Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen
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- Novellierung Bundesjagdgesetz: Auch der Schießübungsnachweis ist unzureichend
Julia Klöckner plant die minimalinvasive Novellierung des Bundesjagdgesetzes. Mehr oder weniger laute Kritik hagelt es von allen Seiten. Die von Natur- und Tierschutzorganisationen – so hat man schon anlässlich der Einladungsliste zu einer Anhörung im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft den Eindruck – wird gar nicht erst gehört, weil diese neben der erstickenden Übermacht von Vertretern der Waldeigentümer, der Baumschulen (!) und Forstleute, der Waffenlobby, der Jagdverbände, -genossenschaften, -aufseher und -rechtsexperten, den Falknern und Bogenjägern und last but not least den Bauern, einfach zu leise sind. Wer seine Schießfertigkeit nicht nachweisen kann, sollte nicht auf Tiere schießen. Bild: Eilert Voß Ein Kritikpunkt unter vielen ist die mangelnde Schießfertigkeit von Jägern. In der Vergangenheit hatten u.a. diverse durch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) bekanntgemachte Studien belegt, dass gerade bei Drückjagden viele Tiere lediglich angeschossen werden und nicht selten unbemerkt und qualvoll im Dickicht sterben. Um diesen Umstand zu begegnen, fordert der Referentenentwurf zum neuen Bundesjagdgesetz einen jeweils aktuellen Schießübungsnachweis für die Teilnahme an Gesellschaftsjagden. Der Haken ist halt, dass ein Übungsnachweis nichts über die Schießfertigkeit des Schützen aussagt. Man erhält ihn nach der Teilnahme an einem Übungsschießen mit Büchsen- und Schrotmunition – egal ob man den stehenden oder laufenden Keiler nun getroffen hat oder nicht. Es mag sein, dass schon allein durch die Übung die Schießfertigkeit der Teilnehmer zunimmt. Es ist aber auch so, dass mit dem Schießübungsnachweis nach wie vor schlechte Schützen auf lebende Tiere – die bei Drück- oder Erntejagden meist in der Bewegung sind – schießen werden. Dem Deutschen Jagdverband ist damit gedient, nicht aber dem Tierschutz im Rahmen der Jagd. In seiner Stellungnahme geht der Jagdverband sogar soweit, dass er vom Gesetzgeber eine Regelung fordert, von welcher die Bundesländer nicht abweichen können. Insbesondere lehnt der Verband einen Leistungsnachweis, wie er im Saarland gefordert wird, ab, weil der „den Anforderungen der jagdlichen Praxis“ widerspreche. Für einen Schießleistungsnachweis sprachen sich in schriftlichen Stellungnahmen auch Nabu, BUND, der Deutsche Tierschutzbund und der Deutsche Naturschutzring aus – zum Teil auch als Voraussetzung für die Verlängerung des Jagdscheins. +++ Mehr zum Thema: Klöckner auf dem Holzweg – mehr Jagd ist nicht die Lösung für den Waldumbau Mindestabschuss rechtswidrig Wald vor Wild: Jagdgesetz nicht verfassungskonform
- Runder Tisch zum Jagdgesetz: Tierschutz außen vor
Wenn Julia Klöckner im Referentenentwurf zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) die „Naturverjüngung ohne Schutzmaßnahmen“ in den Vordergrund stellt, um mittels eines Mindestabschusses von Rehen und Hirschen einen „klimaresilienten“ Wald zu schaffen, ist das wohl nicht mehr als eine Mogelpackung. Es werden so viele Rehe geschossen, wie nie zuvor. Das Problem des Wirtschaftswaldes sind nicht die Rehe, es ist der Forst: Die Forstwirtschaft wird immer intensiver betrieben und ist einseitig auf ökonomische Ziele ausgerichtet. Der "klimaresiliente Wald" interessiert die Forstwirtschaft nicht die Bohne, was zählt ist die Rendite, die jetzt auf Kosten der Wildtiere nochmal gesteigert werden soll. Wildtierschutz Deutschland vermutet vielmehr, dass Trockenheit, Borkenkäfer und Unwetter der letzten Jahre lediglich ein Vorwand sind. Durchgesetzt werden sollen die einseitigen Interessen der Wirtschaftsverbände, die den Forst vertreten, die der staatlichen Forstverwaltungen und des Ökologischen Jagdverbands (ÖJV), der ebenfalls die Interessen von Waldbewirtschaftern vertritt. Es geht nicht um den klimaresilienten Wald, es geht im Wesentlichen um die Rendite der Waldbauern. Deren Forderung lautet „Wald vor Wild“. Seitens der Vertreter des Forstes verspricht man sich durch den Abschuss von noch mehr Huftieren („Schalenwild“) eine höhere Rendite der Holzwirtschaft. Deutschland ist schon heute der fünftstärkste Holzexporteur der Welt (2018), obwohl es 46 Staaten mit größerem Waldanteil gibt. Verlierer im Spiel um die machtpolitischen Interessen zwischen den Forstleuten und der Jagd scheint derzeit der Deutsche Jagdverband (DJV) zu sein, der sich den Interessen des viel kleineren ÖJV beugen soll und eine Gängelung befürchtet. Nach einer wenig produktiven Anhörung der Verbände im Landwirtschaftsministerium und einem öffentlich gewordenen Eklat um die Machtspielchen zwischen Deutschem Forstwirtschaftsrat (DFWR) und DJV, geht letzterer jetzt in die Offensive und fordert einen Runden Tisch für Forst, Jagd und das Ministerium. Außen vor steht wiederum der Tierschutz, obwohl die bisher geplanten Maßnahmen im Sinne des Tierschutzgesetzes eine erhebliche Verschlechterung für das jagdbare Wild darstellen. Ein modernes Jagdgesetz hat die Interessen aller Beteiligten zu berücksichtigen, die der Jagd, des Forstes, aber vor allem auch die Interessen der dort lebenden Tiere. Mehrere Tierschutzorganisationen hatten sich vor diesem Hintergrund bereits mit einem eindringlichen Appell in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner gewendet. Aus natur- und tierschutzrechtlicher Sicht – und nicht minder in Verantwortung für die künftigen Generationen – ist es dringend an der Zeit, die tatsächlichen Probleme anzugehen und die ökologisch überholten, traditionellen Strukturen des Jagdrechts an die im Grundgesetz verankerten Grundsätze des Umwelt- und insbesondere auch des Tierschutzes anzupassen. Eine Einbindung von Vertretern des Tierschutzes in die Vorbereitung einer entsprechenden Gesetzesnovellierung ist dazu dringend erforderlich. +++ Offener Brief von Tier- und Naturschutzorganisationen an Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner Offener Brief Pfannenstiel an den Deutschen Jagdverband
- Nachtzieltechnik: Deutscher Jagdverband will die totale Jagd
Dem Deutschen Jagdverband (DJV) reicht es nicht, dass Deutschland schon heute die längsten Jagdzeiten in Europa hat. Er will mehr: Die totale Jagd - rund um die Uhr. Die soll mit der Legalisierung von Nachtzieltechnik mit Infrarotaufheller möglich werden. In seiner Stellungnahme zur aktuellen Novellierung des Bundesjagdgesetzes äußert sich der DJV so, dass der Einsatz von Nachtzieltechnik nicht nur für Wildschweine, sondern gleich auch für die Bejagung invasiver Arten möglich sein sollte. Der Einsatz von Nachtzieltechnik wird die Wildtiere noch mehr stressen, als die ohnehin schon intensive Jagd das tut, mehr Wildschweine werden deshalb aber wohl nicht getötet. Bild: Detlef Hinrichs Schon heute ist der Wald die Schießbude der Nation. Durch 380.000 Jagdscheinbesitzer sterben durchschnittlich 16.000 Tiere – jeden Tag. Etwa sechs Millionen pro Jahr. Bis anderthalb Stunden vor und nach Sonnenuntergang darf regulär alles gejagt werden, was Jagdzeit hat. Wildschweine werden schon heute rund um die Uhr gejagt, selbst unter Zuhilfenahme externer Lichtquellen. Füchse, Dachse, Waschbären werden seit eh und je wie Freiwild zu jeder Tages- und Nachtzeit erschossen. Unter Jägern ist die Nachzieltechnik bereits weit verbreitet (Quelle: DJV-Stellungnahme BJagdG vom 13.7.2020), die Verwendung, abgesehen von Ausnahmen, aber illegal - es ist ein Schelm, der Böses dabei denkt. Die mit der Langwaffe kombinierte Nachtzieltechnik soll nun gemäß des Referentenentwurfs der Klöckner-Administration und dem Plazet des DJV zunächst für Wildschweine legalisiert werden, obwohl die Effizienz in Bezug auf die Wildschweinbejagung von vielen Seiten angezweifelt wird. Dazu Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland: „Den Tieren wird mit dem Wald der letzte Rückzugsort genommen. Durch den Einsatz der Nachtzieltechnik, die in der Praxis nicht auf den dann legalen Einsatz beschränkt sein wird, wird die Nacht zum Tage gemacht. Selbst wenn die Effizienz dieser Technik in Bezug auf die Jagdstrecke nicht gegeben ist, so führt sie doch zu einer weiteren Beunruhigung der Wildtiere. Letztlich wird damit auch mehr Verbiss von jungen Pflanzen provoziert. Genau das, was Klöckner durch die Intensivierung der Jagd eigentlich vermeiden möchte.“ Von der Weidgerechtigkeit haben sich die Jagdverbände nicht erst mit der Forderung der Ausschöpfung aller technischen Möglichkeiten bei der Jagd verabschiedet, spätestens mit der Vergasung von Füchsen und Dachsen ab den 1960er Jahren kann man davon nicht mehr sprechen. Noch heute gilt es als weidgerecht, die bereits werdenden Fuchsväter oder hochtragende Füchsinnen zu töten oder ganze Fuchsfamilien am Ort der Aufzucht ihrer Jungtiere auszulöschen. Tierischen Neubürgern wie Waschbär oder Marderhund gönnt der Deutsche Jagdverband nicht einmal eine angemessene Schonzeit zur Aufzucht ihrer Welpen, in Bayern dürfen Elterntiere gar während der Aufzucht ihrer Jungtiere erschossen werden. +++ Lesen Sie auch: Kritik am Bundesjagdgesetz - Offener Brief an Julia Klöckner
- Mehr Jagd - mehr Afrikanische Schweinepest
Wie das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) in der Dezemberausgabe seines Bulletins berichtet, sind die Funde von mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infizierten Wildschweinen in den letzten drei Monaten in Brandenburg und in Sachsen stark angestiegen. Allein im Dezember wurden 210 infizierte Tiere gemeldet. Mit dem Tod einer Jungtiere führenden Wildsau wird die Frischlingsrotte zersprengt. Bevor die Tiere verhungern oder erfrieren steigt zunächst einmal das Risiko der Verbreitung der ASP in den betroffenen Gebieten. Bild: Timo Litters Das FLI führt diese Entwicklung u.a. auf die intensive Jagdaktivität in den genannten Bundesländern zurück. Die derzeit in Brandenburg und in Sachsen trotz Corona stattfindenden Drückjagden – insbesondere durch die staatlichen Forstbetriebe – erachten wir für ein erhebliches Risiko für eine mögliche Verbreitung der ASP. Die erhebliche Unruhe, die breit angelegte Drückjagden bei den Wildtieren verursachen, sorgt dafür, dass ganze Rotten sich auf Wanderschaft begeben und somit das ASP-Risiko in neue Gebiete tragen. Besonders kritisch ist die Tatsache, dass gerade bei den winterlichen Drückjagden, bei denen unerfahrene Jäger aus der gesamten Republik und dem angrenzenden Ausland teilnehmen, Jungtiere führende Bachen oft nicht als solche erkannt werden. Wird durch den Abschuss eines Muttertieres eine Frischlingsrotte zersprengt, steigt das Risiko der Verbreitung der ASP noch einmal, weil gerade Jungtiere aufgrund geringerer Abwehrkräfte ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Dazu sollte man wissen, dass Wildsauen aufgrund einer guten Nahrungsverfügbarkeit einerseits und andererseits wegen der Zerstörung reproduktionsmindernder Sozialstrukturen durch die Jagd ganzjährig Junge bekommen. Die Jagd auf Wildschweine hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht als zielführend hinsichtlich der Reduzierung der Zahl der Wildschweine erwiesen. Trotz der intensiven, nicht mehr tierschutzkonformen Jagd auf die Schwarzkittel, nimmt ihr Bestand kontinuierlich zu. Im Jagdjahr 2019/20 zählte die Jagdstrecke 881.886 Wildschweine – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor! Wildtierschutz Deutschland wirft dem Landwirtschaftsministerium in dieser Sache Versagen vor und empfiehlt der Ministerin einen Maßnahmenplan (unser Schreiben vom 22. Dezember 2020 an Bundesministerin Klöckner).
- Mittelalterliche Jagdpraktiken
Sonderrecht Haustierabschuss: Eine Hauskatze, gefangen in einer Lebendfalle, wird brutal und stümperhaft mit einer Kurzwaffe hingerichtet. Zwei Schüsse in den Kopf, das Tier windet sich vor Schmerzen, ein weiterer folgt ins Gesicht. Insgesamt schießt eine Jägerin in Bayern dreimal auf das verängstigte und sich vor Schmerzen krümmende Tier in der Falle. Der Bayerische Jagdverband versucht die Wogen zu glätten mit zweifelhaften Erklärungen, dass für die Jäger ein ungeschriebenes Gebot gelte, kein Tier zu erlegen, das einen Namen tragen könnte. Doch die Realität spricht eine andere Sprache. Schätzungsweise werden Jahr für Jahr in deutschen Wäldern weit mehr als 100.000 Katzen, manche Organisationen gehen von bis zu 300.000 aus, und einige Tausend Hunde erschossen. Besonders Katzen sind ein Hassobjekt vieler Jäger und dürfen je nach Bundesland bei einer Entfernung zwischen 200 bis 300 Meter vom letzten Haus erschossen werden. Dabei ist es in vielen Bundesländern völlig egal, ob diese Vögel fangen, einer Maus hinterherjagen oder einfach nur in der Sonne liegen und dösen. Die Gefahr, dabei „versehentlich“ eine geschützte Wildkatze totzuschießen, ist rund um die bekannten Lebensräume dieser Tiere groß. Eine Wildkatze ist nur schwer von einer wildfarbenen Hauskatze zu unterscheiden. Katzen galten in Jägerkreisen schon immer als Beutekonkurrenten und man tötete diese bereits vor 150 Jahren mit einem Vergnügen gleichermaßen wie heute. Eine Gesetzesänderung muss dringend her. Denn nur in wenigen Bundesländern gibt es Einschränkungen hinsichtlich des Abschusses von Hunden und Katzen. +++ Brutale Fallenjagd: Die Fallenjagd, auch Fangjagd genannt, ist an Grausamkeit, Boshaftigkeit und Tierquälerei nur noch von der Baujagd zu überbieten. Jedes Jahr werden in deutschen Jagdrevieren Tausende von Beutegreifern wie der Fuchs, Marder aber auch der Waschbär und selbst der Dachs gefangen und brutal hingerichtet. Schlagfallen oder auch Totschlagfallen sollen sofort töten, doch oftmals geraten die Tiere „NUR“ mit einer Pfote oder Bein in solche mittelalterliche Fangeisen. Die Tiere harren meist viele Stunden in solchen Fallen aus, ehe sie der Fallensteller mit einem Schuss aus einer Kurzwaffe hinrichtet. Viele Tiere versuchen sich selbst aus der Falle zu befreien, besonders wenn Junge auf die Rückkehr des Elterntieres warten. Dabei reißen sich die Tiere nicht selten ganze Gliedmaßen ab und verbluten elendig. Bei Lebendfallen wird das Tier lebend und unverletzt gefangen. Nachdem der Jäger, heute meist mittels eines Fallenmelders, über den Fang informiert wurde, schiebt der Jäger das gefangene und total verängstigte Tier mit einem Schieber in einen sogenannten Abfangkorb aus Draht. In diesem Drahtgitterkorb wird das Tier per Kopfschuss oder durch einen Schuss ins Gesicht hingerichtet. Die getöteten Tiere werden vergraben oder auf Luderplätzen ausgelegt um weitere Tiere vor die Flinte oder Büchse zu locken. Die gefangenen Tiere sind häufig einem enormen Stress in der Falle ausgeliefert. Viele Tiere erstarren förmlich vor Panik. Jäger behaupten dann immer gerne, dass die Tiere vollkommen gelassen in der Falle ausharren. Es gibt Tiere wie z.B. das Wiesel, welches in der Falle stressbedingt stirbt, einfach nur weil es eingesperrt ist. Die Fangjagd wird gerne in einen Atemzug mit dem Artenschutz genannt, um das Niederwild zu schützen wie den Feldhasen, Fasan oder auch das Rebhuhn. Dabei geht es dem Jäger wohl eher darum unliebsame Beutekonkurrenz auszuschalten. Im Herbst blasen die feinen Herren Jäger zu Treibjagden auf das Niederwild. Voller Vergnügen werden Feldhasen und Fasane abgeschossen und auch auf das stark gefährdete Rebhuhn wird Jagd gemacht. Artenschutz Fehlanzeige. Denn auch geschützte Arten unterliegen dem Jagdrecht und haben Jagdzeiten. Es geht häufig einfach nur um das Vergnügen, Tiere zu töten. Der Landesjagdverband (LJV) Hessen forderte jüngst finanzielle Unterstützung zur Fangjagd. Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, kurz HMUKLV, hatte darauf hin untersagt, die Fallenjagd aus Naturschutzmitteln zu finanzieren. Vertreter des LJV und des NABU kritisierten diese Entscheidung. Wiebke Knell, FDP Landtagsabgeordnete und Jagdscheininhaberin, sagte ihre Unterstützung zu. Tiermord finanziert aus öffentlichen Geldern. Es gibt keinen wissenschaftlich haltbaren Nachweis, dass die Fallenjagd nachhaltig zum Artenschutz beiträgt. Fakt ist, dass Fallenjagd und Haustierabschuss mittelalterliche Jagdpraktiken sind und abgeschafft werden müssen. Deutschlandweit. Dafür setzen wir uns ein. +++ Weitere Informationen: Fallensteller sind auch während der Setzzeit noch zugange
- Afrikanische Schweinepest (ASP) - Fakten statt Panik
Stellungnahme von Prof. Dr. forest. habil. Dr. med. Sven Herzog, Institut für Waldbau und Waldschutz an der TU Dresden, anlässlich einer Sachverständigenanhörung im Sächsischen Landtag: Bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) handelt es sich um eine ursprünglich in Afrika heimische Viruserkrankung der Warzen- und Buschschweine. Sie wurde im frühen 20. Jahrhundert erstmals in Ostafrika beschrieben. Ein wichtiger Übertragungsweg verläuft dort über Zecken. In Europa sind Haus- und Wildschweine von der Krankheit betroffen, Menschen erkranken nicht. In Mitteleuropa seit langem heimisch und in vielerlei Hinsicht vergleichbar ist die europäische oder "klassische" Schweinepest. Wir wissen, dass Haus- und Wildschweine erkranken und dies auch oft mit tödlichem Ausgang für den einen oder anderen lokalen Bestand. Wir wissen aber auch, dass die Wildschweinpopulation als solche durch die klassische Schweinepest nicht gefährdet ist und dass die wirklichen Probleme mit dieser Krankheit in der Massentierhaltung liegen. So viele Tiere auf engstem Raum wie in modernen Schweinemastanlagen gibt es in keinem Wildschweinbestand. Solche Massentierhaltungen bilden für Tierseuchen immer einen idealen Nährboden. Tritt in einem Betrieb oder dessen Umfeld durch leichtfertiges Einschleppen des Erregers ein Krankheitsfall auf, besteht die einzige Möglichkeit der Bekämpfung in der Tötung des gesamten Bestandes. Neben dem riesigen ökonomischen Schaden für den Landwirt bzw. dessen Versicherung ist das vor allem ein Tierschutzproblem. Der schwere Verlauf der Krankheit scheint ein begrenzender Faktor bei der Ausbreitung zu sein. Bild: Timo Litters Gegen die klassische Schweinepest ist eine Impfung möglich. Aus politischen Motiven heraus erfolgt diese in der EU allerdings leider nicht mehr routinemäßig, so dass Massentötungen von Hausschweinen immer wieder erforderlich werden. Die Übertragungswege der afrikanischen Schweinepest dürften nun in Europa grundsätzlich dieselben sein wie bei der klassischen Schweinepest. Die Krankheit gilt allerdings als kontagiöser, also leichter ansteckend als die klassische Schweinepest und vor allem weist sie einen schwereren Krankheitsverlauf und eine höhere Sterblichkeit auf. In Europa ist die afrikanische Schweinepest immer wieder sporadisch aufgetreten, bereits in den 1970er Jahren gab es Fälle in Frankreich, in den 1980ern in den Niederlanden und Belgien und in den 1990er Jahren in Spanien und Portugal. Durch umfangreiche Gegenmaßnahmen konnte ein Seuchenzug regelmäßig verhindert werden. Aktuell stellt sich die Situation offenbar kritischer dar. In den letzten Jahren breitet sich die Krankheit aus Osten kommend zusehends in westlicher Richtung aus, aktuelle Nachweise fanden sich in an Sachsen angrenzenden Staaten. Eine Besonderheit der afrikanischen Schweinepest ist die hohe Ansteckungsrate bei Kontakt mit dem Virus. Der schwere Verlauf wiederum scheint ein begrenzender Faktor bei der Ausbreitung zu sein. Anders als etwa bei der Tollwut sind infizierte Individuen kaum mehr in der Lage, größere Distanzen zurückzulegen. Somit ist genau dieses Phänomen der wichtigste Schutz vor der schnellen Ausbreitung der Seuche nach Mitteleuropa. Ein Problem birgt die Tatsache, dass derzeit kein wirksamer Impfstoff zur Verfügung steht, wobei die Option „Impfung“ in Deutschland auch bei der klassischen Schweinepest offenbar aus schwer nachvollziehbaren politischen Gründen leider gar nicht oder sehr zurückhaltend genutzt wird. Aktuell schlagen die Meldungen wieder hohe Wellen, nachdem beispielsweise im Juni dieses Jahres im Osten der Tschechischen Republik ASP bei Wildschweinen gefunden wurden. Hinsichtlich des Umgangs mit dem Schwarzwild werden in Laien- aber auch Fachkreisen nun wieder allerlei Szenarien diskutiert, von Nachtzielgeräten oder Taschenlampen über die Aushebelung elementarer Anforderungen des Tierwohls bis hin zu völlig weltfremden Ideen umfangreicher „wildschweinfreier Korridore“. Hilfreich sind diese kaum, stattdessen wird dadurch eher Panik geschürt. So beginnen in Sachsen und Brandenburg erste Wildhändler damit, den Aufkauf von Schwarzwild auszusetzen. Somit hat eine fachlich wenig qualifiziert geführte Diskussion genau das Gegenteil erreicht: die Jagd auf das Schwarzwild könnte schnell ganz zum Erliegen kommen. Afrikanische Schweinepest - Politik und Medien schüren Panik. Bild: Michael Hamann Die gesamte Diskussion ähnelt in ihren Stereotypien derjenigen um die klassische Schweinepest: Das Schwarzwild findet sich in der Rolle als Erregerreservoir und als Vektor, somit als der Bösewicht. Der Jäger soll das nun durch erhöhten Abschuss richten. Richtig ist sicher, dass das Risiko des Eintrages der ASP nach Deutschland derzeit hoch ist. Richtig ist aber auch, dass dieser Eintrag aller Wahrscheinlichkeit nach nicht durch Wildschweine, sondern durch kontaminierte Fleischprodukte, also durch Menschen, erfolgen wird. Autobahnparkplätze sind hier die prädestinierten Eintrittspforten. Die Schwarzwilddichte in Deutschland hat somit keinen Einfluss auf das Risiko der Einschleppung der Krankheit, sondern auf das Risiko der Weiterverbreitung. Beides sollten wir in der Diskussion nicht durcheinanderbringen. Die eigentliche Verantwortung im Falle eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest tragen aber, wie bei der klassischen Schweinepest auch, nicht die individuellen Landwirte, auch nicht Jagd oder Jäger, sondern vor allem die Politik. In diesem Zusammenhang wäre es sicher wichtig, sich einmal nachdrücklich den Themen „Massentierhaltung“ und „Tiertransporte“ zu widmen. Gerade Umwelt- und Tierschutzverbände sind gefragt, bei diesen Themen aktiv zu werden. Wie erwähnt, ist es vor allem die Verfrachtung infizierter Fleischprodukte oder -abfälle, in denen das Virus nach Verarbeitung noch über Wochen infektiös sein kann, die wohl das größte Risiko für eine Ausbreitung der Seuche nach Mitteleuropa birgt. Somit dürfte derzeit die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme eine schwarzwilddichte Abzäunung der Autobahnparkplätze sein. In vielen Fällen würde hier bereits eine Ergänzung der vorhandenen Wildschutzzäune reichen, möglichst in Kombination mit einer regelmäßigen (abendlichen!) Leerung der Abfallbehälter und intensiver Beräumung der Parkplätze von Speiseabfällen. Genauso wichtig ist das Thema Stallhygiene in der Landwirtschaft. Das Betreten von Ställen mit möglicherweise kontaminiertem Schuhwerk ist als wichtige potentielle Infektionsquelle konsequent zu vermeiden. Damit sind wir bei der Frage, was der Jäger tun kann und ob es dazu Änderungen des Jagdgesetzes braucht. Die gerade für Sachsen diskutierten Schalldämpfer für Jagdwaffen sind eine Entlastung für das Gehör des Jägers. Hinsichtlich der Bekämpfung der ASP ist hierdurch sicher kein Effekt zu erwarten. Frischlings- oder gar Schwarzwildfänge sind eine Möglichkeit, um in einer Akutsituation in der Zone um einen aktuellen Ausbruchsort den Schwarzwildbestand schnell zu reduzieren. Letzteres sollte allerdings eher durch erfahrene Tierärzte, ggf. unterstützt durch Jäger, erfolgen. Aus Gründen des Tierwohls sind Schwarzwildfänge sehr kritisch zu beurteilen. Gerade erwachsene Wildschweine geraten bei Beginn einer Tötungsaktion sehr schnell in Panik! Auch der immer wieder gehörte Vorschlag, nun verstärkt großflächige Drückjagden auf Schwarzwild zu veranstalten, wird durch Wiederholung nicht besser. Gerade wenn ein akutes Risiko besteht, dass die ASP in einen Bestand eingetragen wird, sollte die Bejagung eher ohne großflächige Beunruhigung und Mobilisierung der Wildschweine erfolgen. Und gerade in dieser Situation ist es wichtig, vermehrt Frischlinge zu erlegen, die für die Erkrankung oft anfälliger sind. Die de-facto Aushebelung des Muttertierschutzes, wie es aktuell per Erlass in Baden-Württemberg geschieht, erscheint aus Tierschutzsicht indiskutabel und wäre vermutlich der beste Weg, um in Deutschland die Jagd öffentlich völlig zu diskreditieren. Die Afrikanische Schweinepest stellt primär kein Problem des Schwarzwildes dar, sie ist ein Problem der Agrarindustrie und der damit einhergehenden Massentierhaltung sowie europaweiter Tiertransporte. Bild: Heiko Anders Die wirklich wichtigen Dinge sind einfacher und vor allem sofort umsetzbar: Jedes aus unklarer Ursache verendete Stück Schwarzwild muss einer veterinärpathologischen Untersuchung zugeführt werden. Krank und abgekommen wirkende Tiere oder solche mit auffälligem Verhalten sind zu erlegen und unter Wahrung entsprechender Hygienevorkehrungen ebenfalls der Untersuchung zuzuführen. Im jagdlichen Betrieb erlegte Wildschweine und Unfallwild sollten stichprobenhaft untersucht werden. Die Kosten für solche Untersuchungen sollten selbstverständlich durch das Land übernommen, die Logistik der Probennahme und des Transportes durch die Veterinärämter unterstützt werden. Eine intensive Schwarzwildbejagung zur Absenkung des Bestandes ist immer eine gute Seuchenprophylaxe. Allerdings sollten wir uns bei hohen Schwarzwildbeständen, wie wir sie, gefördert durch einen großflächigen Anbau von Raps und Mais, gerade in Sachsen zunehmend antreffen, keine Illusionen über die Bedeutung jagdlicher Eingriffe für die Gesamtpopulation machen. Hier liegt das Problem nahezu ausschließlich bei der Landwirtschaft. Vor Auftreten der Schweinepest gilt es natürlich trotzdem, die Jagd intensiv zu betreiben. Auch und gerade in dieser Situation gelten allerdings die Regeln jagdlicher Nachhaltigkeit und einer guten fachlichen Praxis. Dazu gehört es etwa, vor allem in die Klasse der Frischlinge und Überläufer einzugreifen. Besonders bei den Frischlingen ist das Ansteckungspotential sehr hoch. Wichtig, und auch diese Tatsache wird in den gängigen Empfehlungen meist übersehen, ist die Schonung der Leitbachen: nach Abschuss der Leitbachen führungslos umherstreifende Frischlingsverbände sind nicht nur ein Tierschutz- und ein Wildschadensproblem, sondern bilden auch im Rahmen des Seuchengeschehens ein besonders hohes Risiko. Auch die immer wieder empfohlenen revierübergreifenden Drück-Stöberjagden sind in Zusammenhang mit der Verbreitung der Schweinepest kritisch zu sehen, da sie immer das Potential bergen, das ansonsten recht ortstreue Schwarzwild zu Bewegungen auch über größere Distanzen zu veranlassen. Um die richtigen Jagdanreize zu schaffen, wären Instrumente wie die kostenfreie Trichinenschau oder Prämien für die Erlegung von Frischlingen (!) möglicherweise hilfreich. Schließlich stellt sich die Frage, ob die afrikanische Schweinepest auch eine Bedrohung unserer Schwarzwildbestände selbst darstellt. Wird das Schwarzwild in Teilen Mitteleuropas wieder verschwinden? Wir können diese Frage nicht mit absoluter Sicherheit beantworten. Jedoch sprechen alle bisherigen Erfahrungen mit Tierseuchen dafür, dass dieses Risiko wohl gering ist. Die Schwarzwildpopulation Mitteleuropas wird durch das Auftreten der afrikanischen Schweinepest voraussichtlich lokal und vielleicht auch regional deutlich dezimiert werden. Es ist aber auch zu erwarten, dass durch Immunisierung und natürliche Selektionsprozesse die Schwarzwildbestände sich mittel- und langfristig an die neue Situation anpassen. Schonung der Leitbachen: nach Abschuss der Leitbachen führungslos umherstreifende Frischlingsverbände sind nicht nur ein Tierschutz- und ein Wildschadensproblem, sondern bilden auch im Rahmen des Seuchengeschehens ein besonders hohes Risiko. Bild: Detlef Hinrichs Wir können also festhalten: Die Afrikanische Schweinepest stellt primär kein Problem des Schwarzwildes oder der Jäger dar, zu dem es Medien und Interessenverbände gerne machen. Sie ist ein Problem der Agrarindustrie und der damit einhergehenden Massentierhaltung sowie europaweiter Tiertransporte. Änderungen des Jagdgesetzes bedarf es aus den oben dargelegten Gründen nicht, die empfohlenen Maßnahmen sollten auf dem Verordnungsweg zu regeln sein oder sie betreffen andere Rechtskreise. Dennoch kommt Jägern bei der Erkennung, aber auch der Bekämpfung der Krankheit, eine hohe Verantwortung zu, welcher sie durch Schärfung des Bewusstseins für die Problematik und durch fachlich richtiges Handeln in der Praxis gerecht werden müssen. Eine Reduktion des Schwarzwildes ist in diesem Zusammenhang wichtig, wichtiger ist es allerdings, die Einschleppung zu verhindern (diese ist unabhängig von der Schwarzwilddichte!). Sollte es doch zu einer Infektion in Mitteleuropa kommen, und dies ist derzeit jederzeit möglich bzw. sogar sehr wahrscheinlich, so ist es vor allem wichtig, diese rechtzeitig zu erkennen und dann durch die Veterinärbehörden (ggf. unterstützt durch sehr erfahrene lokale Jäger) zu bekämpfen. +++ Weitere Artikel zur Afrikanischen Schweinepest Interview Prof. Sven Herzog in Zeit Online: Das ist irreführende Propaganda
- Afrikanische Schweinepest: Forderungen nach intensiverer Jagd auf Wildschweine nicht zielführend
In Polen und Tschechien steht die Afrikanische Schweinepest (ASP) in den Startlöchern, um den Sprung über die noch etwa 400 bis 500 km entfernte Grenze nach Deutschland zu machen. Das kann relativ rasch gehen oder auch noch zwei, drei Jahre dauern. Von Georgien (2007) bis zum Baltikum hat die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest sieben Jahre gedauert. 2014 wurden auch erste Fälle an der Ostgrenze Polens registriert. Der Sprung nach Tschechien (Entfernung ca. 600 km) hat weitere drei Jahre gedauert. Bis zum Oktober 2007 sind in Georgien ausschließlich Hausschweine infiziert (rote und dunkelgraue Punkte). Dass das Virus - das für den Menschen ungefährlich ist - kommen wird, darüber sind sich die meisten Experten einig. Man weiß auch, wie das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Deutschland eingeschleppt wird: Als riskante Einschleppungswege für die ASP sieht das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) vor allen Dingen die illegale Einfuhr von infizierten Schweinen und von tierischen Nebenprodukten aus Osteuropa. Auch andere indirekte Übertragungswege (Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände, einschließlich Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräten und Maschinen, Kleidung) sind ein Risiko. Wildschweine haben dagegen weder auf dem Weg der Seuche von Georgien nach St. Petersburg eine entscheidende Rolle gespielt, noch werden sie aller Voraussicht nach das Virus nach Deutschland einschleppen. Dafür sind die Entfernungen viel zu groß. In den Folgejahren breitet sich das Virus zunächst nördlich von Georgien in Russland aus. Jetzt sind auch Wildschweine infiziert (transparente Punkte). Im November 2011 wird das Virus erstmals nördlich des Baltikums im ca. 1.600 km entfernten St. Petersburg festgestellt – in einem Hausschweinebestand. Jeder Politiker, jeder Jagd- oder Bauernfunktionär wird Lügen gestraft sein, wenn er die Forderungen nach noch intensiverer Jagd auf Wildschweine mit dem Risiko der Einschleppung der ASP begründet. Die Wildschweinedichte in Deutschland hat keine Auswirkung auf das Risiko der Einschleppung der ASP. Etwas anderes wäre es, eine wie auch immer geartete Wildschweinedichte durch intensivere Jagd reduzieren zu wollen, um im Falle eines Ausbruchs der ASP in Deutschland ein geringeres Risiko der Verbreitung durch Wildschweine zu haben. Doch ist das mit jagdlichen Mitteln gar nicht erreichbar. Mehr als zwei Jahre später tauchen im Februar 2014 erste Fälle der ASP in Wildschweinepopulationen (blau) in Litauen und der Ostgrenze Polens auf. Darauf hat Wildtierschutz Deutschland bereits 2011 aufmerksam gemacht, als ein Teil der Presse mal wieder eine angebliche Wildschweinschwemme im Fokus hatte, oder 2013, als die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Höfken (Die Grünen) durch die endgültige Abschaffung der Schonzeit für Wildschweine lokal Furore machte, um Schäden in der Landwirtschaft zu reduzieren und „mehr zum Tierschutz beizutragen“. Aber weder ist das seit 2002 erstmals in Rheinland-Pfalz angewandten Bejagungskonzept für Wildschweine aufgegangen, noch das anderer Bundesländer. Heute werden in Deutschland unter Nichtbeachtung von Tierschutznormen mehr Wildschweine abgeschlachtet, als je zuvor. In den nächsten drei Jahren verbreitet sich die Afrikanische Schweinepest fast flächendeckend im Ostteil der baltischen Länder. Im Juni 2017 macht die ASP erneut einen Sprung von etwa 600 Kilometern und wird erstmals bei einem Wildschwein im Osten Tschechiens nachgewiesen. Die europäische Behörde für Nahrungsmittelsicherheit (EFSA – European Food Safety Authority) hat 2014 einen wissenschaftlichen Bericht veröffentlicht, der vor dem Hintergrund der Vermeidung von Eintragung und Ausbreitung der ASP die Gründe für das sinnlose Unterfangen einer Reduzierung der Wildschweindichte allein durch jagdliche Mittel darlegt und auch Empfehlungen ausgesprochen: Demnach ist eine intensive Jagd kein Mittel, um das Risiko der Einschleppung und Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Wildschweinpopulationen zu reduzieren. Hauptgründe dafür, dass sich Wildschweinbestände auch durch drastische jagdliche Maßnahmen, wie wir sie jetzt in Deutschland sehen, nicht reduzieren lassen, sind das Anpassungsverhalten von Wildschweinen das kompensatorische Wachstum der Population die mögliche Zuwanderung von Wildschweinen aus angrenzenden Gebieten. Die Behörde stellt des Weiteren fest, dass es nicht einmal möglich ist Schwellenwerte für die Wildschweinedichte für die Einschleppung, Verbreitung und Persistenz des Virus in Wildschweinpopulationen zu ermitteln. Das heißt auf Deutsch, niemand weiß, wie viele Wildschweine es in Deutschland oder in bestimmten Regionen gibt oder wie stark man die Population überhaupt reduzieren muss, um das Risiko zum Beispiel der Verbreitung zu minimieren. Je mehr die geschätzte Populationsgröße vom tatsächlichen Bestand abweicht, desto größer ist der Fehler bei der Bewertung der Effizienz einer Methode zur Reduzierung der Wildschweinpopulation. Die Schätzung der Größe einer Wildschweinpopulation bleibt aufgrund ihrer komplexen sozialen Struktur, des nächtlichen Aktivitätsmusters und der Bevorzugung dichter Vegetation wohl vorerst eine ungelöste Herausforderung. Hier eine Zusammenfassung von Schlussfolgerungen und Empfehlungen der ESFA: 1 – zur Möglichkeit, die Zahl der Wildschweine drastisch zu reduzieren: Wildschweinpopulationen sind auch durch drastische jagdliche Mittel in Europa niemals zurückgegangen. Jagdliche Bemühungen können zu adaptiven Verhalten der gejagten Wildschweine, zu kompensatorischem Wachstum des Bestands und zur Zuwanderung von Wildschweinen aus angrenzenden Gebieten führen. 2 – Auswirkungen eines erhöhten Jagddrucks in einem vom Afrikanischen Schweinepestvirus freien Gebiet auf das Risiko der Einschleppung und Ausbreitung: Jagd ist keine sinnvolle Maßnahme, um das Risiko der Einschleppung und Verbreitung der ASP in Wildschweinpopulationen zu verringern. Dichtegrenzen für die Einschleppung, Ausbreitung und Persistenz der ASP in Wildschweinbestände sind schwierig bis unmöglich zu etablieren. Das bedeutet, das eine Effizienz der jagdlichen Maßnahmen nicht ermittelt werden kann – der Marketingmann spricht hier von fehlenden KPI’s (Key Performance Indicators). Der Versuch einer intensiven Reduzierung des Schwarzwilds kann das Übertragungsrisiko der ASP erhöhen und die progressive geographische Verbreitung der Krankheit erleichtern. Es ist bekannt, dass ein intensiver Jagddruck auf die Wildschweinpopulation zur Verbreitung von Gruppen und Individuen führt. Bei der aktuellen Hysterie von Bauernfunktionären und Landwirtschaftsministerien werden Mindeststandards des Tierschutzes außer Kraft gesetzt. Bild: Detlef Hinrichs Empfehlungen der EFSA von 2014: Um die Eintragung und Ausbreitung von ASP zu vermeiden, sollten Strategien zur Populationsbewirtschaftung darauf basieren, dass die derzeitige Populationsdichte und Dynamik der Wildschweine stabil bleibt – derzeit passiert das Gegenteil, durch die Intensivierung der Jagd werden komplexe Sozialstrukturen zerstört und ein erhöhtes kompensatorisches Wachstum provoziert. Über alternative Herangehensweisen wie zum Beispiel die Geburtenbeschränkung durch die Verabreichung von Antikörpern wird in den zuständigen Ministerien nicht einmal nachgedacht. Präventive Maßnahmen zur Eintragung der ASP durch die Einfuhr von infizierten Schweinen, kontaminiertem Schweinefleisch, Menschen, Fahrzeugen, Futtermitteln usw.. Hier wird seitens der verantwortlichen Politiker unseres Erachtens nicht der Schwerpunkt gesetzt. Priorität muss der Einsatz sämtlicher Mittel zur Unterbindung der Einbringung der ASP durch den Menschen sein. Dazu gehört die wildschweinsichere Abzäunung von Autobahnparkplätzen, die tägliche Reinigung der Straßenränder von Einfallstraßen aus dem östlichen Ausland, die Unterbindung der Einfuhr oder Einbringung sämtlicher, nicht geprüfter Schweinefleischprodukte, das Verbot von Jagdreisen in kontaminiertes Gebiet, das Verbot der Grenzüberschreitung von Tiertransportern nach Deutschland, die Definition von Hygienemaßnahmen und deren Überprüfung im Vorfeld eines Seuchenfalls. Davon hört man seitens der Agrarministerien recht wenig. Plakate an den Grenzen und auf Parkplätzen zu kleben, dürfte wohl nicht ausreichen. Bessere Kenntnisse über die epidemiologische ASP-Situation sind erforderlich, um ein Kontrollprogramm zu konzipieren, das aus mehreren Kontrollmaßnahmen besteht und alle relevanten Risikofaktoren erfasst. Bessere Überwachungsinstrumente für die Populationsdichte von Wildschweinen, die möglicherweise nicht auf Jagddaten basieren, werden benötigt. Hier ist seit 2014 wohl nichts passiert. Die Dynamik der Wildschweinpopulationen und Mittel zur Kontrolle der Wildschweinpopulation erfordern weitere Forschung. Auch hier scheint die Politik seit dem Aufruf der ESFA geschlafen zu haben. Die europaweite Politik im Bereich Umwelt / Landwirtschaft sollte die Auswirkungen auf die Dynamik der Wildtierpopulation beim Management von Wildtierkrankheiten berücksichtigen. Das Gegenteil ist der Fall. In Deutschland werden inzwischen allein Mais und Raps auf einer Fläche, die der Größe von Mecklenburg-Vorpommern entspricht, angebaut. Quellen: Friedrich-Loeffler-Institut: Tierseuchengeschehen Afrikanische Schweinepest SCIENTIFIC REPORT OF EFSA: Evaluation of possible mitigation measures to prevent introduction and spread of African swine fever virus through wild boar Noch mehr über die Afrikanische Schweinepest erfahren Sie in diesen Artikeln
- Nilgänse werden zu Unrecht verteufelt
Aktuell werden im Bad Homburger Kurpark Nilgänse geschossen. Die Stadt hatte beschlossen die dort 87 lebenden Tiere durch einen Berufsjäger erlegen zu lassen. Auch die dort lebenden Kanadagänse sind der Stadt ein Dorn im Auge. Man wolle wieder Enten und Schwäne am gleichnamigen Teich sehen. Anstatt mildere Maßnahmen anzuwenden, setzt die Stadt Bad Homburg aufs Töten. Auch andere Tierschutzorganisationen kritisieren die aktuellen Maßnahmen. Nilgänse genießen zu Unrecht ein schlechtes Image. Wesentlich haben dazu die Jagdverbände und teilweise auch Naturschutzverbände beigetragen. Aber auch gewisse Medien, welche der Jagd sehr freundlich gegenüber gestimmt sind, heizen die Stimmung gegen Nilgänse auf. Mundpropaganda erledigt den Rest. Viele Menschen plappern einfach alles nach, ohne sich selber die Mühe zu machen zu recherchieren und Fragen zu stellen. Wie kam die Nilgans nach Deutschland? Die Nilgans stammt ursprünglich aus Ägypten und war bereits in der Antike als Parkvogel bekannt. Nach Deutschland kamen die Gänse, welche eigentlich Enten sind, über Großbritannien und die Niederlande, wo sie schon seit dem 17. Jahrhundert als Ziervögel gehalten wurden. Sind Nilgänse invasiv? Nilgänse gehören zu den Neozoen, also zu den Neubürgern. Tierarten welche in einem Gebiet ursprünglich nicht heimisch waren und unter direkter oder indirekter Mithilfe in dieses Gebiet gebracht wurden werden Neozoen genannt. Vertreiben Nilgänse andere Arten wie Enten und Schwäne? Ein ganz klares NEIN. Es wird immer wieder gerne von Gegnern der Nilgänse behauptet sie vertreiben andere Wasservögel wie z.B. Enten und Schwäne. Tatsächlich leben Gänse, Enten und auch Schwäne friedlich beisammen. Der Nilgans wird auch immer wieder Aggressivität unterstellt, wenn sie ihre Jungen gegenüber anderen Tieren verteidigt. Dabei ist dies ein natürliches Verhalten - auch Schwäne verteidigen ihre Jungen, diese sogar auf Leben und Tod. Der Rückgang der Stockenten ist vielmehr durch die Jagd, Gewässerverschmutzung durch Bleirückstände (durch die Jagd) sowie den Freizeitfaktor (Boote, freilaufende Hunde, Füttern mit Brot) zurückzuführen. Sind Nilgänse Krankheitsüberträger? Nilgänse übertragen nicht mehr oder weniger Krankheiten als andere Vögel auch. Sie ernähren sich hauptsächlich von Gräsern, Kräutern und Wasserpflanzen. Der Kot der Tiere besteht deshalb aus unverdauten Pflanzenresten und ist nicht gefährlich. Außerdem dient der Gänsekot anderen Tieren als Nahrung. Müssen wir Angst vor Nilgänsen haben? Ein absolutes Nein. Nilgänse sind sehr freundliche und soziale Tiere und wir sollten uns an den bunten Gänsen erfreuen. Nilgänse leben in friedlicher Co-Existenz mit Nutrias, Stockenten, Schwänen, Rallen und Möwen sowie Kormoranen zusammen und wir Menschen sollten das endlich auch tun und unsere Vorurteile gegen jegliches Fremde abbauen. Denn jedes Neue bedeutet auch einen Neuanfang und eine Zukunft. Projekt Oase - Mensch und Tier im Einklang e.V. Martina Chane ist Gründerin des Vereins und kämpft gegen die vielen Vorurteile gegenüber den Gänsen. Sie hilft nicht nur verletzten Nilgänsen, welche mit Absicht getreten oder mit dem Fahrrad angefahren werden, sondern auch allen anderen Wasservögeln und Tieren in einer Notlage. Das Projekt ist hauptsächlich rund um Frankfurt am Main tätig, aber auch in der Umgebung, wenn dies erforderlich sind. Wie man das Projekt unterstützen kann erfährt man unter der Homepage. +++ Hier gibt es weitere Informationen zur Nilgans und hier auch einen Info-Flyer:
- Das wahre Gesicht der Jagd - Drückjagd schlägt in Hetzjagd um
Was sich an diesem wunderschönen Vormittag des 1. Advent 2020 auf der Rheininsel Langenau in Ginsheim bei Groß-Gerau abspielte, werden die unfreiwilligen Augenzeugen so schnell nicht wieder vergessen können. Eine angemeldete Drückjagd mit 20 Jägern und Treibern, mit dabei 10 Hunde. Kurz nach Anbruch der Jagd geraten die Hunde der Jagdgesellschaft völlig außer Kontrolle und stöbern zwei Rehe auf, darunter ein älteres Kitz ca. 6 bis 7 Monate alt. Während die Ricke fliehen konnte, hat das Jungtier keine Chance gegen die Hundemeute. Diese fallen über das Kitz her, reißen es zu Boden und verbeißen sich in das schreiende um sein Leben kämpfende Tier. Die Jäger brauchen mindestens zwei Minuten bis diese ihre Hunde und das angefallene Rehkitz erreichen und bald ebenso lange bis sie die Hunde vom Kitz trennen können. Danach wird das Rehkitz in die Büsche gezogen. Jagdleiter Faber versucht sich im Zeitungsinterview rauszureden und stammelt etwas von „Normalerweise halten sich keine Rehe im Gebiet von Wildschweinen auf.“ Eine große Zahl von Spaziergängern wurden auf der gegenüberliegenden Altrheinseite Zeuge dieser schrecklichen Tat und schrien, riefen die Polizei. Anstatt genau in diesem Moment die Jagd abzubrechen, führte Jagdleiter Faber die Drückjagd fort und ignorierte die entsetzten Rufe und Schreie der Menschen, Menschen die er seit Jahren kennt. Lachend und grölend ging die Jagd weiter. Erst nach Eintreffen der Polizei wurde die Jagd abgebrochen. In der Zwischenzeit wurde ein weiteres Reh aufgeschreckt und ein Wildschwein schrie verzweifelt um sein Leben, kurz darauf verhallten die Schreie des Tieres. Nach Bundesjagdgesetz § 19 Abs. ( 1 ) Nr.13 ist es verboten eine Hetzjagd auf Wildtiere auszuüben. Eine Hetzjagd ist eine Jagd, bei der das Wild verfolgt, überholt und festgehalten wird, ehe es der Jäger abfängt. Die Hunde dieser Gesellschaftsjagd haben das Kitz nicht nur aufgestöbert, sondern verbotswidrig gehetzt und gerissen. Auch waren die eingesetzten Hunde nicht ausschließlich Stöberhunde, es wurden u.a. hochbeinige Hunde eingesetzt wie Münsterländer, Laika und ein Bullterrier-Mix. Diese Hunde eignen sich keinesfalls für eine ordnungsgemäße und tierschutzgerechte Jagd auf Wildtiere, wenn man überhaupt bei einer Jagd von tierschutzgerecht sprechen kann. Drückjagden finden derzeit überall im Lande statt mit der Begründung die Bestände der Wildschweine zu reduzieren. Ein richtiger KRIEG gegen diese Tiere ist mittlerweile ausgebrochen. Die Jagdverbände beteuern, dass die Bejagung auf Wildschweine erforderlich sei, um die Afrikanische Schweinepest einzudämmen. Dabei geht vom Menschen das größere Risiko der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest aus. Durch das Anreisen aus ASP Hotspots aus dem In - und Ausland wird die Seuche durch kontaminierte und nicht ausreichend desinfizierte Autos übertragen. Wildschweine welche an der Seuche erkranken leben in der Regel nicht lange genug um diese weiterzutragen. Informationen zur ASP und zur Jagd auf Wildschweine Wildtierschutz Deutschland e.V. hat Anzeige wegen verbotener Hetzjagd bei der zuständigen Unteren Jagdbehörde gestellt. Ebenso fordert Wildtierschutz Deutschland e.V. eine Prüfung der eingesetzten Hunde, denn zumindest die Rasse Laika eignet sich keinesfalls zum Aufstöbern von Wild. Des weiteren soll überprüft werden, ob die eingesetzten 10 Hunde überhaupt eine Brauchbarkeitsprüfung zum Stöberhund absolviert haben. Sollte es so sein, dass dem Jagdleiter klar gewesen sein muss, dass sich die Hunde nicht zur Stöberjagd eigneten, ist davon auszugehen das er sich nach dem Tierschutzgesetz strafbar gemacht hat, da die Jagd von Anfang an nicht weidgerecht war. Pressebericht
- Drückjagd mit schwer verletzten Wildschweinen
Schon lange stehen Drück- und Treibjagden aus Sicht des Tierschutzes in großer Kritik. Erst am 1. Advent-Sonntag gerieten bei Ginsheim-Gustavsburg Jagdhunde außer Kontrolle und rissen ein Reh vor den Augen meiner Kollegin für die Sektion Hessen und etlicher Passanten, die alle von der gegenüberliegenden Rheinuferseite das Ganze miterleben mussten (Wildtierschutz Deutschland hat Anzeige erstattet!) Hier ein Pressebericht. „Waidwundschuss“ Eine angekündigte Jagd rund um den Kapellenberg/Taunus am Freitag, 04.12.2020 lief zwar nicht offensichtlich aus dem Ruder, dennoch zeigt die Verletzung des dort getöteten Wildschweines sehr deutlich, dass ein sauberer Schuss auf hochflüchtige Tiere, die von Jagdhunden gehetzt werden, kaum möglich ist. Auf unsere Nachfrage, wie viele Tiere getötet wurden, gab es noch keine offiziellen Angaben, da noch nicht aus allen Gebieten Informationen vorlagen und die Nachsuchen nach verletzten Tieren noch nicht abgeschlossen waren. In einem Online-Jagdforum berichtet ein Jäger über sein Erlebnis von diesem Wochenende: „4 sauen waren im Treiben, zwei vielen in meiner anstellergruppe . Eine dritte wurde beschossen und morgen früh mit dem Profi nachgesucht . Vermutlich Laufschuss , die Hunde haben kurz gestellt , für den Hundeführer aber kein Rankommen . Danach nichts mehr . Ich konnte einen kranken frischling erlegen . Hoffentlich bekommt das Gespann morgen noch die dritte sau. Nachtrag zu #215: Die kranke Sau wurde heute morgen nach 5 km Riemenarbeit gestellt und erlöst . Schuss war sehr hoch durch beide Hinterläufe noch unterhalb der Keulen .“ Afrikanische Schweinepest (ASP) und Risikogruppe Jäger Hintergrund der ganzen Gesellschaftsjagden, die trotz der akuten Pandemielage überhaupt stattfinden dürfen, sei die Prävention der Afrikanische Schweinepest, die für uns Menschen und andere Haustiere gesundheitlich nicht gefährlich ist! Der Tierschutzverein TierfreundLich e.V. hat dazu einen offenen Brief an die hessische Umweltministerin geschrieben und die Frage gestellt "Was ist wichtiger? Die Bekämpfung einer Seuche, die weltweit Leben und Gesundheit von Menschen bedroht - oder die angebliche Prävention einer (in Hessen nicht vorkommenden) Tierseuche mit endemischen Charakter?" Hinzu kommt, dass auch Jäger zu einer Verbreitung der ASP beitragen können: Prof. Thomas Mettenleiter (Leiter des Friedrich-Löfflers-Institutes): "Viele Landwirte sind auch Jäger, deshalb ist bei der Mitnahme von Fleisch und Trophäen besondere Sorgfalt geboten." Nicht jedes geschossene Schwein werde auf eine ASP-Infektion untersucht, da die Tiere bereits kurz nach der Ansteckung deutliche sichtbar erkranken und dann schnell sterben. Dennoch besteht natürlich auch bei einem scheinbar gesunden Tier ein Restrisiko." Appell an das Hessische Umweltministerium Wir appellieren daher an das hessische Umweltministerium, die Ausnahmegenehmigungen zur Durchführung von Gesellschaftsjagen während der Coronapandemie wieder aufzuheben, denn der Tierschutz bleibt mittlerweile komplett auf der Strecke und gerade im Hinblick auf die aktuelle Pandemiesituation sollten solche Jagden nicht noch als weiterer Risikofaktor ausgeführt werden.
- Die Waschbären-Lügen des Jagdverbands
Pressemitteilungen des Deutschen Jagdverbands zu tierischen Neubürgern wie dem Marderhund, der Nilgans oder dem Waschbären zeichnen regelmäßig ein sehr undifferenziertes und vorgefertigtes, teilweise falsches Bild dieser Tierarten. So auch aktuelle Berichte, die versuchen, der Jagd auf den Waschbären durch die Möglichkeit der Verwertung als Lebensmittel einen vernünftigen Grund nach dem Tierschutzgesetz anzudichten. In Hessen wurden erste Waschbären in den 1930er Jahren durch Jäger zur Bereicherung der jagdlichen Fauna am Edersee ausgesetzt. Schon 1981 äußerte sich Dr. Walburga Lutz, eine Pionierin der deutschen Waschbärenforschung, so: „Die Einbürgerung des Waschbären ist erfolgreich verlaufen und nicht mehr rückgängig zu machen, wir sollten deshalb lernen, mit ihm leben zu müssen.“ Der Deutsche Jagdverband lässt durch seinen Pressesprecher verkünden, dass der Waschbär heimische Tierarten bedrohe, vor allen Dingen Vögel. Diese Behauptung entspricht nach Aussagen von Forschern nicht der aktuellen Datenlage. Die führenden europäischen Waschbärenforscher kommen zu folgenden Resultaten: Wissenschaftliche Studien von Berit und Frank Michler aus dem Müritz-Nationalpark, wo Waschbären die höchsten Populationsdichten für naturnahe Habitate in Europa erreichen, konnten keine negativen ökologischen Auswirkungen auf andere heimische Tierarten in diesem Lebensraum bestätigen (MICHLER). Beim Waschbären handelt es sich um einen ausgesprochen generalistisch lebenden Sammler, der Nahrungsressourcen nutzt, die in hoher Zahl verfügbar sind und bei dem bis heute keine wissenschaftlichen Daten vorliegen, die einen ernsthaften Prädationsdruck auf andere Arten belegen. Die Aussage des Deutschen Jagdverbandes, dass der Waschbär hierzulande keine Fressfeinde habe, ist ebenso falsch. Falsch zum einen deshalb, weil Fuchs, Wolf, Uhu, Baummarder und Greifvögel dem Waschbären durchaus an den Kragen gehen können, grundlegend falsch aber auch, weil Fressfeinde auch in anderen Regionen nie eine bedeutende Rolle für die Regulierung des Waschbären gespielt haben. Maßgeblich für den Bestand der Waschbären sind Nahrungsangebot, Krankheiten, Wetterkapriolen. Die vom Deutschen Jagdverband – und keineswegs, wie der Anschein von Verlautbarungen der Jäger erweckt, durch die EU – propagierte Jagd ist tierquälerisch, im Hinblick auf die Eingrenzung der Zahl der Waschbären nicht zielführend, ja sogar kontraproduktiv. Waschbären werden sich mit oder ohne Jagd in Deutschland so lange ausbreiten, bis sie die Lebensraumkapazität weitgehend ausschöpfen. Die Jagd kann das nicht aufhalten, geschweige denn verhindern. Auch deshalb, weil Waschbären - wie übrigens auch Füchse oder Wildschweine - hohe Verluste durch mehr Geburten schnell ausgleichen können. Wildtierschutz Deutschland beruft sich auf wissenschaftliche Expertise zu anderen generalistisch lebenden Beutegreifern wie den Füchsen und auf eine amerikanische Studie: Die zeigte nämlich auf, dass die Bejagung von Waschbären zu keinerlei Bestandsreduktion führte, sondern lediglich zu einer Verschiebung im Altersklassenaufbau mit einem deutlich höheren Anteil an Jungtieren und trächtigen Fähen gegenüber unbejagten Populationen. (ROBEL). +++ MICHLER, B.A. (2020): Koproskopische Untersuchungen zum Nahrungsspektrum des Waschbären Procyon lotor (Linné, 1758) im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern) unter spezieller Berücksichtigung des Artenschutzes und des Endoparasitenbefalls. - Wildtierforschung in Mecklenburg-Vorpommern, Band 5, 168 S.) ROBEL, R.J. et al.: Racoon Populations: Does Human Disturbance Increase Mortality? In Transactions of the Kansas Academy of Science 93 (1-2), 1990, S. 22-27 Lesen Sie auch: Waschbären: erfolgreiche Einbürgerung - nutzlose Jagd Jäger können die Ausbreitung des Waschbären nicht verhindern
- Nachwuchsschwemme hausgemacht: nie gab es so viele Wildschweine und Rehe
Der Deutsche Jagdverband veröffentlicht alljährlich die sogenannte Streckenstatistik. Daraus geht hervor, wie viele Tiere durch die Jagd "auf der Strecke" geblieben sind. Viele Tierarten wie Schwäne, Rabenkrähen, Elstern, Eichelhäher, Kormorane, aber auch Hunde und Katzen, werden in der Jagdstatistik gar nicht erst erfasst, ebenso wenig wie nicht aufgefundene, den Verletzungen erlegene Tiere oder Opfer, die illegal erschossen oder aus Bequemlichkeit nicht erfasst werden. Die Streckenstatistik des Jagdverbandes weist jährlich etwa fünf Millionen getötete Wildtiere aus, darunter auch ein Teil der durch Verkehrsunfälle umgekommenen Tiere. Insgesamt dürften etwa sechs bis sieben Millionen Tiere Opfer des Jagdsports sein. Der Sinn der Freizeitbeschäftigung Jagd wird nicht mehr nur von wenigen Jagdkritikern hinterfragt. Die Gesellschaft stellt Fragen, wie: Warum dürfen Jäger in vielen Bundesländern immer noch Hunde und Katzen erschießen? Weshalb werden Tiere getötet, deren Bestände sich auch ohne Jagd nicht signifikant verändern? Warum tötet man Tiere, um sie anschließend zu entsorgen? Warum haben wir in Deutschland die längsten Jagdzeiten für Rehe, Wildschweine und Hirsche in Europa? Wann wird endlich diskutiert, für welche Tiere es überhaupt einen vernünftigen Grund für die Jagd gemäß dem Tierschutzgesetz gibt? Warum folgt die Politik in Sachen Jagd fast ausschließlich den Lobbygruppen des Forstes, der Landwirtschaft und der Jagd und nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen der letzten 40 Jahre? Die Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Erfordernis über neue Wege im Wildtiermanagement nachzudenken resultiert auch nie dagewesenen Beständen von Rehen und von Wildschweinen. Während in den 1980er Jahren jedes Jahr noch etwa 800 – 900.000 Rehe und 150 – 250.000 Wildschweine erlegt wurden, waren es im letzten Jahrzehnt bis zu 1,25 Millionen Rehe und 600 – 880.000 Wildscheine pro Jahr, Tendenz steigend. „Die Jagd wird ihrem Auftrag der Bestandsregulierung nicht gerecht, trotz der zunehmenden Intensivierung der Jagd, im Rahmen von Treib- und Drückjagden nicht selten in Armeestärke von bis zu 300 Personen plus Hunden, und trotz Aufhebung von Schonzeiten wird das Wild nicht weniger, sondern mehr. Die Jagd ist völlig kontraproduktiv, auch weil dadurch mit einer intakten Sozialstruktur der letzte limitierende Faktor der Zahl der Wildschweingeburten zerschossen wird. Darüber hinaus trägt die Fütterung zu Jagdzwecken, die sogenannte Kirrung dazu bei, dass auch junge Tiere so kräftig werden, dass sie bereits vor Vollendung des ersten Lebensjahres Nachwuchs bekommen. Schon vor vielen Jahren haben wir darauf hingewiesen, dass der Jagdbetrieb hinsichtlich der Reduzierung der Zahl von Rehen oder Wildschweinen nicht zielführend ist. Weil Jäger, Behörden und Politik schon lange mit ihrem Latein am Ende sind, ermöglichen oder tolerieren sie immer neue Jagdpraktiken, die zwar nicht zur nachhaltigen Reduzierung der Wildtierbestände führen, aber erhebliches Tierleid provozieren. +++ Norbert Happ, Jäger und bekanntester deutscher Wildschweinkenner in Wild und Hund, Ausgabe 23/2002: „Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht.“ Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich: „Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten“. Lesen Sie auch: Arme Sau – Tierschutz wird bei der Wildschweinjagd grob vernachlässigt












