Runder Tisch zum Jagdgesetz: Tierschutz außen vor

17 Sep 2020

Wenn Julia Klöckner im Referentenentwurf zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) die „Naturverjüngung ohne Schutzmaßnahmen“ in den Vordergrund stellt, um mittels eines Mindestabschusses von Rehen und Hirschen einen „klimaresilienten“ Wald zu schaffen, ist das wohl nicht mehr als eine Mogelpackung.

 

Es werden so viele Rehe geschossen, wie nie zuvor. Das Problem des Wirtschaftswaldes sind nicht die Rehe, es ist der Forst: Die Forstwirtschaft wird immer intensiver betrieben und ist einseitig auf ökonomische Ziele ausgerichtet. Der "klimaresiliente Wald" interessiert die Forstwirtschaft nicht die Bohne, was zählt ist die Rendite, die jetzt auf Kosten der Wildtiere nochmal gesteigert werden soll.

 

 

Wildtierschutz Deutschland vermutet vielmehr, dass Trockenheit, Borkenkäfer und Unwetter der letzten Jahre lediglich ein Vorwand sind. Durchgesetzt werden sollen die einseitigen Interessen der Wirtschaftsverbände, die den Forst vertreten, die der staatlichen Forstverwaltungen und des Ökologischen Jagdverbands (ÖJV), der ebenfalls die Interessen von Waldbewirtschaftern vertritt. Es geht nicht um den klimaresilienten Wald, es geht im Wesentlichen um die Rendite der Waldbauern.

 

Deren Forderung lautet „Wald vor Wild“. Seitens der Vertreter des Forstes verspricht man sich durch den Abschuss von noch mehr Huftieren („Schalenwild“) eine höhere Rendite der Holzwirtschaft. Deutschland ist schon heute der fünftstärkste Holzexporteur der Welt (2018), obwohl es 46 Staaten mit größerem Waldanteil gibt.

 

Verlierer im Spiel um die machtpolitischen Interessen zwischen den Forstleuten und der Jagd scheint derzeit der Deutsche Jagdverband (DJV) zu sein, der sich den Interessen des viel kleineren ÖJV beugen soll und eine Gängelung befürchtet. Nach einer wenig produktiven Anhörung der Verbände im Landwirtschaftsministerium und einem öffentlich gewordenen Eklat um die Machtspielchen zwischen Deutschem Forstwirtschaftsrat (DFWR) und DJV, geht letzterer jetzt in die Offensive und fordert einen Runden Tisch für Forst, Jagd und das Ministerium.

 

Außen vor steht wiederum der Tierschutz, obwohl die bisher geplanten Maßnahmen im Sinne des Tierschutzgesetzes eine erhebliche Verschlechterung für das jagdbare Wild darstellen.  

 

Ein modernes Jagdgesetz hat die Interessen aller Beteiligten zu berücksichtigen, die der Jagd, des Forstes, aber vor allem auch die Interessen der dort lebenden Tiere. Mehrere Tierschutzorganisationen hatten sich vor diesem Hintergrund bereits mit einem eindringlichen Appell in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner gewendet.

 

Aus natur- und tierschutzrechtlicher Sicht – und nicht minder in Verantwortung für die künftigen Generationen – ist es dringend an der Zeit, die tatsächlichen Probleme anzugehen und die ökologisch überholten, traditionellen Strukturen des Jagdrechts an die im Grundgesetz verankerten Grundsätze des Umwelt- und insbesondere auch des Tierschutzes anzupassen. Eine Einbindung von Vertretern des Tierschutzes in die Vorbereitung einer entsprechenden Gesetzesnovellierung ist dazu dringend erforderlich.

 

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