen gejagt wird. Die Jägerschaft will hiermit konsequent verhindern, dass größere jagdfreie Areale entstehen – schließlich würden diese der Öffentlichkeit unmittelbar vor Augen führen, dass es ohne Jagd und Jäger besser geht. Weitgehend jagdfreie Gebiete wie etwa Nationalparks oder der Schweizer Kanton Genf belegen dies bereits eindrucksvoll.

Grüne und SPD müssen sich angesichts all dessen fragen lassen, ob sie es mit dem Natur-, vor allem aber dem Tierschutz auch nur ansatzweise ernst meinen. Während man der Jägerschaft in nahezu allen Punkten entgegengekommen ist, findet das Tier als leidensfähiges Individuum, aber auch der aktuelle Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse kaum Berücksichtigung. Das ursprünglich ausgegebene Ziel der Landesregierung, den Tierschutz zu stärken und die Jagdgesetzgebung an ökologischen Erfordernissen auszurichten, wurde jedenfalls voll und ganz verfehlt.

26.09.2014

Jagdgesetzentwurf NRW: gute Ansätze, aber unzureichend

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat ihren Entwurf für ein neues Landesjagdgesetz vorgelegt. Wildtierschutz Deutschland e.V. begrüßt, dass darin einige wichtige tierschutzrelevante Verbesserungen Eingang gefunden haben, kritisiert die Änderungen jedoch als insgesamt unzureichend.

Zu den zentralen Verbesserungen des Gesetzentwurfs gehören zweifellos das Verbot einiger besonders tierquälerischer Jagdpraktiken wie der Baujagd, der Jagd mit Totschlagfallen sowie der Jagdhundeausbildung an lebenden Tieren. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist zudem, dass zukünftig auch juristische Personen wie etwa Natur- und Tierschutzverbände die Möglichkeit haben sollen, ihre Grundstücke von der Bejagung auszunehmen.

Diesen guten und nur zu unterstützenden Aspekten steht leider eine Reihe verpasster Chancen gegenüber, weiteres Tierleid zu verhindern und die Jagd stärker an wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten. So wurden an der Liste jagdbarer Arten lediglich kosmetische Korrekturen vorgenommen, obwohl es für die Verfolgung der meisten Wildtierarten keinen vernünftigen Grund gibt.

Bild: Helmut Sütsch, fuchsfilm.de


Jungfüchse beispielsweise dürfen weiterhin das ganze Jahr über getötet werden. Zwar behauptet die Jägerschaft gebetsmühlenartig, dass die Bejagung des Fuchses zur Bestandsreduktion notwendig sei; wissenschaftliche Studien widerlegen dies jedoch bereits seit geraumer Zeit. So lässt intensive Bejagung die Geburtenraten in die Höhe schnellen; eine Reduktion der Fuchspopulation ist daher mit jagdlichen Mitteln weder nötig noch überhaupt möglich. Ebenso wenig gibt es für die flächendeckende Bejagung anderer Beutegreifer, wie etwa des Steinmarders oder des Dachses, oder den Abschuss von Vögeln einen vernünftigen Grund. Hier scheint die Landesregierung dem Druck des Landesjagdverbands gewichen zu sein.

Auch die geplanten Schonzeitenregelungen sind unzureichend. Um Wildtieren eine Phase ungestörter Fortpflanzung und Entwicklung zu geben, bedarf es einer mindestens sechs-, besser neunmonatigen vollständigen Jagdruhe. Stattdessen bleibt die Landesregierung im Wesentlichen beim bisherigen Stückwerk aus meist viel zu kurzen Schonzeiten, die über den Jahresverlauf verteilt sind.

Die Grünen haben das Gesetzgebungsverfahren mit dem Anspruch begonnen, die Jagd stärker an Belangen des Natur- und Tierschutzes zu orientieren und zu einem wissenschaftlich fundierten Wildtiermanagement auszubauen. Diese Ansprüche erfüllt der vorliegende Gesetzesentwurf nur eingeschränkt. Wildtierschutz Deutschland e.V. fordert daher, ihn vor der Verabschiedung an genau diese Pläne anzupassen. Dazu gehört insbesondere:
  • Eine deutliche Einschränkung des Katalogs jagdbarer Arten. Für die Verfolgung etwa von Beutegreifern und Vögeln gibt es keinen vernünftigen Grund.
  • Eine mindestens sechsmonatige gemeinsame Jagdruhe für alle Tierarten.
  • Jagdliche Eingriffe in Tierbestände dürfen grundsätzlich nur dann erfolgen, wenn sie aus übergeordneten Gründen erforderlich sind und die Wirksamkeit der jeweiligen Maßnahme wissenschaftlich nachgewiesen werden kann.


Völlig unverständlich sind unterdessen die aggressiven Proteste der Jägerschaft gegen jede noch so kleine Verbesserung des Schutzes von Wildtieren und Natur. Statt Argumente zu liefern, bedient man sich dort übelster Polemik und wütender Anfeindungen, um Kritiker einzuschüchtern. Offensichtlich haben große Teile der Jägerschaft noch immer nicht realisiert, dass Tiere nach Meinung der weit überwiegenden Bevölkerungsmehrheit eben keine rechtlosen „Sachen“ mehr sind. Eine Jägerschaft, die sich vehement weigert, andere Belange als die eigenen Abschussinteressen zu würdigen, hat in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts jedoch ganz gewiss keinen Platz mehr.

02.09.2014

Hirnforschung an Krähen in Tübingen

Von Marie-Luise Strewe
Neben Affen und vielen anderen Tierarten wie Ratten, Katzen und Tauben sind neuerdings auch die "Primaten der Lüfte", die hochintelligenten Krähen, ins Visier der Neurobiologen geraten. Das Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen unter der Leitung von Prof. Andreas Nieder, ist der erste Lehrstuhl, der neurophysiologisch mit Krähen arbeitet.

Die dortigen Hirnversuche an Krähen laufen ganz ähnlich ab wie die am Affenhirn. Die Vögel werden in der ersten Phase darauf trainiert, komplexe Aufgaben am Bildschirm zu lösen. In der zweiten Phase wird ihnen unter Narkose durch ein Loch im Schädel, über das eine Kammer montiert wird, feine Dauerelektroden ins Gehirn eingepflanzt. Während der Versuche werden die Krähen mittels Futterbelohnung zur Mitarbeit motiviert. Ziel der Untersuchungen ist es, die physiologischen Prozesse im Gehirn, den "Mechanismus der visuellen Speicherung im Arbeitsgedächtnis", zu verstehen.  Am Ende der Versuche werden die Krähen getötet und ihr Gehirn untersucht oder sie werden in weiteren Versuchen eingesetzt.



Ethische Aspekte Die lange Zeit gültige Lehrmeinung, Tiere könnten nicht denken, wurde dank ethologischer und kognitionsbiologischer Erkenntnisse in den vergangenen Jahren gründlich widerlegt. So wichtig das zunehmende Wissen über die kognitiven Fähigkeiten der Tiere in Bezug auf eine Einstellungsänderung in Gesellschaft und Politik ist, so fragwürdig sind allerdings häufig die angewandten Forschungsmethoden. Insbesondere die invasive Hirnforschung, wie sie an der Universität Tübingen, aber auch an anderen Universitäten betrieben wird, widerspricht jeglichen Prinzipien eines ethischen Umgangs mit Tieren.

Es geht auch anders Neben der am wenigsten belastenden Feldforschung an freilebenden Tieren sind in der Hirnforschung längst auch nicht-invasive Verfahren wie die sogenannte Positronenemissionstomographie (PET) oder die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) etabliert. Letztere sind ethisch gesehen zwar auch nicht unproblematisch, weil sie die Tiere zumindest vorübergehend belasten. Sie erlauben aber einen "Blick in Gehirn", ohne die unfreiwilligen "Probanden" dauerhaft zu schädigen und am Ende zu töten. Der amerikanische Ornithologe und weltweit anerkannte Rabenforscher Prof. John M. Marzluff etwa benutzt die bildgebenden Verfahren, um Aktivität in Krähenhirnen sichtbar zu machen. Dazu fangen er und sein Team freilebende Krähen ein, die für die Dauer der Versuche im Labor festgehalten und anschließend wieder freigelassen werden.

Quellangaben



31.08.2014

Neues Jagdrecht in NRW.

Seit über zwei Jahren beschäftigt sich die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen mit der Novellierung des Jagdgesetzes. Der erste Gesetzentwurf soll noch im Laufe des September veröffentlicht werden.

Fast übereinstimmend fordern Tier- und Naturschutzverbände die Jagd künftig nach Aspekten des Tier- und Naturschutzes auszurichten. Das nicht mehr zeitgemäße Jagdgesetz, welches zum Teil fast unveränderte Bestandteile aus dem Jahr 1848 (!) beinhaltet, soll grundlegend geändert werden. Zu den Forderungen gehören u.a.:
  • ein Verbot des Haustierabschusses,
  • Verbot der Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren,
  • Verbot des Aussetzens von Enten und Fasanen zu Jagdzwecken,
  • die deutliche Reduzierung der jagdbaren Tierarten. So sollen nur noch Wildtiere gejagt werden dürfen, die als Nahrungsmittel verwertet werden.
  • Die Verkürzung und Harmonisierung der bisher über das gesamte Jahr gestreckten Jagdzeit auf die Monate September bis Dezember.  
Wildgänse im Abendlicht
Bild: Eilert Voß

Der BUND hat gemeinsam mit weiteren Organisationen eine Resolution an die Landesregierung formuliert. Sie haben die Möglichkeit die hier einzusehen und zu unterschreiben.



06.08.2014

Die Jagdsaison hat begonnen: 40.000 Füchse in Rheinland-Pfalz

Seit Beginn dieses Monats dürfen Jäger in Rheinland-Pfalz wieder Füchse jagen. Das geschieht nicht nur mit der Flinte vom Hochsitz aus, die Tiere werden auch mit der toten Katze vom Vortag oder dem Kadaver einer Taube in Fallen gelockt. Dort harren sie aus bis der Jäger kommt. Im Angesicht des Todes wird der Fuchs selten mit Samthandschuhen angefasst: er wird in ein Transportbehältnis verfrachtet und getötet. Das Gesetz sieht vor, das Tier mit einem so genannten Fangschuss zu töten. Die Behörden vertrauen darauf, dass das so abläuft.

Wildtierschutz Deutschland recherchierte, was mit den Tieren im Sommer geschieht und warum es überhaupt erforderlich ist, Füchse zu töten. Das Sommerfell des Fuchses ist nicht verwertbar. Erst im Winter ist der Pelz so dicht, dass er ansehnlich ist und wärmt. Man findet die toten Sommerfüchse deshalb in den Abfalltonnen der Tierkörperverwertung und auf den Luderplätzen unterhalb der Hochsitze. Einige wenige Füchse werden auch an Veterinärbehörden zur Untersuchung eingeschickt.
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Bis vor einem Jahrzehnt wurde der Abschuss des Fuchses noch mit der Tollwut argumentiert. Seitdem Deutschland gemäß Weltgesundheitsbehörde WHO als frei von terrestrischer Tollwut gilt, fehlt es Jägern dennoch nicht an vermeintlichen Gründen für die Fuchsjagd.

Immer aufmerksam, auch dieses Jungtier 

Ohne die Jagd würde es zu viele Füchse geben und außerdem könnten sich Seuchen verbreiten. Einen Beweis dafür sind die Jagdverbände in all den Jahren allerdings schuldig geblieben. Auch gibt es keinen Beleg dafür, dass sich die Jagd positiv auf den Gesundheitszustand von Fuchsbeständen auswirkt. Aus dem Bayerischen Nationalpark weiß man aus wissenschaftlichen Untersuchungen zudem, dass Füchse in nicht bejagten Revieren nur etwa ein Viertel so viele Nachkommen haben, wie in intensiv bejagten Gebieten.

„Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund dafür, in Rheinland-Pfalz Jahr für Jahr 40.000 Füchse zu töten – sie haben vielmehr einen sehr hohen ökologischen Nutzen. So fressen Füchse zum Beispiel das Aas überfahrener Tiere und jeder einzelne vertilgt über 1.000 Mäuse pro Jahr. Auch als Fitnesstrainer für andere Arten haben sie sich einen Namen gemacht. Sie erbeuten im Wesentlichen kranke und reaktionsschwache Individuen. Dadurch trägt Reineke Fuchs dazu bei, dass sich starke und gesunde Tiere vermehren,“ erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

11.07.2014

Eutin/Schleswig-Holstein - für'n Appel und en Ei ist das Grundstück Jäger-frei!

Julia Brunke
Familie Karcher besitzt ein malerisches Grundstück im schleswig-holsteinischen Eutin: Eine natürliche Wiese mit Streuobst, Erlenbruch und einem Teich.  Ab 1.4.2015 sind die 1,6 Hektar offiziell jagdfrei.

»Wir haben schon lange versucht, unser Grundstück jagdfrei zu bekommen«, erzählt Adolf Karcher, ein pensionierter Richter. Das Grundstück hat vier Eigentümer: Ihn, seine Frau Ute und den Sohn mit Schwiegertochter. Vor über 15 Jahren hatte die Familie eine Wiese mit einem Erlenbruch erworben, um einen Lebensraum für verschiedene Tiere zu schaffen.

Ein Biotop für Hasen, Fasane, Reiher, Wasservögel, Rehe...
»Wir haben ein Biotop geschaffen, das eine große Attraktivität für viele Tiere hat: Entlang eines Wasserlaufs haben wir zehn Kopfweiden gepflanzt und eine Streuobstwiese angelegt«, berichtet der Naturfreund. »Auf unserem Grundstück beobachten wir Hasen, Fasane, Adler und Reiher. Wir haben einem Teich mit verschiedenen Uferzonen angelegt, der die Tiere anzieht: nicht nur die verschiedensten Wasservögel, auch Rehe und Wildschweine kommen zum Trinken. Die Jäger hatten direkt vor unserem Teich einen Jagdsitz errichtet. Und das wollten wir nicht. Wir wollten nicht, dass die Jäger die Tiere schießen, für die wir ein Biotop geschaffen haben.«

Jäger hatten direkt vor dem Teich einen Ansitz gebaut.
Bild: Christina Galitzki

 »Wir haben schon lange versucht, unser Grundstück jagdfrei zu bekommen«
Gleich nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 haben die Karchers einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks gestellt. Denn das höchste europäische Gericht hatte entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, sofern der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt.

»Leider wurde das Urteil aus unserer Sicht in Deutschland nicht so umgesetzt, wie es der Europäische Gerichtshof vorgegeben hatte - und ich kenne mich aus, schließlich war ich Richter und auch mein Sohn ist Jurist«, erklärt Adolf Karcher. »Das Urteil war ganz eindeutig: Grundstückseigentümer, welche die Jagd auf ihrem Grundstück aus ethischen Gründen ablehnen, müssen diese nicht länger dulden. Und zwar ohne jegliche Einschränkungen, Auflagen oder eine Gewissensprüfung.«

Mit der Jagdrechtsänderung befasste Politiker hatten sogar zugegeben, mit der gesetzlichen Regelung Grundeigentümern den Austritt aus der Jagdgenossenschaft möglichst erschweren zu wollen.

»Unser Beispiel soll anderen Grundstückseigentümern Mut machen«
Zwei Jahre musste Familie Karcher auf den Bescheid über ihren Antrag warten. Im Juni 2014 kam dann das Schreiben von der Behörde: Das Grundstück ist zum Ablauf des aktuellen Jagdjahres ab 1.4.2015 offiziell jagdfrei. Die Kosten: 100,- Euro. Jeder der vier Eigentümer musste 25 Euro bezahlen.

»Wir hoffen, dass unser Beispiel auch anderen Grundstückseigentümern Mut macht«, so Adolf Karcher.


23.06.2014

Erfolgreiche Saison für die Rehkitz-Retter

Vor wenigen Monaten hatten wir unser Spendenprojekt „Luftrettung für Tierkinder“ gestartet.  Ziel war auch in diesem Jahr wieder möglichst viele Tiere vor dem Mähtod zu bewahren.  Das funktioniert wie folgt:

Mit einem ferngesteuerten Mini-Hubschraubers (Drohne), der mittels Infrarot-Kamera Wärmebilder auf einen Monitor sendet, suchen unsere Freunde von der Wildtierhilfe Mecklenburg-Vorpommern die zum Teil riesigen Felder unmittelbar vor der Mahd ab. Das Flugfeld der Drohne wird im Vorfeld genau programmiert, so dass die Felder wirklich lückenlos überflogen werden.

Sobald ein Tier mittels Kamera und Bildschirm aufgespürt wird, wird das Kitz oder der Vogel mittels Stoffwänden während des Mähens „eingesperrt“. Eine Berührung von Mensch und Tier findet dabei nicht statt. Wird die Ummantelung nach der Arbeit wieder entfernt, finden sich Mutter und Kind in aller Regel wieder.

In dieser Saison konnten wir 38 Kitze retten

In der diesjährigen Rehkitzsaison haben wir in Gribnitz insgesamt 38 Kitze die vor den Messern der Mähwerke retten können, fast doppelt so viele wie im letzten Jahr.  Das lag zum einen an der Dank der Unterstützer dieses Projektes besseren technischen Ausstattung und andererseits daran, dass uns die Landwirte mehr Flächen zur Tierrettung angeboten haben.
Ein wirklich gutes Ergebnis dank eines für den Tierschutz engagierten Teams unter der Leitung von Frank Demke.

An dieser Stelle auch noch einmal besten Dank an all diejenigen, die uns finanziell unterstützt haben, dieses wichtige Projekt in diesem Jahr umzusetzen.



30.05.2014

Sechs spielende Jungfüchse

Nach wie vor haben Füchse in Deutschland nur in ganz wenigen Bundesländern überhaupt eine Schonzeit. Jungfüchse sind überall von den Schonzeiten ausgenommen (außer in Rheinland-Pfalz, dort dürfen sie erst ab dem 1. August bejagt werden - und im Saarland, dort werden sie ab dem 1. Juli bejagt). Sie werden häufig in Fallen gefangen und anschließend getötet. Eine brutale Jagdmethode ist auch die Baujagd, bei welcher aggressive Jagdhunde die Füchse aus dem Bau holen und den wartenden Jägern vor die Flinten jagen.

Die für die Fuchsjagd genannten Gründe sind äußerst fadenscheinig, zumal mit der Bejagung eine nachhaltige Reduzierung von Fuchsbeständen gar nicht möglich ist. Füchse in bejagten Gebieten haben etwa drei- bis viermal soviel Nachwuchs wie in unbejagten Gebieten!

Erfreuen Sie sich im Folgenden an den Filmaufnahmen des bekannten Tierfilmers Helmut Sütsch:


13.04.2014

Jagdgesetz-Änderung in Baden-Württemberg - Mischen Sie sich ein

Von Marie-Luise Strewe, Menschen für Tierrechte, BW (gekürzte Fassung)

Argumentationshilfe hier kostenlos anfordern

Bislang wurden Jagdgesetze weitestgehend von Jägern für Jäger gemacht; für Tier- und Naturschutz war dementsprechend kaum Platz. Der von der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg (BW) initiierte Beteiligungsprozess zur Jagdrechtsnovelle, bei der erstmals auch Tier- und Naturschutzverbände mit einbezogen wurden, weckte daher große Hoffnungen. Insbesondere betraf dies die Pläne, die Jagdgesetzgebung an wissenschaftlichen Kriterien zu orientieren und Tier- wie Naturschutz endlich mehr Gewicht zu geben.

Die Ergebnisse in Form des nun vorliegenden Gesetzesentwurfs sind leider sehr halbherzig und ausgesprochen enttäuschend. Nach wissenschaftlichen Kriterien gibt es für die Bejagung der allermeisten derzeit jagdbaren Arten - etwa für alle Vogelarten oder auch für Beutegreifer wie Fuchs, Dachs und Steinmarder - keine Notwendigkeit. Sie hätten also allesamt von der Bejagung ausgenommen werden müssen. Stattdessen wurden am Katalog jagdbarer Arten lediglich kosmetische Korrekturen vorgenommen; nicht einmal die Jagdzeiten der meisten Wildtierarten wurden nennenswert verkürzt. Selbst Minimalforderungen der Natur- und Tierschutzverbände blieben unberücksichtigt, wie etwa jene, für den Rotfuchs endlich eine angemessene Schonzeit einzuführen und Rabenvögel von der Bejagung auszunehmen.

Nur kleine Verbesserungen gegenüber dem Status Quo
Begrüßenswert sind aus Tierschutzsicht lediglich einige Details an der Novelle. So wird die Möglichkeit zum Abschuss von Haustieren im Rahmen des sogenannten Jagdschutzes deutlich eingeschränkt; die tierquälerische Jagd mit Totschlagfallen sowie die Baujagd auf Fuchs und Dachs am Naturbau, bei der es oft zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Jagdhund und Wildtier kommt, werden abgeschafft. Unverständlich ist, warum Fallenjagd und Baujagd nicht vollständig beendet werden: Für die flächendeckende Bejagung von Füchsen oder Steinmardern gibt es keinen vernünftigen Grund, und auch der Fang mit Lebendfallen oder die Baujagd am Kunstbau werden in Gutachten als tierquälerisch beurteilt.

Besonders inkonsequent erscheint die Einführung einer lediglich zweimonatigen Wildruhezeit vom 15. Februar bis zum 15. April. Um den Wildtieren in der Fortpflanzungszeit eine adäquate Erholungspause zu verschaffen und die permanente Störung durch Jagd und Jäger zeitlich einzugrenzen, wäre ein mindestens sechs-, besser neunmonatiges vollständiges Ruhen der Jagd erforderlich gewesen.

Novellierung des Jagdgesetzes in BW bringt kleine Verbesserungen für den Tierschutz


Protest der Jagdverbände unverständlich
Statt alte Zöpfe endlich abzuschneiden und die Jagdgesetzgebung konsequent zu modernisieren, hat die Landesregierung einen enttäuschenden Entwurf mit nur minimalen Verbesserungen vorgelegt. Vollkommen unverständlich ist in diesem Zusammenhang der Protest der Jagdverbände, trägt doch auch das neue Jagdgesetz unverkennbar ihre Handschrift. Selbst noch so kleine Zugeständnisse an den Tier- und Naturschutz sind offensichtlich tabu; vielmehr will man seine todbringende "Passion" auf Kosten der Wildtiere ausleben, ohne sich dabei auf Finger schauen zu lassen.

Während den Grünen zumindest zu verdanken ist, das Thema Jagdrechtsnovellierung auf die Agenda gesetzt zu haben, schlugen sich CDU und FDP in den letzten Wochen bedingungslos auf die Seite der Jägerschaft. Wer selbst minimalste Verbesserungen für Natur und Tiere als "Klientelpolitik" geißelt, zeigt damit unmissverständlich, dass er dem Natur- und Tierschutz nicht nur gleichgültig, sondern feindlich gegenübersteht.

Ihre Meinung ist gefragt
Die Landesregierung BW hat im Internet ein Beteiligungsportal eingerichtet. Bitte äußern Sie hier Ihre Meinung zur geplanten Jagdrechtsnovellierung. Hier die Links:


12.04.2014

Jagdmunition vergiftet deutsche Wälder

Die deutschen Jagdverbände stellen sich seit Jahren gegen die Verwendung von bleifreier Munition. Dabei zeigen Studien, dass das giftige Schwermetall Mensch und Tier belastet. In anderen europäischen Ländern mit einer langen Jagdtradition wie Schweden oder Großbritannien ist Bleimunition längst verboten. Nachfolgender Beitrag wird auf t-online.de/tv ausgestrahlt:

zum Filmbeitrag



10.04.2014

Immer mehr jagdfreie Grundstücke

Seit 1. April 2014 sind in bundesweit etliche Hektar Wiesen, Wälder und Felder offiziell jagdfrei. Bereits Anfang 2013 waren in Bayern die ersten Grundstücke durch einen Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs jagdfrei gestellt worden. In Baden-Württemberg wurden Grundstücke vorläufig jagdrechtlich befriedet. Ein großartiger Erfolg im Sinne der Rechte von Grundstückseigentümern und des Tierschutzes!

Immer mehr Grundstückseigentümer, die ihren Wald, ihre Wiesen und Felder nicht bejagen lassen wollen, beantragen das Ruhen der Jagd. Sie wollen nicht länger hinnehmen, dass Jäger ihre Grundstücke betreten und dort Tiere tot schießen oder Fallen aufstellen. Sie berufen sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012: Dieser hatte entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, wenn der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt. Aufgrund dieses Urteils wurde die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, ihre Jagdgesetzgebung entsprechend zu ändern.


Bundesweit haben bereits einige Hundert Grundeigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen gestellt. »Da ist längst eine Lawine ins Rollen gekommen«, sagt Rechtsanwalt Dominik Storr, der über 60 ethische Jagdgegner aus ganz Deutschland vertritt.


Flyer bestellen: info@zwangsbejagung-ade.de




31.03.2014

Luftrettung für Tierkinder - neues Spendenprojekt

Die Wiesen sind von März bis Ende Juni das Kinderzimmer für zahlreiche Wildtierarten. Die erste Mahd des Grünlandes führt daher zu verheerenden Verlusten und unendlichem Leid. Viele Hunderttausend Tiere sterben jedes Jahr durch die Mähwerke der Landwirte: Rekitze, Feldhasen, bodenbrütende Vögel ….

Die Landwirte wollen und müssen in gerade dieser Zeit die Heuernte einfahren und haben kaum Möglichkeiten, Mähopfer zu vermeiden.

Schon im letzten Jahr haben wir sehr gute Erfahrungen mit dem Einsatz einer mit Infrarotkamera ausgestatteten Drohne gemacht und viele Tierleben gerettet. Um dieses von der Wildtierhilfe Mecklenburg-Vorpommern durchgeführte Projekt weiterzuführen, benötigen wir dringend weitere technische Ausstattung:
  • Ladegeräte für den ferngesteuerten Hubschrauber
  • Monitor für die Infrarot-Überwachung
  • Video-Empfänger
  • Empfängerantenne
  • Videobrille
  • Tablet-PC
  • Stromaggregat.




So funktioniert die Luftrettung für Tierkinder:

Vorbereitung der Flächen:
Landwirte kontaktieren uns im Vorfeld über ihr Mähvorhaben.
Relevante Flächen werden von uns besichtigt, auf Hindernisse wie Gräben, Telegrafenmasten usw. untersucht und in eine Karte eingescannt.
Für eine optimale Flugroute werden nun die Wegpunkte festgelegt.
Die Daten können durch das Anlegen eines Ordners auch in der nächsten Saison wieder genutzt werden.
                                         
Abfliegen der Flächen:
Optimale Positionierung des Bergungsteams (kurze Laufwege).
Bei Kitzerkennung des Copters, Fluggerät sofort anhalten und direkt über das Fundtier stellen.
Das Bergungsteam erkennt das Zielobjekt mittels Videobrille, ist sofort vor Ort und schlägt mit einem modifizierten  Windschutz einen geschlossenen Zirkel um das Tier.                              
Oktocopter kann seine Suche fortsetzen

Bergung der Rehkitze
Landwirt entscheidet ob die gefundenen Tiere im "Zirkel" verbleiben oder ob sie außerhalb der zu mähenden Fläche in Sicherheit gebracht werden.
Die Bergung erfolgt möglichst ohne Körperkontakt zum Tier. Mit Gras präparierte Schutzkleidung ist unbedingt notwendig.
"Zwischenparken" der Kitze in geeignete Holzkisten (ebenfalls mit frischem Gras präpariert).
Nach der Grünlandmahd werden die Rehkitze an einem geschützten Ort in der Nähe wieder  frei gegeben. "Familienzusammenführung" wird aus sicherer Entfernung beobachtet.
Gleiche Vorgehensweise bei im "Zirkel" verbliebenen Kitzen. Eine kleine Grasinsel bleibt stehen, der "Schutz" wird zurück gebaut und das Tier bleibt ohne menschlichen Kontakt gehabt zu haben in der Deckung liegen.

28.03.2014

Schreiben an Minister Backhaus, M-V, bleibt unbeantwortet

Um die Verbreitung der Afrikanische Schweinepest (ASP) in Mecklenburg-Vorpommern zu verhindern, zieht Till Backhaus, SPD, in Erwägung die Jagd in seinem Bundesland zu intensivieren. Unser Anschreiben dazu vom 10. März bleibt unbeantwortet:

„Sehr geehrter Herr Minister Backhaus,

der Presse war zu entnehmen, dass Sie es nicht ausschließen und auch mit dem Gedanken spielen, die Jagd auf „Aasfresser“ wie Rabenvögel oder Beutegreifer zuzulassen oder zu intensivieren, um der Ausbreitung der ASP entgegenzuwirken. Der Unterzeichner ist der Meinung, dass bereits durch diese Aussage und das daraus resultierende Presseecho ein erheblicher Schaden für das Image dieser Tierarten in der Bevölkerung geschaffen wurde.

Könnten Sie uns bitte mitteilen, auf welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen diese  - ich nenne sie mal Planungen -  basieren?

Unseres Wissens gibt es keinerlei durch seriöse, jagdunabhängige Forschung belegte und belastbare Hinweise dafür, dass durch jagdliche Maßnahmen großflächig eine nachhaltige Reduktion der genannten Tierarten erfolgen kann und schon gar nicht dafür, dass derartige Maßnahmen eine positive Auswirkung hinsichtlich der Prävention der ASP haben könnten. Wildtierschutz Deutschland hält grundsätzlich eine Bejagung von Beutegreifern nicht für notwendig. Wir stimmen darin mit der Einschätzung der bei weitem meisten wissenschaftlichen Ökologen, vieler Naturschutzverbände und des Bundesamtes für Naturschutz überein.

"Die Afrikanische Schweinepest durch Krähenjagd zu regeln ist wildbiologischer Unsinn" (Karl-Heinz Guiard vom Ökologischen Jagdverband)
Bild: W. Hupperich


Aus der Forschung ist hinreichend bekannt, dass die intensive Bejagung von Beutegreifern  - insbesondere von Füchsen -  vor allen Dingen zwei Konsequenzen hat:

•             In bisher unbejagten Revieren wird das stabile Sozialgefüge von Beutegreifern durch die Jagd zerstört. Das Reproduktionsverhalten nimmt unverzüglich zu (mehr Tiere beteiligen sich an der Reproduktion, die Geheckgrößen verdoppeln und verdreifachen sich). In den unbejagten Revieren der Großschutzgebiete Ihres Bundeslandes dürfte die durchschnittliche Geheckgröße bei Rotfüchsen derzeit bei etwa 1,7 Welpen liegen. Diese Zahl wurde zum Beispiel für den Nationalpark Bayerischer Wald in begleitenden wissenschaftlichen Schriftreihen veröffentlicht. Auch hier werden Beutegreifer nicht bejagt. In intensiv bejagten Regionen liegen die Geheckzahlen bei 6-9 Welpen!

•             Die Intensivierung der Fuchsjagd führt durch erhöhte Reproduktion einerseits und freiwerdende Reviere andererseits zu einer intensiveren Wanderungsbewegung der Tiere. Insbesondere diese Tatsache dürfte im Hinblick auf eine ASP-Prävention eher kontraproduktiv sein.

Aus der Vergangenheit und aus begleitender Forschung ist hinlänglich bekannt, dass durch die Jagd noch in keinem Fall irgendwelche Seuchen oder Krankheiten, die potentiell durch Füchse verbreitet werden können, eingeschränkt wurden. Die Tollwut wurde nicht durch die intensive Fuchsbejagung eingeschränkt und letztlich eliminiert, sondern allein durch die Ausbringung von Impfködern. Diese wurden hauptsächlich per Flugzeug ausgebracht. Der Befall mit dem Fuchsbandwurm kann durch die Jagd nicht eingeschränkt werden, medikamentöse Lösungen bringen dagegen innerhalb von relativ kurzer Zeit eine dauerhafte Reduzierung. 

Vor diesem Hintergrund, Herr Minister, fragen wir uns, welche präventive Auswirkung Sie sich von einer eventuellen Freigabe der Bejagung von jagdbaren Beutegreifern in den Schutzgebieten von Mecklenburg-Vorpommern versprechen.

Quellen: Wissenschaftliche Reihe des Nationalparks Bayerischer Wald (http://www.wildtierschutz-deutschland.de/2011/07/jagd-lost-keine-probleme-jagd-schafft.html),  Forschung der TU München, Abtl. Weihenstephan (Projekt Starnberger See zum Fuchsbandwurm), Literaturverzeichnis: http://www.schonzeit-fuer-fuechse.de/links.html

Auch Rabenvögel haben in der Regel ein ausgeprägtes Revierverhalten. Ein jagdlicher Eingriff würde nicht nur bestehende Revierstrukturen unter den Rabenvögeln zerstören, die Jagd wäre auch nicht viel mehr als die Vergrämung eines geringen Anteils des Bestands von gefiederten Aasfressern. Greifvögel, Dohlen und Saatkrähen dürften nach den strengen Kriterien des Naturschutzes in solche Maßnahmen gar nicht erst mit einbezogen werden, den Großteil der Rabenkrähen und auch Elstern würde es in die jagdfreien urbanen Regionen treiben. Auch hier wäre also das Risiko recht groß, genau das Gegenteil einer Prävention zu erreichen. (Quelle: Was bringt die Krähenbekämpfung,  Prof. Dr. Josef Reichholf).

Eine Maßnahme, die das Landwirtschaftsministerium jedoch unverzüglich verfügen könnte, wäre ein Verbot der Auslage von toten Tieren (Luderauslagen) zwecks des Anlockens von  Aasfressern. Das wäre durchaus auch eine sinnvolle Präventionsmaßnahme.

Ich würde mich freuen, wenn diese Ausführungen ernsthaft in die weitere Entscheidungsfindung in Ihrem Ministerium einfließen würden. Dürfte ich des Weiteren darum bitten, dass Sie uns hinsichtlich der Grundlagen Ihres Ministeriums für Planungen die Jagd auf „Aasfresser“ auszudehnen/zu intensivieren“ ausführlich informieren.

Mit freundlichen Grüßen
Wildtierschutz Deutschland,
Lovis Kauertz (Vorsitzender)“

23.03.2014

Zum Ende des Jagdjahres 7 bis 8 Millionen Tiere erschossen

Am 31. März endet die Jagdsaison 2013/2014. Im abgelaufenen Jahr wurden in Deutschland jeden Tag über 20.000 Tiere meist von Freizeitjägern erschossen – nach den Berechnungen*) von Wildtierschutz Deutschland insgesamt etwa sieben bis acht Millionen Tiere. Darunter etwa drei Millionen Vögel, zwei Millionen Rehe, Wildschweine und Hirsche, eine Millionen Füchse, Dachse, Waschbären und andere Beutegreifer inklusive etwa 200 bis 300 Tausend Katzen.

Auf der Streckenliste stehen ferner seltene Arten wie Rebhühner, Baummarder und Waldschnepfen, der in vielen Regionen bereits gefährdete Feldhase, Kormorane und selbst Schwäne.

Mehr Jagd, mehr Futter, mehr Wildschweine

„Wir sehen die Jagd ausgesprochen kritisch,“ erläutert Lovis Kauertz, Vorsitzender Wildtierschutz Deutschland, „die Anzahl von Rehen, Wildschweinen und Füchsen nimmt nicht etwa ab, sie nimmt zum Teil dramatisch zu oder verharrt auf hohem Niveau – und das seit Jahrzehnten. Viele Wildtiere reagieren auf Bestandsverluste mit wesentlich höheren Nachwuchszahlen. Das gilt für insbesondere auch für Rehe, Wildschweine und für Füchse. Füchse haben in bejagten Revieren etwa drei- bis viermal soviel Nachwuchs, wie in unbejagten Gebieten. Rehe bekommen häufig zwei Kitze und bei den Wildschweinen beteiligen sich nicht zuletzt aufgrund der intensiven Jagd selbst Jungtiere an der Reproduktion. Weiterhin wird der hohe Wildtierbestand durch unnötige und verbotene Fütterungen seitens vieler Jäger gefördert.“

Mehr Jagd, mehr Futter, mehr Rehe

„Die Jagd wird auch ihrem gesetzlichen Auftrag nicht gerecht, die Bestandregulierung funktioniert nicht, anstelle einer Wildschadenverhütung werden die meisten Tiere lediglich von ihren angestammten Revieren auf die Äcker der Nachbarn oder in die Städte vertrieben, ein vermeintlicher Artenschutz bezieht sich im Wesentlichen auf jagdbare Arten wie Rebhühner und Fasanen und ist dennoch ergebnislos, weil Lebensräume durch die Landwirtschaft zunehmend schwinden.“

*) Basis für die statistischen Berechnungen sind öffentlich zugängliche Daten der Länder und der Jagdverbände. 


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