top of page

Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

611 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Der Biber von Borken - kein(e) Partner(in) in Sicht

    Hören | Am Niederrhein ist der Biber inzwischen fest etabliert. Er besiedelt die meisten Altarme und Kiesbaggerseen längs des Rheins, sowie einige seiner Nebenflüsse. An der Lippe, die in Wesel in den Rhein mündet, kommt er verbreitet vor und er hat es auch in die Ruhr geschafft. Ganz anders sieht es bisher unmittelbar nordöstlich angrenzend im Kreis Borken aus: Seit 2009 lebt hier genau ein einziger Biber an dem Flüsschen Bocholter Aa . Wir berichteten im vergangenen Jahr bereits über ihn: Wie ein Biber nach Borken an den Niederrhein kam Die Reise des Bibers nach Borken Sollte es immer noch dasselbe Tier wie im Jahr 2009 sein, dann wäre es bereits mindestens 17 Jahre alt, da Biber im Alter von zwei Jahren selbständig werden. Es ist aber auch möglich, dass der erste Biber verstorben und an seine Stelle ein anderer getreten ist. Allerdings waren jeden Winter frische Nagespuren zu sehen, so dass das Revier zumindest nicht lange leer gewesen sein kann. Seit Herbst vergangenen Jahres bin ich dem Biber intensiv auf der Spur. Ich beobachte ihn regelmäßig mit der Wärmebildkamera oder im Sommer auch direkt bei Tages- bzw. Abendlicht. Ich kenne den „Dicken“ schon ein wenig persönlich und freue mich immer wieder, ihn oder sie zu sehen. Die Geschlechter kann man bei Bibern äußerlich nicht unterscheiden, Ausnahme sind säugende Weibchen mit auffälligen Zitzen. Ursachenforschung: Warum ist „der Dicke“ weiterhin allein? Warum hat erst ein Biber oder vielleicht insgesamt zwei den Weg in die Bocholter Aa nach Borken geschafft? In dem oben genannten Berichten sind die Schwierigkeiten geschildert, mit denen der Biber bei seiner Zuwanderung 2009 zu kämpfen hatte, aber auch, dass der Fluss inzwischen etwas besser passierbar ist. Es gibt aber noch ein weiteres, möglicherweise entscheidendes Hindernis: Wie offensichtlich vielerorts in NRW, werden Nutrias und Bisams in der Bocholter Aa mit Schlagfallen bekämpft. Eingesetzt werden dort mit Äpfeln beköderte „Leprich-Köderfallen“. Sie funktionieren auf Abzug, sie schlagen also zu, wenn das Tier am Köder zieht. Die Gefahr für zufällig hineintretende Tiere oder auch für Menschen ist dadurch geringer als bei durch Druck auslösenden Fallen. Wie klein, oder vielleicht auch nicht ganz so klein die Gefahr ist, kann ich nicht beurteilen. Für den Biber ist die Gefahr definitiv groß, denn Äpfel sind für ihn attraktive Köder.   Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Borken gab auf Anfrage an, keine Schlagfallen im Biberrevier einzusetzen. Auf den Hinweis, dass aber zuwandernde Biber gefährdet sind, kam keine befriedigende Antwort. Angeblich sei noch kein Biber in eine der Fallen geraten – es ist aber die Frage, ob der beauftragte Nutria- und Bisamfänger dies gemeldet hätte. Der Biber ist eine gemäß der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie streng geschützte Art, die gemäß § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG keinem signifikant erhöhten Verletzungs- und Tötungsrisiko ausgesetzt werden darf. Ein solches ist hier aber gegeben.   Außerdem stellt sich die Frage nach der rechtlichen und der ethischen Vertretbarkeit der Bekämpfung von Nutria und Bisam. Beide Arten gelten in NRW als „Schädlinge“. Sie werden ohne Rücksicht auf Elterntierschutz ganzjährig getötet. Beides sind sogenannte „invasive“ Arten, die aber nicht in einer Art Invasion bei uns eingefallen sind, sondern durch Menschen aktiv nach Europa transportiert wurden – auch wenn das Entweichen aus Pelztierzuchten nicht beabsichtigt war. Sowohl für den Uferschutz als auch für die Vegetation sind die Folgen der Anwesenheit dieser beiden Nager sichtbar. Es ist aber dennoch nicht zu rechtfertigen und zu vertreten, ihnen jegliches Lebensrechtabzusprechen. Sie sind ebenso empfindungsfähig wie die Tiere, die wir vielleicht sympathischer finden. +++ Ein ausführliches Biber-Portrait finden Sie hier.

  • Baujagd im Landesjagdgesetz Rheinland-Pfalz - offener Brief an Umweltministerin Katrin Eder

    Hören | Grüne Staatsministerin macht den Tierschutz zum Spielball politischer Verhandlungen Sehr geehrte Frau Staatsministerin,   wir möchten daran erinnern, dass der Jagdgesetzentwurf Ihres Hauses eigenen Aussagen zufolge den Tierschutz stärken sollte. Deshalb wurden auch tierschutzwidrige Jagdpraktiken wie die Baujagd am Naturbau im Entwurf zur Novelle untersagt. Im Rahmen der Verbändebeteiligung wurde dieses Anliegen deutlich und mehrfach in Stellungnahmen angesprochen, unter anderem auch vom Deutschen Tierschutzbund.   Es ist weder nachvollziehbar noch vermittelbar, wie unter Ihrer Verantwortung der Tierschutz – hier konkret die Baujagd bei Füchsen und Dachsen – als Spielball Ihrer politischen Verhandlung mit einer starken, von Eigeninteresse geprägten Jagdlobby missbraucht wird. Sollte dem so sein, dass Sie die Baujagd nicht wie im vorliegenden Novellierungstext zum Landesjagdgesetz verbieten, unterminieren Sie damit nicht nur den Koalitionsvertrag der Landesregierung Rheinland-Pfalz („Tierschutz hat in Rheinland-Pfalz eine herausragende Bedeutung und daher einen festen Platz in der rheinland-pfälzischen Landesverfassung“), sondern Sie fügen Ihrer Partei bundesweit einen weiteren erheblichen Imageverlust und Schaden zu.   Im Entwurf der Jagdgesetznovellierung vom 23. Juni 2023 begründet die Landesregierung das seinerzeit geplante Verbot der Baujagd im Naturbau wie folgt:   „Insbesondere beim Dachs kommt es aufgrund seiner Standfestigkeit im Bau in der Regel zu Beißereien zwischen dem Wildtier und dem Hund, was mit erheblichen Verletzungen beider enden kann . Im Gegensatz zum Dachs, verlässt der Fuchs in aller Regel den Bau und ein Aufeinandertreffen zwischen Hund und Wildtier kann vermieden werden.“   Und:   „In der Praxis kommt es darüber hinaus vor, dass die Naturbauten abgegraben werden müssen, um die Hunde aus dem Untertagesystem zu befreien. Dieser Eingriff, aber auch der emotionale Verlust des Hundebesitzers im Falle, dass der Jagdhund tot geborgen wird , steht in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen der Jagd auf diese Baubewohner.“   Aus eben diesen Gründen hat Baden-Württemberg die Baujagd bereits mit der Einführung des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes vor zehn Jahren verboten. In der Schweiz ist die Baujagd aus Gründen des Tierschutzes inzwischen in fünf Kantonen verboten oder erheblich eingeschränkt. In Luxemburg haben Füchse seit bald zehn Jahren ganzjährige Schonzeit.   Die Baujagd ist weder tierschutzkonform noch weidgerecht . Ausführlich berichten wir gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund und weiteren Verbänden darüber in unserem „Infodienst Wildtiere“, Ausgabe 02/2024. [1] Etlichen Berichten zur Baujagd ist zu entnehmen, dass sich Bauhunde (auch) mit Füchsen häufig verbeißen, auf beiden Seiten mitunter erhebliche Verletzungen verursacht werden und Hunde den Füchsen so lange an die Drossel gehen, bis sie ihn meinen getötet zu haben, was mitunter sehr lange dauern kann. [2]  Als besonders riskant für Leib und Leben des Bauhundes wird in den Jagdmedien die Bejagung des Dachses am Bau beschrieben. Dachse ergreifen bei der Baujagd in der Regel nicht die Flucht vor dem Jagdhund, sondern liefern sich heftige Kämpfe mit ihm. Um das Leben des Hundes zu retten, enden Dachsbaujagden oft mit Graben, Dachszange und Kleinkaliber-Schuss in den Kopf inkl. der Zerstörung des Baus.[3]   Gemäß § 1 Abs. 3 BJagdG gelten bei der Ausübung der Jagd die „ allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit “. Diese umfassen ausdrücklich auch den Tierschutzaspekt und die Einstellung des Jägers zum Tier als Mitgeschöpf, dem vermeidbare Schmerzen – und damit u.a. auch das durch die Konfrontation mit dem Bauhund im Fuchsbau unter Umständen länger andauernde Leid – zu ersparen sind.   Die Baujagd ist im Rahmen der Jagd eine völlig ineffiziente, aber extrem tierquälerische Randerscheinung. Das veranschaulicht allein die Zahl der als Fallwild (z.B. aus Verkehrsunfällen) erfassten Rotfüchse, die etwa drei- bis fünfmal so hoch ist, wie die im Rahmen der Baujagd getöteten Füchse. Ein ökologisch nachhaltiger Nutzen der Baujagd kann durch Ihr Ministerium nicht einmal belastbar belegt werden.   Wir möchten Sie bitten, unsere hier und in der verlinkten Literatur aufgeführten Argumente nochmals zu prüfen und die nicht weidgerechte Baujagd im Rahmen der Novellierung des Landesjagdgesetzes Rheinland-Pfalz zu verbieten. Mit freundlichen Grüßen Wildtierschutz Deutschland +++ Lesen Sie auch: Fuchsjagd im Jagdgesetz Rheinland-Pfalz: Offener Brief an Umweltministerin Eder (26.09.2023) [1] bmt, DJGT, DTschB, WTSD: Infodienst Wildtiere, Ausgabe 02/2024 (Baujagd), https://www.wildtierschutz-deutschland.de/_files/ugd/173a38_a8ff60a14c8f4c0897f9827f7f52efcf.pdf?index=true   [2] z.B. Schmook, „Der Fuchs – Wie er lebt, jagt und gejagt wird“, S. 113. oder Meyer, M. „Sicher zur Beute“ in Niedersächsischer Jäger – 24/2017, S. 19 ff. oder PIRSCH, Unfallort Bau, 03.12.2018: https://www.pirsch.de/news/unfallort-bau-33014 [3] Sascha Numssen „Der Dachs in Deutschland …“ in PIRSCH 04.05.2022 https://www.pirsch.de/jagdwissen/wildbiologie/der-dachs-deutschland-biologie-verhalten-und-jagd-35871

  • Der Tod hat viele Gesichter – das grausame ABC der Fuchsjagd (Jägersprache - Teil 2)

    Hören Ansitzjagd:  Der Jäger schießt den Fuchs (oder andere Tiere) vom Hochsitz aus. Dabei werden gern verschiedene Hilfsmittel eingesetzt (s. u.) Baujagd: Ein Hund (Dackel oder kleiner Terrier) wird in den Fuchsbau geschickt. Er soll den Fuchs hinausjagen, damit die draußen wartenden Jäger ihn bei der Flucht erschießen können oder ihn (und oft auch den Nachwuchs) im Bau „abwürgen“ = totbeißen Fangjagd (= Fallenjagd): Der Fuchs wird in der Falle gefangen. In einigen Bundesländern wie in Niedersachsen oder in Rheinland-Pfalz sind nach wie vor Totschlagfallen erlaubt. Aber auch Lebendfallen verlässt der Fuchs lebend nur noch in Richtung Abfangkorb oder Abfangnetz, in dem er dann getötet wird. Jungfuchsjagd:  Die wenige Wochen alten Welpen werden getötet, während sie beginnen möchten, die Welt außerhalb des Fuchsbaus zu erkunden. Entweder werden dazu Welpenfallen in die Eingänge eingebaut, so dass die jungen Füchse entweder in die Falle gehen müssen, um darin getötet zu werden oder im Bau sterben. Ansonsten werden die Welpen auch beim Spielen vor dem Bau erschossen – im Alter von meistens vier bis sechs Wochen. Kunstbau:  Ein künstlicher Fuchsbau mit Eingängen und Kessel aus Beton oder Kunststoff, der eigens zum leichteren Töten der Füchse eingegraben wird. Dabei achten die Jäger auf ein freies Schussfeld für die Baujagd. Luder:  Jagdliche Überreste werden regelmäßig an einer bestimmten Stelle vor dem Hochsitz abgelegt, meistens leicht eingegraben. Füchse lernen die Futterquelle schnell kennen und können so leichter erschossen werden. Mäuseburg:  Vor dem Hochsitz wird ein kleines Mäuseparadies angelegt, eine Burg aus Reisig mit verschiedenen Versteckmöglichkeiten und reichlich Futter, das stetig nachgefüllt wird. Für Füchse ist dieses ein attraktiver Buffetpatz, den sie mit ihrem Leben bezahlen. Nachtzieltechnik:  In mehreren Bundesländern dürfen inzwischen Zielfernrohre mit Wärmebildtechnik bei der Fuchsjagd eingesetzt werden. Diese ermöglichen die Fuchsjagd zu jeder Nachtzeit und bei völliger Dunkelheit, auch ohne Mondschein bzw. unter Bäumen. Für Füchse gibt es damit keinen sicheren Ort und keine sichere Uhrzeit mehr. Reizjagd:  Der Jäger lockt (=reizt) den Fuchs durch Imitation von Lauten von Beutetieren, z. B. mit der Mäusepfeife (Imitation von Mäusepiepsen) oder Hasenklage (Imitation von Todesschreien eines Hasen). Schleppjagd:  Der Fuchs wird mit einer „Schleppe“ vor den Hochsitz gelockt, um ihn leichter töten zu können. Die Schleppe besteht aus jagdlichen Überresten in einem Beutel oder ähnliches, der über den Boden gezogen wird, um eine Spur zum Hochsitz zu legen. Schliefenanlage:  Eine Übungsstätte für die Baujagd, wo lebende Füchse dazu dienen, mit den Hunden die Tötung ihrer Artgenossen bei der Baujagd zu üben. Die Füchse sind Übungsobjekte und werden dementsprechend gehalten und behandelt. Bei jeder Übung oder Prüfung mit den Hunden blicken sie in das Angesicht ihres eigenen Todes. In Deutschland gibt es über 100 Schliefenanlagen. Treibjagd:  Niederwildjagden, bei denen Treiber die Tiere auf die Schützen zutreiben, damit diese schießen können. Der Fuchs ist dabei zwar nicht das Hauptziel, aber er wird gern genommen, frei nach dem Motto: Fuchs kann immer kommen. +++ Hier geht es zu Jägersprache Teil 1

  • Nicht tierschutzkonforme Wildschweinfallen im Vogtland in Sachsen

    Hören | Auch außerhalb von Restriktionsgebieten zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) geht man in Sachsen weiter radikal und rücksichtslos gegen Wildschweine vor.    War es bereits zuvor möglich Wildschweinen mittels einer „Rund-um-die-Uhr-Bejagung“ mit Hilfe von Scheinwerfern und von Nachtzieltechnik und ohne jegliche Schonzeiten nachzustellen, sind inzwischen auch Fangmethoden im Einsatz, die weder als weidgerecht noch als tierschutzkonform bezeichnet werden können. Selbst der präventive Totalabschuss von Wildschweinen wurde in Sachsen schon gefordert und scheint nach wie vor das Ziel zum Beispiel in Forstbetrieben des Staatlichen Betriebs Sachsenforst (SBS) zu sein. Dort werden mit großen Kastenfallen und mit Netzfallen (Saufänge, die unter dem Namen „Pig Brig“ vertrieben werden) im Vogtland zum Beispiel im Bereich des Forstamts Adorf ganze Wildschweinrotten gefangen und unter unsäglichen Umständen getötet. Pig Brigs, das sind in Amerika entwickelte Netzfallen, die so konstruiert sind, dass die Wildschweine in eine Reuse gelockt werden. So gelangen sie in eine von Netzen abgezäunte, relativ kleine Fläche, aus der sie nicht entkommen können.    Es stellt sich die Frage, warum und mit welcher Begründung eine zuständige Jagdbehörde diese Maßnahme in einem nicht von der Afrikanischen Schweinepest betroffenen Areal genehmigt. Schließlich muss der Antragsteller gem. § 4a der Sächsischen Jagdverordnung nachweisen, dass ein tierschutzgerechter Fang und die weidgerechte Erlegung gefangenen Schwarzwildes gewährleistet sind. Vielleicht liegt es daran, dass sowohl der Antragsteller als auch die genehmigende Behörde der SBS sind. Wir würden uns dazu gerne die aufgezeichneten Videos von Fang und Tötung der Wildschweinrotten anschauen. Die werden aber aus gutem Grund wohl nicht an die Öffentlichkeit gelangen.   Durch Ausbruch- und Fluchtversuche können sich Extremitäten der gefangenen Wildschweine in den Netzmaschen verfangen, Knochen brechen, Gelenke oder Sehnen verletzt werden. Zu Ausbruchversuchen kann es kommen, sobald die Tiere bemerken, dass sie gefangen sind. Zudem erhöht der fehlende Sichtschutz der Fallen beim Annähern der Jäger den Stress für die Tiere, die bei jeglicher Annäherung von Menschen versuchen werden, zu entkommen. Dabei springen sie gegen die Netzwand oder rennen im Kreis, verfangen sich in den Netzen und verletzen sich dabei selbst oder andere Tiere.   Eine schnelle und sichere Schussabgabe erscheint unter diesen Bedingungen ausgeschlossen und es muss bewusst in Kauf genommen werden, dass man die Tiere mehrmals nicht tödlich trifft. Spätestens nach Eröffnung des Feuers auf die Tiere bricht Panik aus.   Wir fordern das grundsätzliche Verbot des Einsatzes dieser weder tierschutzkonformen noch weidgerechten Fallen für Wildschweine.   +++ Weitere Informationen Positionspapier Pig Brig von Wildes Bayern

  • Unhaltbare Zustände in der Schliefenanlage Ufhausen in Nordhessen

    Hö ren | Tierquälerei hat auch im Landkreis Fulda einen Namen: Deutscher Jagdterrierclub AG Kuppenrhön. Ein viel zu kleiner Zwinger mit einem Boden aus verdreckten Holzhackschnitzeln, ohne Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten und nur zwei kleinen hohlen Baumstammstücken als Versteck, zwei verängstigte Füchse mit stumpfem Fell, überall liegt dünner breiiger Kot – die Zustände in der im Namen des Jagdterrierclubs betriebenen Schliefenanlage in Eiterfeld-Ufhausen im Landkreis Fulda (Hessen) könnten kaum schlimmer sein. Zudem ist im Drehkessel, dem zentralen Trainingsort für die Abrichtung der Jagdterrier, ein Schieber vorhanden, mit dem die vorgeschriebene Trennung von Hund und Fuchs aufgehoben werden kann. Diesen Schieber dürfte es seit 1995 nicht mehr geben, stattdessen muss dort eine solide Trennwand vorhanden sein. Ein weiteres Mal zeigt sich die abgrundtiefe Respektlosigkeit der Hundeclubs, hier der Deutsche Jagdterrierclub AG Kuppenrhön , im Umgang mit den Füchsen. Es ist keine Überraschung, denn sie dienen als Übungsobjekte, um die Hunde als Gehilfen zur Tötung ihrer Artgenossen bei der Baujagd zu trainieren. Es ist nicht zu erwarten, dass Füchse in einer Trainingsstätte für die Tötung von Füchsen mit Liebe, Fürsorge oder auch nur Sorgfalt behandelt werden. Wer an diese im Werbevideo des Deutschen Jagdverbandes gezeigte Scheinwelt vom glücklichen Schliefenfuchs glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Fakt ist, dass in allen Schliefenanlagen, die wir genauer dokumentieren konnten, die Füchse Anzeichen für erhebliches Leid zeigen, zumeist auffällige und schwere Verhaltensstereotypien. Ebenso ist es Fakt, dass die Zwinger in den weitaus meisten Anlagen nicht im Mindesten dem Säugetiergutachten entsprechen: Sie sind zu klein, bieten keine oder kaum Beschäftigungsmöglichkeiten, es fehlt ein grabfähiger Boden und viele Mängel mehr. Es ist vielfach belegt, dass Füchse äußerst feinfühlige, intelligente und hochgradig soziale Wesen sind. Sie benötigen nicht nur ausreichend Raum für Bewegung, sondern Möglichkeiten zum Spielen, Graben, Verstecken und vieles mehr. Ihre Bedürfnisse werden in keiner der über 100 deutschen Schliefenanlagen auch nur im Ansatz erfüllt. Zur abgrundtief schlechten Haltung kommt die wiederholte Todesangst bei den Übungen und Prüfungen hinzu. In vielen Fällen wird bezüglich Herkunft, Alter und Geschlecht der Füchse nachweislich gelogen und eine diesbezügliche Kontrolle seitens der Veterinärämter erfolgt kaum. Wir gehen nach unseren Erfahrungen an mehreren Orten inzwischen davon aus, dass in vielen Schliefenanlagen die Füchse regelmäßig getötet und durch junge Füchse ersetzt werden – die unzähligen Lebendfallen in der Landschaft bieten „Übungsmaterial“ im Überfluss. Eine Prüfung durch die Veterinärämter müssen die Hundeclubs meistens nicht fürchten. Im vorliegenden Fall müsste nur der oben genannte Schieber während der Übung gezogen werden, der Jagdterrier würde den Rest erledigen. Das Veterinäramt des Landkreises Fulda ist über die Zustände informiert. Es muss nun konsequent handeln, die Schliefenanlage endlich schließen und die Füchse in eine artgerechte Haltung überführen. Sollte dies nicht sehr bald geschehen, werden wir den öffentlichen Druck erheblich verstärken. In Nordrhein-Westfalen konnten wir vor kurzem erreichen, dass eine Schliefenanlage auf Verfügung des Veterinäramtes geschlossen und die beiden Füchse in ein großes artgerechtes Gehege gebracht wurden. Petition und weitere Infos: Kein Jagdhunde-Training mit lebenden Füchsen – Verbot der tierschutzwidrigen Baujagd

  • Wo der Fuchs noch Fuchs sein darf – Dünenlandschaft bei Amsterdam

    Hören | Wenn unsere Energiereserven einmal aufgebraucht sind, wird aufgetankt. Eine unserer „Tankstellen“ liegt in den Niederlanden, genau gesagt im Naturschutzgebiet „Amsterdamse Waterleidingduinen“ südlich von Zandvoort. Für uns ist die atemberaubend schöne Dünenlandschaft eine einzigartige Welt, in die wir nur allzu gern eintauchen. Sie ist auch die Fuchswelt, die uns bisher leider verborgen blieb. Hier lassen sich die Tiere ungestört beobachten, an kaum einem anderen Ort kommt man ihnen so nahe und wird überrascht vom Repertoire füchsischer Eigenschaften wie Neugier, Vorsicht, Mut, Schläue und Verspieltheit. Erst wenn der zweibeinige Spitzenprädator fehlt, erfasst man die Komplexität dieser Tiere. In unserer heimischen Landschaft – wie fast überall in Deutschland – geht der Mensch als Hypercarnivor nur allzu gern auf Beutezug und nimmt den roten Schlauberger ins Visier. Mehr als 400.000 Füchse sterben jährlich auf diese Weise, nicht ohne gravierende Auswirkungen. Ständig auf der Flucht muss sich der Fuchs vor seinem größten Feind verstecken und ein Leben in Angst führen. Im niederländischen Naturschutzgebiet hingegen fühlen sich die Tiere sicher. In stabilen Sozialverbänden werden Fuchskinder optimal auf das Leben vorbereitet und es bleibt genügend Zeit zum Spielen und Entdecken. Schon lange haben die Füchse dort im Menschen einen Freund und keinen Feind gesehen. Homo sapiens ist hier ein Besucher ihrer Welt und kein Eindringling oder Zerstörer. Diese Vertrautheit, die sich im Laufe der Zeit zwischen den dort lebenden Wildtieren und Menschen entwickeln konnte, ist etwas ganz Besonderes. Solche Mensch-Fuchs-Beziehungen sind rar und wir sind dankbar, dass wir sie hier erleben können. An einem unserer Fuchsentdeckungstage trafen wir auf eine Gruppe junger Pfadfinder, die sich ebenso über die füchsischen Begegnungen freuten. Wie schön ist es doch, dass es einen Ort gibt, wo Kinder die Tiere live erleben können und dafür nicht in einen Wildpark gehen müssen. Wie sehr doch das Feindbild Mensch tierische Verhaltensweisen beeinflusst. Wir erinnern uns an die Forschungsarbeit unter der Leitung des Ökologen Justin Suraci von der University of California in Santa Cruz. Ein Forscherteam hat herausgefunden, dass wir durch unsere bloße Anwesenheit eine „Landschaft der Angst“ erzeugen. „Menschen sind unglaublich tödlich. Wir sind für viele Arten die größten Raubtiere und daher eine Quelle der Angst“, sagt Justin Suraci, der die Beziehung von Raubtier und dessen Beute erforscht. Anhand von GPS-Halsbändern und Fotofallen beobachteten die Forscher das Verhalten der Tiere, in dem sie jeweils Froschquaken oder menschliche Stimmen über Lautsprecher ertönen ließen. Wenn beispielsweise Großraubtiere wie Pumas menschliche Stimmen hörten, reduzierten sie ihre Aktivitäten deutlich, bewegten sich langsamer und hielten Abstand. Beim Abspielen von Froschaufnahmen bewegten sie sich dagegen direkt durch die Landschaft. Rotluchse wurden bei Abspielen menschlicher Stimmen nachtaktiver, Stinktiere waren um 40 % weniger mobil, Opossums gingen sogar um 66 % weniger auf Futtersuche. Das verändert unser Ökosystem und die Interaktionen der Tiere. Die Forscher berichteten, dass die verminderte Aktivität der Raubtiere das Verhalten ihrer Beute derartig beeinflusst, dass Mäuse und Ratten mutiger werden und ihren Aktionsradius um 45 % erhöhen, ebenso gingen sie um 17 % häufiger auf Nahrungssuche. „Sie scheinen dem Menschen nicht allzu abgeneigt zu sein und nutzen die Gelegenheit“, erklärt Suraci das Verhalten der Nager. Es ist davon auszugehen, dass auch der Rotfuchs als einstig tag- und nachtaktives Tier aufgrund der Anwesenheit des Menschen in die Nachtaktivität geflüchtet ist. Den Studien zu Folge hat seine verminderte Aktivität aufgrund des Jagddrucks auch einen massiven Einfluss auf die Anwesenheit und Reproduktion seiner Beute, die eben größtenteils aus Nagern besteht. Umso schöner ist es, miterleben zu dürfen, dass die Füchse im niederländischen Schutzgebiet ohne Scheu auf menschliche Stimmen, Gerüche oder ihre Anwesenheit reagieren. Sie zeigen natürliches artgemäßes Verhalten. Grund genug, einmal unsere Rolle als Spitzenraubtier zu überdenken, wenn wir selbst Großraubtiere wie Pumas in Angst und Schrecken versetzen. Wir sollten uns der schwerwiegenden Folgen, die dies nicht zuletzt für den Menschen hat, bewusst sein. Wollen wir, dass Füchse ihr natürliches und artgemäßes Verhalten zeigen, müssen wir die Jagd auf sie einstellen. Bitte unterstütze dieses Anliegen und fordere bis zum 18.08. die Wahlunterlagen zur dritten bundesweiten Volksabstimmung an und stimme für das Thema „Fuchsjagd beenden“. +++ Weitere Geschichte aus den Dünen: Im Spielzimmer der Füchse: Dünenlandschaft bei Amsterdam

  • Füchse – Spiegel unseres Naturverständnisses

    Hören | „ Fuchsjagd beenden! Dieses Hobby schafft Leid und keinen Artenschutz “ ist mit einigem Abstand auf Platz 1 der diesjährigen Themenwahl bei Abstimmung21 gekommen. Das Thema führte und führt weiterhin zu hitzigen Diskussionen: Es gäbe doch viel wichtigere Themen auf dieser Welt, oder: Wie ist es möglich, dass ein solches Randthema auf den ersten Platz gelangt? All diese Reaktionen zeigen, dass die Tragweite des Themas vielen Menschen nicht bewusst ist. Es geht hier zum einen um Millionen von Tierleben, denn alljährlich sterben mehr als 400.000 Füchse in Deutschland durch Jägerhand. Zum anderen geht es um noch viel mehr: Der Umgang von uns Menschen mit dem Fuchs spiegelt unseren Umgang mit der Natur, mit unseren Mitbewohnern auf der Erde wider. „Fox on the run“, der Fuchs auf der Flucht, dieses Sinnbild des Gehetzten, des Gejagten, des Ausgelieferten findet sich sogar in diversen Rock- und Popsongs wieder. Der Fuchs ist dazu da, verfolgt und getötet zu werden, zu Pferde, mit der Hundemeute, mit dem Gewehr oder schlicht mit dem Knüppel. Er hat die Gans gestohlen, er bringt die Tollwut bzw. nach deren Ausrottung den Fuchsbandwurm oder er verdreckt zumindest den Rasen und buddelt hässliche Löcher in den Garten. Wir finden immer einen Grund, den Fuchs zu verjagen, zu verfolgen und zu töten – seit Jahrhunderten, aus Tradition. Füchse werden mit Hunden aus ihrer Wohnstatt gejagt und bei der Flucht erschossen, in Schliefenanlagen werden raubwildscharfe Hunde an ihnen trainiert – auch aus Tradition. Was die Füchse dabei durchmachen, welche Todesangst sie dabei immer und immer wieder erleben, zählt nicht. Ebenso wenig zählen die kleinen Zwinger, in denen die Schliefenfüchse vegetieren, oft mit Betonboden, bedeckt mit Exkrementen. Es sind ja nur Füchse! Allmählich macht sich aber auch in unseren Köpfen breit, was Indigene in vielen Teilen der Welt schon seit Jahrtausenden wissen und was unsere Vorfahren auch wussten, bevor sich die Maxime „Macht euch die Erde untertan“ durchgesetzt hatte: Füchse und all die anderen Mitbewohner unseres Planeten sind unsere Brüder und Schwestern – das heißt nichts anderes als: Sie sind uns viel ähnlicher als wir es bislang wahrhaben wollten, sie empfinden ebenso wie wir Freude, Trauer, Schmerz und Angst. Günther Schumann, der 11 Jahre lang das Leben der wilden Füchsin Feline im nordhessischen Reinhardswald begleitete, bewies eindrucksvoll, wie feinfühlig und empfindsam Füchse sind. Er begegnete ihnen auf Augenhöhe, ohne Überheblichkeit. Er ließ sich auf die Füchse ein und diese belohnten es mit unglaublichen Einblicken in ihr faszinierendes Leben, ihren liebevollen Umgang miteinander, aber auch ihren Streitereien, ihrem Spiel und so vieles mehr. Wer seine Bücher liest, wird denken: Füchse sind auch nur Menschen… Es ist höchste Zeit, den Umgang mit unseren Mitbewohnern zu überdenken und kritisch zu hinterfragen. Wir sitzen alle im selben Boot, die Füchse, die unzähligen anderen Tiere und Pflanzen und wir. Das Boot heißt Erde – und davon haben wir nur diese eine! Wir sehen am Zustand der Natur, der Ökosysteme, der ganzen Welt, wohin der Anthropozentrismus, also die Denkweise, dass wir die Krone der Schöpfung seien, führt. Allmählich, aber viel zu allmählich und hoffentlich noch nicht zu spät, wächst die Einsicht, dass wir Menschen nur eine Art unter sehr vielen sind. Wenn wir endlich einsehen, dass wir nicht das Recht haben, empfindungsfähige Wesen zu unserem Vergnügen oder aus Tradition zu hetzen, zu foltern und zu töten, dann hat der Wandel im Umgang mit der Natur und mit der einen und einzigen Erde eine Chance. Wenn wir dem Fuchs, und nicht nur ihm, endlich auf Augenhöhe begegnen und als unsere Mitbewohner akzeptieren, dann wird die Welt nicht nur für sie, sondern auch für uns viel lebenswerter. Stimmen Sie mit uns gegen die Fuchsjagd und machen Sie damit einen Schritt zu einem respektvollen Zusammenleben von Menschen und den (anderen) Tieren. Abstimmungsunterlagen hier anfordern.

  • Ran Fuchs - Fotoausstellung Augsburg

    Hören | Die Welt ist voller Talente in allen denkbaren Bereichen. Doch im Gegensatz zu anderen Bereichen, in denen qualifizierte Menschen ihr Talent nutzen können, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten oder sich zumindest mit einem Job zufrieden zu geben, bleibt die Kunst die Ausnahme. Abgesehen von kurzen Momenten in der Geschichte, wie der Zeit des Rokoko, mussten die meisten Künstler unablässig darum kämpfen, ihren Lebensunterhalt durch ihre Kunst zu bestreiten. Ohne die seltene Chance, "entdeckt" zu werden, war ihr Leben oft von Entbehrungen und Unsicherheit geprägt. Auf der Suche nach dem Geheimnis habe ich mit mehreren Künstlern gesprochen, die "entdeckt" worden waren. Sie alle beschrieben, wie sich ihr Leben über Nacht veränderte. Die Preise für ihre Kunst stiegen in die Höhe, und sie erhielten mehr Aufträge, als sie jemals zu erfüllen hoffen konnten. Doch trotz ihres neuen Erfolges konnte keiner von ihnen den schwer fassbaren Moment des Entdeckt-Werdens erklären. Sie konnten es nur auf einen "Glücksfall" zurückführen - etwas, von dem sie nur geträumt hatten und das ihnen unerwartet widerfuhr. Wie unzählige andere Künstler auch, schaffe ich Kunst, um meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass dies alles ist, was ich brauche und genieße, und dass es Zeitverschwendung ist, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Manchmal sehne ich mich aber auch nach Anerkennung und Bestätigung. Also reiche ich meine Arbeiten bei Wettbewerben ein, stelle sie in Ausstellungen aus, nehme Auftragsarbeiten an und hege die Hoffnung, dass auch ich eines Tages in den Genuss eines Glückstreffers komme. Kürzlich bot ein Wettbewerb des Landratsamtes Augsburg in Bayern, nicht weit von München entfernt, einen Hoffnungsschimmer. Als mich die Nachricht erreichte, dass ich gewonnen hatte, war ich überglücklich. Ich hatte eine Vogel-Fotoausstellung gewonnen. Dreißig meiner Vogelfotos - aufgenommen in Australien, Japan und Deutschland - werden ein ganzes Jahr lang im Landratsamt ausgestellt werden, einem Ort, an dem es von Besuchern wimmelt. Das war eine großartige Gelegenheit, meine Arbeiten mehr Menschen als je zuvor zu zeigen und mehr Betrachter zu erreichen, als dies mit meinen Fine Art Fotodrucken je der Fall war. Die Vernissage war ein großer Erfolg mit einer Vielzahl von Besuchern - von Studenten bis hin zu Senioren, von Angestellten bis hin zu Managern. Jetzt sind meine Fotos dort während der Geschäftszeiten des Landratsamtes das ganze Jahr über zu sehen. Wenn Sie also in der Nähe sind, schauen Sie vorbei und genießen Sie. +++ Öffnungszeiten: Landratsamt Augsburg, Montag - Freitag: 7.30 - 12.30 Uhr und donnerstags: 14.00 - 17.30 Uhr Hier können Sie mehr darüber erfahren: https://landkreis-augsburg-kultur.de/neue-ausstellung-im-kunstraum-landratsamt/ +++ Mehr auf ranfuchs.art/de

  • Im Spielzimmer der Füchse: Dünenlandschaft bei Amsterdam

    Hören | „Willkommen im Spielzimmer der Füchse“, das große Banner mit niederländischer Aufschrift weckt unsere Vorfreude auf die vor uns liegenden Stunden im jagdfreien Naturschutzgebiet. Die Amsterdamse Waterleidingduinen beherbergen eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Die Sanddünen filtern Regenwasser und sind seit dem 19. Jahrhundert die Quelle für das Trinkwasser der Stadt Amsterdam. Etwa ebenso lang werden dort Füchse gesichtet. Sie sind an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt und wurden bzw. werden dort nicht gejagt. Keine Hochsitze, keine Fallen, keine Schüsse, kein Müll, kein Autolärm, stattdessen erwartet uns Vogelgezwitscher, Sanddünen, skurrile vom Wind geformte Bäume, Sonnenschein und frische salzige Meeresluft, Urlaubsflair und pure Erholung. Gemütlich schlendern wir ins weitläufige Gebiet und sind gespannt, ob wir heute einen Fuchs sehen werden. Der viele Regen zuvor hat das Gras wachsen lassen. Mitten im Grasdschungel zeichnet sich ein schmaler Trampelpfad ab, dem wir neugierig folgen. Wie eine Schlange windet er sich über eine Kuppe hinweg und führt uns hinab zu einer Wasserstelle. Aus einiger Entfernung erkennen wir zwei Frauen, die mit Fotoapparaten hantieren und unser Interesse wecken. Sollte dort ein Fuchs sein? Mit größter Vorsicht pirschen wir uns näher und hören bald das Surren und Klicken der Kameras. Noch bleibt das Fotomotiv für uns verborgen. In den freudigen Gesichtern der Fotografinnen lesen wir, dass es etwas besonders Schönes sein muss, was sie dort im Visier haben. Als wir nur noch wenige Meter von den Frauen entfernt stehen bleiben und endlich freie Sicht haben, können wir unser Glück nicht fassen. Wir sehen einen Rotfuchs vor einem umgestürzten Baumstamm in der Sonne liegen. Ein junger Fuchsrüde hatte offenbar die frühen Nachmittagsstunden für ein kleines Nickerchen nutzt. Jetzt schaut er verschlafen in unsere Richtung. Ups, er hat uns bemerkt und wir hoffen inständig, dass er nicht sofort die Flucht ergreift. Füchse haben ein ausgezeichnetes Gehör und eine feine Nase. Dass sie Menschen nicht riechen können, erfahren wir in unseren Wäldern nur allzu oft. Dieser Fuchs ist anders, er liegt immer noch an Ort und Stelle und macht keine Anstalten zu flüchten. Auch das Blitzlichtgewitter scheint ihm nichts auszumachen. Wir sind verblüfft darüber, wie sich das Tier verhält und wollen diesen einzigartigen Moment vom Chilling Fox auch mit unseren Kameras festhalten. Hin und wieder blinzelt er, gähnt herzhaft und steht ganz gemächlich auf. Er schaut uns neugierig und ohne Scheu an. Großes Interesse zeigt er an unseren abgelegten Rucksäcken, an denen er zu schnuppern beginnt. Ob er die Brote und kleinen Leckereien riecht? Eine der beiden Niederländerinnen erzählt uns, dass sie fast täglich im Gebiet ist und die Füchse besucht. Als die Frau kurz verschwindet, um die Buschtoilette aufzusuchen, läuft ihr der Fuchs zu unserem Erstaunen hinterher. Kurze Zeit später verabschieden sich die Fotografinnen von uns, der Fuchs ist nicht mehr zu sehen. Wir sind unendlich dankbar, dass wir Zeugen dieser Szenerie wurden und beschließen an diesem für uns magischen Ort eine Pause einzulegen und unsere mitgebrachten Brote sowie das Gemüse zu verzehren. Zu unserer Verblüffung taucht der schöne Fuchsrüde plötzlich wieder auf. Hatte ihn womöglich der Geruch unserer Leckereien zur Umkehr bewegt? Vorsichtig nähert er sich und schnüffelt an der Brotdose. Dabei hebt er immer wieder den Kopf, schaut uns an und verfolgt unsere Reaktion. Wir sind fasziniert diesem Wildtier einmal so nahe zu kommen. So verhält sich also der Schlauberger, wenn er die unnatürliche Scheu vorm Menschen nicht besitzt. Vorsichtig und respektvoll nähert er sich uns noch mehrmals, bevor er eine andere Richtung einschlägt und verschwindet. Wir wünschen uns einen solchen Respekt dem Fuchs gegenüber. An diesem friedvollen Ort darf der Fuchs noch Fuchs sein: Mutig, neugierig, verspielt und nicht so scheu und ängstlich wie in unseren Wäldern, die leider immer noch Spielzimmer der Jäger sind. +++ Lesen oder hören Sie auch: Der Mittagsfuchs – eine weitere Geschichte aus dem Amsterdamse Waterleidingduinen

  • Der Mittagsfuchs – Besuch in der Dünenlandschaft bei Amsterdam

    Hören | Die Dünenlandschaft flimmert in der warmen Mittagssonne. Ein etwas zerzaust wirkender erwachsener Fuchsrüde trottet hechelnd über eine eingezäunte karge Wiese. Vor dem hohen Gitterzaun wartet eine ganze Meute von Naturfotografen, ein Teleobjektiv länger als das andere. Der Fuchs hält genau auf die Gruppe zu. Die Objektive drücken an das Gitter, die Kameras laufen heiß. Völlig ungeachtet der Personen steckt der Fuchs zuerst seinen Kopf durch den Zaun und zieht den restlichen Körper durch die enge Masche, um dann weiter mit sehr gemächlichem Tempo mitten durch die Fotografengruppe hindurchzugehen. Stoisch bummelt er weiter über die sandigen Wiesen, die ihm folgenden Naturpaparazzi scheinen ihn überhaupt nicht zu interessieren. Was ist mit diesem Fuchs los? Tollwut? Räude? Staupe?... Mitnichten! Es ist ein gesunder Fuchs mit natürlichem Verhalten. Ein zerzaust wirkendes Fell ist um die Zeit des Haarwechsels Mitte Mai normal. Auch die Aktivität am Mittag ist nicht ungewöhnlich. Füchse lieben sonniges Wetter, solange es nicht allzu heiß ist. Sie aalen sich gern im Sonnenschein, schließen genießerisch ihre Augen und lassen ihr Fell wärmen. Warum zeigt der Fuchs keine Spur von Angst vor Menschen? Warum macht er sich nicht einmal die Mühe, auch nur einen Meter auszuweichen oder einen kleinen Schritt schneller zu gehen? Er hat Menschen nie als Gefahr kennen gelernt. Wir befinden uns in den Amsterdamse Waterleidingduinen, einem wunderschönen Naturreservat vor den Toren der Großstädte Amsterdam und Haarlem. Hier gibt es keine Fuchsjagd. Die Füchse nehmen Menschen daher nicht als Gefahr wahr, im Gegenteil: Menschen werden entweder neugierig in Augenschein genommen, weil sie manchmal Fressbares fallen lassen, oder einfach ignoriert. Einige Hundert Meter weiter kreuzt eine Fähe unseren Weg und es gelingen uns Portraitfotos von der grazilen Schönheit – sie bleibt uns in Erinnerung als die Füchsin mit dem lieben Blick. Die Welpen bekommen wir nicht zu sehen, da wohl an den Vortagen die Fotografen zu aufdringlich gewesen waren. Wir erfuhren, dass die Füchsin ihren Nachwuchs wohl an einen anderen Ort gebracht hatte. Auch diesen so zutraulichen Füchsen kann es zu viel werden. Wir sind überwältigt, diesen wunderschönen Tieren so nahe zu kommen. Aus unserer Heimatregion im Münsterland in Nordrhein-Westfalen sind wir es gewohnt, Füchse wenn überhaupt, nur nachts mit der Wärmebildkamera oder auf unseren Wildkameras zu sehen. Die extreme Bejagung macht die Füchse scheu, sie verängstigt sie, sie lässt eine Landschaft der Angst entstehen. Nur im Schutz der Nacht trauen sich die Füchse aus ihren Tagesverstecken und vermeiden es sogar, im Mondschein offene Flächen zu überqueren. Es ist nur der enormen Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Intelligenz der Füchse zu verdanken, dass sie unter diesem Druck überhaupt überleben. Ein gutes Leben führen sie jedoch nicht. Füchse sind mitnichten heimliche, scheue Nachtwesen, sondern sie können zu Nachttieren werden, wenn es für ihr Überleben sein muss, wenn die Jagd sie dazu zwingt. In den Amsterdamse Waterleidingduinen, wo die Füchse keine Jäger fürchten müssen, zeigen sie ihr natürliches Verhalten: Neugierige schlaue Wesen, die den Sonnenschein lieben, die den Tag genießen, die unbeschwert spielen und die durchaus Besucher austricksen können, um an ihre Käse- oder Wurstbrötchen zu gelangen – Füchse eben! Die zauberhaften Begegnungen mit ihnen werden wir nie vergessen und wir kämpfen jetzt erst recht dafür, dass die Füchse auch bei uns Füchse sein dürfen. +++ Mehr über Füchse in den Amsterdamer Dünen gibt es hier.

  • Schließung von Schliefenanlagen – Erfolg durch Dokumentation

    Hören | In Nordrhein-Westfalen wurde jüngst eine Schliefenanlage geschlossen und die beiden dort für das Jagdhundetraining benutzten Füchse in eine artgerechte Haltung überführt. Ausschlaggebend für den Erfolg waren die Beobachtung und die Dokumentation von Verhaltensauffälligkeiten der Füchse. Videos und Fotos belegten die Bewegungsstereotypien, die belastbare Nachweise für erhebliches Leiden waren. Insbesondere Videos der im Kreis rennenden und hechelnden Füchse bewegten das zuständige Veterinäramt zum Handeln: Beide Füchse wurden umgehend in eine artgerechte Haltung gebracht. Die Fläche ihres neuen Lebensraums beträgt etwa 600 qm und ist abwechslungsreich strukturiert. Todesangst, Stress und bestenfalls auch körperliche Leiden gehören für sie der Vergangenheit an. Füchse leiden in allen über 100 Schliefenanlagen in Deutschland : Viel zu kleine Zwinger, häufig schlechte Ernährung, in vielen Fällen extreme Verschmutzung, fehlende Beschäftigung, Langeweile und Trainingsstress mit den Hunden führen zu unhaltbaren Verhältnissen. Ihre Hilfe kann zu einer Erfolgsgeschichte beitragen und das Leid der Schliefenfüchse beenden. Bei guter Dokumentation, insbesondere durch Videobeweise, werden Veterinärämter zum Handeln bewegt und müssen eingreifen. Besonders wertvoll sind Videos, die die Bewegungsstereotypien oder andere Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Apathie), sowie Krankheitssymptome (z. B. anhaltender Durchfall, schlechter Fellzustand, Verletzungen) über einen längeren Zeitraum dokumentieren. Möglicherweise befindet sich auch in Ihrer Nähe eine Schliefenanlage. Über 100 sind uns in Deutschland bekannt, aber wir gehen davon aus, dass es eine Dunkelziffer gibt. Gern können Sie sich bei uns melden und Standorte in Ihrer Nähe erfragen und – falls es die Gegebenheiten ermöglichen – die Verhältnisse vor Ort einschließlich der Füchse, ihres Zustandes und ihrer Haltungsbedingungen dokumentieren. Setzen Sie sich mit uns in Verbindung , schreiben Sie gern an ms@wildtierschutz-deutschland.de . Ihre Informationen werden auf Wunsch streng vertraulich behandelt, ihr Name weder in Veröffentlichungen noch in der Korrespondenz mit Behörden und Ämtern genannt. Sie können helfen, Leben zu retten! Vielen Dank für Ihre Mithilfe! +++ Mehr über Schliefenanlagen erfahren Sie hier Petition unterzeichnen Anmeldung zur Volksabstimmung: Fuchsjagd beenden

  • Todesfrühling – aus dem Leben einer Füchsin

    Hören - Ständig balancierte sie auf dem schmalen Grat zwischen Vorsicht und Tod. Wie nah der Tod Seite an Seite mit ihr ging, bekam sie in einer klaren Vollmondnacht im Februar zu spüren. Ihr Partner kürzte über die mondhelle Waldwiese ab, während sie den längeren Weg entlang des Saumes im Schatten der Kiefern wählte. Niemals vergisst sie den Knall des Gewehrs, der sein Leben beendete. Sie ging niemals im winterlichen Mondschein über ein offenes Feld. Ihre ersten Welpen im Vorjahr waren von Jagdhunden aus dem Bau gezerrt und getötet worden. Jetzt hatte sie das zweite Mal in ihrem Leben Welpen geboren und als alleinerziehende Fuchsmutter musste sie ohne die Hilfe des Vaters den Nachwuchs versorgen, mit ihnen spielen und sie bewachen. Schon bei der Geburt der sechs Fuchswelpen war sie erschöpft. Sie musste jetzt genug Nahrung aufnehmen, um ausreichend Milch zu geben und dabei stets den schmalen Grat zwischen Vorsicht und Tod entlangwandern. Niemals ging sie in eine Betonrohrfalle, auch wenn der Köder noch so verlockend roch.  Niemals folgte sie der intensiven Duftspur einer Schleppe aus Aas, mit der Jäger Füchse vor den Hochsitz locken. Niemals folgte sie dem Wehklagen eines Hasen, denn es konnte ein Jäger sein, der den Ruf zum Anlocken der Füchse imitierte. Niemals grub sie etwas aus dem Boden aus, das sie nicht selbst versteckt hatte. Sie war eine erfahrene und sehr vorsichtige Füchsin. Doch wo konnte sie wagen hinzugehen , um genügend Nahrung für sich und ihren Nachwuchs zu bekommen? Die Landschaft der Angst ließ ihr wenig Spielraum. Das Wetter war in diesem Frühling oft schlecht: Windrauschen machte häufig das Lokalisieren der Mäuse schwer und im meistens nassen Gras raschelten diese kaum. Zudem waren Mäuse wirklich Mangelware, so wie es etwa alle drei bis vier Jahre vorkam. Drei der sechs Kleinen verstarben still und leise in der Dunkelheit des Fuchsbaus, noch weit bevor sie ihn hätten verlassen können. Unsere namenlose Heldin gab nicht genug Milch für alle, obwohl sie alles gab, stets am Rand der völligen Erschöpfung, allein ohne ihren Partner, immer dicht an der Kante des schmalen Grates. Die wenigen Mäuse reichten auch für drei Kinder nicht, so musste sie Wagnisse eingehen. Da gab es dieses eine Hühnergehege mit dem kleinen offenen Nachtstall. Sie buddelte sich unter dem Lattenzaun hindurch. Überall Menschengeruch, ungewohnte Geräusche, sie hielt inne, wartete, buddelte weiter. Der Hofhund im Zwinger bemerkte sie und schlug an – schnell weg hier, abwarten bis der Hund ruhig wird und vorsichtig zurückschleichen, die Angst als ständiger Begleiter . Schließlich hatte sie Erfolg und trug das erste Huhn zum Bau. Keine Zeit verlieren, die drei Kleinen hungerten – sofort zurück die ganze Strecke zum Hof. Der Hund schlug direkt an, sein Bellen hallte durch die Stille der Nacht. Schnell unter dem Zaun hindurch, hinein in den Stall, das zweite Huhn gepackt und nichts wie weg. Die anderen Hühner schrien wild, der Hund bellte rasend. Die Fuchsmutter hatte den Hof mit ihrer Beute noch nicht ganz verlassen, da ging schon hinter ihr das Licht an und der Bauer war mit dem Gewehr auf dem Weg zum Hühnerstall. Die zwei Hühner hielten die dezimierte Familie ein paar Tage am Leben, aber es reichte schließlich auch für sie nicht. Selbst erschöpft und abgemagert musste unsere Füchsin im Mai den Tod zweier weiterer ihrer Kinder miterleben. Nur ein Fuchswelpe wurde groß und wuchs zu einem stattlichen Rüden heran. Er verließ im Herbst seine Mutter und das Kindheitsrevier, um seinen eigenen Weg zu gehen, mit der Achtsamkeit, die er gelehrt bekam, auf dem schmalen Grat zwischen Vorsicht und Tod. +++   Mehr aus dem Leben unserer Füchsin erfahren Sie hier Bitte fordern Sie auch die Briefwahlunterlagen zur Volksabstimmung an und stimmen Sie für das Ende der Fuchsjagd

bottom of page