• Stephan Schulz

Trugbild der “Biberplage”: Warum der Biber in einem falschen Licht steht

Der Europäische Biber wurde in Deutschland bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahezu ausgerottet. Heute ist er wieder fester Bestandteil unserer Natur. Es hat sich jedoch auch in der Zwischenzeit nichts daran geändert, dass “Meister Bockert” weiterhin nur im Auftrag der Natur arbeitet. Grundstücksgrenzen kennt er nicht und wird er auch nicht kennen, wenn wir ihm noch so oft den Damm zerstören oder ihn aus der Natur entnehmen. Speziell in Bayern muss endlich ein Umdenken in Landwirtschaft und Politik stattfinden, wenn der Artenschutz mehr sein soll als nur warme Worte.

Bayern ist in Deutschland Spitzenreiter mit ca. 20.000 Bibern. Zu viele, wenn es nach Landwirtschaft und Politik in Bayern geht. Wie so häufig werden zwar langfristige Lösungen gefordert, aber dann doch nur kurzfristige umgesetzt.

Ein aktuelles Paradebeispiel dafür habe ich vor kurzem in der Zeitschrift “Merkur” entdeckt. Im Naturschutzgebiet “Loisach-Kochelsee-Moore” in Oberbayern dürfen ab sofort Biberdämme von den Landwirten eigenständig entfernt werden. Die Biber hätten für Pfützen auf den Wiesen gesorgt, durch welche die Rinder erkrankten. Auch Unterhöhlungen der Biber hätten dazu geführt, dass Rinder eingebrochen sind und teilweise notgeschlachtet werden mussten (hier der Link zum Artikel).

Typisches Bild im Biberrevier. Der Biber ist ein ausgezeichneter Baumfäller. Bild: Stephan Schulz

Die Definition von “Miteinander”

Die Landwirte klatschen Beifall und fühlen sich endlich gehört. Doch sieht so eine langfristige Problemlösung aus? Wohl kaum, wenn die Landwirte nun täglich kontrollieren müssen, ob der Biber nachts tätig war oder nicht. War er das, wird das Gehölz nun mühsam per Hand wieder aus dem Wasser geholt. Laut Franz Sindlhauser, dem Vorstand des örtlichen Wasser- und Bodenverbandes, ist so nun ein Miteinander mit dem Biber möglich.

Das Wort “Miteinander” ist hier allerdings ein sehr dehnbarer Begriff und ich kann über solch ein “Bibermanagement” nur den Kopf schütteln. Hier mal ein paar kurze Gedanken von mir zu den tatsächlichen Folgen dieser Entscheidung.

  • Der Biber wird weiter versuchen einen Damm zu bauen, da er den biologischen Drang dazu hat

  • Folglich wird er weiter Bäume fällen und der Konflikt wird eher noch verschärft

  • Der ökologischen Nutzen des Bibers wird verhindert, denn erst mit dem Damm sorgt er dafür, dass weitere Arten in das Gebiet folgen

  • Selbst wenn der Biber weiterziehen sollte oder irgendwann entnommen wird, ist das Revier kurz danach mit dem nächsten Biber wieder besetzt

  • Er bewohnt nicht nur den Fluss. Wenn ihm etwas Platz daneben gelassen wird, lassen sich die genannten Schäden bereits vermeiden

  • Dem Biber wird mal wieder das Schild der Plage umgehängt, anstatt endlich der Öffentlichkeit seinen Nutzen aufzuzeigen

  • Es stellt sich auch die Frage nach dem Sinn eines Naturschutzgebietes, wenn Landwirtschaft offensichtlich Vorrang vor Artenschutz hat

Kein “Problembiber”, sondern eine Bereicherung für die Artenvielfalt. Bild: Stephan Schulz

Wie es sich für eine gute Recherche gehört, habe ich bei der Unteren Naturschutzbehörde nachgefragt. Bisher habe ich aber noch keine Antwort darauf erhalten, warum offensichtlich keine andere Lösung möglich war. Ich reiche Sie aber gerne nach.

Der Fall lässt jedoch auch ohne die Antwort vermuten, dass – wie so oft – auf Druck der Landwirtschaft eingeknickt wurde, ohne alle verfügbaren Alternativen auszuschöpfen. In Bayern übrigens nichts Neues.

Bayerisches Umweltministerium bekennt sich nicht zum Biber

So setzt sich das Umweltministerium in Bayern schon seit mehreren Jahren für eine Erleichterung zur Tötung von Bibern ein (ca. 1.200 waren es bereits im letzten Jahr). Das Ministerium weist sogar landesweit alle Unteren Naturschutzbehörden an, auf der Landkreisebene per Verordnung biberfreie Gebiete zu schaffen. Dabei hat der Biber ohnehin schon nur ca. 5 % der bayerischen Landesfläche als potentielles Wohngebiet zur Verfügung.

Folge dieser Politik ist natürlich auch das öffentliche Umhängeschild, welches dem Biber verpasst wird. Die deutsche Medienlandschaft tut hierbei ihr bestes, in dem sie mit Begriffen wie “Biberplage” und “Problembiber” um sich wirft. Ich selbst habe schon Biber in einem Nationalpark gefilmt und danach auf dem Weg zurück einem Landwirt auf Nachfrage meine Aufnahmen gezeigt. Sein einziger Gedanke zu meinen Aufnahmen: “Kannst du nicht beim nächsten Mal eine Waffe mitnehmen?” Ich betone nochmal Nationalpark.

Erfahrungen wie diese und der alltägliche Blick in unsere Presselandschaft zeigt mir, dass dem Biber teils unbewusst, aber auch bewusst das Image eines Schädlings angehängt wird.

Biber sind unsere wertvollsten Natur- und Artenschützer

Der öffentliche Fokus auf monetäre Schäden verkennt völlig die Leistungen und Vorteile, welche der Biber für die Natur und für andere gefährdete Arten leistet. Er schafft mit seinen Biotopen den Lebensraum für viele selten gewordene Tiere und Pflanzen. Fischotter, Schwarzstorch, Frösche und Molche, Libellen und zahlreiche Fischarten fühlen sich im Biberrevier wohl. Die Fischdichte in Biberrevieren ist bis zu 80 mal so hoch wie in nicht vom Biber besetzen Gebieten.

Doch nicht nur der Naturwert des Bibers ist unersetzlich. Auch wirtschaftlich bringt er uns Menschen viele Vorteile. Er spart uns aufwendige Renatuierungsmaßnahmen und sorgt zusätzlich für einen natürlichen Hochwasserschutz. Untersuchungen bestätigen, dass der gesamtwirtschaftliche Nutzen des Bibers deutlich größer ist als die einzelnen Schäden bei Land-, Forst- oder Teichwirten.

Genau auf diese Schäden wird der Biber jedoch immer wieder reduziert. Seine positiven Aspekte werden meist unterschlagen oder kommen nur vereinzelt zur Geltung.

Ein Beitrag von Stephan Schulz Naturfilm

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