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  • Gabi Joormann

Darf Jagd Spaß machen?

Hören | „Jäger sind Menschen, denen niemand ausreden kann, dass es für einen Rehbock kein größeres Vergnügen gibt als von einer Kugel getroffen zu werden.“ (Brigitte Bardot, Schauspielerin und Tierschützerin)


Darf Jagd Spaß machen? Diese Frage wurde den Jägern Ralf Bonnekessen und Rouven Kreienmeier im „Jagd und Hund“-Podcast vom 24. Januar 2024 gestellt. In den Shownotes heißt es unter anderem, dass Ralf Bonnekessen nicht nur bekannt für seine Jagdfilme und Reportagen ist, sondern auch für seinen Spruch „Fuchs kann immer kommen.“ Rouven Kreienmeier produziert ebenfalls Jagdfilme für „Hunt on Demand“.


Was sagen also die Jäger dazu? Darf Jagd Spaß machen? Beide sehen die Jagd als einen Prozess, wo sich am Ende Erfolg und damit Freude einstellt. Sie sprechen aber auch davon, dass die Jagd ehrlicher werden muss.


Jäger mit minderjähriger Tochter bei der Entenjagd
Früh übt sich ... Jäger mit minderjähriger Tochter | Bild: Eilert Voß

„Es ist ganz ganz wichtig, dass wir dazu stehen, dass wir in den Wald gehen, um zu töten. Wir müssen schon dazu stehen, dass es unser Ziel ist, Beute zu machen. Wenn mein Ziel nicht ist, Beute zu machen, dann gehe ich nicht jagen, sondern dann gehe ich Hochsitze bauen oder Hunde ausbilden oder sonst was. Das primäre Ziel ist Beute machen. Ich finde, wir dürfen die Leute (nicht-jagende Bevölkerung) nicht verarschen. Man muss halt dazu stehen, man muss sagen: Ja, Jagen macht mir Spaß. Das Wild, was da vor mir liegt, hinterlässt bei uns Jägern ein wohliges Gefühl, weil wir an das letzte Jagderlebnis denken.


Aber wenn man es erst einmal erlebt hat, wird man feststellen, dass man nie so bei sich war, wie in diesem Moment. Dieses Gefühl zu erleben, gönne ich eigentlich jedem. Jagd erdet so sehr und man lernt dabei auch über sich viel Neues. Auch wenn man nicht erfolgreich gejagt hat, lernt man das Leben kennen, das Urmenschliche in sich drinnen, den Instinkt. Das ist einfach faszinierend.“ Jagd darf Spaß machen, sagen diese Jäger.


Wie bewertet es die nicht-jagende Bevölkerung und wie sehen es Wissenschaftler? Wir haben einigen Personen diese Frage gestellt. Der österreichische Naturfotograf Leopold Kanzler, bekannt unter anderem durch seine unvergleichlichen Fotos wildlebender Biber und Feldhamster, antwortete wie folgt:

„Natürlich darf das Töten von Tieren keinen Spaß machen. Das Töten aus Spaß ist eine Entgleisung der Menschlichkeit und der Gesetzgeber ist hier gefordert endlich einen Riegel vorzuschieben!“


Prof. Dr. Winkelmayer, Tierarzt, Autor zahlreicher Publikationen, Jagdethiker und ehemaliger Jäger sagt dazu:

„Jagd hat im 21. Jahrhundert ein zeitgemäßes Wildtiermanagement zu sein, das auf gesamtgesellschaftlichen Interessen basiert und nach den Kriterien von Tierschutz und Ökologie erfolgt. Gejagt werden nur diejenigen Tierarten, die zwecks Interessensausgleich in der Kulturlandschaft unbedingt reguliert werden müssen – und zwar in Form einer Ultima Ratio-Jagd. Spaß und Freizeitvergnügen haben bei der Tötung empfindungsfähiger Tiere (wie sie alle unsere jagdbaren Wildtiere darstellen) nichts verloren. Dazu ist der Tod – als größtmöglicher Schaden für ein (empfindungsfähiges) Lebewesen – ein zu ernstes Thema.“


Auch der Biologe, Ornithologe und stellvertretende Vorsitzende von Wildtierschutz Deutschland Dr. Martin Steverding hat dazu ein klares Statement abgegeben:

„Als leidenschaftlicher Naturbeobachter macht es mir viel Freude, Tiere zu beobachten, anzusitzen und zu warten, über Waldwege zu pirschen, heimliche oder versteckt lebende Tiere zu entdecken. Vielleicht ist der Antrieb dazu ein archaischer Jagdinstinkt. Meine „Beute“ ist ein schönes Erlebnis und vielleicht einige gute Fotos.


Höchst bedenklich und krankhaft finde ich es aber, wenn das Töten Spaß macht, wenn es Freude macht, ein Leben zu beenden, das leben will. Für Menschen, die von der Jagd gelebt hatten, gehörte auch das Töten dazu. Wir wissen aber von den noch existierenden indigenen Völkern, dass sie mit dem Tod der erlegten Tiere in einer ganz anderen respektvollen Weise umgehen als unsere „zivilisierten“ Jäger. Mit Spaß hat das Töten bei ihnen nichts zu tun.


Unsere heutige Freizeitjagd ist leider ein Spielfeld für Personen, die gern Macht ausüben, die gerne über Leben und Tod richten, die gerne mit Waffen hantieren oder gerne zu einer Elite gehören möchten. Unsere heutige Freizeitjagd hat leider wenig mit Respekt vor dem Leben und Respekt vor den Vorgängen in der Natur zu tun. Sie ist tierfeindlich, naturfeindlich, wissenschaftsfeindlich und gesellschaftsfeindlich.“



Wir leben in einer Gesellschaft, in der es weder ethisch zulässig, noch moralisch vertretbar ist, das Leben von Tieren für den eigenen Lustgewinn mutwillig zu beenden. Wir wissen zu viel über die Tiere, über ihr Denken und Fühlen, ihr Sozialverhalten, über ihre Emotionen, wie Mitgefühl und Trauer. Es ist beschämend, dass wir es zulassen, dass sie wie Objekte betrachtet und behandelt werden, sind die doch - wie wir - Teil der komplexen Natur und Lebewesen mit erstaunlichen Fähigkeiten, die über eine eigene Weltsicht verfügen. Wir sollten uns an ihren Anblick erfreuen.

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