• Lovis Kauertz

Nachtzieltechnik: Deutscher Jagdverband will die totale Jagd

Dem Deutschen Jagdverband (DJV) reicht es nicht, dass Deutschland schon heute die längsten Jagdzeiten in Europa hat. Er will mehr: Die totale Jagd - rund um die Uhr. Die soll mit der Legalisierung von Nachtzieltechnik mit Infrarotaufheller möglich werden. In seiner Stellungnahme zur aktuellen Novellierung des Bundesjagdgesetzes äußert sich der DJV so, dass der Einsatz von Nachtzieltechnik nicht nur für Wildschweine, sondern gleich auch für die Bejagung invasiver Arten möglich sein sollte.

Der Einsatz von Nachtzieltechnik wird die Wildtiere noch mehr stressen, als die ohnehin schon intensive Jagd das tut, mehr Wildschweine werden deshalb aber wohl nicht getötet.

Bild: Detlef Hinrichs

Schon heute ist der Wald die Schießbude der Nation. Durch 380.000 Jagdscheinbesitzer sterben durchschnittlich 16.000 Tiere – jeden Tag. Etwa sechs Millionen pro Jahr. Bis anderthalb Stunden vor und nach Sonnenuntergang darf regulär alles gejagt werden, was Jagdzeit hat. Wildschweine werden schon heute rund um die Uhr gejagt, selbst unter Zuhilfenahme externer Lichtquellen. Füchse, Dachse, Waschbären werden seit eh und je wie Freiwild zu jeder Tages- und Nachtzeit erschossen.

Unter Jägern ist die Nachzieltechnik bereits weit verbreitet (Quelle: DJV-Stellungnahme BJagdG vom 13.7.2020), die Verwendung, abgesehen von Ausnahmen, aber illegal - es ist ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Die mit der Langwaffe kombinierte Nachtzieltechnik soll nun gemäß des Referentenentwurfs der Klöckner-Administration und dem Plazet des DJV zunächst für Wildschweine legalisiert werden, obwohl die Effizienz in Bezug auf die Wildschweinbejagung von vielen Seiten angezweifelt wird.

Dazu Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland: „Den Tieren wird mit dem Wald der letzte Rückzugsort genommen. Durch den Einsatz der Nachtzieltechnik, die in der Praxis nicht auf den dann legalen Einsatz beschränkt sein wird, wird die Nacht zum Tage gemacht. Selbst wenn die Effizienz dieser Technik in Bezug auf die Jagdstrecke nicht gegeben ist, so führt sie doch zu einer weiteren Beunruhigung der Wildtiere. Letztlich wird damit auch mehr Verbiss von jungen Pflanzen provoziert. Genau das, was Klöckner durch die Intensivierung der Jagd eigentlich vermeiden möchte.“

Von der Weidgerechtigkeit haben sich die Jagdverbände nicht erst mit der Forderung der Ausschöpfung aller technischen Möglichkeiten bei der Jagd verabschiedet, spätestens mit der Vergasung von Füchsen und Dachsen ab den 1960er Jahren kann man davon nicht mehr sprechen. Noch heute gilt es als weidgerecht, die bereits werdenden Fuchsväter oder hochtragende Füchsinnen zu töten oder ganze Fuchsfamilien am Ort der Aufzucht ihrer Jungtiere auszulöschen. Tierischen Neubürgern wie Waschbär oder Marderhund gönnt der Deutsche Jagdverband nicht einmal eine angemessene Schonzeit zur Aufzucht ihrer Welpen, in Bayern dürfen Elterntiere gar während der Aufzucht ihrer Jungtiere erschossen werden.

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Lesen Sie auch: Kritik am Bundesjagdgesetz - Offener Brief an Julia Klöckner

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