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Waschbären - Offener Brief an die Landesregierung in Hessen

17 Nov 2017

In einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Hessen, Herrn Volker Bouffier, und die Umweltministerin Priska Hinz, fordern hessische Jäger wieder einmal die Aufhebung der erst kürzlich eingeführten Schonzeit für Waschbären in Hessen. Den Text des offenen Briefes der Jäger können Sie hier nachlesen.

 

 Wird von den Jagdverbänden schlecht gemacht

 

Im Folgenden hierzu unsere Entgegnung an die politisch Verantwortlichen in Hessen:

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Bouffier, sehr geehrte Frau Staatsministerin Hinz, sehr geehrter Herr Staatsminister Grüttner,

 

dem Deutschen Jagdverband, dem Hessischen Jagdverband und vielen Jägern in Hessen ist die von der Landesregierung Hessen vorgenommene Anpassung der Jagdzeiten an wissenschaftliche und ökologische Erkenntnisse ein Dorn im Auge. Deshalb ist diesen Organisationen auch jedes Mittel recht, die Errungenschaften Ihrer Koalitionsarbeit auf der einen Seite und das Ansehen der Waschbären auf der anderen Seite in ein schlechtes Licht zu rücken.

 

Ein Beispiel ist die aktuelle Diffamierungskampagne der Lakaien des Landesjagdverbandes Hessen, der Jägervereinigung Oberhessen. Durch die tendenziöse Interpretation eines beim Hessischen Landeslabor erschienen Fachbeitrags zum Spulwurm, unter Auslassung von signifikanten Fakten, die den Waschbären hinsichtlich des Risikos der Übertragung von Krankheiten auf den Menschen entlasten, wird dieser mit dem Ziel der Aufhebung von Schonzeiten zum Schädling degradiert.

 

Dass die Untersuchung des Hessischen Landeslabors, aus welchem die Jägervereinigung zitiert, ausdrücklich zu dem Schluss kommt, dass das Infektionsrisiko für den Menschen als äußerst gering eingeschätzt wird, fällt in der Bewertung der Jägervereinigung Oberhessen unter den Tisch. Auch findet keine Erwähnung, dass der Spulwurm auch durch jeden Haushund übertragen werden kann.

 

Ähnliche Diffamierungskampagnen kommen und kamen in der Vergangenheit vom Deutschen Jagdverband bezüglich weiterer „Jagdkonkurrenz“, z. B. dem Marderhund und dem Rotfuchs. Gerade erst wurde in einer weiteren wissenschaftlichen Studie aus Frankreich veröffentlicht, dass durch die intensive Bejagung des Rotfuchses das Risiko des Befalls der Tiere mit dem sogenannten Fuchsbandwurm nicht etwa reduziert, sondern erhöht (!) wird [Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm, Sebastien Comtea, Gérald Umhang et. al.].

 

Erst diffamieren - dann zerstören: Die Beutegreiferstrategie des Deutschen Jagdverbandes, Bild: Louise Dittombée

 

Dass die Jagd keinerlei positiven Einfluss auf Krankheiten bei Beutegreifern hat, wissen wir seit den 1980er Jahren. Zu dieser Zeit setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Tötung von Füchsen ein völlig ungeeignetes Mittel im Kampf gegen die Tollwut war: Einerseits vermochte man damit die Fuchsdichte nicht zu reduzieren, andererseits wurde der Tollwuterreger durch die verstärkte Migration reviersuchender Jungfüchse noch schneller verbreitet. Warum sollte das bei Waschbären anders sein?

 

Wir möchten an Sie appellieren, sich im Hinblick auf die Gestaltung der Jagdzeiten weiterhin auf wissenschaftlich fundierte Studien von jagdunabhängigen Forschern und Wissenschaftlern zu verlassen.

 

Mit besten Grüßen nach Wiesbaden 

Lovis Kauertz

Wildtierschutz Deutschland e.V.

 

Untersuchung des Hessischen Landeslabors

Studie zur Schädlichkeit der Jagd im Hinblick auf die Eindämmung des Befalls von Füchsen mit Fuchsbandwurm

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