• Lovis Kauertz

Mehr Jagd - mehr Afrikanische Schweinepest

Wie das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) in der Dezemberausgabe seines Bulletins berichtet, sind die Funde von mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infizierten Wildschweinen in den letzten drei Monaten in Brandenburg und in Sachsen stark angestiegen. Allein im Dezember wurden 210 infizierte Tiere gemeldet.


Mit dem Tod einer Jungtiere führenden Wildsau wird die Frischlingsrotte zersprengt. Bevor die Tiere verhungern oder erfrieren steigt zunächst einmal das Risiko der Verbreitung der ASP in den betroffenen Gebieten.

Bild: Timo Litters


Das FLI führt diese Entwicklung u.a. auf die intensive Jagdaktivität in den genannten Bundesländern zurück. Die derzeit in Brandenburg und in Sachsen trotz Corona stattfindenden Drückjagden – insbesondere durch die staatlichen Forstbetriebe – erachten wir für ein erhebliches Risiko für eine mögliche Verbreitung der ASP. Die erhebliche Unruhe, die breit angelegte Drückjagden bei den Wildtieren verursachen, sorgt dafür, dass ganze Rotten sich auf Wanderschaft begeben und somit das ASP-Risiko in neue Gebiete tragen. Besonders kritisch ist die Tatsache, dass gerade bei den winterlichen Drückjagden, bei denen unerfahrene Jäger aus der gesamten Republik und dem angrenzenden Ausland teilnehmen, Jungtiere führende Bachen oft nicht als solche erkannt werden.


Wird durch den Abschuss eines Muttertieres eine Frischlingsrotte zersprengt, steigt das Risiko der Verbreitung der ASP noch einmal, weil gerade Jungtiere aufgrund geringerer Abwehrkräfte ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Dazu sollte man wissen, dass Wildsauen aufgrund einer guten Nahrungsverfügbarkeit einerseits und andererseits wegen der Zerstörung reproduktionsmindernder Sozialstrukturen durch die Jagd ganzjährig Junge bekommen.


Die Jagd auf Wildschweine hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht als zielführend hinsichtlich der Reduzierung der Zahl der Wildschweine erwiesen. Trotz der intensiven, nicht mehr tierschutzkonformen Jagd auf die Schwarzkittel, nimmt ihr Bestand kontinuierlich zu. Im Jagdjahr 2019/20 zählte die Jagdstrecke 881.886 Wildschweine – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor! Wildtierschutz Deutschland wirft dem Landwirtschaftsministerium in dieser Sache Versagen vor und empfiehlt der Ministerin einen Maßnahmenplan (unser Schreiben vom 22. Dezember 2020 an Bundesministerin Klöckner).

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