22.11.2014

Windenergie - Druck der Politik auf Staatliche Vogelschutzwarten

Es ist kaum zu glauben: seit mehr als 2 Jahren liegt den Umweltministerien ein von einer Arbeitsgruppe der Staatlichen Vogelschutzwarten der Länder erarbeitetes Abstandsempfehlungspapier für bestimmte Vogelarten zu Windenergieanlagen (WEA) vor. Jahr für Jahr werden Tausende von Tieren durch diese Anlagen geschreddert, darunter Rotmilane, Seeadler, Schreiadler, Gänsegeier, Störche, Steinadler, Fischadler u.v.m.


Durch WEA geschredderte Silbermöwe

Die Studie ist auf Weisung der Ministerien nach wie vor unveröffentlicht (wenn Sie dem Link am Ende dieses Beitrags folgen, gelangen Sie dennoch zum PDF). Gem. Wattenrat sind die Leiter der deutschen Vogelschutzwarten in Mainz am Rande des 32. Deutschen Naturschutztages verpflichtet worden, das vorbereitete Papier vor der Veröffentlichung mit dem Bundesverband Windenergie (BWE) abzustimmen. Erst wenn sich beide Seiten über die Aussagen des Papiers geeinigt hätten, könne an eine Veröffentlichung gedacht werden.


Hier geht’s direkt zur nach wie vor unter Verschluss gehaltenen Fachkonvention ,,Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen

Mitmach-Aktion: 60 Igelhäuser!

Igel lieben die Nähe zum Menschen – sie leben heute fast ausschließlich im menschlichen Siedlungsraum. Dort finden sie häufig bessere Lebensbedingungen vor, als in den von Monokulturen geprägten Landschaften.

Gleichwohl drohen ihnen auch hier  - abgesehen von den häufig aufgeräumten Gärten - vielfältige Gefahren: Elektrosensen, Rasenmäher, Mistgabeln, Gruben, Schächte, Gartenfeuer. Durch den Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden werden natürliche Nahrungsgrundlagen gestört.

Mit Ihrer Hilfe möchten wir deshalb in den kommenden 12 Monaten insgesamt 60 Igelhäuser aufstellen – in Ihrem Garten, in Ihrer Umgebung, in Ihrer Gemeinde!



Das funktioniert so:
  • Sie können ein eigenes Igelhaus bauen (Bauanleitung hier) oder 80 Euro oder mehr an Wildtierschutz Deutschland spenden, dann schicken wir Ihnen ein großartiges Igelhaus zu. Mit der Spende unterstützen Sie sowohl unsere Arbeit als auch das Engagement der Lebensgemeinschaft e.V, einer Organisation, welche sich um Menschen mit intellektueller Behinderung kümmert. Hier werden die Igelhäuser in der gemeinschaftseigenen Holzwerkstatt hergestellt. Alternativ können Sie ein Igelhaus zum Beispiel über die Adressen von Pro Igel erwerben.
  • Sie finden einen geeigneten Platz in Ihrem Garten oder nach Rücksprache mit dem Garten- oder Bauamt Ihrer Gemeinde in einem öffentlichen Grünstück.
  • Schicken Sie uns ein Foto Ihres Igelhauses per E-Mal und wir erfassen und veröffentlichen es auf unserer Webseite.
  • Wenn Sie selbst kein Haus aufstellen können, finden wir einen geeigneten Platz für „Ihr“ Haus.
  • Nicht jeder kann oder möchte 80 Euro für ein solches Projekt ausgeben. Das ist verständlich. Deshalb freuen wir uns auch, wenn Sie dieses Projekt mit jedem anderen Betrag unterstützen wollen.



16.11.2014

Lustlose Jagd ist .... wie lustloser Sex

Wussten Sie, dass Deutschland tollwutfrei ist - nicht dank, sondern trotz der Jagd?

Tollwut spielt in beinahe ganz Westeuropa keine Rolle mehr. Deutschland und auch die Nachbarländer sind seit vielen Jahren frei von terrestrischer Tollwut. Erreicht wurde das nicht durch die Jagd, sondern durch das flächendeckende Ausbringen von Impfködern.


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Auch die Gefahr durch den Fuchsbandwurm wird weit übertrieben: Es ist deutlich wahrscheinlicher, vom Blitz getroffen zu werden oder bei einem Jagdunfall zu Schaden zu kommen, als am Fuchsbandwurm zu erkranken. Entgegen der vielen Gerüchte ist von keinem Fuchsbandwurm-Patienten bekannt, dass er oder sie sich durch den Verzehr von Beeren oder Obst angesteckt hätte.

Jagd begünstigt die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten sogar. Fuchsjagd führt zu mehr Nachwuchs und mehr Revierkonflikten unter Füchsen. Das wiederum hat eine raschere Ausbreitung von Krankheiten zur Folge.

Lesen Sie auch den Artikel "Fuchsjagd hat keine Berechtigung"

Alle Kampagnen-Motive finden Sie hier 

Eine Kampagne von fuechse.info und Wildtierschutz Deutschland, unterstützt von Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen e.VNatur ohne Jagd e.V., Dr. Francesco Dati, Marburg, Weingut & Biohotel Gänz, Natur in NotMenschen für Tierrechte -Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.VDavid gegen Goliath e.V.Simbiosis - Mensch und Natur e.V.SOS GalgosInitiative Abschaffung der JagdBürgerbewegung Zwangsbejagung adeTier & Mensch e.V.animal public e.V.

Tod nach nur fünf Tagen in der Freiheit

Liebevoll hat Frank Demke den ganzen Sommer über die Fuchswaisen Jacky und Julchen in seiner kleinen Wildtierstation in Mecklenburg-Vorpommern aufgepäppelt und auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Eigentlich wollte er sie noch bis zum Frühjahr bei sich halten – allerdings nahm der Freiheitsdrang der beiden in den letzten Wochen derart stark zu, so dass er seinen Plan ändern musste.

Frank hat sich viele Gedanken um einen geeigneten Auswilderungsort gemacht, entschieden hat er sich dann letztlich für einen befriedeten Wald. Dabei handelt es sich um ein kleines Waldstück, in dem nicht gejagt werden darf. Vor wenigen Tagen hat er Jacky und Jule dort in die Freiheit entlassen und brachte ihnen seitdem jeden Tag ein wenig Futter. Er wurde am Auswilderungsort von seinen Füchsen quiekend begrüßt, anfassen lassen sie sich jedoch nicht mehr.



Nachdem Frank in der Nähe des Auswilderungsortes Hinweisschilder auf eine bevorstehende Treibjagd entdeckt hatte, hat er den ganzen Tag in das befriedete Waldgebiet gestellt um seine Füchse zu beschützen. Aber jedes
Daumendrücken und Hoffen waren vergeblich. Die Füchslis sind alle tot.

Noch am Morgen der Treibjagd war Frank Demke an der Auswilderungsstelle zum Füttern und Sichern des Waldstückes. Er hatte Sichtkontakt zum kleinen Jacky und konnte noch einige Fotos machen. Gierig verschlang er sein Frühstück und legte den Überschuss in Depots an. Julchen war in der Nähe zeigte sich aber nicht. Ebenso war von einer Treibjagt zunächst nichts zu merken.

Eine gute Freundin war mit raus gekommen um zu helfen.  Sie gingen in einem großen Bogen um das Waldstück um die kleinen Füchse nicht zu verschrecken. Plötzlich krachten in unmittelbarer Nähe mehrere Schüsse. Die Treiber kamen mit freilaufenden Hunden, die auch durch das "befriedete" Stück stöberten. Alles ging sehr schnell. Bange Stunden des Wartens und Hoffens vergingen bis wir die traurige Gewissheit hatten. Mit zerrissenem Körper und weggeschossenen Beinen lagen sie dicht bei einander. Frank hat sie sofort erkannt. Zweifellos.

Nach nur 5 Tagen in Freiheit wurde ihr junges Leben durch die Jagd ausgelöscht. Unendliche Trauer aber auch Wut kommen auf, wenn man über diesen sinnlosen Tod nachdenkt. „Wir haben alles für die Kleinen getan und doch hat es am Ende nicht gereicht. Wir werden nicht aufhören gegen dieses Töten zu kämpfen.“







12.11.2014

Antwort von Reinhold Pix, Die Grünen Baden-Württemberg

Auf unser Schreiben vom 8.11. an die Abgeordneten des Landtages Baden-Württemberg antworten die Büros von Herrn Pix und weiteren Abgeordneten wie folgt:

Sehr geehrter Herr Kauertz,

im Morgenweb des 4.11. wurden die Abgeordneten Manfred Kern und Reinhold Pix mit der Aussage „Wegen des Drucks des Landesjagdverbandes soll die Jagd des Fuchses im Jagdgesetz weiterhin möglich sein“ zitiert.  Diese Aussage wurde so nicht getroffen und bedarf einer Richtigstellung.

Wir setzen uns im heute vom Landtag Baden-Württemberg verabschiedeten Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) für eine nachhaltige, arten- und tierschutzgerechte Regulation des Wildtierbestands ein.

Zukünftig wird z.B. die Jagd am Naturbau verboten sein, weil es bei Begegnungen des jagenden Hundes mit einem Dachs immer wieder zu Kämpfen und erheblichen Verletzungen kommt. Das Verbot bedeutet eine deutliche Einschränkung der Baujagd, womit nun Gefährdung, Tod und Leiden hier verhindert wird. Die Jagd mit Totschlagfallen wird künftig nicht mehr erlaubt sein – auch hier gegen das Votum der traditionellen Jägerschaft!

Wir sehen aber gleichzeitig die Notwendigkeit, Fuchspopulationen auch weiterhin zu regulieren: 
•             In Naturschutzgebieten brauchen wir angesichts des massiven Rückgangs von Bodenbrütern den Schutz von Niederwild zum Erhalt bzw. zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts
•             Wir betreiben Artenschutz für mehr Biodiversität (Auerhuhn, Raufußhuhn)
•             Wir benötigen Schutz vor vom Fuchs auf andere Tier oder den Menschen übertragbare Krankheiten wie dem Fuchsbandwurm
•             Füchse in Siedlungsräumen müssen bei Überhandnahme reguliert werden können.

Je nach Entwicklung der Fuchspopulation kann künftig durchaus in manchen Regionen auf eine Bestandsregulierung verzichtet werden. Dies ermöglicht das nun eingeführte Wildtiermanagement, eine der tragenden Säulen des neuen Gesetzes. Wenn alle drei Jahre ein Wildtierbericht die Entwicklungen der Tierbestände und ihrer Lebensräume darstellt, kann eine Tierart in eine andere Managementstufe überführt werden. Mit diesem differenzierten Vorgehen können Tiere aus der Nutzung (Bejagung) herausgenommen und z.B. unter ganzjährigen Schutz gestellt werden.

Das Gesetz ist entstanden in einem 2-jährigen Abwägungsprozess mit allen beteiligten Gruppierungen. Wir haben darin sehr viel Tier-, Arten- und Naturschutz verankert. Mit der zukünftigen Möglichkeit, flexibel auf die Bedürfnisse von Wildtier, Natur- und Kulturraum sowie auch den Menschen einzugehen, legen wir den Grundstein für bestmöglichen Tier- und Artenschutz. So bescheinigte uns in diesen Tagen der NABU die besten Chancen auf  Platz Eins im Bundesvergleich der Jagdgesetze.

Reinhold Pix, tierschutzpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion mit Zuständigkeit auch für Wald- und Wildpolitik, wird dafür eintreten, dass auch der Elterntierschutz bis zum Selbstständigwerden der Jungtiere im Sinne Ihres Anliegens präzisiert wird. Der Entwurf des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes ist aus unserer Sicht ein ausgewogener Entwurf, der die unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen und Anforderungen an ein modernes Jagdrecht bestmöglich in Einklang bringt.“



Wildtierschutz Deutschland hat daraufhin insbesondere die vermeintlichen Argumente für die Fuchsjagd aufgegriffen: 

„In Naturschutzgebieten brauchen wir angesichts des massiven Rückgangs von Bodenbrütern den Schutz von Niederwild zum Erhalt bzw. zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts“

Im Kanton Genf – dort werden seit Jahrzehnten keine Beutegreifer bejagt – hat seit dem Jagdverbot die Diversität gerade der Bodenbrüter signifikant zugenommen. In den Forschungsarbeiten von Bellebaum/Langgemach wird konstatiert, dass die Bejagung von Beutegreifern mit dem Ziel des Artenschutzes ins Leere läuft. Die Jagd ist weder zum Erhalt bzw. der Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts noch zur Erhöhung der Biodiversität ein geeignetes oder auch nur unterstützendes Instrument.

 „Wir betreiben Artenschutz für mehr Biodiversität (Auerhuhn, Raufußhuhn).“

In den vergangenen Jahren sind viele Tausend Füchse und andere Beutegreifer diesen Aktivitäten geopfert worden – es gibt immer noch keine in sich stabile Population der  geschützten Vogelarten.

„ Wir benötigen Schutz vor vom Fuchs auf andere Tier oder den Menschen übertragbare Krankheiten wie dem Fuchsbandwurm.“

Vom Fuchs geht keine signifikante Gefahr für Tier und Mensch aus. Haustiere können gegen Staupe und Milben geimpft werden. Gem. Robert-Koch-Institut erkranken bundesweit gerade  einmal 20-23 Menschen jährlich über den Fuchsbandwurm. Belege dafür,  dass die Jagd zur Reduzierung des Fuchsbandwurmbefalls beiträgt gibt es nicht! Vielmehr besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Jagd zur Verbreitung des Befalls beiträgt. Dadurch nämlich, dass es durch Revierverlust in den Fuchsbeständen zu erhöhter Wanderung in freie Reviere kommt. Wäre es Ihnen ernst damit, potentielle Gefahrenherde zu beseitigen, so würden Sie entsprechend  erfolgreiche Impfprogramme durchführen.

„Füchse in Siedlungsräumen müssen bei Überhandnahme reguliert werden können."


Zum einen ist eine nachhaltige Reduktion von Fuchsbeständen durch die Jagd nicht möglich. Forschungsarbeiten bestätigen, dass unbejagte Fuchsbestände selbst bei einem übermäßigen Nahrungsangebot nicht überhand nehmen. In wissenschaftlichen Dokumentationen des Bayerischen Nationalparks ist nachzulesen, dass Füchsinnen in den unbejagten Revieren im Durchschnitt 1,7 Welpen zur Welt bringen. In bejagten Revieren dagegen ist der Nachwuchs 3-4mal so hoch. Im Übrigen ist in Siedlungsräumen die Jagd mit der Waffe untersagt, aber das wissen Sie ja selbst. Oder wollen Sie damit sagen, dass Sie für eine intensivere Fallenjagd in Siedlungsräumen plädieren?


08.11.2014

Fuchs wird weiterhin gejagt - E-Mail Aktion

Im Morgenweb vom 4.11. erfährt man aus einem Gespräch mit den Landtagsabgeordneten Reinhold Pix und Manfred Kern, DIE GRÜNEN, warum die Jagd auf den Fuchs in Baden-Württemberg weiterhin möglich sein soll. So richtet sich das neue Jagdgesetz viel weniger nach ökologischen Erkenntnissen aus jahrzehntelanger Fuchsforschung, als vielmehr nach dem Willen der Jäger: „Wegen des Drucks des Landesjagdverbandes soll die Jagd des Fuchses im Jagdgesetz weiterhin möglich sein.“

Gegen diese Ungeheuerlichkeit müssen wir uns wehren. Bitte nutzen Sie für Ihren Protest das E-Mail-Verzeichnis der Abgeordneten im Landtag von Baden-Württemberg. Hier unser Textvorschlag:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

haben Ökologie und Tierschutz in Ihrem Jagdgesetz-Vorhaben nur Alibi-Funktion?

Im Morgenweb vom 04.11.2014 werden die Grünen-Abgeordneten Pix und Kern wie folgt zitiert: „Wegen des Drucks des Landesjagdverbandes soll die Jagd des Fuchses im Jagdgesetz weiterhin möglich sein.“  

Ich protestiere aufs Schärfste gegen diesen offensichtlichen Kniefall der Landesregierung Baden-Württembergs vor der Jagdlobby. Ich fordere die Festschreibung einer ganzjährigen Schonzeit für Füchse im neuen Landesjagdgesetz. Kommen Sie endlich Ihrer Verpflichtung nach, den Tierschutz stärker zu berücksichtigen.

Gegen politische Willkür und für mehr Tierschutz!

Mit freundlichen Grüßen"

Ich will leben! Bitte versendet eine Protest-E-Mail.

07.11.2014

Silberfuchs in einer Schliefanlage in Ostwestfalen

Am vergangenen Wochenende meldete sich beim Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen e.V. und der Tierschutz-Initiative WIR FÜCHSE ein junges Paar aus Bielefeld, das bei einem Spaziergang am Haller Wald auf eine verborgen liegende Zwingeranlage gestoßen war, in der zu ihrer Überraschung zwei Füchse (ein Rotfuchs und ein Silberfuchs) gehalten werden. 

Die jungen Leute, denen die beiden Füchse hinter den Eisengittern in der tristen Betonanlage leid taten, wandten sich an die Organisationen, in der Annahme, dass eine solche Haltung von Wildtieren ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz sei. Die Tierschützer Marc Buchtmann und Britta Gorsler sahen sich die Anlage daraufhin an und stellten fest, dass es sich um eine sogenannte Schliefanlage handelt.


Silberfuchs in einer Schliefanlage

Schliefanlagen werden von Jägern betrieben und dienen der Ausbildung von Jagdhunden, um diese an lebenden Füchsen u.a. für die Baujagd scharf zu machen. Die Baujagd ist eine besonders grausame Form der Jagdausübung: Bei dieser Art der Jagd werden sogenannte raubwildscharfe Hunde in den Fuchsbau geschickt, um dort verharrende Füchse heraus zu jagen. An den Ausgängen warten währenddessen die Jäger darauf, zum Schuss zu kommen. Mutige Füchse lassen es bisweilen auf einen Kampf mit dem Hund ankommen, der im schlimmsten Fall für beide Beteiligten tödlich enden kann, meist aber zumindest zu gravierenden Verletzungen führt. Diese blutigen Kämpfe können manchmal stundenlang dauern und es kommt vor, dass die Tiere sich so ineinander verbeißen, dass die Jäger sie mit dem Spaten ausgraben müssen.

Schliefanlagen, in welchen Hunde für die Baujagd ausgebildet werden, bestehen aus einem System von Betonröhren, durch das der abzurichtende Hund den Fuchs jagt. Um die Tötung des Übungsfuchses in frühen Phasen der Ausbildung durch den Jagdhund zu vermeiden, sind einzelne Abschnitte der Anlage durch Schieber abtrennbar. Trotzdem erleiden die eingesetzten Füchse bei jedem Einsatz Stress und Angst. Die Tiere, meistens der freien Wildbahn entnommen, werden zwischen den Ausbildungszeiten  in trostlosen Käfigen oder viel zu kleinen unzureichend ausgestatteten Zwingern gehalten.

Obwohl es nach § 3 Nr.7 und 8 des Tierschutzgesetzes in Deutschland verboten ist Tiere aufeinander zu hetzen, sind Schliefanlagen mit behördlicher Genehmigung noch immer erlaubt. Die von der NRW- Landesregierung geplante Reform des Jagdgesetzes sieht nun allerdings vor, sowohl die tierquälerische Baujagd als auch den Einsatz lebender Füchse in Schliefanlagen zu verbieten.
„Indem die Jäger Baujagden einschließlich Schliefanlagen beíbehalten wollen, beanspruchen sie wieder einmal Sonderrechte für ihre Zunft“ ärgert sich Tierschützer Marc Buchtmann.  Britta Gorsler fügt hinzu: „Wir hoffen, dass die Novellierung des Jagdgesetzes tatsächlich das Ende für Baujagd und Schliefanlagen bedeutet.

03.11.2014

... wenn der Fuchs sich im Knall überschlägt

Wussten Sie, dass die Jagd auf Füchse bedrohten Tierarten schadet?

Jäger machen immer wieder den Fuchs für den Rückgang bedrohter Tierarten verantwortlich. Dabei stellt sich die Frage, warum die Waidmänner selbst jedes Jahr mehr als eine Viertelmillion Hasen und mehrere Tausend Rebhühner abschießen. 

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Bild Luise Dittombée

Keine Tierart wird in Deutschland durch den Fuchs oder andere Beutegreifer im Bestand bedroht – dafür ist vielmehr die Zerstörung sensibler Lebensräume verantwortlich. Wie Studien zeigen, ist die Jagd nicht geeignet Fuchsbestände dauerhaft zu reduzieren.

Dadurch, dass Jäger die Schuld an der schwierigen Situation vieler Wildtierarten auf Beutegreifer wie den Fuchs schieben, lenken sie vielmehr von eigener Mitschuld ab – und versuchen nebenbei, die gnadenlose Jagd auf Meister Reineke zu rechtfertigen.

29.10.2014

Aus der Presse: Jagdunfälle und Straftaten

zusammengestellt von www.abschaffung-der-jagd.de 

29.10.14: Deutscher Jäger erschießt Freund in Russland
Ein Jäger aus Wiesbaden war nach Russland geflogen, weil er einen 700-Kilo-Elch schießen wollte. Stattdessen erschoss er aus Versehen seinen Jagdführer. (BILD Frankfurt, 29.10.2014)

27.10.14: 16-Jährigen erschossen - Jäger verurteil tEin 81-jähriger Jäger wurde vom Landgericht Stade wegen Totschlags in einem minderschweren Fall für schuldig erachtet, weil er 2010 einen 16-Jährigen erschossen hatte. Das Urteil: Freiheitsstrafe von 9 Monaten auf Bewährung. (SPIEGEL online, 27.10.2014)
10.10.14: Jäger mit Wildschwein verwechselt Zwei Jäger, die voneinander nichts wussten, waren in einem Jagdrevier im Landkreis Regensburg unterwegs, um Wildschweine zu jagen. In der Dunkelheit hat der eine Jäger den anderen mit einem Wildschwein verwechselt und schwer verletzt. (wochenblatt.de) 

Das findet unser kleiner Nerz nicht lustig,
Bild Fabien Gagnon

4.10.14: Jäger versetzen Anwohner in Angst In Kirchlinteln fühlen sich Anwohner von zwei Jägern bedroht: Diese würden aggressiv gegenüber den Anwohner auftreten und in Richtung Neubaugebiet schießen. (Weser Kurier, 4.10.2014)

24.9.14: Jäger schießt sich im Maisfeld selbst an Ein 37-jähriger Jäger hat sich bei der Jagd auf Wildschweine in einem Maisfeld mit seiner Jagdwaffe selbst angeschossen. (Lausitzer Rundschau, 24.9.2014)

23.9.14: Jäger bedroht Taxifahrer mit Waffe Ein 58-jähriger Jäger wurde in Herzogenrath von einem Sondereinsatzkommando der Polizei verhaftet, weil er mehrfach Taxifahrer mit einer Schusswaffe bedroht hatte. Die Polizei habe zwölf Schusswaffen und Munition beschlagnahmt. Der Jäger durfte seit 1976 Waffen legal führen. (Aachener Zeitung, 23.9.2014)

5.9.14: Jäger schießt seinem Sohn ins Bein Ein 59-jähriger Politiker und passionierter Jäger aus Dinslaken hat am 4.9.2014 seinem 29-jährigen Sohn im Streit ins Bein geschossen und schwer verletzt. (BILD, 5.9.2014)

1.9.14: Jäger erschoss Finanzbeamten Ein Jäger hat am 1.9.2014 im Finanzamt Rendsburg im Streit einen 58-jährigen Sachgebietsleiter erschossen. (shz.de, 1.9.2014) 

25.8.14: Wildschweinjagd: Jäger erschießt Treiber Bei einer Jagd auf Wildschweine in einem Maisfeld im Main-Tauber-Kreis hat ein 74-jähriger Jäger einen Treiber erschossen. (Polizeipräsidium Heilbronn) Bereits im Juli 2014 waren bei Erntejagden auf Wildschweine zwei Menschen schwer verletzt worden.


28.10.2014

Jagdreform jetzt!


Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die anstehende Jagdreform in Nordrhein-Westfalen. Folgen Sie bitte dem Link unter dieser Resolution.

26.10.2014

Freitags den Jugendjagdschein geholt, samstags fünf Jungfüchse getötet

Wussten Sie, dass Füchse in den meisten Bundesländern keine Schonzeit haben?
Jäger töten jedes Jahr etwa 600.000 Füchse in Deutschland. Der Rotfuchs ist eine der wenigen Tierarten, der Jäger kaum eine Schonzeit billigen. In den meisten Bundesländern wird der Rotfuchs deshalb ganzjährig mit Flinte und Falle bejagt – schon die Jungtiere. 

Ganze Fuchsfamilien – mit dem Hund aus dem Bau gebissen oder mit dem Spaten ausgegraben -  werden im Rahmen der Baujagd abgeschlachtet. Nach ihrer Tötung werden sie meistens verbuddelt oder in der Tierkörperbeseitigung entsorgt.

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Bild Detlef Hinrichs
Der Fuchs ist ein äußerst nützliches Tier. Er frisst jedes Jahr mehr als eintausend Mäuse, ernährt sich vom Aas überfahrener Tiere und ist „Fitnesstrainer“ für andere Arten. Das macht er, indem er kranke und reaktionsschwache Tiere erbeutet. Entgegen der Behauptung von Jägern belegen zahlreiche Forschungsarbeiten, dass es keine Notwendigkeit der Fuchsjagd gibt.



Kampagnen-Motiv 1 finden Sie hier

Eine Kampagne von fuechse.info und Wildtierschutz Deutschland, unterstützt von Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen e.V, Natur ohne Jagd e.V., Dr. Francesco Dati, Marburg, Weingut & Biohotel Gänz, Natur in Not, Menschen für Tierrechte -Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V, David gegen Goliath e.V., Simbiosis - Mensch und Natur e.V., SOS Galgos, Initiative Abschaffung der Jagd, Bürgerbewegung Zwangsbejagung ade, Tier & Mensch e.V.



20.10.2014

Füchslein rot, bist gleich tot!*

* Titel eines Artikels über „effektive Jungfuchsbejagung“ in der Zeitschrift „Jäger“

Wussten Sie, dass Füchse durch die Jagd nicht „reguliert“ werden? 

Wie wir aus jagdfreien Gebieten (z.B. Bayerischer Nationalpark) wissen, sorgt die Sozialstruktur von von Füchsen dafür, dass sie sich nicht über Gebühr vermehren. Lässt man Füchse in Ruhe, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die ranghöchste Füchsin Nachwuchs bekommt.

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Bild Jo Kurz

Englische Forscher um den Biologen Stephen Harris konnten zeigen, dass selbst ein 150faches Nahrungsüberangebot die Fuchsdichte nicht weiter wachsen lässt. Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in dieses stabile System ein, so brechen die Gemeinschaften auseinander, und nahezu jede Füchsin bekommt Nachwuchs. Studien zeigen, dass zudem auch die Anzahl der Welpen pro Wurf wächst.

Je stärker Füchse also bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine wie auch immer geartete „Regulierung“ von Fuchsbeständen ist weder nötig, noch ist sie mit jagdlichen Mitteln überhaupt möglich.


Lesen Sie auch: Jagd löst keine Probleme, Jagd schafft sie erst.

Eine Kampagne von fuechse.info und Wildtierschutz Deutschland, unterstützt von Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen e.V, Natur ohne Jagd e.V., Dr. Francesco Dati, Marburg, Weingut & Biohotel Gänz, Natur in Not

10.10.2014

Täter: Fallenjäger - Alibi: Artenschutz

Kürzlich veranstaltete der  Deutsche Jagdverband (DJV) in Thüringen sein alljährliches Fallensymposium.  Hier wird von meist der Jagd gegenüber unkritischen Institutionen und ihren Vertretern dargelegt, warum die Fallenjagd unabdingbar für den Artenschutz sei.  In seinem Eckpunkte-Papier begründet der DJV die vermeintliche Notwendigkeit der Fallenjagd unter anderem mit dem Schutz von Restbeständen von Großtrappen  - von diesen Rauhfußhühnern gibt es gerade noch etwa ein Dutzend in Brandenburg. Ferner betont der DJV seit Jahren immer wieder, dass aus seiner Sicht nicht heimische Wildtiere wie der Waschbär (gemäß Bundesamt für Naturschutz eine heimische Tierart) oder der Marderhund mittels der Fallenjagd verfolgt werden müssten. 

Der renommierte Waschbär-Forscher Frank Michler von der TU Dresden, selbst Jäger, wirft dem DJV im Zusammenhang mit seinen Presseveröffentlichungen über den Waschbären „tendenziöse Berichterstattung“ vor. Der Jagdverband kommuniziere ein „zum Teil sehr undifferenziertes und vorgefertigtes Meinungsbild“. Eine Diskussion könne aber nur auf der Basis solider, wissenschaftlicher Daten erfolgen.

Jungfüche, vor dem Bau in der Drahtfalle gefangen
Bild: Jo Kurz

Im Namen des Artenschutzes töten Jäger Jahr für Jahr weit  über eine Millionen Füchse, Dachse, Waschbären, Hauskatzen und andere Beutegreifer in Deutschland.  Das Ergebnis für den Artenschutz tendiert trotzdem gegen Null.  Die Restbestände von Auerwild und Trappen sind alleine und ohne siebenstellige Zuwendungen des Steuerzahlers nicht überlebensfähig. Trotz intensiver Jagd mit Flinte und Falle nehmen die Bestände von Rebhühnern, Kiebitzen und anderen Bodenbrütern seit Jahrzehnten kontinuierlich ab. Forst- und Landwirtschaft und inzwischen die Energiewende machen ein Überleben vieler dieser Tierarten in der Natur fast unmöglich.

Politik und Öffentlichkeit werden von den Jagdlobbyisten nachhaltig getäuscht. Die Jagd hat – wie auch renommierte Wissenschaftler wie Bellebaum/Langgemach und viele andere in ihren Forschungsarbeiten konstatieren –  keine nachhaltig reduzierende Wirkung auf den Bestand der gejagten, oft nachtaktiven Tiere. 

Artenschutz ist für den von seinen Verbänden indoktrinierten Kleintierjäger nichts weiter als ein Alibi, es geht alleine darum, sich in den jagdlichen Aktivitäten nicht einschränken zu lassen.

Hier eine Übersicht zur Fallenjagd in Deutschland
Eckpunktepapier DJV zur Fangjagd



04.10.2014

Baden-Württemberg: Politik kapituliert vor den Jägern

Einseitige Änderungen führen das „Wildtiermanagement-Gesetz“ ad absurdum

Der vor der Sommerpause vorgestellte Referentenentwurf zum baden-württembergischen Landesjagdgesetz blieb aus Sicht des Tier- und Naturschutzes bereits weit hinter den Erwartungen zurück. Wie nun an die Öffentlichkeit drang, sollen die bereits äußerst überschaubaren Verbesserungen nun weiter aufgeweicht werden. Was übrig bleibt, ist eine weiterhin einseitig an den Abschussinteressen der Jägerschaft orientierte Politik, die die ursprünglichen Ziele der Jagdrechtsreform ad absurdum führt.

So setzte die Jägerschaft beispielsweise durch, dass die Jagd sich auch weiterhin nicht an wildtierökologischen Anforderungen auszurichten braucht. Ob die Bejagung einer Tierart erforderlich ist oder nicht – aus ökologischen, ökonomischen oder aus epidemiologischen Gründen -  spielt also auch weiterhin keine Rolle. Beutegreifer wie Fuchs und Dachs, aber auch Vögel werden weiterhin aus bloßer Jagdlust getötet. Wissenschaftliche Studien zeigen bereits seit geraumer Zeit auf, dass eine flächendeckende „Regulierung“ dieser Tierarten durch die Jagd weder nötig noch – wie im Falle des Fuchses – überhaupt möglich ist.

Bei den Jagd- und Schonzeiten gibt es praktisch keine Verbesserungen gegenüber den derzeitigen Regelungen. Von den Forderungen der Naturschutzverbände nach einer mindestens achtmonatigen vollständigen Jagdruhe sind gerade noch zwei Monate übrig geblieben, diese zudem im März und April, in denen auch bisher nur wenig gejagt wird. Selbst in dieser Zeit dürfen Wildschweine in der offenen Landschaft sowie im Wald innerhalb von 200 Metern vom Waldrand entfernt getötet werden. Auch gefährdete Arten wie der Feldhase, die im Rahmen des sogenannten „Entwicklungsmanagements“ zunächst geschützt werden sollten, bleiben nun jagdbar; dasselbe gilt für Rabenvögel, für die Naturschützer schon seit langem einen Schutz gemäß den Vorgaben der EU-Vogelschutzrichtlinie fordern.

Für viele Jäger nichts weiter als ein Schädling
Rotfuchswelpe, Bild Fabien Gagnon

Die zunächst vorgesehenen Einschränkungen von Fütterung und Kirrung wurden massiv aufgeweicht. Somit werden Jäger auch weiterhin über das Einbringen großer Futtermengen in die Reh- und Wildschweinbestände diese künstlich hoch halten, um bessere Jagdstrecken zu erzielen.

Ein Schlag ins Gesicht für den Tier- und Naturschutz ist zudem, dass Tier- und Naturschutzverbände es weiterhin dulden müssen, dass auf ihrem eigenen Grundbesitz gegen ihren Willen gejagt wird. Die Jägerschaft will hiermit konsequent verhindern, dass größere jagdfreie Areale entstehen – schließlich würden diese der Öffentlichkeit unmittelbar vor Augen führen, dass es ohne Jagd und Jäger besser geht. Weitgehend jagdfreie Gebiete wie etwa Nationalparks oder der Schweizer Kanton Genf belegen dies bereits eindrucksvoll.

Grüne und SPD müssen sich angesichts all dessen fragen lassen, ob sie es mit dem Natur-, vor allem aber dem Tierschutz auch nur ansatzweise ernst meinen. Während man der Jägerschaft in nahezu allen Punkten entgegengekommen ist, findet das Tier als leidensfähiges Individuum, aber auch der aktuelle Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse kaum Berücksichtigung. Das ursprünglich ausgegebene Ziel der Landesregierung, den Tierschutz zu stärken und die Jagdgesetzgebung an ökologischen Erfordernissen auszurichten, wurde jedenfalls voll und ganz verfehlt.

26.09.2014

Jagdgesetzentwurf NRW: gute Ansätze, aber unzureichend

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat ihren Entwurf für ein neues Landesjagdgesetz vorgelegt. Wildtierschutz Deutschland e.V. begrüßt, dass darin einige wichtige tierschutzrelevante Verbesserungen Eingang gefunden haben, kritisiert die Änderungen jedoch als insgesamt unzureichend.

Zu den zentralen Verbesserungen des Gesetzentwurfs gehören zweifellos das Verbot einiger besonders tierquälerischer Jagdpraktiken wie der Baujagd, der Jagd mit Totschlagfallen sowie der Jagdhundeausbildung an lebenden Tieren. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist zudem, dass zukünftig auch juristische Personen wie etwa Natur- und Tierschutzverbände die Möglichkeit haben sollen, ihre Grundstücke von der Bejagung auszunehmen.

Diesen guten und nur zu unterstützenden Aspekten steht leider eine Reihe verpasster Chancen gegenüber, weiteres Tierleid zu verhindern und die Jagd stärker an wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten. So wurden an der Liste jagdbarer Arten lediglich kosmetische Korrekturen vorgenommen, obwohl es für die Verfolgung der meisten Wildtierarten keinen vernünftigen Grund gibt.

Bild: Helmut Sütsch, fuchsfilm.de


Jungfüchse beispielsweise dürfen weiterhin das ganze Jahr über getötet werden. Zwar behauptet die Jägerschaft gebetsmühlenartig, dass die Bejagung des Fuchses zur Bestandsreduktion notwendig sei; wissenschaftliche Studien widerlegen dies jedoch bereits seit geraumer Zeit. So lässt intensive Bejagung die Geburtenraten in die Höhe schnellen; eine Reduktion der Fuchspopulation ist daher mit jagdlichen Mitteln weder nötig noch überhaupt möglich. Ebenso wenig gibt es für die flächendeckende Bejagung anderer Beutegreifer, wie etwa des Steinmarders oder des Dachses, oder den Abschuss von Vögeln einen vernünftigen Grund. Hier scheint die Landesregierung dem Druck des Landesjagdverbands gewichen zu sein.

Auch die geplanten Schonzeitenregelungen sind unzureichend. Um Wildtieren eine Phase ungestörter Fortpflanzung und Entwicklung zu geben, bedarf es einer mindestens sechs-, besser neunmonatigen vollständigen Jagdruhe. Stattdessen bleibt die Landesregierung im Wesentlichen beim bisherigen Stückwerk aus meist viel zu kurzen Schonzeiten, die über den Jahresverlauf verteilt sind.

Die Grünen haben das Gesetzgebungsverfahren mit dem Anspruch begonnen, die Jagd stärker an Belangen des Natur- und Tierschutzes zu orientieren und zu einem wissenschaftlich fundierten Wildtiermanagement auszubauen. Diese Ansprüche erfüllt der vorliegende Gesetzesentwurf nur eingeschränkt. Wildtierschutz Deutschland e.V. fordert daher, ihn vor der Verabschiedung an genau diese Pläne anzupassen. Dazu gehört insbesondere:
  • Eine deutliche Einschränkung des Katalogs jagdbarer Arten. Für die Verfolgung etwa von Beutegreifern und Vögeln gibt es keinen vernünftigen Grund.
  • Eine mindestens sechsmonatige gemeinsame Jagdruhe für alle Tierarten.
  • Jagdliche Eingriffe in Tierbestände dürfen grundsätzlich nur dann erfolgen, wenn sie aus übergeordneten Gründen erforderlich sind und die Wirksamkeit der jeweiligen Maßnahme wissenschaftlich nachgewiesen werden kann.


Völlig unverständlich sind unterdessen die aggressiven Proteste der Jägerschaft gegen jede noch so kleine Verbesserung des Schutzes von Wildtieren und Natur. Statt Argumente zu liefern, bedient man sich dort übelster Polemik und wütender Anfeindungen, um Kritiker einzuschüchtern. Offensichtlich haben große Teile der Jägerschaft noch immer nicht realisiert, dass Tiere nach Meinung der weit überwiegenden Bevölkerungsmehrheit eben keine rechtlosen „Sachen“ mehr sind. Eine Jägerschaft, die sich vehement weigert, andere Belange als die eigenen Abschussinteressen zu würdigen, hat in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts jedoch ganz gewiss keinen Platz mehr.

02.09.2014

Hirnforschung an Krähen in Tübingen

Von Marie-Luise Strewe
Neben Affen und vielen anderen Tierarten wie Ratten, Katzen und Tauben sind neuerdings auch die "Primaten der Lüfte", die hochintelligenten Krähen, ins Visier der Neurobiologen geraten. Das Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen unter der Leitung von Prof. Andreas Nieder, ist der erste Lehrstuhl, der neurophysiologisch mit Krähen arbeitet.

Die dortigen Hirnversuche an Krähen laufen ganz ähnlich ab wie die am Affenhirn. Die Vögel werden in der ersten Phase darauf trainiert, komplexe Aufgaben am Bildschirm zu lösen. In der zweiten Phase wird ihnen unter Narkose durch ein Loch im Schädel, über das eine Kammer montiert wird, feine Dauerelektroden ins Gehirn eingepflanzt. Während der Versuche werden die Krähen mittels Futterbelohnung zur Mitarbeit motiviert. Ziel der Untersuchungen ist es, die physiologischen Prozesse im Gehirn, den "Mechanismus der visuellen Speicherung im Arbeitsgedächtnis", zu verstehen.  Am Ende der Versuche werden die Krähen getötet und ihr Gehirn untersucht oder sie werden in weiteren Versuchen eingesetzt.



Ethische Aspekte Die lange Zeit gültige Lehrmeinung, Tiere könnten nicht denken, wurde dank ethologischer und kognitionsbiologischer Erkenntnisse in den vergangenen Jahren gründlich widerlegt. So wichtig das zunehmende Wissen über die kognitiven Fähigkeiten der Tiere in Bezug auf eine Einstellungsänderung in Gesellschaft und Politik ist, so fragwürdig sind allerdings häufig die angewandten Forschungsmethoden. Insbesondere die invasive Hirnforschung, wie sie an der Universität Tübingen, aber auch an anderen Universitäten betrieben wird, widerspricht jeglichen Prinzipien eines ethischen Umgangs mit Tieren.

Es geht auch anders Neben der am wenigsten belastenden Feldforschung an freilebenden Tieren sind in der Hirnforschung längst auch nicht-invasive Verfahren wie die sogenannte Positronenemissionstomographie (PET) oder die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) etabliert. Letztere sind ethisch gesehen zwar auch nicht unproblematisch, weil sie die Tiere zumindest vorübergehend belasten. Sie erlauben aber einen "Blick in Gehirn", ohne die unfreiwilligen "Probanden" dauerhaft zu schädigen und am Ende zu töten. Der amerikanische Ornithologe und weltweit anerkannte Rabenforscher Prof. John M. Marzluff etwa benutzt die bildgebenden Verfahren, um Aktivität in Krähenhirnen sichtbar zu machen. Dazu fangen er und sein Team freilebende Krähen ein, die für die Dauer der Versuche im Labor festgehalten und anschließend wieder freigelassen werden.

Quellangaben



31.08.2014

Neues Jagdrecht in NRW.

Seit über zwei Jahren beschäftigt sich die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen mit der Novellierung des Jagdgesetzes. Der erste Gesetzentwurf soll noch im Laufe des September veröffentlicht werden.

Fast übereinstimmend fordern Tier- und Naturschutzverbände die Jagd künftig nach Aspekten des Tier- und Naturschutzes auszurichten. Das nicht mehr zeitgemäße Jagdgesetz, welches zum Teil fast unveränderte Bestandteile aus dem Jahr 1848 (!) beinhaltet, soll grundlegend geändert werden. Zu den Forderungen gehören u.a.:
  • ein Verbot des Haustierabschusses,
  • Verbot der Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren,
  • Verbot des Aussetzens von Enten und Fasanen zu Jagdzwecken,
  • die deutliche Reduzierung der jagdbaren Tierarten. So sollen nur noch Wildtiere gejagt werden dürfen, die als Nahrungsmittel verwertet werden.
  • Die Verkürzung und Harmonisierung der bisher über das gesamte Jahr gestreckten Jagdzeit auf die Monate September bis Dezember.  
Wildgänse im Abendlicht
Bild: Eilert Voß

Der BUND hat gemeinsam mit weiteren Organisationen eine Resolution an die Landesregierung formuliert. Sie haben die Möglichkeit die hier einzusehen und zu unterschreiben.



06.08.2014

Die Jagdsaison hat begonnen: 40.000 Füchse in Rheinland-Pfalz

Seit Beginn dieses Monats dürfen Jäger in Rheinland-Pfalz wieder Füchse jagen. Das geschieht nicht nur mit der Flinte vom Hochsitz aus, die Tiere werden auch mit der toten Katze vom Vortag oder dem Kadaver einer Taube in Fallen gelockt. Dort harren sie aus bis der Jäger kommt. Im Angesicht des Todes wird der Fuchs selten mit Samthandschuhen angefasst: er wird in ein Transportbehältnis verfrachtet und getötet. Das Gesetz sieht vor, das Tier mit einem so genannten Fangschuss zu töten. Die Behörden vertrauen darauf, dass das so abläuft.

Wildtierschutz Deutschland recherchierte, was mit den Tieren im Sommer geschieht und warum es überhaupt erforderlich ist, Füchse zu töten. Das Sommerfell des Fuchses ist nicht verwertbar. Erst im Winter ist der Pelz so dicht, dass er ansehnlich ist und wärmt. Man findet die toten Sommerfüchse deshalb in den Abfalltonnen der Tierkörperverwertung und auf den Luderplätzen unterhalb der Hochsitze. Einige wenige Füchse werden auch an Veterinärbehörden zur Untersuchung eingeschickt.
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Bis vor einem Jahrzehnt wurde der Abschuss des Fuchses noch mit der Tollwut argumentiert. Seitdem Deutschland gemäß Weltgesundheitsbehörde WHO als frei von terrestrischer Tollwut gilt, fehlt es Jägern dennoch nicht an vermeintlichen Gründen für die Fuchsjagd.

Immer aufmerksam, auch dieses Jungtier 

Ohne die Jagd würde es zu viele Füchse geben und außerdem könnten sich Seuchen verbreiten. Einen Beweis dafür sind die Jagdverbände in all den Jahren allerdings schuldig geblieben. Auch gibt es keinen Beleg dafür, dass sich die Jagd positiv auf den Gesundheitszustand von Fuchsbeständen auswirkt. Aus dem Bayerischen Nationalpark weiß man aus wissenschaftlichen Untersuchungen zudem, dass Füchse in nicht bejagten Revieren nur etwa ein Viertel so viele Nachkommen haben, wie in intensiv bejagten Gebieten.

„Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund dafür, in Rheinland-Pfalz Jahr für Jahr 40.000 Füchse zu töten – sie haben vielmehr einen sehr hohen ökologischen Nutzen. So fressen Füchse zum Beispiel das Aas überfahrener Tiere und jeder einzelne vertilgt über 1.000 Mäuse pro Jahr. Auch als Fitnesstrainer für andere Arten haben sie sich einen Namen gemacht. Sie erbeuten im Wesentlichen kranke und reaktionsschwache Individuen. Dadurch trägt Reineke Fuchs dazu bei, dass sich starke und gesunde Tiere vermehren,“ erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

11.07.2014

Eutin/Schleswig-Holstein - für'n Appel und en Ei ist das Grundstück Jäger-frei!

Julia Brunke
Familie Karcher besitzt ein malerisches Grundstück im schleswig-holsteinischen Eutin: Eine natürliche Wiese mit Streuobst, Erlenbruch und einem Teich.  Ab 1.4.2015 sind die 1,6 Hektar offiziell jagdfrei.

»Wir haben schon lange versucht, unser Grundstück jagdfrei zu bekommen«, erzählt Adolf Karcher, ein pensionierter Richter. Das Grundstück hat vier Eigentümer: Ihn, seine Frau Ute und den Sohn mit Schwiegertochter. Vor über 15 Jahren hatte die Familie eine Wiese mit einem Erlenbruch erworben, um einen Lebensraum für verschiedene Tiere zu schaffen.

Ein Biotop für Hasen, Fasane, Reiher, Wasservögel, Rehe...
»Wir haben ein Biotop geschaffen, das eine große Attraktivität für viele Tiere hat: Entlang eines Wasserlaufs haben wir zehn Kopfweiden gepflanzt und eine Streuobstwiese angelegt«, berichtet der Naturfreund. »Auf unserem Grundstück beobachten wir Hasen, Fasane, Adler und Reiher. Wir haben einem Teich mit verschiedenen Uferzonen angelegt, der die Tiere anzieht: nicht nur die verschiedensten Wasservögel, auch Rehe und Wildschweine kommen zum Trinken. Die Jäger hatten direkt vor unserem Teich einen Jagdsitz errichtet. Und das wollten wir nicht. Wir wollten nicht, dass die Jäger die Tiere schießen, für die wir ein Biotop geschaffen haben.«

Jäger hatten direkt vor dem Teich einen Ansitz gebaut.
Bild: Christina Galitzki

 »Wir haben schon lange versucht, unser Grundstück jagdfrei zu bekommen«
Gleich nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 haben die Karchers einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks gestellt. Denn das höchste europäische Gericht hatte entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, sofern der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt.

»Leider wurde das Urteil aus unserer Sicht in Deutschland nicht so umgesetzt, wie es der Europäische Gerichtshof vorgegeben hatte - und ich kenne mich aus, schließlich war ich Richter und auch mein Sohn ist Jurist«, erklärt Adolf Karcher. »Das Urteil war ganz eindeutig: Grundstückseigentümer, welche die Jagd auf ihrem Grundstück aus ethischen Gründen ablehnen, müssen diese nicht länger dulden. Und zwar ohne jegliche Einschränkungen, Auflagen oder eine Gewissensprüfung.«

Mit der Jagdrechtsänderung befasste Politiker hatten sogar zugegeben, mit der gesetzlichen Regelung Grundeigentümern den Austritt aus der Jagdgenossenschaft möglichst erschweren zu wollen.

»Unser Beispiel soll anderen Grundstückseigentümern Mut machen«
Zwei Jahre musste Familie Karcher auf den Bescheid über ihren Antrag warten. Im Juni 2014 kam dann das Schreiben von der Behörde: Das Grundstück ist zum Ablauf des aktuellen Jagdjahres ab 1.4.2015 offiziell jagdfrei. Die Kosten: 100,- Euro. Jeder der vier Eigentümer musste 25 Euro bezahlen.

»Wir hoffen, dass unser Beispiel auch anderen Grundstückseigentümern Mut macht«, so Adolf Karcher.


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