29.06.2015

Verfassungsbeschwerde gegen Bundesjagdgesetz: Jägern droht neues Ungemach aus Karlsruhe

Seit Jahren wehren sich Grundeigentümer in Deutschland vor Gericht, weil sie nicht wollen, dass auf ihren Flächen gejagt wird. Durch einen gesetzlich verordneten Zwang der Mitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft konnten sie das bis zum Jahr 2012 nicht verhindern. Dann aber entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am 26.06.2012, dass die so genannte Zwangsbejagung menschenrechtswidrig ist, sofern die Eigentümer dies aus ethischen Gründen nicht wollen. Grundstückseigentümer in Deutschland müssen somit die Jagd auf ihren eigenen Flächen nicht mehr länger dulden. Oder etwa doch?

Neuregelung gilt nicht für juristische Personen wie Vereine und Stiftungen   Der Gesetzgeber hat in der Zwischenzeit das Bundesjagdgesetz entsprechend geändert und die neue Vorschrift des § 6a eingefügt. Diese neue Vorschrift sieht jedoch vor, dass nur natürliche Personen einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Grundflächen stellen können.

Auch auf den Grundstücken von Tierschutzvereinen und Naturschutzverbänden soll in Zukunft nicht mehr gejagt werden.
Waldkauz, Bild: Berndt Fischer

Stiftungen reichten Verfassungsbeschwerde ein  Die Kanzlei Storr aus Stromberg hatte am 04.12.2014 für zwei Stiftungen Verfassungsbeschwerden gegen die Neuregelung des Bundesjagdgesetzes eingereicht. Die Beschwerdeführer berufen sich auf eine Verletzung des Eigentumsrechts sowie auf eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes. Jan Gerdes ist mit seiner Stiftung Hof Butenland – Lebenshof für Tiere einer der Beschwerdeführer in Karlsruhe. Er hat seine eigenen privaten Flächen bereits nach dem neuen Bundesjagdgesetz jagdrechtlich befrieden lassen. „Ich kann nicht verstehen, warum dies nicht auch für die Flächen der Stiftung möglich ist“, fragt sich der engagierte Tierschützer zu recht.

Bundesverfassungsgericht beteiligt Politik und Verbände Das Bundesverfassungsgericht teilte nun mit, dass die Verfassungsbeschwerden dem Bundestag, dem Bundesrat, dem Bundeskanzleramt, dem Bundesministerium des Innern, dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, dem Bundsministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie allen Regierungen der Länder zur Stellungnahme bis zum 15. September 2015 zugeleitet wurden. Darüber hinaus können mehrere Verbände zu den Verfassungsbeschwerden Stellung nehmen, u.a. auch Wildtierschutz Deutschland.

Sollten die Beschwerdeführer vor dem Bundesverfassungsgericht unterliegen, droht unter Umständen ein erneuter Urteilsspruch gegen die Jäger vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.


21.06.2015

Waschbären: erfolgreiche Einbürgerung - nutzlose Jagd

„Die Einbürgerung des Waschbären ist erfolgreich verlaufen und nicht mehr rückgängig zu machen, wir sollten deshalb lernen, mit ihm leben zu müssen“ konstatierte bereits 1981 Dr. Walburga Lutz, eine Pionierin der deutschen Waschbärenforschung.

Die erste erfolgreiche und dokumentierte Aussetzung der possierlich anmutenden Kleinbären erfolgte mit Erlaubnis des Preußischen Landesjagdamtes 1934 in Nordhessen. Heute kommt der Waschbär in unterschiedlichen Bestandsdichten in ganz Deutschland vor.  Vor drei Jahren wurde der Bestand noch mit mindestens 500 Tausend beziffert, inzwischen dürften etwa 600 bis 800 Tausend Waschbären des Nachts durch Wald und Flur ziehen.

Bellebaum/Langgemach: "Durch die Jagd wird die Bestandsentwicklung nicht einmal aufgehalten"
Bild: www.andersfotografiert.com

Das Tierchen mit der Zorro-Maske ist ein Allesfresser, ein sogenannter Nahrungsopportunist: Was er leicht bekommen kann, holt er sich. Er ernährt sich liebend gerne von Obst – und frisst im Verbund auch schon einmal ganze Obstbäume leer – er verschmäht Insekten nicht, räumt aber auch mal Vogelgelege aus und verwertet menschliche Nahrungsabfälle.

Lokale Berichte über negative ökologische Auswirkungen von Waschbären liest man in den letzten Jahren immer wieder. Gleichwohl hat bis dato keine wissenschaftliche Untersuchung dieser nach dem Bundesnaturschutzgesetz heimischen Tierart den ernsthaften Druck auf andere Tierarten nachgewiesen.

Für den Deutschen Jagdverband ist das allerdings kein Grund, diese Tiere nicht zu verunglimpfen. Seit Jahren verbreitet die Jägerorganisation immer wieder die gleichen vagen Behauptungen. So sollen die überwiegend nachtaktiven Räuber auch für den Bestandsrückgang der europäischen Sumpfschildkröte verantwortlich sein (aktueller Bestand in Brandenburg etwa 70 bis 100 Stück) und auch Graureiherkolonien dezimiert haben. Wissenschaftler konnten sich vor Ort ein Bild machen und widersprechen diesen Darstellungen.

In der Folge des von den Jägern ausgehenden Waschbären-Mobbings liest man in Print- und in Onlinemedien Headlines wie „Der maskierte Jäger erobert das Land“, „Terror-Waschbär macht Regierungsviertel unsicher“, „Aggressive Waschbären killen Jagdhunde“ oder „Waschbären für Artensterben verantwortlich“. Die Intention dieses breitangelegten Mobbings wird meist mitgeliefert: „Wir brauchen weiterhin die Fallenjagd.“

Der Waschbärenforscher Frank Michler wirft dem Deutschen Jagdverband in diesem Zusammenhang eine tendenziöse Argumentation vor. Der Jagdverband verbreite ein undifferenziertes und vorgefertigtes Meinungsbild und Daten, die nicht der Faktenlage entsprechen. Man könnte meinen, hier handele es sich um einen vorsätzlichen Täuschungsversuch der Öffentlichkeit.

Ein echter Held
Im Jagdjahr 2012/2013 wurden über 104.000 Waschbären in Deutschland getötet.  Die Bestandsentwicklung wird dadurch nicht einmal aufgehalten, ein messbarer Beitrag zum Artenschutz ist ebenfalls nicht zu erkennen. Es wird deshalb Zeit, dass die zuständigen Politiker in Bund, Ländern und Kommunen aufwachen, und das Jägerlatein nicht ungeprüft zur Vorlage von Gesetzen und Verordnungen machen, die der Allgemeinheit nicht nutzen und den Tieren erhebliches Leid zufügen.

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16.06.2015

Es gibt auch Länder, in denen die Jagd verboten ist ...

Für den Schutz der Wildtiere
Von Julia Brunke

Immer mehr Länder sprechen für den Schutz von Wildtieren Jagdverbote aus: In Albanien ist Mitte Februar 2014 ein zweijähriger totaler Jagdbann in Kraft getreten, um Wildtiere und vor allem die Zugvögel besser zu schützen. In Botswana hat die Regierung seit 2014 Trophäenjagd und Jagdtourismus verboten, um den Artenschutz zu fördern. In Griechenland gilt seit Dezember 2013 ein generelles Jagdverbot. In Israel ist seit 2013 die Jagd zu Sportzwecken verboten. Costa Rica hat 2013 ein umfangreiches Jagdverbot erlassen. Kenia hat die Großwildjagd bereits seit 1977 verboten – lediglich die Jagd auf Vögel ist noch erlaubt.

Jagdverbote gibt es in immer mehr Ländern
Bild: Berndt Fischer


Dass eine Natur ohne Jagd möglich ist, zeigen nicht nur die Erfahrungen im Schweizerischen Nationalpark, der seit 100 Jahren jagdfrei ist, oder im Schweizer Kanton Genf, in dem seit der Volksabstimmung von 1974 die Jagd verboten ist („Freiheit für Tiere“ berichtete ausführlich in Ausgabe 2/2014). Auch in Italien sind die weitläufigen Nationalparks alle seit Jahrzehnten jagdfrei.

06.06.2015

Timo Litters - Fotoausstellung in Bürstadt/Hessen

Füchse und mehr - Fotoausstellung mit Werken des Abenteurers Timo Litters in 68642 Bürstadt, im Rathausfoyer (Rathausstrasse 2), 1. bis 30. Juni


05.06.2015

Süß, tapsig, knuffig: Zu Gast in Reinekes geheimer Kinderstube

Von Jürgen Heimann, Rotorman.de
Kleine Tiere sind, Nacktmull, Blobfisch oder Titicaca-Frosch mal außen vor gelassen, per se knuffig. Während bei letzteren ja schon die Eltern krass aussehen, weshalb auch von den Kids keine optisch-ästhetischen Wunder zu erwarten sind. Ansonsten gilt in der Fauna die Faustregel, dass Tierbabys einfach (zu) süß aussehen. Ist auch in der überwiegenden Zahl der Fälle so.

Einfach zum Knuddeln: Mama Reinekes Nachwuchs gibt sich auch angesichts der Linse eines Fotografen völlig unverkrampft. Foto: Uwe Schäfer

Ganz besonders aber bei den oft so angefeindeten Füchsen. Da sind die Nachkommen, wenn sie denn erst mal die Augen geöffnet und den Bau für erste Erkundungstouren verlassen haben, in ihrer unschuldigen, tapsigen Putzigkeit kaum zu toppen. Der Eschenburger Naturfotograf Uwe Schäfer kennt seine Pappenheimer, und er kennt jene verschwiegenen, versteckten Orte, an denen sich Mama Reinecke mit ihrem putzigen Nachwuchs aufzuhalten pflegt. Wird aber nicht verraten. Touristenverkehr kann die alleinerziehende Mutter derzeit nicht gebrauchen. Wobei „alleinerziehend“ lediglich eine Vermutung ist. Von „ihm“ war zumindest bislang nichts zu sehen. Kann aber durchaus sein, dass sich Papa lediglich bedeckt und versteckt hält, weil er dem Frieden nicht traut. Oder er hat noch ein Bratkartoffelverhältnis. Dazu später mehr.

Zwar ist die Fähe sehr wohl in der Lage, ihre Kleinen alleine aufzuziehen, die Betreuung durch beide Elterntiere (oder Verwandte) erhöht jedoch deren Überlebenschancen deutlich und wird deshalb in der Regel, wo möglich, auch praktiziert. In den ersten Wochen nach der Geburt verlässt die Füchsin ihren Bau nur selten. Sie wird während dieser Zeit von ihrem „Menne“ mit Nahrung versorgt. Die teilweise beobachtete Dominanz der Mütter bei der Aufzucht kann mehrere Gründe haben, beispielsweise den, dass der Rüde im Winter zuvor einen Jagdunfall erlitten hat oder unter die Räder gekommen ist. Andererseits neigen die Buschschwänzigen auch zur Polygamie und können mehrere Eisen zeitgleich im Feuer haben. Vielleicht war er beim Besuch des Fotografen gerade bei seiner Zweitfrau…

Genau an jener Stelle hatte der Eibelshäuser vor zwei Jahren schon einmal Freundschaft mit einer Fähe und ihren Jungen geschlossen. Vermutlich ist es dieselbe, die jetzt erneut einigen putzigen Welpen auf die Welt verholfen hat und ihm nun stolz Einblicke in die Kinderstube gewährt. Unermüdlich ist Mutti um das Wohlergehen der kleinen Racker bemüht. Dennoch hat das Tier einen großen Teil seiner sonst gegenüber Menschen üblichen Scheu abgelegt. Offenbar besitzt Schäfer in den einschlägigen Kreisen einen hervorragenden Leumund.

"Glatze" hat Uwe Schäfer den putzigen Kerl rechts getauft – wegen seiner auffälligen Frisur. Gemeinsam mit seinem Kumpel, der ja eigentlich sein Bruder ist, erkundet der Babyfuchs neugierig die Welt. Foto: Uwe Schäfer

Eines seiner knuddelig-goldigen Fotomotive hat er „Glatze“ getauft – wegen der auffälligen, im Stirnbereich etwas lichten Frisur. Sie kann aber auch dem aktuellen Haartrend, wie er derzeit unter Jungfüchsen „in“ ist, geschuldet sein. Wächst sich aber schon wieder aus. Wenn nicht, ein Toupet kann Wunder wirken. Für „Glatze“ und seine Geschwister gibt es momentan viel Aufregendes zu entdecken. An jeder Ecke, hinter jedem Strauch wartet eine neue Überraschung. Mögen ihnen solche der bösen Art in ihrem weiteren Leben erspart bleiben…




02.06.2015

Füchsin schwer verletzt: Tierquäler gesucht - Belohnung 1.000 Euro.

Am 9. Mai entdeckten Spaziergänger in einem Wald bei Holdorf (Niedersachsen) eine schwer verletzte Füchsin. Das Tier hatte offene Knochenbrüche an beiden Vorderbeinen und konnte sich nur noch mit den Hinterläufen über den Waldboden schieben. Aufgrund der blutigen und eitrigen Abschürfungen am Brustkorb und am Kinn der Fähe, hat sie sich vermutlich bereits längere Zeit unter großen Schmerzen über den Boden geschleppt. Die Füchsin musste durch einen Tierarzt von ihrem Leiden erlöst werden.


Aus dem veterinärmedizinischen Gutachten geht hervor, dass das Röntgenbild neben den Knochenbrüchen auch röntgendichte Strukturen im Körper des Tieres aufwies. Laut tierärztlichem Befund handelt es sich dabei vermutlich um Schrotrückstände.

PETA hat bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sowie das Jagdgesetz erstattet. Um die Suche nach dem oder dem oder den Täter/n zu unterstützen, hat die Tierrechtsorganisation eine Belohnung in Höhe von 1.000 Euro für Hinweise, die zur Ermittlung und Überführung des oder der Täter/s führen, ausgesetzt. Zeugen, die Informationen zu diesem Fall beisteuern können, wenden sich bitte per E-Mail (whistleblower@peta.de) oder telefonisch unter 01520 7373341 an PETA.

01.06.2015

Jägerlatein Nr. 186: Schuss und tot!

Wir freuen uns, wenn Sie dieses Bild herunterladen und auf Ihrer Internetseite, per Newsletter oder auf Facebook weiter verbreiten!


Bereits erschienen: 
Jägerlatein Nr. 222   "Grünes Abitur"
Jägerlatein Nr. 234   Artenschutz

Weitere Informationen zum Thema: Bei Drückjagden bleibt der Tierschutz auf der Strecke

25.05.2015

Schluss mit der Hobby-Jagd!

von Lovis Kauertz

Fragen Sie danach, welche Vorstellungen der unbescholtene Bürger von der Jagd hat, hören Sie vielleicht, dass der Jäger sich um kranke und verletzte Wildtiere kümmert, dass die Jagd gesundes Wildbret hervorbringt, dass der Jäger ja nicht nur tötet, sondern auch „Hege“ betreibt und dass er den Wildbestand reguliert.

Ich habe mich nun einige Jahre schon sehr intensiv mit dem Thema Jagd befasst und komme zu dem Schluss,  dass sie in ihrer heutigen Form im Grunde auf den Freizeitfaktor reduziert werden kann. Es findet weder eine nachhaltige Reduzierung von Wildtierbeständen statt, noch trägt die Jagd - so wie es das Gesetz vorsieht - zu einem artenreichen Wildtierbestand bei. Das Thema Nahrungsbeschaffung  - wie neuerdings als Argument für die Jagd immer wieder zu hören -  ist ebenfalls nachrangig.



In Deutschland gibt es etwa 360.000 Jagdscheinbesitzer im Alter von 16 bis 98 Jahren. Sie töten Jahr für Jahr nach offiziellen Angaben etwa sieben Millionen Tiere. Darunter (legal) auch Tierarten, die nach den Roten Listen der Länder und/oder des Bundes im Bestand gefährdet sind (z.B. Rebhuhn, Waldschnepfe, Feldhase), Hunde und Katzen und Tierarten (illegal), die nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt sind (z.B. Dohle, Saatkrähe, Kolkrabe, zahlreiche Wasservogelarten, Greifvögel).

Jagd sorgt für hohe Wildbestände  Gemäß der von Jägern (!) gemachten Jagdgesetzen soll die Jagd der Regulierung von Wildtierbeständen dienen. Ist ja zunächst auch ganz einleuchtend; je mehr Tiere getötet werden, desto geringer werden die Bestände. Ein Blick auf die Statistiken lehrt aber anderes: Anfang der 1980er Jahre wurden jedes Jahr etwa 150.000 Wildschweine und 850.000 Rehe durch Jäger erlegt, heute  - 30 Jahre später -  sind es jedes Jahr 500.000 Wildschweine und 1,1 Millionen Rehe*)!

Die Wildtierbestände sinken nicht, sie steigen kontinuierlich. Das hat viele Gründe. Ein Grund ist die so genannte Hege. Darunter versteht man die Pflege des Wildbestandes und seines Lebensraumes. Sie kommt fast ausschließlich den jagdbaren Arten zugute und führte in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere durch ganzjährige Fütterungen mit zu den heute relativ hohen Beständen von Rehen und Wildschweinen.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Wildtierbestände ist die Zerstörung von Sozialstrukturen. Diese Strukturen sehen zum Beispiel innerhalb der Wildschweinfamilien eine naturgegebene Geburtenkontrolle vor. Steht dieser Mechanismus nicht mehr zur Verfügung, so kommt es zu exponentiell steigender Vermehrung.  

Für diese Zusammenhänge gibt es zahlreiche Belege aus Wissenschaft und Forschung. Nur ein Beispiel aus dem jagdfreien Teil des Nationalparks Bayerischer Wald. Während hier bei Füchsen pro Wurf im Durchschnitt nur 1,7 Welpen zur Welt kommen, sind es in intensiv bejagten Revieren drei- bis viermal so viele.

Bild: www.tnsm.de

Jagd und Nahrungsgewinnung  Von den etwa sieben Millionen Tieren, die Jahr für Jahr in Deutschland durch die Jagd umkommen – was denken Sie, wie viele davon im Kochtopf landen?
Die Katzen wohl kaum, auch die Schwäne nicht, nicht die Elstern, die Eichelhäher, die Rabenkrähen, selten mal eine Wildgans  - ihr Fleisch ist viel zu zäh -  kaum Wildenten oder Wildkaninchen, auch nicht die Füchse, Waschbären, Marder. Was bleibt sind hauptsächlich Wildschweine, Rehe, ein paar Hasen. Aber auch davon nur ein Teil. Wildschweine aus dem Südwesten sind meist radioaktiv verseucht – Tschernobyl lässt grüßen. Ein Großteil der Tiere hat aufgrund von Verletzungen und Flucht Stresshormone ausgeschüttet – ihr Fleisch ist bitter, ungenießbar. Andere Tiere bringen einfach nichts auf die Waage, weil sie noch jung waren oder abgemagert sind. Unter dem Strich können Sie davon ausgehen, dass mindestens 70 %, also etwa fünf Millionen Tiere nach dem Jagdtod verscharrt oder anderweitig entsorgt werden.

Apropos Nahrungsmittel. Etwa 60 % des deutschen Bedarfs an Wildbret wird übrigens importiert, meist aus Polen oder Neuseeland. Das Bundesamt für Risikoforschung warnt vor dem Genuss von Wildbret: Wildfleisch gehört zu den am höchsten mit Blei belasteten Lebensmitteln.

Schmerz und Leid – was Jagd für Wildtiere bedeutet  Schuss … und tot! Das trifft in vielen Fällen nicht zu. Unter anderem haben Untersuchungen in Großbritannien dies gezeigt. Hier wurde die Treffsicherheit von unerfahrenen, angelernten und erfahrenen Jägern auf sich bewegende Papiersilhouetten eines Fuchses untersucht. Anhand der Lage der Einschusslöcher und der errechneten Eindringtiefe der Geschosse wurde abgeleitet, dass unter normalen Geländebedingungen jeder zweite Fuchs durch eine Schussverletzung lediglich verwundet worden wäre. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) berichtet von Untersuchungen, wonach nach Treibjagden zwei Drittel der Wildschweine nicht sofort tödliche Schüsse aufweisen: im Rücken, im Bauch oder an den Beinen.  Bei Rehen wiesen ca. 60 % der weiblichen Tiere Bauchschüsse auf.

Füchse werden vornehmlich in den Wintermonaten gejagt. Der Schnee erleichtert die Jagd und die ansonsten aufmerksamen Tiere sind unvorsichtig, denn für Füchse ist jetzt die Paarungszeit. Für viele ab April das Licht der Welt erblickenden Fuchswelpen heißt das, dass sie ohne den Fuchsvater aufwachsen. Der hat aber durch die Nahrungsbeschaffung eine ganz wichtige Funktion bei ihrer Aufzucht. In der Konsequenz sind die jungen Füchse körperlich häufig geschwächt, ihre Überlebensfähigkeit ist wesentlich geringer als die von Fuchswelpen, die mit einem Versorger aufgewachsen sind.

Winterruhe ist für viele Wildtiere eine Überlebensstrategie in harten Zeiten. Hirsche und Rehe reduzieren im Winter ihre Körpertemperatur, um Energie zu sparen. Werden die Tiere nun durch revierübergreifende Bewegungsjagden mit Jägern, Treibern und mit Hunden gestört und zur Flucht gezwungen, fährt der Körper den reduzierten Stoffwechsel hoch. Der Energieverlust kann wegen fehlender Nahrung nicht kompensiert werden, die Tiere hungern oder sie fressen notgedrungen Knospen und Baumrinde und richten Schäden im Wald an.

Schluss mit der Hobby-Jagd   Wenn die Jagd also gar nicht das ist, was sie vorgibt zu sein, wenn eine nachhaltige Reduzierung von Wildtierbeständen gar nicht gegeben ist, wenn Naturschutzverbände den Beitrag der Jagd zum Naturschutz in Frage stellen, wenn Tierärzte und Tierschutzverbände Tierquälerei im Rahmen der Jagd konstatieren und man der Öffentlichkeit erklären muss, warum jedes Jahr fünf von sieben Millionen Tiere für die Tierkörperbeseitigung sterben – warum brauchen wir dann die Jagd in ihrer heutigen Form? Eine Antwort darauf geben Fachliteratur, Jagdzeitschriften und Jagdforen: dort wird die Jagd zum Abenteuer stilisiert, den Jägern bedeutet sie Lust und Leidenschaft.

Eine Lust, die Leiden schafft. Wir von Wildtierschutz Deutschland und viele gleichgesinnte Organisationen, Initiativen und Einzelkämpfer wollen diesem Treiben ein Ende setzen.

*) darunter ca. 15 % Verkehrsopfer


22.05.2015

Wilderei: Luchs und Wolf sind nicht überall willkommen

Von Olav Jost – Tierschützer und SeaShepherd-Aktivist

Eigentlich könnten wir alle uns darüber freuen, dass sich ehemals totgeglaubte Tiere erneut bei uns ansiedeln. Mit Erleichterung verfolgen wir Wiederansiedlungs-Versuche in anderen Ländern, zumeist auf anderen Kontinenten, hegen einen Groll gegen die Wilderei von Nashörnern und Elefanten und können auch die Panik der australischen Surfer vor dem Weißen Hai nicht immer nachvollziehen.

Wir haben ein eigenes Nashorn, einen eigenen Elefanten in unseren Wäldern: Den Wolf. Und seinen „kleinen Bruder“, den Luchs. Die geschmeidigen kleinen Raubkatzen erobern sich Stück für Stück kleine Gebiete unserer Wälder zurück und werden hier nicht immer mit offenen Armen empfangen. Bereits 2012 wurde ein Luchs-Weibchen im Bayerischen Wald vergiftet aufgefunden und im Folgejahr erschoss ein Unbekannter ein sogar trächtiges Tier.

Vor kurzem kam es jedoch zu einem Vorfall, der über diese Ereignisse hinausgehen: Vor einer Fotofalle wurden in der vergangenen Woche im Landkreis Cham vier abgeschnittene Vorderbeine von Luchsen gefunden. Es handelt sich also um bis zu vier getötete Luchse. Die Fotofalle gehört zu einem Luchs-Forschungsprojekt, die Botschaft ist eindeutig. Die Fotofalle gehört zu einem Luchs-Forschungsprojekt, die Botschaft ist eindeutig.

Natürlich erfolgt wieder die obligatorische Anzeige gegen Unbekannt, die Polizei ermittelt. Doch die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass man auch dieses Mal die Täter nicht finden wird.

Lynx lynx, Bild: Cloudtail

Seit seiner menschgemachten „Rückkehr“ wird über den Luchs heiß diskutiert, immer ein wenig im Schatten der Diskussion über die ersten Wölfe in Deutschland.  Vor allem in Bayern setzt man sich mit den Luchsen auseinander, doch hier kommt ein delikates Problem hinzu: Es gibt die gesetzlich verankerte Maxime zur Berechnung der allgemeinen Wild-Abschussquote: „Wald vor Wild“. Das bedeutet, dass der Forstbestand höhere Priorität hat, als der Wildbestand. Nun wird in Bayern seit Jahren über eine profitable Forstwirtschaft debattiert, Jäger nehmen den Verbiss der jungen Bäume und dadurch den monetären Verlust gerne als Anlass, eine bestimmte Anzahl Rehe zu erlegen. Und hier kommt der Luchs ins Spiel.

Einige Jäger befürchten, dass sie Quoten nicht erfüllen können oder der jagdliche Wert ihres Reviers fällt, wenn Wolf oder Luchs ihnen Konkurrenz machen. Es geht also nicht nur um die viel beschworene „Hege“, der Jäger möchte natürlich auch noch was zum Schießen haben. Hier sieht’s also zunächst einmal nach einem Interessenkonflikt aus.

Die Forstleute sehen den Einfluss des Luchses dagegen nicht als so gravierend an (was wir von Wildtierschutz Deutschland bestätigen können, siehe Artikel „Mehr Wölfe – weniger Rehe?) und beharren auf den üblichen Abschussquoten. Damit befinden sich die Parteien in einer Zwickmühle, denn der Hass der einiger Jäger auf die Luchse steigt.

In Deutschland wurde 1846 der letzte bekannte Luchs getötet, seitdem war er aus unseren Wäldern verschwunden. Wir sollten dankbar sein, dass er wieder zurückkommt und alles daran setzen, Gebiete zu haben, in denen er sich ausbreiten kann. Die Jagd auf ihn ist streng verboten, das Hauptproblem ist die Wilderei, das Vergiften, Töten, wie vor kurzem vor unserer Haustüre geschehen. Die Pfoten abzuschneiden und sie als Zeichen vor eine Wildbeobachtungskamera zu legen, überschreitet eine Grenze und erinnert an Drohungen, die die meisten von uns nur aus Mafia-Filmen kennen.

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Bilder: Thorsten Emberger / Berndt Fischer  
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21.05.2015

Wussten Sie, dass der Salamander lebendgebärend ist?

Von unserem Amphibienspezialisten und SeaShepherd-Aktivisten Olav Jost

Schon in der Mythologie war der Salamander ein besonderes Tier. Die Menschen früher dachten, er könne im Feuer leben, die Alchimisten hielten an diesem Sinnbild fest. Ihrer Lehre zu Folge standen den vier Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer jeweils bestimmte Geistwesen, oder Elementarwesen vor.

Ein wenig Übernatürliches könnte unserem Feuersalamander auch heute wieder nützen, denn er wird als „besonders geschützt“ eingestuft. In der Schweiz gilt er bereits als „gefährdet“ und steht auf der Roten Liste. Der Feuersalamander wird zumindest auch in unseren Breiten gefühlt seltener. Wenn man ihn zu Gesicht bekommt, dann leider meistens als totes schwarz-gelber Schwanzlurch.

Bild: Didier Descouens, Wikipedia
Dabei ist er hauptsächlich in bewaldeten Gegenden beheimatet, hügelig, bergig. Man sollte meinen, dass es da weniger Schwierigkeiten mit Fahrzeugen gibt, aber leider dringen die Menschen auch bei uns in die unwegsamsten Gebiete vor, mit dementsprechenden Folgen.

Der Feuersalamander ist ein ganz erstaunliches Wesen. In der Natur wird er gut und gerne 20 Jahre alt und es ist auch bekannt, dass sie in Gefangenschaft schon ein Alter von 50 Jahren erreicht haben.

Nach zwei bis vier Jahren werden sie geschlechtsreif und machen sich dann auf die Suche nach einem Partner. Im Gegensatz zu unseren anderen heimischen Amphibien suchen sie jedoch nicht im Frühjahr einen Tümpel auf, um ihre Eier abzulegen, sondern die Paarung findet ausschließlich an Land statt. Dabei nehmen die Weibchen das Samenpaket des Männchens auf und entscheiden selbst, wann es zur Eiablage und Befruchtung kommt. So ist es keine Seltenheit, dass zwischen Paarung und Eiablage mehrere Jahre liegen und auch in Jahren in denen kein Partner gefunden wird, es zu Nachwuchs kommt.

Die Larven werden von den Weibchen zumeist in fließende Quellgewässer gelegt, falls sie denn welche finden. Da die Eihülle während der Geburt aufplatzt, sind unsere Salamander lebendgebärend.
Die nächsten drei bis sechs Monate verbringen die Larven im Wasser, dann hat sich die Metamorphose vom Kiemenatmer zum lungenatmenden Landtier vollzogen. In den wärmeren Regionen kann es vorkommen, dass die geborenen Jungtiere bereits Lungenatmer sind.

Giftig sind die Lurche nicht, sie besitzen zwar ein Sekret, das sie zur Abschreckung einsetzen können und das gegen Fressfeinde sehr wirkungsvoll ist, leider schützt dies nicht im Straßenverkehr. Aber es reicht aus, dass man behaupten kann, dass erwachsene Salamander so gut wie keine Feinde haben.

Der Feuersalamander ist geschützt, er darf weder eingefangen, verletzt, oder getötet werden. Während man ihn im Mittelalter noch aktiv jagte, droht ihm heute eher Gefahr durch den Verkehr, die Landwirtschaft, unbedachtes Marschieren oder Fahrradfahren in den Wäldern.

Bild: H.Mars via Wikipedia

Also: Augen auf! Es wäre schade um unseren auffälligsten heimischen Lurch, wenn der Kleine wie in der Schweiz auch bei uns auf der Roten Liste der gefährdeten Arten landen würde. Wer einen zu Gesicht bekommt könnte vielmehr Folgendes tun:

1.        Aus der möglichen Gefahrenzone verbringen (weg von Wegen, Straßen)
2.        Naturschutzorganisationen über die Beobachtung informieren (oder uns), denn Kartierungen von Privatpersonen sind elementarer Bestandteil des Umweltschutzes. Wenn man weiß, wo die Tiere leben, kann man sie auch schützen.

Wir wollen doch noch lange an den Helden aus unserer Kindheit erinnern, über den es hieß: „Lange schallt` s im Walde noch: SALAMANDER, lebe HOCH!“

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15.05.2015

Kröten-Aktion bringt den Füchsen 280 Euro

Olav Jost ist Tierschützer und SeaShepherd-Aktivist. Ende Januar ist für ihn und seine Familie immer die Zeit, Kröten, Frösche und Molche vor der motorisierten Zivilisation zu retten. In diesem Jahr hatte er sich dazu etwas ganz Besonderes ausgedacht.  Für jedes gerettet Tier sollte ein Beitrag an die Füchse gehen – daraus ist dann die Aktion „Kröten für die Füchse" geworden.

Insgesamt hat sein kleines Team über 200 Tieren geholfen während der Laichzeit zu überleben. Jedes fünfte war ein Grasfrosch, ein Molch oder andere Amphibien. 80 % machten die Erdkröten aus, davon waren zwei Drittel kleiner Männchen.



Für das Spendenprojekt haben 13 Unterstützer 280 € gesammelt, die Olav dieser Tage an unser Fuchsprojekt „Ich will leben" überwiesen hat.

06.05.2015

92 Igel überwintert

In der von Wildtierschutz Deutschland unterstützten Igelauffangstation haben wir unter der Leitung von Gabi Kaar in diesem Jahr 92 Igel überwintert. Möglich war das auch aufgrund Ihrer großzügigen Spenden für unsere Arbeit. Herzlichen Dank dafür!



02.05.2015

Neues Jagdgesetz in Nordrhein-Westfalen

Aktualisierung 4.6.2015
Steter Tropfen höhlt den Stein – schon seit Jahrzehnten gibt es begründete Kritik von Tier- und Naturschutzorganisationen an der Jagdgesetzgebung. Die hat sich nämlich seit des Bestehens der Bundesrepublik in keinem tierschutzrelevanten Punkt signifikant geändert. Letztlich ist es wohl auch ein Erfolg des Internets und der damit gegebenen größeren Transparenz für den Bürger, dass sich erstmals in diesem Jahrzehnt etwas in Sachen Tierschutz bei der Jagd tut.

Bereits 2010 wurde unter dem damaligen Grünen Umweltministerin Simone Peter im Saarland eine 6-monatige Schonzeit für Füchse eingeführt, die nach dem Regierungswechsel von SPD und CDU allerdings wieder einkassiert wurde – eine halbwegs haltbare wissenschaftliche oder wenigstens ökologische Begründung konnte man dafür nicht vorlegen. Es war ein Geschenk an die Jagdfreunde.

Nach Baden-Württemberg hat nun auch Nordrhein-Westfalen gegen den erbitterten Protest von Jägern aus ganz Deutschland und gegen die Stimmen von CDU und FDP ein „ökologisches“ Jagdgesetz eingeführt.

Hier die wichtigsten Änderungen, die seit Verkündung wirksam sind:

Verbot des Tötens von Katzen   Der Abschuss von Hunden ist nur noch in absoluten Ausnahmen möglich, wenn andere und mildere Mittel vorher nicht erfolgreich waren. Der Abschuss von Hauskatzen wird grundsätzlich untersagt.

Weitgehendes Verbot der Baujagd   Verbot der Baujagd auf Füchse oder auf Dachse im Natur- und Kunstbau, allerdings mit Ausnahmen, da wo öffentlichen Sicherheit oder Gesundheit gefährdet sind.

Aktualisierung des Kataloges jagdbarer Arten   Nicht mehr zu den jagdbaren Arten gehören Wildkatze, Luchs, Graureiher und Greifvögel. Neu aufgenommen wurde hingegen der amerikanische Nerz (Mink).

Verbot von Totschlagfallen   Damit sollen nicht jagdbare Tiere vor Fehlfängen und der damit verbundene Tötung geschützt werden.

Verbot der Jagdhundeausbildung flugunfähigen Enten und mit dem Fuchs in der Schliefanlage   Die Die Ente darf zur Hundeausbildung nicht mehr flugunfähig gemacht werden, die Arbeit in der Schliefanlage (Ausbildung von Hunden für die Arbeit im Fuchsbau) ist untersagt.

Bild: Michael Mayer

Aussetzen von Wildtieren nur als Hegemaßnahme    Für das Aussetzen von Fasanen und Stockenten ist künftig eine Genehmigung einzuholen. Voraussetzung ist der Nachweis biotopverbessernder Maßnahmen für die auszusetzende Wildart. Es soll verhindert werden, dass Tiere nur zum bloßen Schießen – und nicht als Hegemaßnahme - ausgesetzt werden.

Ab April 2016 nur noch bleifreie Büchsenmunition   Seit April 2013 darf im nordrhein-westfälischen Staatsforst nur noch mit bleifreier Munition gejagt werden. Das Land reagierte damit auf den weiterhin hohen Bleieintrag in die Umwelt und in das Wildbret. Aus Schutz vor weiteren Belastungen der Umwelt und aus Gründen des Verbraucherschutzes und den positiven Erfahren im Staatswald wird bleifreie Büchsenmunition ab dem 1. April 2016 allgemein vorgeschrieben.

Einführung eines jährlichen Schießnachweises    Aus Gründen des Tierschutzes und der Unfallverhütung wird ein Schießnachweis als Voraussetzung für die Teilnahme an Bewegungsjagden eingeführt. Dieser Schießnachweis kann auf dem Schießstand, aber auch in Schießkinos erbracht werden.


Dieses Jagdgesetz ist sicherlich nicht das, was sich viele Tierfreunde in Deutschland jetzt vorgestellt haben. Nach wie vorgibt es zahlreiche Tierarten, deren Bejagung keinen ökologischen Sinn macht, die nicht einmal sinnvoll verwertet werden. Dennoch ist dieses Gesetz und auch das aus Baden-Württemberg ein erster kleiner Sieg gegen den gesellschaftlich nicht nachvollziehbaren Widerstand der Jäger und für die Tiere. Er stellt die Weichen für die weitere Arbeit von Wildtierschutz Deutschland und vieler Verbündeter.  

auch interessant: Jägerlatein Nr. 234 - Artenschutz

28.04.2015

Zur großartigen Arbeit des Komitee gegen den Vogelmord

Von Alexander Heyd

Auf Malta ist uns ein großer Erfolg gelungen: Die Frühlingsjagd auf Turteltauben und Wachteln, die vor zwei Wochen entgegen EU-Recht eröffnet wurde, ist gestern vorzeitig beendet worden. Das Komitee gegen den Vogelmord hat in den letzten Tagen mehrere geschossene Kuckucke gefunden und damit den Druck auf die maltesische Regierung erhöht. Am Montag zur großen Pause auf einem Schulhof gelandeter, angeschossener und blutender Turmfalke brachte dann das Fass zum überlaufen: Maltas Premierminister Muscat hat die Jagdsaison umgehend für beendet erklärt.

Auf dem Weg in die Brutgebiete in Mitteleuropa macht der Kuckuck auf Malta eine Ruhepause
Bild: Michael Mayer

Die jahrelange Komitee-Strategie, mit der Dokumentation von Jagdvergehen den Blick der maltesischen Öffentlichkeit auf die Zugvogelwilderei zu schärfen, ist also voll aufgegangen.

Am Dienstagmorgen konnten die überall auf der Insel eingesetzten Komitee-Teams keine Schüsse melden – überall schwiegen die Waffen. Bienenfresser, Rötelfalken, Wespenbussarde und Rohrweihen konnten ungestört Richtung Europa weiterziehen!

Gartenzeit ist Igel-Zeit

Im Frühling werden die Gärten wieder ordentlich gemacht -leider wird dabei häufig nicht daran gedacht, dass bodenlebende Tiere mit Gartengeräten verletzt werden können. Mit etwas Vorsicht könnten Schicksale wie die dieses Igels vermieden werden. Oft quälen sich die Tiere nach solchen Verletzungen lange, ehe sie sterben. Häufig werden sie gar nicht gefunden.

Bei Gartenarbeiten verletzter Igel


Bitte Vorsicht bei der Gartenarbeit -besonders mit Rasentrimmern, Rasenmähern, Vertikutierern, Elektrosensen u. Grabschaufeln mit Zinken. Durch Mähen unter Sträuchern, Hecken und an unübersichtlichen Stellen werden viele Igel, die dort gerne ihren Tagschlaf halten, verstümmelt oder tödlich verletzt. Hohes Gras sollte man nur nach vorheriger Nachschau schneiden oder - noch besser - ganz darauf verzichten. Beim Umsetzen von Komposthaufen etc. muss man vorsichtig zu Werke gehen. Igel könnten dort ihren Unterschlupf haben.

Noch schlafen viele Igel - sie schreien nicht und können nicht weglaufen.

Vorsicht beim Einsatz von Gift
Insektenmittel, Unkrautvertilger und chemische Düngemittel stören das ökologische Gleichgewicht in einem Garten empfindlich. Außerdem sind gesundheitliche Schäden sowohl durch äußerlichen Kontakt als auch durch die Aufnahme mit der Nahrung nicht auszuschließen. Die Alternative: Biologisches Gärtnern! Verzichten Sie auf: Insektenvernichter, Unkrautvernichter, Schneckenkorn, Kunstdünger.

Durch den verantwortungsbewussten und sorgsamen Umgang mit unserer Umwelt können wir manches Tierleid abwenden.

Viele Informationen rund um den Igel finden Sie bei www.pro-igel.de

27.04.2015

Jagdunfälle und Straftaten mit Jagdwaffen

Von der Initiative Abschaffung der Jagd

Jedes Jahr sterben in Deutschland bis zu 40 Menschen durch Jäger und Jagdwaffen. Dazu kommen die erschreckend vielen Fälle, bei denen der Ausgang zwar nicht tödlich war, dem Opfer aber beispielsweise ein Bein amputiert werden musste. Opfer sind sowohl Jagdkollegen und Treiber wie auch die Ehefrau und andere Familienmitglieder sowie Nachbarn, Spaziergänger, Bergwanderer, Mountainbiker, Pilzsammler oder spielende Kinder.

Hier einige Meldungen der letzten vier Wochen:

Hat Jägerin ihre Nachbarn erschossen? „Doppelmord in Wermelskirchen“: Hat Jägerin (45) ihre Nachbarn erschossen?“, titelt BILD am 25.4.2015. Demnach sind ein 62-jähriger Mann und eine 47-jährige Frau in ihrer Wohnung erschossen worden. Anwohner hörten die Schüsse und alarmierten die Polizei. „Eine dringend tatverdächtige Frau (45) wurde festgenommen“, so BILD. „Die 45-Jährige ist als Jägerin im Besitz von Lang- und Kurzwaffen.“

Nachbarschaftsstreit eskaliert mit Jagdwaffen „Nachbarschaftsstreit eskaliert: Schenkenzeller Waffennarr schießt durch Eingangstüre“, titelt NRWZ am 25.4.2015. Demnach hatte ein 71-Jähriger durch eine geschlossene Eingangstür der Nachbarswohnung geschossen. Neben der Tatwaffe beschlagnahmte die Polizei noch weitere 18 Schusswaffen, bei denen es sich zum größten Teil um Jagdwaffen handelt. Gegen den 71-Jährigen seien strafrechtliche Ermittlungen wegen versuchter, gefährlicher Körperverletzung eingeleitet worden.

Auch bei uns greifen immer mehr Frauen zur Jagdwaffe
(Creative Commons Bild Renée V)

Anklage nach Jagdunfall Ein 74-jähriger alter Jäger hatte im August in der Nähe von Weikersheim einen Jagdkollegen mit einem Wildschwein verwechselt und erschossen. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen hat nun Anklage gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Dies meldet der SWR am 23.4.2015.

Amt hatte Angst: Polizei nahm Jäger Waffen ab „Amt hatte Angst: Polizei nahm Jäger Waffen ab“, melden die Ostfriesischen Nachrichten am 18.4.2015. Demnach haben Mitarbeiter des Landkreises Aurich mit Unterstützung mehrerer Polizeibeamter einem 69-jährigen Jäger seine Waffen weggenommen. Neun Gewehre seien laut Polizei sichergestellt worden. „Offenbar fühlten sich Mitarbeiter des Finanzamts Norden, mit dem der Brookmerlander seit Jahren juristische Auseinandersetzungen führt, von diesem bedroht“, so die Zeitung. Die Angst der Mitarbeiter des Finanzamts Norden ist nicht unbegründet: Im vergangenen Jahr hatte ein Jäger im Finanzamt Rendsburg einen 58-jährigen Sachgebietsleiter erschossen.

Jäger auf der Jagd - Projektil fliegt in Wohnung »Vorwürfe gegen Jäger aus Eich: „Damit schießt man nicht nah am Ort“«, titelt die Wormser Zeitung am 26.3.2015. Aus der Waffe des Jägers war eine Kugel in ein Haus eingeschlagen: Das Geschoss durchschlug die Scheibe eines Fensters, zwei Türen und blieb schließlich in der Wand stecken. "Elf Meter ist die Kugel durch die Wohnung geflogen", zitierte die Allgemeine Zeitung am 20.3.2015 den Hausbewohner. "Meine Frau ist vielleicht 20 Sekunden vorher genau durch die Schusslinie gelaufen. Sie hat ein Riesenglück gehabt, wir feiern jetzt ihren Geburtstag zwei Mal."

Lesen Sie auch: 25 Tote durch Jagdwaffen

26.04.2015

Jägerlatein Nr. 222: "Grünes Abitur"


Wir freuen uns, wenn Sie dieses Bild herunterladen und auf Ihrer Internetseite, per Newsletter oder auf Facebook weiter verbreiten!


… und hier wird das Jagd-Prekariat geschult (kürzeste/durchschnittliche Ausbildungszeit; Quelle: Jagd & Hund):
Jägerschule Wiesensteig: 20 Tage/keine Angaben
Jagdschule Lüdersburg: 8 Tage/15 Tage
Jagdschule Blatt: 12 Tage/20 Tage
Jagdschule Gut Grambow: 11 Tage/keine Angaben
Jagdlehrhof Seibt Sachsen: ca. 18 Tage/keine Angaben
Jägerschule Seibt Süd und Nord: 22 Tage/keine Angaben
Jagdschule Linslerhof: 16 Tage/21 bis 25 Tage
Jägerlehrhof Springe: 18 Tage/20 Tage
Jagdschule Frankenland: 21 Tage/21 Tage
Jägerschule Rottach Inn: 21 Tage/keine Angaben
Der Jagdprofi: 14 Tage/14 Tage
Jagdschule Müller: 15 Tage/18 Tage
Jagdschule Arenshorst: 15 Tage/15 Tage
Jagdschule Eberle & Simon: 18 Tage/18 Tage
Jagdschule Keicher: 30 Tage/35 Tage
Jägerlehrhof Wendland: 10 Tage/20 Tage
Jagdschule Weck: 20 Tage/mehr als 25 Tage

Dazu ist auf der Webseite von Jagd & Hund zu lesen: „Fast alle Jagdschulbetreiber, die auf den Messen vertreten waren, klagten über zweierlei: In der Werbung werde eine immer kürzere Ausbildung hin zum Jagdschein angepriesen. Zudem seien die Preise für die Ausbildung regelrecht in den Keller gestürzt. 500 Euro billiger sei der Jagdschein heute zu haben - im Vergleich zum Vorjahr.“


24.04.2015

Die Wahrheit über die Baujagd..

Ein Kommentar von Monika Piasetzky, Tierheim Düsseldorf

Der Fuchs ist ein Wildtier, das im Haushalt unserer Natur eine wichtige Rolle spielt. Er ist sozusagen die Gesundheitspolizei des Waldes. Seine Hauptnahrung besteht aus Mäusen. Darüber hinaus erbeutet er kranke und reaktionsschwache Tiere -  eine wichtige Schutzfunktion im Kreislauf der Natur. Für diesen Job hat er eigentlich Respekt verdient.

Das Gegenteil ist aber der Fall, denn Jäger verfolgen den Fuchs als Beutekonkurrenten und wollen ihm den Garaus machen.

Die Bejagung von Füchsen ist so vielfältig und intensiv, wie bei keiner anderen Tierart. Daher reicht es den Jägern auch nicht, diesen Beutekonkurrenten "nur" mit Büchse, Flinte und Falle zu töten, nein, sie verfolgen ihn bis in seinen Bau hinein. "Fuchssprengen" (man beachte die Wortschöpfungen) nennen sie diese Form der Jagd, auch Baujagd genannt.

Kommen sie Baujagd-Jägern in die Finger werden sie meist erschlagen 
Hierzu werden extra "raubwildscharf" ausgebildete Hunde eingesetzt, um den Fuchs aus seinem Bau zu treiben. Fürchterliche Beißereien unter der Erde zwischen Jagdhund und Fuchs sind eine Folge dieser Tier verachtenden Jagdmethode. Die Zeitschrift "Wild und Hund" rät den Baujägern in der Ausgabe 23/2009 daher auch folgendes: "Vor Jagdbeginn ist ein Set für erste Hilfsmaßnahmen zusammenzustellen. Hierzu zählen Mittel zur Erstversorgung von Wunden wie Pinzette, Schere, Desinfektionslösung und Verbandsmaterial. Jeder Jagdeinsatz kann für den Hund unangenehme Folgen haben. Die häufigsten davon sind: 1. Bissverletzungen im Kopf- und Halsbereich. Unter der Erde geht es oft um Leben oder Tod. Dementsprechend heftig sind die Auseinandersetzungen zwischen Hund und Raubwild. Bissverletzungen im Kopfbereich sind dabei nicht selten. Betroffen sind regelmäßig die Lefzen, der Oberkiefer und die Behänge."

Nicht selten endet die Auseinandersetzung zwischen Bauhund und Fuchs mit einem Patt unter der Erde. Dann heißt es graben. Der Bau wird dann von den Jägern ausgegraben, um den Hund zu bergen und den Fuchs zu töten.

Viel kriegerische Strategie für das Martyrium kleiner Tiere? Urteilen Sie selbst!!! Die Ängste und die Panik der Kreatur Fuchs, so wie die möglichen Verletzungen der bedauernswerten Jagdhunde und die Zerstörung der Naturbaue sind den brutalen Männern schlichtweg egal. NRW will nun diese Baujagd verbieten und das ist längst überfällig. Nur die Jägerschaft will daran fest halten und weiterhin diese brutale Hetzjagd ausüben. Keine Gnade für Meister Reinecke. Warum nur? Ist das nun ein gesellschaftliches oder ein psychisches Problem?

Dass die Baujagd Tierquälerei ist, bestätigen viele Jäger im Jagdforum
Von der gleichen Autorin: Die Wahrheit über die Rabenvogeljagd

20.04.2015

12.000 Unterstützer für das Ende der Fuchsjagd in Luxemburg

Aktualisierung am 17.5.2015
Gemeinsam mit der Facebook-Gruppe „Luxemburg for Foxes“ (Initiative der Tierrechtsaktivistin Alix Rassel und Gleichgesinnter) hat Wildtierschutz Deutschland etwa 12.000 Unterschriften für die Beibehaltung des Fuchsjagdverbotes in Luxemburg gesammelt. Die Unterschriftslisten wurden am 11. Mai dem Staatssekretär des Umweltministeriums in Luxemburg, Herrn Camille Gira, übergeben. Am Nachmittag gab es eine Kundgebung von Fuchsjagd-Gegnern vor der Abgeordnetenkammer, wo eine Anhörung der Jagdbefürworter stattfand.

Anlass für diese Aktion ist der Protest des luxemburger Jagdverbandes FSHCL gegen das zunächst einjährige Fuchsjagd-Verbot. „Mit unserer Petition wollen wir Politikern und Menschen in unserem Land zeigen, dass eine breite Öffentlichkeit das Fuchsjagdverbot ausdrücklich begrüßt. Wir freuen uns insbesondere darüber, dass diese Maßnahme auch in den benachbarten Grenzregionen ein so erfreuliches Echo gefunden hat“,  erläutert Alix Rassel.

Bild: Berndt Fischer

„Es gibt keinen vernünftigen Grund, Füchse zu bejagen“, sagt Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland. „Die von der FSHCL vorgebrachten Argumente werden durch zahlreiche wissenschaftliche Dokumentationen entkräftet. Als beispielsweise 2001 in Großbritannien die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen war, durfte dort ein Jahr lang kein Fuchs gejagt werden. Wissenschaftler der Universität Bristol kamen aufgrund ihrer Forschung zu dem Ergebnis, dass auch ein permanentes Fuchsjagdverbot nicht zu einer erheblichen Steigerung der Fuchsbestände führen würde.“ 1)
Zahlreiche populär-wissenschaftliche Studien und Forschungsarbeiten 2) weisen darauf hin, dass Fuchsbestände sich nicht  - wie von der FSHCL ausgemalt - ungehindert entwickeln, wenn sie keine Verluste wie zum Beispiel durch die Jagd erleiden. Vielmehr gehen die Geburtenraten in den Fuchspopulationen zurück, die Bestände bleiben weitgehend konstant, was auch in vielen unbejagten Revieren z.B. in Deutschland, in der Schweiz und in Italien zu beobachten ist.

Zurückzuführen ist dies auf die flexible Sozialstruktur des Rotfuchses: Werden Füchse nicht bejagt, leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die älteste Füchsin Nachwuchs bekommt. Wie Studien zeigen, ist darüber hinaus auch die durchschnittliche Wurfgröße in bejagten Gebieten deutlich höher: zwei bis vier Welpen in unbejagten Revieren stehen bis zu neun Welpen in stark bejagten Gebieten gegenüber. Allein schon aus diesem Grund sei die gesamte vom FSHCL präsentierte Liste vermeintlicher Folgen einer vermeintlichen Bestandsexplosion hinfällig.


1) Effect of British hunting ban on fox numbers - Philip J. Baker, Stephen Harris, Charlotte C. Webbon, School of Biological Sciences, University of Bristol, Woodland Road, Bristol BS8 1UG, UK – erschienen in NATURE | VOL 419 | 5 SEPTEMBER 2002
2) Literaturliste zur Populationsdynamik des Fuchses und dem Einfluss der Bejagung.

16.04.2015

Die Wahrheit über die Rabenvogeljagd ...

Ein Kommentar von Monika Piasetzky, Tierheim Düsseldorf

In Fallen gefangen - mit der Hand, den Schuhen oder dem Rundholz getötet. Von unten mit Schrot in das Nest mit der brütenden Krähe samt Eiern, oder Jungvögeln geschossen. Mit vergifteten Eiern getötet oder früh morgens von ihren Schlafplätzen aus den Bäumen geschossen. Die Art der Bejagung von Krähen durch konservative Jäger war schon immer sehr vielfältig und abstoßend.

Die Rabenvögel wurden schon immer von den Jägern verteufelt und aus Beuteneid falsch dargestellt. Da sie krächzen und schwarz sind, während der Brutzeit auch mal einen Junghasen, oder ein Gelege nicht verschmähen, was im Kreislauf der Natur völlig normal ist, war es leicht, die Bevölkerung zu beeinflussen und diese wunderbare intelligenten  Geschöpfe als das Böse darzustellen. So ist es nicht verwunderlich, dass Rabenvögel heute wieder bejagt werden und das sogar intensiver als vor ihrer Unterschutzstellung in 1987.

Bild: Baerchen57 (flickr.com)
Dohle, Saatkrähe, Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher werden alle in einen Topf geworfen, der Kolkrabe als angeblichen Schafs-, Schweine- und Rinderkiller an die Spitze  gesetzt, wird versucht, die Bevölkerung  auf „Abschuss“ zu stimmen. Obwohl Gutachten unabhängiger Institute das Gegenteil beweisen, hier besonders zu nennen Dr. Wolfgang Epple*), Dr. Ulrich Mäck*) und Dr. Hans-Wolfgang Helb*), hält die Jägerschaft in Zusammenarbeit mit den Landwirten an ihren unbewiesenen Argumenten fest.

Bauern werden angeblich in ihrer Existenz bedroht, unsere Singvögel sterben aus und auch das Niederwild ist vom Aussterben bedroht. Und an allem ist der Rabenvogel schuld?

Jäger wollen nur einen unliebsamen Beutekonkurrenten los werden um mehr Niederwild zu schießen, vergessen aber dabei, dass der Verlust eines Junghasen durch Rabenkrähen während der Setzzeit wieder ausgeglichen wird, während der Abschuss von ausgewachsenen Hasen während der Treibjagden den kompletten Verlust eines fortpflanzungsfähigen Tieres bedeutet. Jäger verbünden sich mit den Bauern, die ihre dünne Kunststofffolie als Bezug für ihre Viehfutterberge mitten in der Natur in Gefahr sehen. Landwirte werden von Jägern beraten ihre Anträge für Abschüsse außerhalb der Jagdzeiten zu stellen und ihnen somit die Gelegenheit für Abschüsse auch von Brutpaaren zu bieten. Dabei sollten sich die Bauern glücklich schätzen, denn die Krähen holen sämtliche, bei ihnen unerwünschten Krabbeltiere aus der Erde. Zum Beispiel Engerlinge, Werren, Maulwurfsgrillen und viele Mäuse. Somit ist der Nutzen insgesamt wesentlich größer als der Schaden, den sie mitunter anrichten.

Mit der nach amerikanischem Vorbild eingeführten Lockjagd mittels Tarnzelt, Fleckentarnanzug, mit Handschuhen und Flinte sowie heftiger Kriegsbemalung,  wird wieder intensive Jagd auf diese Vögel gemacht. Für viele Jungjäger ist es eine regelrechte Sucht geworden die Tiere im Donnerhall ihrer Flinten vom Himmel zu holen. Dabei kann es auch vorkommen, dass geschützte Arten, wie Saatkrähen und Dohlen den getarnten Jägern zum Opfer fallen.

Konservative Regierungen, die gut mit der Jägerschaft und den Bauern zusammen arbeiten, machen dieses möglich. NRW ist gerade dabei aus Tierschutz- und Naturschutzsicht wenigstens die Lockjagd wieder einzuschränken, was sehr begrüßenswert ist. Dies reicht aber nicht, da eine Jagd auf Rabenvögel völlig sinnlos ist und generell eingestellt gehört. Erbeutete Rabenkrähen und Elstern werden einfach entsorgt, also wie Müll behandelt und das spricht  gegen das Tierschutzgesetz.

Kein vernünftiger Grund rechtfertigt die Jagd auf dieses Federwild. Schon gar nicht die Lust einiger wilder Männer auf Kriegsspiele.


*) Dr. Hans-Wolfgang Helb von der Universität Kaiserslautern (Fachbereich Biologie, Abteilung Ökologie; Rabenvogelgutachter des Landes Rheinland-Pfalz), Dr. Ulrich Mäck (Biologe, Rabenvogelgutachter der Bundesregierung) und Dr. Wolfgang Epple (Biologe & Ethologe, freier Gutachter, Buchautor von "Rabenvögel - Göttervögel - Galgenvögel") 

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