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Wie groß ist ein Wolfsrudel? Einblicke in das Familienleben der Wölfe an der Oder

Autorenbild: Lovis Kauertz
Lovis Kauertz
vor 11 Minuten
2 Min. Lesezeit

Vier Welpen beobachtete das Team des Artenschutzbüros Unteres Odertal im Frühjahr 2014 bei einem Wolfspaar auf der polnischen Seite der Oder. Ein Jahr später bekam das Paar erneut Nachwuchs, diesmal waren es acht Welpen. Bei ihrer Aufzucht half eine junge Wölfin, die das Team schon aus dem Vorjahr kannte. Sie war bei ihren Eltern geblieben und kümmerte sich nun um ihre jüngeren Geschwister.


Wolf am Bache am Waldrand
Bild: Markus Lundgren

Solche Einblicke verdanken wir der langjährigen Arbeit von Karsten Arnold und seinem Team. Seit 2014 verfolgen sie in einem rund 200 Quadratkilometer großen Gebiet in Westpommern, wie sich eine Wolfsfamilie über mehrere Generationen entwickelt. Sie lesen Fährten, beobachten die Tiere und werten Aufnahmen von bis zu 40 Wildkameras aus. Ihr Zwischenbericht erzählt, wie sich das Leben im Rudel mit den Jahreszeiten verändert und was aus den Jungwölfen wird, wenn sie selbstständig werden.


Vom Elternpaar zur elfköpfigen Wolfsfamilie

Wie viele Wölfe gehören zu einem Rudel? An der Oder fiel die Antwort je nach Jahreszeit ganz unterschiedlich aus. Während der Paarungszeit beobachtete das Team zeitweise nur die beiden Elterntiere im Revier. Die meisten Wölfe zählte es zwischen Mai und Oktober, wenn neben den Eltern und den heranwachsenden Welpen auch ältere Geschwister im Gebiet lebten. In einem Sommer waren es bis zu elf Tiere gleichzeitig. Über den bisherigen Beobachtungszeitraum gibt Arnold die durchschnittliche Größe dieses Rudels mit etwa sechs Wölfen an.


Auch beim Nachwuchs glich kaum ein Jahr dem anderen. In manchen Jahren entdeckte das Team keine Welpen, in anderen bis zu acht. Im Mittel waren es etwa vier pro Jahr. Wie unterschiedlich die Wege der Geschwister verlaufen können, gehört zu den besonders interessanten Beobachtungen. Während die junge Wölfin aus dem ersten Wurf noch im Folgejahr bei der Familie blieb, verließen andere Jungwölfe das elterliche Revier bereits in ihrem ersten Lebensjahr. Einzelnen Tieren konnte das Team sogar bis in ihre neuen Reviere folgen.


Was eine Wolfsfamilie zum Wolfsmonitoring beiträgt

Das bundesweite Wolfsmonitoring erfasst unter anderem, wo Wölfe als Paar leben und wo sie eine Familie gegründet haben. Die Feldarbeit an der Oder ergänzt dieses Bild. Ein Revier kann über Jahre besetzt sein, während sich die Familie darin immer wieder verändert. Im Frühjahr kommen Welpen zur Welt, ältere Geschwister helfen bei der Aufzucht und manche Jungwölfe sind schon auf Wanderschaft, wenn ihre Geschwister noch bei den Eltern leben. Wer die Zahl der nachgewiesenen Rudel einordnen möchte, findet im Bericht ein anschauliches Beispiel dafür, wie viel sich im Laufe eines Jahres in einem einzigen Revier tut.


Bis 2030 will das Artenschutzbüro die Beobachtungen fortsetzen. Für uns bei Wildtierschutz Deutschland liegt der besondere Wert dieser Arbeit darin, dass sie einzelne Lebenswege sichtbar macht. Die Wölfin, die das Team 2014 als Welpen kennenlernte, war im folgenden Frühjahr die große Schwester, die bei der Aufzucht von acht Welpen half. Solche Zusammenhänge erkennen wir erst, wenn Menschen über Jahre hinweg genau hinschauen.

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Quelle: Karsten Arnold, Artenschutzbüro Unteres Odertal, „Der Wolf in der europäischen Kulturlandschaft“. Zwischenbericht einer langfristigen Feldstudie im Unteren Odertal und in Westpommern.


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