25.05.2012

Zitate von Unterzeichnern der Petition "Schonzeit für Füchse"

..weil wir Bürger durch Jäger in die Irre geführt werden. Die Natur regelt sich von allein. Die Jagd ist überflüssig.

Schonzeit für Füchse: 365 Tage im Jahr!

Abgesehen davon, dass auch Füchse ihre Aufgabe in der Natur haben, möchten Fuchskinder auch mit ihren Eltern leben und nicht schon kaum etwas von der Welt gesehen vom Schrot durchlöchert werden.

Alle Lebewesen verdienen Respekt.

Ich denke, dass der Mensch sich zu oft dazu berufen fühlt, in die Natur einzugreifen. Die kann das alles sehr gut alleine regeln.

Antiquiertes Tierschutzverständnis der Jägerschaft!

Auch Füchse haben eine Schonzeit verdient! Es sind wunderbare, intelligente Tiere. Bitte gönnen Sie ihnen eine Auszeit!

Auch Tiere fühlen Schmerz und Leid. Auch sie haben wie alle Lebewesen auf dieser Erde ein Recht zu leben. Wer Tiere sinnlos und grausam tötet ist gefühllos und abartig veranlagt. Arme Welt!

Bild: Malene Thyssen


Auch wenn es die Jäger nicht gerne hören, Füchse gehören laut diverser Untersuchungen zu den Nützlingen unter den Wildtieren. Füchse sollten daher nicht nur eine längere Schonzeit erhalten sondern grundsätzlich geschützt werden. Dass sich dann die Fuchspopulation daraufhin ins "Unendliche" entwickeln würde, so wie es von Teilen der Jägerschaft kommuniziert und angenommen wird, widerspricht jeglichen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Besser auf Zielscheiben schießen als auf lebende Tiere! Dazu besteht heutzutage überhaupt keine Notwendigkeit mehr!

Bitte beenden sie endlich diese Tierquälerei! Die Ausführung der sinnlosen Fuchsjagd passt keineswegs zum Staatsziel "Tierschutz"!

Es ist skandalös, wie diese wunderschönen Tiere gnadenlos bejagt werden.

Bitte schaffen Sie die Hobbyjagd in Deutschland ab!

Danke für diese Initiative!

Bei Jagden dabei gewesen. Die Strecke mutet grotesk an, wenn man weiß, dass der Bestand der Fleischfresser sich mit dem Niederwildbestand natürlich einregelt.

Das sinnlose Abschießen von Wildtieren trifft zunehmend auch Haustiere, Katzen und Hunde. Dies finde ich verwerflich und ich bin grundsätzlich gegen die Jagd.

Der ständige Eingriff des Menschen in den natürlichen Kreislauf muss endlich ein Ende haben...

Das Thema ist mir wichtig, weil sich gerade im Tierschutz das Menschliche im Menschen zeigt.

Auch der Fuchs hat seine Lebensberechtigung. Vieles regelt die Natur von alleine ohne den Eingriff des Menschen.

Der Begründung der Petition stimme ich voll und ganz zu. Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen.



09.05.2012

Teil 3: Position des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) zur Fallenjagd

In den ersten beiden Kommentaren haben wir Ihnen bereits dargelegt, warum die Fallenjagd  - und damit verbunden die Jagd auf Beutegreifer -  zumindest in der Breite keine Berechtigung hat. Jäger, auch deren größter Verband, der Deutsche Jagdschutzverband (DJV),  berufen sich gerne darauf, dass die Fallenjagd eine unverzichtbare Jagdmethode zur Gewährleistung des Artenschutzes sei. Wissenschaftler wie Bellebaum und Langemach und viele andere resümieren, dass die jagdliche Reduzierung von Waschbär, Marderhund, Dachs, Fuchs und Co. im Hinblick auf den Artenschutz ins Leere läuft.

DJV-Position 3:
Fachgerechte Jagd mit der Falle sei eine legitime, schonende, international anerkannte Nutzung natürlicher Ressourcen und gehöre zum Kulturgut Jagd.

Der Jagdverband spricht im Zusammenhang mit der Fallenjagd von „Nutzung natürlicher Ressourcen“ – welche Ressourcen bitteschön werden „genutzt“ und wozu? Inklusive Dunkelziffer werden jedes Jahr in Deutschland über eine Millionen Beutegreifer  Opfer der Jagd. Kaum mehr als 2 – 3 % dieser Tiere werden einer Verwertung zugeführt,  indem z.B. die Felle genutzt werden.  Etwa eine Millionen „Raubsäuger“, zu denen im Übrigen auch Katzen gehören, werden verbuddelt, auf dem Luderplatz ausgelegt, der Tierkörperverwertung zugeführt.

Wissenschaftler Bellebaum: "Die Jagd hat die Ausbreitung des Waschbärs nicht einmal ansatzweise verhindern  können"


Von Nutzung im Sinne von Verwertung kann hier gar keine Rede sein. Da die Fallenjagd auch keinen oder zumindest einen sehr in Frage gestellten Nutzen im Hinblick auf den Natur- oder den Artenschutz hat und Stress und schwere Verletzungen der Opfer nicht ausgeschlossen sind, ist sie eine reine Freizeitbeschäftigung, die ethisch und auch rechtlich nicht mehr zu rechtfertigen ist.

Der Ökologische Jagdverband hat sich im Gegensatz zum Deutschen Jagdschutzverband aufgrund des fachlichen Wissensstandes schon lange von der Verfolgung von Beutegreifern  mit dem Ziel der Bestandsreduktion distanziert. Die größten deutschen Naturschutzorganisationen BUND und NABU distanzieren sich ebenfalls sowohl von der Fallenjagd als auch generell vom Wildtiermanagement durch die Jagd.

Die Jagd als Kulturgut zu bezeichnen ist unseres Erachtens eine Anmaßung und bedarf hier keines weiteren Kommentars. Zu diesem Thema verweisen wir auf einen Aufsatz von Dr. Gunter Bleibohm von pro iure animalis: "Jagdkultur" - Vorabdruck aus "Fluch der Geburt"

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01.05.2012

Teil 2: Position des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) zur Fallenjagd

Im ersten Teil unserer Kontra-Position ging es um den Artenschutz. Wir erläuterten, dass die Fallenjagd oder generell die Jagd auf Beutegreifer wie Marder, Waschbär, Fuchs und Dachs keineswegs zum Artenschutz beiträgt. So nachzulesen bei Langgemach/Bellebaum  (Prädation und der Schutz bodenbrütender Vogelarten in Deutschland, 2005).

DJV-Position 2:
Von der Fallenjagd im Siedlungsbereich profitiere der Mensch.

Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) argumentiert, dass er mittels der Fallenjagd Schaden vom Menschen im Siedlungsbereich abwende, dort wo die Jagd mit der Waffe nicht erlaubt ist.  Richtig ist, dass zum Beispiel Steinmarder (berüchtigt als „Automarder“) oder Waschbären erhebliche Schäden anrichten können und der Schutz davor (zumindest beim Waschbären) ins Geld gehen kann. Insbesondere aus zwei Gründen ist die Fallenjagd aber keine Lösung für dieses Problem:

Erstens, das Töten dieser Tiere ist aus verschiedenen Gründen nicht tierschutzkonform.  Es  gibt Möglichkeiten Steinmarder und Waschbär entweder zu vergrämen oder durch Schutzvorrichtungen davon abzuhalten, Schaden anzurichten. Es liegt nur aufgrund einer Schadenverursachung vermutlich kein vernünftiger Grund für das Töten dieser Tiere vor. Das Fangen und Töten der vierbeinigen Kandidaten ist für diese zudem mit erheblichem Stress verbunden. 

Zweitens, eine effektive Fallenjagd, die Steinmarder, Waschbär und andere Säuger nachhaltig reduziert, ist kaum möglich – in städtischen Revieren schon gar nicht. Leere Reviere werden zumindest beim Steinmarder unverzüglich neu besetzt. „Die Ausbreitung und rapide Bestandszunahme des Waschbären wurde auch durch eine Bejagung ohne Schonzeit nicht ansatzweise verhindert, wahrscheinlich nicht einmal verlangsamt“ (Bellebaum 2005).

Auch ist die Seuchenprävention kein haltbares Argument für den Einsatz von Fallen. Von Waschbär und Fuchs gehen derzeit nachweisbar keine signifikanten epidemiologischen Gefahren aus – weder für den Menschen noch für unsere Haustiere.  Deutschland ist gemäß WHO seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut. Der Tollwuterreger ist also nicht mehr aufgetaucht, eine Ansteckungsgefahr besteht nicht.

Steinmarder: putzig ... und manchmal doch sehr ärgerlich. Gegen den Automarder
kann man sich schützen. Bild: Mike aus dem Bayer.Wald


Darüber hinaus wäre der Tollwut auch mit jagdlichen Mitteln  - wie die Vergangenheit gezeigt hat -  nicht beizukommen, im Gegenteil: Wissenschaftler weisen darauf hin, dass durch die Bejagung der Füchse die Verbreitung der Tollwut sogar begünstigt wurde. Erst Impfköder haben die Tollwut ausgemerzt. Auch die vermeintliche Gefährdung durch den kleinen Fuchsbandwurm ist reine Panikmache und dient keineswegs einer sachlichen Diskussion. Gemäß Robert-Koch-Institut gab es im letzten Jahrzehnt im Durchschnitt pro Jahr 23 Neuerkrankungen durch den Fuchsbandwurm – bezogen auf 80 Millionen BürgerInnen.

Es gibt zahlreiche Forschungsarbeiten, die den Sinn des Einsatzes von Fallen zum Zwecke der Reduktion von Beutegreifern widerlegen.  Sowohl das Friedrich-Löffler-Institut für Viruskrankheiten der Tiere als auch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung weisen darauf hin, dass sich die Jagd im Hinblick auf eine Seuchenprävention bei Füchsen überhaupt nicht eignet. Ökologische Jagdgemeinschaften haben sich schon lange von der Fallenjagd verabschiedet, auch Tier- und Naturschutzverbände distanzieren sich von der Erfordernis der Fallenjagd.

Lesen Sie auch:
Muschik/Köhnemann/Michler: Der Waschbär ist keine invasive Art
Alles über Füchse - Linkliste


28.04.2012

Teil 1: Position des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) zur Fallenjagd

Anlässlich eines Fallenjagdsymposiums hat der DJV in einem Eckpunktepapier seine bisherige Einstellung zur Erfordernis der Fallenjagd in Deutschland bekräftigt. Aus Sicht der großen Naturschutzverbände, des Ökologischen Jagdverbandes und weiterer Tier- und Naturschutzorganisationen ist die Fallenjagd weder aus dem Blickwinkel des Artenschutzes noch aus dem des Tierschutzes vertretbar. In den folgenden Wochen erläutert Ihnen Wildtierschutz Deutschland hier seine Kontra-Positionen:

DJV Position 1:
Die Fangjagd sei ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz. Ohne sie sei eine effektive Bejagung von heimischen und eingewanderten Prädatoren (Anm. Red. = Beutegreifer, hier  = Fuchs, Dachs, Waschbär, Marder u.a.) nicht möglich.

In Deutschland werden im Rahmen der Jagdausübung jedes Jahr über eine Millionen Beutegreifer getötet, viele durch den Einsatz von Fallen. Der von Jägern immer wieder beschworene Nutzen für die Artenvielfalt ist nicht gegeben.  Selbst eine vom Deutschen Jagdschutzverband (DJV) als vermeintliche Argumentation für die Fallenjagd zitierte Studie von Bellebaum/Langgemach konstatiert, dass beispielsweise die Ausbreitung von Marderhund und Waschbär durch die Jagd nicht einmal ansatzweise verhindert oder verlangsamt wurde und sich selbst bei Zahlung von Abschussprämien an Jäger Fuchsbestände nicht nachhaltig reduzieren ließen. 


Allenfalls in sehr kleinen, intensiv bejagten Habitaten, die von der Zuwanderung abgeschottet sind, mag sich die Reduzierung von Fuchs und Marder auch mittels des Einsatzes von Fallen kurzfristig positiv auf Restbestände von Bodenbrütern auswirken.  

Jungfüchse direkt am Bau gefangen, Bild: Jo Kurz


Der Grund ist einleuchtend: nicht Fuchs, Marder, Waschbär und Co. sind für den Verlust geeigneter Lebensräume für Bodenbrüter und Niederwild verantwortlich, sondern Flurbereinigung und industrielle Landwirtschaft. Die Jagd, wie der DJV sie propagiert, betreibt keine Ursachen-, sondern Symptombekämpfung, die auch noch nach hinten losgeht, weil Bestandsverluste durch höhere Geburtenraten und Zuwanderung schnell kompensiert und sogar überkompensiert werden.

Dass die Jagd z.B. auf Füchse keineswegs ein Beitrag zum Artenschutz ist, belegen auch folgende Zahlen: nach Angaben des DJV sind in den vergangenen 10 Jahren über 6 Millionen Füchse getötet worden, die Anzahl der Rebhühner hat sich seitdem etwa halbiert und ist seit den 1990er Jahren sogar auf weniger als ein Viertel eingefallen.  Das Rebhuhn wird im Übrigen  - obwohl es auf den Roten Listen gefährdeter Arten steht -  nach wie vor bejagt. Ähnliches gilt für den Feldhasen: sein Bestand ist trotz der hohen Fuchsstrecke kontinuierlich rückläufig und hat  - bei nach wie vor intensiver Bejagung -  in der vergangenen Jagdsaison einen Bestandstiefstand von etwa 1,2 Millionen Tieren erreicht.

Die Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd/Schleswig- Holstein übrigens und andere ökologisch orientierte Jagdgemeinschaften lehnen, gestützt auf den gegenwärtigen fachlichen Wissensstand, den Einsatz von Fallen, der das Ziel hat, Bestände von Raubsäugern zu reduzieren, ab. Aus gutem Grund, wie ja auch aus den vom DJV zitierten Forschungsarbeiten von Langgemach und Bellebaum (1995) hervorgeht:



"Diese Schwierigkeiten auf Inseln deuten an, wie viel schwieriger es auf dem Festland bei uneingeschränkter Zuwanderung ist, Raubsäuger zu reduzieren. Die Ausbreitung und rapide Bestandszunahme von Marderhund und Waschbär wurden auch durch eine Bejagung ohne Schonzeit nicht ansatzweise verhindert, wahrscheinlich nicht einmal verlangsamt."

"Für den Fuchs nehmen HEYDON & REYNOLDS (2000) an, dass die in Großbritannien üblichen Formen der Bekämpfung, die deutlich weiter gehen als die deutschen Jagdmethoden, die Dichte regional begrenzen können. Nach HEWSON (1986) dagegen konnten vergleichbare Methoden die Fuchsfamiliendichten in einem schottischen Gebiet nicht verringern."

"Auch bei Zahlung von Abschussprämien an Jäger ließen sich tollwutfreie Fuchsbestände nach der Erfahrung in verschiedenen Ländern nicht nachhaltig reduzieren (z. B. Schweiz: KAPHEGYI & BREITENMOSER 1995; Australien: ANONYMUS 2003)."

"In anderen Ländern ist mehrfach versucht worden, zumindest lokal die relevanten Prädatoren zu dezimieren, wobei die meist jagdlich motivierten Maßnahmen die Vernichtung einer möglichst großen Zahl potenzieller Nesträuber (v. a. Raubsäuger und Rabenvögel) unabhängig von deren Anteilen an Nestverlusten anstrebten, z. B. in der nordamerikanischen Prärie (SARGEANT et al. 1995; SOVADA et al. 2001) oder in England (z. B. TAPPER et al. 1996). Die meisten Maßnahmen konnten wenigstens die Bruterfolge steigern, aber nur selten die Brutbestände im darauffolgenden Frühjahr (Übersicht: CÔTÉ & SUTHERLAND 1997)."

"An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins hat die Fuchsbejagung in Schutzgebieten die Präsenz von Füchsen nicht merklich verringert. Auf dem Graswarder blieb z. B. die Prädation auf Gelege und Jungvögel der Sturmmöwe unverändert hoch (KUBETZKI 2002). Am Bottsand wurden Erfolge nur erzielt, wenn gleichzeitig ein Elektrozaun betrieben wurde (BEHMANN 1998)."

"In Deutschland fanden Versuche zur Fuchsreduzierung bisher gewöhnlich mit Hilfe der örtlichen Jagdpächter statt. Trotz gesteigerter Abschüsse in Projektgebieten wurden aber keine oder nur kurzfristige Erfolge erzielt. Auch bei intensiver Kooperation mit den Jägern und Zahlung von Prämien über zehn Jahre in zwei Trappenschongebieten in Brandenburg ließen sich keine messbaren Veränderungen der Prädationsverluste erzielen (SCHWARZ et al. 2005)."

"Ebenso wie bei den Großtrappen im ungarischen Mosongebiet scheint die Kombination von konsequenten Lebensraumveränderungen und intensiver Beutegreiferbejagung eine Zunahme der Birkhühner ermöglicht zu haben (K.-H. KOLB in WÜBBENHORST & PRÜTER 2004). Welchen Anteil jeweils Habitatverbesserung und Raubsäugerbejagung haben, lässt sich kaum ermitteln. Erwähnenswert ist, dass im Moson-Gebiet die Niederwildjagd die einzige Art der Landnutzung ist, wodurch einerseits keine Kompromisse zur Aufrechterhaltung der Landwirtschaft notwendig sind, andererseits eine hohe Motivation bei der Beutegreiferreduktion besteht."


In Teil 2 zur Fallenjagd geht es um die Reduzierung von Waschbär, Marder und Fuchs im Siedlungsbereich


Teil 3: Position des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) zur Fallenjagd / Nutzung natürlicher Ressourcen



19.04.2012

Müssen Jäger Katzen töten?

Es gibt wenig öffentlich zugängliche Zahlen über die Anzahl der im Rahmen der Jagdausübung getöteten Katzen. Offizielle Statistiken weisen z.B. für Nordrhein-Westfalen für das Jagdjahr 2010/2011 eine Katzenstrecke von 12.249 Tieren aus, in Schleswig-Holstein wurden 6.183 Katzen als offizielle Strecke gemeldet. „Eine Hochrechnung der offiziellen Zahlen anhand der Anzahl der Jäger ergäbe für Deutschland etwa 55.000 bis 110.000 getötete Katzen, inklusive Dunkelziffer dürfte deren Anzahl aber weit über 200.000 liegen“ erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

Wie auch immer – einhundertausend oder zweihunderttausend bedeuten emotional gesehen tausendfaches Leid für Familien, die geliebte Familienmitglieder verlieren, und rechtlich gesehen nicht nur einen Widerspruch zu geltendem Tierschutzrecht, sondern auch einen Eingriff in das Eigentumsrecht. Der Gesetzgeber hat die entsprechende Regelung weitgehend unverändert aus dem Reichsjagdgesetz von 1934 übernommen, davor war die „Tötung revierender Hunde und Katzen“ bereits im Preußischen Jagdgesetz von 1848 geregelt.

Im Visier des "Jagdschutzes"
Bild: Wildtierschutz Deutschland

Zur Rechtfertigung des Katzenabschusses gibt es keine nennenswerte Literatur – was schon die geringe Bedeutung des Themas für den Artenschutz belegt. In einigen von Jägern zitierten Studien, wird die Auswirkung von Katzenprädation auf Singvögel allenfalls am Rande erwähnt. Es gibt aber keinerlei Belege dafür, dass Hauskatzen in Deutschland irgendeine Tierart im Bestand gefährden könnten. Selbst wenn man einräumt, dass Katzen eine besondere Gefahr gerade für Jungvögel sind, so muss man doch wissen, dass Vögel ihre Jungtierverluste von Natur aus mittels mehrerer Bruten im Jahr ausgleichen.

Die Sinnlosigkeit des Tötens von Katzen aus vermeintlichen Gründen des Artenschutzes verdeutlichen auch folgende Zahlen:

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 6 Millionen Katzen, die als Freigänger und potentielle Vogeldiebe unterwegs sind. Durch den jagdlichen Eingriff werden weniger als 5 % dieses Bestandes getötet, was aus Sicht des vorgegaukelten Artenschutzes aber vollkommen ineffizient ist.

In einer Pressemitteilung spricht der Deutsche Jagdschutzverband davon, dass etwa 2 Millionen verwilderte Katzen jährlich 6 Millionen Singvögel erbeuten –  nach Berechnungen des Deutschen Rates für Vogelschutz kommen in Deutschland jedes Jahr über 300 Millionen Jungvögel zur Welt. Auch diese Relation macht anschaulich, dass das Töten von Katzen nicht einmal ansatzweise dem Artenschutz dient. Selbst wenn man davon ausginge, dass freigehende Katzen jedes Jahr theoretisch die Hälfte des Jungvogelbestandes erbeuten würde, wie es Vogelschützer vorrechnen - der Jagdschutz würde diese Menge lediglich um 5 % reduzieren.

Dazu Wildtierschutz Deutschland: „Der konservativen Jägerschaft ist es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, eine grundlegende an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierte Novellierung der Jagdgesetzgebung zu verhindern. Man könnte den Eindruck haben, ihnen das Privileg des Jagdschutzes zu nehmen, also des Tötens von Katzen und Hunden, sei für sie die Vorstufe zum Weltuntergang.“



11.04.2012

Ohne die Jagd wäre der Hasenbestand nicht gefährdet

Dieser Tage las und hörte man viel über die kontinuierlich rückläufigen Hasenbestände in Deutschland. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht von einem Restbestand von gerade mal 350.000 Hasen, eine Hochrechnung des Deutschen Jagdschutzverbandes dagegen kommt auf 4 Millionen Feldhasen. Einig ist man sich dahingehend, dass die Hasenpopulation rückläufig ist und die Hauptursache des Rückgangs in der Veränderung der Lebensräume durch die Landwirtschaft liegt.
  
Wildtierschutz Deutschland hat nun die Hasenbestände anhand von Jagdstrecken, Sommer- und Wintersterblichkeit und der Junghasenmortalität ermittelt und kommt zu einem aktuellen Bestand von etwa 1,2 Millionen Langohren in Deutschland.  Das sei die niedrigste Bestandszahl im Betrachtungszeitraum der 2000er Jahre; noch in 2003 und 2004 gab es etwa 1,9 Millionen Tiere. Bei den sehr niedrigen BUND-Zahlen wäre die Hasenpopulation in Deutschland nicht länger überlebensfähig; die Jäger-Zahlen dagegen seien weit überzogen: bei 4 Millionen Hasen und einer in dieser Relation geringen Abschussquote von ca. 10 % würde die Populationsdynamik für einen Anstieg der Bestände sorgen. Das Gegenteil ist der Fall, wie auch die WILD-Studie des Deutschen Jagdschutzverbandes bestätigt.

„In der aktuellen Situation halten wir eine weitere Bejagung des Feldhasen im Hinblick auf die Bestandserhaltung für unverantwortlich", sagt Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.  Anhand der offiziellen Streckenstatistiken ist ersichtlich, dass in den letzten 10 Jahren mindestens 5.186.304 Hasen durch die Jagd umgekommen sind. „Wäre der Hase in dieser Zeit nicht bejagt worden, hätten wir heute etwa fünf bis sechsmal so viele Hasen", erläutert Kauertz weiter.  Die Vollschonung des Feldhasen sei die einzige Stellschraube, die ein zügiges Einlenken zum Erhalt der Hasenbestände ermögliche.

Sein Bestand ist durch die Landwirtschaft und die Jagd nachhaltig gefährdet. Bild: Eilert Voß


Wildtierschutz Deutschland beruft sich im Wesentlichen auf ein Rechenmodell des Wildbiologen M. Pegel. Der Verein geht dabei von 4 – 12 Jungtieren pro Häsin pro Jahr aus, arbeitet mit Mortalitätsraten von 84 - 92 % des Junghasenbestandes eines Jahrgangs, 30 % des Sommerbestandes der Althasen und weiteren 14 % des Herbstbestandes. 

Wildtierschutz Deutschland plädiert dafür aus Artenschutzgründen die Hasenjagd für mindestens 5 bis 10 Jahre vollkommen einzustellen und alle Bemühungen auf die Schaffung geeigneter Lebensräume für den Feldhasen zu richten. Aus Gründen des Tierschutzes wird die Hasenjagd vom Verein grundsätzlich abgelehnt.

Konto-Nr. 6008 639 500, GLS Bank, BLZ: 430 609 67

10.04.2012

Jagdfreier Kanton Genf hat internationale Bedeutung für den Vogelschutz

Durch die Abschaffung der Jagd im Schweizer Kanton Genf 1974 bekam das Gebiet des Genfer Sees und des Flusses Rhône internationale Bedeutung für den Vogelschutz. Dies belegt eine aktuelle Studie des Schweizer Vogelschutzes SVS-BirdLife.

Demnach ist dieser für den Vogelschutz zuvor wenig bedeutsame Gewässerabschnitt heute ein bedeutsames Biotop für überwinternde Tafel- und Reiherenten, Hauben- und Zwergtaucher, Pfeif-, Schnatter-, Krick- und Stockenten. Auch für den Gänsesäger sind die Gewässer im Kanton Genf ist es ein wichtiges Brut- und Überwinterungsgebiet.

Paradies ohne Jäger: Hier allerdings an der Ems, fotografiert von Eilert Voß

Besonders der gestaute Bereich bei Peney und oberhalb Verbois sowie die Rade de Genève sind wichtige Ruhegebiete für Wasservögel, wogegen die Nahrungsgebiete auch im fließenden Abschnitt liegen. Teilgebiete sind Limikolenrastplätze, die als besonders wertvoll (Vasières de Peney, Rade de Genève) oder als wichtiges Gebiet (lac de Verbois) eingestuft sind.


28.03.2012

Vier Millionen Vögel Opfer der Jagd

In Deutschland werden Jahr für Jahr etwa vier Millionen Vögel im Rahmen der Jagdausübung getötet.  Diese Zahl weist Wildtierschutz Deutschland e.V. für das Jagdjahr 2010/2011 aus. Tauben, Rabenvögel und Enten machen dabei den weitaus größten Anteil aus.

Während eine vom Deutschen Jagdschutzverband veröffentlichte Jagdstrecke lediglich gemeldete Abschüsse von Fasanen, Enten, Gänsen und Tauben, darüber hinaus selten gewordenen Rebhühnern und Waldschnepfen ausweist (insgesamt 1.516.446 Vögel), umfassen die Zahlen von Wildtierschutz Deutschland auch die hohe Dunkelziffer verendeter und nicht gemeldeter Tiere sowie nicht zentral erfasste Rabenkrähen, Elstern, Eichelhäher und geschützte Arten wie Dohle und Saatkrähe, darüber hinaus Kormoran, Reiher, Schwäne und andere.

Nach Untersuchungen in Skandinavien muss man annehmen, dass auf je zwei erlegte Wildgänse eine weitere entfällt, die ebenfalls von Schroten getroffen, aber nicht sofort getötet wurde. Dänische Biologen nehmen nach Auswertung umfangreichen Untersuchungsmaterials an, dass die Zahl der mit Schrot beschossenen und verletzten Vögel die Zahl der erlegten sogar übertrifft. Sehr viele Greifvögel verenden aufgrund einer Bleivergiftung, weil sie zuvor entsprechend kontaminiertes Wildfleisch zu sich genommen haben.

Der bundesweit tätige Verein geht von jährlich etwa 924.000 getöteten Rabenvögeln aus – nach offiziellen Angaben der zuständigen Ministerien werden zur Streckenstatistik allein aus Nordrhein-Westfalen 160.000 und aus Niedersachsen 150.000 dieser intelligenten und anmutigen Tiere gemeldet.  Rabenvögel sind eigentlich gemäß der EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt. Die Länder haben wohl auf entsprechenden Druck aus Reihen der Agrar- und der Jagdlobby Ausnahmen erlassen. Man geht davon aus, dass durch diese Vögel u.a. erhebliche Schäden in der hoch subventionierten Landwirtschaft verursacht werden – diese werden allerdings nirgendwo zentral erfasst.

Foto: Eilert Voß - Diese und andere Geschenk-Urkunden finden Sie hier.


Obwohl es schon lange Belege dafür gibt, dass der Kormoran einerseits nicht Ursache für den Rückgang bestimmter Fischbestände ist und andererseits die Bejagung dieses ebenfalls durch die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützten Zugvogels sogar kontraproduktiv ist, setzen viele Bundesländer weiterhin auf seine Verfolgung – z.B. in Rheinland-Pfalz mit dem Ergebnis, dass nach einer Jagdsaison mehr Tiere gezählt wurden, als zuvor. Freigewordene Reviere sind durch Zuzug unverzüglich neu besetzt worden und ganze Kolonien haben sich neue bisher ungestörte Plätze an kleineren Flüssen gesucht.

Wildtierschutz Deutschland plädiert für eine vollständige Einstellung der Jagd auf Federwild, Zug- und Singvögel und andere Vogelarten. Sie ist ökologisch überflüssig, ökonomisch unbedeutend und aus der Sicht des Tierschutzes häufig nicht vertretbar. Ein weiterer tierschutzrechtlicher Aspekt wäre, dass sich die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Enten erübrigen würde.
Konto-Nr. 6008 639 500, GLS Bank, BLZ: 430 609 67
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16.03.2012

Füchse schießen oder schützen?

Hört man sich bei den Vertretern der Jagd um, so gilt der Fuchs dort häufig als Räuber, der in der aufgeräumten Kulturlandschaft eine Gefahr für das Niederwild, insbesondere Rebhühner, Fasanen und Hasen darstelle. Aus diesem Grunde sei der Fuchs mit allen Mitteln zu verfolgen: im Rahmen der Ansitzjagd, in Form von Treibjagden, mittels der umstrittenen Baujagd, bei welcher sogenannte Erdhunde den Fuchs aus dem Bau heraus den wartenden Jägern vor die Flinte treiben und mit Fallen, mittels derer im Frühsommer häufig die Jungtiere direkt vor ihrem vermeintlich sicheren Zufluchtsort, dem Bau abgefangen werden.

Für Wildtierschutz Deutschland macht die intensive Jagd auf den Fuchs keinen Sinn. Der Verein fordert eine umfassende Schonzeit für Füchse von Januar bis September. Dazu verweist er auf zahlreiche Studien, welche belegen, dass Verluste aus intensiver Bejagung bereits im nach kurzer Zeit durch Zuzug einerseits und durch höhere Reproduktion andererseits kompensiert werden (Literaturverzeichnis: www.schonzeit-fuer-fuechse.de).

„Eine Bestandsregulierung findet beim Rotfuchs über die Bejagung quasi nicht statt,“ erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland, „denn auch in vollkommen unbejagten Revieren pendelt sich der Bestand auf ein ökologisch vertretbares Maß ein, das ein Nebeneinander von Füchsen und Beutetieren ermöglicht.“ Nicht der Fuchs sei die Ursache für den Rückgang zum Beispiel der Rebhühner, sondern vor allen Dingen der landwirtschaftliche Eingriff in die Lebensräume dieser Tiere. Das zeigt auch das Beispiel Nordrhein-Westfalen, wo die Fuchsjagd ja bereits seit Jahrzehnten intensiv betrieben wird: es gibt dort seit langem so gut wie keine Rebhühner mehr.

Wildtierschutz Deutschland fordert eine Schonzeit für Füchse
Bild:Luise Dittombée

Nicht die Bejagung von Beutegreifern, sondern eine flächendeckende Umgestaltung der Landschaft mit Hecken und mit nicht bewirtschafteten Flächen könnte den Bodenbrütern helfen. Während die Hegeringe den Fuchs meist als Schädling für das Niederwild im Revier betrachten, schließen sich der Ökologische Jagdverband und die großen Naturschutzverbände vorwiegend der Meinung an, dass Reineke Fuchs vielmehr wichtige ökologische Funktionen innehat: bekannt ist er als „Gesundheitspolizei“ in Wald und Flur. Er ernährt sich von Aas und vertilgt als Hauptnahrung über 1.000 Mäuse im Jahr, wofür ihm sowohl Landwirte als auch Waldbesitzer dankbar sind. Junghasen sind geruchslos und werden nur zufällig Opfer von Füchsen; einen gesunden Hasen fängt der Fuchs nie – wohl aber ein krankes oder reaktionsschwaches Tier. So sorgt er als „Fitness-Trainer“ seiner Beutetiere durch Selektion schwacher Geschöpfe für einen gesunden Bestand.


Initiative „Schonzeit für Füchse“: http://www.schonzeit-fuer-fuechse.de/
Weitere Links zum Thema Fuchs: http://fuchs-vulpes-vulpes.blogspot.com/

08.03.2012

Kritisches zur Jagd ...

… erläutert ein Jäger mit dem Pseudonym Schlachter Ahrens im Wild und Hund Online Forum in einem Thread zur Fallenaktion des Komitees (wir berichteten):

"In Niedersachsen gibt es eine Stelle im Landesamt für Veterinärwesen (LAVES), an der nur Tierschutzsachen in Bezug auf Jagd bearbeitet werden, natürlich nur nach Anzeigen. Was da an Fällen aufläuft, ist unglaublich und bestätigt, dass viele Jäger keine Einstellung zur Kreatur und zum Tierschutz haben.

Es mag ja sein, dass einiges, was an negativen Dingen über Jagd in den Medien steht auf "Feindpropaganda" beruht. Aber das wirklich Schlimme daran ist: Wir wissen alle, dass es im Grunde alles auch wahr sein könnte und dass es auch viel schlimmere Dinge gibt. Jeder Jäger hat in seinem Bekanntenkreis etliche "Spezialisten", die bei der Jagd fünfe grade sein lassen und über deren Umtriebe man nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Natürlich werden diese Typen auch immer zur Jagd eingeladen und damit in ihrem Handeln bestätigt.

Die Verwendung dieses Teils ist verboten - der Vertrieb dagegen nicht.


Solange keine Disziplinierung innerhalb der Jägerschaft stattfindet, wird es immer so weiter gehen. Wir können ja froh sein, dass die Jagdgegner nur vor den Messehallen stehen und "Mörder, Mörder" schreien. Wenn wirklich eine Handvoll von denen mal den Jagdschein machen und ein paar Jahre lang Undercover beobachten und dokumentieren, dann wird wirklich eine Bombe hochgehen. In höchsten Adelskreisen, bei Schwarzwildfiebrigen und im kleinen Revier vom Niederwildfanatiker, der Tellereisen für eine humane Fangart hält. Es geht nicht darum, dass von irgendwelchen aktuellen Vorwürfen etwas stimmt oder nicht stimmt. Es geht darum, dass wir Jäger immer nur mit dem Rücken zur Wand stehen, weil viele Idioten ungehindert in ihrem Revier Herrgott spielen. Und zwar nach den eigenen Spielregeln."


06.03.2012

Großaktion gegen die illegale Fallenjagd in NRW


Die illegale Jagd auf Greifvögel, Füchse, Marder und Hauskatzen ist in vielen Jagdrevieren Nordrhein-Westfalens immer noch an der Tagesordnung. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Operation "Futterneid", bei der rund 30 Tierschützer und Polizisten zahlreiche Jagdreviere kontrolliert haben.

Wie das Komitee gegen den Vogelmord mitteilt, wurden dabei innerhalb weniger Tage insgesamt 26 trotz Schonzeit beköderte und aktivierte Totschlag- und Lebendfangfallen entdeckt und angezeigt. Von der Polizei wurden mehrere Ermittlungsverfahren wegen Verdacht auf Jagdwilderei, Schonzeitvergehen sowie Verstoß gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet. Betroffen waren laut Komitee die Kreise Euskirchen, Heinsberg, Wesel, Kleve, Unna, Borken, Warendorf, Coesfeld, Siegen-Wittgenstein sowie der Rhein-Sieg-Kreis.

Im Münsterland und am Niederrhein wurden unter anderem verbotene Leiterfallen für den Fang von Greifvögeln sowie mehrere illegal betriebene Käfigfallen für Füchse und Marder gefunden. Weiterhin prüfen die Behörden, ob für ein im Wald bei Buldern errichtetes Gehege für die Aufzucht von Jagdfasanen eine Baugenehmigung vorliegt.

Bei Anholt (Kreis Borken) entdeckten die Naturschützer eine vermutlich illegal errichtete Voliere, in die eine etwa 2 Meter lange Fuchsfalle eingebaut war. Als Köder dienten Eier und lebende Enten, die ohne Futter und Wasser in einem Käfig dahinvegetierten. 

Verängstigter Dachs in der Falle: Jagdpächter gibt illegalen Fang zu

Glück im Unglück hatte ein Dachs, der am Sonntag bei Uedem im Kreis Kleve in eine trotz Schonzeit aktivierte Betonrohrfalle geraten war. Mit Hilfe der Polizei gelang es den Tierschützern, dass völlig panische Tier zu befreien. Der für das Gebiet zuständige Jagdpächter hat mittlerweile zugegeben, die Falle trotz Schonzeit aktiviert und beködert zu haben.

Der Verdacht, dass Jäger die Fallen in der Schonzeit betreiben, um unerwünschte Beute-Konkurrenten zu beseitigen, besteht auch bei insgesamt 6 weiteren Fanggeräten, die in den Kreisen Euskirchen, Heinsberg, Unna, dem Rhein-Sieg-Kreis sowie dem Kreis Siegen-Wittgenstein aktiviert gefunden wurden.

"Unsere Daten zeigen deutlich, dass es in manchen Kreisen ziemlich viele schwarze Schafe unter den Jägern gibt", so Alexander Heyd vom Komitee. Dazu komme, so der Naturschützer, dass das Aussetzen von Jagdfasanen und die damit einhergehende "Bekämpfung" von Prädatoren nicht mit einer ökologisch verträglichen Jagd vereinbar sind.





05.03.2012

Mit einer Petition zur Schonzeit für Füchse



Rotfüchse sind die letzten weitverbreiteten größeren Raubtiere in unserer Natur. Man bezeichnet sie zu Recht als die „Gesundheitspolizei" des Waldes. Nicht nur weil der Fuchs das Aas verunfallter Tiere und anderer Geschöpfe vertilgt, auch weil er als Beutegreifer eine besondere ökologische Funktion innehat: er betätigt sich quasi als „Fitness-Trainer" seiner Beutetiere, indem er Kranke und Reaktionsschwache unter ihnen ausselektiert. So vermehren sich nur die Starken und die Gesunden – dadurch wird auch die Gefahr von großflächigen Krankheiten z.B. im Hasenbestand erheblich reduziert.

Als Mäusefänger ist Vulpes vulpes, so sein lateinischer Name, ungeschlagen. Selbst unter einer dicken Schneedecke macht er zielsicher seine Beute aus. Ein ausgewachsener Fuchs vertilgt gut 1.000 Mäuse im Jahr. Da wo Füchse fehlen, beklagen sowohl Waldbesitzer als auch Landwirte Verbiss- und Fraßschäden durch kleine Nager.  Nicht selten greift der Bauer dann ins Giftregal – wobei es da inzwischen allerdings erhebliche Einschränkungen gibt.

„Der Fuchs zu trägt maßgeblich zum Gleichgewicht in der Natur bei", erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland, „der Vernichtungsfeldzug, den viele Jäger gegen den Fuchs unternehmen, ist wissenschaftlich überhaupt nicht nachvollziehbar." Kauertz, der gemeinsam mit Dag Frommhold, dem Betreiber der größten deutschen Internetseite über den Fuchs und 70 unterstützenden Organisationen die Initiative „Schonzeit für Füchse" ins Leben gerufen hat, widerspricht der Argumentation der Jäger vehement.

Neu: Spendenurkunde Wildtierschutz, Bild Luise Dittombée


Ohne Bejagung – das zeigen Studien in jagdfreien Gebieten – wächst der Bestand der Füchse keineswegs ins Unermessliche. Innerhalb ungestörter stabiler Familienstrukturen vermehren sich wesentlich weniger geschlechtsreife Fähen, und die Anzahl der Welpen pro Wurf ist geringer. Die Anzahl der Füchse in einem Revier wird einerseits über das Nahrungsangebot, andererseits durch die komplexe soziale Struktur der Tiere reguliert. Da wo diese Strukturen durch die Jagd zerstört werden, steigen die Geburtenraten jedoch drastisch. Selbst erhebliche Verluste werden somit schon im nächsten Jahr kompensiert – Untersuchungen zeigen, dass eine großflächige Reduktion der Fuchsbestände durch die Jagd schlichtweg nicht möglich ist.

Für Füchse besteht bislang in den meisten Bundesländern keine geregelte Schonzeit; die Tiere werden das ganze Jahr über mit Flinte und Falle gejagt. Selbst während der Jungenaufzucht sind zumindest Fuchswelpen vor Nachstellungen nicht sicher. Um dem Fuchs wenigstens ein Mindestmaß an Schutz zu gewähren, setzt sich die Initiative für eine bundesweite Schonzeit von Anfang Januar bis Ende September ein. Damit wäre der Zeitraum von der Paarungszeit bis zur Selbständigkeit der Jungtiere abgedeckt.

Um dieser Forderung weiteren Nachdruck zu verleihen, hat die Initiative Schonzeit für Füchse nun eine Online-Petition ins Leben gerufen. Auf der Website von openpetition   kann man diese unterzeichnen und das Anliegen der Fuchsfreunde so unterstützen.

Alles über Füchse

Direkt zum Überweisungsformular: Mit Ihrer Spende setzen wir uns zum Beispiel für eine Schonzeit für Füchse ein
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02.03.2012

Neu: Geschenkurkunden für Spender und Förderer

Möchten Sie einem lieben Menschen eine Freude machen - oder sich selbst?
Ab sofort stellen wir Ihnen auf Wunsch mit Ihrer Spende oder Ihrem Förderantrag wunderschöne Urkunden mit Wildtiermotiven von unseren besten Tier- und Naturfotografen aus. Info und weitere Motive stellen wir Ihnen regelmäßig auf der eigens dafür eingerichteten Seite vor: http://foerdern-schenken-spenden.blogspot.com/

Motiv 1: Wildkatzen von Luise Dittombée
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29.02.2012

40 Tote durch Jagdwaffen: Jäger, Nachbar, Ehefrau

2011 sind mindestens 40 Menschen in Deutschland durch Jagdwaffen getötet geworden, etwa 800 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Eine zentrale Erfassung aller tödlichen Jagdunfälle und Strafdelikte mit Jagdwaffen gibt es in Deutschland nicht. Während Jagdverbände gerne ausschließlich die Anzahl der Toten durch Jagdunfälle veröffentlichen, erfasst die Initiative „Abschaffung der Jagd" sämtliche Opfer, die in Deutschland durch eine Jagdwaffe umkommen. Dazu ist ein Pressedienst eingerichtet, der sämtliche Beiträge deutscher Medien entsprechend auswertet.

Opfer der oft schon betagten "Täter" sind Jagdkollegen, die mit der Wildsau verwechselt werden, der 74-jährige, der sich aus Versehen selbst erschießt, der Treiber im Maisfeld, aber auch die Ehefrau, die Ex-Freundin oder der Nachbar. Dazu kommen etwa 800 Jagdunfälle, die Jahr für Jahr den Berufsgenossenschaften gemeldet werden.

Zu Unfällen kommt es sehr häufig, weil bei Gesellschaftsjagden die Sicherheit vernachlässigt wurde oder der vermeintlich erfahrene Jäger seine Waffe entgegen der Vorschriften nicht gesichert hatte. Häufig ist es auch die Ungeduld, die Konkurrenzsituation während einer Drückjagd oder einfach eine "Schuss-Hitzigkeit". Das Ziel wird nicht  - wie handwerklich gefordert -  zunächst "angesprochen" (darunter versteht man die eindeutige Identifizierung des potentiellen Opfers), sondern in der Erwartung schon den Richtigen zu treffen, wird der Finger aus dem Bauch heraus krumm gemacht - oft auch mit fatalen Folgen für das Wild. So genannte Keulen- (Gliedmaßen), Pansen- (Bauch) oder Äserschüsse (Kiefer) sind keine Seltenheit und geschehen sehr häufig bei Drückjagden oder bei Jagden während der Dämmerung oder in der Nacht. Diverse Untersuchungen sprechen davon, dass nur etwa ein 25 – 30 % der Rehe und Wildschweine bei Bewegungsjagden mit einem ersten Schuss getötet werden.
Nicht nur das Tier ist Opfer: 40 Tote durch Jagdwaffen

"In Deutschland wird zu viel gejagt ... und das weitgehend ohne ökologischen Sinn – von der Verwertung der Tiere ganz zu schweigen" sagt Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland. Man könne die Liste der jagdbaren Tierarten ohne negative Konsequenzen für das Gleichgewicht der Natur von heute auf morgen von ca. 100 auf 10 zusammenstreichen und die Jagdzeit auf die letzten 3 Monate des Jahres beschränken. Für landwirtschaftliche Schäden, die über ein gewisses Maß hinausgingen, könne man dann einen von Landnutzern gespeisten Wildschadenfonds auflegen.


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26.02.2012

Ist Fuchsjagd ein geeignetes Mittel, um bedrohten Vogel- und Säugetierarten zu helfen?

Von Dag Frommhold, www.fuechse.info

In nahezu allen Fällen ist die Antwort auf diese Frage ein klares Nein. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet sind Füchse nie die Ursache der Gefährdung einer Tierart; diese ist vielmehr in der zunehmenden Zerstörung des Lebensraumes, der Deckung und des Nahrungsangebots vieler Wildtiere zu sehen. Biologen sind sich weitgehend darin einig, dass die einzige dauerhaft wirksame Maßnahme, um den Fortbestand dieser bedrohten Arten zu sichern, die Rücknahme der Gefährdungsursache selbst ist. Es wäre also angebracht, die Flinte zur Seite zu legen und stattdessen Hecken zu pflanzen, Ausgleich für zerstörte Biotope zu schaffen und die Lebensgrundlagen der gefährdeten Tiere wiederherzustellen.

Selbst Organisationen wie der Ökologische Jagdverband, der ganz sicher nicht in dem Ruf steht, ein Verband für Fuchsfreunde zu sein, sieht in der massiven Verfolgung des Fuchses zum angeblichen Schutz bedrohter Beutearten eine gefährliche "Hetze gegen Füchse", die sinnlos Ressourcen bindet und von den tatsächlichen Rückgangsursachen bedrohter Tierarten ablenkt.

Der Fuchs ist nicht des Hasen Tod
Bild: Andreas Klein

Eine aktuelle, großangelegte Studie aus den Niederlanden, die die Erforschung des Einflusses von Füchsen auf die Populationen bedrohter Wiesenvogelpopulationen zum Inhalt hatte, brachte dementsprechend Entlastung für Meister Reineke: Beutegreifer im Allgemeinen spielten für den Rückgang der Vogelarten nur eine untergeordnete Rolle, und Fuchsrisse im Besonderen erwiesen sich mit durchweg weniger als fünf Prozent der insgesamt von Beutegreifern verursachten Verluste als völlig unbedeutend.

Selbst im Extremfall einer räumlich abgegrenzten Population bedrohter bodenbrütender Vogelarten macht es oft aus der Perspektive des Artenschutzes keinen Sinn, Füchse zu erschießen. Die Verhaltensweisen, das Jagdverhalten und die bevorzugten Aufenthaltsorte des territorialen Fuchses (=des Revierinhabers) sind den Vögeln bekannt; sie können den Räuber also einschätzen.

Außerdem hält der Revierinhaber Konkurrenten fern, indem er reviersuchende Füchse (und auch andere Beutegreifer) konsequent aus seinem Revier verjagt. Wird dieser territoriale Fuchs jetzt aber getötet, entsteht ein Vakuum, das eine regelrechte Sogwirkung auf herumstreunende Füchse aus dem Umland hat. Die Anzahl der Füchse, mit der die bedrohten Vögel konfrontiert sind, steigt also kurzfristig sogar an, und mehr noch: Die Gewohnheiten dieser Füchse sind ihnen unbekannt. Damit wächst paradoxerweise die Gefahr, einem Fuchs zum Opfer zu fallen, sogar an.

Dass die großflächige Reduktion von Füchsen mit jagdlichen Mitteln unmöglich ist, wurde vielfach zweifelsfrei belegt. Nur dort, wo mittels extremer Fuchsbekämpfung überhaupt eine drastische örtliche Ausdünnung oder sogar Ausrottung von Füchsen - und natürlich allen anderen relevanten Beutegreifern - erreicht werden kann, lässt sich überhaupt eine Konstellation konstruieren, in der Restpopulationen einer Beuteart durch Fuchsverfolgung geholfen werden kann. Ob jedoch der gewaltsame Tod Hunderter oder Tausender Füchse, Marder, Krähen und Greifvögel pro Jahr zur Verlängerung des Überlebens einer wenige Dutzend Tiere zählenden Vogelpopulation ethisch rechtfertigbar ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und ob die dazu eingesetzten finanziellen und personellen Ressourcen nicht weitaus besser und effektiver in Maßnahmen zur Restrukturierung des Lebensraums der bedrohten Art und demnach zur dauerhaften, nachhaltigen Sicherung ihres Überlebens eingesetzt werden könnten, ebenfalls.


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25.02.2012

Ein Quicky zum Abschuss von Hauskatzen

Zitat aus einem Online-Jagdforum:

„Die gesammelte Grütze der letzten Seiten spricht mal wieder Bände warum wir Jäger so eine schlechte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit haben:

Dem Einen sind die 11.000 Katzen (Anm. d. Red.: … in einem Bundesland gemeldete Katzen) noch viel zu wenig, der Andere gibt offen zu, dass er geschossene Katzen niemals melden würde und der nächste würde die Katzen am liebsten gleich am Gartenzaun erschießen oder besser noch mit dem Jagdhund abtun. Dann hat die Katze wenigstens noch einen Sinn...“

Anmerkung Redaktion: in Deutschland werden Jahr für Jahr mindestens 200.000 Katzen von Jägern erschossen, in Fallen gefangen, erschlagen oder von ihren Jagdhunden zerrissen. Basis für das „waidgerechte“ Töten von Katzen im Rahmen des „Jagdschutzes“ ist die Gesetzgebung der Länder.

Diese Hübsche können Sie für einen honorigen Preis erwerben!
T. 0177 72 300 86 - Bild, Acryl auf Karton: Servet Islak


20.02.2012

Petition zur Einführung einer geregelten Schonzeit für Füchse

In den wenigsten Bundesländern gibt es eine geregelte Schonzeit für Füchse – und wenn, dann ist sie nach Meinung der Initiative „Schonzeit für Füchse" wie in NRW entweder zu kurz oder betrifft wie in Berlin ausschließlich Altfüchse. Im Saarland hat man eine Schonzeit von Mitte Februar bis Mitte August eingeführt.

Lediglich während der Aufzucht der Jungtiere sind die „erforderlichen" Elterntiere für eine kurze Zeit durch das Bundesjagdgesetz geschützt. „Das ist ein Gummiparagraf – weil er nahezu beliebig ausgelegt werden kann" meint Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland. Füchse werden meist im Juni, wenn die Jungtiere gerade mal 2-3 Monate alt sind, schon wieder bejagt – der Fuchsrüde wird meist nicht als „erforderlich für die Aufzucht der Jungtiere" gesehen.

Dabei spricht die Forschung eine andere Sprache: Die Überlebenschance von Jungtieren, die ohne Vater aufwachsen, ist erheblich geringer. Der Rüde erweist sich nicht nur als Ernährer, sondern auch als Beschützer der jungen Familie als nützlich. Deshalb ist es wichtig, bereits im Januar, wenn die Fähen schwanger sind, vollständig auf die Fuchsjagd zu verzichten.

Jungfuchs in der Stadt - Bild: FrecherFuchs.de

Die Initiative „Schonzeit für Füchse" fordert, die Jagd auf Füchse von Januar bis September vollkommen ruhen zu lassen. Die Forderung, die von 70 Organisationen auf dem Tier- und Naturschutz unterstützt wird, im Wortlaut:

Die Unterzeichner dieser Petition fordern die Länder und den Bund auf, eine rechtlich verbindliche Schonzeit für den Rotfuchs, die vom 1. Januar bis zum 30. September reicht, in die jeweiligen Jagdzeitenverordnungen aufzunehmen. Die Hauptbegründungen dieser Forderungen ergeben sich aus den folgenden Tatsachen:

•           Es kann frühestens im September davon ausgegangen werden, dass Jungfüchse vollständig von ihren Elterntieren unabhängig sind.

•           Fuchsrüden sind in der Aufzuchtzeit für die Versorgung von Fähe und Welpen von erheblicher Bedeutung. Sie müssen daher bereits nach der erfolgreichen Paarung – also spätestens im Januar – vor Nachstellungen geschützt werden.

•           Da Rüde und Fähe auf die Distanz in aller Regel nicht sicher unterschieden werden können, dürfen keine geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Schonzeitenregelung gemacht werden.

•           Die Bekämpfung von Füchsen zur Bestandsreduktion ist zum Scheitern verurteilt und aus ethischen und ökologischen Überlegungen grundsätzlich abzulehnen.


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