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Idar-Oberstein: Zerstörung einer Mehlschwalbenkolonie an der BFT-Tankstelle Nahbollenbach

Autorenbild: Lovis Kauertz
Lovis Kauertz
vor 11 Minuten
2 Min. Lesezeit

Über Jahre brüteten Mehlschwalben unter dem Dach einer BFT-Tankstelle im Idar-Obersteiner Stadtteil Nahbollenbach. Nach einem Besitzerwechsel im Frühjahr 2025 wurden ihre Nester im Herbst entfernt, Hohlräume mit Bauschaum verschlossen und die Brutplätze mit Metallspikes versehen. Als die Vögel in diesem Frühjahr aus Afrika zurückkehrten, versuchten sie dennoch, ihre seit über 15 Jahren angestammten Nistplätze anzufliegen. Wildtierschutz Deutschland setzt sich dafür ein, dass die Mehlschwalben dort wieder ungehindert brüten können.


Mehlschwalben sind extrem ortstreu. Selbst die gefährlichen Spikes halten sie nicht davon ab, unter dem Dach der BFT-Tankstelle erneut Nester zu bauen.
Mehlschwalben sind extrem ortstreu. Selbst die gefährlichen Spikes halten sie nicht davon ab, unter dem Dach der BFT-Tankstelle erneut Nester zu bauen.

Die uns vorliegenden Aufzeichnungen dokumentieren, wie engagierte Menschen seit Monaten um den Schutz dieser Kolonie kämpfen. Am 7. April 2026 informierte die NABU-Kreisgruppe die untere Naturschutzbehörde des Kreises Birkenfeld, zeigte die widerrechtliche Entfernung der Nester an und forderte kurzfristige Maßnahmen. Die Behörde verlangte Nachweise für die frühere Besiedlung. Obwohl anschließend Zeugen für die Existenz einer mindestens 40 Brutpaare umfassende Mehlschwalbenkolonie benannt wurden, bewertete die Kreisbehörde Birkenfeld die Existenz der Kolonie Mitte April weiterhin als nicht rechtssicher belegt. Auch weiteren Zeugenaussagen und der Anzeige vom 29. April einer engagierten Tierschützerin folgten keine nennenswerten Maßnahmen.


Dabei sind Schwalbennester gesetzlich geschützt. § 44 Bundesnaturschutzgesetz verbietet grundsätzlich, ihre Fortpflanzungsstätten zu beschädigen oder zu zerstören. Bei regelmäßig wieder genutzten Nestern gilt dieser Schutz auch während der Abwesenheit der Vögel nach der Brutperiode.


Ein Schwalbenturm ersetzt keine funktionierende Kolonie

Da seitens der Behörde wohl kein Handlungswille da war, wurde in Abstimmung zwischen dem Tankstellenbetreiber und der lokalen Naturschutzorganisation ein etwa vier Meter hoher Mast mit einem Schwalbenhaus (sog. Schwalbenturm) aufgestellt. Der blieb in der zurückliegenden Brutsaison unbesiedelt. Mehlschwalben sind Gebäudebrüter. Die Akzeptanz von Schwalbentürmen liegt selbst bei günstigen Bedingungen in Ortskernen bei nur 50 Prozent. Etwa zehn Mehlschwalbenpaare bevorzugten in diesem Sommer ihre bisherigen mit Spikes verbauten Nistplätze unter dem Tankstellendach. Ob und in welchem Umfang sie erfolgreich brüteten, ist nicht geklärt.


Die erneuten Nestbauten bei erschwerter Bedingung unter dem Tankstellendach sind auf die große Ortstreue der Mehlschwalben und die mangelnde Verfügbarkeit geeigneter Ersatznistplätze zurückzuführen.


Inzwischen liegen weitere Hinweise zur Vorgeschichte vor. Eine ehemalige Mitarbeiterin bestätigte das Vorkommen der Schwalben während ihrer neunjährigen Tätigkeit. Unter der früheren Betreiberin seien die Schwalben kein Problem gewesen: Während der Brutzeit wurden die Ausscheidungen durch einen Mitarbeiter einmal täglich weggekehrt.


Bauschaum und Spikes müssen entfernt werden

Am 30. Oktober nehmen wir bei der Unteren Naturschutzbehörde in Birkenfeld Akteneinsicht. Wir wollen klären, welche Hinweise geprüft, welche Zeugen angehört und welche Schutzmaßnahmen ggf. veranlasst wurden.


Unser Ziel ist es, dass die ursprünglichen Neststandorte wieder zugänglich gemacht werden. Bauschaum und Spikes sollen entfernt, die neu gebauten Nester erhalten und bei Bedarf geeignete Nisthilfen direkt am Gebäude ergänzt werden. Bis zur Rückkehr der Mehlschwalben im Frühjahr 2027 bleibt wenig Zeit, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Die Mühlen der Behörden mahlen erfahrungsgemäß langsam. +++


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