02.03.2015

Badetag! Oder warum Piepmatz und Konsorten keine kalten Füße bekommen

Bis zur Eröffnung der neuen Freibadesaison wird’s wohl noch ein Weilchen dauern. Bei Piepmatz und Co. hingegen ist sie ganzjährig. Egal, welche Temperaturen draußen vorherrschen, einer offenen Wasserstelle oder einem eisfreien Bach können die Fiederlinge in den seltensten Fällen widerstehen.  Dann ist Körperpflege angesagt, die, nebenbei gesagt, auch Spaß macht. Geht uns bodengestützten Zweibeineren ja so ähnlich.

Brrr! Morgentoilette in eisiger Umgebung. Während “Er” ziemlich unbeteiligt wirkt, scheint “Sie” das Bad in vollen Zügen zu genießen. Das ist aber nix für Warmduscher. Foto: Siegbert Werner

Vögel baden gerne und ausgiebig. In erster Linie, um ihr Gefieder von Parasiten zu reinigen. Und sie sind da offenbar auch ziemlich kälteunempfindlich. Eine Wachsschicht  auf den Federn verhindert, dass die Feuchtigkeit bis auf die Haut dringt. Außerdem ist das Gefieder im Winter dichter und lässt sich aufplustern. Dadurch entsteht eine Isolierschicht aus Luft, die die Kälte abhält.
Mag ja alles sein, trotzdem: So ein gewisses Frösteln lässt sich angesichts dieser  Szene nicht ganz unterdrücken. Der Medenbacher Naturfotograf hat dieses Blaumeisen-Pärchen bei der winterlich-unterkühlten Morgentoilette beobachtet. Während “Er” ziemlich unbeteiligt wirkt, scheint “Sie” das Ritual offensichtlich in vollen Zügen zu genießen – rücklings. Lebensfreude pur!
Das Amselmännchen hingegen begnügt sich mit einem Fußbad im eisigen Nass. Was die generelle Frage aufwirft, was die Vertreter der ornithologischen Fraktion uns da wohl voraus haben. Sie verfügen über ein ausgeklügeltes körperinternes Regulierungssystem. Der Heizungsinstallateur meines Vertrauens erklärt das so: Während im Vogelkörper selbst eine Temperatur von etwa 40 Grad vorherrsche, entstehe in den Beinen ein Wärmegefälle. Die Temperatur sinke vom Bauchbereich, wo sie etwa 35 Grad betrage, bis zur Fußsohle auf unter 1 Grad ab.
Das Blut, das vom Körper aus zu den Füßen hinunterfließe, sei warm, während das Blut, das von den Füßen wieder in Richtung Körper hinauf ströme, kalt sei. Zwischen diesen kalten und warmen Blutbahnen, die sehr dicht beieinander liegen, finde nun ein Wärmeaustausch statt. Das kalte Blut aus den Vogelfüßen, das in den Körper aufsteige, kühle das warme Blut auf dem Weg in die Füße ab.

Wo sind meine Badelatschen? Ich will jetzt zum Baden latschen! Eine ausgeklügelte, körperinterne Temperaturregelung sorgt bei Vögeln, wie hier bei diesem Amselmännchen, dafür, dass die Tiere nicht an den Füßen frieren. Foto: Siegbert Werner

So kommt in den Füßen der Vögel immer nur kaltes Blut an. Ergo können sie bei kalten Außentemperaturen also auch keine kalten Füße bekommen und an selbigen frieren, weil diese ja schon von Natur aus kalt sind. Klingt irgendwie logisch.  Das erklärt auch, warum zum Beispiel Enten aber auch Pinguine nicht auf der Eisfläche festfrieren. Wieder was gelernt….

01.03.2015

Stuttgart, 4. März: Petitionsübergabe und Gegendemo zu Jägeraufmarsch

Stellvertretend für Wildtierschutz Deutschland e.V. und Animal Public e.V. übergeben die Stuttgarter Tierrechtsvereine MENSCHEN FÜR TIERRECHTE – Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V., PETA Deutschland e.V., Tierrechtsinitiative Stuttgart (TiRS) der Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch am kommenden Mittwoch über 11.000 Unterschriften der Petition „Keine Hobbyjagd in Baden-Württemberg“. 

Die Landesregierung ist mit dem Versprechen angetreten, ein ökologisch fundiertes und stärker an den Belangen des Tierschutzes ausgerichtetes Jagdgesetz in der laufenden Legislaturperiode auf den Weg zu bringen. War aus Sicht des Tierschutzes bereits das Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz (JWMG) eine weitgehende Enttäuschung, so zeigt nun auch der Entwurf zur Durchführungsverordnung (DVO), dass sich für die Tiere nur wenig zum Positiven ändert.

Jungdachse bleiben auch im Folgejahr noch bei den Elterntieren
Bild: Berndt Fischer

Der Verordnungsentwurf enthält zahlreiche Tierarten, die aus reinem Freizeitinteresse getötet werden. So verursachen beispielsweise Fuchs oder Dachs keine volkswirtschaftlich relevanten Schäden. Ihr ökologischer Nutzen wird in den Betrachtungen der Jagdseite zu Unrecht vollkommen unberücksichtigt gelassen.  Andere Tierarten wie Feldhase, Rebhuhn oder Waldschnepfe sind ganz oder teilweise in  ihrem Bestand gefährdet. Fast ganzjährige  Jagdzeiten verhindern, dass Wildtiere ihre Jungen in Ruhe aufziehen können. Insbesondere die Bejagung zwischen April und Juli führt zu einer massiven Störung der Fortpflanzung zahlreicher Arten, z.B. zu Brutabbrüchen auch seltener Vogelarten.

Die Tierschützerinnen und Tierschützer kritisieren scharf die Kampagne des Landesjagdverbands BW zur Aufweichung der Durchführungsverordnung zum Landesjagd- und Wildtiermanagementgesetz. Der Landesjagdverband habe noch immer nicht verstanden, dass die Gesellschaft eine Stärkung des Tierschutzes verlangt. „Es ist unerträglich, dass der Landesjagdverband den Tierschutz mit Füßen tritt. Zehntausende Füchse, Dachse, Rabenvögel, Schwäne und andere werden jedes Jahr in Baden-Württemberg getötet und verschwinden in der Mülltonne“, erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Einsatz von Jungfuchsfallen – vormals in Baden-Württemberg nur mit Sondergenehmigung gestattet - nun grundsätzlich erlaubt sein soll. Fuchswelpen werden dazu mittels Drahtgitterfalle am Ausgang des Fuchsbaus abgefangen.. Eine Klapptüre versperrt ihnen den Weg zurück in den Bau, so dass der Jäger sie töten kann.

Eine wissenschaftlich haltbare Begründung für die Fuchsjagd gibt es nicht: Wie jagdfreie Gebiete zeigen, regeln sich Fuchsbestände selbständig; eine Dezimierung von Füchsen ist weder sinnvoll noch überhaupt möglich, weil intensive Bejagung die Geburtenraten in die Höhe schnellen lässt.

Unter dem Motto „Mehr Rechte für Füchse statt für Jäger“ laden die Stuttgarter Vereine daher zu einer Gegendemonstration zum geplanten Jägeraufmarsch ein: Ein „Jäger“ zielt auf ein „Fuchskind“ im Käfig. Aktivisten mit Fuchsmasken halten Bildposter und Tafeln: „Euer Hobby ist mein Tod“ und „Jungfuchsfallen verbieten!“

Demo in Stuttgart am 4. März 2015, 11:30 – 13 Uhr am Schlossplatz zwischen Jubiläumssäule und Springbrunnen

Wir fordern Jagdruhe in den Wintermonaten
Bild: Luise Dittombée

Die Vereine erwarten von der Landesregierung, dass sie wissenschaftliche Erkenntnisse vor die Abschussinteressen der Jäger stellt und die Durchführungsverordnung einer grundlegenden Überarbeitung unterzieht. Die Legalisierung von Jungfuchsfallen muss zurückgenommen, der Katalog jagdbarer Arten drastisch verkleinert und die Jagdzeiten signifikant verkürzt werden. 



25.02.2015

Luchs im Harz: Jäger sehen ihre Beute gefährdet

von Dag Frommhold
Jäger sorgten einst für die Ausrottung des Luchses in Deutschland – im Harz wurde der letzte Luchs 1818 erlegt. Jetzt, wo die Wiederansiedlungsbemühungen des Naturschutzes Früchte tragen und im Nationalpark wieder eine überlebensfähige Luchspopulation lebt, wenden sie sich erneut gegen die Wildkatze: In den letzten Tagen war zu lesen, dass die Jägerschaft sich um Rehe und Hirsche sorge, die vom Luchs gerissen werden.

Luchse sind die besseren Jäger Dabei argumentiert die Jägerschaft gerade mit der vermeintlichen Überpopulation von Reh- und Rotwild, wenn es um die Rechtfertigung der Jagd geht: Aufgrund der hohen Schalenwildbestände seien beträchtliche Schäden am Wald nur durch intensive Jagd zu vermeiden. Offensichtlich akzeptiert man die „Regulierung“ der Rehwildbestände aber nur, wenn sie durch die eigene Büchse erfolgt – den Luchs als Beutekonkurrenten lehnt man dagegen ab. Dabei erbeuten Luchse im Gegensatz zum eher an Trophäen interessierten Menschen vor allem geschwächte, verletzte und kranke Tiere und tragen so dazu bei, den Bestand ihrer Beutetiere gesund und widerstandsfähig zu halten.

Luchs, Bild: Saarblitz

Jäger messen mit zweierlei Maß Die Vorgehensweise der Jägerschaft ist gleich in mehrfacher Hinsicht heuchlerisch: Erst füttert man Reh- und Rotwild gezielt durch den Winter, um in der nächsten Jagdsaison möglichst reiche Beute zu machen. Gleichzeitig rechtfertigt man die Jagd mit dem Argument, es gäbe „zu viele“ Rehe. Wenn nun aber ein natürlicher Beutegreifer auf den Plan tritt und sich anschickt, den menschlichen Jäger zu ersetzen, handelt es sich dabei auf einmal um eine schädliche Entwicklung.

Beutekonkurrent Luchs Jäger sehen den Luchs also ganz offensichtlich als Konkurrenten, der ihre Beute dezimiert – wenn es ihnen um Waldverjüngung oder das oft zitierte „natürliche Gleichgewicht“ ginge, müssten sie Beutegreifer wie den Luchs und den Wolf mit offenen Armen empfangen. Stattdessen werden Raubtiere als Konkurrenten gesehen, gegen die man den Wildbestand verteidigen muss, um selber reiche Beute machen zu können.

Da ist es kaum verwunderlich, dass immer wieder Luchse erschossen oder anderweitig illegal getötet werden. In den allerwenigsten Fällen kann dabei der Täter ermittelt werden. Es ist zu hoffen, dass dies der Rückkehr des Luchses in deutsche Wälder keinen Abbruch tun wird.

Auch interessant: Mehr Wölfe, weniger Rehe
Sind Sie schon dabei? Ende der Hobby-Jagd

23.02.2015

11.000 Unterschriften gegen Hobby-Jagd in Baden-Württemberg

Ende der Hobbyjagd - ich will dabei sein

Gemäß Wildtierschutz Deutschland ist die nun im Entwurf vorliegende Durchführungsverordnung (DVO) zum kürzlich geänderten Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) mit dem Ziel ein ökologisches Jagdgesetz in Baden-Württemberg zu schaffen nicht vereinbar. „Die Durchführungsverordnung der grün-roten Landesregierung ist ein einziges Zugeständnis an die Freizeitinteressen der Jäger in Baden-Württemberg, “ empört sich Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland, „sie berücksichtigt weder langjährige Erkenntnisse aus Wissenschaft und Wildtierforschung noch ist ein Interesse zu erkennen, den Tierschutz angemessen zu würdigen.“

In den drei Wochen seit Bekanntgabe des Entwurfs zur DVO haben über Wildtierschutz Deutschland und die Tierschutzorganisation Animal Public etwa 11.000 Bürger eine Petition gegen die überwiegend nach den Freizeitinteressen von Jägern ausgerichtete DVO unterzeichnet.

Schluss mit der Hobby-Jagd!
Bild: Eilert Voß
Darin fordert Wildtierschutz Deutschland eine allgemeine Jagdruhe von Januar bis September zu beschließen und keine allgemeinen Jagdzeiten auszuweisen für Füchse, Dachse, Marder und andere Beutegreifer und auch nicht für Zug- und Singvögel. „Die flächendeckende Jagd trägt entgegen der landläufigen Meinung bundesweit zu einem kontinuierlichen Anstieg von Rehwild und von Wildschweinen bei. Jäger erlegen heute dreimal so viele Wildschweine wie noch in den 1980er Jahren und etwa 20 % mehr Rehe. Es ist das Interesse der Jagd, einen hohen Wildbestand zu hegen.“ 

„Die flächendeckende Jagd auf Füchse und andere Beutegreifer ist  - auch im Hinblick auf den von den Jagdverbänden immer wieder gerne zitierten Artenschutz – sinnlos, es handelt sich um eine reine Spaßjagd. Die Tierbestände bleiben konstant oder steigen sogar, der Unterschied macht sich allein in einer jüngeren Altersstruktur bemerkbar.“

In den Reaktionen der Unterzeichner des Appells wird auch deutlich, dass viele Menschen von der Unentschlossenheit von Bündnis90/Die Grünen in Sachen Tierschutz einfach enttäuscht sind.


22.02.2015

Büdinger Jagdaktionismus fördert Ausbreitung von Wildtierkrankheiten

Wie in der Wetterauer Zeitung zu lesen war, plant der Jagdverein Hubertus, Kreis Büdingen/Hessen, eine Massentötung von Füchsen, um die Verbreitung vereinzelt auftretender Fälle von Staupe und Räude einzudämmen. „Wir halten den Aktionismus des Vorsitzenden Jägers Mohr für nicht nur ethisch, sondern auch epidemiologisch bedenklich: Erfahrungen zeigen, dass die Jagd auf Füchse bei der Bekämpfung von Wildtierkrankheiten kontraproduktiv ist“, erklärt Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

In den 1970er Jahren gab es regelrechte Fuchsvernichtungsaktionen, bei denen man selbst vor der Vergasung ganzer Fuchsfamilien im Bau nicht Halt machte. Ziel war es damals, die grassierende Tollwut einzudämmen. Nach fast zwei Jahrzehnten gnadenloser Fuchsbekämpfung hatte sich die Tollwut noch schneller ausgebreitet als vor Beginn der Tötungsaktionen. Erst durch den flächendeckenden Abwurf fuchsfreundlicher Impfköder aus Flugzeugen konnte die Tollwut besiegt werden.

Bild: Eric Bégin

Der Grund für das Scheitern von Tötungskampagnen liegt in der flexiblen Sozialstruktur von Füchsen. Sie leben gewöhnlich in Familienverbänden, in denen nur die ranghöchste Füchsin Nachwuchs bekommt – „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“, kommentierte der Biologe Erik Zimen dieses Phänomen. Greift der Mensch jedoch mit Flinte und Falle in die Fuchspopulation ein, werden diese Familiengemeinschaften zerstört. Infolge dessen sind nahezu alle Füchsinnen paarungsbereit, zudem steigt die Zahl der Welpen pro Wurf an. Je stärker Füchse bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es also.

So ist die Jagd nicht in der Lage den Gesamtbestand der Tiere zu reduzieren, allein die Altersstruktur verschiebt sich zugunsten der Jungtiere. Gerade diese Jungfüchse suchen sich jedoch im Herbst ein eigenes Revier – und tragen Krankheiten damit oft erst in neue Gebiete, wo sie die dort lebenden Füchse bei Auseinandersetzungen um Reviere infizieren.

Das Schädlichste, was man im Kampf gegen Wildtierkrankheiten wie Räude und Staupe also unternehmen kann, ist die intensive Bejagung von Füchsen – ganz davon abgesehen, dass hierbei Hunderte oder gar Tausende Wildtiere sinnlos getötet werden.

Offensichtlich will Andreas Mohr, Vorsitzender des Büdinger Jagdvereins Hubertus Wildtierkrankheiten instrumentalisieren, um die erbarmungslose (Lust-)Jagd auf Füchse zu rechtfertigen. Dabei nimmt er billigend in Kauf, das Leid der Füchse zu vervielfachen.

Wildtierschutz Deutschland protestiert vehement gegen die geplanten Massentötungen und fordert deren sofortige Absage. Stattdessen fordern wir den Jagdvereins Hubertus in Büdingen sowie das Friedberger Veterinäramt auf, die Jägerschaft zu einer Schonung des Fuchses zu drängen.

20.02.2015

Fuchsjagd wegen fehlender natürlicher Feinde?

Von Thorsten Emberger, www.frecherfuchs.de
Das ab April in Luxemburg geltende Verbot der Fuchsjagd hat auch in Deutschland viele Diskussionen ausgelöst. Immer wieder taucht dabei von verschiedenen Seiten die Behauptung auf, die Jagd auf den Fuchs wäre unumgänglich, denn er hätte keine natürlichen Feinde und würde sich deshalb ungebremst vermehren.

Die seit über einhundert Jahren in jagdfreien Arealen gewonnenen Erkenntnisse sprechen eine andere Sprache. Die Fuchsbestände dort erleiden keine signifikanten Verluste zum Beispiel durch die Jagd und nehmen dennoch nicht zu. Beispiel Nationalpark Bayerischer Wald: hier wurden Füchse im jagdfreien Teil über einen mehrjährigen Zeitraum beobachtet (man spricht vom sogenannten Monitoring). In der entsprechenden wissenschaftlichen Publikation des Nationalparks erfährt man, dass die durchschnittlichen Reviergrößen eines Fuchsrüden hier bei 4,3 Quadratkilometern liegen und nur 1,7 Welpen pro Wurf zur Welt kommen. Die Ursache für die geringe Geburtenrate liege in der stabilen Sozialstruktur der Füchse. In intensiv bejagten Arealen bringen Füchse drei- bis viermal so viele Jungtiere zur Welt. 

Fähe mit neun Welpen
Als natürliche Feinde von Füchsen gelten Wolf, Luchs, Uhu und Steinadler. Einen entscheidenden Anteil in deren Beuteschema stellen Füchse aber ohnehin nicht dar. Beim Luchs beispielsweise macht Fuchsfleisch gerade mal vier Prozent seiner Nahrung aus. Unter Berücksichtigung der relativ großen Reviere (von 80 qkm bis über 300 qkm) von Luchsen kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass deren Wirkung auf den Fuchsbestand viel zu gering ist, als das sie eine regulierende Wirkung einnehmen könnten.

Gerne übersehen wird auch, dass an die Stelle von natürlichen Feinden der Straßenverkehr getreten ist.  Dieser fordert mitunter mehr Opfer unter den Wildtieren, als das auf selber Fläche durch das Vorhandensein natürlicher Feinde der Fall wäre.

Ein interessanter Aspekt in diesem Zusammenhang ist übrigens auch das Verbot der Greifvogelbejagung. Als dieses 1970 in Deutschland eingeführt wurde, prognostizierten große Teile der Jägerschaft ein regelrechtes Schreckensszenario. Der Bestand der Greifvögel würde bedrohlich ansteigen, sie würden Singvögel und Kleinsäuger in Deutschland binnen weniger Jahre gänzlich ausrotten. Sogar eine Bedrohung für den Menschen wurde allen Ernstes propagiert. Und man müsse die Greifvögel weiterhin unbedingt bejagen um deren Bestand zu regulieren, da sie keine natürlichen Feinde hätten, so die Jagdbefürworter.

Seit 45 Jahren nun dürfen Greifvögel in Deutschland nicht mehr bejagt werden, bis heute hat sich nichts von den furchterregenden Weissagungen bewahrheitet. Die Natur braucht den Menschen nicht als Regulator, sie regelt sich selbst durch Nahrungsangebot, Sozialstrukturen, Krankheiten und durch klimatische Einflüsse.

Weiterführende Artikel:

17.02.2015

Wenn der Himmel dunkel wird, oder wo man den Wald vor lauter Vögeln nicht sieht

von Jürgen Heimann

Sie kommen aus dem Nichts. Plötzlich sind sie da. Pünktlich. Die Abenddämmerung ist nicht mehr weit. Es ist ein unglaubliches (Natur-)Schauspiel. Eines, das man in dieser geballten Intensität vermutlich so schnell nicht wieder zu sehen bekommt. Es sind Tausende, Zig-Tausende, Hunderttausende, ja eine Million und vermutlich noch mehr kleine Vögel, die den Himmel im Anflug verdunkeln. Ein schier endloses, wogendes Band aus lebenden Wesen. Wolken aus kleinen, fliegenden Leibern. Die Geräuschkulisse ist ohrenbetäubend. Wie bei einem heftigen Regen. Aber es regnet keine Wassertropfen, sondern Bergfinken.
Es werden mehr. Mittlerweile sollen es über zwei Millionen Vögel sein, die am Sportgelände in Steinbach nächtigen. Sie sorgen bei der Ankunft für ein phänomenales Schauspiel. Foto: Helmut Weller

Ein kleiner Vogel ganz groß. Groß? Na ja. Alles ist relativ. Die gefiederten Kerlchen bringen es gerade mal auf Sperlingsgröße. Aber bei ihnen macht’s auch die Masse. Bergfinken sind die nördlichen Verwandten unserer Buchfinken, von Hause aus Skandinavier oder Russen. 
Vor Beginn des Winters verlassen sie ihre angestammten Brutgebiete und versuchen, in südlicher gelegenen Gefilden über die Runden zu kommen. Bestimmte Regionen Deutschlands erleben derzeit eine Invasion von ihnen, wie sie in diesem Ausmaß noch nie beobachtet wurde. Im Südschwarzwald, aber auch im nördlichen Lahn-Dill-Kreis haben diese fidelen Piepmätze den Luftraum inzwischen zu bestimmten Zeiten komplett erobert.
Man kann die Uhr danach stellen. Tagsüber verlustigen sich die auch als Nordfinken bezeichneten Sperlingsvögel in der Region und verteilen sich weitläufig. Sie unternehmen, aufgeteilt in mehr oder weniger kleinere Pulks, von der Futtersuche diktierte Erkundungsflüge bis nach Gießen, ins Sieger- oder Hessische Hinterland. Und es ist auch nicht ungewöhnlich, dass sie in Dutzendstärke oder noch größeren Einheiten an vom Menschen eingerichteten Futterplätzen im Garten auftauchen, wo sie sich auch schon mal mit Sonnenblumenkernen Vorlieb nehmen. In erster Linie sind die flinken Fiederlinge aber auf Buchecker fixiert – ihre Leib- und Magenspeise während der Wintermonate. Und davon gibt es bei uns in dieser Saison mehr als reichlich. Im Sommer ernähren sie sich vorwiegend von Insekten und Wirbellosen.
Ausgebucht! Im Hotel „Zum Bergfink“ ist kein Platz mehr frei. Man sieht vor lauter Vögeln den Baum nicht. Foto: Siegbert Werner
Abends dann, wie abgesprochen, kehren die Verbände, rechtzeitig, bevor es dunkel wird, zu ihren windgeschützten Sammelschlafplätzen zurück. Je näher der Sonnenuntergang herangerückt, desto größer werden Schwärme. Es ist wie eine Kette ohne Ende. Der Zustrom will einfach nicht enden. Und das geht mindestens eine halbe Stunde so. Pausenlos tauchen neue Geschwader am Himmel auf. Der staunende Beobachter kann den Luftzug spüren, der von den wabernden Riesengebilden ausgeht. 

Ein solches Massennachtquartier befindet sich in dem Buchen- und Fichtenwald unweit des Haiger-Steinbacher Sportplatzes. Mag ja sein, dass man manchmal vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Aber hier sieht man dann vor lauter Vögeln den Wald nicht mehr. Mit ihnen als Dekoration sehen die winterkahlen Äste aus, als wären sie dicht belaubt. Die Zweige biegen sich unter dem Gewicht. Die kleinen Kerlchen (und Kerlchinnen) sitzen dicht an dicht, aufgereiht wie auf einer Perlenschnur. Und plötzlich, abrupt, weicht die Kakophonie der Rufe einer Totenstille. Zapfenstreich. Zeit für die Heia. Beim ersten Büchsenlicht am nächsten Morgen wiederholt sich das Ganze dann in umgekehrter Abfolge.

Lesen Sie mehr über die Bergfinken in Haiger-Steinbach





12.02.2015

Jagd verursacht Bestandsexplosion bei Wildschweinen

Seit Jahren wird die Jagd auf Schwarzkittel in Deutschland intensiviert. Das Credo der offiziellen Organe der Jäger und der zuständigen Ministerien der Länder lautet: mehr Jagd – so bekommen wir den Wildschweinbestand in den Griff.

Fehlanzeige, erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland:  „Ich vermute, dass Funktionäre in den Verbänden und Beamte in den Ministerien einfach mit ihrem Latein am Ende sind – andererseits müssten Ihnen doch mal anlässlich der blanken Zahlen die Augen aufgehen.“ Bei der Anzahl der getöteten Wildschweine jagt ein Jahresrekord den anderen.

Im kontinuierlich steigenden langjährigen 10-Jahres-Durchschnitt werden inzwischen fast eine halbe Millionen Wildschweine pro Jahr erlegt. Ein Großteil übrigens nicht für den Kochtopf, sondern für die Tierkörperbeseitigung.



Dabei gibt es bei der Jagd auf Schwarzwild in vielen Gegenden Deutschlands so gut wie keine Tabus mehr:  die Tiere werden ganzjährig bejagt, Schonzeiten sind aufgehoben, es werden Jungtiere, Alttiere, Leitbachen getötet. Nachts wird mit Scheinwerfern gejagt, den Wildschweinen wird mit Fallen  - so genannten Saufängen -  nachgestellt und Hundertschaften von Jägern und Treibern beunruhigen im Rahmen von Drückjagden revierübergreifend das sich in der Winterruhe befindliche Wild. In Bayern testet man bereits den Einsatz von Nachtsichtgeräten.

Norbert Happ, der bekannteste deutsche Wildschweinkenner – selber Jäger – prangert schon 2002 an, dass die Nachwuchsschwemme hausgemacht sei und für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine die Jäger selbst verantwortlich seien.  „Es gibt dafür 2 wesentliche Gründe“ erläutert Kauertz „zum einen die Zerstörung des Sozialgefüges der Borstentiere, zum anderen die ganzjährige Zuführung von Futter durch Jäger.“

Es werden Tiere aller Altersklassen abgeschossen. Insbesondere der Verlust von Leitbachen führt zu ungeordneten Sozialverhältnissen im Schwarzwildbestand und in der Folge dazu, dass selbst Jungtiere sich vermehren.

Begünstigt wird die dadurch unkontrollierbare Kindervermehrung durch meist illegale Zufütterung. Untersuchungen der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg ermittelten eine durchschnittliche Zuführung von 136 kg Futter pro erlegtes Wildschwein – mehr als das Tier wiegt.

Eine Langzeitstudie von Wissenschaftlern um Sabrina Servanty, die 2009 im renommierten „Journal of Animal Ecology" veröffentlicht wurde, unterstreicht die Sinnlosigkeit des derzeitigen Jagdgeschehens:  Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. In Gebieten, in denen wenig Jäger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer, die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt später und erst bei einem höheren Durchschnittsgewicht ein.

10.02.2015

Gefährdung des Feldhamsters nimmt weiter zu

Die Gefährdung des Feldhamsters in Deutschland schreitet weiter voran. Dies dokumentiert der "Bericht zum Status des Feldhamsters" des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).
In Deutschland sind aktuell vier große Verbreitungsschwerpunkte des Feldhamsters vorhanden. Sie liegen in Mitteldeutschland, im Rhein-Main-Gebiet, in Franken sowie im südwestlichen Nordrhein-Westfalen.
Die Bestandsentwicklung ist jedoch in neun von den elf berücksichtigten Bundesländern negativ, unabhängig von der jeweiligen Bestandsgröße. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wird der Bestand aktuell mit null angegeben, so dass die Experten davon ausgehen, dass der Feldhamster dort ausgestorben ist. In den beiden Bundesländern waren noch in den 1990er Jahren Feldhamster gemeldet worden.
Feldhamster (Cricetus cricetus), Bild: Katanski
Als halbwegs stabil wird die Bestandsentwicklung derzeit lediglich in Sachsen-Anhalt und in Rheinland-Pfalz eingeschätzt. Doch ohne entsprechende Schutzmaßnahmen wird der Feldhamster nach Experten-Angaben auch in Rheinland-Pfalz in etwa zehn Jahren ausgestorben sein.
"Gefährdungsursache Nummer eins ist die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung", sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.
Denn der Feldhamster ist auf die Agrarlandschaft angewiesen. Er findet dort steppenartige Lebensräume, in denen er seine Erdhöhlen gräbt und reichhaltige Nahrung findet. Weil die moderne Landwirtschaft die Ernte jedoch immer früher und auch fast restlos einfährt, fehlt dem Feldhamster nicht nur Deckung und damit Schutz vor Feinden, sondern vor allem ausreichend Nahrung für die Überwinterung. Doch auch zunehmende Isolation und Zerschneidung der Lebensräume tragen zur Gefährdung des Nagers bei.
Der Feldhamster steht für eine Agrarlandschaft, die noch ein Mindestmaß an Strukturen und Fruchtfolgen aufweist. Deshalb profitieren von seinem Schutz auch viele weitere gefährdete Arten der heimischen Feldflur wie Rebhuhn, Feldlerche und Feldhase.

Nochmal Julchen & Jacky - die ganze Geschichte

Füchse haben es nicht leicht. Jäger töten in Deutschland jedes Jahr unter dem Vorwand der Bestandsregulierung über eine halbe Million der nützlichen Beutegreifer. Dabei wissen wir seit Jahrzehnten aus der Forschung, dass sich gerade Fuchsbestände selbst regulieren. Bei hohen Verlusten durch die Jagd ist auch die Geburtenrate überproportional hoch.

Weniger Jagd - weniger Füchse
Wenn Füchse jedoch nicht bejagt werden - wie das zum Beispiel im Nationalpark Bayerischer Wald der Fall ist - reduziert sich die Anzahl der Nachkommen gegenüber der in bejagten Gebieten enorm. Die Bestände bleiben konstant.

Sachliche ökologische Argumente scheinen bei den deutschen Jagdverbänden jedoch weniger eine Rolle zu spielen, als vielmehr tendenziöse Charakterisierungen, die den Fuchs zum »Schädling«, zum »Räuber«, zur »Plage« degradieren. Entsprechend dieser Ideologie hat Reineke Fuchs in Deutschland keine oder keine ausreichenden Schonzeiten. Zaghafte Vorstöße der Politik, die Schonzeiten für Füchse auszuweiten, wurden erst kürzlich seitens der Jagdlobbyisten erfolgreich zurückgewiesen. In dieser Situation kommt es immer wieder dazu, dass im Frühjahr verwaiste Fuchswelpen aufgefunden werden. So ging es auch Julchen, Jacky und ihren Geschwistern, die zunächst in einem Tierheim im Mecklenburg-Vorpommern abgegeben wurden.

07.02.2015

Kröten für die Füchse

Von Tierschützer und SeaShepherd-Aktivist Olav Jost

Bald ist es wieder soweit: Die Krötenwanderungen stehen an. Frösche, Kröten, Molche verlassen überall ihre Winterquartiere und machen sich auf die Wanderschaft. Dummerweise gehen sie dahin zurück wo sie geboren wurden.

Schlau sind sie ja nicht gerade. Und blöderweise interessiert es sie auch nicht, ob dazwischen eine Straße ist. Für die Autofahrer interessieren sich die Kriecher & Hüpfer nicht. Das ist der Grund, weshalb wir mit der kompletten Familie seit Jahren an unterschiedlichen Orten den Hüpfern versuchen zu helfen. Durchaus mit Erfolg, zumindest kommen die Tierchen in unseren Eimern heil im Tümpel an.

Und im Laufe der Jahre sind da schon etliche Generationen gerettet worden.

Eine zweite zwar nicht durch Autos, aber auch durch den Menschen gequälte Spezies ist: Reinecke Fuchs. Ja, auch die werden ab und an durch Autos zu Tode gebracht, aber eine weitaus größere Zahl erlegen unsere „edlen" Waidmänner. Man sollte es nicht für möglich halten: Die Jagdstrecke liegt jährlich bei ungefähr einer halben Million Tieren.

Nun haben sich die Frösche, Lurche und Molche dieses Jahr etwas ausgedacht. Einen Schlachtplan sozusagen. Sie wollen die Füchse unterstützen. Und so beschlossen sie einvernehmlich in diesem Jahr vermehrt in den Eimern auszuharren und sich über die Straße tragen zu lassen. 


Erdkröte, lat. Bufo bufo. Das Weibchen trägt das Männchen zum Laichplatz.

Für jeden geretteten Frosch, Lurch, oder Molch sollen 5 Euronen in die Spendenkasse von Wildtierschutz Deutschland e.V. gehen. Die eingehenden Spendengelder werden fast ausschließlich für die Unterstützung von Wildtierauffangstationen eingesetzt. Das sind zur Zeit eine Fuchsstation, das Marderhilfsnetz und eine Igelauffangstation. Nur ein kleiner Teil geht in die Öffentlichkeitsarbeit. Personalkosten fallen keine an, alles läuft auf ehrenamtlicher Basis.

Wir setzen die Aktion mal auf 250 Euro Ziel, warten wir ab, was passiert. Macht mit! Kröten für die Füchse!


So schön: "Freundschaft mit der Erde - der indianische Weg"



03.02.2015

Geplantes Fuchsmassaker in Euskirchen - Demo in Zülpich

4.2.2015: Die Fuchsjagd am 7./8. Feb. 2015 im Kreis Euskirchen ist abgesagt. Die Demo in Zülpich findet weiterhin statt.

Seitdem Wildtierschutz Deutschland am 25. Januar scharfe Kritik an einem geplanten Fuchsmassaker in Kreis Euskirchen geübt hat, kommt einiges in Bewegung.

Sowohl am kommenden als auch am darauffolgenden Wochenende sollen im Kreis Euskirchen in 300 Revieren von der Eifel bis fast an den Rhein Rotfüchse gejagt werden. In dieser Jahreszeit sind Füchse eine leichte Beute, insbesondere, wenn der Schnee ihre Fährten verrät, der Vollmond scheint und sie aufgrund der Paarungszeit weniger achtsam sind.


Die weiblichen Tiere  - die Fähen -  sind zum großen Teil im Februar bereits tragend. Die ersten Welpen kommen im März zur Welt – viele dann ohne den Fuchsrüden, der in intakten Fuchsgemeinschaften die Versorgerrolle während der Aufzucht übernimmt.

Inzwischen haben sich zahlreiche Menschen mit Protesten an den Umweltminister Remmel (E-Mail: poststelle@mkulnv.nrw.de) gewandt. Das Ministerium argumentiert in einem uns vorliegenden Antwortscheiben mit der Tradition: „Dieser Aufruf [zur Jagd] hat für die Region Tradition“.


Der Tierschutzverein Kall und Umgebung plant derweil für Donnerstag, den 5. Februar, eine Demo in 53909 Zülpich, mit Übergabe einer Petition gegen die Jagd. Beginn 18.00 Uhr auf dem Marktplatz.

Bitte unterschreiben Sie auch unsere Petition gegen die Hobby-Jagd in Baden-Württemberg

31.01.2015

Grün-Rot ermöglicht Fallenjagd auf Fuchswelpen in Baden-Württemberg

Petition beendet, hier registrieren  -   Petitionstext lesen

Wildtierschutz Deutschland kritisiert den nun vorgelegten Entwurf zur Durchführungsverordnung zum neuen Jagd- und Wildtiermanagementgesetz für Baden-Württemberg. Die Verordnung soll am 1. April des Jahres in Kraft treten. Nach dem Willen der grün-roten Landesregierung können Jäger Fuchswelpen künftig ohne weiteres bereits am Bau mit der Falle fangen und töten. Wildtierschutz Deutschland moniert des Weiteren, dass auch die neue Jagd- und Schonzeitenregelung nicht dem Stand der aktuellen Wildtierforschung entspreche.

Die Jungtiere werden mittels Drahtgitterfalle am Ausgang des Fuchsbaus gefangen, wenn die Elterntiere auf Nahrungssuche sind. Wenn die arglosen Welpen sich zum Spiel ins Freie begeben, versperrt ihnen die Klapptür der Falle den Weg zurück in den Bau. So müssen sie oft stundenlang ausharren, bis der Jäger sie erschlägt oder in der Falle erschießt. Bisher war für den Einsatz derartiger Fallen eine Sondergenehmigung erforderlich; diese soll künftig wegfallen.

Der Jäger erschießt oder erschlägt sie.
Bild: Jo Kurz

Zahlreiche wissenschaftliche Studien sowie Erfahrungen aus jagdfreien Gebieten zeigen schon seit geraumer Zeit, dass die Fuchsjagd überflüssig ist. Fuchsbestände regeln sich aufgrund sozialer Mechanismen und durch das verfügbare Nahrungsangebot selbständig. Die Fuchsjagd ist alles andere als nachhaltig – Bestandverluste werden durch höhere Geburtenraten schnell wieder wettgemacht. „Fuchsjagd ist reine Spaßjagd, es gibt weder ökologische noch seuchenrelevante Gründe, den Rotkitteln nachzustellen“, erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

Ebenso unverständlich wie die pauschale Legalisierung der Fallenjagd ist die nur marginale Anpassung der Jagdzeiten: Während Wildschweine nun nahezu ganzjährig bejagt werden dürfen – zuvor galt dies lediglich für Frischlinge -, gibt es bei den meisten anderen Tierarten nur geringfügige Verkürzungen der Jagdzeiten. Die Verordnung ermöglicht selbst den Abschuss von Hockerschwänen und selten gewordenen Waldschnepfen. Die ursprünglich verkündete Absicht, Wildtieren eine angemessene Ruhephase vor menschlichen Nachstellungen zu verschaffen, verkommt damit zur Farce.

„Es ist erschreckend, wie massiv die baden-württembergische Landesregierung bislang einseitig den Abschussinteressen der Jäger gefolgt ist und dabei wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie Belange des Tier- und Naturschutzes weitestgehend ignoriert hat“ bemerkt Kauertz weiter. „Wir fordern Grün-Rot nachdrücklich auf, jetzt wenigstens die gröbsten Auswüchse dieser einseitigen Politik zu korrigieren.“

25.01.2015

Wildtierschutz Deutschland kritisiert sinnloses Fuchsmassaker in Euskirchen

Akutell: Demo am 6. Februar, 18h00 in Zülpich
Wie die Kölnische Rundschau in ihrer Online-Ausgabe am 21.Januar berichtet, sollen bei einer durch Hegeringleiter Johann Jütten (Hellenthal) anberaumten revierübergreifenden Fuchsjagd am 7./8. Februar in 300 Revieren im Kreis Euskirchen etwa 100 Füchse erschossen werden. Der Jägermeister „halte des Fuchsbestand für zu hoch“. Ziel sei es die Verbreitung des Fuchsbandwurms einzudämmen. 

Dazu erklärt Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland:

„Die Argumentation des Hegeringleiters ist hanebüchen! Es gibt keine haltbaren Belege dafür, dass durch jagdliche Mittel der Befall des Fuchses mit dem Fuchsbandwurm eingeschränkt werden könnte. Was hier hilft, ist allein eine Entwurmungsaktion, wie sie erfolgreich und nachhaltig im Rahmen eines Projektes des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU München am Starnberger See vorgenommen wurde. Gründe der Risikoprävention halten wir für vorgeschoben: die Krankheitshäufigkeit der Fuchsbandwurmerkrankung (aveoläre Echinokokkose) liegt in Europa bei 0,5 Fällen pro 100.000 Menschen. In Deutschland liegt die Anzahl der Neuerkrankungen durchschnittlich bei etwa 20-25 pro Jahr.

Wie wenig sinnvoll die Jagd im Hinblick auf die Eindämmung von Fuchskrankheiten ist wissen wir nicht zuletzt aus den 1960er und 70er Jahren, als man die Tiere sogar in den Bauen vergaste, um die Tollwut auszumerzen. Geholfen hat die Massenvernichtung der Füchse nicht. Erst mittels der Tollwutköder konnte man Herr der Situation werden.  



Was Jütten auf Feldern und Wäldern rund um Euskirchen veranstaltet, bedeutet für Füchse und für viele andere Wildtiere Stress und Qualen. Die weiblichen Füchse sind zu der Zeit bereits tragend und erwarten in wenigen Wochen ihre Welpen. Jungtiere, die dennoch das Licht der Welt erblicken, haben geringere Überlebenschancen als in unbejagten Revieren – ihr Fuchsvater, der als Nahrungsbeschaffer eine wichtige Rolle in der Aufzucht übernimmt, ist tot. Manche Tiere werden nicht unmittelbar getötet, sie schleppen sich mit schweren Verletzungen ins Dickicht und sterben qualvoll. In 300 Revieren wird Jütten sämtliche Wildtiere unter Stress setzen, was je nach Wetterlage mit Verletzung einhergehen kann und insbesondere für Rehe einen kritischen Energieverlust bedeutet.

Die toten Füchse werden entsorgt werden. Nachfolgende Fuchsgenerationen werden mit höheren Geburtenraten die entstandenen Verluste kompensieren.


Wir halten diese Art der Jagd für sinnlos und für nicht tierschutzkonform. Sie ist nicht einmal nachhaltig. In unbejagten Gebieten dagegen bilden Füchse stabile Sozialstrukturen aus. Diese sorgen dafür, dass Geburtenzahlen extrem niedrig sind und Bestandsgrößen stabil bleiben. Wildtierschutz Deutschland setzt sich deshalb für eine Abschaffung der Fuchsjagd ein."

22.01.2015

Salzlecksteine können bei anhaltendem Frost den Tod bedeuten

von www.natur-in-not-dithmarschen.de

Kochsalz als „Extragabe“ ist nicht lebensnotwendig, wird aber von Wildtieren gierig aufgenommen. So ist es möglich, dass Jäger die Tiere auch aus anderen Revieren anlocken. Somit fällt die „Ernte“ höher aus. Weitere „Vorteile“ sind selbst aus der Sicht des Jägers nicht zu erwarten.

Eine Folge der Salzaufnahme kennt jeder von uns. Ist eine Speise einmal „reichlich“ gesalzen, entzieht dieses Salz den Körperzellen Wasser, woraufhin der Körper versucht, durch Wasseraufnahme einen Ausgleich herbeizuführen – wir haben Durst!

Leckstein auf Wildäsung
Bild: Johann H. Addicks - addicks@gmx.net

Das ist für uns kein Problem, solange wir trinken können. Den Wildtieren jedoch wird das Salz im Winter an vielen Stellen in den Wäldern in Form von Salzlecken zur Verfügung gestellt (aus eingangs genannten eigennützigen Gründen). Sie nehmen es gierig auf, bekommen dadurch allerdings anschließen einen erhöhten Durst. Da viele Gewässer gefroren sind, ist die Wasseraufnahme oft nicht möglich. Sie leiden unter diesem Durstgefühl und versuchen, auf andere Weise an Wasser zu kommen. Da auch Pflanzen Wasser enthalten, geht es „diesen an den Kragen“. Die weiche Rinde sowie Triebe von jungen Pflanzen werden vermehrt gefressen.

Dazu Wildmeister Günther Claussen: „So wurde von erfahrenen Berufsjägern immer wieder darauf hingewiesen, Salzlecksteine nur während der Vegetationszeit auszulegen, im Winter dagegen auf jegliches Salzangebot zu verzichten. Hierbei geht es vor allem um die Tatsache, dass Salz den Durst fördert, und das kann im Winter bei starkem Frost fatale Auswirkungen haben. Nicht nur, dass der Verbiss wasserreicher Triebe gefördert und somit Wildschaden geradezu provoziert wird, es gibt zuweilen sogar verheerende Wildverluste.“  

Diese und weitere Information zu dem Thema findet man auf der Internetseite des Vereins „Wildhüter St. Hubertus e.V.“.

Nun sollte man meinen, dass die Folge der Unart, das Wild mit Salz anzulocken und dabei auch das (Ver)dursten der Tiere in Kauf zu nehmen, sich inzwischen herumgesprochen hätte und daher vermieden wird. Aber der Lernprozess läuft in Jägerkreisen offensichtlich nur sehr langsam ab und wird durch egoistische Gedanken immer wieder durchkreuzt. Das steht wieder einmal im krassen Widerspruch zu der Behauptung, Jäger seien Tierschützer. Nein, auch hier wird wieder einmal deutlich, dass es lediglich um die Nutzung der Tiere geht, wobei selbst vor Tierquälerei nicht zurückgeschreckt wird.

18.01.2015

Luxemburg unterbindet die Fuchsjagd

Wie diverse Medien in Luxemburg melden, hat die Regierung des Großherzogtums am Freitag beschlossen, die Fuchsjagd ab April zunächst für ein Jahr zu untersagen.
Für den lokalen Jagdverband sei die Entscheidung „überflüssig und verantwortungslos", befürchte man doch die Verbreitung von Tollwut und Fuchsbandwurm. Im Interview mit L'essentiel entgegnet Camille Gira, Staatssekretär im Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, dem wie folgt: „Wir essen ihn nicht, wir benötigen sein Fell nicht und die Tollwut ist nicht mehr in Mitteleuropa." Und „Die Chance, sich mit dem Fuchsbandwurm anzustecken, ist so minimal wie die, dass einem ein Ziegelstein auf den Kopf fällt."
Weniger Jagd - bedeutet weniger Nachwuchs
Die Politik der Regierung sei, dass es im 21. Jahrhundert gute Gründe geben müsse, um Tiere zu schießen. Zudem lägen Studien vor, die besagten, dass sich die Fuchsbestände vergrößerten, wenn auf sie Jagd gemacht würde.
Auch für Wildschweine wird eine Schonzeit eingerichtet – die Tiere dürfen für einen Zeitraum von 6 Wochen im März/April nicht mehr in Wäldern geschossen werden. In dieser Zeit würde üblicherweise nur etwa fünf Prozent der Jahresstrecke erlegt.

14.01.2015

Die Paarungszeit der Füchse ist die Hoch-Zeit der Jäger

Im Rahmen sogenannter „Fuchswochen" wird in den Wintermonaten erbarmungslos Hatz auf den Fuchs gemacht. Tier- und Naturschutzorganisationen, aber auch kritische Jäger weisen darauf hin, dass es dafür keinerlei Notwendigkeit gibt: es sind soziale Faktoren, welche die Bestandsdichte des Fuchses effektiv begrenzen. 

Zurzeit hat der Fuchs besonders unter Nachstellung zu leiden: Jäger nutzen die Paarungszeit der Füchse, um die sonst so vorsichtigen Beutegreifer vor die Flinte zu bekommen. Zudem werden vielerorts sogenannte „Fuchswochen" veranstaltet, bei denen mehrere Jäger gemeinsam versuchen, so viele Füchse wie irgend möglich zu töten. Um diese erbarmungslose Verfolgung unseres letzten größeren Beutegreifers zu rechtfertigen behauptet man kurzerhand, die Fuchsjagd sei „notwendig", weil die Fuchsbestände ansonsten überhandnähmen. 

Soziale Dichtekontrolle reguliert Fuchsbestände  Wie wir aus jagdfreien Gebieten wissen, sorgt die Sozialstruktur unter den Füchsen dafür, dass sie sich nicht über Gebühr vermehren. Lässt man Füchse in Ruhe, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die ranghöchste Füchsin Nachwuchs bekommt. Die Geburtenrate ist relativ gering und die Populationsdichte bleibt konstant. 

Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in dieses stabile System ein, so brechen die Gemeinschaften auseinander, und nahezu jede Füchsin wird befruchtet. Studien zeigen, dass zudem auch die Anzahl der Welpen pro Wurf wächst. 

Jagd ist kontraproduktiv Je stärker Füchse also bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine wie auch immer geartete „Regulation" von Fuchsbeständen ist weder nötig, noch ist sie mit jagdlichen Mitteln überhaupt möglich. 

Ein Beispiel hierfür sind die regelrechten Vernichtungsaktionen, die in den 1970er Jahren zur Tollwutbekämpfung durchgeführt wurden. Obwohl man damals Füchsen sogar mit Giftgas zu Leibe rückte, konnte die Fuchsdichte nicht verringert werden. Mehr noch: Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tollwut, die man durch die Jagd eigentlich eindämmen wollte, wuchs sogar an – das Chaos in der stark bejagten Fuchsgesellschaft sorgte dafür, dass die nun zahlreich vorhandenen vagabundierenden Jungfüchse die Tollwut oftmals erst in neue Gebiete einschleppten. 

Die Schweizerische Tollwutzentrale folgerte daher, dass eine jagdliche Reduktion von Fuchsbeständen offensichtlich nicht möglich und die Jagd zur Tollwutbekämpfung sogar kontraktproduktiv sei. Wie wir heute wissen, konnten erst tierfreundliche Impfköder die Tollwut besiegen – sie gilt heute in Deutschland und in weiten Teilen Europas als ausgerottet.

Nach dem Jagdvergnügen zur Tierkörperbeseitigung

Weniger Jagd – weniger Füchse  Diese Erfahrung ist geradezu symptomatisch für unseren Umgang mit Wildtieren: Manche Jäger wollen uns glauben machen, man müsse die Natur mit der Flinte „zurechtschießen". Dass es anders wesentlich besser geht, zeigen jene wenigen Gebiete, in denen Füchse nicht bejagt werden. Ob in Nationalparks im In- und Ausland, in jagdfreien Naturschutzgebieten, in Dünengebieten Nordhollands, im Kanton Genf oder im „Urwald" bei Saarbrücken: Nirgendwo ist eine drastische Vermehrung des Fuchses festzustellen. 

Ganz offensichtlich ist die intensive Verfolgung des Fuchses, der in den meisten Bundesländern nicht einmal eine Schonzeit hat, vollkommen unnötig. Sie fügt Tieren  - ohne dass der vom Tierschutzgesetz geforderte „vernünftigen Grund" vorliegt -  Schmerz und Leid zu.

„Füchse sind als Gesundheitspolizei und eifrige Mäusevertilger wichtige Mitlieder des Naturhaushalts", erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz-Deutschland.  „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass sie wie Schädlinge behandelt und jedes Jahr zu Hunderttausenden getötet und entsorgt werden - es wird höchste Zeit, dass das sinnfreie Töten von Füchsen und anderen Beutegreifern eingestellt wird.“ 

Die These der Übervermehrung von Füchsen sei eine Alibibehauptung: „Sie dient der Rechtfertigung der Fuchsjagd vor den Augen einer kritischer werdenden Öffentlichkeit. Bereits ein kurzer Blick in Jagdzeitschriften oder Jagdforen im Internet zeigt dagegen unmissverständlich auf, dass es in Wirklichkeit vor allem um die Lust an der Fuchsjagd geht."


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